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manchen Fingerzeig

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sRa^drnck verboten.)

Sie werden es

Dich, mir ohne Wissen zu senden, und doch denn die andere Quelle sprach, fängt nachgerade

ehe Sie darum will ich nicht rasend, er läßt

Mühe Rebmann Reiche

Haffe Sie, Warren, hasse Sie, einen Menschen gehaßt!" Falls Sie Genia liebten,

Haß begreifen, so aber" Sie ist mir genau ebenso

würde ich dies'» gleichgültig, wie

die britt« nötig,

entgegen. Der Inhalt desselben war kurz und doch starrte sie darauf lange, lange, bis die Rosen von ihren Wangen verschwunden waren und kalte Schweißtropfen ihr auf der Stirne perlten.

Blanche schrieb:

Du weigerst Deines Mannes Geld brauche ich dasselbe, von der ich unlängst

die Sozialdemokratie. Ebenso klar war es, daß man den Freisinn mit Vorsicht genießen wolle, weil er in nationalen Dingen unzuverlässig sei. Rach rechts hin fiel noch manches Wort, aber es war ganz unverkennbar, daß die Sfimmung der Partei in dieser Beziehung milder geworden ist. Es liegt im Wesen einer große« Partei, daß die hauptsächlichsten Differenzpunkte bereits im Schoße des Zentralvorstandes erörtert und eventuell begraben werden. Das Einigkettsbe- dürfnis der Partei hat dafür gesorgt, daß daS Prinzip der Duldung verschiedener Ansichten auf-

ich ihr, seien Sie deffen versichert und doch ich könnte den morden, dem ich sie geben werde!"

Staates zu schieben, wurden selbst in den einfachsten Moabiter Lokalen arg kritisiert. Was dort selbst von Arbeitern über die Berichterstattung desVor­wärts" in aller Oeffentlichkeit gesagt wurde, war für die Berichterstatter keinesfalls schmeichelhaft. Daß die roten Organisationen die Bewegung leiteten, und daß Sozialdemokraten den Kern der Aufständi­schen gebildet haben, ist absolut nicht mehr zu bestrei­ten. Die lokalen Organisationen haben sogar das muß jeder unparteiische Beobachter, der nur eini­germaßen Blick hat, zugeben Hand in Hand mit Zuhältern und Dirnen und sonstigem Janhagel ge­arbeitet. Diese Elemente bildeten überall di« Plänk- lerketten, während die Arbeiter die Kerntruppen dar­stellen. Eine weitere Tatsache, die dafür spricht, ist der Sturm auf die Kirche und die fanatische Wut, die in dem Angriffe auf den Pastor Schwebe! gipfelte. Die drei Geistlichen der reformierten Kirche, die wirklich einen verlorenen Posten in der Gemeinde Moabit einnehmen, betreiben nicht ohne Erfolg, wenn auch unter schweren Gefahren und unter Dul­dung niederträchtiger Verhöhnungen in wahrhaft heldenmütiger Weise Miffionswerk. Beharrlich brin­gen sie Verirrte und Verhetzte wieder in den Schoß der Kirche, gewinnen sie auch wieder zum monarchi­schen Bekenntniffe. Je größer die Erfolge, desto grö­ßer die Wut der Organisierten. Der Angriff auf die Kirche und auf den Pastor, der schon so viel Gutes getan, findet nur hierin seine Erklärung.

Möglich wurde die Revolte vor allem durch Feh­ler, die ftüher gemacht worden find. Die ursorüng- ltche energische Haltung des Polizeipräfidenten ge­genüber den Wahlrechtsdemonstranten im Anfang dieses Jahres wurde bekanntlich einer bedenklichen Revision unterzogen. In den ersten Tagen des Auf­standes hatte die Polizei sich infolge jener korrigier­ten Haltung auf die Verteidigung beschränken und die eigentlichen Kosten in Form von 38 Verwundeten und einem Toten tragen müssen. Der Erfolg war, daß immer kecker sich breit machende Revolutionäre mit vermehrter Energie auf breiterer Basss vorgin- gen. Erst nachdem di« Polizei gewisser Rücksichten entbunden war, größere Initiative an den Tag legen durfte, wurde die Revolte unterdrückt. Selbst wett links stehende Blätter haben die Richtigkeit dieser Taktik anerkennen müssen.

