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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
»nd den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.«
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Die „Oberhessiiche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 .« (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition lMarkt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonnlag, 25. September 1910.
Die Inserttonsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebter des Blattes für die Vae^altene Zeile oder deren Raum 15 '4, für auswärtige Inserate 20 A. für Reklamen 40 r4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Vuchdruckerei. Inhaber Dr. C. Ziitzerath. Älarburg, Markt 21. — Televbon 55.
45» Jahrg.
Zweites Blatt.
Preußens Ostmarkenpolitik.
Es ist den Regierungen der drei Großmächte Preußen, Oesterreich und Rußland, die das polnische Reich unter sich verteilt haben, zu danken, insbesondere aber Preußen bezüglich der von ihm erworben» polnischen Landesteile, wenn ruhigere Verhältnisse und eine allgemeine bessere wirtschaftliche Lage der Bevölkerung platzge- grisfen haben. Handel und Wandel, Industrie un'j Landwirtschaft haben sich mächtig gehoben und haben den ehemals säst vollständig verarmten Landstrichen neuen Wohlstand geschaffen. Damit aber haben diese Großmächte ein wohlbegründe- ies Recht erworben, allen Bestrebungen, die auf «ine weitere Ausbreitung des Polentums oder gar auf eine Abtrennung d»r polnischen Landes- ieilc von ihrem Staatsgebiete abzielen, energisch entgegenzutreten und namentlich allen Versuchen — in welcher Form sie auch auftreten mögen — zur Wiederherstellung eines neuen Polenreiches einen festen Damm entgegenzusehen. Das ist auch Preußens gutes Recht uttb seine Pflicht gegenüber dem das Deutschtum hart bedrängend n Polentum in den Ostmarken. Auf diesen Gesichtspunkten beruht die preußische Ostmarkenpolitik, ihnen verdankt das Ansiedlungsgesetz sein Entstehen.
Es kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß durch diese Politik nicht nur dem Vordringen des Polentums Halt geboten worden ist, sondern daß auch das Deutschtum langsam, aber stetig in den alten Ordenslanden wieder vorzudringen beginnt. Rach der dem Abgeordnetenhause in der verflossenen Session vorgelegten Denkschrift kommt das Desicd'lungsergebnis des Jahres 1909 etwa der Gründung von 42 Dörfern mit je 1600 Morgen Stellenland gleich. Insgesamt sind von den bisher erworbenen Gebieten 309 822 Hektar mit 17 051 Ansiedlerfamilien mit 102 300 Köpfen besiedelt worden. In den Ansiedlerge- meind 'n haben neben den Ansiedlern etwa 10 500 deutsche Arbeiter und Handwerker, auf den An- siedlungsgütern etwa 9800 ihren dauernden Wohnsitz genommen. Diese Zahlen beweisen, daß die Änsiedlungskommission tatsächliche Erfolge erzielt hat. Die Polen hatten in der bestimmten Absicht, das Deutschtum aus den Ost- markcn zu verdrängen, sich die Eroberung des flachen Landes znr Aufgabe gemacht, waren zielbewußt gegen das Deutschtum vorgegangen und hatten es Schritt für Schritt verdrängt. Dieser Polenbcwegung ist nun durch die Maßnahmen der Ansiedlungskommiffion ein gebieterisches Halt geboten und eine vorwärtsdrängend« Gegenbewegung ins Werk gesetzt worden. Das Ansiedlungswerk hat aber erfreulicherweise zu einer beträchtlichen Stärkung des Deutschtums in den Städten geführt. Vor etwa 20 Jahren war in den Städten des Ostens eine starke Abwan-
Münchener Mustkbriefe.
I Rückblick auf den Beethoven-Brahms-Bnickner- Ayklus.
Ungefähr in denselben Tagen, in denen das Salzburgs Mozartsest zu End« ging, nahmen die sommerlichen Musikfeste der „Ausstellung München 1910" ihren Anfang. Schon vorher hatten ja zwei bedeutsame musikalische Veranstaltungen im Mai und im Juni von sich reden machen: Die Schumann-Gedenkfeier, die in 4 großen Konzerten einen breiten Ausschnitt aus Schumanns gesamtem Schaffen bot (es kamen Manfred, die 1. und 4. Sinfonie, das Klavier konzert, Kammermustkwerke, Lieder und Vokal quartett- zu Gehör); alsdann waren in einer „Richard Strauß-Woch'" unter Felix Mottls, Richard Straußens und Ernst v. Schuchs Leitung fast sämtliche irgendwie belangreichen Werke des Elettra-Komponisten aufgeführt worden. Nun aber, zu Beginn des verflossenen Monats, öffneten das Prinzregenten-Theater, das Kgl. Residenz-Theater und die Reu» Mustffesthalle der Aufstellung für mehr denn 6 Wochen ihre Tore, um W .gner- und Mozartfestfpielen sowie dem Beethoven Brahms-Bruckner-Zyklus eine wüd dige Heimstätte zu gewähren.
