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MchM Mim mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain «mb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

Marburg

Sonnabend, 1. Oktober 1910.

DieOberhessische Zeit»««" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vieriel- i "Wo 9 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

, vl=. tiOv unseren Zettungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2L0 <M.

(Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Die Jnsertionsgebübr betragt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^"altene Zeile ober beten sraum 16 4, f9r auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Berlag: Ioh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. xittzerorh. Marb'.«rg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 79.

Moabit.

; Wie es scheint, haben die schweren Ausschreittm- - ten in Moabit ihr Ende gefunden, ihre Wirkungen aber werden weiter reichen, vor allem auch darin, bah sie selbst dem Blödesten einmal kräftig die Augen geöffnet haben über das Ziel, auf das wir bet der herrschenden Verhetzung und dem rapiden Anwachsen . bei kultur- und staatsfeindlichen Sozialdemokratie mit Riesenschritten zusteuern. Selbst die Organe des Linksliberalismus, der die Sozialdemokratie für seine Wahlgeschäfte braucht und darum sehr sanft mit ihr umgeht, sind darin einig, dah die Vorgänge auf das Konto der sozialdemokratischen Verhetzung vom Klassenkampf zu setzen sind. Einzelne behaupten sogar, von dem völlig vom Zaun gebrochenen Streik bet der Firma Kupfer & Eo. bi» zu bet mit heimtückischen Mitteln und unter Mitwirkung von Mob und Bevölkerung durchgeführten Revolte sei alles wohl vorbereitet und organisiert gewesen.

Sei dem wie ihm wolle; allen Nationaldenkenden aber haben die Tage von Moabit zur Evidenz ge­zeigt, dah wir uns an unserem Baterlande versün­digen, wenn wir dem immer weiter um sich fressenden Uebel der Sozialdemokratie nicht bald mit Feuer und Schwert zu Leibe rücken. Wenn man denVor­wärts" hört dies Kind, kein Engel ist so rein, so ist an den ganze«« Vorgängen einzig und allein nur die Polizei schuld und die Sozialdemokratie gänzlich unbeteiligt. Man mühte lachen über das, was er schreibt, wenn der Gegenstand nicht so bitter ernst rväre. Man liest da:

Ein beispielloser Skandal spielt sich Jett mehreren Tagen in Moabit, einem Teil bet Reichshauptstadt, ab. Seit Ende voriger Woche hat dort die Polizei den Kriegszustand erklärt. Durch ihr kriegerisches Auftreten hat sie nicht nur Neugierige, sondern auch fette skandal- lüsternen Elemente nach Moabit gelockt, die dank unserer herrlichen kapitalistischen Kultur, dank un­seres Dirnen- und Zuhälterwesens, dank der allbe­kannten Tatsache, dah unsere Strafanstalten nichts sind als Hochschulen für die Verbrecher, in einer Mil­lionenstadt natürlich nicht fehlen. Und nun ent­wickelte sich seit mehreren Tagen allabendlich, und zwar mit gesteigerter Heftigkeit, folgendes Bild: Die Polizei marschiert in stattlicher Zahl und in provozierender Haltung auf. DerJanhagel", , dieser Bodensatz unserer famosen kapitalistischen Kul­tur, Taugenichtse oder auch nut jugendliche Elemente, denen der Radau ebensoviel Spaß macht wie bett Äonner Borussen oder der goldenen Jugend in der Neujahrsnacht, hänseln die Polizei. Diese geht plötzlich zur Attacke über und schlägt nun blindlings auf alles los, was ihr vor den Säbel kommt! Die wirklichen Radaumacher, jugendlich flinke Elemente,

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(Nachdritck verboten.)

Seelerrlriimpfe.

^^Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.

(Fortsetzung.)

