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mit dem Kreisblati für die Kreise Marburg und Kirchhain

unb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

Marbmg

Donnerstag, 6. Ottober 1910.

Die F«sert1v«sgebSbr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tge^altene Zeile oder deren Raum 15 -S, für auswärtige Inserate 20 L. für Reklamen 40 rj. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. G. Kitzerv:l> Marburg, Markt 21. Televbon 55.

45. Jahrg.

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DisOderhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 <M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 JL (Für unverlangt zugekundte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Zweites Blatt.

Revolution in Poltugal.

IV. Madrid, 4. Okt. Hier ging von einem deutschen Schiss aus Santander die Meldung eia, «onach in Lissabon die Revolution ausgebrochen ist. Kriegsschiffe bombardieren die Stadt. Der König soll gefangen genommen sein.

W. Paris, 5. Okt. Hiesige Blätter melden au» Lissabon: Die Revolution ist ausgebrochen. Um 2 Uhr nachmittags begann das Bombardement der Kriegsschiffe, die mit den Revolutionären gemeinsame Sache gemacht haben, auf die Stadt. Der Zugang zur Stadt ist gesperrt, es ist unmöglich, Einzelheiten zu erfahren. Der König soll auf einem Kriegsschiff gefangen gehalten werden. Von anderer Seite wird dagegen gemeldet, daß der König geflohen sei. Bom Palais weht die Fahne der Revolutionäre.

W. Paris, 5. Okt. Der hiesige Botschafter wurde von den bis jetzt vorliegenden Meldungen in Kenntnis gefetzt. Er erklärte, daß er bisher noch keinerlei Nachrichten habe. Er glaube nicht, daß die Kriegsschiffe mit den Revolutionären zusammen­gingen.

W. London, 4. Ott. Die hiesigen Blätter brin­gen ähnliche Meldungen wie die Pariser.

W. Lissabon, 4. Okt. Der antiklerikale Ab­geordnete Professor Bombarda, Direktor eines Irren­hauses, wurde gestern von einem irrsinnige« Offizier durch vier Schüsse getötet.

W. Paris, 5. Okt. Aus Lisiabon wird zu der bereits gemeldeten Ermordung des antiklerikalen Ab­geordneten Profesior Bombardo noch berichtet, daß die Tat von einem zweifellos irrsinnigen Offizier verübt wurde. In der Bevölkerung verbreitete sich das Gerücht, daß es sich um politisches Attentat han­dele. Eine große Volksmenge veranstaltete darauf­hin eine antiklerikale Straßenkundgebung. Auch in vporto kam e» au» demselben Anlatz zu Ruhe­störungen.

