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.Ich möchte ginge, wenn ich wollen*

Der Dr Kaiser

Novelle von Elise Otto, '(gortfefctmfl.)

wohl wissen, was es dich aw- Frau Norring hätte beobachten

Aber weißt du, was ich möchte?"

Run?"

Tanzen möchte ich ihn sehen, es muß komisch sein! Und mit mir muß er tanzen,

Deutsches Reich.

Kaiser i« Ungarn. Mohacs, 19. Sept begab sich gestern früh um 4 Uhr zur 9 Uhr wurde in dem Kapell nzimmer

worben. . __

Genia wußte Wohl, Warum sie es getan. War doch di^s das einzige Gesvrächsthema, das den Geist ihres Gatten lebhaft in Anspruch neh­mend und nach keiner Seite hin anstoßend an irgend einen der Wunden Punfte ihrer Ehe eine harmlose, nicht in Gleichgültigkeit oder Vec- bitterung endende Unterhaltung ermöglichte. Strindenlang saß sie ost in dem Arbeitszimmer Norrings, voll eingehenden Verständnisses mit diesem die Pläne beratend und prüfend, die et entworfen, das Für »mb Wider der Möglichkeit deI Gelingens des ganzen Bailes lekchast er­örternd. Dann meinte sie Wohl zuweilen, den t» sich gekehrten, düsteren Blick Herberts warm auf sich ruhen zu sehen, dann schwand die scharf« Linie um seinen Mund, die ihm ein so gealtertes,

Arm in den seinen und schritt mit ihm den Weg abwärts.

Gute Genia, wie steundlich sie mir di» Hand gab! Ach, daß ich Hände hätte wie sie schlanke, blasse Hände Hände, die nachts auf krankem Herzen ruhen!" Die Sprechende betrachtete miß­vergnügt ihre rundlichen, rosigen Finger.

9hm, nun so lange die deinen so feurige Küsse erhalten wie gestern abend beim Abschied von dem Oberleumunt"

Ricco, du fängst an, unausstehlich zu wer­den! Was geht mich dein Oberleutnant an?

Ter heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 76.

130000 Schweine aus Rußland. Von diesen Kontin­genten sind eingeführt worden aus Oesterreich-Un­garn 1908 1424 Stück, 1909 2033 Stück, 1910 im 1. Vierteljahr 350 Stück, seit dem 1. April 18 Stück, aus Rußland 1908 94 870 Stück, 1909 119 448 Stück, 1910 Januar-Juli 64 705 Stück. Es sind auch in die­sem Jahre von dem russischen Kontingent im 1. Halb­jahr rund 9500, im Juli 1883 und im August 2053 Stück nicht eingeführt worden.

Die Ursache für diese Gestaltung der Einfuhr lebenden Viehes, soweit sie gestattet ist, liegt in dem Verhältnis der Preise für lebendes Vieh im Aus­lande. Wie die aus den Nachbarländern erschallen­den lebhaften Klagen über Vieh- und Fleischteue­rung beweisen, trifft die Behauptung von dem b i l - ligen Auslandsvieh keineswegs zu, die Preise find auch dort in den letzten Jahren stark ge­stiegen, zum Teil erheblich mehr als in Deutschland.

Wie wenig geeignet die Gestaltung der Preise im Auslände für eine Begründung der Forderung nach weiterer Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr le­benden Viehes ist,, beweist auch die Entwickelung un­serer Fleischeinfuhr. Trotz der Steigerung der Fleischpreise im Inland« in diesem Jahre ist die Einfuhr von Fleisch und Fetten im allgemeinen stark zurückgegange n."

DieNordd. Allg. Ztg." schließt:Diese Angaben über die Entwickelung der Vieh- und Fleischeinfuhr lassen erkennen, daß eine weitere Oeffnung der Gren­zen als ein geeignetes Mittel zur Verbilligung der Fleischversorgung nicht anerkannt werden kann, und daß nur eine Sicherung der Fleischerzeugung im In­land« eine ausreichende und preiswerte Fleischver­sorgung der Bevölkerung auf die Dauer gewährlei­sten wird."

Marburg

Mittwoch, 21. September 1910.

] Unterdessen saß Genia, vetck-nst in das Stu­dium eines dickleibigen Buches, in dem kleinen, jvon weinumrantten Wänden gebildeten Pavil- hoH tief unten am Ende des Gartens. Dem ------------ . -

offenen Plätzchen unter den Olivenbäumen traute menschenfeindliches Aussehen hat. (Forff. folgt.)

früh um 5 Uhr. Die Abreise erfolgt heute Abend.

