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45. Jahkg.

Jt« 237

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

hatten sich mit Droschkenpferden beritten gemacht, waren durch die Reihen der Royalisten gesprengt

spann sich ein heftiger Kampf, der damit endete, baß die Flagge der Aufrührer zeitweilig wieder niedergeholt wurde. Die in Händen der Auf­rührer befindlichen KreuzerSao Rafael" und Adamamstorf" legten sich mit ihren Breitseiten vor dar FlaggschiffDom Carlo", das noch die königliche Flagge führte, aber keinen Schuß auf diese bequeme Zielscheiben abgaben. Die Kreu­zer fuhren dann nach Alcantara und eröffn ten ein Feuer gegen den Palast auf eine Entfernung von 1000 Pards. Der zweite Schutz ritz die königliche Standarte herunter, andere verfehlten ihr Ziel. König Manuel beobachtete das Bom­bardement in größter Ruhe und weigerte fich zunächst, trotz der wiederholten Bitten seiner Umgebung, den Palast zu verlassen. Als er es schließlich doch tat, lächelte er und rauchte eine Zigarette. Die Flucht wurde noch demütigender durch ein Ultimatum der Republikaner von Dienstag früh, das dem König zur Abdankung eine Frist bis 4 Uhr nachmittags stellte. Die Re­publikaner suchten den König an Bord des brat stlianischen KreuzersSao Paulo". Der Kom­mandant verweigerte ihnen aber den Zutritt an Bord. Die Kreuzer bombardierten dann die Ge­bäude des Kriegs- und des Marineministeriums, wobei mehrere Beamte an ihren Schreibtischen, einige Munizipalgardisten und viele Zuschauer getötet wurden. Inzwischen brachten die königs- treuen Tnippen Feldgeschütze auf den Dom Pedroplatz; zwei Schüfle schlugen unter den Be­dienungsmannschaften des KreuzersSao Ba- fael" ein, der sich darauf sofort zurückzog. Jetzt bombadierte stärker das Schwesterschiff die Zita­delle von Sao Jorge und obgleich das Bombar­dement nur geringe Wirkung hatte, holte die starke Besatzung der Zitadelle die königliche Flagge nieder und hisste die republikanische. In­zwischen hatte in den Sttaßen ein heftiger Ar- ttlleriekampf zwischen königstteuen und revolu­tionären Truppen stattgefunden, bei welchem das Hotel in den Avenida Liberdade ernstlich be­schädigt wurde. Die königstteuen Truppen waren im Ganzen erfolgreich und benützten Vie Dunkelheit, um ihre Stellung noch zu verstärken. Der Artilleriekampf dauerte die ganze Nacht hin­durch. Vom Dach des Hotels aus sah der Korrespondent desDaily Chronicle" wie die KreuzerAdamaster" undRafael" mit Schein­werfern die Bucht absuchten. Weiter draußen lag der KreuzerDom Carlos", der den ganzen Tag geschwiegen hatte. Plötzlich beleuchtete der Scheinwerfer eine Gruppe von Offizieren und Seeleuten auf dem Achterdeck desDom Carlos". Gleichzeittg ertönte eine Geschützsalve. Dieser Vorgang wiederholte sich noch einmal, als der Scheinwerfer das Achterdeck das dritte Mal be­leuchtete. Es war keine Salve mehr notwendig, denn die kleine Mannschaft lag tot am Boden. So starb der letzte Rest der königstteuen Offi­ziere und Mannschaften desDom Carlos", die ihre Anhänglichkeit mit ihrem Blute besiegelt hatten.

London, 7. Ott. Wie das Reuttrsche Bureau meldet, wurde in Funchal auf Madeira die repu­blikanische Fahne ohne Zwischenfall gehißt.

Pcrpignau, 7. Ott. Ein Telegramm Figueras besagt, daß die Proklamation der Republik Por- tugal in Katalonien mit Begeisterung ausgenom­men wurde. Die republikanisch gesinnten Kreise flaggten, und veranstalteten an verschiedenen Stellen Kundgebungen.

Paris, 7. Ott. Der gegenwärtig in Rouen tagende Kongreß der Radikalen und sozialistisch­radikalen Partei beschloß einstimmig unter leb­haftem Beifall, den portugiesischen Republi­kanern brüderlichen Gruß und die sympathisch sten Wünsche zu senden. Auch die Liga für Menschenrechte, an deren Spitze der frühere De­putierte PressenssH steht, sande an den portugiesi­schen Premierminister eine Glückwunschdepesche.