Vom rein musikalischen Standpunkte aus kamen natürlich im großen und ganzen nur Mozart und der Symphonie-Zyklus in Betracht; aber auch menschlich gesehen, ist eine solch« Beschränkung sicherlich gerechtferttgt. Alltäglich, von 10—1 Uhr Proben, sehr oft dann noch Nachmittags bis in die späten Abendstunden hinein: endlich noch jeden zweiten Abend, ein paar Male sogar allabendlich, Konzert bezw. Oper — — daß dann für „Ring", „Tristan" und die „Feen" nicht diel Zeit, Lust und Kraft übrig bleibt, ist klar. Zudem war, abgesehen von drei prachtvollen
derung der Deutschen ganz allgemein. Sie war I hervorgerufen durch den wirtschaftlichen Boykott, I mit dem die Polen die deutsche Bevölkerung verfolgten. Deutsch« Handwerker und Kaufleute konnten angesichts des von der polnischen Presse unaufhörlich gepredigten Boykotts nicht mehr ihren Lebensunterhalt finden. Das ist in den Städten, wo die Änsiedlungskommission ihre Tätigkeit entfaltet hat, ganz anders geworden. Die deuffche Bevölkerung hat dort um 32 v. H. zugenommen, während sie in einer Reih' von nicht durch die Besiedlung beeinflußten Städten auch Wetter um über 5 v. H. abgenommcn hat. Durch diese Zahlen wird das Wachsen des Deutschtums durch die Tätigkeit der Ansiedlungskommission auch in den Städten außer allerFrage gestellt. In politischer Beziehung machen sich die gleichen Erfolge der Ansiedlung bemerkbar. In den Kreisen mit der intensivsten Tätigkeit der An siedlungskommisston ist eine Zunahme der deutschen Wähler und eine Abnahme der polnischen Wähler um 3 v. H. festgestellt worden.
Bei Vorlegung der Denkschrift über die Ausführung des Ansiedlungsgesetzes im Abgeordnetenhause bezeichnete der konservative Abg. von Tilly das Ansiedlungswcrk als ein in der Geschichte Preußens einzig dastehendes Kulturwerk allerersten Ranges, dessen nackhalttge Fortsetzung gewünscht und verlangt werden müsse. Daß die Ansiedlung selbst unbestreitbare wirtschaftliche Erfolge anfzuweisen habe, beweise nicht nur das reich- Zahlenmaterial der Denffchrist, son bcm auch der Umstand, daß die Nachftage nach Nnsiedlerstellen ständig im Wachsen begriffen sei. Der Regierung gebühre uneingeschränkter Dank für ihre ersprießliche Tätigkeit. Die Ansiedlungskommission möge nur so fortfahren zu arbeiten wie bisher Zu Nutz und Frommen des Deutsch tums in der Ostmark müßten die Ansiedler und Großgrundbesitzer einig zusammenstehen im Kampf gegen das PolenMm. Deuffcher Heldenmut und deutsche Tatkraft haben in grauer Vov- zeit die Ostmark heidnischen Barbaren entrissen und dem deutschen Christentum und deuffcher Kultur erschlossen, und deutsch soll und muß auch die Ostmark immerdar bleiben.
Politische Umschau.
Vaterlandslosigkeit.
