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mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 <M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedltlon (Markt 21), 2,00 J*.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Freitag, 23. September 1910.
Die Inserttonsgebklbr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebter des Blattes für die 7a--'"iltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 A. für Reklamen 40 4. — Druck und Berlag: Ioh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei. Inhab-r Dr. C. ^-'"rnurg.
Markt 21. — Televbon 55.
45. J-Hrg.i
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Erstes Blatt.
Die Verteilung der Sparkaffeneinlagen in Preußen.
Die Verteilung der Sparkasseneinlagen nach Kontenklassen ist auf Grund der vorhandenen ziffernmäßigen Unterlagen vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte einer Schätzung unterzogen worden und zwar in runden Zahlen derart, daß ersichtlich wird, welch« Summen w nigstens und welche höchstens auf jede Kontenklasse treffen können. Von den rund 3,. Millionen Büchern bis zu 60 M glaubt die Statistik sagen zu können, daß sie im Durchschnitt nickt auf weniger als 20 und rifjt auf mehr als 40 J( lauten werden. Das würde dann ergeben wenigstens 68, höchstens 136 Millionen Mark, fern r bei den 1,6 Millionen Büchern von über 60 bis 150, durchschnittlich 93 bis 120 M., 144 bezw. 192 Mill. M., bei den 1,5 Mill, von über 150 bis 300, durchschnittlich 200 bis 250, 300 bezw. 375 Mill. M., bei den 1,7 Mill, über 300 bis 600, durchschnittlich 400 bis 500 M., 680 bezw. 850 Mill. M., zusammen bei den Büchern bis 600 M. 1192 bezw. 1553 Mill. M. Werden dann weiter berechnet für 2,1 Mill. Bücher von 600 bis 1500 M., durchschnittlich 900 bis 1200 M.. 1890 bezw. 2520 Mill. M., für 0,9 Mill, von 1500 bis 3000, durchschnittlich 2000 bis 2500 M., 1800 bezw. 2250 Mill. M., so erg.chen sich für lr2 Mill. Bücher bis zu 3000 M. 4882 bezw. 323 Mill. M., wahrscheinlich also zwischen 5 und 6 Milliarden, so daß von dem Gesamtbeträge von 9573 Mill. 3250 bezw. 4691 Mill. M., also wahrscheinlich zwischen 3 und 4 Milliarden für die 0,66 Mill, Bücher mit mehr als 3000 M. Einlage übrig bleiben werden. Der Anteil der kleinen Konten wird wobl dem oben geschätzten MiNdcstbetragc etwas näher als dem Höchstbe- traac liegen, da mit steigender Höbe der Einlagen die Bücher immer seltener werden.
Die oft aufgeworfen: Frage, in welchem Maße die unteren und die oberen Klassen an den Einlagen beteiligt sind, läßt sich, wie die „Siatistische Korrespondenz" zutreffend bemerkt, schwer beantworten. Eine allgemeine Berufsstatistik der Einleger ist nicht vorhanden, wird sich auch schwer durchführen lassen, da eingehende Fraaen der Sparkassenverwaltung darüber die Einleger leicht mißtrauisch machen können, während zugleich der Berufswechsel der Einleger nicht bekannt zu werden braucht, so daß z. B. ein Kind immer noch als Inhaber des Sparkassenbuches angegeben sün kann, obwohl es längst erwachsen und selbständig geworden ist. Die amtliche Statistik.Preußens hat sich deshalb mit dieser, Gegenstände nur einmal versuchsweise und auch nur für einen Regierungsbegirk beschäfttgt. Danach gab es in diesem Bezirke im Jahre 1883, also vor 27 Jahren, bei 91 Kassen 206,81 Mill Einlagen, wovon kamen: auf Handwerks-
28 verbo'er t
Seelenkampfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
l Fortsetzung.)
„Sie sehen, Genia, ich halte Wort. Ich hoffe, der gestrige Unfall Ihres Gatten hatte keine Folgen; der Diener wenigstens b.richtete mir soeben, Herr Norring sei ausgegangen.'
„Er ist wieder vollkommen wohl, ich danke, Herr von Warren.'
„Herr von Warren, Gmia? Wollen wir nickt lieber bei „Percy" bleiben, wie gestern?"
„Ich versetzte mich gestern wohl zu lebhaft zurück in die alte Zeit. Diese Art der Anrede ist vielleicht noch kindischer, als es sich für uns Erwachsene ziemt. Meinen Sie nicht auch?"
