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5. Dtt., 3% Uhr früh. (Ausführliche DerAgence Fabra" wird aus San-

digung der nachstehend gramme:

Madrid, Meldung.)

tander gemeldet: Der deutsche DampferParana- gua" erhielt soeben ein Markoni-Telegramm des vor Lissabon ankernden DampfersCap Blanko" der­selben Gesellschaft mit der Mitteilung, daß in Lissa­bon die Revolution ausgebrochen sei und das Kö­nigspalais von den Kriegsschiffen bombardiert werde. Die Revolutionäre hätten die Königsfamilie aus dem Schlosse heruntergeholt und dafür die repu­blikanische Flagge gehißt. Eine Bestätigung dieser Meldung ist noch nicht eingetroffen.

Pari», 5. Dtt. Der hier weilende Führer der portugiesischen Republikaner Magelhäs Lima erklärte einem Mitarbeiter desMattn": Die Revolution überrascht uns nicht. Wir haben sie seit langem an­gekündigt. Wir hatten gehofft, daß die Aenderung der Regierungsform sich in Ruhe und Ordnung ledig­lich durch die Wirkung des frei ausgedrückten Volks­willens vollziehen werde. Die Hartnäckigkeit und Verblendung der Machthaber hat dies nicht erlaubt.

»erlitt, 5. Oft., 5.50 Rachm. Dem .Lokal- Anzeiger- wird aus Liflabon von heule Nach­mittag 2.10 über Paris gemeldet: Bei Einbruch der Dunkelheit entsandte das vor Liffabon lie­gende brasilianische KriegsschiffSao Paolo- eine Dampfbarkaffe vor den königlichen Palast, um die königliche Familie aufzunehmen. Nach einigem Sträuben willigten König Manuel und di« Königin-Mutter Amelie ein und begaben sich durch das Spalier der königstreuen Truppen in die Barkaffe und von dort an Borde des Kriegs-

fcapa do Commercio

Revolution in Portugal.

Seit dem 1. Februar 1908, dem Tage an welchem her König Karl und der Kronprinz einer republika­nischen Verschwörung zum Opfer fielen, weiß man, daß die Zustände in Portugal nicht die allerbesten find. Bekanntlich gibt es dort zwei große Parteien, hie liberale und die konservative, die nach bestimmter Zeit in der Regierung wechseln. Beide Parteien be­nutzen die Zeit ihrer Regierung dazu, das Land so viel wie möglich auszusaugen. Im Jahre 1892 hat das Land schon die Zinsen der auswärtigen Schuld auf ein Drittel herabgesetzt. Bestechungen und Ver­lotterung gehen mit einer liederlichen Finanzwirt­schaft Hand in Hand. Trotzdem ist der plötzliche Aus­bruch der Revolution eine Ueberraschung für die ganze zivilisierte Welt, zumal man wußte, daß England seit-langem seine schützende Hand über das Land hielt und es gleichsam als seine Satrapie be­trachtete. Offenbar hat die Gärung, über die nicht allzuviel in die Oeffentlichkeit drang, schon länger angehalten und es hat nur des Funkens bedurft, um das Pulverfaß zum Explodieren zu bringen. Die Ermordung eines republikanischen Parteigängers durch einen irrsinnigen Offizier hat das Zeichen zum Aufstand gegeben.

