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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
itnb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Obethessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Ji söhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 1*10 der Expedition (Markt 21), 2.00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte Sbernimmt die Reaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Donnerstag, 13. Oktober 1910.
Die Znserttonsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blatte« für die 7ge^oltene Zeile oder deren xaem 15 4, für auswärtige Inserate 20 A, kür Reklamen 40 4- — Druck und Verlag: Zoh. Ang. Koch. Universitäts-Buchdrurkerei. Inbab-r Dr. E Ljiheroth Vilarbnrg, Markt 21. — Telenkon 55.
45. Jahr-
Erttes Blatt.
Die Jahrhundertfeier der Berliner Universität.
Berlin, 11. Okt. Vormittags 10 Uhr begann der groß« Festakt der Universität in der neuen Aula. Vor dem Gebäude stand eine Ehrenkompanie. Im Vestibül bildeten Chargierten der Studentenschaft im Wichs Spalier. Im Festsaal hatten sich die Ehrengäste versammelt, die fremden Rektoren, fremden Gelehrten. Minister, die Spitzen der Behörden, die Präsidenten der Pav- lamente usw. Gegen 10 Uhr zogen die Professoren ein. Bald darauf nahte der Hof. Vom Rektor geführt und empfangen erschienen der Kaiser in Husarenuntform, die Kaiserin, der Kronprinz, die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Rupprecht von Bayern, Herzog Johann Albrecht, Regent von Braunschweig mit Gemahlin, der Reichskanzler und der Kultusminister. Rektor Erich Schmidt betrat nunmehr das Podium und hielt eine Ansprache, in der er einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Berliner Universität gab. Darauf hielt , s.j-r >
der Kaiser " , folgende Rede:
Meiner getreuen Friedrich Wilhelm-Universität entbiete ich zu ihrerhunderssjährigen Jubel- feie r Gruß und Glückwunsch: Seit dem Tage ihrer Begründung ist ihr Schicksal mit dem unseres preußisch-deutschen Vaterlandes auf daS innigste verknüpft. Als mein in Gott ruhender Vorfahre König Friedrich Wilhelm III. sie vor nunmehr hundert Jahren ins Leben rief, da geschah es, um durch geistige Kräfte dem Staate zu ersetzen, was er an physischen verloren hatte. So wurde die Universität Berlin geboren aus dem gleichen schöpferischen Geiste heraus, dem Preußens Wiedergeburt entsprang. Und dieser Geist, der Preußen-Deutschland emporhob und in Fichte, Schleiermacher,, Savignh und ihren Freunden lebendig war, machte die Universität schon nach wenigen Jahren zu einem Mittelpunkte des geistigen und wissenschaftlichen Lebens im Paterlande. Freilich war die Universität Berlin zunächst noch wett davon entfernt, eine Universitas literarum im Sinne Wilhelm von Humboldts zu sein, aber sie ist diesem Ideal immer näher und näher gekommen. Als eine Hochburg der Wissenschaften, hat sie heute weit über die Grenzen Preußens und Deutschlands hinaus internationale Bedeutung gewonnen. Im Austausch von Lehrern und Hörern sind diese Beziehungen auch äußerlich in Erscheinung getreten. Im gemeinsamen Wirken mit den übrigen Hochschulm des Landes bildet sich jetzt die „Allgemeine Lehranstalt' die man bei ihrer Gründung ins Auge gefaßt hatte. Indessen der Plan Humboldts, der über die Universität hinaus die Gesamtheit Wissenschaft- lieber Veranstaltungen umfaßte, ist noch nicht voll zur Wirklichkeit geworden, und diese weihevolle Stunde erscheint mir vorzugsweise dazu berufen, die Vollendung dessen anzuhalten, was ihm als Endüel vorgeschwebt hat. Sein großer Wissenschaftsplan verlangt neben der Akademie der Wissenschaften und der Universität selbständige ForschungsinstiMte als integrierende Teile des wissenschaftlichen Gesamtorganismus. Die Gründung solcher Institute hat in Preußen mit der Entwicklung der Universitäten nicht Schritt