Paris, 7. Ott. Maghelan Lima erklärte mehreren Berichterstattern, er halte das Gerücht, nach welchem dynastisch gesinnte Truppen aus der Provinz nach Lissabon marschierten, für eine Er­findung. Die Garnison von Lissabon zähle in­folge der von der verflossenen Regtorung gut

Marburg

Sonntag, 9. Oktober 1910.

in Prag« do Roch« ein vulkanischer Ausbruch. Unglücksfälle sollen dabei vorgekommen sei«. Damals wurden die davon bettoffenen Famllie« auf Kosten der Stadtverwaltung in Horte unter« stützt Daraus entwickelte sich später eine allge« meine Armenunterstützung. Zur Erinnerung a» den Vulkanausbruch wurde in Horte eine «eine Kapelle gebaut. Von dort zog eine Art Pro­zession an jedem Pfingsfest durch die Straß « der Stadt. Voran schritt ein Vriester im Ornat, dahinter kam eine Musittapelle und dann die Menge. Links und rechts standen Tisch«, ans denen die Speisen und Gettänke zur Verteflung lagen. Im Vorübergehen würben die Gabe« mit Weihrauch besprengt. Aber während der Segen von dem Priester gespendet wurde, tobte und lärmte das Volk. Nichts war von einer Feierlichkeit, geschweige denn von einer wür­digen, ehrerbietigen Haltung zu verspüren. Das Volk wollte sich eben amüsieren und es sah fast so aus, als ob die Anwesenheit der Kirche ihre ausgelassene Freude no<> erhöhte.

Dem Portugiesen fehlt eine gediegene sittlich« und religiöse Weltanschauung. In Staat intl Kirche hat er nicht den Halt, denn ein gesundet Volkstum zu seinem Bestehen braucht. Di» Schwäche der Regierung, deren Nachgiebigkeit gegenüber der starken revolutionären Partei hat nun solche Verhältnisse geschaff n, wie wir sie jetzt in dem unglücklichen Lande sehen.

Deutsches Reich.

Stiftung des Kaisers. Königsberg i. Pr, 7. Ott. Der Kaiser stiftete für das mit dem a« 3. Oktober eingeweihten masurischen DiakonifleM,'

Revolution in Portugal.

Jetzt lausen allmählich ausführlichere Mel­dungen ein. Was man lange vermutete, daß die königliche Familie sich unter englischen Schutz gestellt hat, hat sich bestätigt. Bereits gestern kannten wir melden, daß die königliche Familie kn Gibraltar eingetroffen sei. Heute wird mm gemeldet, daß die gesamt königliche Familie in London eingetrosfen ist, uivj jich somit in Sicher­heit befindet. Die Republikaner beherrschen die Lage vollständig. Der porwgiesische Geschästs- ttöger in Berlin hat bereits amtlich die deutsche Regierung von der Proflamierung der Republik tn Kenntnis gesetzt. Verschiedene Meldungen sprechen zwar die Vermutung aus, daß es noch zu einem blutigen Bürgerkrieg kommen wird. Da aber die Hauptmacht der Truppen in Lissabon sich befindet, welche zur Republik halten, so dürfte man wohl nicht fehl gehen in der Annahme, daß die Republikaner den Sieg boteo« tragen werden. Die Haltung der Mächte ist durchaus neutral. Die von den Mächten entsandten Kriegsschiffe sind nur zum Schutze der Fremden dorthin kom­mandiert. Gegen die in der deuffchen Presse vielfach zum Ausdruck gekommene Vermuwng, daß England von der Revolution gewußt habe, wendet sich die englische Presse in scharfer Weise. Nachstehend die inzwischen eingegangenen Tele­gramme:

London, 7. Ott., 1 Uhr 4 Mtn. nachts. Ein« Meldung des Reuterschen Bureaus aus Gi­braltar besagt, die portugiesisch« JachtAmelie" mit der Königinmutter und dem Jnfanten Alphons an Bord ist um 11 Uhr abends hier rin­get rossen.