Anläßlich des Sedantages veröffentlichte die „Schwäbische Tageswacht«, das führende Organ der Württemberger Sozialdemokraten, unter der Ueberschrift: „Von Sedan bis Kopenhagen einen Aufsatz, in dem es u. a. hieß:
„Und diese französische Republik genießt m Deutschland die wärmsten Sympathien von Millionen, obwohl sie einstweilen nur ^ne Bourgeoisrepublik ist, und obwohl es dort kapitalistisches Elend gibt, wie in jedem monarchisch regierten Lande. Trotzdem aber ist nicht Frank reich, sondern Deutschland das typische Land der Skandale, und wenn es in der Bourgeoisrepublik Kormption untz Verfall gibt, so ist die Fäulnis
Aufführungen der „Meistersinger", über die Wagnev-Darbietunqen im allgemeinen nicht allzuviel Gutes zu hören; der „Festspiel" Charakter scheint sich nicht sehr bemerkbar gemacht zu haben. Dies mag zum Teil daran geleg m haben, daß Felix Mottl seine Tätigkeit — namentlich in ber zweiten Hälfte ber Spielzeit — vorwiegend bett Mozartaufführungen widmete, die denn auch ausnahmslos auf hoher künstlerischer Sttlfc standen Man gab zweimal „Don Giovanm". zweimal „Figaros Hochzeit", je einmal „Cost fan tute", „Entführung" und „Bastien und Bastienne", „TitNs" und „Bastienund Basttenne". Die Opern und Singspiele sind seiner Zeit noch von Ernst von Possart neu eingerichtet und inszeniert worden: dies war ein: große künst lerische Tat; und ebenso bedeutsam war es, daß man den gewohnheitsmäßig gesprochen m Dialog ausschied und die Secco Recitatwe der Onginal- partttur wiederherstellte — ein Hauptverdimst Hermann Levis und seines Nachfolgers Hermann Zumpe. Aber eine Freude war es nun doch, wahrzunehmen, daß die Berliner Mozartaui- fühmngen in der von Richard Sttauß und Karl Muck bewirkten Neueinstudierttng den Münchener Festspielen in feinem Punkt nachstehen, soweit nämlich die künstlerische Ausarbeitung. die Fetn- heit der musikalischen utld dramatischen Gestaltung in Betracht gezogen wird; freilich — eine Mozartbühne wie sie München im Kgl. Restd nz- theater hat, besitzt Berlin nicht: dieses Rokoko- Schmuckkästchen, voll kostbarer, intimer Reize, bildet für die zierliche, galante Welt Mozarffcher Opern den schönsten Rahmen, den man sich ausdenken kann. Es ist, als ob dieses Theater chen eigens für Mozart (und etwa noch seine italienischen Vorgänger) erbaut wäre, und was 1 diese Münchener Festspiele so unübertrefflich macht, ist die sich auf diese Weise ergebende vollkommen« Wahrung der Sttleinheit.
des monarchischen Junkerstaates noch viel schlimmer. Der größte politische Forffchritt der letzten 40 Jahre, die Trennung von Kirche und Staat, und der größte technische Fortschritt, die Entwicklung dis menschlichen Flugs, sind beide in Frankreich gemacht worden. (!) Vor solchen Leistungen wirklicher Kulturarbeit und vor solchen Tatsachen muß das Geschrei jener ungebildeten Siegeslümmel verstummen, die das französische Volt durch die Erinnerung an eine vor 40 Jahren erlittene Niederlage demütigen wollen. Das internationale Proletariat wendet seinen Blick ab von den tmheilvollenErinnerungen des großen deutsch- französischen Brudermordes, hin zu den Verhandlungen des Kopenhagener Kongresses, von der blutigen Vergangenheit zur helleren und besseren Zukunft. Es lebe die International«, es lebe die Republik!"
Dazu schreibt die „Deutsche Volkwirffchaftliche Korrespondenz":
„Vor solchen Auswürfen niedriger, vaterlandsloser Gesinnung verstummt jede, Erwiderung. In nationaler Beziehung scheint es im deutschen Volke wirflich schlechter bestell« zu sein als in Frankreich, denn kein französischer Sozial- domokrat würde es wagen, solche Worte gegen fein Volk und Land zu gebrauchen. „Sieges- lümmel" ist ein Wort leicht zu behalten, und vielleicht tttertt es sich auch mancher süddeutsche Rationalliberale als ein Kernwort aus dem Wörterbuch seines sozialdemokratischen Verbünd tten. Auch Minister von Bodman mutz Freude haben am „Siegeslümmel". Sehr richtig!
Deutsches Reich.
