Marburg
46. Jahr-, I
>0 jShrlich durch
“40 unseren Zeitu
Donnerstag, 29. September 1910. Mnt»«Pt5ts’®u^^e«l’2?nLa^reIC®^Jr,55^ei<,ti}' ■Jtar6ut9,
Erstes Blatt
den. Und doch könnte diese Niederlage der Anfang einer besseren Zeit sein. Bedeutungsvoll scheint e». daß hier wieder der Liberalismus, dem die Tage der Verärgerung den klaren Blick für sein Verhältnis zur Sozialdemokratie getrübt hatten, gezwungen war, ein von der roten Flut umbrandetes Mandat zu verteidigen. Das zieht den Strich zwischen bürgerlichen Parteien und Sozialdemokratie mit erfreulicher Deutlichkeit noch einmal nach. Bedeutungsvoller noch ist die Probe selbstloser Waffenbrüderschaft, die hier die bürgerlichen Parteien geeint hat. Freilich, die Saat jahrelanger Verhetzung zwischen den bürgerlichen Parteien läßt sich nicht auswischen mit einem Strich. Da bedarf es noch ganz anderer, ziel bewutzter, durchgreifender Aufklärungsarbeit."
Sehr richtig, hoffen wir, daß sie endlich einsetzt.
Die „Oberhesfifche Zeit«««" mit der amtlichen Beilage des Kreisblattes für die Kreise Marburg und Kirchhain ist mit ihrer ständig wachsenden Auslage- ziffer das gelesrnste Organ in Marburg und den umliegenden Kreisen.
Die „Oberhessische Zeitung' berichtet eingehend über die politische« Tagesereignisse im In- und Auslände und nimmt zu diesen in «atioualem Sinne selbständig Stellung. Die Tagungen der deutschen Parlamente finden besondere Berücksichtigung.
Dem lokalen und prodinzielle« Teil läßt die „Oberhessische Zeitung' in Berichten über kommunale Angelegenheiten in Stadt und Land sowie über lokale Ereigniffe aller Art fortgesetzt aufmerksame Pflege zuteil werden. Ein ausgedehnter Nachrichtendienst ermöglicht auch hier schnelle und sichere Bekannt- machnng. Die Strafkammer» und Schwurgerichts» Verhandlungen des hiesigen Landgerichts, besten Bezirk bekanntlich die Kreise Marburg, Kirchhain, Frankenberg, Ziegenhain und Homberg umfaßt, werden ebenfalls in der „Oberhesfischen Zeitung', soweit sie Interesse beanspruchen können, in objektiver Form mitgeteilt.
‘ Die „Oberhessische Zeitung' ist ständig bemüht, die Jnteresien ihrer Leser in Stadt und Land anfS beste z« vertrete«.
Mit ihrer To««tagsbeilage „Nach Feierabend', der eigens für unsere Gegend bearbeiteten Landwirtschaftliche« Beilage und der Beilage ,Mr« Kano" bietet sie zumal für die lange« «tuterabeude reichhaltigsten Lesestoff.
Die Abonnenten erhalten ferner am 1. Oktober und 1. Mai einen Taschenfahrvla«, am 1. Januar einen Wandkalender unentgeltlich.
Inserate haben in der „vberhessischen Zeitung', die ihre Leser in allen Volksschichten, besonders aber auch im kaufkrästigen Publikum hat, nachweislich besten Erfolg.
Man abonniert auf die „vberhesi. Zeitung" bei allen Postämtern für 2 Mk. 25 Psg., bei der Exprditio« «Marburg, Markt 21) und den ZeituugS- stelle« für 2 Mk. vierteljährlich.
Ue« htnmtretenve Abonnenten erhalten H« ;um t. Oktober 1910 unser« Zeitung frei in« Kan» geliefert.
Geschäftsstelle der „Oberhesfischen Zeitnng"
Markt 21.
Frankfurt a. O-—Lebus.
