mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Mnb den Beilagen: .Jiach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
M 229
Die „Vberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungssteilen und der Expedition (Markt 21), 2L0 M. (Für unverlanK zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Freitag, 30. September 1910.
Die Insertionsgebllbr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebter des Blattes für die 7pe^alten« Zeile oder deren Stemm 18 A, für auswärtige Inserate 20 4, rar Reklamen 40 '-8. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei. Inbal>»r Dr. C Aitzero.ch, Marburg, Markt 21. — Teleubo» 53.
45. Jahrg.
Vorwürfe machen, daß sie nicht gleich von de« allerschärfsten Maßregeln Gebrauch gemacht hat." Man sieht bis auf die äußersten Radikalen ist das Urteil mit gewissen Abtönungen ziemlich einstimmig.
Der Aufruhr in Moabit.
Urplötzlich haben die Ereignisse in Moabit, der Straßenkrawall mit allen seinen blutigen und haßerfüllten Nebenerscheinungen, unsere innere Lage wie ein Schlaglicht grell erleuchtet. Die Blätter find voll von Berichten über die Dinge, die dort vorgehen und für uns, fast möchte man sagen, beschämend find. > Der Aufruhr zeigt ganz deutlich, wohin wir steuern. Gewiß ist es illoyal, wie die „Franff. Ztg.' aus lauter Furcht, es möchte den zart zu umwerbenden Genossen etwas geschehen, heut« schreibt, die So« . zialdemokratie als solche d i r e k t für die Revolution in Moabit verantwortlich zu machen. So dumm ist die Sozialdemokratie gewiß nicht, daß ste sich in so zweifelhafte Geschäfte einließe. Daran aber darf man nicht zweifeln, daß die fortgesetzten Hetzereien der Führer der Sozialdemokratie, ihr Spielen mit dem Gedanken des Generalstreik und der Revolution eine Stimmung erzeugt, aus bet heraus in schwieriger Lage, wie der Arbeitseinstellung einer Firma, i Konflikte erwachsen. Daß der Mob und Janhagel ' dann das Heft in die Hand nimmt, entlastet die nicht, ; die mit ihrer Verhetzung den Boden vorbeteiten. Es steht auch außer Zweifel, daß die Erfolge der Partei «nicht ohne Einfluß geblieben sind; allzu leicht reizen fie wohl dazu, einmal festzustellen, wie stark die Re- ■ gierung eigentlich „noch" ist. Wissen fie doch auch, daß ; in anderen Lagern Freunde vorhanden find, die gern bereit sind, der „Polizei" die Schuld an allem auf« tzubürden und die wie das „B. T." einen Eiertanz -ufführen, um den Herren Exzedenten nicht wehe zu tun. Das Blatt schreibt:
„Wenn erst auf den gestrige« Rausch der Zerstörung die Ernüchterung gefolgt sein wird, dann «erden sich die Schuldigen verzweifelt frage«, wie e» ■ eigentlich möglich gewesen sei, daß fie fich so weit , hinreißen lasten konnten. Und so sehr wir dafür ein- ' freien, daß diese groben Verstöße gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht ungesühnt bleiben, so ‘ wünschen wir den Exzedenten doch weise Richter, die die Tat der Einzelnen nicht für fich betrachten, sondern einen Teil der Schuld auf die Mastenbeeinflus- sung abwälzen."
Im übrigen bemüht fich das Blatt herauszufinden, „ob nicht auch auf der Seite der Polizeibehörde manches geschehen ist, was die Masten in Gegensatz |ut Polizei gebracht hat". „Gegensatz zur Polizei" ist «in sehr niedlicher Ausdruck für das, was in Moabit zurzeit vorgeht. Der „Vorwärts" kann fich für die Hilfe bedanken. Sehr richtig schreibt die „Post" zu dieser Beurteilung:
■? „Es wundert uns noch, daß die Mißhandlung de» Pfarrers, die Verwüstungen der Reformattonskirche nicht mit dem „berechttgten Unwillen der Maste« über die Finanzpolittk der Junker und Pfaffen" entschuldigt wird. Hoffentlich erkennt das deutsche Bürgertum bald, wohin es noch geraten wird, wenn es länger solchen Führern folgt, die mit ätzender Kritik «Iles angreifen, was für Erhaltung von Besitz. Ordnung und Autorität arbeitet, und mit gleißenden Worten beschönigen und entschuldigen jede«, IFj=^^===^=iai1.1! ■ . 1 'i11 4
85 (Nachdruck verboten.)
Seelenkämpfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
Plötzlich ging es wie ein Erschrecken durch ihre Glieder. Sie machte sich los und sagte fest: „Küsse mich nicht, Percy, noch bin ich rttcht dein! piorij gehöre ich Norring — und ich will nicht unrecht tun gerade jetzt, wo mir der Himmel dich geschenkt! Aber ich werde frei sein — vielleicht bald, und dann —*
„Wird er dich frei geben?"
„Er wird es! Ich bin ihm gleichgültig, wie der Kiesel, den sein Fuß ärgerlich vor sich her- schlcudert, den aus dem Wege zu räumen er fich ab nie die Mühe gegeben; er wird dir danke«, wenn du es für ihn tust."
„Hoffen wir es! Ich werde mit ihm sprechen!"
„Auch ich lvitt das — heute noch und dann fort laus der beengenden Luft dieses Hauses an irgend ein stilles Plätzchen, wo ich Watten werde, bis alles geordnet, bist Du mich zu dir nimmst, Percy
Sie stand vor ihm mit gefalteten Händen und leuchtendem Auge — es schien ihm unmöglich, sie nicht von neuem an sich zu ziehen. Sie wehtte ihn sanft ab,
„Willst du jetzt gehen, Percy Ich bitte dich darum! Nein, sieh mich nicht so vorwurfsvoll an . . . sollen wir unser Glück aufbauen auf verletzter Pflicht? Ich hin ihm ja ungetraut, bin ja noch sein rechtmäßiges Weib. ... Du gehst — du Verstehst mich? Ich danke dir?"
bet gegen Poliz ei, Staat u«b Gesellschaft mit Worten unb Taten wühlt."
Im übrigen ist — freilich außer „B. T." unb Anhang — die gesamte deutsche Preste einig in bet Forderung, baß ben Ausschreitungen bei Vermeidung alle» unnötigen Blutvergießens in bet schärfsten Form entgegen getreten werden muß. Gegen bet« artige Dinge kann eine Regierung nut mit äußerster Konsequenz vorgehen, wenn ste nicht nach innen unb außen an Kredit verlieren will. Einige Preßstimmen seien noch mitgeteilt.
Die „Post" schreibt:
„Was in Magdeburg gesät wurde, wird in Moabit geerntet. Da» Feuer, das dort geschütt wurde, ist hier zu lichterlohen Flammen emporgeschlagen. Aber die Männer unb Frauen, die dort so laut und giftig zum Umsturz alles Bestehenden aufforderten, sie fehlen da, wo ihre Jünger ihre Worte in Taten umsehen wollen. Wenn die Zubeil, Ledebour, Bebel unb Luxemburg wenigstens noch den Mut hätten, auch jetzt bei ihren blindwütigen Anhängern auszuhalt-n, bann könnte man noch eine gewiße Achtung vor ihnen haben. Aber währenb ihre betörten Anhänger nun Ernst machen mit ben blutigen Theorien jener, sich mit ben schwersten Verbrechen beladen und Strafen entgegengehen, die ste zei lebens unglücklich machen, da sitzen die geisttgen Urheber dieser Untaten in Sicherheit unb Ruhe behaglich in ihren gut bürgerlichen Wohnungen, lesen mit Schabenfreude bie Schreckensberichte und schmieden Artikel, in denen sie neben der Berechttgung solcher Aufruhrtaten ihre Unschuld nachzuweisen suchen. Wir sind sichet, daß bet „Vorwärts" morgen früh seinen Pharisäermut wieder bewähren wird, indem er austuft: Wir sind unschuldig an dem Blute von Moabit, die Polizei, die Staatsgewalt und die bürgerliche Gesellschaft hat die Ausständigen zu Brandschatzung und Totschlag gezwungen."