Die 19. Jahresversammlung des Deutschen Gymnastalveiems

Göttingen, 3. Okt. fand gestern unter starker Beteiligung von Mitglie­dern und Gästen von 11 Uhr an in der Aula des hie- !igen Gymnasiums statt. Der gegenwärtige Vor- itzende, Direktor Aly von Marburg, wies tn seiner begrüßenden Ansprache auf die hohen Verdienste hin, die sich schon im 18. Jahrhundert Profesioren der Göttinger Universität um die klassische Philologie und den humanistischen Schulunterricht erworben ha­ben. und nannte einige aktuelle Fragen bezüglich der Gestaltung des Eymnasialunterrichts, die etwa nach Anhörung der angezeigten Vorträge Gegenstand der Diskussion werden könnten. Es folgten begrüßende Worte des zeitigen Prorektors der Universität, Ge­heimrats S t i m m i n g, der die Möglichkeit bewill­kommnete, die das Gymnasium seit 10 Jahren besitze, seine Eigenart wieder schärfer auszuprägen, und das warme Interesse betonte, das die Universitäten an der weiteren Entwicklung der humanistischen Anstal­ten nähmen. Der erste der angekündigten Vorträge betraf die römische Literatur und die lateinische Schullektüre. In höchst geistvoller, durch Form und Inhalt gleich anziehender Weise zeigte Geheimrat Prof. Dr. Leo, daß die Auswahl dieser Lektüre, wenn man sich nicht einfach bei dem üblichen Kanon beruhigen wolle, große Schwierigkeiten biete, die in der Geschichte der Literatur begründet seien. Die rö­mische Literatur sei sekundär (wie alle modernen Literaturen) und ruhe in komplizierten Kulturbe­dingungen. Besonders ssir das kindliche Alter sei es schwer, Texte zu finden. Phädrus sollte mehr heran- aezogen werden. Cäsar und Ovid seien (in verschie- denein Sinne) unkindlich. Cicero, Vergil und Horaz müßten das Zentrum der Schullektüre bleiben, aber es wäre gut, den Kreis zu erweitern durch ein Lese­buch mit umfänglichen Proben aus Plautus, Lukrez, Catull. Tibull, Seneca, Plinius, Quintilian, Sueton. Lebendig und fruchtbar werde die lateinische Lektüre vor allem durch die Verbindung mit der griechischen Lektüre. Schließlich hob der Vortragende hervor, daß es für rasches und sicheres Verständnis der Autoren und für die Vorbereitung zu wissenschaftlichen Stu­dien, soweit sie durch den lateinischen Unterricht er­zielt werden soll, durchaus unerläßlich sei, die Ueb- unaen in der Anwendung des Lateinischen bis zum Schluß des Eymnasialkursus festzuhalten. Der zweite Vortrag galt dem Andenken des unvergeß­lichen Oskar Jäger. Provinzialschulrat und Universitätsprofesior Paul Cauer gab einen kur­zen Ueberblick über besten Lebensgana von Stuttgart und Tübingen über Wetzlar und Mörs nach Köln und schilderte dann etwas eingehender die Wirksam­keit, die der Verstorbene mehr als ein Menschenalter hindurch als Haupt und Führer der rheinischen Leh­rerschaft ausgeübt hat. Ausführlicher verweilte et bei dem Anteil, den Jäger an der Entwicklung der schulpolitischen Kämpfe, besonders an der im Jahre 4900 geschaffenen Ordnung gehabt hat. Der Vortrag grpfelte in der Erörterung der Frage, welche Aus­gaben und Pflichten uns Jäger hinterlasten habe; «icht die Pflicht, seine Ansichten alle so, wie et sie

formuliert hat, festzuhalten, sondern die schwerere I und schönere, uns mit seiner Denkweise zu durch- I bringen, um daraus die Kraft zu schöpfen, die unter | veränderten Verhältnissen in seinem Sinne weiter handelt. Die auf diese Vorträge folgende Diskus­sion besprach die bezügl. der lateinischen Schullektüre angelegten Fragen und wandte sich dann der Schluß­bemerkung des Geheimrats Leo über die Anwendung des Lateinischen durch die Schüler zu. Ihm zustim­mend betonten mehrere Redner mit Entschiedenheit die unbedingte Notwendigkeit, die Hebungen in sol­cher Anwendung bis zum Abiturientenexamen und die Forderung eines Ausweises der dadurch erlang­ten Fertigkeit in diesem Examen festzuhalten, und eine Resolution der Versammlung brachte diese Ueberzeugung zum Ausdruck. Die 20. Jahresver­sammlung wird 1911 in Posen im Anschluß an die Philologenversammlung stattfinden.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartrkel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberhess. Ztg." gestattet.)

Marburg, 5. Ott.

