OßechM Zeilung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Mttb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
M 227
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 -« (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Mittwoch, 28. September 1910.
Die Jnserttonsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gs^"altene Zeile oder deren Raum 16 r4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 '4.— Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. T. tzitzerorh, Alarbnrg, Markt 21. — Teleirbon 55.
45. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 78.
Magdeburg.
?«• - (Ein Rückblick auf die Tagung.)
Magdeburg, 24. Sept. 1910.
’pf Man schreibt uns:
„Die sozialdemokratische Partei ist heute einiger denn je!" rief am Sonnabend nachmittag der gemütliche radikale Parteiprästdent seinen Genossen stolz zu. Zum Beweis für diese etwas kühne Behauptung führte er die Szene an, in der ein Süddeutscher nach dem andern den Preußen in ihrem Wahlrechtskampfe Hilfe zusagte. Sogar wetterharten Parteigenosten seien dabei de Tränen gekoinmen . . .
Selbst die kleine Dosis Sentimentalität kann über die Tatsache nicht Hinweghelsen, daß die Sozialdemokratie trotz ihrer „gegen den Feind" (vor den Wahlen) geeinten Mrcht innerlich nie so uneinig gewesen jst wie in diesen Tagen. Bedarf es noch eines Beweises? Die Budgetfrage hat nicht nur, um in der milden Tonart des Vorsitzenden zu sprechen, scharfe Worte aufeinanderplatzen lasten, sondern zwei Weltanschauungen — derer, die sich auf den „Flugsand der Konzessionspolitik" begeben, die sich mit den Liberalen verbünden, um kleine Erfolge zu erreichen, und derer, die auf das revolutionäre Endziel htn- hrbeiten, die sich mit Abscheu von bet „verrotteten bürgerlichen Gesellschaft" abwenden. And diese Uneinigkeit hat sich fast überall gezeigt. Sogar in der Wahlrechtsfrage, als Röslein rot den politischen Massenstreik zum Entsetzen der Gewerkschaftler baldmöglichst als bestes Mittel zur Erreichung der revolutionären Tat empfahl. Und diese Uneinigkeit hat sich auch bei den Verhandlungen über die leidige Genossenschaftsfrage gezeigt, in der die Radikalen allein einen revolutionär politischen Schritt sehen, die Revtfionisten im Gegensatz dazu einen Beweis für die Nichtigkeit der Katastrophenpolitik.
Die „höhnische" Absage an die Liberalen wird für dir kommenden politisch bewegten Tage von außerordentlicher politischer Bedeutung sein. Schon auf dem nationalltberalen Parteitag in Eassel werden sich die Wirkungen zeigen. Die Iungliberalen werden sich nicht allzu wett herauswagen dürfen. Der Eroßblock für Deutschland ist nach Aussprüchen Bassermanns und Bebels Blödsinn, Unfinn. Zehntausende von Mitläufern werden wahrscheinlich wieder zu den bürgerlichen Fahnen zurückkehren, nachdem ihnen von Magdeburg die Erkenntnis gekommen ist, daß man in der Verärgerung nur die Revolution fördert.
Der sozialdemokratische Parteitag ist für die Klärung der politischen Verhältnisse ein Reich von großem Wert. Selbst der greise B-bel kann nicht mehr
82 (Na-bdrnck verboten.)
Seelenkampfe.
;7 Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
Noch nie waren ihm die Exerzitien so unerträglich vorgekommen wie heute. ES brannte in ihm nach Entscheidung, alll sein Denken und Wollen hatte nur ein» Richtung: Genia. — Sollte er sie aufsuchen? Es widersttebte ihm, das Haus Norrings zu betreten; auch war er nickt gewiß, ob er sie daheim treffen würde. War es doch die frühe Abendzeit vor der Rückkehr ihres Gatten, in der sie ihre kleinen Streifereien zu unternehmen pflegte, das Skizzsnbuck in der Hand. Ob sie wohl die Zeichnung der Brunnengruppe schon beendigt hatte? Möglich, daß sie eben in diesem Augenblick daran arbeitete! — Er betrat das dunkelschattige Vestibül d«S Palastes. Reine, wasierattnende Lust schlug ihm entgegen. Wie ein Traum versarck hinter ihm das glühende Triest, Seele und Auge hingen festgebannt an der hellen Gestalt, die dott der frischsprudelnden Fontäne gegenüber zurückge- kehnt saß, die Hände müßig um den Sttst verschlungen, das geöffnete Skizzenbuch auf den Knien.