Wie zu dem Zwischenfall mit den englifchen Journalisten noch gemeldet wird, haben sich die vier Journalisten nochmal« an den Polizeipräsidenten ge­wandt, und die Befttafung der betr. Beamten gefor­dert. Darauf ist ihnen vom Polizeipräfidenten fol­gende Antwort zugegangen:Sie rmd Ihre journa­listischen Kollegen begaben sich mutig, aber ordnungs­widrig in eine zusammengerottete Menschenmenge (gemäß § 125 R.-St.-G ). Ich bedauere die Ihnen dadurch zugestoß«ne Unannehmlichkeit außerordent­lich und hoffe, daß der verletzte Herr Lawrence bald wiederhergestellt sein wird. Die Arbeit bei Polizei war diese Woche von außergewöhnlich schwieriger Att. Wie ich mich überzeugt habe, hat die gesamte Polizeimannschaft mit höchst lobenswerter Energie

Dem Sie sie geben werden? tun ?"

Es war meine Absicht, noch baten! Sie aber, Warren, Sie sehen Ihr Anblick macht mich

mich meine und Ihre Würde vergessen"

Ich gehe, Herr Rorring."

Tun Sie das und seien Sie versichert, daß, wenn ich von meinem Weib lasse, dies nicht um Ihretwillen geschieht!"

Er hatte sich hart auf dem Absätze umgewen bet und die Arme über die Brust verschränkt.

Und seien Si« versichert, daß ich «S Ihnen bennoch danken werde."

Rorring wandte sich nicht um, er lüftete nur leicht grüßend den Hut, wartend, bis die Schritte des sich Entfernenden auf dem Quaderdamm der Mole verhallten. Dann trat er zu den Arbeitern And erteilte ihnen Aufträge für den Rest des Tages mit so finsterer Haft, so nervös zuckenden

Seelenkämpfe.

: Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.

t Fortsetzung.)

Herr Rorring, Sie hockten mich für un­edel -*

liebevoller Führer er im

die Großblockidee, zur Geltung zu

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Jach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage

Der Friede in Moabit.

Berlin, 1. Oktober. In der letzten Rächt find keinerlei Zwischenfälle vorgekommen, sodaß man die Unruhen jetzt wohl al» beendet ansehen kann. Der Deutschen Tageszeitung geht von einem Augenzeu­gen ein Schreiben zu, dem wir folgende Stellen ent­nehmen:Das schärfere Auftreten unserer braven Schutzleute hat nicht nut den guten Erfolg gehabt, den man sich gerade in rechtsstehenden Kreisen von Anfang an versprach, e» hat auch merkwürdigerweise die Zustimmung solcher «reise der Bevölkerung ge­funden, die wesentlich unter dem Einflüsse der poli­zeilichen Presse der Linken gestanden haben. Ihr Mitarbeiter hat sich die Mühe genommen, auf Stra­ßenbahnen, in Kutscherkneipen usw. die Stimmung der Bevölkerung zu sondieren. Was ich da gehört und gesehen habe, stimmt durchaus nicht zu der Hoff­nung desVorwärts", daß die Moabiter Krawalle dem roten Heerbanne neue Zuläufer verschaffen wer­den. Der roten Partei dürften die Moabiter Kra­walle im Gegenteil erheblichen Abbruch tun. Die krampfhaften Bemühungen des Zenttalorgans bet roten Internationale, bie Schuld auf bie Organe des

Lippen, daß dieselben ihm kopffchüttelnd nach­blickten, wie et, den Hafen verlassend, dem Küsten­wege zueilte, der am Fuße des Berges hinsührt, steil hin übet den weißwehenden Mähnen der Wogen.

Der Abend hatte sich niedergesenkt auf die regenduftende Erde. Gegen die Fenster der Villa Rorring schlugen die wasserschweren Zweige der Bäume, die neugierig hineinblickten in das In­nere der Zimmer und der jungen Frau zusahen, wie dieselbe leise ordnend von einem ins andere ging, ein glückliches Lächeln auf den strahlenden, leicht geröteten Zügen. Geschäftig trug sie Klei- dungs- und Wäschestücke zusammen, um alles in einen «einen Koffer zu bergen, der geöffnet auf dem Tische stand.