Zehn Jahre Ladenschluß-Gesetz. Man schreibt uns: Am 1. Ottober 1910 sind zehn Jahre verflossen, seitdem die Gesetzes-Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung in Kraft getreten sind, die eine Regelung des bis dahin zügellosen Oeffnens und Schlietzens der Verkaufsläden brachte. An­läßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Ein- fühmngstages jenes fozialen Schutzgesetzes für die Angestellten des Kleinhandels veranstalteten die Ortsgruppen des Deutschnattonalen Hand- lungsgehilsen-Verbandes allenthalben in den ersten Tagen des Monats Ottober Erinnerungs- feient, bei denen ein Rückblick auf jene standes- politischen Kämpfe gegeben und gleichzeitig die Fortführung der fozialen Gesetzgebung für den Handelsstaud angestrebt werden soll. Die Hand­lungsgehilfen warttn bis heute noch vergeblich aus die schon mehrfach verheißene Regelung der Sonntagsruhe im Handel?gewerbe, insbeson­dere aber betont dieDeutsche Handels-Wacht" in ihrem Aufrufe, daß auch für die Kontorange- stellten endlich die ihnen in Aussicht gestellte ge­setzliche Regelung der Arbeitszeit in den Kon­toren von den gesetzgebenden Körperschaften in Angriff genommen werden muffe.

Fußballsport. Man schreibt uns: Der Futzballsport bemächtigt sich immer mehr unserer Jugerch und greift immer weiter um sich. Der Reiz für die Jugend, sich mit Seinesgleichen zu messen an Kraft, Ausdauer, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Geistesgegenwart und geistiger Ueberlegenheit, ist so groß, daß eZ die Aufgabe des erfahrenen Alters ist, dieses Spiel für die Jugend nutzbarer ju gestalten und ihm seine Schattenseiten zu nehmen. Daß der Fußballsport leicht in Roheit ausarten kann, ist bekannt, doch hat man das Rugbhspiel, das in Amerika mit so großer Leidenschaft gepflegt wird, in Deutschland fast vollständig verbannt. Den hohen Wert und die große Bedeutung des sog. Gefxllschaftsspiehes für* big Jugend anerkennend, hat man jetzt den Fußball- bei der Armee eingeführt, Behörden und hochge­stellte Personen weisen auf das Spiel hin und fördern es. Viele Stadtbehörden unterMtzen daher die Bestrebungen der Vereine, die neben dem Fußballspiel auch die L e ich t- a t h l e t i k in ihr Programm aufgenommen haben. Zu den Städten, die nach dieser Seite bin sich betätigen, muß auch Wetzlar gerechnet werden. In dieser Stadt sand am Sonntag das Pokalspiel des 8. Bezirks des Westdeuffchen Fußball Verbandes statt, wozu sich sehr viele Sportfteunde eingefunden hatten. Wir sande»: dort einen recht schönen um zäumten trockenen Platz, der von der Stadt hergestellt worden ist und im Winter unter Wasser gesetzt werde»» kann, um als Eisbahn zu dienen. Zn dem Kampf um den von Wetzlarer Damen gestifteten Wanderpokal hatten sich 7 Vereine einge­funden. Der Bestimmung gemäß können nut die zweiten Mannschaften der Klaffe A und die 1. Mannschaften der Klasse B an den Wettspielen Üeilnehmen. Marburg war somit mit der 2. Mannschaft vertreten. Derjenige Verein, der den Pokal 2 mal als Sieger erhält, bekommt ihn als Eigentum. Beim ersten Wettkampf vor 2 Jahren war Wetzlar Sieger, im vorigen Jahre errang Gießen Sportverein 1900 den Pokal. Marburg kämpfte jedesmal bis zur End- tuttbe mit, mutzte aber schließlich unterliegen. Bei dem gestrigen Kampf nun, welcher der ein- brechenden Rächt wegen nicht zu Ende geführt werden konnte, hat der Marburger Verein für Bewegungsspiele die größten Aussichten, als Sieger hervorzugehen. Die gefährlichsten Geg­ner sind unterlegen, Marburg muß nur noch das begonnene Schlußspiel mit der 1. Mannschaft des Sportvereins Merkur-Gießen zum Austrag bringen. Das vom herrlichen Wetter begünsttgte Spiel, dem eine tausendköpfige Zuschauermenge 5 Stunden lang ohne Unterbrechung mit großem Interesse folgte, »mhm um i/22 Uhr seinen An­