gehalten und diese Lücke, namentlich in unserer naturwissenschaftlichen AusrüsMng wird infolge des gewaltigen Ausschwunges der Wissenschaften immer empfindlicher. Wir bedürfen Anstalten, die über den Rahmen der Hochschulen hinausgehen und unbeeinträchtigt durch Unterrichtszwecke, aber in enger Fühlung mit Akademie und Universität, lediglich der Forschung dienen. Solche Forschungsstätten tunlichst bald ins Leben zu rufen, erscheint nur als eine heilige Aufgabe der Gegenwart und ich halte es für meine landesväterliche Pflicht, das allgemeine Interesse für dieses Unternehmen zu erbitten. Das hohe Ziel erfordert große Mittel und kann nur erreicht werden, wenn alle an dem Forsschrifi der Wissenschaft und der Wohlfahrt des Vaterlandes interessierten Kreise bereit sind, an der bedeutungsvollen Aufgabe mitzuarbeiten und für sie Opfer zu bringen. Jedermann möchte ich daher heute das neue Ziel mit der eindringlichen Mahnung .tua res agitur' vor Augen stellen und ans Herz legen. Ich hoffe und vertraue fest, daß das Werk gelingen wird. Sind Mir doch auf eine nur im engen Kreise erfolgte Bekanntgabe des Planes hin schon jetzt aus den verschiedenen Teilen des Landes mit begeisterten Zustimmungsäußerungen sehr ansehnliche Mittel — zwischen neun und zehn Millionen — Wt Verfügung gestellt worden. Den opfer
willigen Gebern auch an diefer Stelle meinen > wärmsten Dank auszusprechen, ist mir herzliches I Bedürfnis. Um dem Unternehmen aber eine I dauernde Förderung zu sichern, ist es mein Wunsch, unter meinem Protektorat und Namen eine Gesellschaft zu begründen, die sich die Errichtung und Erhaltung von Forschungsinstituten zur Aufgabe stellt. Dieser Gesellschaft werde ich gern die mir dargebotenen Mittel überweisen. Daß den zu gründenden Instituten, soweit erforderlich, auch die staatliche Hilfe nicht fehlt, wird Sorge meiner Regierung sein. Möge so der heutige Tag nicht nur ein Jubilämns- datum der Berliner Universität, sondern zugleich eine weitere Stufe in der Entwicklung des deutschen Geisteslebens bedeuten. Und noch einen Wunsch gebe ich der Universität mit auf ihren Weg in ein neues Jahrhundert: Möge sie in treuer Erinnerung an die Zeit ihres Ensstehens ihren preußssch-deutfchen Charakter bewahren! Wohl ist die Wissenschaft Gemeingut der ganzen kulturellen Welt, und ihre Errungenschaften machen heute vor keinem Grenzpfahl mehr Halt. Und dennoch: Me jede Ration ihre Eigenart wahren muß, wenn sie ihre selbständige Existenz und ihren Wert für das Ganze behaupten will, so bleibe sich die Alma mater bewlinensis stets bewußt, daß sie eine deussche Universtät ist. Wie bisher, so sei sie auch in alle Zukunft ein Sitz deutscher Sitte und deusscher Art, unb jeder, der die Ehre genießt, an ihr zu forschen, zu lehren und zu lenien, lebe seiner Pflicht, erfüllt von Wahrheitsstnn und Gründlichkeit mit dem Ernst und der Liebe bei jeglicher Arbeit, die Goethe als den Schmuck unseres Volkes pries. Möge so die Universität auch weiterhin des schönen Vorrechtes walten, die echte Wissenschaft zu pflegen, die — wie Humboldt so trefflich sagt — aus dem Innern stammt und in bag Innere gepflanzt wird, die den Charakter umbildete und Charaktere schafft. Sie tut es mit der edlen Freiheit, die sich selbst Gesetze gibt, und in dem Hochgefühl, Verwalter eines Schatzes zu sein, der der ganzen Menschheit geschentt ist.' Communis hominum thesaurus situs est in magnis veritatibus.' — Alle Wahrheit aber ist Gottes, und fein Geist ruht auf jeglichem Werk, das aus der Wahrheit stammt und zu ihr strebt! Dieser Geist der Wahrheit möge auch Euch, Komtli- tonen, erfüllen, er möge meine teure Hochschule in ihrem ganzen Wesen durchdringen! Dann wird ihr Alter sein wie ihre Jugend, und sie wird bleiben eine Stadt auf dem Berge, zu der die Völker wallen, und eine Zierde und ein Hort des Vateri.n.iLes.'