— Der Saatenstand in Deutschland. Berlin, 21. Sept. Der Saatenstand im Deutschen Reich um Mitte September 1910 war, wenn 2 gut, 3 mittel (durchschntttlich) und 4 gering bedeutet, für: Kartoffel 3,1, Klee 2,2, Luzerne 2,3, Bewässerungswiesen 2,1, andere Wiesen 2,3. In dm Bemerkungen des Kaiserlichen Stattstischen Amts heißt es: Rur zu Anfang und am Schluß des Berichtsmonats gab es einige wenige warme, sonnig« Tag«, sonst regnete es meist. Die Niederschläge verteilten sich auf die verschiedenen Gegenden sehr ungleichmäßig. Für die Beendigung der Getreideernte war das Wetter wenig günstig; ein Teil der Körner fiel schon auf dem Felde aus, vieles konnte nur mit Auswuchs behaftet eingefahren werden. Auch die Herbstbestellung hatte unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Trotz des nassen Wetters tritt in vielen Gegenden die Mäuseplage wieder sehr stark auf; ebenso wird über zahlreiches Vorkommen von Ackerschnecken, Hamstern u. Engerlingen berichtet. Der Stand der Kartoffeln wird wesentlich ungünstiger beurteilt als im Vormonat. Besonders frühe und feinere Sorten sind, zumal auf schwerem Boden, vielfach erkranft: die Knollen sind klein geblieben und faulen stark. Auf die späteren, widerstandsfähigeren Sorten soll die Fäulnis bisher nicht so sehr übergegriffen haben.
Futterftüchte, Klee und Luzerne, werden im aW । gemeinen recht günstig beurteilt. Durch das un- beständtge Wetter wird das Einbringen des überall reichlich gewachsenen Gmmmets vielfach sehr verzögert und die Güte des Futters beeinträchtigt. In manchen Gegenden ist bei der Abgabe des Berichts erst die Hälfte des Grummets geborgen. Trotzdem scheint der Ertrag der Wie- ett allgemein zu befriedigen.
— Bauernbund und Zollschutz. Zu der Erklärung des Deuffch'n Bauernbundes, daß er an dem Zollschutze und dem Zolltarife von 1902 festhalte, bemerkt die dem Bauernbünde recht wohlgesinnte demokrattsche „Frankfurter Zeitung": „Wie die Dinge gegenwärtig liegen, kann selbstverständlich der „Bauernbund" Mitglieder de- „Bundes der Landwirte" nur dann zu sich herüberziehen, wenn er sich in der Frage des Jn- teressenschuhes, die den Bauern am nächsten steht, nicht direkt in Gegensatz zum Bunde der Landwirte stellt. Das schließt nicht aus, daß in wichtigen Zollfragen, die nicht nur die Bauern als Produzenten, sondern auch die Masse der Konsumenten berühren, — man denke nur an di« Bedeutung der Futtermittelzölle für die Viehzucht ein Gegensatz tatsächlich vorhanden ist oder sich mit d r Zett entwickeln wird. Allgemein« Redewendungen, wie sie in der Resolution des Bauernbundes enthalten sind, braucht man nicht zu sehr unter die Lupe zu nehmen." — Infolge ihrer guten Beziehungen zum Bauernbund durste die „Frkf. Zig." schon das richtige treffen.
— Die Betriebseinnahmen bet preußisch- hessischen Staatseisenbahnen. Berlin, 20. Sept. Die „Rorbb. Allg. Ztg." melbet: Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisea- bahnen haben im August 1910 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Perscnenver- kebr 3,2 Millionen gleich 5 31 v. H. im Güterverkehr 12 Millionen Mark gleich 11,16 v. H., insgesamt einschließlich ber Mehreinnahmen aus sonstigen Quellen 15,3 Millionen Mark gleich 8,59 v. H. mehr betragen. Der August 1910 hatte einen Sonntag weniger unb einen Arbeitstag mehr als ber gleiche Monat bes Vorjahres.
