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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
»nd den Beilagen: ,Iach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.»
45. Jahrg.
>0 99R jährlich buti
AfiO «nseren Zeit
Marburg
Donnerstag, 29. September 1910.
Die „Oberhessisch« Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- :q die Post bezogen 2,25 -K (ohne Bestellgeld), bet «.lleren Zeiiungsstellen und bei Ervedition (Markt 21), 2.00 JL (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
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Zweites Blatt.
Revolver Politik.
K^Man schreibt uns:
' -^-Wir haben schon öfter darauf Hinweisen müs- M, daß die Franzosen ihre finanzielle Ueber- ^rgenheit in wenig vornehmer Weise zu Versuche« *•'- benutzen, auf andere Staaten politischen oder wirtschaftlichen Einfluß zu gewinnen. So haben sie Argentinien und Brasilien durch die Drohung, Ihnen den Kredit zu entziehen, von Bestellungen b'i deutschen Firmen abzuhalten gesuo.. Ebenso haben sie vor kurzem ein« geplante ungarische Anleihe dazu zu benutzen versucht, gewisse politische Vorteile zu erlangen.
Alles dies war aber ein reines Kinderspiel gegenüber dem geradezu schamlosen Versuch, auf dem Wege einer Anleihe di« Türket zu einem zweiten Marokko zu machen. Frankreich stellte bei den Verhandlungen über die Anleihe die Forderung, daß künftighin die Ottoman-Bank die Kontrolle über die Einnahmen und Ausgaben des türkische« Staates haben sollte. Da die Ottomani- Bank nichts ist als ein Instrument in den Händen Frankreichs, so bedeutete dies Verlangen also, das Frankreich künftighin das türkische Budget kontrollieren sollte. Das hieße nichts anderes, «ls den durch die türkischen Verfasiungskämpsr vor zwei Jalren gebrochenen Absolutismus des Sultans in einen Absolutismus Frankreichs zu verwandeln. Denn die verfassungsmäßig bestimmenden Faktoren, Volksvertreter und Regierung der Türkei, wären ja durch Gewährung dieser Forderung vollständig in ihrer Wirksamkeit lahm- gelegt worden. Rehmen wir an, die türkische Regierung würde einen Gesetzentwürf «inbringen, die türkische Armee um 10 Regimenter zu vermehren, dann könnte die Ottoman-Bank einfach sagen, daß di« durch diese Heeresvermehrung er forderlichen Mehrausgaben nicht ftüsstg gemacht werden dürsten und damit bliebe die Heeresvermehrung natürlich auf dem Papier. °c‘ wirtschaftlichen Maßnahmen, wie etwa Bahnbauten Hafenbauten und dergleichen konnnte die Ottoman-Bank jedesmal ihr Veto einlegen, wenn die türkische Regierung sich nicht verpflichtete, die durch eine Heeresvermehmng erforderlichen Waffen und Uniformen bei französischen Firmen zu bestellen oder den Bahnbau durch französische Ingenieure ausführen zu lasten und dergleichen.
Frankreich verlangt also nichts anderes, als daß sich die Türkei politisch und wirtschaftlich vollkommen unter den Befehl der französischen Regierung und des französischen Großkapitals stellte. In gewiffer Hinsicht geht diese Zumutung sogar noch über das^ was man Marokko zugemutet hat, den bei den marokkanischen Angelegenheiten haben doch die anderen Mächte wenigstens noch ein Wörtchen mttzusprechen, bei der Regelung der finanziellen Angelegenheiten der Türket in dieser Weise aber wäre jeder Einfluß einer anderen Macht vollständig lahmgelegt worden. Es wür-
82 (Rmssbrnck verbol-n.)
Keelerrlriimpfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
15. •
Erschöpft durch den Kampf gegen den mli- jäher Wucht sich herabstürzenden Orkan, betäubt von dem ßärm und Tosen auf den Straßrn, wo hier ein vorspringendes Blumenfenster herab- stürzte, dort die leeren Fischbuden zerknickt über den Platz flogen, erreicht« die junge Frau ihre hochgelegene Villa.
