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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Mnb bett Beilagen: ,3ta6) Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.
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Die „Vberhessische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 JUL. (Für unverlangt zugekandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 2. Oktober 1910.
Die Znserttvnsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tpe^attene Zeile oder deren Raum 16 ’j, fflt auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 '4. — Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UnioerfltSts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Televbon 55.
45. Jahr,
Erstes Blatt
und
einer Wirtschaft eine Versammlung abhielten. Unter "I den Ausspruch Goethes, wonach im Falle einer beut
Gewerkschaftspresse, durch Versammlungen, monstrationen und Generalstreiksbeschlüsse nügend vorbereitete Menge der Arbeiter zu
De- ge-
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Die franzöfische Presse versucht natürlich aus die- sen Vorkommnissen Kapital zu schlagen. Die „Aurore" schreibt: „Bisher glaubten die Deutschen, daß wir neben zahlreichen anderen Fehlern den einen, nämlich Etraßenkämpfe zu verursachen, besäßen. Jetzt könne« sie sich selbst ein Bild davon machen, wie angenehm Straßenkämpfe find, und nicht längerhin können st« uns vorwerfen, daß wir in dieser Hinsicht Europa stets ein schlechtes Beispiel gegeben haben.»
Die „Libre Parole„ steht schwarz. Eie prophezeit, daß eines Tages Deutschland seine große Revolution haben werde, wie sie vor über hundert Jahren durch Frankreich dahingebraust ist. Dabei beruft sie sich auf
Die heutige Nummer umfaßt 4 Blätter.
scheu Revolution die französische dem kleinen Hund gleiche, der im Kreise vor einem wütenden Löwen flüchten muß. „Sind die gegenwärtigen Straßen- kämpfe in Berlin nur ein Prolog?" so ftagt das Blatt. „Niemand weiß, aber jeder steht mit gespannter Erwartung den kommenden Dingen entgegen.»
Moabit.
Berlin, 30. Sept.
Die Unruhen in Moabit scheinen nach den jetzt vorliegenden Meldungen ihr Ende erreicht zu haben, denn außer den bereits gestern gemeldeten Keinen Zwischenfällen ist es in der gestrigen Nacht zu keinen ernsten Zusammenstößen gekommen, was wohl nicht zum wenigsten auf die nunmehr getroffenen scharfen Maßnahmen der Polizei zurückzuführen ist.
So waren auch für den gestrigen Abend und die Nacht von der Polizei di« umfassendsten Maßregeln getroffen, um Angriffen wirksam zu begegnen und sie im Keime zu ersticken. Allein in der Rostocker Straße wurden 50 Schutzleute sämtlich mit Karabinern ausgerüstet, dazu etwa 20 Berittene und hundert Kri- mtnalwachtmeister und Kriminalschutzleute aufgestellt. Bor jedem Hausflur mußten 6—8 Kriminalbeamte Posto fassen, während die mit Karabiner ausgerüsteten Schutzleute zu zwei und vier di« Straße ständig auf- und abpatrouillierten, um Bewohner, die sich an den oberen Fenstern zeigten, zu warnen. Naturgemäß bot die Rostocker Straße infolgedessen ein äußerst kriegerisches Bild. Die Mehrzahl der Fenster war unbeleuchtet und verhängt; die Straße war bis auf die Beamten menschenleer. Hier und da zeigte sich ein neugieriger Kopf an dem Fenster oder auf dem Balkon. Sofort legten die Schutzleute dann den Karabiner an und riefen den Leuten zu, von den Fenstern fortzugehen.
Nachträglich wird noch folgender Zwischenfall gemeldet:
Gegen 1114 Uhr wurde der Polizei mitgeteilt, daß in einem Hof in der Beusselstraß« Anarchisten in
Deutsches Reich.
— Staatssekretär o. Kiderlen-Wächter. Bukarest 30. Sept. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter ist if Sinaia eingetroffen, um dem König sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Morgen abend trifft der Staatssekretär in Bukarest ein und reist am Sonntag oder Montag nach Wien .