Der 52. Sozialdemokrat gewählt — das ist das traurige Ergebnis des vorgestrigen Stichwahltages, wie wir bereits gestern berichteten. Nur 172 Stimmen beträgt die Mehrheit; das zeigt, daß die Konservativen Mann für Mann für den nationalliberalen Kandidaten eingetreten sind, um ihn herauszuhauen, ja noch eine Reserve von 1300 Wählern hat geholfen, leider ohne Erfolg, da auch die Sozialdemokraten 1500 Mann Reserven auf die Beine brachten. Wo blieben aber die 5000 Wahlberechtigten, die ihrer Pflicht nicht genügten? Man darf getrost annehmen, daß diese „Lauen" den bürgerlichen Parteien zuzuzählen sind und muh bedauern, daß ihre Pflichtverletzung den Mißerfolg des nationalliberalen Kandidaten verschuldet hat.
Mit Freuden darf man aber konstatieren, daß die rechtsstehenden Parteien ihre Schuldigkeit getan haben. Anders denkt freilich darüber das be—rühmte „Berliner Tageblatt". Man lieft da: „Wir bedauern die Niederlage des liberalen Kandidaten und sehen einzig darin ein etwas tröstliches Moment, daß inan den Sieg des Herrn Dr. Winter schließlich nur -dem Beistand der Konservativen verdankt hätte, und daß die Freude also doch erheblich mit Bitterkeit gemischt gewesen wäre." — Herr Theodor Wolff, der „deutsche" Chefredakteur des „B. T." aus Paris, ist ein kurioser Herr!
Einige Preßstimmen dürften immerhin nicht un- intereffant sein. Der „Vorwärts" jubelt: „Die bürgerlichen Parteien haben abgewirtschaftet, auch der schwächliche, von Kompromißsucht total entnervte Liberalismus hat alles Vertrauen unter den breiten. Masten verloren. Nur der Sozialdemokratie, der einzigen aufrechten, kampfesfreudigen Partei der Opposition ge.zen die absolutistisch-agrarisch-kapitalistische Mißwirtschaft, wenden sich die Sympathien der Ausgebeuteten und Entrechteten zu. Der Parteitag seinerseits hat dazu miigeholfen, daß die Masten immer fester zur proletarischen Klastenkampfarmee verschmolzen werden, damit auch bei den künftigen großen Entscheidungen der Sieg dem Volke gehört!"
Diese freundlichen Zeilen schreibt der „Vorwärts" offenbar den badischen „Blockbrüdern" ins Stammbuch. Auf jeden Fall darf man gespannt sein, wie der nationalliberale Parteitag in Castel sie aufnimmt.
Die „Deutsche Tageszeitung" meint: „So wird man als Endergebnis dieses — uyitrnnpfes wieder feststellen müssen, daß es nicht gelungen ist, die Geister, die die Hetze gegen die Bewilliger der Finanzreform auf den Plan gerufen hat, wieder loszuwerden. Und somit bleibt auch diese Wahl ein rotes Menetekel für die Politik agitatorischer Negation, die seit mehr als Jahresfrist unser nationales Leben verwüstet!"
Die „Verl. Neuesten Nachrichten" meinen: „So hat denn alles Mühen, alles ehrliche Arbeiten nichts genutzt. Der sozialdemokratische Siegeszug der Nachwahlen konnte auch diesmal nicht aufgehalten wer-
Die Streikunruhen in Moabit.
Wir hatten gestern schon kurz über den Zusammenstoß zwischen Streikenden und Schutzleuten berichtet. Aus dieser Meldung ließ sich aber ein vollständiges Bild über die Ausschreitungen nicht klar ersehen. Erst die heutigen uns vorliegenden Meldungen zeigen, daß diese Aus- schreifitngen viel ernsterer Natur sind. Sie Übertreffen alles in Berlin Dagewesene. Das Ganze ist schon mehr eine Revolution. Verschiedentlich wird behauptet, daß sich diese Ausschreitungen in größerem Umfange wiederholen sollen. Man kann nur wünschen, daß, wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten, die Polizei mit aller Strenge gegen derartige Unruhestifter, vorgeht. Nachstehend bringen wir die ausführlichen Meldungen:
"* Berlin, 27. Sept.