Man mag den jugendlichen König, der in einem Alter den Thron verliert, in dem ihn andere durch ihre Geburt zur Herrschaft Bestimmte noch nicht einmal zu be st eigen pflegen, bedauern, aber die Gerechtigkeit zwingt, zu sagen, daß er an seinem un­rühmlichen Ende nicht schuldlos ist. Das traurige Los, das im Winter 1908 seinen Vater und seinen älteren Bruder getroffen hat, hätte für ihn eine ernsteste Mahnung sein müssen, die Pflichten des Re­genten mit voller. Hingebung zu erfüllen und seinen Untertanen in jeder Hinsicht ein leuchtendes Vorbild sein, um so die höchst bedenklich ins Wanken ge­ratene Zuneigung der Nation zum Herrscherhaus« wieder zu befestigen. Statt deffen betrieb der junge König seine Liebschaft mit einer französischen Halb- weltlerin, der bekannten Pariser Varietetänzerin Gaby Desly, mit einer Offenheit, die sich vielleicht ein reicher, höchstens seinem Vater verantwortlicher Bankierssohn gestatten darf, nicht aber ein König, besten Handlungen scharf beobachtet und streng kriti­siert werden. War sein Verhalten schon vom Stand­punkte der Moral und i*t Staatsklughett verwerf­lich, so nicht minder vom materiellen Gesichtspunkte aus. Es ist vor einiger Zeit durch die Zeitungen die Nachricht gegangen, König Manuel habe seiner Lieb­sten ein Schmuckstück im Werte von einer halben Million Franks geschenkt. In der Hauptstadt Lissa­bon gibt es dagegen Tausende, die für ihre Ernäh­rung täglich nicht mehr als 80 bis 100 Reis (20 bis 30 Pfennige) ausgeben können. Man stelle sich nun vor, wie erbitternd auf diese arme Bevölkerung die Verschwendungssucht des Königs wirken mutzte. Aber nicht nur die zivile Bevölkerung lebt in ärmlichen, gedrückten Verhältnisten, sondern auch das Militär und so konnte die Tatsache nicht überraschen, daß die Marine und ein Teil des Landheeres mit den Re­publikanern gemeinsame Sache gemacht haben. Bei­läufig befinden sich unter dem portugiesischen Militär viele Mischlinge von Europäern mit Asiaten oder Afrikanern aus den portugiesischen Kolonien und daß diese Leute kein ausgeprägtes nationales und dyna­stisches Empfinden haben, liegt auf der Hand.

Hat König Manuel Aussicht, seinen Thron wie­der zu erlangen? Er hofft vielleicht auf England, mit dem Portugal ja politisch und wirtschaftlich so eng verknüpft ist, daß man es fast eine englische Provinz nennen kann. Wir glauben aber kaum, daß England einen Versuch nach dieser Richtung, unternehmen wird. Einmal kann die demokratische Regierung Englands nicht gut einem fremden Volke einen Mon­archen aufdrängen, von dem dieses Volk nichts mehr wissen will. Zweitens ist sehr viel englisches Geld in Portugal untergebracht und je länger der Bürger­krieg dauert, desto mehr wirtschaftliche Werte werden vernichtet und desto gefährdeter wird die englische Kapitalsanlage. Eine Unterstützung der portugiesi­schen Monarchisten durch England aber würde natur­gemäß eine Verlängerung der Wirren bedeuten. Schließlich wäre es auch für den König Manuel kaum ein Segen, wenn er durch englische Bajonette auf dem Throne gehalten würde. Wir glauben nicht, daß in diesem Falle irgend eine Lebensversicherungsgesell­schaft so waghalsig sein würde, eine Versicherung für ihn zu übernehmen.

Eine eigentümliche Fügung ist es, daß just im Augenblicke des Sturzes Manuels der neue brasilia- irische Präsident sein East war. Der Name Fonseca scheint für das Haus Braganza verhängnisvoll zu feilt. Der Oheim des neuen brasilianischen Präsi- sienien, Marschall Deödoro da Fonseca, stürzte im

Marburg

Freitag, 7. Oktober 1910.

rung statt und am 5. April ergaben die Kammerwah­len eine Mehrheit für die Partei der monarchischen Konzentration, worauf die Cortes am 29. April vom Könige eröffnet wurden. Am 6. Mai leistete König Manuel den Eid auf die Verfastung.

Die Republik Portugal.