Wenn Rorring so bereitwillig auf bte Tren­nung einging, mußte es ja auch ihm lieber sein, die peinliche Zett zu verkürzen, die sie noch mit­einander zu durchleben hatten. Falls er nrcht da­gegen war , wollte sie schon morgen fort. Sie hatte soeben an die Vorsteherin des Pensionates geschrieben, in dem Frieda erzogen war, um bei derselben anzuftagen, ob sie geneigt sei, ihr für einige Zeit Aufnahme in ihrer Familie zu ge­währen. Uebermorgen würde die Antwort dann do. sein, nichts sie hindern, sogleich abzureisen, und dann dann später im nächsten Früh­jahr wohl schon würde Perch kommen und sic zu sich holen . . . Sie barg das bei diesem Ge­danken erglühende Gesicht in den Händen.

In das dämmernde Zimmer fiel der Schat­ten eines draußen Vorübergehenden, es war der Briefbot«. Genia erkannte Blanches Hand­schrift auf der Adresse.

Widerwillig griff sie nach dem zierlichen Brieschen, starker Heliotropduft schlug ihr daraus

gestellt wurde und di« Debatte waren gemil­dert. Trotzdem war der persönliche Eindruck der, daß der jungliberale Einfluß in der Partei nicht mehr so mächtig ist wie einst. Magdeburg und Moabtt wurden des öfteren erwähnt, sie haben mitgeholfen, den Badensern sachlich eine Nieder­lage zu verschaffen. Die Lage der Parte: ist nach Baffermann ungünstig, resigniert erklärte er: Es ist alles gleich, ob wir nach rechts oder links Anschluß suchen, die Unzufriedenheit der Wähler schreitet über die bürgerlichen Parteien hinweg!" Die Zukunft ist mit Baffermanns Mittel gleichfalls nicht rosig. Wie Bcffsermann sich eine Rückkehr zum alten Block den«, erscheint sehr fraglich. Es ist ja zum längeren bekannt, daß der Block Zerfiel, weil man auf der rechten Seite das Ge­fühl hatte, daß man vor den radikal-freisinnig u Wagen gespannt werden sollte. Ein Zusammen­arbeiten der Nationalliberalen mit der Rechten hätte sich leichter bewerkstelligen lassen. Und gerade der Zerfall des Blocks hat gezeigt, daß der Freisinn nicht daran dachte, sich zu ändern. Mtt einem Schlage blühte der alte Radikaftsmu-.- wieder und in Verbindung mit den Genossen sucht man heute dort in weiten Kreisen das Heil. Unter dem Deckmantel des Freisinns batte gleicherweise auf die Dauer auch der nationale Liberalismus gelitten. Wir glauben, die Block­zeit ist endlich vorbei. Möge die Aussprache in Cassel das Resultat zeitigen, daß eine gemäßigte nationale Mittelpartei vor allem auch die Auf­gabe hat, den konservativen Kräften im Volke nicht im parteipolitischen Sinn« gesprochen gerecht zu werden, indem sie gute Beziehungen zu den rechtsstehenden Parteien unterhält, ohne ihre Selbständigkeit in irgend einer Form aufzu- geben.

Marburg

Dienstag, 4. Oktober 1910

an, erbärmlich sparsam zu fließen. Aus Deinem Schreiben vom Frühjahr schließe ich, daß Ihr Du und Dein Mann nicht eben miteinander lebt wie Turteltauben, ich denke daher Dir und mir einen Dienst zu erweisen, wenn ich : r ein Mittel an die Hand gebe, Dich von der Vor­mundschaft zu befreien, unter der sowohl Du selbst als Dein Vermögen zu stehen scheinen. Dein Mann ist ein geheilter Irrsinniger und ver­schwieg Dir dies er war jahrelang Zögling des Irrenhauses zu Brünn. Ich erfuhr das zufällig unb glaube, daß bas Verheimlichen eines solchen Zustandes allein schon eine hinrei­chende Begründung der Scheidungsllage sein wird. Du mußt Dich erkundigen, ob dies wirk­lich der Fall ist; wenn nicht, so dürfte die Aw drohung der Veröffentlichung dieses seines Vor­lebens vielleicht genügen, ihn bezüglich der Schei­dung zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Sobald Du frei über Deine Mitgift disponieren kannst, erwarte ich Deine Sendung! Ich mutz hier den Schein des Reichtums auftecht erhalten, will ich nicht die Chancen verlieren, die da- Glück mir bietet!"

Es war nur ein Satz de« Gelesenen, der sich wie mit Flammenschrift Genia in die Serie prägte:Dein Mann ist ein geheilter Jrrstn- Niger!" War's Lüge, war's Wahrheit?

