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Hochschulnachrichten.

* x Halle a. L, 16. Sept. Man schreibt »ns: Der Kirchenhistoriker ord. Proftssor Dr. theol. et phll. Friedrich Loofs an der Universität Halle a. 6. wurde zugleich zum Konsistorialrat und Mrtgliede des Kon- fistoriums der Provinz Sachsen im Nebenamts er- «nut; gleichzeitig wurde ihm der Charakter als Ge­heimer Konsistorialrat verliehen. Zm Magdeburger Konsistorium wird Loofs Nachfolger des am 19. Fe­bruar 1910 verstorbenen Geh. Konfistorialrats Prof. Dr. E. Haupt.

' X Straßburg i. E., 16. Sept. Die .Straßburger Post" meldet aus Freiburg i. Br.: Der Professor der Mathematik an der dortigen Hochschule, Dr. Jakob LSroth, ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Der Verstorbene war ein geborener Mannheimer.

Kunst und Wissenschaft.

Der Radtumforscherin Fra« Tur le und Ihre« Mitarbeiter Debierne in Parrs ist es derUmschau" zufolge gelungen, das Radium, das man bisher nur "in Verbindungen, vorzugsweise mit Chlor und Brom, kannte, metallisch herzu­stelle«. Die Isolierung des Radiums erfolgte durch elektrolytische Behandlung eines Dezigrammen Ra­diumbromid. Auf diese Weise wurde zunächst ein Amalgam gewonnen, aus welchem durch Destillation das reine Metall ausgeschieden wurde. Cs hat eine silberweiße glänzende Farbe, die an der Luft rasch ins Schwarze übergeht. Sein Atomgewicht ist 206. Die bisher bekannten Eigenschaften des Radiums wurden in verstärktem Matze konstatiert; mit Papier in Berührung gebracht, verbrennt es dieses, Wasser zersetzt es noch stürmischer als metallisch Kalium. Da, tu geringen Menge» gewonnene Metall wurde in einer lustdrchten Glasröhre verschlossen.

Unpolitische Tagesnachrichten.

Explosion beim Bau einer Kanalisation. Löbschütz, 16. Sept. Bei der im Bau befind­lichen Kanalisation fanden in vier Einsteigeschäch- teo heftige Explosionen statt. I« der Rühe be. .findliche Personen wurden durch den Luftdruck zu Boden geschleudert uud dis Fensterscheibender nahe gelegene« Häuser zertrümmert. Einige Kinder erlitten Brandwunden. Die Emsteige- schächte sind völlig zerstört. Es wird angenom­men, daß Gas in die Tonrohrkanäle gedrungen und dort zur Explosion gelangt ist.

Ausschreitung e« streuender Werftarbeiter .Hamburg, 16. Sept. In dem Hafengebtet kam es, als Arbeitswillige dir Werkstatt ver­ließen, zu ernsten Ausschreitungen streikender Werftarbeiter. Zwanzig bis dreißig Streikende 'fielen über die Arbeitswilligen her. Einer der Beteiligten wurde schwer verletzt ins Kranken ^haus gebracht. Drei Haupttäter wurden ver- hafiet.

; Paffagierfahrt desP 6". München, 16. Sept. Das Luftschiff ,P 6* unternahm heute sRac^nittag unter der Führung des Oberleut­nants Stelling eine Fernfahrt nach Chieffee. Rach einer Schleifenfahrt über Prien «nd nach einem Besuch von Herrenchiemsee nebst Frauenlnsel überquerte das Luftschiff die ganze Breite des Sees, fuhr bis Trauenstein und kehrte dann über Wasserburg nach Mümhen zurück. Die ganze 200 Kilometer werte Fahrt dauerte 4^ Stunden und ist durchaus glatt verlaufe«, obwohl strecken­weise eine starke vertikale Lustbewegung, Rebel­böen und Wirbelwinde herrschte«.

, Ein Ehcdrama. Chemnitz, 16. Sept. Wie dieReuest. Rachr." melden, erschoß heute Rach- 1 Mittag in der vierte« Stunde der Restehändl r Schreitet seine Ehefrau, seine Stieftochter und sich selbst. Schreiter lebte mft seiner Frau in Scheidungsklage.