Es ging wie ein Zittern durch ihre Glieder, als sic ihn kommen sah, aber sie regte sich nicht, nttr das Papier knisterte unter den leise bebenden Fingern. Er war hinter sie getreten und neigte sick über das Blatt. Stolz und ernst trortte sie auf ihrem meerumspülten Felsen, die edle Matrone Triest, dir Ouellennvmyhe des Karrt auflehnend, sic möge sich ihr offenbaren. Und der Genius der Höhlenfinstcrnisie hebt den Sclrleier von der jungfräulichen Gestalt der Ra- jadr. Sie schlägt das entzückte Auge zum Himmel I mrf den sie zlim ersten Male sieht, während nach I Labung Dürstende herbeieilen, um sich an den •
bremsen. Die Massen in der Sozialdemokratie sind revolutionär und die Süddeutschen tm Endziel ihnen gleich.
Deutsches Reich.
— PersonalverSnderungen in der Armee. Dresden, 26. Sept. Der Kaiser enthob mit Allerhöchster Kabinettsordre vom 26. Sqttember den General von Broizem von seiner Stellung als kommandierender General des 12. Armeekorps und ernannte aus Grund des Vorschlages des Königs den General der Infanterie d'Elsa, bisher von der Armee, z»lm kommandierenden General des 12. Armeekorps. General von Broizem wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension und Erlaubnis zum Tragen der Generalsuniform zur Disposition gestellt unter Belassung & la suite des Gardcreiter Regimentes. der König verlieb ihm den Orden der Rauten- kröne.
— Die Ostasienreffe des Kronprinzen. Wil helmshaven, 26. Sept. Der Panzerkreuzer „Gneismau" wird etwa am 10. November nach Ostasten in See gehen, um später den Kron Prinzen aufzunehmen.
— Prinz Joachim von Preußen. Berlin, 26. Sept. Das .Militärwoche,'.blatt" meldet: Prinz Joachim von Preußen, Leutnant des 1. Garderegiments zu Fuß, wurde auch ä la suite des Grenadierregiments König Friedrich I. (viertes Ostpreußisches) Nr. 5 gestellt.
— Der König von Sachsen. Dresden, 26. Sept. Das „Dresdner Journal" meldet: Der König wird sich am 13. Oktober nach Braunschweig und am 19. Oktober nach Neustrelitz zum Besuch der dortigen Höfe begeben.
— Freiherr v. Botnuau und die Sozialdemokratie. Karlsruhe, 26. Sept. Die amtliche „Karlsruher Zeitung" schreibt: Eine vom Minister des Innern, Freiherrn v. Bodman am 13. Juli 1910 in der Ersten Kammer getane Amßerüng ist von der Presse eifrig erörtert worden. Betrachtet man die Rede des Ministers ruhig in ihrem Zusammenhang und im Ganzen, so wird man ohne ivetteres zugeben, daß sie mit früheren Aus führungen von ihm völlig übereinstimmt. Nach dem auch Bebel auf dem Magdeburger Parteitag den Tatsachen entsprechend bemertt hat, der Mnister habe mit seiner Aeußerung vom 13. Juli von seinen früheren Erklärungen gegenüb.r der Sozialdemokratie kein Jota zurückgenommen, darf erwartet werden, daß der Mißbrauch aufhört, der mit den Worten des Ministers von sozialdemokratischer Seite getrieben wird, nicht minder aber darf erwartet werden, daß die Organe der rechtsstehenden Parteien bei ihre» Erötterungen mehr als bisher muh den übrig:» Inhalt jener Rede und die früheren Aus- fühmngen des Ministers berücksichtigen. Danach kann kein Zweifel bestehen, daß der Minister nach wie vor ein entschiedener Gegner der polittschen Ziele der Sozialdemokratie ist.
Wasserstrahlen zu erquicken, die unter ihren gesegneten Füßen hervorsprudeln.
