mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
wnb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 Jt. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion {einerlei Verantwortung.)
Marburg
Dienstag, 27. September 1910.
Die Jnseriionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ae'"altene Zelle oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 -5, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. S)it;ni> ... 'l’iarbnrg, Markt 21. — lelenüoit 55.
45. Jahrg.
Zu den Spionageaffären wirb int Falle Helm bekannt, daß der Personalbogen und die Qualtsikationsberichte über ihn von seinem Mainzer Bataillon nach Berlin eingefordert worden find. Auch werden die an dem Fall interessierten militärischen Instanzen der Reichshauptstadt von dem Major Ostertag, unfeint Militiir-Attachee bei der Botschaft in London, genau über die Vorgänge in Portsmouth auf dem Laufenden erhalten. Bon sehr hoher Stelle ist — wie die „Mil.-pol. Korrespondenz'' hört — mit starkem Unmut über die fatale Angelegenheit gesprochen worden: „Wenn wir den Herrn erst wieder hier haben, wird stch ihn sein Kommandeur einmal sehr energisch ansehn müssen! Wer fich ungewandt benimmt (der Ausdruck soll noch etwas schroffer gelautete haben), der muh allermindestens eingesperrt werden."
In der Borkum-Emdener Affäre schreitet die Untersuchung fort. Hier handelt es fich offenbar i nicht um so harmlose Dinge wie bei Helm, der blos '' dem Wunsche der Engländerin zum Opfer fiel, einen Parallelfall zur Borkumer Affäre zu schaffen. Vor allem spielen hier die Deutschen, welche den Engländern das wichtige Material lieferten, eine so böse Rolle, daß von Dielen Seiten eine weitere starke Verschärfung der Strafandrohungen für Hochverrat (im Frieden) befürwortet wird.
Ueber das neue, die Engländer schwer belastende Material wissen Berliner Blätter zu melden: In dem Emdener Hotel „Union", in dem die verhafteten , englischen Offiziere logiert haben, wurden beim Zimmerreinigen und Reparieren der Matratzen Pläne und Aufzeichnungen von sämtlichen Befestigungen in der Nähe, darunter Wilhelmshaven, Cuxhaven, Borkum, aufgefunden. Die Pläne enthalten Aufzeichnungen bis in die kleinsten Details und find von den Offizieren in den Matratzen versteckt worden, das ganze Material ist von der Polizei beschlagnahmt worden. In dem Hotelzimmer, wo Trench gewohnt hatte, wurden im ganzen 20 Aufzeichnungen und Photographien vorgefunden, darunter solche von Knock in Ostfriesland, Juist, Norderney, Wangerow, Helgoland und Kiel, Wilhelmshaven, Cuxhaven, Borkum u. a. m. Befestigungen und Eeschützstand- plätze waren genau skizziert. Bei näherer Untersuchung hat sich herausgestellt, daß es sich bet den Vorgefundenen Patronen nicht um Dynamit-, sondern um Blitzlichtpatronen handelt, die, angezündet, in der Nacht einen hellen Schein verbreiten. In den vorgefundenen Plänen waren viele Wasserstraßen eingezeichnet.
Angesichts dieser Tatsachen dürsten die Versuche, Helm als „Ausauschspton" zu betrachten, sich als „spleen" erweisen!
Sozialdemokratischer Parteitag.
Magdeburg 24. Sept.
Die Reihen der Delegierten sind stark gelichtet. Sehr viele sind schon mit den Morgenzügen heirn- gefahren. In Rürfficht daraus hält Molkenbuhr nach Beendigung der Diskussion über die Eenossen- schaftsfrage, in der allgemein mehr sozialistischer
81 (Nachdruck verboten.)
Seelerrkiiwpfr.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
Wie weit ging die Berechtigung zum Glück, wie weit die Pflicht des Leidens? Sie sann und sann. War sie ihrem Manne notwendig? Manchmal schien es ihr so. Oder würde auch er aufatmen, wenn sie ihn verließe? Sie wußte es nicht.