Die Katastrvphe de«£ Z 6". Baden Oos, 16. Sept. Die behördliche Untersuchung der Katastrophe desL Z 6" konnte auch heute nicht zu Ende geführt werden, da die Staatsan­waltschaft in Karlsruhe, die ihrerseits gleichfalls .Erhebungen macht, noch nicht in Oos einge­troffen ist.

Das LuftschiffErsatz DentsMand". B a d e n- O o s, 16. Sept. Ende Oktober wird das Luft­schiffErsah Deutschland" auf der Fahrt von .Friedrichshafen nach Düsseldorf hier eintreffen mnd einige Tage in der hiesigen Lustschiffhalle 'stationiert werden. Bom Mai nächsten Jahres an soll dann das Luftschiff länge« Zeit in Oos verbleiben.

Die Cholera. Budapest, 16. Sept. Die bakteriologische Untersuchung ergab heute sechs Fälle von Cholera asiatiea. nämlich in Erefi zwei und je einen in Szegszard, Gran, Mohaes und Szoenh. Bei insgesamt 38 Fällen ist die baft teriologiscste Untersuchung beendet, die in 21 Fällen Cbolera asiatico ergab. Rom, 16. Sept. Während der letzten Stunden find in Apulien 9 Erkrankungen an Cholera «wb 5 Todesfälle vorgekommen.

Vom Abgeordnete« Köhler-Langsdorf al« Automobjlstind. Darmstadt, 15. Sept. Der Abgeordnete Köbler-Langsdorf setzt seinen Kampf gegen die Automobile mit unverminder­ten! Eifer fort Nachdem er erst vor kurzem die geharnischte Erklärung gegen die «Zehn Gebote" »es Darmstädter AutomobilNubs erlassen hatte, wendet er sich jetzt mit einer Eingabe an die «weite Hessische Ständekammer in der es heißt: «Zwei schauderhafte Mordtaten hat in letzter «eit der Automobilsport in Hessen zu verzeichnen, een Auwmord von Obermörlen «nd den Auw nord von Dietzenbach. Beim Mord von Ober- nörlen fuhren die Insasse« des Mordfahrzeugs rach vollbrachter Tat betoon Letzen das arme

Opfer ohne weiteres in seinem Blute liegen. Die Folge wär, da niemand Hilfe brachte, daß der Ueberfahrene sterben mußts. Zwar wurden nachher Verhaftungen vorgenommen, jedoch wurde die Untersuchung gegen den amerikanischen Chauffeur Zetel, welcher damals dm Müllers­sohn Krämer auf der Landstraße totfuhr, mangels genügender Schuldbeweise eingestellt und Zetel gegen die Zurückgabe seiner «mitte* von 5060 auf freien Fuß gesetzt. Er hat es aber vorgezogen, nach seiner Haftentlassung schleunigst zu verschwinden.....Es erscheint

als höchste Pflicht des wahren Volksfreundes, nicht feige zu schweigen, sondern von der Wahr­heit zu zeigen und Gerechtigkeit zu hatten. Darum frage ich die Großherzogliche Regierung: Welche Waßnahmm hat sie getroffen, um dem mörde­rische Tretbm der sogenanntm Auto,exen Em- halt zu tim?.....Hat die Großherzogliche

Regierung davon Kenntnis, daß man im Volke draußen der Meinung ist, daß die «mtlichm Stellen im Lande ben wegen ihrer hohen Protek­tion schwer angreifbaren Automobilisten gegen­über in einer gewisse« Befangenheit sich befän­den?" Die Erörterung der Eingabe in der zwei­ten Kammer dürfte sich äußerst interrssant gestalten.

Vermischtes.