„Sie haben der Najade einen Zug leiser Wehmut um den Mund gelegt, den das Original nicht hat. Meinen Sie nicht, daß sie wohl daran tat, die Klüfte zu verlassen, in denen sie gefangen lag?"
„Sie mußte wohl — man ließ ihr keine Wahl. Ob sie aber je freiwillig sich dazu enffchlossen hätte?"
„Ich zweifle nicht daran. Ich denke, sie muß dem Befreier entg-gengejauchzt haben, der kam, ihr die blühende Welt des Lebens zu eröffnen!" „Wenn sie nicht zagend gezaudert hätte, das finstere, aber sichere Versteck zu verlassen, um sich vielleicht die Glieder zu zerschellen an den Spitzen und Schroffen der Felsen, über die sie sich hin unterstürzen mußte, wollte sie den neuen, lichtvoll friedlichen Lauf beginnen; falls sie nicht gefürchtet hätte, ihre Flut zu trübm im jähen Falle und unrein und bestaubt unten anzulangen — niemand zur Freude, sich selbst zum Leide!"
„Sind es die Zweifel an Ihrer eigenen Zukunft, die aus Ihren Worten sprechen?"
Sie nickte traurig.
„Haben Sie einen Entschluß gefaßt?"
„Mir bangt davor."
„Weißt du, Genia, daß du mein Eigentum warst, ehe dieser Norring dich mir nahm?" Er blickte voll heißer Zärtlichkeit in die fragend auf ihn gerichteten Augen. „Ahnst du nicht, was der Ring bedeutet, den du von mir am Finger trägst?"
„Sie gaben ihn mir zum Andenken —"
»Ich gab ihn dir, um dich mir zu verloben — fühlst du es nicht, daß du mir angehörst?"
Sie hing starr an seinen Lippen, ihr Atem kam und ging hafttg. „Sprechen Sie die Wahrheit? O, seien Sie wahr, Percy, ich habe ja niemand al- Sie, auf de« ich mich stützen könnte!"
— Bo« Dreibund. Rom, 25. Sept. Die „Tribuna" schreibt: Obwohl die Meldungen von dem Bündnis zwischen Oestcrreich-Ungarn, der Türkei und Deutschland und von einer kürzlich abgeschlossenen Militärkonvention zwischen der Türkei und Rumänien, die ohne Wissens Italiens abgeschlossen worden, mehrere Male in autoritativer Weise dementiett worden sind, gibt cs noch manches Blatt, das dabei beharrt und diese Nachrichten wenigstens für teilweise begründet hält. Wir haben uns deshalb an eine absolut sichere Stelle gewandt und sind jetzt in der Lage, zu wiederholen, daß diese Meldungen jeder Begründung entbehren. Wir können auch hinzufügen, obgleich es überflüssig ist, daß die gegenseitigen Beziehungen zwischen Italien, Oesterreich-Ungarn und Detltschland äußerst intime, vertrauensvolle und herzliche sind und daß die Regierungen dieser Länder in den jüngsten Zusammenkünften und im Laufe des gewöhnlichen Schriftwechsels sich gegenseitig alle Fattcn der letzten Phasen der internationalen Politik mitgeteilt haben. Wir freuen uns, seststellen zu können, daß auch die öffentliche Meinung Italiens sic!, durch diese tendenziösen, der Begründung entbehrenden Nachrichten nicht hat irreleiten lassen.
— MilttärischeS. Angesichts der vorzüglichen Erfolge mit den neuen feldgrauen Uniformen im Kaisermanöver hat die Heeresverwaltung wie die Truppe ein starkes Interesse daran, daß die Umwandlung von Blau zu Grau in der Arme« mehr beschleunigt wird, als es di« Herunterrangierung der einen aus den Kammern liegenden Kriegsgarnitur für den Friedensgebrauch erlaubt. Diesem Bestreben kommt, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, die Erfindung des Vorstandes eines der Armcekorps- Beklcidungsämter zu Hilfe, der ein brauchbares Verfahren entdeckt hat, das Dunkelblau der Jn- f anterie und die helleren Farbengrade der Kavallerie in Feldgrau umzufärben, ohne daß die Festigkeit und Haltbarkeit des Stoffes erbeblich leidet. Dann bleibt nur die Aendemng der Kragen, Aermelaufschlägc und Knöpfe vorzunehmen, um aus mindestens den beiden ersten blauen usw. Garnituren beinahe kriegsbranchbare Felduniformen zu machen. Auch das Anbringen der vorderen Schoßtaschen läßt sich an den Röcken alten Schnittes bewerkstelligen. Gegenwärtig werden mit den grau-blauen Färbe-Verfahren eingehende Versuche vorgenommen.