O, daß Norrings Andeutung von vorhin auf Wahrheit beruht hätte. Daß es für sie die Hoffnung gegeben, ein Kind an die Brust drücken zu dürfen, ei« Kind — ein Kind! SU schluchzte laut auf bei diesem Gedanken. — Daß sich Kinderarme um ihren Hals schlängen ein warmer, kleiner Körper auf ihrem Schoße ruhte, und die gottähnliche Seele ihr entgegenkelmte aus den auf sie gerichteten Augen! Sie öffnete die Arme, wie um es an sich zu ziehen, eines jener süßen, kleinen Wesen, die zu herzen ihr nie vergönnt sein würde — — die tastenden .Hände griffen ins Leere.
Ein stechender Schmerz berührte die seitwärts geglittene Stirn der Ruhenden; sie erhob den Kopf und strich sich das Haar aus dem Gesicht, ein dürrer, stachliger Akazi nzweiz hafte dasselb.' verwirrt. Sie brach ihn ab und löste ihn los. Trätlmend hielt sie ihn zwischen den Fingern. Ein Geräusch machte sie aufblicken. Percy stand dicht vor ihr:
„Ich hätte Ihren Wunsch ehren sollen, Sie I wollten allein sein. Zürnen Sie mir?" I
„Nein." T . ; 1
Geist in den Konsumvereinen gefordert wurde, nur ein recht kurzes Referat über die Reichsversicherunas- ordnung. Etne Diskussion schließt fich nicht an. Aus dem Kapitel „Verschiedene Anträge'^ ist bemerkenswert, daß der Ort für die nächstjährige Tagung nicht festgestellt wurde, da „in den außerordentlich bewegten politischen Zeiten ein außerordentlicher Parteitag notwendig werden wird . Die Vorstandswahl ergibt Wiederwahl von Bebel, Singer, Gerisch, Ebert, Molkenbuhr, Müller, Pfannkuch, Frau Zietz. Die allgemeine Unruhe weicht allgemeiner Aufmerksamkeit, als Dietz das sorgfältig ausgearbeitete Schlußwort verliest. Er dankt zunächst den Magdeburgern. Der Parteitag habe diesmal mehr als sonst die Aufmerksamkeit aller politischen Parteien erregt. Was die Konservativen und Zentrum sagen, ließe die Partei kühl. Je mehr sie schimpfen, desto mehr wisse sie fich auf dem rechten Weg. Die Liberalen hoffen auf eine Erfüllung, die nie Erfüllung werden kann. Der Verlauf der Tagung stand unter dem Szepter strenger Sachlichkeit. Daß auch harte Wotte fielen, läge im Prinzip der Meinungsfteiheit. Kein Dele- flieiter aber scheidet mit bitterem Gefühl. Der Vorsitzende läßt die Beratungen Revue passieren. Die Budgetfrage sei parteigenössisch erledigt worden. Trotz scharfer Worte sei die Einigkeit, wie die Erklärung der Süddeutschen rührend bewiesen habe, in der Partei heute größer denn je. Was alle bewege, sei die preußische Wahlrechtsfrage. Einen Handel mit den Liberalen lehnen wir ab. Wir wollen sie aber gegen die Reattion heraushauen. Die Zukunft Deutschlands liegt in der sozialdemokratischen Arbeiterschaft.
Mit brausenden Hochs und dem Absingen der Arbeitermarseillaise schließt der Parteitag.
Politische Umschau.
Die „Rordd. Allg. Ztg." und der Magdeburger Parteitag.
Berlin, 24. Sept. In Besprechung der Vorgänge auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Magdeburg hebt die „Rordd. Allg. Ztg." hervor: Der Verlauf des Parteitags räume gründlich mit der Ansicht auf, daß die reviflonisttsche Intelligenz auf dem Wege sei, die Soziawemokrafte zu einer verhandlungsfähigen Eegenwartspartei umzubilden und daß im Paktieren mit dieser Richtung das Heil des Liberalismus liege. Sicherlich sei es den sozialdemo: Irakischen Führern mit Rücksicht auf die nächsten Wahlen nicht unerwünscht gewesen, daß die prinzipiellen Gegensätze zu der bürgerlichen Opposition in den Hintergrund gestellt wurden. Ihre Anhänger seien von den bürgerlichen Demokraten nicht zu gewinnen; sie dürften dagegen immer hoffen, daß im Verkehr mit den bürgerlichen Erenzelementen viel mehr der radikalere Teil der überlegene sei. Deswegen hätten sie es offenbar gern gesehen, wenn sich auch die Situation in Baden vorläufig noch in einer gewissen Zweideutigkeit hätte erhalten lassen. Für diese Feinheiten der Taktik hätten nun aber die gröber organisierten Genossen keinen Sinn gehabt. Uebrigens werden die Herren aus Baden Mittel und Wege finden, dem Parteispruch zu genügen; sie dächten garnicht daran, sich von den radikaler scheinenden Freunden zu trennen. Sie hätten nach beendigter Auseinandersetzung Seite an Seite mit ihnen weiter verhandelt, als wenn nichts geschehen wäre. So seien auch diesmal wieder die Erwartungen ad absurdum geführt worden, die von den gelegentlichen
Er legte wie zögernd die Hand über die Stirn. „Wollen Sie einen Augenblick lang denken, Genia, ich sei Ihr Bruder, dem Ihre Tränen das Herz verbrennen, der Ihnen helfen möchte?"