Auf die Gefahren der A beutung de« Reife- publikum« in Italien durch betrügerische Kunst­händler macht der Kaiserliche Konsul in Florenz in folgenden Ausführungen mifmerksam: Nach­dem dem Export antiker Kunstwerke von feiten der Regierung immer mehr Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden und der Bestand der­selben auch immer mehr abnimmt, find in Florenz selbst in großer Anzahl Kunsttverkstätten ent­standen , in welchen meisterhaft imitierte alte Gegenstände angefertigt werden, besonders in der Herstellung alter Möbel und Rahmen haben es die hiesigen Handwerker zu einer ungewöhn­lichen Meisterschaft gebracht Altes wUrmftichigeS Holz ist ei« gesuchter, gut bezahlter Handels­artikel geworden. Leider werde« derartige Fabri­kate immer mehr als wirNich alt angeboten und stark überzahlt; und erst später stellt sich der Be­trug heraus. Reklamationen, auch Wenn mit Intervision des Konsulats eingebracht, haben im besten Falle den Erfolg einer geringfügigen, in keinem Verhältnis zu der Neberforderu.'.g stehenden Rückvergütung auf den meistens schon im voraus bezahlten Kaufpreis. Der Verkäufer beruft sich in allen vorgekommene« Fälle« darauf, daß auf der Rechnung nichts vongarantiert alt" oderantik" bemertt worden sei, daß der Preis den Liebhaberpreis eines Kunstgegenstandes vor­stelle usw. Mündlich ist jedoch die Echtheit mit allen Beteuerungen versichert worden. Ein von Antiquaren viel angewendeter Tritt um Kauf- llebhaber ine zu führen, ist der, sie in irgend einen alten Palazzo zu führen und dort Kunst- gegenftänbe vorzuzeigen, welche eine altadelige Familie diskret zu verkaufe« suche. Es ist nicht genug zu warnen vor den Betrügerei««, welche in diesem Handel stattfinden.

Die pfeifende« Dienstmädchen. Dienstmädchen könne« pfeifen und auch bei offenem Küchen­fenster Fleisch klopfen, so hat das Landgericht ent­schieden. Ein Hauswirt hat gegen eine« Mieter wegen Verstoßes gegen die Hausmdnung und vertragswidrigem Gebrauche der Mietsrämne hn Sinne des § 550 B.G.B. geklagt, weil das Dienst­mädchen des Bettagten Fleisch in ruhestörender Weise Nopfte und grell pfeife. Der Kläger batte ober kein Glück, er wurde mit seiner Klage abge­wiesen. Das Gericht War der Ansicht, daß Dienst­mädchen auch bei offenem Fenster in der Kirche singen und pfeife«, auch Fleischklopfer dürfen Das kann nett werden!

Derverlobte Tag" von Flörsheim. Wie man derFranks. Ztg." mitteilt, wurde vor einigen Tagen in dem rechtsmaimsche« Martt- flecken Flörsheim derverlobte Tag" gefriert. Es ist dies ein Sühne- und Dankfest, das fett 1666 alljährlich gefeiert Wird. Damals trat die Pest in schrecklichuc Weise auf und forderte un­zählige Opfer. Da «ahm man in Flörsheim zu frommen Hebungen Zuflucht und gelobte, auf ewige Zeiten,so lange in Flärsheim noch ein Stein auf dem andern steht" den zur Abwendung der Pest erbetenen Tagfeierlich und andachts­voll" zu begehen. Und so geschieht es denn mich in jedem Jahre.

Imme, schneidig elegant. Emern Herrn in Zwickau war ein Sparkassenbuch über 3000 Mark gestohlen worden und als die Diebin wurde die 21 jährige Richte des Bestohlenen erntitteö. Das Fräulein fand man in höchst seltsamer Si­tuation auf. Sie hatte sich als junger flotter Herr verkleidet und in Zwickau ein Caf^ besucht. Die Art, wie sie ihr Mer tränt und sich eine Zigarette anzündete, fiel einem Kriminalbeamten auf. Er beobachtete d «Kavalier" genau und kam zu der Ueberzeugung, ei« verkleidetes Mädchen vor sich M haben, wodurch der Diebstahl hcrauska«.

Ausrede. Obstpächter: "Heda, mein Junge! Was tust du denn da droben in meinem Apfel­baum?" Junge:Ein Apfel war vom Baum gefallen, «nd den binde ich wieder fest!"

Letzte Nachrichten.