lieber die Streikausschreitungen im Stadtviertel Moabit wird noch gemeldet: Die Ausschreitungen gegen Arbeitswillige der Kohlenfirma Kupfer u. Eo. die gestern mittag von Angestellten der Löweschen Fabrik begonnen wurden, nahmen gegen Abend einen immer größeren Umfang an und führten gegen 10 Uhr abends zu einer förmlichen Schlacht, wobei es auf beiden ©eiten zahlreiche Verletzungen gab. Nachdem gegen 7 Uhr abends vorübergehend Ruhe einge- treten war, füllten die Beuffel-, Sickingen-, Rostocker- und andere Straßen sich bald wieder mit großen Menschenmengen, darunter viele halbwüchsige Burschen, aber auch Schulkinder und Familienväter, die sich dadurch zu schützen suchte», daß sie die Kinder auf dem Arm tmgen. Die Mahnungen der Polizei wurden mit aufreizenden Redensarten, aber auch mit Gejohle und Steinwürfen beantwortet. Aus den Häusern, die dem Kohlenplatz der Firma Kupfer am nächsten liegen, wurde Wasser auf die Beamten gegossen. Femer wurde das Mosaikpflaster aus den Bürgersteigen herausgerissen, um zu Wurfsteinen verwendet zu werden. Die Polizei unternahm wiederholt Abwehrangriffe. Gegen 9 Uhr wurden aus den Fenstern einer Schankwirffchaft in der Sickinqen- straße, wo sich die Tumultuanten festgesetzt hatten, mit Gläsern, Flaschen und Tellern auf die Poli-.eibeamten geworfen, die nun mit einem
starken Angriff vorgingen und das Lokal räumten. Als die Polizei sich gegen 10 Uhr zurückzog, strömte die Masse alsbald wieder zusammen. Die Folgen waren erneute Zusammenstöße, Wobei ein Schutzmann schwer verletzt wurde. Der Pöbel zertrümmerte bie Straßenlaternen. Die Geschäftsleute hatten die Jalousien heruntergelassen sodaß die Straßen im Dunkel dalagen. Zwischen 12 und 1 Uhr nachts griff die Stenge die Reformationskirche in der Wtclefftraße an. Zahllose, Steinwürfe zertrümmerten 12 Stellen der große» Kirchensenster mit Glasmalereien. Von einem , Pfarrhause in der Wtclefftraße wurde die Menge mit der blanke« Waffe zurückgeirieben. Am Warenhaus der Gebrüder Preuß, Ecke Beussel- und Erasmusftraße, wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und ein Teil der Schaufenster und Schaukästen geplündert. Ein SchanNokal, in daS sich ein seinen Kameraden vorausgeeilter und dabei in das Gedränge geratener Schutzmann zurück- । zog, wurde von der Menge vollständig demoliert. ■ Außerdem wurde auch der Versuch gemacht, die auf der Wache des 84. Polizeirevieres Sistierten zu befreien. Die Angreifer wurden jedoch von der , Polizei mit der blanken Waffe zurückgeschlagen. Von der Schuhmannschaft sind bis 2 Uhr nachts durch Steinwürfe und dergleichen 38 dienstunfähig geworden. Nachdem die Ruhe wiederherae, stellt war, bezog die Schutzmannschast an der Stätte der Ausschreitungen eine fliegende Wache, soweit sie nicht zu den Patrouillengängen herangezogen werden mußten. Schutzmann Sperling aus Cbarlottenburg, der einer solchen Patrouille angehörte, wurde morgens in der Huttenstraß- i» einem Hausflur besinnungslos aufgefunden. Ihm war der Helm durchschlagen und der Kopf erheb- lich verletzt. Auf der Unfallstatton in der Ras- musstraße ließen sich im Laufe der Nacht 22 Zivil-, Personen verbinden. 3 hatten Schußverletzungen die anderen Wunden von Säbelhieben. Eine Schußverletzung rührte jedoch nicht von einer Poltzeiwaffe her. Heute früh um 7 Uhr erschien der Polizeipräsident auf der fliegenden Wache. Für den Fall von neuen Ausschreitungen sind scharfe Maßregeln beschlossen worden. Die Sickingenstraße und ihre Zufahrtsstraßen sind ab« sperrt. Die Reformationskirche ist durch ei« Pvlizeikommando beschützt.