Keine Monarchenzusammenkunft. Köln, 16. Sept. DieKöln. Ztg." berichtet aus Berlin: DerFrankfurter Zeitung" wird aus Kopenhagen telegraphiert, daß eine Begegnung der Kaiser von Deuschlanb und Rußland und des Königs von England in Wiesbaden geplant sei. Sie solle der Sicherung des Friedens dienen. Hier ist von einer solchen Begegnung nicht das min­deste bekannt, und es scheint fif; um die Aufwär­mung eines schon früher verbreiteten, damals so­gleich als falsch bezeichneten Gerüchts zu handeln. Damals tvar Hon,bürg als Ort der Zusammen­kunft angegeben."

Ein kaiserlicher Jagdgedenkstei«. Im Auf­trage des Kaisers ist nach einer Meldung Ber­liner Blätter in der Schorfh ide ein Deufftein au der Steve gesetzt worden, wo der Kaiser den 300. Hirsch erlegte. Der Stein erhielt in golde­nen Lettern unter einer Kaiserkrone die In- schrist:D-r 300. jagdbare Hirsch in Grimmitz. 14. 10. 09. Wilhelm II." Dieser Gedenfftein ist nicht der erste seiner Art. Der Kaiser hat, wie bekannt, auch früher schon seine Tageser­folge in ähnlicher Weise durch Inschriften ver­ewigen lassen.

Der Reichskanzler. Berlin, 10. Sept. Der Reichskanzler ist in Berlin eingetroffen.

J«r Ostasienfahrt des Kronprinzen. Pots­dam, 19. Sept. Im Gefolge der Frau Kronprin- zesstn, die ihren Gemahl aus der Reise nach Ost asten bis Cevlon begleitet, befinden sich: Ober. Hofmeisterin Freifrau von Tbiele Winckler, Hof­dame Gräfin Grote, Hosmarschall Bismarck- Bohlen und Kammerjunker von Behr. Die Ab­reis.- der kronprinzlichen Herrschaften erfolgt vor­aussichtlich in den ersten Tagen des November m>t einem Dampfer des Rordedutschcn Lloyd von Genua.

Die Feierlichkeiten in Karlsruhe. Karls­ruhe, 19. Sept. Der König von Württemberg wird an den badischen Hofsestlichkeiteu nicht teil­nehmen, dagegen trifft die Königin heute Nach­mittag 5 Uhr 17 Mtn. hier ein. Mittwoch Vov- mittag werden lausend Bürgermeister der Land­gemeinden und mittleren Städte im Zuge nach be- großherzoglichen Schlosse marschieren, um

nicht, daß die jungen Triestinerinnen ihre Nach­barn so scharf beobachten!" Hätten mich Genias Augen nicht fo flehentlich gebeten, ihn nicht wei­ter zu reizen, ich hätte ihm schon zu antworten gewußt!"

Das glaube ich! und du wirst ihn wirklich auffordern*

Ich suche den Wehrwolf in seiner Höhle auf!"

Und wirst nichts erwähnen von von dem Observatorium?"

Wenn du versprichst, mich mit dem Ober­leutnant in Ruhe zu lassen, nein! Aber jetzt, Ricco, nmß ich hinauf, schnell hinauf, steh nur, wie ich noch aussehe!"

Er blickte lächelnd auf ihren fliegenden Mor­genmantel.Nun, deinem Verehrer von gest rn würdest du vielleicht auch fo gefallen; er sagte sich ja wohl für heute vormittag an nicht?"

Hast du mir nicht versprochen"

Freilich hab's ich! Aber nun geschwind, Kleine, ich höre wirklich Sporcnllirren auf der Straße husch hinein, sonst läustst du ihm in der Hausflur just in die Anne!"

Ricco, Ricco, der Krimstecher!" Die Davon eilende drohte schelmisch lachend zurück, flog die breiten, zum Hause emporführenden Stein­stufen hinauf und verschwand in dem schattigen

mir kurzem Irrwisch!"

Bin neugierig zu erfahren, wie d»t das

stelle« willst, jetzt im Sommer!"

Laß mich nur machen! Mr müssen nächstens alle ein kleines F st veranstalten. Sie müssen

sie heute nicht mehr recht. Der hinter der Rachbar­mauer verschwindende Kops des jungen Donato hatte ihr zu denken gegeben. -

Augenblichlich aber war sie mit all ^rcn Ge- danken bei den Schotter-Böschungen, Schlamm- Baggerungen und Kvklopen Svstemen, von denen sie las.