Berti«, 17. Sept. Unter Choleraverdacht wurde gestern Nachmittag ein Mjöhriger Arbeiter Henkel in das Rudolf Virchow-Kranknchaus ge­bracht. Er war mit polnischen Arbeitern auf dem Lehrter Bahnhofe angekommen und alsbald so schwer erfranft, daß ein Schutzmann ihn nach der Charite schaffe« mußte. Dort erachteten die Aerzte Choleraverdacht für vorliegend und ord­neten ferne Ueberführung nach dem Rudolf Virchow-Kraukenhause an.

Berlin, 17. Sept. Auf dem Flugfelde Mars bei Brandenburg flog gestern der deussche Aviati­ker Grade mit feinem neuerdings verbesserten Zweitaxmotor 64 Minuten SO Sekunden. Rur die eintretende Du^elheit zwang ihn zur Lan- dung.

Eisfeld, 17. Sept. Das Manöverkriegsgericht in Eisf ld verurteilte einen Sergeanten vorn 7L Jnß-Regiment wegen Soldettemnißharedkung in 99 Fällen zu einem Jahr drei Wochen Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere.

Wie«, 10. Sept, Wie die ,Meue freie Presse" aus Innsbruck meldet, erweist sich die passive Resistenz anf der Eiidbahn bereits als ziemlich erfolgreich. Cs werden Zugverspätungen bis zu 3 Stunden gemeldet. Um den Anschluß nach Deutschland einzuhalten, wer­den Vorzüge abgelaffen; namentlich der Frachtenver- kehr ist sehr behindert.

Budapest, 17. Sept. Im Zentrum der Stadt Budapest M^zte gestern beim Abbruch eines alten Hauses dis Giebelwand des ersten Stockes ein und begrub mehrere Arbeiter und Passanten un­ter sich. Bis zum späten Abend wurden 8 Tote und zwei Schwerverletzte geborgen.

Madrid, 16. Sept. Der Kriegsminister beauf­tragte den gegenwärtigen in Berlin weilenden Mili­tärarzt Angel Morales, sich nach Frankfurt a. M. zu begeben, um das Heilmittel Hata 606 zum Zwecke der Anweicknng in der spanischen Armee zu studieren.

London, 16. Sept. Prinz Heinrich von Preußen ist heute Abend von Schloß Valmoral abgereist.

Athen, 16. Sept. Im Lause der Zwischen­fälle die sich, wie bereits gemeldet, in der heu­tigen Sitzung der Nationalversammlung ereig­neten, wurden einige Deputierte handgemein, was zu lang andauerndem Tumult führte. Nach­dem die Ruhe Wiederherges' :llt war und Minister­präsident Dragumis unter lebhaftem Beifall seine Mißbilligung über den Fall ausgesprochen hatte, wurden zwei Anttäge angenommen. Der eine von dm Anhängern der Verfaffunggsreviston ausgehend besagt, daß die auf gesetzliche Weise gebildete Nationalversammlung ihr Recht be­stätige, die nichtgrundlegenden Bestimmungen der Verfassung zu revidieren und ihr neue zuzufügen. Der andere Antrag, der von den Deputierten ausging, die der Nationalversammlung konsti­tuierenden Chatatter zuerkannt haben wollen, er­klärt, die Nationalversammlung sei in Ausfüh­rung ihres Souvernitätsrechtos zur Ableistung des Eides nach Art. 69 der geltenden Verfassung bereit. In der Debatte über diese beiden An­träge, die in der Rachmittagssitzung fortgesetzt toitrbe, erklärte Ministarpräsident Dragumis, wenn der Antrag, der die Nationalversammlung zu einer konstituierenden Versammlung machen wolle, angenommen werde, werde die Regierung zurücktreten.

Petersburg, 17. Sept. In Zarazin in Süd­rußland brach ein gewaltiges Feuer aus, durch das in vier Tagen 2600 Häufe* vernichtet und 1500 Menschen obdachlos wurden. Zwei Knaben sollen den Versuch gemacht haben, Watte zu ver­brennen, dadurch fielen Funken In eine Nieder­lage von Watte. Im Laufe weniger Minuten bildete sich'ein Flammenmeer. Bevor die Feuer­wehr eingreifen konnte, wurden die benachbarten Häuser ergriffen. Beim Zusammensturz eines Hauses sollen 30 Menschen unter den Trümmern begraben worden fein. Viele Kinder warben vermißt. In manchen Holzhaus'm sind die Be­wohner beim Rette« ihres Eigentums verbrannt.