Die „Staatsbürger Zeitung":
„Der Polizeibericht, der diese traurigen Vorgänge meldet, berichtet noch, fast möchte man sagen, stolz, daß nur von der blanken Waffe und nicbt auch von der Schußwaffe Gebrauch gemacht worden ist. Aber wir fragen, darf man lieber Gesundheit und Leben ruhiger Bürger aufs Spiel setzen, als daß man wagt, mit der Waffe in der Hand, in genügender Weise die aufrührerischen Rebellen in die Schranken zurückzu- weisen? Wer Aufruhr stiftet unb die Ordnung stürzt, hat fein Recht verwirkt. Schutz dem Bürgersmann, bet in Ruhe leben will, unb bie Strafe über ben Aufrührer verhängt, bie bet Augenblick dringend heischt, ohne Milde! Da» ist bie Frucht sozialdemokratischer Erziehungsmethode: junge, halbwüchsige Burschen, wahrscheinlich Mitglieder bet sozialdemokratischen Jugendorganisationen; aufgeregte, kreischende, tobende Hyänen-Weiber mit ihren Kindern, Produtte der Frauenemanzipation der Klara Zetttn unb der blutigroten Rosa Luxemburg. Ist da» immer noch eine „großartige Bewegung", Herr von Bodmann? Oder ist Ihr Herz so abgeschreckt, daß Sie auch noch vor solchem revoluttonären Ungestüm aufgehetztcr Mafien nicht zurückschrecken?"
Er neigte sich aus ihre Hände und drückte f ine heißen Lippen darauf.
„Wit werden voneinander hören?"
„Gewiß! Weiß Rorttng erst einmal, wie es um uns beide steht, so werde ich mich nicht scheuen, dir Nachricht zu geben."
„Lebe wohl! Seine Hände hatten sich sanft um ihr Haupt gelegt, er blickte ihr in plötzlich erwachter Angst tief in die Augen. „Ich fürchte deinen Mann, Genia — für dich und für mich — o Gott, wenn du mir doch noch genommen würdest —"
„Ich fürchte nichts. Niemand soll mich hatten! Ich weiß nicht, was möglicherweise die Gesetze uns für Hinderniffe in den Weg legen können — ich bin so unerfahren in all' dergleichen, das aber weiß ich, daß ich alle Gesetze für nichts achten würde, wenn sie sich aufiehnten gegen das, was mein Glück ist."
„Ich hatte dich nicht für so kühn gehalten."
„Ich bin es auch erst, seit ich fühle, wie sehr ich dich liebe. Auf morgen, Percy, auf morgen!"
„Gott erhalte dich mir, mein Lieb!"
Sie wat allein. Die Aufregung trieb ste durch alle Zimmer, die jetzt düsterfahl beleuchtet warnt. Es schien ihr nicht möglich, allein zu bleiben in diesen engen Räumen, allein mit dem übervollen Herzen. Die Veranda hinabschreitend, durcheilte sie den Garten.
Dottor Helmroth saß eben in seinem Arbeiis- zi. wer in seinen Smdien vettiest. Da llopste es leise an seine Tür, da flog cs herein und warf sich vor ihm nieder, seine Knie jauchzend umschlin genb. Er sah fast erschreckt hinab aus das jugend- lich-fchöne Weib, dem die Träne« in den Lugen
Die „Rattonal-Zettung":
„Ueberall, wo ein Lohnkampf ausgesochten wird, muß die Arbeiterschaft dafür sorgen, daß ste selbst die gesetzlichen Schranken nicht durchbreche. In Moabit aber haben sich die Lohnkämpfer diese traurige Bundesgenofsenschast des Mob. nicht verbeten und sind dadurch voll verantwortlich geworden für diese Schandtaten, die un- beingt mit Strenge unteddrückt werden muffen. Wie konnten aber die Behörden es so weit kommen lasten? Daß sie solange von der Schußwaffe keinen Gebrauch gemacht haben, ist nur löblich. Denn es wäre furchtbar, wenn jede Ausschreitung gleich zu einem Bürgerkrieg im Kleinen führen soll. Aber sie hätten Mittel finden müssen, die Bewegung bei Zeiten einzu dämmen, und die wilden Horden im Zaum zu hatten."
Die „Tägliche Rundschau" schreibt:
„Die Wahrheit ist nicht, daß es sich bei den Vorgängen in Moabit um eine augenblickliche, also vorübergehend gereizte Stimmung han^lt, sonder» die Wahrheit ist, daß diese Stimmung allmäblich unb zielbewußt erzeugt worden unb von Dauer ist. Richttg ist cs auch nicht, die Ausbrüche des wilden Klassenhasses, wie es am einfachsten und bequemsten scheint, nur auf Rechnung des Janhagels zu fetzen; zweifellos übt er ja aufs freudigste feine Mitwirkung aus aber, er ist doch gewissermaßen nur der verlängerte Arm der von der Sozialdemokratte geschulten und organisietten Arbeitermasten. Es wäre eine verhängnisvolle Kurzsichtigkeit, wenn man Vorgänge, tote die in Moabit und früher an anderen Stellen mtr als Angelegenheiten unpolitischer, freilich sehr unbequemer Radaubrüder ansehen wollte, sie sind vielmehr durch und durch politisch! Es wäre ja auch ganz gegen jedes Naturgesetz und würde die natürlichste Stusensolge von Ursache und Wirkung aufheben, wenn der den Massen in zahllosen Versammlungen und Tag für Tag in die Seele gehämmerte Haß sich nicht bei bestimmten Anlässen entladen sollte."