Einer Blättermeldung zufolge sind, da für heute Abend und heute Nacht eine Wiederholung der Tumulte in Moabtt befürchtet wird, die zur Verfügung stehenden Polizelmannschaften in dem gefährdeten Viertel konsigniert. Ausschreitungen werden mit allen Mitteln bekämpft werden; bet Polizeipräsident hat den stritten Befehl gegeben, bei neuen Angriffen auf die Beamten mit bet Schußwaffe zu antworten . Militärische Hilfe zur Verstärkung ber Polizeimannschaften heranzuziehen. ist einstweilen nicht beabsichtigt. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein Schlosser, der zwei Schutzleute durch Messerstiche schwer verletzte. 1
In Moabtt herrschte bis Nachmittags 5 Uhr durchweg Ruhe. Im Laufe des Nachmittags füllten sich die Beussel- und die anderen Querstraßen und die Sickingenstraße wieder mit balb- r- ' = ■
Die Inkertionsgebllhr beträgt für Inserenten aus dem engere« Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge "altene Zeile oder deren Sunim tll für auswartige Inserate 20 für Reklamen 40 t. - Dnuk undVerlag:Zoh Aug"°q,
Abonnementseinladung
. auf die
Oberhessische Zeitung
Die „Oberhessische Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme d«c Sonn- und Feiertage. — Der Bezugs prei- betragt viertel- jährlich durch die Poft bezogen 2,25 °« (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeiwngsstellen un§ Set Expedition (Markt 211 2 00 JL (Für unverlangt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redak- Hon keinerlei Verantwortung.)
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und.Landwirtschaftlich« Beilage "
34 (Nachdruck verboicn.)
Seelenkampfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung aus dem Zweiten Blatt.)
„Sie haben recht, ich danke Ihnen!"
„Sie wollen schon fort,"
„Ich fühle, daß ich mir heute zu viel zuge- mutet»--mir ist nicht Wohl."
Er geleitete sie freundlich zur Tür. Neben derselben stand der altväterische, massive Schreib- ttsch. Ein kleines Pastellgemälde bildete in der Höhe den Abschluß. Das Bild hing hoch und die Farben waren verblaßt und doch blieb Genius Auge, das flüchtig über die Wand hinge schweift, gefesselt daran hangen.
„Welch' eigentümliche Aehnlichkeit!"
„Sie meinen?"
„Dasselbe weißblonde Haar — dieselben Züge — nur der Ausdruck ein anderer! Wm stellt das Bildchen vor, Herr Doktor?"
„Eine Tote. Sie können dieselbe unmöglich gekannt haben, sie starb, ehe Sie geboren waren." Seine Hand fuhr erregt über die gefaltete Stirn.
„Sie gleicht auffallend der Blanche, von der wir eben sprachen; di se hier aber muß gut ge- »v sen sein — gut und wahr!"
„Gut, aber schwach — es ist Blanca."
Genia druckte leise seine Hand. „Wer wäre nicht schwach? Ich bin es ja auch — bin es vielleicht mehr als sie. Ob ihr nicht die Stütze fehlte, an der sie sich anfranken konnte."
*
Die lichte Gestalt der jungen Frau hatte längst bas kleine Gemach verlassen, i« dem Doktor
Helmroth heftig erregt auf und nieder schritt, bis die Rächt sich niedersentte in die heulende, sturm- durchwühlte Luft. Noch spät nach Mitternacht leuchtete die Keine Studierlarnpe einem emsig schreibenden, überwachten Manne. Aber das Päckchen, das am nächsten Tage hinnbcrwanderte über die Alpen dem fernen Paris zu. enthielt mehr als Geschri bens: der größte Teil eines mühsam erarbeiteten Keinen Sparpsennigs flog mit hinüber, um der zu helfen, die eben heute ivieder „Malheur" gehabt am grünen Tisch, ein ganz abscheuliches, widerwäriiges Malheur!
16.
Die Zweifel am Göttlichen in und außer der Welt stände» nicht mehr drohend vor der Seele Genias, ihr die Lösung verweigernd. Zagend fragte sie sich oft, ob sie je den Schlüssel finden würde zu dem Rätselwesen ihres Gatten.
Genia sah ihren Gatten hinschwinden von Woche zu Woche, die endlos lang und bleiern eine nacb der anderen hinzogen über die sttlle Billa am Bergeshange; sie sah sein Auge täglich in unbeimlicherem Fieber auf sich ruhen, sah ihn ringen wie nach einem Entschlüsse und doch scheu vor demselben zurückweichen, sprechen wollen und es nicht können. Es war ihr, als sehle es nur an einem Worte — er vermochte es nicht auszusprechen, sie vermochte es nicht zu hören.