Und warum jetzt diese Aufklärung, gerade

unb Kaltblütigkeit ihr« Pflicht getan. In bem frag­lichen Augenblick war bas schnellst« Vorgehen gebo- t«n. Das dadurch verursachte Versehen ist nach alle- dem sowohl aus diesem Grunde wie in Anbetracht der gesamten Lage begreiflich, so daß ich es ablehnen muß, gegen bie in Frag« kommenben Beamten Schritt« zu ergreifen.

Auf diese Erklärung erwidern Mr. Wile in der Daily Mail und Mr. Tower in den Daily News, daß sie sich nicht in eine zusammengerottete oder Überhaupt in irgendeine Menschenmenge begaben, baß sie vielmehr auf ausdrückliche Empfehlung eines Polizeileutnants in die Turmstraße fuhren, sodann, daß sie die amtlich bestätigten Pässe der auswärtigen Preßvereinigung bei sich führten und baß in bem Augenblick des Angriffs keinerlei Grund zu schleuni­gem Handeln Vorgelegen habe. Die englischen Jour­nalisten wollen es daher bei der Antwort des Poli­zeipräsident nicht beroenten lassen, sondern eine Er­widerung darauf übermiteln.

Da der. Polizeipräsident den Journalisten fein Bedauern hat ausdrücken lassen, so kann man bte ganze Angelegenheit wohl als erledigt betrachten. Die Herren täten daher besser, wenn sie sich mit dieser Antwort des Polizeipräsidenten zufrieden erklärten.

Rechts oder links.

Seit bem Scheitern desBlocks" will die Frage, ob die alte nationale und liberale Mittel­partei die Brücken nach rechts völlig abbrechen und den Wünschen ihrer jungliberalen Dränger folgend, sich links orientieren will, nicht zur Ruhe kommen. Die Frage ist in der Tat für unser ganzes politisches Leben von nicht unerheblicher Bedeutung und es ist «in Trugschluß, wenn in Cassel gestern davon gesprochen wurde, der Par­tei werde von den anderen Parteien dieser Zu­sammenkunft der Tod gepredigt. Allerdings ist eine Mittelpartei in Zeiten der Blüte radi­kaler Ideen noch schlechter daran, als eine ent­schieden rechts stehende. Das mögen auch die verschiedenen Gruppen innerhalb der Partei empfttnden haben, als sie die Frage der Rechts­oder Linksorientierung so eingeheitd behandelten

Ich habe Sie nie dafür gehalten weder jetzt, noch früher; ich achte Sie ttotz all dem. was ich sagte, es sprechen oft aus mir mehr meine überreizten Nerven, als mein Verstand; aber ich ' wie ich noch nie

Zeile ober bereu Raum 1» -3, für eusroärttge ymerate «4, für Reklamen 40 4. Druck unb Verlag: Joh. «ug. xoa), Universttäts-Buchbruckerei, Jnbak>-r Dr. E. ^-.ro> v:'Thing, Markt 21. Tele"hon 55.

«nd den diesjährigen Vertretertag fast ganz unter solche Betrachtungen stellten. Eine Entscheidung Hat der Parteitag übet den wir an anderer Stelle berichten nicht gefällt. Die schwierige Frage der Stichwahltaktik ist mit Bewußtsein aus der Diskussion ausgeschieden worden, und doch dürste gerade di« Diskussion, di« ausge­zeichnete vorsichtig abwägende Rede des Partei­führers in wesentlichen Punkten unterstteichend geben. Mit Geschick und verherrlichte der badische

gen wünschte. In Baden sei fi« um den Einfluß des Zentrums zurückzu- dämmen. Aber selbst der bayerische Führer Casselmann, der doch in der gleichen politischen Lage sich befindet, verurteilte eine Waffen- -sbrüderschast mit der Sozialdemokratie, wenn er MM au» Mr erlaubt hielt, sich gelegentlich nach «Mu RezetztGrüß mich nicht Unter den Linden", **Ü-er Stichwahlhilfe zu bedienen, die auch daS

Zentrum nicht verschmähe. Alle anderen Redner sanden weit schärfere Worte, die Liebe mache bei Herrn Rebmann blind u. s. f. Es war auch kein Zweifel darüber, daß die Gefährlichkeit des Re­visionismus in der nattonalliberalen Partei nicht verkannt wird. Mit Recht wurde mehrfach darauf hingewiesen, welche unglaubliche Ver­hetzung der Revistonistenführer Frank durch seine JugendbewegungDie junge Garde" inS Volk ttage und daß Revision und Radikalismus im Wollen einig sind. Der «bg.Bäumer bezeichnete als erfreuliches Ergebnis von Basser- manns Rede seine Rare Stellungnahme gegen

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme btt Sonn- unb Feiertage. Der Bezugspret -beträgt viertel- jährlich durch bie Post bezogen 2,25 -4t (ohne Bestellgeld,, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition/Markt 21), (Filr unverlangt zugesandte Manuskripte Übernimmt bie Redak- tion keinerlei Verantwortung.)