Köln, 7. Ott. Der Korrespondent derKöln. Ztg." meldet aus Lissabon folgenden Bericht über die Abreise der königlichen Familie: Augen­zeugen schildern mir die Abeise der königlichen Familie: Don Alfonso, der Herzog von Oporlo, schifften sich in Cascaes ein. Weinend sagte er: Mit tiefem Schmerz verlasse ich das geliebt« Volk! Er schob die Schuld an dem Zerfall der Monarchie auf den verhängnisvollen Einfluß seiner Schwägerin und flagte, daß es ihm un­möglich gemacht worden sei, seinen Neffen libe­rale Ratschläge zu geben. In Erisceira gingen König Manuel und Königin Amelie an Bord. Der König verabschiedete sich mit Handschlag von der Fischereibevölkerung, bewegt, aber doch augenscheinlich froh, mit dem Verlust der Krone davonzukommen. Die Königin Amelie soll zähne­knirschend mit Rache bei der Rückkehr gedroht haben. Ich traf bei dem Minister des Aeußern den brasilianischen Präsidenten Marschall Hermes de Fonseca, der von Bord des KreuzersSao Paolo" den Ausstand mit angesehen hatte. Sein Besuch hatte den Zweck, die Glückwünsche der brasilianischen Regierung darzubringen. Die erste Arbeit der Regierung ist die H«rstellung allgemeiner Ordnung; alsdann folgen die Kam- merwahlen zur Genehmigung der neuen Ver­fassung und die Präsidentenwahl. Als Präsi­denten glaube ich den Führer bet altrepublikani­schen Partei Dr. Bernardino Machado bezeichnen zr können. Porw und sämtliche porwgiesische Städte, soweit i>'^ jetzt Nachrichten von ihnen eingetroffen sind, joucn jubelnd die Verkündigung der Republik begrüßt haben. Die hiesige deuffche Kolonie ist glücklicherweise unversehrt. Die Landverbindung ist mit allen Städten unter­brochen. Das Kabel wurde soeben freigegeben. Wie ich höre, wurden die diplomatischen Vertre- wngen Portrugals im Ausland« mit Ausnahme der Gesandtschaft beim Vatikan bestätigt. Der Führer der aufständischen Truppen und republv- kanische Abgeordnete Reis verübte Selbstmord, als er im kritischen Moment am Gelingen der Revolution zweifelte. Mit ihm verliert di« Re­publik den fähigsten Marineoffizier. Der Aus- bnich der Revolution war ursprünglich auf Ende November festgesetzt. Durch die Ermordung Bombardos, sowie den Marschbefehl für die KreuzerDon Carlos" undAdamamstor" wurde der Ausbruch der revolutionären Bewegung be schleunigt.

London, 7. Okt.Daily Chronicle" bringt heute einen ausführlichen Bericht über den Be­ginn der Revolution: Viele Offiziere befanden sich zur Zett des Ausbruches außerhalb Lissabon kn Cascaes und der König gab dem Marschall Hemes da Fonseca ein Bankett; das vermehrte hie Verwirrung und die Unsicherheit in den royalistischen Truppenteilen. Inzwischen waren Nie Offizier« der Flott« an Land gekommen,

Stütze des Thrones vor einiger Zeit zusammen- gezogenfin Verstärkungen achtzehntausend Mann, und zwar lauter gut ausgerüstete, der Republik völlig ergebene Soldaten und sei zweimal so stark wie die gesamter» Provinzttuppen. Die neue Regierung werde das Parlament auflösen, Neuwahlen ausschreiben und das künfttgr Par­lament werde den Präsidenten der Republik wählen; voraussichtlich werde die Wahl auf Bernardino Machado fallen. Die künftig« Ver­fassung wird der französischen nachgebildet fein, aber fottgeschrittenere soziale Tendenzen haben, und die Verweltlichung der Schulen, sowie dir Trennung von Staat und Kirche festlegen.

London, 7. Ott. Heute mittag wurde die Re­gierung davon benachrichttgt, daß jetzt in Lissa­bon Ruhe herrsche.

Berlin, 7. Ott. Der porwgiesische Geschäfts­träger fetzte die deuffche Regierung von dem Regierungswechsel in Porwgal offiziell in Kennwis.

Lissabon, 7. Ott. Marschall Herme« da Fonseca ist an Bord desSao Paolo" nach Brasilien abgefahren. Der brasilianische Kremer Barroso" ist hier eingettoffen.

Die Schisse der fremde« Mächte vor Lissabon.