Er schisn das hohe Rot nicht zu bemerken, das ibr Antlitz überflog.
„Wie Sie wünschen, gnädige Frau," erwiderte er wie in leiser Enttäuschung. „Sie haben gewiß recht. Ich würde auch gestem es nicht gewagt haben, Sie so verttaulich anzureden, hätten Sie mir nicht selbst Mut dazu gemacht durch Ihre Herzlichkeit."
„Die ja dieselbe bleibt, gleichviel wie wir uns nennen."
Sie waren langsam abwärts geschritten und standen vor dem grünumsponnenen Pavillon.
„Ich denke, mein Mann wird gleich da sein, wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr von Warren?"
Er griff unwillkürlich nach einem auf dem Gartentische liegenden dicken Album und blätterte darin. „Sie zeichnen noch immer? Ah, wie hübsck! Und wenn ich recht sehe, ist eS ein Album aus Ihrer Mädchenzeit, in dem Sie nun auch trieft verewigen. Ist das nicht Ihre- Baiers
meister 15,09 Mill., im Durchschnitt 1338 M., auf i Gesellen 2,39 Mill., im Durchschnitt 339 M., auf I Fabrikarbeiter 5,48 Mill., im Durchschnitt 571 I M., auf Berg- und Hüttenarbeiter 9,52 Mill., im Durchschnitt 747 M., auf Dienstboten 6,09 Mill., im Durchschnitt 320 M., auf andere Handarbeiter 15,90 Mill., im Durchschnitt 798 M., zusammen bet 78 680 Einlagen 54,47 Mill., im Durchschnitt 692 M.
Rach Ansicht der Statistik werden die Guthaben der Handarbeiter seitdem noch bedeutend gesttegen sein, da die Einlagen der preußischen Sparkassen, die im Jahre 1883 noch nicht ganz 2 Milliarden ausmachten, bis Ende 1908 auf 9,57 Milliarden gestiegen sind. Wenn nun aber schon 1883 — wenigstens im Bezirk: Arnsb.rg — das Durchschnittsguthaben eines Einlegers aus dem Handarbeiterstande (einchlicßlich der Handwerksmeister) fast 700 M. betrug, so ist ohne weiter s klar, daß schon damals die Annahme, die Bücher mit mehr als 600 M. Einlage befänden sich im wesentlichen in den Händen der oberen Klassen, nicht zuttaf.
Der Kaiser in Wien.
Wien, 21. September.
Anläßlich des Besuches des Kaisers Wilhelm im Rathause legten das Rathaus und seine Umgebung Festschmuck an. Die Zufahrts- und die Äbfahttssttaßen sind von mächtigen Masten mit Goldknaufen flankiert, die Fahnen in den Farben der beiden Monarchien und der Stadt, sowie Kränze von Tavenreis tragen und durch Guir landen miteinander verbunden sind. Auf den, Platze vor dem Rathause erhebt sich ein Wald solcher Masten. Den harmonischen Abschluß der breiten Zufahrtsstraße bilden zwei mächtige, von Adlern gekrönte Obelisken, die die Statuen der Germania und der Austria tragen. Auf dem lau gen Wege vom Schönbrunner Schlosse bis Jir Stadt sind die Masten her elektrischen Straßenbahnen festlich geschmückt.
Bei der Ankunst des Kaisers, der die Uniform seines österreichischen Husaren-Regiments angelegt hatte, spielte die im Arkad-nhofe ausgestellte Kapelle der städttchen Rats- und Amtsdiener „Heil dir im Siegerkranz." Der Kaiser wurde am Fuße der Fefttreppe vom Bürgermeister, den Vizebürgermeistern und Schriftführern des Gemeinderats empfangen und in den Festsaal zur Estrade geleitet, während das Trompeterquattett des k. k. Hofoperntheaters unter Leiwng des Pro fessors Stigler einen Einzugsmarsch blies. Sodann ergriff Bürgermeister Dr. Reumayer das Wort zu einer Begrüßungsansprache, in welcher er der innigen Freude der Gemeindevertretung und der gesamten Bevölkerung Wiens über den Besuch Kaiser Wilhelms Ausdruck gab. Der Bürgermeister schloß mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser Wilhelm, in das die Versammelten begeistert cinstimmten.