Deutsches Reich.

Bom Kronprinzen. Potsdam, 1. Ott. Der Kronprinz ist heute nacht im Automobil von Jagdschloß Rieth in Pommern im Marmor- palais in Potsdam eingetroffen und Hai heute als Vertreter des Kaisers an dem Jubiläum des Reichsversicherungsamtes teilgenommen. Abends gedenkt des Kronprinz nach Jagdschloß Rieth zurückzukehren. m

Die Eröffnung des Reichstages. Berlin, 2 Ott Wie dieRordd. Allg. Zig." erfährt, wird der Reichstag am 22. November zufan^ mentreten Der Stand der Arbeiten der während des Sommers tagenden Kommissionen, insbe­sondere der gerechtfertigte Wunsch der Versiche- rungskommi-sston, ihre Arbeiten vor Beginn der Plenarverhandliungen zu einem Abschluß zu bringen, war für die Wahl dieses Zeitpunttes bestimmend gewesen.

Die Einweihung des Dresdener Rathauses. Dresden, 1. Ott. Heute wurde hier das mit einem Kostenaufwaiwe von 9 Mill. Mark erbaute . neue Rathaus nach 5y2iä6riger Bauzeit einge- weiht. Den Einweihungsfeierlichkeiten ging ein greller Mißton voran. Verbrecherhände haben in der heutigen Nacht die 72 Meter lange und ewa 6 Meter breite Freitreppe, die für die Auf­fahrt der Gäfte in Aussicht genommen war über und über mit blauer Anilinfarbe besudest. Offen bar kommen mehrere Personen als Urheber die­ses Bubenstreiches in Frage, weil ein Farben­strich dicht über dem anderen st» befindet, w daß die ganze Sandstein-Freitreppe wie ein blauer Teppich aussah. Seit den frühesten Morgenstunden waren also 20 Aufwartefrauen mtt der Reinigung der Treppe beschäftigt Um %9 Uhr war es ibnen nach mühevoller Arbeit

jebt, wo alles Alte abgeschlossen und das Tleue wartend vor der Türe stand? Sie zerknitterte den Brief und warf ihn vor sich, als ob et brenne. Warum jetzt? Und dann plötzlich ge­dachte sie jenes ersten unheimlichen Anfalles ans dem Laibacher Schkoßberge, wo von Irren di« Rede gewesen, und sie erinnerte sich des Ver­sprechens, das sie Amberg in Miramar« hatte geben müffen. ihrem Manne nicht mitteilen zu wollen, daß dieser ihn in Brünn gekannt, wo sein Vater als Direttor eines Irrenhauses tätig war. Ein Grauen beschftch sie bei dem' Ge­danken, wessen Weib sie bis jetzt gewesen; dann empfand sie MÜeid mit dem Armen, der gewiß schwer getragen an diesem unseligen Bewußt­sein. ,

Warum hatte er eS ihr nicht gesagt? - Nicht einen Augenblick zweifelte sie daran daß nicht er es gewesen, der es hatte verheimlichen wollen. Sie liebte Nörting nicht, aber ste achtete ihn, er konnte nie ehrlos gehandelt haben! Sie sah ihn vor sich, wie er ängstlich fragend sich zu Blanche geneigt, am Tag« ihrer Ver­lobungweiß Genia alles? Und sie ent- sann sich der selffmn nach demJa ringenden Lippen der schönen Frau und des stummen Kopftttckens, mtt dem sie endlich den Fragenden _ beruhigte Blanche hatte gelogen nicht Norrinz!

War es denn auch wahr? Sie zweiselt« noch immer. Und wenn es wahr war durfte sie ihn verlassen? Er sah oft so verstört aus Wenn der Wahnsinn wiederkehrtc? War das möglich war es wahrscheinlich? Amberg kannte ihren Gatten, er wußte jedenfalls AuS- | fünft zu geben über dessen Vergangenheit. Sie schrieb rasch etntge Worte auf eine Katt« und fdrtbte ben Diener damit in Ambergs Wohnung

I (Fortsetzung folgt.)