Paris, 7. Okt. Aus Toulon wird gemeldet: Die aus den PanzerschiffenLiberte",Justier" und Verite" bestehende Eeschwaderabteilung erhielt den Befehl, eines ihrer Schiffe zur Abfahrt bereit zu halten. Man glaubt, daß diese Weisungen mit den Ereignissen mit Lissabon Zusammenhängen.

Washington. 7. Okt. Der KreuzerDes Moines", der sich gegenwärtig in Gibraltar befindet, hat den Befehl erhalten, nach Lissabon zu gehen.

»rrst, 7. Okt. Der PanzerkreuzerAdmiral Aube" ist gestern abend 9 Uhr nach Lissabon abge- gangen.

Dementi der englischen Regierung.

London, 7. Ott. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die über die Halwng der englischen Regierung gegenüber der porwgiefischen Regierung und über Verhandlungen zwischen den republikanischen Füh­rern und den englischen Gesandten im' Auslande verbreiteten Meldungen als vollständig wahrheits­widrig gekennzeichnet seien. Diese Meldungen über die republikanischen Führer und die englische Regie­rung seien von einem Charakter, der es Lbefflüssig mache, ihnen entgegenzutreten.

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Reiseerlebnisse in Portugal.

Ein Freund unseres Blattes aus Marburg schreibt uns:

Die ernsten Ereignisse in Porwgal lenken die Aufmerffamkeit der Welt auf diesen unglücklichen Staat. In Lissabon, der Hauptstadt Porwgals, ist die Revolution ausgebrochen, deren Folgen gegenwärtig noch nicht übersehen werden können. Was jetzt Ängetteten ist, hat sich jahrelang vor­bereitet. Di« Unzufriedenheit mit den bestehent- den Verhälwissen ist jetzt mit elementarer Gewalt zum Ausbruch gekommen.

Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, mehrere Jahre in Porwgal gelebt hat, der wundert sich nicht über das, was uns die Zeiwngen meld-n. Vielleicht interessiert es, wenn ich zwei Reise- erlebnisse erzähle, die ich auf den Azoren hatte. Das eine wirft ein Helles Licht auf di« Dar­stellungen im politischen Leben, das andere sagt uns etwas über die Stellung der römisch-katho­lischen Kirche.

Im Jahre 1908, wrz nachdem das deuffche Geschwader Fagol (Azoren) verlassen hatte, brach dort die Pest aus. So hieß es wenigstens nach amtlichen Feststellungen. Infolgedessen wurden sttenge Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Der Hafen in Horte war monatelang für den Schiffsverkehr gesperrt. Die Anordnungen der Behörde sollten mit aller Strenge durchgeführt werden. Ja, eines Tages hieß es, daß auch der Verkehr mit der Nachbarinsel Pico aufgehoben sei. Tas war eine hatte Maßregel für die ge­werbetreibenden Leute der beiden Inseln. Denn zwischen Pico und Fagol besteht ein lebhafter Handelsverkehr. Was geschieht da eines Tages? In Fagol erzwingt eine wütende Volksmenge die Ueberfahtt nach Pico. Trotz des Verbotes des derzeitigenGouverneurs geschah das. Umsonst war Polizei und Militär aufgeboten worden. Der Wille des Volkes triumphierte. Johlend und höhnend zog di« Menge bald darauf am Gouvernementsgebäude vorbei. Die Regierung hatte eine mächtige Schlappe erlitten.

Wie aber die Regierung ohne Einfluß auf das Volksleben ist, so auch die Kirche. In Por­wgal sind alle Volksfeste zugleich auch Nrchliche Feste. D. h. die Kirche ist stets durch einen ihrer Vettreter daran beteiligt. Das größte Volksfest, das ich auf den Azoren miterlebte, war die Armenspeisung in den Pfingsttagen. Die Ent­stehung dieses Festes ist folgende. Vor vielen Jahre« war aus der Nördlichen Seit« der Insel

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage

Politische Umschau.