Sie nictte leise, ohne aufzublicken.
„Seite letzten Worte Ihres Gatten —"
Sie unterbrach ihn mit einer abwchrenden Gebärde und schüttelte das Haupt.
Der junge Mann atmete auf. „Und glauben Sie, daß Norring Sie liebt?"
Das Antlitz der an dem Stamme Lchnenden hatte sich tief gesenkt, die Lippen preßten stch fest zusammen, ste antwortete nicht.
„Ich habe kein Recht zu fragen, Genia; trotzdem frage ich noch einmal: Liebt Ihr Gatte sein junges Weib?"
Ein Schauer überlies ihren Körper und doch schlug sich ihr Auge voll zu dem seinen auf: „Rein." Sie hatte sich erhoben und stand vor ihm, die Hände abwehrend ausgestreckt. „Und nun gehen Sie, Warren — ich muß allein sein — ich weiß nicht mehr, was ich spreche!"
„Sie fürchten mich?»
„Ich Sie fürchten. Sie Percy? Ich will nur denken, und das kann ich nicht, wenn Sie bei mir sind."
»Wäre es nicht besser, weniger zu denke« und mehr zu hoffest, sich kühner zu enffcheiden?" ist?»Möglich — wie foll ich wissen, was recht
„Soll ich es Ihnen sagm?"
„Ich muß es selbst finden — ich bitte, lassen Sie mich allein!"
Warren schritt langsam dem ziemlich entfernten Gesellfchastsplatze wieder zu, von Zett zu
Eigenmächtigkeiten der Revisionisten jedesmal eine neue Aera in der Entwicklung der Partei datierten.
deutsches Reich.
— Bo» Kaiser. Eroß-Roininten, 24. Sept. Das Kaiserpaar und Prinz Joachim sowie Prinzessin Viktoria Luise sind heute vormittag 10 Uhr 45 Min. hier eingetroffen, wo am Bahnhöfe Landrat v. Gehren zum Empfange erschienen war. Sie begaben fich im Automobil nach dem Jagdschloß Rominten.
— Der Kaiser und Wien. Wien, 24. Sept. Die „Neue Freie Presse" meldet: Nächsten Freitag wird in der Eemeinderatssitzung Bürgermeister Neumayer an die versammelten Eemeinderäte eine Ansprache halten, in der er des Besuches des deutschen Kaisers im Rathause gedenken und der Freude der Stadt Wien über den würdigen Verlauf des Tages Ausdruck geben wird. Der Bürgermeister wird hierauf einen Kredit für die Herstellung einer Erinnerungsplakette verlangen. An die Mitteilung des Bürgermeisters wird sich eine Kundgebung des Gemeinderates für den deutschen Kaiser anschließen.
— Dernburg. Kiel, 24. Step. Gegenüber der Meldung, daß der frühere Staatssekretär Dernburg für den zweiten Reichstagswahlkreis als Kandidat in Aussicht genommen ist, erfährt die „Kieler Ztg", daß gegenwärtig Verhandlungen schweben, die das Endziel haben, Dernburg den Husumer Wahlkreis vorzubehalten, der als der sicherste für die Fortschrittliche Bolkspartei gilt. Die Entscheidung werde in den nächsten Tagen fallen.