Die Revolutionäre beherrschen die Lage voll-

schiffes Diese Nachricht, die im Widerspruch steht mit allen bisherigen Meldungen, kann al- verläßlich gelten. Es heißt, daß das Revolution«- Komitee Kenntnis von dieser Flucht hatte und sie sfischweigend billigte. SHt dem heutigen Mittagszuge verließen der bisherige portugie­sische Gesandte und zahlreiche Mitglieder der por­tugiesischen Kolonie Paris. Weiter erhielt der Lokal-Anzeiger- aus Paris folgende Meldung: Im französischen Ministerium des Auswärtige« erhielt man seoben eine auf Umwegen hierher gelangte Nachricht folgenden Inhalts: DaS Bombardement des königlichen Palais war ge- stern um 3 Uhr nachmittags zu Ende. Um diese Zeit befanden sich der König, die Königiw-Mutter sowie der Hofftaat im Palaste, geschützt von der treugebliebenen Garde. Während des Bombar­dements hielten sich der König, die Königin- Mutter und Umgebung in den Kellerräumen auf. Nach anderen Depeschen hätten um die gleiche Zeit Verhandlungen zwischen dem Palast und den Chefs der revoluttonären Bewegung be­gonnen. Diese Verhandlungen bezweckten, der königlichen Familie freien Abzug über ine Landesgrenze zu gewährleisten. Die Abreise sollte im Laufe der versloffenen Nacht erfolgen. Von den öffentlichen Gebäuden in Liffabon ist außer dem königlichen Palast keines beschädigt. Die Bevölkerung zeigt sich den Revoluttonären durchaus günstig. Das provisorische Regierungs­komitee läßt die Klöster durch eigene Garden vor Ausschreitungen des Mobs schützen. Die auf be« meuternden Schiffen gehißte Flagge zeigt die Farben grün und blau, während die pottugiefl- schen Farben blau und weiß sind.

Berlin, 5. Oft. Nach einer Meldung aus Liffabon vom Dienstag Nachmittag war bis da­hin die Lage unentschieden. Für die Republik hatten stch mehrere Regimenter, zwei Kriegs­schiffe und die Marinekaserne erftärt: dagegen hielten königstreue Truppen das Zentrum der Hauptstadt besetzt; auch wird der Abmarsch von Provinztruppen auf die Hauptstadt, die für die Regierung fechten wollen, gemeldet. Das Bombardement deS Schlaffes Necessidades be- stättgt sich.

Paris, 5. Oft. Von hier lebenden Portugiesin wird erzählt, die Marine sei bereits seit drei Jahren fast durchweg für die Sache der Repu­blikaner gewonnen Ivorbcn, und auch die Mann­schaften und subalternen Offiziere des Land- heeres seien größtenteils republikanisch gesinnt, während die Generale und höheren Offizier« monarchistisch gesinnt seien. Die diffidierende« Pragressisten und Republikaner machten gemein- same Sache und hielten angeblich eine schon voll- ständige Regierung bereit.

Pari«, 5. Oft. Aus Madrid wird derAgence Havas- gemeldet: Die republikanischen Vereine und Kasinos schmückten die Fenster und Balkone und ihre Lokale mit Fahnen und Blumen, um ihrer Freude über die Ereigniffe in Portugal Ausdruck zu geben. Das Madrider Telephonamk hat das Telephonamt in Bordeaux verständigt, daß nun versucht ioerde, mittels drahtloser Tele­graphie mit der englischen Flotte im Hasen zu verhandeln, um Nachrichten zu erlangen.

Liffabon, 5. Oft. Heule Vormittag 8 Uhr haben die der Regierung bis dahin treu geblie­benen Truppen, die sich auf bem Don Pedro­platze befanden, mit den Revolutionären ge­meinsame Sache gemacht und sind nach der Ka- ferne zurückgekehrt. Die Menge brach in Bet- fallskundgebungen aus und rief:Es lebe Die

Liffabon, 5. Oft. Hier wurde eine proviso­rische Regierung geblidet, die wie folgt zu­sammengesetzt ist: Theophilo Braga, Präsident­schaft; Alfonso Costa, Justiz; Bernardino Ma- chado Aeußeres; Brazilio Telles, Finanzen; Antonio Lutz Comez, öffentlich« Arbeiten; Oberst Barreto, Krieg; Antonio Jose Almeida, Inne­res; Amarae Azevado Comez, Marine und Zivilgouverneur von Liffabon: Ruzebio Leao. Die neue aus dem Stadthause gehißte Flagge wurde von der Feldartillerie salutiett.