Rektor Schmidt erwiderte mit einer zweiten Ansprache. In das Kaiserhoch des Redners stimmte die tausendköpfige Versammlung begeistert ein. Der Kultusminister gab als Festgabe des Staatsministeriums und der Landsver- iretung die gebaute Fridericanische Bibliothek in der neuen Aula und den neuen Hörsaal. Der Rektor dankte mit einer dritten Ansprache. Oberbürgermeister Kirschner sprach für die Stadt Berlin und übereichte eine Stiftung von 200 000 M zu Reisestipendien. Der Rektor dankte. Die Rektoren aller preußischen und vieler deutschen und ausländischen Universitäten überbrachten Glückwünsche. Rekwr Schmidt sprach das Schlußwort. Musik endete die Feier.
Berlin, 11. Okt. Bei dem heutigen Festmahl an dem Prinz Rupprecht von Bayern und Prinz August Wilhelm von Preußen teilnahmen, leitete der Reichskanzler die Reihe der Trinksprüche ein, wobei er den Zusammenhang zwischen dem wissenschaftlichen und nationalen Leben betonte.
Auszeichnungen.
Berlin, 11. Oft. Aus Anlaß der Jubelfeier der Universität wurde dem derzeitigen Rettor Erich Schmidt Kreuz und Stern der Komture des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Ferner wurde verliehen: der Charakter als Wirflicher Geheimer Obey-Regierungs- rat mit dem Range eines Rates erster Klasse dem Vortragenden Rat im Kultusministerium Dr. Elster, der Rang eines Rates dritter Klasse dem Universitätsrichter, Geheimen Regierungsrat Dr. Daude, der Charakter als Geheimer Konsistorialrat Professor D. Seeberg, der Charakter als Geheimer Justizrat Professor Dr. Anschütz, der Charakter als Geheimer Medizinal- rai den Professoren Dr. Greef, Dr. Horstmann, der Charakter als Geheimer Regierungsrat den Professoren der philosophischen Fakultät Dr. Delbrück, Dr. Norden, Dr. Schiemann, Dr. Wilhelm Schulze, Dr. Woelflin, den außerordentlichen Professoren Dr. Barth, Dr. Frey, dem Privatdozenten Professor Dr. Marckwald und dem Lehrer am Seminar für orientalische Sprachen Professor Dr. Lange. — Es erhielten ferner den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub der ordentliche Professor an der
1 medizinischen Fakultät, Geheimer Medizinalrat Dr. Flügge, den Roten Adlerorden zweiter Klasse der Dekan der medizinischen Fakultät Dr,
Bumm, die Krone zum Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife der Dekan der theologischen Fakultät D. Kaftan, den Stern zum Kronenorden zwefler Klasse der Wirkliche Geheime Ober-Regierungsrat Dr. Schmidt im Kultusministerium, der Professor und Geheime Medizinalrat Dr. Waldeher und der Professor, Geheime Regierungsrat Franz Eilhard Schulze, den Kronenorden zweiter Klasse der Prorektor der Universität, Geheimer Justizrat Dr. Kahl, die Professoren Dr. Fritsch und Dr. Nernst; das Bildnis des Kaisers mit eigenhändiger Unterschrift im Rahmen wurde verliehe«: dem Ministerialdtrettor Dr. Naumann. — Der Charakter Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat .Exzellenz' wurde dem Kirchen- Historiker Pros Dr. Adolf Harnack, Generaldirektor der Königlichen Bibliochek, dem Professor für deuffch« Reichs- und Rechtsgeschichte Dr. Heinrich Brunner, dem Nationalökonomen Dr. Gustav von Schmoller, Mitglied des Staatsrats und des Herrenhauses, dem Professor der flassischen Philologie Dr. Ulrich von Wilamo- witz-Moellendorsf und dem Chemiker Dr. Emfl Fischer verliehen. Die große goldene Medaille für Wissenschaft erhielten die Mitglieder der philosophischen Fakultät: der Historiker Prof Dr. Eduard Meyer, der Professor der flassischen Philologie Dr. Hermann Diels und der Ch miker Dr. van't Hoff. Schließlich wurden die außerordenflichen Professoren Dr. theol. et phil. Hermann Strack (Alttestamentliche Exegese und semit. Sprachen), Dr. jur. et Phil Karl Zenner (Rechtsgeschichie) und Dr. Edmund Lesser, Direttor der Klinik für syphilitische Krankheiten, zu ordentlichen Honorarprofessoren ernannt.