— Ertrag der Ernte in Preußen. Berlin, 25. Sept. Nach dem vom königlich-preußischen statisti- schen Landesamt bei den landwirtschaftlichen Vertrauensmännern eingezogenen Erkundigungen wird fich der voraussichtliche Ertrag der Ernte im Königreich Preußen nach dem Stande um Mitte September dieses Jahres belaufen: für Winterweizen auf 2 097131 Tonnen gegenüber dem tatsächlichen Ernteertrag 1909 von 1876 254 Tonnen, für Sommerweizen auf J276 875 (388 538) Tonnen, für Winterroggen auf 8134 869 (8 471007 Tonnen, für Sommerroggen auf 1 578 669 (1935 891) Tonnen, für Hafer auf 5 265 307 (6 050 504) Tonnen, für Kartoffeln auf 30 276 074 (33 719 634) Tonnen. Die vorstehenden Ergebnisse für Körnerfrüchte stellen fich gegen die vormonatigen bei Winter- und Sommerweizen, sowie Hafer etwas geringer, bei Sommerroggen und Sommergerste etwas besser heraus. Weitere vorläufige Schätzungen werden mit Rücksicht auf die nahe bevorstehenden entgültigen Ernteschätzungen, die in der ersten Hälfte des November für alle wichtigeren Fruchtar'en und FuttergeWacyse eingezogen werden und Anfang Dezember zur Voröffentlichung gelangen, in diesem Jahre nicht stattfinden.
• — Preßprozeß. Leipzig, 24. Sept. Heute kam vor dem zweiten Strafsenat des Landgerichts die Beleidigungsklage des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Heidt gegen den Chefredakteur der „Leipziger Neuesten Nachrichten" Dr. Erautoff zur Verhandlung. In der Sitzung der Zweiten Kammer am 9. März hatte Heidt gelegentlich der Besprechung
Zeit die leichte Mütze lüftend, als brenne es httß hinter der hohen Stirn.
„Ah sieh da, Percy! Du gehst ja umher wie der selige Ritter Huldbrand im verzauberten Walde. Siehst du Gespenster am hellen Tage?" Amberg klopfte lachend dem Freund? auf die Schulter, der sich, wie aus einem Traume erwachend, vor der neben demselben hinfcbwchen- den zierlichen kleinen Gestalt verneigte.
„Die Hitze bedrückt mich, es will h r ie nicht kühl werden."
„Ich für meinen Teil finde die Atmosphäre im Augenblick gar nicht so übel; aber wohin so eilig?. Du kommst eben zu rechter Zeit, um unser Schiedsrichter zu sein. Lassen Sie ihn als «npafteiisch gelten, mein Fräulein?"
„Meinetwegen? Vorausgesetzt nämlich, daß der Herr Hauptmann mir zugunsten entscheide."
„Ich fürchte nicht, daß er das hin wird! Percy, das gnädige Fräulein behauptet in allem Ernste, es sei verdienstlich und notwendig, daß junge Mädchen ihre Liebhaber trhannisieren."
„Worin die Dame wirfiich nicht so unrecht hat, besonders wenn der Cie6I;1.t>er sich dies so gemütsruhig gefallen läßt, wie du! Auf Wiedersehen, mein Fräulein, adieu Eugen!" Warren verschwand hinter dem dämmernden Buschwerk.
„Also habe ich meine ?^»tte verloren. Womit soll ich mich auslösen? Würden Sir einen Kuß akzeptieren?"
„Kurioser Einfall! Aber wenn Sie nichts Besseres wissen, da!" Das junge Mädchen streckte ihm mit übermütiger Grazie die kleine, lichtbehandschuhte Hand entgegen. Er beugte sich lächelnd über dieselbe, sie fühlte die Wärme feiner Lippen durch das weiche Leder hindurch.
der Petition des ehemaligen Eisenbahnwerkstättenleiters Schwenker und Genossen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zum sozialdemokratischen Transportarbeiterverband entlassen wurden, gerufen: „Es wird nicht eher besser fein, bis alle Seydewitze verfault sind!" Am 6. April veröffentlichten die Leipziger Reuest. Nachr." eine Zuschrift ihrer Dresdener Redaktton, in der es hieß: Heidt versuchte diesen Zwischenruf aus dem Stenogramm zu bringen. Das Urteil lautete auf kostenlose Freisprechung, da der Gerichtshof annahm, daß Heidt fich bemüht habe, den Zwischenruf aus dem Stenogramm zu bringen. Diesen Eindruck hatte auch ein als Zeuge auftretendes Mitglied des stenographischen Landesamtes nach einer Unterredung mit Heidt.
Ausland.