Ihr Mann war noch nicht zu Hause, et blieb in letzterer Zeit ost spät aus, um dann bis nach Mitternacht über seinen Plänen zu sitzen. Auf dem Schreibtische lag ein Brief; die Adresse war von ihrer Stiefmutter Blanches Hand. Wider»- willig öffnete ihn Genia. ES war jetzt ein Jahr her, seit sie die letzte Nachricht von der Mutter erhalten, die ihr ziemlich kurz, in kaltem Tone mitgeteilt, cs sei nie BlancheS Absicht gewesen, sich mit der eigensinnigen Frieda in Baldbühl zu vergraben, Frieda sei sicher untergebracht in einer Pension in Salzburg, sie selbst aber willens, Waldbühl zu verkaufen und voruiufig in irgend «in Bad zu gehen; das Weitere werde sich finden.
Diesmal trug der Brief den PoststempÄ Paris. Sie schrieb:
„Liebes Kindl
Glaube nicht, daß es Gleichgültigkeit in betreff Deiner gewesen, was mich so lange schweigen fieß. Aber die Zeit einer Dame von Welt ist so unendlich in Anspruch genommen, daß ich wirklich wenig Augenblicke wüßte, in denen ich Mutze hätte, mich mit andrer Angelegenheiten zu beschäftigen.
den also die türkische Regierung und das türkische Parlament vollständig einflußlos geworden sein und die gesamte Türkei wäre nichts anderes mehr gewesen, als eine französische Provinz.
Dies« Forderung ist von der türkischen Regierung abgelehnt worden. Sie kennte auch nicht anders bandeln, wenn sie nickt gerade;,: eine Revolution Hervorrufen wollte. Die vor zwei Iah»- ren zum Siege gelangte jungtürkische Bewegung hat die nationalen Instinkte im türkischen Volke verstärkt und so hätte sich das Nationalgefühl ein« derartige unerhörte Demütigung niemals gefallen lasten, die sebst für einen in einem Kriege eben unterlegenen Staat unannehmbar wären.
Die französische Revolverpolitik ging selbst dem lieben Freunde Frankreicks. England, über die Huiscknur, und so erschien Sir Ernest Eafftl auf dem Plan. Dieser ; gliche Fiuangmann, hinter dem zweifellos die Regierung Großbritanniens steht, hat nicht die Abnckr die türkische Anleihe in englische Hände s'inüberzuspiilen, son- dem er verfolgt den Zweck, durch sein Eingreifen Frankreich zu milderen Bedingungen zu bestimmen, besonders natürlich dazu, di« Forderung der durch die Otttoman Bank auszuübenden Kontrolle fallen zu lassen. Es ist höchst wahrscheinlich, daß der Vermittler dieses Ziel erreichen wird und das ist für England in zweierlei Hinsicht erwünscht Erstens natürlich wäre es auch für Großbr ttanni n unerträglich gewesen, wenn durch die Bewilligung der französischen Forde rung Frankreich den aDei eigen Einfluß im nahen Orient ausgeübt hätte, denn dort sind auch sehr starke englische Jnteresten vorhanden, die keineswegs immer mit den französischen identisch sind. Zum zweiten aber kann England, wenn es der Türkei das ihr höchst notwendige Geld verschafft und zwar, ohne daß sie auf eine demütigende Bedingung eingehen muß, sich nach langer Zeit wieder einmal auf bett erprobten Freund des tttrki schen Reiches hinausspielen Dieses Resultat ist aber für England um so erwünschter, als e2 durch sein Verhalten in letzter Zeit, beispielsweise durch seine das türkische Rationalgefühl verletzende Forderung wegen der Schiffahrt in Mesopotamien und durch mehr als zweideutiges Verhalten in der griechisch-kretischen Frage bei der jungtürkischen Regierung starke Verstimmung hervorgerufen hat. Die Rolle des „ehrlichen Masters" kommt also der englischen Negierung, deren vorgeschobene Person zweifellos Sir Ernest Cassel ist, sehr gelegen.
Deutsches Reich.
— Die Reichsversicherungsordnung. Berlin, 27. Sept. In der Reichstagskommistion für die Reichsversicherungsordnung erklärt« Staatssekretär Delbrück daß die Regierung den größten Wert darauf legt, daß die Reichsversicherungsordnung noch in dieser Session zustande komme, und zwar nicht nur einzelne Teile, sondern das ganze Gesetz. Dieses Ziel könne sehr wohl erreicht werden.