Liffabon, 5. Oft. Außer dem König Manu« begab stch auch die Königin-Mutter Amelie an Bord des brasilianischen KriegsschiffesSa» Paulo-. Es heißt, daß bas Revoluttonskomttee diese Flucht stillschweigend billigte^ Mit bem heutigen Zuge verließen der portugiesische Ge- sandte und zahlreiche Mtglieder der portugiesi­schen Kolonie Paris. Das Bombardement des königlichen Palastes war gestern Nachmittag 3 Uhr zu Ende. Der König, die Königin und deren Umgebung hielten sich inzwischen ta bat Kellerräumen auf. Von d.n königlichen Gebäu­den Liffabons wurde außer dem königlichen Palast keines beschädigt.

Liffabon, 5. Ott. DieAgence Havas- Meldet von 12 Uhr 12 Minuten früh: Die Kriegsschiffe der Aufftändischen, die auf die Stadt, besonder« auf die Ministerien, die die Praya do Commercio umgeben, und auf das Königsschloß Necessidades

Herbst 1889 den brasilianischen Kaiser Dom Pedro II. aus dem Hause Braganza, sein Neffe, Marschall Her­mes da Fonseca ist, wenn auch unbeteiligter Zeuge des Sturzes des Königs aus der anderen Linie des Hauses Braganza. Es gibt in der Geschichte eigen­tümliche Zufälligkeiten.

Wie König Manuel aus beit Thron kam.

König Manuel hat nur zwei Jahre und acht Mo­nate die Königskrone getragen. Am 1. Februar 1908 wurden sein Vater, der König, und der Kronprinz er­mordet und auf ihn, den jüngeren Sproß des könig­lichen Hauses gipg die königliche Würde über. Die ganze königliche Familie war Ende Januar nach dem Lustschlosse Villa Dicosa an der spanischen Grenze ge­reist und kehrte am ersten Tage des Februar yach Lissabon zurück. Auf der Fahrt vom Hafen nach dem Schlöffe wurde der Wagen, in dem sich das Königs- paar und die beiden Prinzen befanden, von einer be­waffneten Schar überfallen und mit Kugeln über­schüttet. König Carlos und der Kronprinz Louis Philipp wurden tödlich getroffen ins Marienhofpiial gebracht, auch Prinz Manuel blutete aus mehreren Streifwunden, nur die Köngin Amalie, eine geborene Prinzessin von Orleans blieb unverletzt. Der ganze Vorgang spielte sich, obwohl auf offener Straße und am Hellen Tage, so schnell ab, daß die Attentäter un­bekannt geblieben sind. Die Untersuchung konnte später keine genauen Anhaltspunkte bieten, trotzdem gewisse Persönlichkeiten von der öffentlichen Mei­nung der Anstiftung zu dem Attentat beschuldigt wur­den. Was zunächst erwartet wurde, blieb aus. Auf den Königsmord folgte keine allgemeine Erhebung. Der sofortige Rücktritt des bestgehaßten Mannes des Landes, des Diktators Franco, der zwei Jahre als Ministerpräsident mit eiserner Faust versucht hatte, in die verworrenen Verhältnisse des Landes und in feine zerrütteten Finanzen Ordnung zu bringen, schien die Erregung zu beruhigen. Franco verließ Portugal und am 8. Februar erließ der neun­zehnjährige König Manuel eine Proklamation, in der er seinen Regierungsantritt anzeigte. Am fol­genden Tage wurde ein neues Ministerium unter Ferreira do Amaral gebildet, das die Aufgabe hatte, eine Versöhnung der Parteien herbeizuführen. Ver­fügungen über die Beschränkung der Preßfreiheit und

aufgehoben. Die Beisetzung des ermordeten Königs und des Kronprinzen fand am 8. Februar ohne Stö-

ständig. Heute wird sogar schon die Verkün- Republik gemeldet. Wir bringen die inzwischen eingetroffenen Tele-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und Landwirtschaftliche Beilage

Die Fnlertionsaebühr beträgt fir Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7p<> "5^ene

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