Ich werde kurz sein. Sie sehen in mir den ältesten Sohn einer Lehrersfamilte aus Tirol. Mein Vater ließ mich mit Hilfe von Sttpendie» Medizin studieren. Ich liebte damals, wie man 1 tliebt, wenn man unverdorben und jung ist. Blanca war die Tochter des Schloßkafiellans; sie war schön und gut und mit zärtlich zugetan. Doch da ich, wie auch Blanca, ohne jedes Vermögen war, konnte ich vorderhand an die Begründung eines eigenen Hausstandes noch nicht denken. Dazu kam, daß kurz nach Ablegung meines Staatsexamens in Indien die Pest mit furcht­barer Heftigkeit ausbrach, Hunderttausende von L^?b!.nraffend. In der ganzen zivilt- sterten Welt rüstete man Santtätskolonnen um dem unter der schrecklichen Geißel blutenden' Lan­desteil zu Hilfe zu eilen. Auch unsere Regierung erließ einen Aufruf an die Aerztewelt. Da mel­dete«, sich von unserer Universität mehrere junge Mediziner, von brennendem Ehrgeiz getrieben, um dem Aufruf Folge zu leisten. Der lockende Ruhm, nach wenigen Monaten schwerer Arbeit eine«, angesehenen Ramen mit in die Heimat zurückzubringen, um dadurch mit geringer Mühe eine gute Praxis als Arzt zu begründen, war zu groß, als daß ich hätte widerstehen können. Ich « mich in die Liste der nach Ostindien abgehen- jen Mediziner eintragen. Ich war meines Mückes zu sicher. Der Treue meiner Blanca fest Vertrauend, achtete ich wenig auf die flehenden Mahnungen meiner Anverwandten.

-3* Weften« einem Jahre, so rechnete ich,

haben sich schleunigst aus dem Staube gemacht, unb die Säbelhiebe, flache ober auch scharfe, wie's gerade trifft, hageln nun auf friedliches Publikum her­nieder, daß höchstens Neugierde, häufig aber auch Geschiffte, auf die Straße gettieben hat."

Ein paar bürgerliche Ideologen lassen sich noch durch dieses Märchen von der brutalen Polizei, die sich wahrscheinlich über solche amüsante Beschäftigung besonders freut, ködern, die intelligenteren Eenoffen werden dafür ein Augurenlächeln haben. Geradezu herrlich ist aber, wie sich derVorwärts" die Wieder­herstellung der Ordnung denkt. Man liest da allen Ernstes:

Wohl aber würden sich auch die Organisationen des klasienbewußien Proletariat» nicht geweigert haben, an der sofortigen Wiederherstellung der Ruh« «itzuarbeiten und mit ganz anderem Erfolg als die Polizei! wenn sie von den Behörden darum ersucht worben wären!"

Die Herren, bie so etwas schreiben, sind bereit» dem Erötzenwahnsinn verfallen", bemerkt diePost" hierzu sehr richtig. Man kann über diese klassische Unverfrorenheit nur lachen. **

Das Ausland sieht einstweilen schadenfroh zu, besonders England. So schreiben dieDaily News":

Ausbrüche dieser Art sind etwas Neues in der Geschichte des modernen Deutschland. Bisher glaubte man, daß die militärische Disziplin, die das gesamte Leben des deutschen Volkes durchdttngt, alle Lust zu Straßenkämpfen unterdrückt habe. Diese Ansicht war falsch. Daher muffen die Tage während de» Auf­standes als ein bedeutsame» Zeichen gedeutet werden. Roch ist die eigentliche Ursache unb die Natur der Kämpfe in Halbdunkel gehüllt. (?) Aber etwas kann man unmöglich glauben, nämlich daß der Streit der Angestellten einer Kohlensirma di« Ursache zu der­artigen Exzeflen, die an Barrikadenkämpfe erinnern, sein soll." DerStandard" meint:Es ist nur zu deutlich, daß die Arbeiterorganisationen in Deutsch­land vielleicht ähnlich wie in England ihre Gewalt über die Masten verlieren. Die Kämpfe in Berlin-Moabtt sind nicht das einzige Zeichen hierfür. Auch in anderen Orten Deutschlands, vor allem in Hamburg, hat sich das gleiche gezeigt."

Das war zu erwarten. Interestant ist dabei, daß nebenbei auch unsere Polizei schlecht wegkommt, namentlich seitdem die vier englischen Redakteure von Polizisten angehalten wurden und der eine ver­letzt worden ist. Uebrigens hat, wie dieDeutsche Tagesztg." meldet, die Verletzung eines Redatteurs, um den es sich handelt, nicht viel zu bedeuten. -Die betreffenden englischen Journalisten senden natürlich ihren Blättern lange Bettchte, in denen sie der Po­lizei arge Borwürfe machen. Es läßt sich ja nicht feststellen, wieweit diese Vorwürfe berechtigt sind. Immerhin hätten sich die Engländer selbst sagen müffen, daß, wer sich in Gefahr begibt, auch Schaden leiden kann.