fang. Der Gang des Spiels war durch das Los entschieden. Marburg hatte den Kampf zu er« öffnen und zwar mit einem stacken, gefährlichen Gegner, mit der 1. Mannschaft des Siegener Ballspielkkubs. Jedes ©piel dauerte 2X20 Minuten. In der ersten Halbzeit wurde kein Puntt erzielt, jede Partei verteidigte hack- näckig sein Tor. Erst in der zweiten Halbzeit gelang es dem besseren Zusammenspiel der Marburger, den kräftigen, schönen Gestalten Siegens, den Ball zu entreißen und ihn einzu­schießen. Mit 1 : 0 Toren war somit Marburg in diesem Gange Sieger. Darauf schlulg der Gießener Spockverein 1900 mit 1:0 Toren den Siegener Ballspielllnb. Ein gleichweckiges utib hoch interessantes Spiel lieferten sich der Wetzlarer Fußballverein und der Verein für Bewegungsspiele von Gießen. Die sehr ff inten Spieler waren sehr schnell am Ball, und wogte der Kampf hin und her. Da in der vorgeschrie­benen Zeit keine Entscheidung fiel, mußte das Spiel mehrmals verlängeck werden, bis das enffcheidende Tor erzielt wurde. Wetzlar unter­lag mit 2 : 3 Toren. Im 4. Spiel besiegte Merkur-Gießen den Sportverein 1900 v. Gießen mit 2 : 1 Toren. Letzter Verein hatte viel Pech, schoß doch sein linker Verteidiger ein Selbsttor. In der Zwischenrunde nun, besiegte Marburg den Gießener Verein für Bewegungs­spiele mit 4 : 0 Toren. Das Endspiel zwischen den Vereinen Marburg und Merkur-Gießen konnte nicht vollendet werden; die Erttscheidung wird nächsten Sonntag in Wetzlar in einem Spiel von 2X45 Minuten fallen.

* Das Fehlen der Wespen. Während vockges Jahr allenthalben über das massenhafte Vor­kommen der Wespen geklagt wurde, fehlen diese in diesem Jahre fast vollständig. Es war den Sommer Wer wicklich eine Seltenheit, eine Wespe zu beobachten. Von sachverständiger Seite wird dies mit einer Krankheit in Ver­bindung gebracht, der sogenatmten Faulbrut, die auch hier unb da bei den Bienen auftritt und dann ganze Bienenstände vernichtet. Die biolo­gische Anstalt zu Dahlem erfuhrt um Zusendung etwa vorgefintdener Wespennester zum Zwecke der Feststellung, ob die Vernmtung bezüglich der Krankheit sich bestätigt.

Berleburg, 3. Ott. Wegen Beleidigung des Landrats des Kreises Wittgenstein Dr. Schröder, in Berleburg, wurden kürzlich von der Siegener Sttafkammer bet Redakteur Zielowsky von der Franksucker Volksstimme", der Redatteur Riedel vomSiegener Volksblatt", sowie bet Bauunternehmer Rompel und bei Wick Achen­bach von Berleburg veruckeitt. Die Beleidigung wurde gefunden in der VeröffÄktlichung bezw. Weiterverbreitung eines Arttkels, der den Titel König Landrat" trug. Wie jetzt aus Berle­burg gemelbet wird, hat einer der Prozeßbe­teiligten bei der Staatsanwaltschaft in Arns­berg gegen Landrat Dr. Schröder, der damals als Zeuge vernommen wurde, eine Anzeige wegen Meineids eingereicht. Die Staatsanwalt­schaft hat darauf geantwortck, datz sich die Atten zwecks Prüfung bet von ben Verurteilten einge­legten Revision bei bem Reichsgericht befänden, der Anzeige aber nach Rückerhalt bet Atten näher getreten werden solle. (RH.-Westf.Ztg.)