— Dir Arbeiten des Bundesrats. Berlin, 30 September. Der „Reichsanzeiger» schreibt: I» der am 29. September unter Vorsitz Delbrücks ab- gehaltenen Plenarsitzung des Bundeseats tourt» bon der Bildung der Ausschüsse für Landheer Festungen und Seewesen Mitteilung gemacht uni die Bildung der übrigen Ausschüsse durch Wahl vollzogen. Den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen betreffend baupolizeiliche Vorschriften wurde die Zustimmung erteilt. Mit der Ueber- Weisung des Entwurfs eines Gesetzes gegen Mißstände im Heilgewerbe, des Entwurfs eines Gei setzes betreffend die Beseitigung von Tierkadas dem und anderer Vorlagen an die zuständigen Ausschüsse erklärte di« Versammlung sich einvev standen. Weiter wurde über die Besetzung von
schimpfungen, Belästigungen und Tätlichkeiten gegen die Arbeitenden und ihre Beschützer. Mr wollen zur Ehre der deutschen Arbeiterschaft nicht annehmen, daß die streikenden Arbeiter der Kohlenfirma in erster Linie die Angreifer und Organisatoren in jenen nächtlichen Kämpfen gewesen sind; daß aber das Verhalten der Streikenden gegen die Arbeitswilligen die Ursache und der Anlaß der revolutinären Straßenszenen ga° wesen ist, wird von niemand bestritten. Wir haben leider gerade in letzter Zeit in jrt«r Rümmer des „Arbeitgeber» über Streikexzess« berichten müssen, die schon längst nicht mehr zu den Ausnahmeerscheinungen bei Arbettskämpsen tze- hören. Aber nicht bloß die streikenden Arbeiter «nd die sozialdemokratisch fühlenden und handelnden Genossen machen wir verantwortlich dafür, daß solche wüste Szenen Vorkommen und möglich sind, wir klagen an alle diejenigen Kreise unseres Volkes, die sich nicht genug tun können darin, die Masse zu umschmeicheln und sie mit immer weiteren Privilegien auszustatten, wir klagen an die Regierung und die Parlamente, daß pe nicht den Mut finden, solchem demagogischen Treiben energisch entgegenzutreten. Der Arbeiter« schütz ist eine gute Sache und jeder soll und wirt gern mithelfen, der zahlreichen Klasse unserer Lohnarbeiter die Lebensbedingungen annehmbar zu machen, aber neben dem Schutze der Arbeiter hat zum mindesten in gleichem Maße auch die Arbeit selbst Anspruch auf Schutz; wer arbeiten will und wer arbeitet, sei es Arbeitgeber, Angestellter oder Lohnarbeiter, der muß die unbedingte Freiheit dazu haben, Arbeitsfteiheit geht über Koalitionsfreiheit, die, wie man steht, zum Koalitionszwang und zur Arbeitsknechtschaft führt. Darum ist Moabit eine emste Lehre und so mancher, wenn er auch nicht mit unter der Rotte der Aufrührer stand, müßte sich an btt Prust schlagen und sagen: mea, mea maxima culpa. So manchem, der sich bei Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ohne weiteres Auf dte Seite der Streikenden stellt, müßte die
ralster Anschauung das umstrittene Anrecht hat, „reizt» die schon lange vorher durch Partei- und
Politische Umschau.
I Die Reichstagsstichwahl in Frankfurt a. O^Lebus. I Daß die Konservativen Mann für Mann bei der I Stichwahl ihre Pflicht getan haben, beweist eine Zu- I schrift, die der Vorwärts veröffentlicht, worin es u. a. I heißt: „Wenn man das Wahlergebnis auf Grund be» I vorliegenben Ortsverzeichnisses betrachtet, so kann I man nur erstaunt sein, wie fast restlos die Kaufet« I vativen für den nationalliberalen Kandidaten einge- I treten find. Das schon genannte Frankfurter Blatt I zählt ganze 37 ländliche Orte auf, in denen der bür- I gerliche Mischmasch in der Stichwahl weniger Stim- I men erreicht hat al» bei der Hauptwahl. Und wie I viel Stimmen kommen da heraus? Sage und schreibe I 491 Wegen dieser 49 Stimmen aus 37 Ortschaften I schreit die „Frankfurter Oder-Zeitung» Über konser-
— Ain Denkmal für den verstorbenen Präsidenten des Reichsverficherungsamtes, Dr. Boedicker. Berlin, 30. Sept. Heute fand im Reichsversicherungsamt ein Festakt zu Ehren des am 4. Februar 1907 verstorbenen ersten Präsidenten Dr. Boedicker statt. Der jetzige Präsident des Reichsversicherungsamtes Dr. Kaufmann gab in der Festrede eine Schilderung der Persönlichkeit Boedickers und seiner besonderen Verdienste um die Durchführung der Arbeiterverstcherung. Die Versaminlung begab sich hierauf in die Eingangshalle des Dienstgebäudes, wo die Enthüllung des von Prof. Janensch (Charlottenburg) geschaffenen Denkmals Boedickers erfolgte. Der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück nahm in einer kurzen Ansprache das Denkmal in den Schutz des Reiches.