Der Kaiser antwortete: „Mein verehrter Herr Bürgermeister! Meine Herren von der Stadtver- trehtng in Wien! Empfangen Sie meinen herz
Hand, die Ihren Ramm vorn auf das Titelblatt geschrieben?"
Sie nickte stumm.
„Sie sind fleißig gewesen, gnädige Frau; da haben wir ja das Winkelmann-Museum mit der Seitenwand der altehrwürdigen Kirche Sau Giusto und hier die prächtige Brunnengruppe!
Si- ist unvollendet —"
„Ich will sie nächstens beendigen."
„Welche Fülle von Ansichten? Sie zeichnen ost und gern?"
„Ich habe viel Zeit dazu, ich bin den Taz über allein. Man kann nicht immer Musik treiben oder lesen." ,
„Ihre Haushaltung nimmt Sie nicht tn Anspruch?"
„Sie ist sehr einfach. Es würde der Müh nicht lohnen, um meinetwillen viel Umstände zu machen, mein Mann aber kommt nur an Sonntagen zum Mttagstisch nach Hanse." Sie sah seinen staunend fragenden Blick und fügte rasch hinzu: „Der Weg, bis hier herauf ist wtrflick sehr weit. Rorring speist in einem Hotel nahe beim neuen Hafen."
„Und Sie zogen es nicht vor, lieber tn die Nähe des Hauses zu ziehen?"
„Mein Mann wünschte das nicht. Wir könnten ja auch leicht Pferd und Wagen halten, aber es ist ihm wohl so bequemer."
Sie fühlte fein Auge ernstforschend auf sich ruhen, das Gespräch war ihr peinlich, sie neigte sich mit über das Album, um ihn aus einen an- bem Gegenstand zu lenken. Warren hatte voll Interesse in dem Buche hin und her geblättert, jetzt überflog ein helles Lächeln sein Gesicht.
„Und das soll ich sein? Wahrhaftig ja! Da steht der Akademieschüler tot# er dmnals leibt und lebte, etwas idealisiert freilich, ich glaube nicht,
lichsten Dank für den großartigen Empfang, den Sie mir soeben bereitet haben, und für die freundlichen Willko mm en s g esinungen, die au- Am Worten des Herrn Bürgermeisters fprachen. Der Herr Bürgermeister hat soeben mir mitgetellt, daß die Stadtvertretung W Residenzstadt Seiner Majestät einstimmig den Beschluß gefaßt habe» einen Teil des RingS, den Parkring, nach mir zu benennen. (Heilrufe.) Es ist dies eine ganz auß-rgewöhnliche Ehmng für einen fremden Monarchen und ich bin auf das tieffte ergriffen, daß die Vertretung der Stadt Wien mich für würdig gehalten hat, in den Mauern ihrer schönen Stadt auch meinen Rarnen zu verewigen. Wenn ich den Sinn dieser außergewöhnlichen Huldigung richtig zu heuten verstehe, so lese ich einerseits daraus, daß sie ein Ausdruck sein soll der Freundschaft ttnb der Innigen Gefühle der Sympathie, die zwischen der Bürgerschaft der Stadt Wien und mir nun feit langem bestehen (neuer« llche Heilrufe), die sich überall kundgtbt in dem freundlichen Gruße, wenn Ich durch die Straßen fahr«, und in den blitzenden und steundlichen Augen der schönen Wienerinnm. Es find das Dinge, die ein Menschenherz bewegen und fesseln Zum anderen glaube ich aus Ihrem Beschlüsse herauszulesen, daß er das Einverständnis der Stadt Wien damit war, daß in ernster Zeit her Bnndesgenofls in schimmernder Wehr an die Seite Ihres allergnädigsten Hem sich gestellt hat. (Anhaltende brausende Heilrufe.) Es war dies ein Gebot der Pflicht und Freundschaft zugleich; benn das Bündnis Ist zum Hell der Weft in die Ueberzeugung und tn das Leben der beiden Völker als ein Jmponderablle übergegangen. (Stürmische Heilrufe.) Ich bitte Sie also, die Vermittler meines herzlichsten Dankes zu fein für diese außergewöhnliche Ehre an alle Mitbüger und Mitbürgerinnen. Aber die höchste Weihe wird diesem Beschlüsse dadurch ertült, daß er gefaßt werden konnte in dem 80. Geburtstagsjahr ihres erlauchten Landesherrn — dadurch wird für mich die Erinnerung noch inniger und schöner (Heilruse) — eines Landesherrn, den Sie tn Treue und Liebe verehren, zu dem mein Volk in inniger und warmer Verehrung herüberschaut, und zu dem ich als zu meinem väterlichen Freund emporblicke tn Ehrfurcht (stürmische Hetlruse). als zu dem Symbol der personifizierten Selbswen leugnung und Pflichterfüllung. Darum reiht sich meinem Dank an die Stadt Wien zu gleicher Zeit auch der Wunsch an, daß es dem Herrn gefallen möge, daß er Ihren heißgeliebten und hochverehrten Landesherrn noch lange erhalte (beget- fterte Zustimmung), damit unter seiner gesegneten Hand die Stadt sich wett r int Frieden entwickeln möge, und daß es Ihnen noch länger vergönnt sei, Ihre Huldigung tn Treue und Liebe ihm dar- bringen zu können. Allen Gefühlen, die mein Herz bewegen und die auch die Ihren durchfluten, bitte ick Sie Ausdruck zu geben, indem Sie mit mir einstimmen in den Ruf, daß her edle Landes- Vater, der vielgeliebte Kaiser, und König, der Herr dieser schönen Kaiserstadt, Gottes Segen noch lange auf sein Haupt herabfließen sehen möge, daß er und sein Haus und sein Land tn
daß sich mein Haar je so üppig gelockt, kann mich dessen w-nigstens nicht entsinnen?"