Stiftungen.
Berlin, 11. Oft. Frau Maria v. Wfldenbruch setzte der Universität die ihr bis zu ihrem Tode anfallenden Einfünfie aus den hinterlassenen Werken Ernsts Wildenbruch bis zum Mindestbetrag von 100 000 JK als Vermächtnis aus. Ministerialdirettor Naumann gründete eine Vereinigung der Freunde der Universität Berlin, die in erster Linie zum Betrieb eines Studentenheims in der Nähe der Universität Mittel bereit stellen soll. Die Dottoren der Berliner Universität meldeten eine Stiftung an mit bet Bestimmung, begabten aber unbemittelten Studierenden die Promotion zu erleichtern. Der Forschungsreisende Dr. Hans Meyer-Leipzig stiftete für einen Lehrstuhl für koloniale Geographie 15000 JL Neben diesen wissenschaftlichen Stiftungen wurden der Universität eine Reihe von Kunstwerken zugewendet. Die Philosophifche Gesellschaft Berlin stiftete dm Betrag ihrer Sammlung für ein Fichtedenkmal bet Universität Die juristische Gesellschaft im Verein mit dem deutschen Juristenstande ein Savigny-Denkmal, die technischen Hochschulm des deutschen Reichs ein kostbares Kunstwerk für den Vorraum bes Festfaales der Universität, alte Schweizer Dozenten und Studenten eine monumentale Uhr, die Akademie der Künste eine Wahlurne aus Edelmetall, eine Schöpfung Hugo Lederers, Frau Wentzel-Heckmann, Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, ein Gemälde von Saltzmaun, die Kaiser Wilhelms- Akademie eine monumentale Plackette in Bronze, die Aeltestm der Kaufmannschaft Berfins einen goldenen Ehrenpokal. An literarischen Gabm sind eingegangen: Von Ambrosius Barth- Leipzig eine Barsumme von 100 000 JC und alle medizinischen Werke seines Verlages, und von B. G. Teubner wissenschaftliche Werke im Werte von 10 000 M. Eine Reihe anderer Persönlichkeiten und Korporationen haben ebenfalls Geschenke gewidmet. Dr. Eduard Simon legte durch eine Zuwendung den Grundstein zu einem Archiv und einem Museum der Berliner Universität.
Die Republik Portugal.
Nach den bisher vorliegenden Meldungen scheinen die Republikaner fest im Sattel zu fitzen. Die Ruhe ist jetzt wieder eingekehrt. Der Kamps gegen die Klöster dauert fort. Folgende Meldungen liegen heute vor:
Lissabon, 11. Okt. Mehrere Kirchen wurden wieder geöffnet. Heute morgen hißten die kirchlichen Gebäude ausländische Fahnen unb erhielten Wachen. Der apostolische Nuntius ließ auf seinem Palast die österreichische Fahne aufziehen. Es wurden keine feindseligen Kundgebungen gemeldet. Zum Finanz- minifter wird wahrscheinlich Relvas oder Eunha ernannt.
Lissabon, 11. Oft. Der Minister des Aeußeren, Bernardo Machado, etflätte in einer llnteredung mit dem Vertreter des Reuietschen Bureaus: Europa werde einsehen, daß die Republik auf festen Grundlagen errichtet sei. Die Republik werde von der
Bevölkerung willkommen geheißen. Die repuMite* nische Organisation sei eine solche, daß die Regierunß Reformen mit der Gewißheit des Erfolges unternehm men könne. Die Regierung werde nicht unterlassen, Heer und Flotte als die heroischen Begründer bet Republik zu organisieren.
Lissabon, 11. Ott. Der französische Gesanbie sor- berte bie Freilassung bes französischen Untertanen Dunoyet, Direktor eines Seminars, ben bet portugiesische Oberst Earnibe mit zwei Assistenten unb 18 Seminaristen verhaftet hatte. Die Regierung erklärte, bie Verhaftung sei lediglich eine Schutzmaßregel. Der französische Gesandte erwirtte die Freilassung von drei französischen Rönnen,
Rom, 11. Oft. Der portugiesische Geschäftsträger beim päpstlichen Stuhl machte im Auftrage der portugiesischen Regierung nunmehr dem Staatssekretär Kardinal Merry del Bal persönlich die Mitteilung von der Proklamatton der Republik und der Konstituierung der provisorischen Regierung.