— Die Strafprozetznovelle. Berlin, 27. Sept. Die Justizkommission des Reichstages brachte die
Ich möchte Dich um eine Gefälligkeit ersuchen. Ich bin augenblicklich in einer steinen Verlegenheit — ich habe Malheur gehabt, weißt Du, Waldbühl war nicht halb so viel wert, als Dein seliger Vater geglaubt; kurzum: ich bin auf dem Trocknen und muß Dich bitten, mir einen Teil Deines Kapitals zur Verfügung zu stellen (natürlich nur leihweise!); ich hoffe. Du warst Nug genug, dasselbe gänzlich unter Deiner Hand zu behalten. In kurzer Zeit sollst Du von mir hören — voraussichtlich aber unter andern, Namen. Die Fürstin Michailow wird Dir dann dankend wiedererstatten, was Du mir bald zu senden die Güte haben wirst, jedoch wohlverstanden, ohne daß Dein Mann davon erfährt! Sollte es Dir unmöglich sein, ohne sein Wisien eine bedeutendere Summe zu senden, so schreibe umgehend, ich muß es dann versuchen, mir andre Quellen zu eröffnen. Roch ein« kurze Zeit und der Sieg ist mein.
Blanche.
Nachschrift: Du bist hoffentfich imstande, Dich einig^waßem in meine Verhältnisie zu versetzen und daher einzusehen, daß ein Darlehen von weniger als 10 000 Frank von mir zurückgewiesen werden würde.»
DaS also war das Weib, das der Freiherr an sein edles, vertrauendes Herz gezogen hatte? Armer Vater! —
Genia nahm den Hut ab, schlang einen dunklen Schleier um den Kopf und schritt die Stufen der Veranda hinunter, sich an dem Geländer fest- haltend„ das ein eben daherfahrender Windstoß hin und her schüttelte. Wie das wirbelte und sauste unter den Bäumen des Gartens, an deren Stämme sie sich hie und da anstammerte. Schwankenden Schrittes erreichte sie das Mauerpförtchen, krachend schlug eS der Wind hinter ihr
erste Lesung der Strasprozeßnovelle zum Abschluß. Von den verbündeten Regierungen wurde die Erstärung abgegeben, daß der Gesetzentwurf zur Revision des Gerichtskostengesetzes dem Bundesrat vorlieg« und alsbald dem Reichstag zugehen werde. Eine Erhöhung der Gerichtskosten bringe der Entwurf nicht.
XXIIL Generalversammlung des Evangl. Bundes.
Chemnitz, 27. Sept. 1910.
In der zweiten Mitgliederversammlung der diesjährigen Tagung des Evangelischen Bundes behandelte Geh. Kirchenrat Prof. D. Mtrbt (Marburg) die ..Deutsch-evangelische Diaspora im Auslande . Der Weltkongreß in Edinburgh hat wuchtig und eindrucksvoll bezeugt, daß der Protestantismus eine Weltreligton ist. Die deutsch-evangelische Auslands- diaspora ist auf diesem Felde ein selbständiges Arbeitsgebiet, das von Jahr zu Jahr größere Bedeutung gewinnt und in hohem Maße unser Interesse beansprucht. Mehr als zwei Drittel der Ausländsdeutschen find evangelische Christen: für diese steht nicht nur die'deutsche Rationalität auf dem Spiel, sondern auch die Erhaltung des evangelischen Glaubens. Die Gründung von deutschen Gemeinden im Auslände ist aus verschiedenen Gründen ost schwierig. und doch sind sie des Deutschtums beste Stütze. Wir brauchen auch tüchtige Pfarrer. Der Pfarrermangel hat in manchen Gegenden zu entsetzlichen Zuständen geführt. In Brasilien, dem größten deutschen Ansiedungsgebiete, hat das Fehlen einer geordneten kirchlichen Versorgung dazu geführt, das sogen. Pseudopfarrer amtieren. Allein in Rio C5rfln.be bet Sul. dem südlichsten Staate Brasiliens, wo 200 000 Ansiedler deutscher Herkunft leben, von denen die Mehrzahl evangelisch sind, wurden im Jahre 1803 insgesamt 39 Gemeinden nachgewiesen. in denen die geistlichen Funktionen ausgeiibt werden von Handwerkern, Mechanikern, Fabrikarbeitern. Krankenvfle- gern, Landwirten. Journalisten, Schauspielern, sogar mm dem Leiter eines Kasperleiheaters. der von Kon- fession katholisch ist. Reben bett Geistlichen sind den Auslandsgemeinben auch deutsche Lehrer nötig. Die deutsch-evangelische Arbeit im Auslande hat den Beruf, in dem Prozeß des werdenden Deuttchand den evangelischen Glauben als maßgebenden Faktor zur Geltung zu bringen und dem Christentum der deutschen Reformation den Platz in überseeischen Ländern zu sich-rn und zu erobern, der ihm nicht nur neben dem Katholizismus, sondern auch neben dem angelsächsischen Protestantismus -«kommt. (Lebh. Beifall.)