Es war dies nicht das erstemal, daß ste sich in derarttge Werke über Hafenbautcn vertiefte; und wer sic so dort sitzen gesehen in dem grünen Rasen von W-inlaub und Myrtengcbüsch, den zarten, feingebauten Körper leicht vorgenetgl, die weiße Hand vergraben in dem braunen Haar, bc/ tiefschattend über das bleich«, wundervolle Oval des Gestchts hing, der hakte wohl kaum geahnt, welchen Schatz positiver Kenntnisse sie nach dieser Richtung hin sich binnen kurzem en

Die Fleischteuerung 1910.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht die amt« kichen Unterlagen, die zu der bekannten Stellung- »ahme des Landwirtschaftsministers geführt haben.

Zunächst kontrolliert sie die Viehpreise und kommt zu dem Ergebnis, daß eine außergewöhnlich starke Steigerung danach nur die Kälberpreise aufzu­weisen haben.Auch die Preise für Rinder und Schafe find insbesondere im Vergleich zum Vorjahre zwar stark gestiegen, doch sind in den Jahren 1906 und 1907 teilweise gleich hohe, teilweise noch höhere Preise hierfür gezahlt worden. Während aber in diesen letztgenannten Jahren nicht nur die Rinder-, Kalb- und Hammelpreise, sondern gleichzeitig auch die Schweinepreise sehr hoch waren, sind in diesem Jahre die Schweinepreise ganz erheblich billiger ge­worden und der Abschlag gegen die Vorjahre vergrö­ßert sich bei diesen von Monat zu Monat. Mit Rück­sicht darauf, daß rund 50 v. H. unseres Fleischkonsums aus Schweinefleisch besteht und gerade die ärmere Bevölkerung in der Hauptsache von Schweinefleisch lebt, kann daher auch in der Entwicklung der Vieh­preise eine Gefährdung der Volksernährung nicht er­blickt werden, denn der Preis der Schweine kann als ungewöhnlich hoch nicht bezeichnet werden."

Nachher werden die Meldungen über die F l e i s ch - preise unter die Lupe genommen:

Es läßt sich aus dieser Zusammenstellung die Tatsache doch deutlich erkennen, daß im Jahre 1910 von Monat zu Monat eine Steigerung der Preise für Rind-, Kalb-, Hammel- und Schweinefleisch in immer zahlreicheren Orten und auch in immer zuneh­mender Höhe stattgefunden hat.

Berücksichtigt man diese Entwicklung der Fleisch­preise, so kommt man der Entstehung der vie­len Klagen über die außerordentliche Steigerung der Fleischpreise näher, denn es melden sich naturge­mäß nur die mit den hohen Steigerungen betroffe­nen Orte und daher die bald aus diesem, bald aus jenem Orte in der Presse gemeldeten Klagen über Fleischteuerung, die dann sofort verallgemeinert werden. Hierzu kommt noch der sehr wesentliche Um­stand, daß die Statistik der Fleischpreise die Preise für die L u x u s st L ck e, Filet, Schnitzel, Fricandeau, Karbonade usw., nicht in den Kreis ihrer Feststel­lungen gezogen hat, daß aber gerade in den größeren Städten diese Stücke besonders begehrt werden und daher die Preise hierfür noch ungleich mehr gesteigert worden sind, als bei den sonsttgen Stücken.

Zum Schluß wird die Oeffnung der Gren­zen besprochen.Die Grenzen sind bereits geöffnet für die Einfuhr von Schlachtrindvieh aus Oesterreich-Ungarn und Dänemark. Die Grenzen find weiter geöffnet für die Einfuhr von lebenden Scha­fen aus Oesterreich-Ungarn, Dänemark und Amerika. Die Grenzen find endlich geöffnet für die Schweineeinfuhr aus Amerika sowie für 80 000 Schweine aus Oesterreich-Ungarn, für rund

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und.Fandwirtschaftlich« Beilage.

Jagd. Um

des Jagdschlosses Messe abgehalten, der Erz- herzog Friedrich mttFamilie beiwohnten. Um 11 Uhr war in dem vor der Burg aufgeschlagenen Zelt evangelischer Gottesdienst, an dem Kaiser Wilhelm mit Gefolge und Erzherzog Friedrich mit Familie teilnahmen. Rachmittags begab sich der Kaiser abermals zur Pürsche, ebenso heute

O nicht viel, nur werde ich mir heute noch ebenfalls ein Observatorium «inrichten und mich kn Herrn Norring verlieben!"

Ein schallendes Gelächter tönte zu ihr herauf, die geballten Hände Riccardos fuhren aus den Hosentaschen, die Falten auf seiner Stirn waren verschwunden.O, du heilige Einfakk, und da­mit drohst du mir Ja, wenn du dadurch deinen langbeinigen Oberleutnant von Settensprüngen abschrecken wolltest, aber mich?"