Auch Genia überkam es wie freundliche Erinnerung beim Anblick der jugendlich kräftigen Jünglingsgestalt, die da in militärischer Haltung, das Käppi auf den Locken, ihr von dem Blatte entgegensah.
„Aber hin," er hatte weiter geblättert, „nein, gnädige Frau, hier haben Sie denn doch Ihre Phantasie allzufrei walten lassen. Ich muß feierlich protestieren, einen solch 'n Bart habe ich nie getragen, weder früher noch jetzt."
Er blickte halb ftagend, halb belustigt zu ihr auf; eine plötzliche Blässe hatte ihre Wangen überzogen, sie wich fcheu f inern Blicke aus.
„Muß denn jede meiner Zeichnungen denselben Gegenstand behandeln? Es ist mein Mann, den Sie da vor sich sehen!" Die Worte sollten leicht scherzend sein, aber sie flangen gezwungen, Genias Hand bemühte sich, ein andres Blatt aufzuschlagen. Er wehrte dieselbe sanft ab.
„Wann zeichneten Sie dies Bild?"
„Ich war Braut, Rorring in Triest, ich hatte fein Bild nicht mehr genau vor mir, ich weiß, daß es nicht ähnlich ist."
Er sah ihre Verlegenheit und blätterte nach- bmklich weiter, nachdem er noch einmal prüfend die Sfizze betrachtet, bereit Züge und Gestalt so wenig an den Gatten der jungen Frau und so sehr an ihn selbst erinnerten.
„Jetzt aber kommen wir zu Ihren allerersten Versuchen I" fuhr Percy fort. „Es ist etwas Eignes um folch ein dreiblättriges Album, ein ganzer Lebenslauf fpiegelt sich darin. Blättern Sie oft in den alten Erinnerungen nach?"
„Fast nie, sie machen mich traurig."
„So wollen wir damit aufhören!'
„O nein, heute sehe ich sie gerne, ich bin ja nicht allein! Run, kennen Sie noch diesen langen.
Gottes Hand, in Gottes Schutz gestellt bleibe: i Seine Majestät der Kaiser und König, hurra, hurra, hurra!"