— General Berd, du Bemais f. Stockholm, 30. Sept. Der frühere preußische Kriegsminister General Verb, du Vernais, der hier bei seinem Sohne zu Besuch weilte, ist heute nachmittag gestorben.
— Sperrung des Berliner Viehhofs. Berlin, 30. Sept. Der Städtische Viehhof ist wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche gesperrt.
— Ein« sozialdemokratisch« Schiedsinstanz. Karlsruhe 30. Sept. In zwei gut besuchten Versammlungen des sozialistischen Vereins referier- ten die Landtagsabgeordneten Kolb und Will über den Magdeburger Parteitag. Beide Versammlungen billigten nach der „Frankfurter Zeitung» die Haltung ihrer Delegierten in Magdeburg. Sn der ersten Versammlung erhob sich keinerlei Widerspruch, ebensowenig auch in der folgenden. Zur Vermeidung von Vorkommnissen wie auf dem Magdeburger Parteitag schlug Kolb die Gründung eines Reichsausschufles in der sozialdemokratischen Partei vor, der aus Genossen aller LandesteUe bestehe, die Politik und Takttk der sozialdemokratischen Partei kontrol-
Idee aufdämmern, daß er mit an dem Wege I bauen hilft, der nach Moabit führt. So mancher, I der sich gewöhnt hat danke einer gewissenlosen | Demagogie, in jedem Arbettswilligen ein „miu- I derwertiges Subjekt» zu sehen, müßte sich sagen, I daß mehr Mut dazu gehört, sich dem Terroris- I nms Streikender zu widersetzen, als mtt der I Masse der Ausständigen in die Beschimpfungen I einzustimmen. Weil es aber leider so ist und wett I die Rechtsanschauungen über Zwang und Droh- I ung bereits so verworren sind, daß selbst ein Rich- I ter jüngst den Arbeitswilligen die moralische I Qualität absprach, und weil es hiernach tatsäch- I ltch für viele unmöglich ist, ihren Arbeitwillen zu I betätigen, wenn es die Gewerkschaft nicht will, I deshalb ist ein Schutz der Arbeit bitter nötig, I nicht dadurch, daß Polizei die Arbeitenden begleit I tet und beschützt, sondern dadurch, daß, wer an- I bete durch Drohung oder Zwang von dem Ge- I brauche ihrer Freiheit, auch der Freiheit zu ar- I beiten, abhält, sich vor dem Gesetze strafbar macht, j Diese Strafen müssen, den maßgebenden Verhält- 1 niffen entsprechend, wirkungsvoll und daher scharf | sein. Diesen Weg haben andere und gerade I liberal (b. h. doch freiheitlich') gesinnte Rationen I längst vor uns beschritten. Aber wir, toir führen I die Freiheit im Akunde, sie macht halt, wo sie I gegen die Menge angewandt werden soll. Die I Zahl beherrscht uns, das Majoritätsprinzip, wer I die meisten Köpfe um sich versammelt, hat Recht. I Und mit der Mehrheit zu sprechen, zu ftimmen, z« I handeln, ist so bequem und förderlich! Möchten I die Vorgänge in Moabit dazu helfen, daß wir I aus unserer sozialen Feigheit heraustreten und I daß alle Kreise, insbesondere die zur Gesetzgebung I berufenen, den sozialen Mut finden, zum Schutze I der deutschen Arbeit gesetzliche Mittel auch bann I zu schaffen, wenn sie der von der Sozialdemo- I hatte verführten Meng« unbequem sind. » I
Schutz der Arbeit.