— Uebergang deutschen Besitzes an Polen. Posen, 25. Sept. Seit Mitte April d. I. bis jetzt sind in den vier Provinzen der Ostmark 110 landwirtschaftliche Besitzungen in polnische Hände übergegangen, und zwar 59 in der Provinz Posen. 35 in Westgreußen, 9 in Ostpreußen und 7 in Schlesien. Der in polnische Hand übergegangene Besitz umfaßt rund 50 000 Morgen im Werte von fast 18 Millionen Mark.
— Zur Diskontierung von Buchforderungen. Bochum, 22. Sept. Die hiesige Handelskammer hat sich neuerdings auch mit der vielerörtctten
Er faßte die angstvoll zu ihm erhobenen Hände und drückte sie warm. „Unsre Väter verlobten uns. allerdings ohne daß du, Genia, davon wußtest. Mr sollten später das Bündnis festigen ober lösen nach eigener Wahl."
„Glauben Sie, daß meine Stiefmutter Blanche davon gewußt?" fragte Genia erregt.
„Sie kannte unser Verlöbnis," entgegnete Perch.
„Und überredete mich zu dem andern — o wenn ich ahnen könnte, warum!"
„Ich kenne ihre Gründe. Verlangst du, daß ich sie dir nenne? Ich würde es ungern tun. Manche bleibt doch immer die einstige Gattin deines Vaters."
„Ich will sie nicht wissen. Ich fürchtete längst, daß Blanche falsches Spiel gespielt, aber — es htt so wohl, zu denken, daß ich Ihnen einst angehörte, Perch."
„Und du wolltest dies Verlöbnis lösen? Du kannst nicht wollen, Genia."
„Es ist gelöst, ob ich will oder nicht!" Ihre Hände sanken schlaff herab, der Ausdruck gespannten Entzückens, mit dem sie zu ihm aufgeblickt, erstarb.
Der junge Mann war sehr blaß geworden. „Weil du nicht ernstlich willst."
„Ich traue mir selbst nicht mehr!" Es klang wie erstickte Tränen in ihrer Stimme. „Habe ich nicht schon einmal geglaubt zu lieben und glücklich machen zu können und habe doch nur den andern elend und mich selbst verhaßt gemacht?"
„Und doch willst du bei dem bleiben, der dich haßt und beleidigt?"
„Sic verkamen Rorring. Er ist nicht unedel, er ist ehrenhaft durch und durch, aber — sehr kränklich und sehr gereizt, und dann - er liebt micy eben nicht."
„Ich aber liebe dich, Genia, und du — du
Frage der Diskontierung von Buchforderungen beschäftigt. Die Nachteile einer allgemeinen Diskontierung sind nach der Anschauung der Handelskammer folgende; Erschütterung des Warenkredits, Anreiz zum leichtsinnigen Strebt» ilieren, zu ungesunder Spekulation und zu betrl« gerischen Maßnahmen, bedenkliche Verminderung der Selbständigkeit des Kreditnehmers und Schädigung seines geschäftlichen Rufes und an- gesunde Steigerung des Einflusses der Banke« auf Gewerbe und Handel. Ei:.e allgemeine Einführung der Diskontlemng von Buchforderungen müßte schließlich auch zu gesetzlichen Maßregeln führen zum Schutze der Kreditgeber gegen Täuschungen, insbesondere wäre die Einführung einer Registerpflicht für alle Arten von Verschreibungen, Beleihungen und Pfändungen von buchmäßigen Forderungen und- beweglichen Wetten, ’ die unter der Verfügungsgewalt des Schuldners verbleiben, ganz unvermeidlich. — Die Kammer hebt hervor, daß in ihrem Bezirke die für die Diskontierungsfrage hauptsächlich in Bettacht kommenden Kreise der allgemeinen Einführung der Diskontierung abwattend. wenn nicht direkt ablehnend, gegenüberstünden.