An zweiter Stelle sprach Herr Professor H a u ß - leitet (Halle) über „Die evangelische Mission in den deutschen Schutzgebieten". Bon den etwa 13 Millionen Eingeborenen auf deutschem Kolonialgebiet sind 83 000 Mitglieder der evangelischen und 80 000 der katholischen Mission. In den evangelischen Mis- fionssckmlen werden 60 000, in den katholischen 43 000 Kinder unterrichtet. An evangelischen Mißionsaeiell- schaften arbeiten in Ostasrika 7 auf 14 getrennten Gebieten, darunter die Bielefelder Ostafrika-Mission, die Berliner Mission, die Brüdergemeinde, die Leipziger evanoeliich-lutherische Mission u. a. Die katholische Mission, seit 1869 int Lande, hat sich über die ganze Kolonie ausgedehnt sodaß von 22 Bezirksämtern nur noch zwei unbesetzt sind. Roch ist das Reh der katholischen Missionen weitmaschig. aber mit der Zeit wird man sich überall begegnen müssen. Zunächst geht von bet Mission eine Eesamtwirkung auf das Heldentum aus in der Richtung einer Umgestaltung von Sitte und Lebensweise. Alle Mis-
ins Schloß, sich ihr entgcgenstemmend beim Auf- wärtsklimmen nach dem Häuschen ihres alte» Freundes.
Es war das erstemal, daß sie es betrat, sie hatten sich bisher stets nur im Garten gesprochen. Dr. Helmroth saß an i em nach der Straße führenden Fenster seines seht einfachen, aber traulichen Studierzimmers, die Staubwolken mit den Blicken verfolgend, die sich in wildem Fluge hinunierwälzien auf die tiefliegende Stadt, Et sah fragend auf zu der bastig den Schleier von den verwirrten Flechten Lösenden, dir sich mit beiden Händen über die Stirne strich, als wolle sie sich zu Narem Denken zwingen.
„Ich brauche Ihren Rat, Herr Doftor, und habe mich deshalb tapfer durchgekämpft durch den Aufruhr draußen.*
„Fragen Sie nur, Kind, Sie wissen, wie gerne ich Ihnen antworte.'
„Meine Stiefmutter bittet mich um ein ziemlich bedeutendes Darlehen, das ich ihr sogl ich und zwar ohne Wissen meines Mgnnes zusenden soll."
„Und ist Ihnen das nicht möglich?"
„Ich halt' es für ein Unrecht, ohne Norring zu fragen, eine solche Summe dem Kapital zu entnehmen, das nach meiner Ansicht ihm so gut gehört wir mir. Er würde allerdings es nicht bemerken, da er sich stets weigerte, in irgend welche Beziehung ju meinem Vermögen zu treten. Dasselbe steht gänzlich zu meiner Verfügung, aber — es widerstrebt mir, es heimlich anzu
rühren!"
„Ich kann mir nicht denken, daß Ihr Vater seine Frau mittettos zurückgelaflen?"
„Sie bekam Gut Waldbühl — da, lesen Sie selbst!"
Der alte Herr hielt das seine, starkduftend«
firnen bekämpfen Zauberei, Kindesmord, Trunkenheit und Polygamie. Konfessionelle Lehrunterschied« müssen für die Anfangszeit den Heiden geaenüber in den Hintergrund treten. Die katholische Mission weiß das Ora et Labors nicht besser zu vereinigen als dl« evangelische, das Gegenteil können nur oberflächlich« Reisende behaupten. Eine große Gefahr für die Mission liegt im Islam. Die Vorschläge, die Aufnahmebedingungen in die christlichen Gemeinden zu erleich. tern und gegen die Polygamie und andere Störungen der christlichen Eheordnunq nachsichtiger zu sein, müssen im Prinzip abgelehnt werden.
Rach lebhafter Debatte wurde eine Resolution angenommen. in der es als Auiqabe des Bundes bezeichnet wird, das tatkräftige Interesse für die deutschen Evangelischen im Auslande und die eoangell- schen Kolonien zu wecken und zu fördern.