Unter bet Ueberschrist: „Es mußte so kom- 1 en,» schreibt Dr. Tänzler im „Arbeitgeber», Mitteilungen der Hauptstelle deuffcher Arbeitgeberverbände, über die Moabtter Vorgänge: In Berlin tobte in den Rächten des 26., 27. und 28. September der helle Aufmhr und Mutige Straßenkämpfe wurden im Stadtteile Moabit ausgefochten zwischen den rohen Angreiferhorden der Menge und der zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit berufenen Polizei. Alle aus Bürgerkrieg und Revolution bekannten Mittel tvurben angewandt, Steinwürfe aus den Hinteren Reihen der Angreifer, während Frauen, ja selbst Kinder vorgeschoben werden, Blumentöpfe als Geschosse aus den Fenstern, Revolverschiifse aus Häusern und Verstecken, Demolieren von Laternen, Schaufenstern Mrtschaften, Attacken auf Straßenbahnen und Passanten, Sturm auf die Kirche und Zertrümmerung wertvoller Kirchenfenster, Demolierung von Feuermeldern, mit Petroleum getränkte brennende Matratzen in den Straßen usw.; es gab Verwundete auf beiden Seiten zu Hunderten, selbst Tote: das ist das schmachvolle Bild, das die Hauptstadt des Deutschen Reiches in einem ihrer „Arbeiier»- stadtteile an diesen unrühmlichen Tagen der ganzen zivilisierten Welt darbot. Und der Anlaß? Die Arbeiter einer Kohlenfirma verlangen Lohnerhöhung und wollen sie durch Streik erzwingen. Es gelingt ihnen nicht; einige Arbeitswillig« treten an ihre Stelle, werden aber durch di« Streikenden derartig belästigt und in ihrer persönlichen Sicherheit so bedroht, daß ihnen zur Arbeit starker polizeilicher Schutz beigegeben werden muß. Auch so ein jammervolles Zeichen unserer Zeit: wenn einer arbeiten will, wo es der organisierten Arbeiterschaft nicht beliebt, bedarf es des Schutzes der Waffen; dies nennt man „Koalitionsfreiheit», und mit diesem Begriff treibt man bis weit hinein in die Reihen der bürgerlichen Politiker einen Götzendienst, dem alles andere, namentlich die persönliche Freiheit Andersdenkender, zum Opfer gebracht wird. Und dieser Schutz, auf den doch jeder im Einklang mit den Gesetzen lebender Bürger gerade nach libe-
vativen Verrat! Dabei machen bi« Natxmallib^al» gar kein Hehl aus ihrer vorgefaßten Ansicht, baß ti Fall« einer Stichwahl zwischen Dunkel (kons.) tei Faber (Soz.) die Mehrheit der „Liberalen" den lot servativen Kandidaten ganz gewiß hätte in bet Tint sitzen lassen." ,
Dee Casseler Parteitag. " !
Die Münchener Neuesten Nachrichten schließt einen Artikel zu der bevorstehenben Tagung mit fol genbeit Worten: Die nationalliberale Partei wir über die schwere Zeit am besten Hinwegkommen, wen! sie sich webet zu einem Ruck nach rechts, noch zu eine« Ruck nach links verleiten läßt, sondern nur fest in sie selbst zusammentücki und tm übrigen gute Nachbar schäft hält zu ihrer liberalen Schwesterpartei, be Fortschrittlichen Volkspartei, mit der sie so viele ge metnfame Ideale zu verfechten hat. Nicht die Rück sicht auf die Rettung einzelner Mandate darf bt Haltung unb bi« Entschließung ber Partei bestimme« Will bie nationalliberale Partei ihre große uni wichtige Mission im Dienste ber Nation voll erfüllest so barf sie sich in ber Verfolgung festet unb klarer po Mischet Ziele nicht durch bie Ungunst ber Zett be irren lassen. Der vorübergehende Verlust einzelnel Reichstagssitze ist bei weitem leichter zu ertragen als ber Verlust an politischem Ansehen unb bes gute« Rufes, politischer Zuverlässigkeit unb einer rückhalb losen Energie.
Führung eines Polizeileutnants brangen zwölf uniformierte Schutzleute unb breifeig Kriminalbeamte in bas Lokal ein. Die Aufforderung des Leutnants, sofort bas Lokal zu räumen, würbe mit Hohngeschrei aufgenommen, unb bie Anarchisten würben sofort tätlich. Es entfpann sich nun ein kurzer, aber erbitterter Kampf. Ein Teil bet Anarchisten entfloh, ein anderer Teil wurde festgenommen unb verhaftet. Fast alle hatten Verletzungen, zum Teil schwere, ba- vongetragen.
Polizeipräsident v. Jagow hat sich bei den am Mittwoch abend von Schutzleuten attackierten englischen Journalisten entschuldigen lassen. Sowohl bei dem durch Säbelhiebe verletzten Vertreter bes Reuterschen Bureaus, Lawrence, wie bei bem Vertreter ber „Dail, Mail", F. W. Wile, erschien Kriminalkommissar v. Behr und Überbrachte da» Bedauern bes Polizeiprästbenien, bet versprechen liefe, übet den Unfall eine Enquete veranstalten zu lassen. Die bisherigen Ermittelungen haben ergeben, baß bet Zivilist, bet die Schutzleute auf die harmlos im Wagen sitzenden ausländischen Journalisten aufmerksam machte, kein Kriminalbeamter gewesen ist.