Warum sie Percy von sich gewiesen? Sie begriff es selbst nicht mehr. Es war damals alles so schnell gekommen, so überstürzend schnell — sie hatte nicht Zeit gehabt, sich über ihre Gefühle klar z» werden. Und wenn jetzt jeder Tag, der in freudlosem Einerlei heraufdämmerte, sie weiter von ihrem Gatten entfernte, ihr ganzes Sein sich fester anschmiegen ließ an Peutzd, so war weil sie jetzt wußte, daß sie liebte. Das war
keine Einbildung erregter Phantasie, was sie für ihn fühlte, das hatte nicht die entferntere Aehnlichkeit mit jener halb mitleidigen, halb schwärmerischen Verzückung, in der sie einst, fast noch ein Kind, künstlich versetzt worden; es war ein Aufgehen ihres eigensten Selbst in dem Geliebten, ein wonnevolles Erschauern bei dem Gedanken an ihn, es war Liebe, vollerkannte, verlangende Liebe!
Es war an einem der letzten Junimorgen, die MarNsen der Villa waren seit dem Frühmorgen niedergelassen, heißer als je drang beklemmende Sttckluft in das Zimmer.
Mit geschlossenen Augen hatte Genia vor ihrer Zeichnung gesessen, einem lebensgroßen Kopf der Najade des Brunnendenkmals. Mer es war . nicht das schwermütige Antlitz, das in der kleineren Zeichnung Percy befremdet hatte — Leben sprühte aus diesen Augen, Glück lachte von der heiteren Stirn und den wie jubelnd geöffneten Lippen.
Aus dem Felsental der Save zog eS in schweren, wuchtigen Massen herüber; tiefhängende, geblich schwarze Schatten ballten sich zusammen über die Spitze des Monte R6. Es war plötzlich dunkel geworden im Zimmer, Genia erhob sich und bsickte ängstlich zum Fenster hinaus.
Hinter ihr öffnete sich die Türe. „Haupb mann von Darren," meldete der Diener. Sie hatte Mühe, sich aufrecht zu erhalten — sie wollte ihm entgeg »eilen, ihre Füße versagten. Es war ihr, als müsse sie ersttcken an dem Jauchzen, das, gewaltsam zurückgedrängt, in ihrer Brust wogte. — „Percy!" — Sie fühlte es, daß er näher trat, sie vermochte'nicht aufzublicken.
. „Ich habe Sie erschreckt, gnädige Frau?"
„O nein!" Sie sah erst jetzt, daß sein Antlitz tiefbleich und ruhig war.
„Das Gewitter kam so schnell — ich bemerkte es erst, als es zu spät war, wieder umzukehren — ich komme, um Abschied zu nehmen, Frau Rorring; morgen, spätestens übermorgen ver- lasse ich Triest/ '
Genia hatte die Hände fest an die Schläfe» gepreßt und sah ihn an mtt ungläubigem Staunen. *1
„Ich würde Ihnen schriftlich Lebewohl gesagt haben, hätte das nicht seig ausgesehen."
„Warum wollen Sie fort?"
„Es ist mir unmöglich, die Spannung länget zu ertragen, die der Aufenthalt in derselbe« Stadt mit Ihnen, gnädig« Frc. ». und dabei daS grundsätzliche Meiden Ihres Anbsickes mit sich bringen. Vielleicht wird es mir in der Ferne leichter, Ihre Gründe, die ich ehre, auch zu verstehen. Ich bin um Versetzung eingekommen — man hat sie mir gewährt. In wenigen Tage« trete ich mein neues Amt an als Lehrer der Militär-Akademie. Und nun lassen Sie uns kurz sein, Genia."
Es war ein heftiges Zittern über die junge Frau gekommen. „Percy," rang es sich von ihren Lippen in halb flehendem, halb jubelndem Tone, „bleibe bei mir, Percy — ich — ich kann nicht leben ohne dich!"
„Genia!" Ein Leuchten glitt über die ernst- schönen Zuge des junge« Mannes; er preßte dtz leichte Gestatt mit saft wilder Zärtlichkeit an sich. „Du willst — willst wirklich?"
„Ich würde sterben ohne dich!" Sie schmiegt, sich vertrauensvoll an ihn. „Aber ich will leb v und glücklich mit dir — o so glücklich, Percys Wenn ich nur nicht doch sterbe — vor Glück!"
(Fortsetzung folgt.)