--*--

Meter die Unruhen liegen noch folgend« Mel­dungen vor:

sollt« Blanca mein angetrantes Weib sein. Es lockten mich Ruhm und Liebesglück, daß ich schier geblendet war unb alle ernsten und bittenden Vor­stellungen in den Wind schlug. Doch als ich nach zwei Jahren aufreibendster Tättgkeit in die Hei­mat zurückkehrte, fand ich Blanca---* Dr.

Helmroth hielt zögernd inne.

Run, und Blanca?" fragte Genia.

Sie war dem jungen Grafen oben im Schlöffe rmn Opfer gefallen ... sie hatte ein Kind . . . sie selbst aber schlief feit mehreren Wochen aus dem kleinen Gottesacker . . ."

Gema blickte wehmütig auf zu dem Heinen Pastellbildchen.Aber das Kind . . .*

Die Kleine wurde auf Kosten des Grafen in einer Pension erzogen; später überließ er sie sich selbst, sie war ihm eine unangenehme Erinnerung er hatte geheiratet. Rach einer Reihe von Jahren hörte ich zufällig davon und nur um ihretwillen geschah es, daß ich noch einmal in die Welt trat uub mir eine Praxis zu gründen suchte; ich wollte sie zu mir nehmen, unter meinen Schutz."

Und sie?"

Wies mich spöttisch zurück! Es war eine sehr feine, sehr kaltherzige Dame aus Blancas Kind geworden. Sie lächelte mitleidig, als ich ihr meine Verhültnifle schllderte und sie bat, di», selben zu teilen."

Wovon lebte sie?"

Von Geldsendungen^ die sie dem Grafen er­preßte, dafür, daß sie sich seiner tugendstrengen Gemahlin nicht als seine Tochter präsentierte. Sie lebte auf großem Fuße und führte seinen Namen, wenn auch ohne den Grafentitel."

Er ließ es zu?"

Er mußte wohl, wollte er das Aufsehen ver­meiden, das ein gerichtlicher Schritt nach sich «t»

Berlin, 29. Sept. Rach einer Meldung bet Abendblätter wurden zwei Milchwagen bet Meieret Bolle von Exzedenten umgeworsen. Einem Kutschet wurde die Geldtasche geraubt.

Berlin, 29. Sept. Bei den Unruhen in Moa­bit wurden gestern abend 73 Personen so erheblich verletzt, daß sie sofort verbunden werden mußten; fünf Verletzte mußten im Krankenhaus bleiben, wo jetzt insgesamt 22 Verletzte sind. Die angehaltenen Personen wurden nach Feststellung ihrer Persönlich­keit bis auf fünf einstweilen wieder freigelassen.

Daß die Krawalle durchaus nicht nur von dem Mob ausgehen, beweist folgende Meldung:

Berlin, 29. Sept. Von zuständiger Seite er­fahren wir, daß nach amtlicher Feststellung unter den am Dienstag anläßlich der Straßenkrawalle in Moa­bit wegen Aufruhrs verhafteten 12 Exzedenten sich neun Personen befinden, welche einer auf sozialdemo­kratischem Boden stehenden Gewerkschaft angehören. Von diesen sind drei auch Mitglieder bet hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereine, vier find streikende Kohlenacheiter der Firma Kupfer & Co. Der Po­lizeipräsident äußerte einem Journalisten gegenüber seine Ansicht dahin, daß wohl ein Teil der Tumul­tuanten dem Mob fraglos angehöre, aber bie Haupt­schuld in dem vorliegenden Falle scheine doch die Arbeiter selbst und zwar sowohl die Streikenden al» auch ihre Übrigens ganz gut situierten Anhänger au» dem Arbeiterstande de» von den Exzeffen betroffenen Straßenviertel» zu treffen. Er habe selbst gesehen, welcher förmliche Wohlstand in den Arbetterwoh- nungen herrscht, deren Insassen von den Fenstern aus einen so tätigen Anteil an den Vorgängen auf bet Straße nahmen. Der Präsident erklärte, daß et e» lebhaft bebaute, wenn gewissenlos Verführte ober gar schuldlose Neugiettge unter den Folgen der be­klagenswerten Ausschreitungen leiden müssen. Atzet es fei in solchen Fällen immer besonders schwer, die wahrhaft Schuldigen überhaupt ober gar nur allein zur Verantwortung zu ziehen. Schließlich müsse boch lebet wissen, daß auf Landftiedensbtuch eine Strafe bis zu 10 Iahten Zuchthaus festgesetzt sei. De» wei­teren erklärte der Präsident, daß et bet Schützmann­schaft unb ihren Offizieren die Anerkennung hin­gebungsvoller Pflichterfüllung und maßvollster Zu­rückhaltung bis zum äußersten nicht vorenthalten könne. Darin werde wohl mit ihm diesmal auch die Berliner Bevölkerung und nicht zuletzt bie Presse, deren Einfluß und Bedeutung er sehr hoch schätze, übeteinsttmmen.