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

§§ Gaffel, 4. Okt. Die im Innungs-Ausschuß ver­einigten Innungen von Cassel, die über 2000 Hand­werksmeister aus Cassel und den Vororten fest orga­nisiert haben, veranstalteten hier in derStadt Stock­holm" eine große öffentliche Handwerkerversamnt- lung, in der Schneidermeister Voigt-Friedenau bei Berlin, der Vorsitzende des Handwerkerbundes, einen Vortrag über Zwecke und Ziele des Handwerkerbun­des hielt. Rach den mit großem Beifall aufgenom­menen Ausführungen des Redners beschloß die zahl­reich besuchte Handwerkerversammlung, einen Landes­verband des Bundes deutscher Handwerker für den Regierungsbezirk Caffel zu -begrünben. Vorsitzenbet biefes Landesverbanbes ist bet Malermeister Martin- Hersfelb; zum Obmann bet Casseler Bunbesgruvpe würbe Schneibermeister Koch-Cassel gewählt. Das Schwurgericht verurteilte heute ben 26jährigen land- wirtschaftlichen Arbeiter Friedrich Erezenna aus Ottelsburg in Ostpreußen, der in bet Nacht vom 26. auf ben 27. Juli b. I. ben 22jährigen Schlosserge­sellen Karl Kekel auf bet Landstraße zwischen Wei­mar unb Heckershausen mit einer Zaunlatte durch einen Hieb übet den Kopf niedetschlua unb den be­wußtlosen jungen Mann bann beraubte, unter Zu­billigung mitbernber Umstände zu 1 Iaht unb 8 Mo­naten Gefängnis.

Melsungen, 3. Ott. Gestern wurde hier die 20. §>auptvetsamlung der Kmchessische». Haupt- Vereins des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutschsprotestantischen Interessen abgehalten. Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu erwäh­nen: Es entstanden fünf neue Zweigvereine und 7 Vereine gliederten sich als angeschloffene Ver­eine dem Haupwerckn an, welcher gegenwärtig 156 Vereine umfaßt. Die Mitgliederzahl stieg

von 12178 auf 14 844 d. h. ein Plus von 2706 Mitgliedern. Somit kommen in Kurhessen auf 1000 Protestanten 18 Bundesmitglieder. In den drei letzten Jahren hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt, die der Zweigvereine verdreifacht. Darauf gab Herr Geheimrat Vockrodt-Cassck den Kassenbericht. Einer Einnahme von 12 957,08 Mack steht eine Ausgabe von 11293,51 Mack gegenüber, so daß das Iaht 1909 mit einem Be­stand von 1663,57 Mark abschlietzt. Die nächste Haupweckammlung soll in Marburg stattfinden. Ansprachen hielten die Herren Mettopolitan Schäfer-Gelnhausen, Pfarrer Wolff-Eassel, Pfar­rer Stein-Cassel, Oberlehrer Hoffmann-Cassel, Reichstagsabgeordneter Lic. Everling-Halle und Pfarrer Michaelis-Metz.

Hohensolms, 4. Ott. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland und der Großberzog und die Großherzogin von Hessen nebst Kindern, so­wie die Prinzessin Heinrich von Preußen statte­ten am Samstag dem zurzeit auf dem diesigen Schlosse weilenden Fürstenpaar von Solms- Hohensolms-Lich einen Besuch ab. Die Fürst­lichkeiten, welche in 5 Automobilen gegen 1 Uhr hier eintrafen, fpeisten zufammen, und um 3 Uhr verließen die Gäste das Schloß wieder, um über Gießen, wo längerer Aufenthalt genommen wurde, nach Friedberg zurückzukehren. Zn ihren Ehren waren die Ocksstraßen beflaggt und die Einwohnerschaft begrüßte die Fürstlichkeiten mit Hochrufen.