— Berufung des AuSschusscs für Einhetts- stenoataphie. In ber Vorkonferenz, bie zwecks Einführung einer Einheitsstenographie int Reichsamt des Innern tagte r.nb von den deut sch n Bundesstaaten wie Oesterreich beschickt war, wurde beschlossen, einen Sackverständigenausschuß der von neun stenographischen Schulen vorgeschlagen wurde, mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage zu betrauen. Dor Ausschuß besteht aus 23 Vertretern verschiedener Systeme. Die Einberufung dies's Ausschusses dürfte in nächster Zeit erfolgen. Gegenwärtig läßt sich noch nicht sagen, welche Stellung er in ber Frage bet zu sckaffenben Einheitsstenograph:« cinnehmen wird. Die Einführung ber Gabels bergerschen Kurzschrift als Einheitssystem >st jedenfalls schon in der Vorkonferenz abgelehnt worden, unb bementsprechenb hat sich der Gabels bergersche Bund auf dm Standpunkt gestellt, daß
Ganz anderer Art waren natürlich die Eindrücke, die man in den zwölf Festkonzerten des Beethoven-Brahms, Bruckner Zyklus empfing Der Konzertverein, der den Zyklus Heuer zum zweiten Male veranstaltete, hatte als leitenden Gesicktspunkt ausgestellt: „Die neun Symphonien Beetbovens und die Symphonie nach Beethoven." Selbswerständlich sollen, Wie schon der Name des Zyklus sagt, die beiden Häupter ber Entwicklung ber Symphonie nach Beethoven, Johannes Brabms unb Anton Bruckner, in b tt Vorher gründ gerückt werden. Im vorigen Jahre nun, In dem man diese 12 Konzerte zum ersten Male entrichtete, hatte man sich aus bie drei größten Symphoniker des 19. Jahrhunderts beschränkt und infolgedessen jeden von ihnen in ziemlich entsprechender Weise berücksichtigen können; man batte vor allem neben einem Beethovenabend (9. Symphonie) unb einem Brucknerabend (8. Symphonie) auch ein ausschließlich Brahms gewidmetäs Konzert veranstaltet: Tragische Ouvertüre, Klavierkonzert R-Dur op. 83 unb Vierte Symphonie «--Moll; dazu noch an vorhergehenden Abenden die drei anderen Symphonien. Fer »er war 1909 auf den Zyklus unmittelbar das Effte deutsche Brahmsfcst gefolgt. Diesmal gab es insofern einen Rückschlag, als von Brabms nur die 1., 2. und 4. Symphonie gebracht wur den; von Beethoven natürlich wieder alle neun, von Bruckner wiederum vier (4 „Romantische , 5 7., 8); dazu aber noch Schuberts 7. «große E-Dur), Schumanns 2. (E-Dur), Mendcffohnc „Schotttsche" (a-Moll), Berlioz' „Phantasttsche und - ungekürzt - Lißts „Faustsymphome". Als abendfüllende Werke wurdm gegeben: Beethovens 9.. Bruckners 8. und Lißts „Faust sympbonie" Es ist begreiflich, wenn Müncken r Blätter hinsichtlich der Programmaufstellung bedauern, daß Heuer wie schon 1909 alle Beethoven- fchen Symphonien gebracht wurden; wenn man
für jeden Zyklus etwa 5 nähme, so gewänne man doch ziemlich viel Raum für andre hochbedeutende Symphoniker; . vor allem mußte da Peter Tschaikowsky zu seinem Rechte kommen, andre Russen, dann Nordländer, Tschechen (vor allem Dvocak) könnten folgen — da ja nun doch ein mal auch bie außerbeutsche Symphonie berück sichtig« wirb. Unb bann: warum greift man nicht auch einmal auf die Orckestermusik vor Beethoven zurück? Die Mannheimer, bie Berlin r, die Wiener Schule bieten dock Stoff in Drütte, und ich glaube, bie Münchener haben durchaus Recht mit dem Hinweis darauf, daß die Besucher dieser Festkonzerte, — feien sie nun Einheimisch« ober Frembe — den Winter üb r im allgemeinen so viel Beethoven zu hören, kriegen (und zwar in meistens doch r <6t guten Aufführungen), daß sie in solch festlichen Zeiten auch gerne mehr andre Komponisten hören mochten Das nwftc Deutschland ist ja diesmal durch die auf den Zyklus folgende Uraufführung von Gustav Mahlers Achter Symphonie vertreten (worüber noch zu berichten fein wirb), unb auch die französische Orckestermusik findet hier eine Stätte vermittelst des großen Französischen Musiffestes, das sich dieser Tag« hier ablpilt und in drei großen Orchesterkonzerten und zwei Kammermusikmatin^en, ältere und vor allem neue, ja neueste französische Musik darbieiet. — Hinsichtlich der Progra»mnaufstellung wäre noch zu sagen daß man — an Berliner. Leipziger, Mannheimer usw. Verhältnisse gewöhnt — anfangs trtit ehrt gewissen Verwunderung die Kürz« der Festkonzerte wahrnimmt: Kernes von ihnen dauerte die Pausen mit eingerechnet, auch nur volle zwei Stunden; Beethovens Neunte nnd Bnrckners Achte waren, was Wohl auch nicht oft vorkommt, jede für sich die einzige Nummer eines Abends. (Forffetzrmg folgt.)