Zu der Frage, roo» der Stadt Berlin die Moabiter Unruhen kosten werden, macht derBeil. Lok.-Anz." interessante Mitteilungen: Bekanntlich hat die Ge­meinde bei Landftiedensbtuch und den daraus ent­stehenden Folgen, d. h. für den dabei angerichteten Schaden, aufzukommen. Die Schadensersatzansprüche, die namentlich die Moabiter Hausbesitzer an bte Stadt stellen werden, find ganz bedeutend. In her Rostocker Straße sind fast sämtliche Fenster und Haus­türen zerttümmert und viele Schaufenster einge­schlagen. Fast alle Fenster der Häuser dieses Stra­

zogen hätte. Uebrigens scheint sie jetzt, wo sie nach kurzer Unterbrechung ihr abenteuerliches Leben wieder ausgenommen, am Lude ihres Witzes zu fein. Ich habe ihr vor kurzem noch einmal der- sichert, daß sie stets eine Freistatt bei mir finden werde, wenn sie derselben bedürfe."

Ich glaube kaum, daß sie je von dieser Auf­forderung Gebrauch machen wird nach allem, was ich von ihr höre."

Auch ich nicht. Sie wird zugrunde gehen, aber erst, nachdem sie auch andere unglücklich ge­macht."

Genia saß nachdenklich schweigend neben ihm. Sie hatte Wartens Ring vom Finger gezogen und denselben sinnend bettachtet.

Wissen Sie, was mir Ihre Geschichte zürnst, mir, der nicht Ruhe als höchstes Lebensziel vor- schwebt?"

Sie hatte sich erhoben, ihre Brust wogte hef­tig, sie preßte den Ring, den sie noch immer zwischen den Fingern hielt, inbrünstig an die Lippen.

Sie ruft mir zu: Ergreife das Glück, fo lange es leuchtend vor btr steht. Du machst andere nicht glücklich durch deine Qual. Trinke ihn aus, den Becher des Lebens, fo lange er schäumt. *

Gleichviel ob recht oder unrecht?"

Gleichviel was andere darüber urteilen, wenn nur das eigene Rechtsgefühl es erlaubt."

Es klopfte. Ein Diener erfchieu mtt der Mel­dung, Herr Rorring fei plötzlich nach Hause ge­kommen und habe nach der gnädigen Frau g* fragt.

Genia wandte sich zum Gehen.Haben Sie Dmck, Herr Dottor, für Ihre liebreiche Absicht."

Es muß eben jeder tun, was er für recht hält."

ßenzuges sind durch Revolverschüsse in der ersten unb zweiten Etage durchlöchert, und dasselbe Bild ter Verwüstung zeigen viele andere Straßen. Duzu kom­men noch die vielen zerstötten Laternen, und btt Elasvetficherung des Erundbesitzervereins Notdweft lehnt jegliche Zahlung unb Wiederherstellung ab. Dazu treten Pflasterreparaturunkosten, die Bekösti­gung der in Moabit stationierten Schutzleute au« anderen Revieren usw. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die Schadensersatzsumme und bie anderen Unkosten, die durch den Aufruhr entstanden, auf ins­gesamt 150 000 M schätzt.

Deutsches Reich.

Prinz OSkar von Preußen. Potsbam, 29. Sept. Prinz Oskar von Preußen wurde auf etg Jahr zur Dienstleistung beim Paflevalkei Kttraffierregiment kommandiert.