Lucietta war sehr rot geworden, der Ast, auf dem sie saß, schwankte bedenklich.

Mein langbeiniger Oberleutnant? Ich weiß natürlich gar nicht, von wem du redest! Dir aber, Riccardo, wär« es ganz gleichgültig, wenn ich mich in einen Mann verliebte?

In Herrn Norring? Ja, das würde mich Außerordentlich kalt lassen," er lachte noch einmal -hell auf.Aber man muß sich wahrhafttg den jHals verdrehen, um mit dir zu konversieren. Komm' nur wieder herunetr, Kleine, ich tue dir nichts mehr!"

3ftS schon vorbei? Das ist gescheit!" Sie mnfaßte den Ast mit beiden Händen und hing bi der Luft, er hob sie herab und setzte sie sorg­fältig auf die Füße. Zutraulich legte sie ihren

(Nachdruck eeiboten.)

Seelenkampfe.

alle tanzen, alle, Warren und Amberg, Norring und Genia!"

Ah, auch Norri»rg, der ja unlängst so wunderbar galant dir gegenüber gewesen?"

Ich hätte ihn vergiften mögen! Unser Klavier stand zufällig offen, ich bat ihn, etwas zu singen.Ich singe nte!" behauptete er so kühl ablehnend, daß ich trotzig erwiderte:O doch, Herr Norring, Sie haben gesungen, und zwar einen ganzen Winter hindurch, damals als Sie drüben die Wohnung einrichteten!" Ich sehe ihn noch vor mir, wie er, den dunklen Schatten ans der Sttrn, die Lippen feindselig zusammenknet- send, entgegnete:Jedenfalls ahnte ich damals

schärfste Mißbilligung aus. Der Parteitag erklärt weiter die Teilnahme an höfischen Zeremonien und monarchischen Loyalitätskundgebungen für unverein­bar mit unsern sozialdemokratischen Grundsätzen und macht den Parteigenossen zur Pflicht, solchen Kund­gebungen fernzubleiben."

Morgen wird Bebel an erster Stelle über die ba­dische Budgetbewilligung referieren. Wenn der Vor­stand seine Resolution aufrechterhält, dürfte es zu schweren Auseinandersetzungen kommen.

Sozialdemokratischer Parteitag.

Magdeburg, 19. Sept.

Die erste Sitzung des Sozialdemokratischen Partei­tages nach seiner Konstituierung am gestrigen Be- grüßungsabend wurde heute Vormittag nach 9 Uhr durch den Vorsitzenden Verlagsbuchhändler Dietz (Stuttgart) eröffnet Er verlas zunächst eine große

Reihe von Begrüßungstelegrammen, darunter auch von ausländischen sozialistischen Organisationen, und begrüßt dann die Vertreter der ausländischen Vru- derparteien, darunter Keir Hardie (England), Sme- tec (Prag). Schrammel (Wien), Stauning (Kopen­hagen). Von allen den ausländischen Vertretern werden Ansprachen an den Parteitag gehalten, die sämtlich in das hohe Lob der deutschen Sozialdemo­kratie ausklingen, die vorbildlich für die Parteien aller Länder geworden sei. Keir Hardie weist ins­besondere darauf hin, daß alle Namen des Sozialis­mus deutschen Ursprunges sind: Lassalle, Marx, Engels, Liebknecht, Bebel. Die englische Arbeiter­partei habe sich immer für die Abschaffung des See­beuterechts, diese legalisierte Seeräuberei, eingesetzt. Sodann erstattete Abgeordneter Pfannkuch den be­reits bekannten Geschäftsbericht. Anstelle des er­krankten Parteisekretärs Eerisch erstattet Partei­sekretär Ebert den Kassen- und Pressebericht. Der Kassenbericht wird als günstig bezeichnet und Ver­wahrung gegen die angeblichePumpwirtschaft" der Sozialdemokratie eingelegt. Der Bericht über die Presse weist aus, daß die Partei jetzt über 76 Tages­blätter verfügt. Hierauf gibt Kaden (Dresden) den Bericht der Kontrollkommission, einer ArtHänge- kommission", an die sich die ausgeschlossenen Mitglie-

gebühr beträgt für Inserenten aus dem gsgebi« des Blattes für die 7ge^alten« " ~ :tige Inserat« 20 .3,