Ausland.
♦* Der Rücktritt Iswolskis. Petersburg, 25. Sept. Der Minister des Aeußern Iswolski verläßt der „Dffch. Tgsztg." zufolge, in der Mitte des Monats November seinen Posten. Als sein Nachfolger wird außer dem Vizeminister Sasanow, der noch immer als Favorit gilt, auch der Botschafter am goldenen Horn Tscharykow ge, nannt. Der zukünftige Vizeminister Neratow war bisher Vizedirektor des ersten Außendepattements.
** Konferenz der Internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterfchutz. Lugano, 26. Sept. Die sechste Delegiettcn Konferenz der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterfchutz wurde heute hier eröffnet. Sie ist besucht von mehr als hundert Vertretern von 17 Regierungen und 15 LandeZsektionen, darunter Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich England mit Kanada. Italien, Spanien, Belgien, Holland, skandiavische Länder, die Schweiz und die Vereinigten Staaten von Amerika. Für die Reichsregierung sind die ©efieimräte Koch und Dr. Lehmann, für Preußen Geheimrat Frick, für Bayern Geheimrat Rohmes für Sachsen Geheime rat Schlippe, für Baden Geheimrat Bittmann anwesend. Pästdent Scherrer warf einen Rückblick auf die 10 Jahre des Bestehens der Vereinigung, erinnerte an den Abschluß der Staatsverträge betreffend das Verbot der Nachtarbeit für Frauen und das Verbot des Phosphors und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auf der Grundlage der internationalen Verträge der nationale Arbeiter- schutz sich immer höher und fester aufbaue. Auf Vorschlag des Freiherr» v. Berlepsch wurde das Bureau wiedergewählt und dann 5 Kommissionen bestellt zur Beratung des Arbeiterprogramms und
— liebst mich ja auch, du ivcißt es, daß du mich liebst."
„Ich weiß nur, daß meine Phantasie mich schon einmal irre geführt — wie, wenn ich mich auch jetzt täuscht^?! O, ich ivollte, ick hätte Sie nie wiedergesehen, Percy. Verirrt und unselig bin ich, seit ich Sie sah — ach, daß ich Ruhe fände!" Sie stützte müde den Kops in die Hand.
„Du sollst sie finden, Genia, soweit ich dir dazu helfen kann. Glück wollte ich dir bringen, armes Kind, nicht Wirrnis — verzeihe meinen Fehlgriff. Der Frau, die sick sehnte frei zu werden, wollte ich helfen die Fesseln lösen, nicht Zweifel und Furcht erwecken in der Seele der noch Unentschiedenen. Vergib mit, ich ahnte nicht, was ich tat."
„Dank Perch, Dank für all' deine Liebe. Du wirst mir weiter helfen? Das Leben ist so lang und so schwer!"
„Du kannst das nicht crnsttich erwart n, Genia Es wäre nicht ehrenhaft das Haus deines Gatten zu betteten bei den G fühlen, die ich für dich hege."
„iSe wollen doch nicht fort?" —
„Ich werde hier bleiben und über dich Wachen. Vielleicht sehen wir uns zuweilen. Und nun — Gott schütze dich!"
Sie fühlte seine Hand auf ,ihrem Scheitel seine zitternden Lippen auf ihrer Stirn. Als sic die Augen auffchlug, war er verschwunden, nur seine Schritte hallten noch in dem Vestibül.
Lange saß sie, den Blick starr auf das glück strahlende Antlitz der entschleierten Nymphe geheftet, da riß ihr ein heftiger Windstoß das Buch von dm Knien, der Sturm war erwacht: die ersten Stöße desselben ftlhren pfeifend nm die Ecke des Palastes, Staub und dürre Blätter in tollem Wirbel vor sich hertreibend. Sie schlang dm Kaschmir-Schal fester um den schlanken Leib und trat den Rückweg an.
(Fortsetzung folgt.)