Die Justtzkommiffion des Reichstages. Berlin, 29 Sept. Die Justizkommiffion de- Reichsiags beschloß eine Berufungsinstanz gegen Urteile der Strafkammer bei den Landgerichten einzurichten und sie mit drei Juristen unb zwei Schöffen zu besetzen, also auch in dieser Instanz Laien hinzuzuziehen. Die Regierung hatte gegen diesen Gedanken scharf opponiert.

Das Deuffche Museum. München, 29 Sept. Im Festsaale der Akademie der Wissen­schaften fand heute Vormittag unter dem Vor- sitze des Prinzen Ludwig von Bayern eine AnS- schußsttzung des Deuffchen Museums statt, zu der die Ausschußmitglieder aus allen Tellen Deutsch- lands herbeigekominen waren. Nachdem der Präsident der Akademie der Wissenschaft, v. Heigel, die Versammlung namens der Akademie und Minister v. Brettreich namens der Slaatsregierung begrüßt hatte, erstattete Baurat und Reichsrat Oscar v. Miller Bericht über die Finanzen und den Neubau des Museums. Ober­bürgermeister v. Borscht gab bekannt, daß die Gen,etndeverttetung einstimmig beschlossen habe, dem Deutschen Museum in einem Neubau für alle Zeiten Wärme und elettrisches Licht unent­geltlich zu liefern, was einem jährlichen Aufwand von 160 000 Jt entspricht. Reichsrat Maffei- München gab namens der bereinigten Firmen des deutschen Lokomotivbaus bekannt, daß diese für den Ehrensaal des Museums ein Borsigdenk mal stiften wollen. Sodann berichteten Geheim- rat Dr van Dyck-München und Graf Zeppelin über verschiedene Verwaltungsangelegenheiten. Zum Vorsitzenden de- Vorstandsrates wurde Dr. Hermann Blohm-Hamburg, zum Schriftführer des Vorstandsrates Geheimrat Bunte-Karlsruhe neugewählt. Dr. Blohm gab eine kurze Schilde­rung von den Leistungen und der Lage des deutz- schen Schisfsbaues. Geheimer Marine-Oberbau- rat Heßfeld übergab im Ramen des Kaisers ein großes Schnittmodell des LinienschiffesRhein­land", das der Kaiser dem Museum bei dessen Gundsteinlegung zugesagt hatte. Das im Ver­sammlungssaal ausgestellte Schnittmodell, dessen einzelne Teile elektrisch betrieben werden können, fand ungeteilte Bewunderung, die auch in Herz-

Hat der Rarr dich geholt, Eugente? Er hatte keinen Auftrag dazu. Du wach bet dem alten Helmroth?"

Seit einer halben Stunde."

Ich zog es vor, das Gewitter zu Hause abzu- toarten diese Schwüle macht mich nervös."

Sie ist sehr drückend." Genia blickte nicht auf.Ich hatte Besuch, Herbert."

So? Vielleicht Surren?"

Sein Auge ruhte finster auf ihrem gesenkten Antlitz, auf dem die Farbe kam und ging.

Ja. Ich habe einen Entschluß gefaßt ich glaube, daß du ihn billigen wirst . ." sie stockte

Ich weiß, was du sagen willst. Ich erwar­tete das schon längst! Natürlich bin ich einver­standen, aber--ich bin augenblicklich müde,

laß das bis morgen wir sprechen morgen darüber"

Es lag eine kalte Gleichgültigkeit in seinem Tone, daß Genia befrembet aufblickte; ein so oberflächliches Vonsichweisen dieser Lebensfrage hatte sie nicht ertoartet. Er hatte sich abgewendet, sie sah nicht, daß seine Zähne sich wie im Krampfe aufeinandergeschloffen, nur der seltsam schwan- keiche Gang fiel ihr auf, mit dem er, auf seinen Stock gestützt, die Tür zu erreichen suchte.

Bist du unwohl, Herbert?"

Rur angegriffen von der Gewitterluft?"

Sie sah ihm erleichtett nach. Das erste Wott war gesprochen, er wußte, was sie wollte, hatte es erwartet, nahm es so kühl auf sie sank an dem Fenster in die Knie und faltete die Hände.

Draußen grollte und brauste es in den Lüsten, das Wetter brach los mit furchtbarer Wucht. Wie das lohte und krachte, als berste der Himmel und stürze In Trümmer nieder. Sie aber betete zu Gott, und der Regen rauschte segnend nieder auf die verschmachtende Erde. (Fortsetzung folgt.)