** D«r Papst und der Bürgermeister von Rom. Rom, 24. Sept. Infolge des Schreibens de- Papstes an den Kardinalvikar richtete Bürger- meister Nathan einen Brief an die Zeitungen, in denen er erklärt: Seine Achtung vor dem Papst und der ganzen zivilisteften Welt lege ihm die Verpflichtung zu einer Erklärung auf: er führt sodann aus, di Papst habe durch seinen Bries den Kontrast zwischen dem Rom der Vergangenheit itnb dem der Gegenwart, der den Gegenstand seiner Rede vom 20. September gebildet, noch deutlicher hervortreten lassen. Der Bürgermeiste» erinnert dabei an mehrere päpstliche Akte, so z. B. an die Verurteilung der christlichen Demokratie, der Modernisten und der Sillonisten und kommt zu dem Ergebnis, daß nicht er es fei, der es an Achtung vor der Meinung Anderer und den unveräußerlichen Rechten des persönliche« Gewissens habe fehlen lassen, wie er auch dem Papste, der nach der Richffchnur seines Gewissens sich dem Guten völlig widme, die schuldige Achtung nicht versage. Zum Schluß be- merft Bürgermeister Nathan, wenn er das Gesetz verletzt habe, so wünsche er sich vor Gericht z>» verantworten, wenn er die Pflichten seines Amte? verletzt habe, fo stehe der Bürgerschaft darüber ein Urteil zu, wenn Religion und Gewissen ver- letzt fei, werde er ruhig und ohne Vermittler stch vor Gott darüber verantworten.
** Das Scheitern der französisch türkischen Anleiheverhandlungen. Paris, 24. Sept. Der „Petit Parisien" will aus guter Quelle erfahren haben, daß der Großwestr Halft Pascha infolge der zwischen ihm und Dschavid Bey wegen der Anteiheverhandlungen ausgebrochenen Miß- Helligkeiten zurücktreten werde. Hatti Pascha würde in diesem Fall« einen Botschafterposten erhalten.
** Frankreich und Marokko. Paris, 25 Sept. Nach einer Zeitungsmeldung aus Tange» begab sich der Oberbefehlshaber der französische« Besatzungstruppen, General Moinier, nach Paris, um Tnippenverstärkungen zu verlangen, welche angeblich infolge der bedrohlichen Treibereien d., Stämme an der Schaujagrenze notwendig seien
** Die Amte in Frankreich Paris, 24. Sept. (Amtlich). Der annähernde Stand der Ernte an Weizen und Roggen im Jahre 1910 beziffert sich nach den Berichten aus dem Ackerbaudepartement
„Und Ihr Mund, Luvietta, für wem spari dieser seine Küsse auf?"
„Für denjenigen meiner Liebhaber, der bit Geduld besitzt, sich ein ganzes Jahr lang vor. mir Plagen zu lassen! Aber hören Sie nicht oi, herrliche Mazurka? Schnell zurück, es wäre unverantwortlich, sie zu versäumen."
14.
Wer das alte Tergeste sieht, an dem bläulich wogenden Busen der Adria geschmiegt, ahnt nicht, daß es Wassermangel war, allerdings Mangel an Süßwasser. der die Stadt beinah? verhindert hätte, mit in das große Schienennetz des Verkehres hineinbezogen zu werdm. Ingenieure und Gelehrte verschwendeten mühselig viel Zeit und Geld, um den Karst nach Wasser zu durchforschen, aber vergebens.
Doch was den Bemühungen der Wissende« nicht gelungen, das gab Gott den Unwissenden. Bahnarbeiter entdeckten zufällig eine Quelle Und die Stadt jubelte auf, als man ihr den kühlen Trunk kredenzte und staunte bewundemd $x dem Brunnendenkmal empor, das sich bald daraus innerhalb des Palastes Revoftello zur Verherrlichung der Rajade des Karst erhob.
Es war am Abend an jenem Tage, an de» die vornehme Welt Triests so unverhofft dazu gekommen, sich auch einmal während des Sommers tüchtig müde zu tanzen. Noch hing bei Sonnenball über dem Horizont«; heiß zittenttz flimmerte die Lust von den geblendeten Auge« d.-s jungen Offiziers, der, vorn Kastellberge kommend, dem genannten Palaste, in dessen Näht seine Wohnung sich befand, zuschrift.
(Fortsetzung folgt.)