Ron», 11. Oki. Wie die Zeitungen melden, gab die Regierung Anweisung, alle gesetzmäßigen Maßnahmen zur Anwendung zu bringen, um die vertriebenen portugiesischen Kongregationen zu verhindern, sich in Italien niederzulassen.
Deutsches Reich.
— Die Verfassung in Elsaß-Lothringen. Straßburg, 11. Oft. Aus Berlin gibt heute die „Straßburger Post' folgende Fessstellung: Der Erriwurf der Reichsregierung betreffend die Verfassung in Elfaß-Lothringen befindet sich augenblicklich im preußischen Staatsministerium. Derselbe wird genau durchberaten werden, da der Entwurf dann als Vorlage Preußens an den Bundesrat gehen wird. Mit den Bundesregierungen kann offiziell erst dann beraten werden, wenn der Entwurf die Genehmigung des Staatsministeriums erhalten hat. Daß die Bundesregierungen von dem allgemeinen Inhalt des Verfassnngs« und Wahlrechtsentwurfs bereits Kenntnis haben, ist, da ja auch die Oeffentlichkeit über die Grund- züge unterrichtet, ist selbstverständlich. Amtliche Besprechungen haben aber noch nicht stattgefun- ben und werden vor Erledigung der Angelegenheit im Staatsministerium auch nicht stattfinden. Das; der Entwurf als Vorlage Preußens dem Bundesrat unterbreitet wird, entspricht einer seit Bismarck bet allen größeren Reichsgesetzentwürfen gehandhabten Regel; von der Möglichkeit, dem Bundesrat Gesetzentwürfe als Ptä- stdialvorlagen zu übergeben, ist nur selten und fast nie in wichtigeren Fällen Gebrauch gemacht worden.
— Deutsche Arbeiter auf bet Brüsseler Weltausstellung. Brüssel, 11. Ott. Hundert Fabrikarbeiter unter der Führung des Borstehers bet badischen Fabrikinspektion Oberregierungsrat Dittmann in Karlsruhe find heute vormittag zum Besuch bet Weltausstellung eingetroffen. Der Besuch wurde mit weitgehender Unterstützung bet badischen Regierung ausgeführt.
— Zwei Spione verhaftet. Metz, 11. Ott. Zu Montigny wurde bet Mechaniker Schlick mit feinte zwei Stübern unb ein gewisser Koch wegen Spionage verhaftet. Sie sollen in letzter Zeit tm Feuerwerkslaboratorium Patronen, Granaten und andere Munitwn gestohlen unb angeblich an Frankreich verkauft haben.
— Betutteiluug eine» Rebatteuers des „vorwärts'. Berlin, 10. Ott. Vor bet Ersten Straf- kämmet bes Landgerichts I hatte sich heute der Redakteur bes „Vorwärts", Richard Barth, bet gegenwärtig eine Gefängnisstrafe in Plötzensee verbüßt, wegen Seleibigung bes Generals v. Below zu vet- antroorten. Der Angeklagte hatte im „Vorwärts" in einem Artikel: „Die Reisespesen des Generals" bie auch von dem Abgeordneten Stücklen im Reichstage vertretene Behauptung zu beweisen gesucht, daß General v. Below zu Unrecht, als et bie 4. Garbe* Infanterie-Brigade übernahm, Umzugskosten unb in einem anberen Falle Tagegelder erhoben habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Das Urteil lautete auf einen Monat Geiänznis. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß der General bei bet Aufstellung bet beiden Liquidationen sich durchaus in gutem Glauben befunden habe.
— Der flSerftetbeiterftreit Hamburg, 11. Ott. Dem Beschluß bet gestrigen Arbeiterdelegiettenvet- sammlung Folge leiftenb fanben sich die Werftarbeiter heute nicht auf ben Arbeitsplätzen ein. Ei« Flugblatt gibt als Grund bie Nichtinnehaltung bet anerkannten Ftiebensbedinguygen an «nb besagt ferner, nur in benjenigen Betrieben, welche sich ausdrücklich mit ben vereinbarten Bedingungen et* verstanden erklärt hätten, würde weitet gearbeitet werden. Es handelt sich in der Hauptsache um bie