Selbst die „Frankfutter Zeitung" kann sich der Ansicht, daß man es hier mit einem wohlorgani-- sterten Aufruhr zu tun hat, nicht verschließen. Sie schreibt:
„Kein Wunder, daß die Blätter sich mit bie« en Dingen ausführlich beschäftigen und in ihnen auch eine politische Färbung entdecken, die ihnen ursprünglich abging. Denn das ist richtig: mit der Versicherung, daß es nur der Janhagel der Großstadt fei, der in Moabit sein Unwesen treibe, darf man sich nicht zufrieden geben. Die Leute die in den bedrohten Straßen Balkonwohnungeil haben unb sich an ben Straßenkämpfen beteiligen, flnb nicht das, was man unter Janhagel versteht. Auch die Arbeiter der Aktiengesellschaft Loewe, die in der Nähe ihre Fabriken hat, haben sich erwiesenermaßen an dem Straßenunfug beteiligt. Manche von Ihne« laufen mH verbundenen Köpfen herum und einige sind auf frischer Tat fest genommen worden. Das darf nicht verschwiegen werden, und es überrascht daher nicht, wenn einige Blätter in den Straßentumulten so etwas wie eine Vorübung für eine politische Straßenrevolution erblicken und der Staatsregiemng
hingen, und das doch gitterte vor freudiger Erregung. Er hatte Genia noch nie so gesehen, hatte nie gewußt, wie berückend schön das Weib war, das stets so traurig und ernst gefaßt neben ihm hingegangen.
„Kind, Kind, was ist Ihnen?"
„Was mir ist? Ich möchte weinen und jubeln unb beten in einem Atem — ich bin glücklich!"
„War Storren bei Ihnen?"
Sie nickte selig lächelnd. „Er liebt mich!
„Das wußten Sie lange!"
„Aber nicht, daß ich ihn wieder liebe! Ich werde es endlich auch erfahren, was „leben" heißt — ich werde ihm angehören mit Leib und Seele . . ."
„Sie sind verheiratet, Frau Norring!"
„Mein Mann wird aufatmen wie ich, wenn ich von ihm gehe."
„Von Ihrem angetrauten Gatten?"
Sie erhob das Auge fragend zu ihm. „Sie meinen doch nicht, Doktor Helmroth, daß — well ich einmal blind war, einmal töricht genug, zur unrechten Zeit „ja" zu sagen, ich an diesem „Ja" Meppen solle mein Leben lang ? Sie können das nicht meinen!"
„Es ist Ihre Pflicht!"
„Sie sagen das so zögernd, so unsicher — Sie Stauben selbst nicht, was Sie sprechen. Es ist nicht meine Pflicht — ich bestreite es! Wenn Sie das Pflichterfüllung nennen, elend fein und elend machen, wo ein trennend s Wort Freiheit bringt, so, so — wußten Sie nie, Doktor, was Pflicht ist! Ja, toenn mein Mann mich liebte, nichts auf Erden fömrte mich dazu i ringen, ihn zu verlassen; dmm aber wäre eS Pflicht, wieder zu Heben!
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Zu den Moabiter Unruhen wird in Ergänzung unserer früheren Rachrichte« weiter gemeldet:
Berlin, 28. Sept.
Im Polizeipräsidium ftnden unter dem Vorsitze des Polizeipräsidenten eingehende Konferenzen zur Beratung von Maßregeln statt, die eine Wiederholung der Szenen in der vergangenen Nacht verhindern sollen. Das Ergebnis der noch fortdauernden Beratungen dürfte den Mittagsblättern zufolge eine öffentliche Warnung fein.