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I In der Presse nehmen die Besprechungen über die Moabiter Unruhen noch immer einen großen Raum ein. Die Ansicht, daß die eigentliche Schuldige bet diesen Ausschreitungen die Sozialdemokratie ist, kommt in allen Blättern zum Ausdruck. So schreiben die „Leipz. 91. 91“: „Somit ist bie Verantwortung für bas Blut, bas in Berlin geflossen ist, unb für bie unerhörte Störung bes öffentlichen Friedens und bet öffentlichen Orbnung nicht nut inbirett ber sozial- bemokratischen Verhetzung zuzuschreiben, fonbern auch die direkte Verantwortung trifft die Sozialdemokraten. Die Sozialdemokratie wird vergebens versuchen, bie Moabiter Greuel von ihren Rockschößen abzuschütteln. Wer die Leibenschaften schürt, wie sie, ber ist unter allen Umständen schuldig, bet trägt sogar ben Hauptteil bet Schuld."
Die „Hamb. Nacht." werfen die Frage auf, welch« Lehre die Regierung aus ben Moabiter Unruhen ziehen wirb. Sie schreiben: „Wir sinb nun gespannt darauf, welche Lehren die Regierung aus diesen neuen Ausschreitungen der Sozialdemokratie ziehen wird. Daß sie sich ertlich aufrafft unb bie revolutionäre Umsturzpartei, bie sich selbst aufeerhalb ber Gesetze stellt, dementsprechend behandelt, bas glauben wir nicht. Sie bürste sich erst zu energischen Maßregeln entschließen, wenn es zu spät ist."
Der „Hannoversche Kurier" sagt: „Die Rabaulust bes Pöbels unb ber halbwüchsigen Burschen kommt an ben Vorgängen ber letzten Abende gewife kein ganz geringer Anteil zu. Aber ber Hintergrund dieser Ruhestörungen ist doch ein artetet. Es wird niemand die offiziellen Führer ber Sozialdemokratie ber unmittelbaren Anstiftung beschuldigen wollen. Aber daß bas hetzerische Treiben bet sozialdemokratischen Organe schließlich zu solchen Exzessen führen mutz, darüber wird aufeerhalb ber Sozialdemokratie Einstimmigkeit herrschen."
Auch die ausländische Presse beschäftigt sich mit ben Moabiter Unruhen. Anerkannt mufe werben, baß bie englische Presse bemüht ist, bie Sache so objektiv wie möglich zu beurteilen. So schreibt bet „Dail, Telegraph": „Ohne Zweifel strt biefe blutigen Demonstrationen eine Folge sozialistischer Lehren. Sie zeigen, wie weit ber Sozialismus unb bie soziale Bewegung unter ber beuischen Arbeiterbevölkerung um sich gegriffen hat. Unb wenn man vollerts bedenkt, baß Berlin und vor allem das fabrikteiche Moabit Zentren bet beutschen Sozialdemokratie sind, dann lassen sich bie Straßenkämpfe wohl verstehen."
Der „Daily Expreß" schreibt: „Es ist nicht leicht, ben richtigen Mafestab an bie Berliner Ausstände an» zulegen. Fast will «» scheinen,, als ob sie schon den Umfang einer kleinen wohlorganisierten Revolution Stellen beim Reichsgericht, bei ben kaiserlichen angenommen haben, bie nut als Vorläufer weiterer Disziplinarbehörden, den Disziplinarkarnrnern Kämpfe gelten müssen. Vollkommen sinnlos, ja für elsaftlothringische Beamte, sowie über die geradezu lächerlich ist jedenfalls, wenn Settreter de» I Besetzung einer Beisitzerstelle beim kaiserlichen Freihandels diese Ausschreitungen als eine Folge bet I Aufsichtsamt für Privatversicherung, ferner übet beuischen Schutzzollpolitik hinstellen." | die Bewilligung von Ruhegehalt anReichsbearnte,
über verschiedene Eingaben wegen Befteiung von Vorschriften der ärzttichen Prüfungsordnung und bet Prüfungsordnung für Apotheker Beschluß gefaßt. t