Die Versammlung stimmte begelfteri in den Ruf ein und brachte daun brausende, minutenlang andauernde Hoch- und Hurrarufe auf den Deusschen Kaiser auS; die Begeisterung war; überaus groß. Der Deutsche Kaiser reichte bem^ Bürgermeister bie Hand, der sodann dem Kaiser- die Bice-Bürgermeister und das Präsidium des' Gemeinderates vorstellte. Der Kaiser zog jeden, einzelnen der vorgestellten Herren ins Gespräch., Bürgermeister Dr. Reumayer lud nunmehr den- Kaiser ein, den Ehrentrunk zu nehmm. Gegen-, über der Estrade war eine Laube errichtet, in bet! der Kellermeister mit zwei Küfern in altdeutscher,' Tracht Aufstellung genommen hatte. In einem, goldenen Prunkbecher reichte der Kellermeister^ dem Kaiser den Ehrentrunk. Diefer nahm den, Pokal mit einigen Motten des Dankes entgegen und teerte ihn bis zur Neige. Unter abermaligen! Hochrufen begab sich Kaiser Wilhelm, begleitet- von den vorgestellten Herren, an der Seite des! Bürgermeisters durch die Sitzungssäle des Stadtrats und des Magistrats und durch das Bureau! des Magistratsdirektors, in den Gemeinderats«', sitzungssaal und durch diesen in die Waffenabtei-! lung der städtischen Sammlungen, wo das von) Professor Franz Maisch gemalte Bild besichtigt wurde. Der Kaiser verweilte einige Minuten in, der Bettachtung des Gemäldes und äußerte tote«, derhoft seine außerordentliche Befriedigung Über, die tteffendc Aehnlichkeil der Porträte und die, künstlerische Ausführung. Er gab auch wiederholt dem Professor Matsch gegenüber, der die Erklärungen gab, seinem Dank und seiner vollsten An«, erfennuttg über das ausgezeichnete Bild Ausdruck
Nachdem der Kaiser die Waffensammlungen durchschritten hatte, trug er aus Bitte des Bürgermeisters seinen Namen tn das Gedenkbuch ein. j Das Gedenkblatt und der Federkiel, mit dem der deutsche Kaiser schrieb, werden den städtischen Sammlungen einverleibt werden. Der Kaiser' ging nunmehr über die Feststiege, begleitet vom Gemeinderatspräsidium und der Suite zum Par-- lerre. Die im Arkadenhofer aufgestellte Magi-, sttatsdlenerkapelle spielte die deutsche Hymne.' Vor Verlassen des Rathauses wurde eine Photo-, graphische Aufnahme des Kaisers, umgeben vom Bürgerme'.ftcr und dem Gemcinderatspräsidium,! gemacht. Kurz nach i/2l Uhr bestieg Kaiser Wilhelm das Automobil und fuhr unter neuerlichen,- stürmischen Hosrusen der Festgäste zur deutschen, Botschaft, woselbst Botschafter v. Tsckirschky ein, Dejeuner gab. Die Menge vor dem Rathause und in den Sttaßen bereitete dem Kaiser stür- mische Ovationen. Das Wetter ist trübe.
Rach dem Frühstück bei dem Botschafter von Tschirschky begaben sich beide Majestäten im Automobil nach der Jagdausstellung. Kaiser Franz Josef trug preußische Uniform, während Kaiser Wilhelm die Uniform seines Husaren« Regiments trug. Vor dem Kinematographen-i (Heater erwartete der Präsident Fürst Fürstenberg, und der Generalkommissa: mil dem Komitee die,
alten Bekannten?" Genta deutete lächelnd auf) eine der Ansichten. ,
„Der Katzelsdorfer Kirchturm, in der Tat! Etwas aber haben Sie doch bei diesem Bilde vergessen Hier oben auf dem Turme müßte not«; wendig ein kleines Mädchen stehen, hellaufiauch«! zmd wie die dunkle Uniformjacke des Spielkameraden auf der Dorffttaße sichtbar wird." Percy hatte lachend einen Stift ergriffen und Heß in wenig Strichen ein kleines, neugierig s Köpfchen über den Rand der Galerie blicken. „Und da flattert auch Ihr Miisselinschürzchen als Freudensignal auf der Wetterstange; wissen Sie- noch, gnädige Frau, eines von jenen großen,! luftigen, Sie ganz verhüllenden Schürzchen, die Sie so sehr haßten, weil es nie möglich war, die-! selben ohne große Havarien von unfern Bergt-: ftreifereim zurückzubringen!'
(Fortsetzung folgt.)
Sommer ade!
Der Storch zog fort, die Sckwalbe flieht, Im Hag die letzte Rose blüht;
Es glüht der wilde Wein so rot, — Das ist des lieben Sommers Tob. Im Feld kein frohes Lied erklingt, Im Wald kein elnz'ger Vogel singt. Kein Sonnenstrahl, kein Himmelsblau, Kein Blümlein auf der weiten Au'! Horch, wie die Kirchturmfahne ächzt. Der Rabenchor in Lüsten krächzt! In tollen Wirbeln fliegt der Staub, Gemischt mit herbstgefarbtem Laub.
Im Tale wogt ein Nebelmeer, In Lüsten rast ein Wolkenheer, Es tropft und tropft von Busch und Baum — Ade, du kurzer Sommertraum!
Hermann Haase-Eelnhauseu.