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- -- cch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21), 2.W X (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt dre Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

der der Partei wenden, wenn sie glauben, daß fie zu Unrecht ausgeschlossen worden seien, und die anfi Über sonstige Streitigkeiten innerer Natur zu Eerrcht zu sitzen hat. Es werden hierauf von den verschiede­nen Redner die zu den bereits besprochenen Punkten vorliegenden Anträge begründet. Nach langer De­batte wurde die Absttmmung vorgenommen. Ein Streitfall Eeck-SLßttnd, ersterer aus Offenburg, letz­terer aus Mannheim, wird der Beschwerdekommis­sion überwiesen. Bei der Absttmmung gab das Bureau der Meinung Ausdruck, daß die Majorität der Versammlung diese Entscheidung wünsche. Eine Gruppe um Rosa Luxemburg hatte Zweifel, auf wel­cher Seite die Majorität sei. In die Stille hinein fiel plötzlich mit tiefer Stimme der Ausruf eines württembergischen Delegierten in unverfälschtem Dialekt:Die Rosa muß da wieder neistänkere". (Gr. Heiterkeit.) Die Anträge auf Schaffung einer Mon­tagsausgabe desVorwärts" und einer sozialistischen Modenzeitung werden dem Vorstand überwiesen, fer­ner ein Antrag Essen auf Herausgabe einer Broschüre über die sozialpolitischen Gesetze und eines politischen Handbuchs. Parteisekretär Müller (Berlin) refe- rie-te iodann über die Maifeier, indem er eine Ge­schichte der Feier gibt. Eine Diskusston fand nicht statt, da sich niemand zu Wort gemeldet hatte. Reichs­tagsabgeordneter Fischer referierte über den Inter­nationalen Kongreß in Kopenhagen. Er rühmt dabei die Erfolge der dänischen Genossen; zwei Bürgermei­ster von Kopenhagen und die Hälfte der Stadtver­ordneten seien Sozialdemokraten (Abg. Müller-Mün­chen ruft: Das sind Revisionisten! Er. Heiterkeit). Der Referent macht den Franzosen und Engländern den Vorwurf, daß fie wohl für weittragende Be­schlüsse zu haben seien, aber bei der Durchführung total versagten, z. B. bei dem großen Ausstande in Schweden. Der Abgeordnete Pens (Dessau) emp­fiehlt, um die Internationalen Kongresse verhand- lungsfähiger zu machen, sein altes Steckenpferd, die Weltsprache" Ido. Fischer erstattete auch noch den Bericht der Mandatsprüfungskommission. Es find insgesamt 380 Delegierte anroesend, darunter 18 Frauen. Das Mandat von Rosa Luxemburg bean­tragt die Kommission für ungiltig zu erklären, da es nicht auf rechte Weise erworben sei. Abg. Stadt­hagen warnt vor der Formalitätsklauberei bei Kom­mission. Das Mandat wird auch wirklich für giltia erklärt. Daraus wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt. Großes Interesse erregte unter den Delegierten die Resolution des Parteivorstandes be­treffend die Verweigerung des Budgets. Sie hat felgenden Wortlaut:Der Parteitag bestätigt die Beschlüsse der Parteitage zu Lübeck, Dresden und Nürnberg, die von den sozialdemokratischen Vertre-- tern eine grundsätzliche Ablehnung des Eesamtbud- gets sowohl im Reiche wie in den Einzelstaaten for­dern, weil dies« Staaten Klassenstaaten sind, die auf der Klassenherrschaft beruhen und die Aufgabe haben, die bestehende Eigentumsordnung an den Produk­tionsmitteln und die Ausbeutung des Arbeiters durch den Kapitalisten mit allen Mitteln auftechtzu- erhalten. Der Staat kann daher den ausgebeuteten Klassen wohl notgedrungen mit kleinen Konzessionen, aber nie mit grundlegenden sozialen Umgestaltungen in der Richtung der Sozialisierung der Gesellschaft entgegenkommen. Der Parteitag erblickt deshalb in der Bewilligung des Budgets durch die Mehrheit der sozialdemokratischen Abgeordneten des badischen Landtags eine bewußt herbeigeführte grobe Mißach­tung der wiederholt als Richtschnur für ihre parla­mentarische Tätigkeit gefaßten Parteitagsbeschlüsse und eine schwere Verfehlung gegen die Einheit der Partei, die nut cmfrecherhalten werden kann, wenn alle Parteimitglieder sich den Beschlüssen der Partei­tage unterordnen. Die Mißachtung von Parteitaqs- beschlüssen ist eins der schlimmsten Vergehen, dessen sich ein Parteigenosse gegen die Partei schuldig ma­chen kann. Der Parteitag spricht infolgedessen den sozialdemokratischen Abgeordneten, die im badischen Landtag das Budget bewilligt haben, die aller-

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