Am Abend fand die zweite Volksversammlung statt, in der Pfarrer Pröbsting (Lüdenscheid) über „Mehr Verständnis für Organisation" und Ui* versitätsprofestor Schian (Meßen) über „Mehr Teilnahme am Leben der Gemeinde" sprachen.
Morgen gehen die Beratungen zu Ende.
Ausland.
** Flugtechnil und Kolonialpolitik. In Frank- reick will die „Rational.' Luftliga" die Fortschritte der Flugtechnik für die Kolonien verwerten und sich mit dem Ministerium der Kolonien in Verbindung fetzen, um alsbald in den afrikanischen und asiatischen Besitzungen Frankreichs im Sudan, Kongo, Madagaskar Cochinchina, Tonking, Luftlinien einzurichten In der dem Kolonialministerium Überreichte» Denkschrift wird festgestellt, daß die ungeheuren, ausgedehnten, kolonialen Gebiete zurzeit noch jedes raschen Verkehrsmittels entbehren. DrS fast völlige Fehlen von Eisenbahnen und fahrbaren Wegen verursacht es. daß die schnellsten Transporte in diesen weiten Regionen sich zurzeit höchstens in einer Schnelligkeit von 4 bis 6 Kilo meter Pro stunde vollzicken. Der Aeroplan mtt einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Kilometer würde also sowohl für den biretien Verk chr zwischen den Städtm wie sie für die Bedürfnisse der Poft und des Militärs unberechenbare Dienste leisten. Der Flugapparat wird die Entfernungen zwischen heute weit voneinander getrennten Gegmdcn auf wenige Stunden verkürzen, und dadurck iverden sich nicht nur di« Beziebungen zwischen den Städten einer Kolonie selbst völlig verwandeln, sondern auch die Be- zihungm ganzer Kolonien zu der Metropole. Au' diese Weise würden sich binnen wenigen Jahren z. B. die Gebiete Tschad, die heute so schwer zugänglich sind, binnen vier oder fünf kleinen Tag reisen mit der algerischen Küste in Verbindung bringen lassen. Die „Nationale Luftiga" hält es daher für ihre Aufgabe, sofort die Linien zu studieren, auf denen sich in sehr nahtt Zukunft die kolonialen Flugapparate bewegen können. Ohne Zweifel ist es möglich, mit Hilfe der flugtechnischen Fortschritte in fernen und weiten Kolonialgebieten die Ueberwachung zu verschärfen und auch in entlegenen Gegenden die Gewalt des Mutterlandes sichtbar und überraschend zu zeigen.
Blättchen prüfend von sich ab; die Schrift schien ihm aufzufallen, er sab nach der Unterschrift, schrak sichtlich zusammen und fragte fast heftig: „Wie bieß Ihre Mutter, ehe sie eine Osten wurde?"
„Almers, Blanche von Almers. Kennen Sit dieselbe?"
Er hatte sich hastig erhoben, ein leichtes Nervenzucken flog über feine abgewandten, fahlgewordenen Züg, die Hand nihte schwer auf dem Sims des niederen Fensters. Es dauerte ziemlich lange, ehe er, sich umwendend, anscheinend ruhig erwidert«: „Wie sollte ich? Die wenigen Seiten erzählen so manches, was mtt* zuteilen vielleicht nicht in der Absicht der Schreiberin gelegen. Ich möchte Ihnen nicht Argwohn einflößen gegen eine Ihnen so Nahestehende und doch — mißtrauen Sie den Bitten und Ratschlägen, die Ihnen von dieser Seite
kommen!"
„Auch ich halte Blanche für unedel und falfch — sie hat mich um mein Lebens glück be
trogen . . ."
„Hatte sie die Hand Verheiratung?"
im Spiele bei — Ihre»
„Ja."
„Und doch möchten Sie ihr helfen?"
„Sie scheint in Rot zu sein — nur weiß ich nicht, wie ich «8 bewerkstelligen soll."
„Sie wünschen meinen Rat?"
„Ich bitte darum." , ,
„Schreiben Sie Frau Blanche einfach uni offen, daß es Ihnen unmöglich fei,- ohne Ein willigung Ihres Mannes die Uebersendung bei verlangten Summe zu veranlassen. Braucht st« biefelbe wirklich so dringend, wie sie sagt, so Wirt sie sich dieser Bedingung fügen."
sFortsetzung folgt.)