Die Moabiter Krawalle und die Berliner Konser» vativen. -

Auf Einladung des Konservativen Wahlverein» Berlin hatten sich am Donnerstagabend etwa 500 Personen im Saale des Marinehauses am-Branden- . Bürger Ufer versammelt, um Protest einzulegen ge­gen die unerhörten, von sozialdemokratischer Seite in Moabit organisierten Krawalle. Als erster Redner ergriff Rechtsanwalt Ulrich das Wort. Er gab einen Rückblick auf die Vorgeschichte der Moabiter Revolte. Sollten im Laufe der Exzesse einige Unbeteiligte von der Polizei getroffen worden sein, so mögen sie sich bei denen bedanken, die die Polizei auf die Straße gelockt haben. Der politisch« Schlangenmensch Hell« v. Eerlach und derVorwärts" haben Kübel von Schmutz auf die Beamten gewoffen. DerVorwärts" hat gesagt:Hätte sich die Polizei an die Sozialdemo­kratie gewandt, so wäre dieUnordnung unterdrückt und beruhigt worden." Warum habe denn di« So- zialvemokratie nicht selbst die aufgeregten Massen be­ruhigt, wenn sie die Macht dazu in Händen hat? Wehe aber der Staatsgewalt, die mit der Sozial» demokratte paktiert. Der Redner schloß mit war­men Dankesworten an die Polizei und bet Auffor­derung an das Bürgertum, einig zu stehen im Kampf gegen den Umsturz. Darauf sprach als zweiter Red­ner Cheftedakteur Dr. Oestreicher. In diesen Tagen habe man das Jubiläum der sozialen Gesetzgebung gefeiert, und gerade in diesen Tagen muß die auf- blühende christlich nottonale Arbeiterbewegung durch Aucharbeiter in den Augen des Bürgertums diskre­ditiert werden. Es drängt fich uns die Ueberzeu- gnng auf, daß der Sozialdemokratie nur durch Gewalt zu begegnen ist. Wir brauchen «in Gesetz zum Schutz« der Arbeitswilligen. Das schlimmste ist, daß ein de­mokratisch freisinniges Bürgertum den Boden für die Revolution dünge. Wir müssen zur bürgerlichen Selbsthilfe greifen, um gegen die Anmaßyng und Un­verschämtheit der revolutionären Clique Swrm zu laufen. Wenn dies der (Erfolg der Krawalle l« Moabit wäre, so hätten sie wenigstens etwas Gute» gezeitigt. Wir wollen keine Scharfmacher, ober da der Staat im Recht ist, fo soll er auch die Macht ent­falten. Unser teures Vaterland darf nicht erschüttert werden und zugrunde gehen! Deutsches Wesen bleibe hoch im Kurse! Stürmischer Beifall folgte diese« Ausführungen. Nach eingehender Diswssion ge­langte folgende Entschließung zur Annahme:Die heute im Marine-Haus tagende Versammlung natio­naler Männer Berlins erklärt ihren Abscheu übet die von sozialdemokratischer Seite angezettelten blu­tigen Ausschreitungen im Stadtteil Moabit und spricht ihre vollste Anerkennun», für die Hingebung aus, mit der die Polizei die Ordnung wieder her- gestellt hat. Die Versammlung erwattet von der Staatsgewalt, daß mit allen ihr zu Gebote stehende« geschlißen Machtmitteln von planmäßig aufge­peitschten Massen verübte ,an Hochverrat grenzend« Gewalttätigkeiten in Zukunft verhindett und der un­bedingte Schutz der Arbeitswilligen herbeigeführt werden muß."

befehligt worden waren.

bauerte die ganze Nacht vom Montag zmn Dienstag hindurch; mit Tagesanbruch rückte daS Gros der Aufrührer auf Neceffrdades (das könig­liche Schloß), wurde aber dort von dem Feuer der Maschinengewehre empfangen und floh in Unordnung unter Zurücklassung vieler Gefan­gener. Mit Sonnenaufgang hißten die Seeleute auf den Marinekafernen die republikanische Flagge. Verschiedene Abiellungen rückten zum Kampf gegen die Besatzung des Palastes aus. Gleichzeitig hißten drei Kriegsschiffe die republi­kanische Flagge und feuerten Salut. An Bord des ArtillerieschulschiffesDom Fernando" eni-

nnd hatten die Führung der aufständffschen Trup­pen übernommen, die bis dahin von Rebelleu ' Das Feuergefecht

Die Jnfertionsgebübr beträgt für Inserenten aus bem engeren Verbreitungsgebiet be» Blattes für bte 7geWItene Zeile ober deren Staunt 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4- Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UniversitSts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. C. HttzeroF;, Marburg, Markt 21. Televbon 55.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 <*. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21), 2,00 JL (itiir unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)