Lauterbach, 1. Ott. Eine Ausstellung in LauterbachLauterbacher und Vogelsberger Kunst und Handwerk aus drei Jahrbundecken' fängt an die Anftnerffamkeit auch der Kenner im Lande auf sich zu ziehen. Vom Vogelsberge, von seiner kleinstädtischen und bäuerlichen KulMr weiß man in engeren und weiteren Kreisen herz­lich wenig. Nun tritt auf einmal in der Lauter­bacher Ausstellung ein Kulturbild von eigen­artigem Reiz vors Ailge. Es zeigt Arbeiten von alten Handwerksmeistern, von Schreinern, von Drechslern, von Schlossern, von Leinewebern und Töpfern. Arbeiten, die über drei Jahrhnnsecke sich hinziehen, oft von einer bewunderswecken Technik zeugen, meist aber eine Originalität der Gedanken zeigen, die für die Kleinstadt und das alte Riedeselsche Geiet in einer feltenen Weise Zeugnis ablegen. Die Ack der Anordnung ver­dient noch ein besonderes Interesse: Ein Rokoko- und ein Empirezimmer öffnen sich dem Beschauer, ein Biedermeier-Raum tut sich vor ihm auf; eine Bauernstube, eine Bauernküche, eine Bauend- oberstube scheint uns aus dem Städtchen heraus auf das Land zu führen. Die Räume zeigen ohne Ausnahme gute Stücke an Möbeln und Hausrat. Alles ist so angeordnet, daß das Leben einer bestimmten Zeitepoche hier wiedergesp»cgelt zu fein scheint, ja, daß man den Hauch der Ver­gangenheit über dem Ganzen schwebend »n verspüren meint. Kanin, daß auch für ein schaffe- Auge der Stil verletzt wird. Die Fülle dieser Räume ermübet das Auge nimmer, sondern die Lebeickigkeit herrscht ständig vor. Die Kunst und die Kultur eines Vogelsberger Gebirgs­städtchens unb seiner paar Dörfer aber feiert auf dieser Ausstellung eine schöne Auferstehung.

Fulda, 3. Ott. Wegen Steuerhinterziehung hatte sich der Kaufmann M. in Fulda vor der Sttafkammer zu venmtwocken. Das Gericht nahm als erwiesen an, daß bei Angeklagte von 19041907 jährlich durchschnittlich 12 000 M verdient, aber nur etwa 6000 'M steuer­pflichtiges Einkommen deklariert habe. Es ver- uckeilte ihn zu einer Geldstrafe von 3260 M unb zu ben Kosten des Verfahrens. Außerdem hat er die Nachsteuer für die Staats- unb ©tabtfaffe zu zahlen.

Em», 30. Sept. Die Bereinigung der Schreiner- meister in Ems ckchiete kürzlich an dieEmser Ztg." eine Mitteilung über das Ergebnis einer Submission, bei der Preisunterschiede von rund 35 Prozent zwi­schen dem Höchst- unb Minbestgebot zu verzeichnen waren. Die Schreiner-Vereinigung bemerkt bazu: Angesichts solcher Ergebnisse muß man sich immer wieber bie Frage »erlegen: Was nutzen alle Vockräge und Belehrungen über Kalkulation, wenn solche An­gebote blindlings, ohne genaue Kostenberechnung ab­gegeben werden, und wann wird die Zeit kommen, wo mit bem System, baß bet Billigste bie Arbeit er- hält, gebrochen wirb? Erst dann wird Besserung tu das Submissionsverfahren kommen. Wie viel Exi­stenzen gehen burch dieses unglückselige Verfahren zu Grunde und wieviel Staatsoermögen geht dadurch verloren! Und weiter muß man sich die Frage stellen: Wann werden die Handwerker endlich so vernünftig werden, bei ben immer mehr steigenden Löhnen und Lebensbedürfnissen sich eng zusammenzuschlietzen und gemeinschaftlich reelle Preisberechnungen aufiufteOee, zum Nutzen des Bestellers und des Handwerker»?" Sehr richtig. . ;> -f