Nach Berichten in den Mittagsblättern wurden namentlich in der Rostockerstraße überall Beweise gefunden, daß aus den Hausfluren und Fenstern Revolverschüsse gegen die Polizei abgefeuert wurden, namentlich durch die Spalten heruntergelassener Jalousien, worauf die Polizei mit Revolverschüssen erwiderte. Eine genaue Feststellung der Zahl der Verletzten war bisher nicht möglich. Kriminalbeamte beschlagnahmten heute das Krankenjournal der Unfallstation, um die Namen der Verletzten festzustellen. Gerichtliche Untersuchung ist gegen die festgestellten Beteiligten am Tumult zum Zwecke der Erhebung der Anklage wegen Aufruhrs, auf den schwere Zuchthausstrafe gesetzt ist, bereits eingeleitet.
Nach dem amtlichen Bericht über die gestrigen Vorgänge in Moabit gingen die Angriffe und Widersetzlichkeiten meist nicht von dem sog. Janhagel, wir am Abend vorher, sondern von besseren Arbeitern au».
Im Zusammenhang mit den Moabiter Straßen- traroatien wurden in der letzten Nacht vier Mann in das Polizeipräsidium eingeliefert. Zwei warfen nachweislich mit Steinen, einer soll geschossen haben. Heute vormittag war es auf dem Kampfplatze ruhig. Die Kohlenwagen der Firma Kupfer & Co. fuhren mit der üblichen polizeilichen Bedeckung.
Um Ansammlungen in Moabit möglichst zu verhüten, ordnete die Polizei an, daß heute alle Schank- wirtschaften und Destillationen int ganzen Unruheviertel um 5 Uhr geschlossen werden. Zu einem Zwischenfall kam es nachmittags in der Sicklnger- stroße, wo ein Kohlenwagen von einem Neubau aus mit Mauersteinen beworfen wurde. Die begleiteib’« Schutzmannschaften erwiderten mit Pistolenschüsse«.
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Der „Post" entnehmen wir nachfolgenden Bericht eines Augenzeugen:
Drei Tage währt nun schon die Schlacht draußen in Moabit und noch immer ist es unentschieden, wer Sieger bleiben wird, die staatliche Autorität oder di« umsturzdrohende Menge. Denn vom Mob kann man unter diesen Umständen nicht mehr reden. Das kann unmöglich alles Janhagel sein, was sich dort an den Angriffen auf die Polizei beteiligt hat. Ein gewisses planmäßiges Vorgehen von zielbewußten Leuten ist aus den ganzen Vorgängen zu ersehen. Schon bet
Sie ahnen nicht, wie sehr ich Gott danke, daß er sie mir nicht zumutet, diese schwere Ausgabe!" „Wäre es nicht dennoch natürlicher, auszuhalten in der Lage, in die die Vorsehung Sie ze- stellt, statt eigenmächtig das Glück fesseln zu wollen, das dann am fchnellsten flieht, wenn man es am festesten zu halten meint?"
Ein zuversichtliches Lächeln glitt über die Züge der jungen Frau. Der alte Herr schüttelte energisch den Kopf.
„Ich habe die Erfahmng gemacht in meinem eigenen, langen Leben, daß nur das demütige Beugen unter das Rad des Schicksals glücklich macht. Leid und Schmerz veredeln!"
„Auch das bestreite ich! Mich macht das Leiden nicht nur elend, es macht mich auch schlecht. Ehe es an mich herantrat, liebte ich die Menschen; der Schmerz fraß an mir, bis ich die Menschheit verachtete! Und toenn ich das heute nicht mehr tue, so ist es, weil jetzt Strahlen des Glücks auf meinen Weg fallen — und wenn ich je warhast gut werden sollte, so geschieht es nur, wenn das Glück mich küßt — Glück und glückliche Liebe!"
„Halten Sie mich für glücklich?"
„Ich weiß nicht, Sie sind sehr — sehr ruhig!" „Sehnen Sie sich nicht nach dieser Ruhe?" „Rein!"
„Stehen Sie auf, JHnb, und setzen Sie sich hier neben mich, daß ich Ihnen ordentlich ins Auge sehen kann — so! Wissen Sie, daß ich einst genau so dachte wie Sie? Sie baten mich u* längst, Ihnen aus meinem Leben zu erzählen. Da> mals verweigerte ich es. Haben Sie heute wohl die Geduld, mich anzuhören?"
„Sie wissen, wie sehr ich danach verlange!* entgegnet« Geitta. (Fortsetzung folgt.) J