Konstantinopel, 16. Sept. Der griechische Ge­sandte in Konstantinopel ist von feiner Regierung verständigt worden, er werde möglicherweise «ach Athen berufen.

Johannesburg, 16. Sept, vis 8 Uhr abends wa­ren gewählt: 52 Nationalisten, 36 Unionisten, 4 Mit­glieder der Arbeiterpartei und 10 Unabhängige. Die Ergebnisse aus 19 Wahlkreisen fehlen noch. Da» Ge­samtergebnis ist voraussichtlich folgendes: 66 Ratio­nalisten, 38 Unionisten, 4 Mitglieder der Arbeiter­partei, 15 Unabhängige, von denen jedoch neun den Unionisten zuzuzählen fein würden.

Depesche«.

>V. Friedberg, 17. Sept. Der Grotzherzog und die Großherzogin von Hesse« begaben sich gestern Abend noch Bad Nauheim «iw wohnten den Anffüh- rangen der Kurkapelle bei.

W. Nürnberg, 17. Sept. Gestern Abend er­eignete sich in der Maschinenfabrik Augsburg-Nürn­berg ei« Unfall. Beim Aufziehen eines 140 Zentner schwere« Plattformabschlusses riß aus unbetamder Ursache der Trägerverschlutz. Durch de« herabfalle«» den Plattsormabschlutz wurden ein Mann getötet und drei schwer verletzt.

W. Berlin, 17. Sept. Heute früh 5 Uhr schoß der Arbeiter Richard Ee'del auf seine Frau und 3 Kinder, als sie «och schliefe«. Samt richtete er die Waffe gegen sich selbst. Die ganze Familie wurde in das Krankenhaus überführt.

Literarisches.

** Emil Strauß, Der Engelwirt. Eine Schwabengeschichte. Reue Ausgabe. (6. Fischer, Verlag, Berlin.) Leicht geb, 1 X, in Beinen 1,25 X. In .Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane" erscheint soeben eine neue Ausgabe desEngelwirts", dieser Meisternovelle nicht nur von Emil Strauß, sondern unserer ganzen neueren erzählenden Litera­tur. Dieses köstliche Werk erschien noch vor dem .Freund Hein", aber es erregte schon vor dem popu­lären Ruhm seines Verfassers die Bewunderung und Liebe aller Kenner. Damals schrieb Hugo von Hof­mannsthal folgendes über denEngelwrrt": ^Cha­rakter und Handlung sind nicht unter äußerer Ge­walt in Eins geschmolzen, sondern sie stehen im tief­sinnigsten und harmonischsten Zusammenhang. Es widerfährt einem Menschen, was ihm wioerfahten mußte, weil et handelte, wie er handel« mußte. In­dem er sein Glück zu fassen meint, bekommt sein Schicksal ihn zu packen, und während wir atemlos dem Verlauf eines Abenteuers zuzusehen meinen, entfaltet sich uns ein menschliches Wesen. Die schöne Novelle hat ihre Wurzeln in provinzieller Beengt­heit; das wunderbare Schauspiel, wie sich Weltweftn und Menschenwesen berühren und namenlose Ge­walten für einen Moment dazukommen, dem bengten Einzelnen ins Ange zu sehen, bildet ihre Blüten- kröne. Hier ist ein Buch, das genug Kunstwerk ist, um sich eines sehr starken Gehaltes an Stimmung und souveräner Sicherheit als eines untergeordnete« Schmucks zu bedienen."

Bon den bestbekannten Naturstudira für Jeder­mann sind soeben 3 neue Heftchen ausgegeben wor­den: 5. Die Luftschiffahrt von Oberlehrer Ernst Milarch, 2. Vorsitzender des iriederrhei irischen Vereins für Luftschisfahrt. 33 Seiten, mit 14 Bil­dern. 6. Die Schutzmittel der Pflanzen, von Univ.-Prof. Dr. L. Kny, 32 Seiten, mit 17 Bil­dern. 7. Die Eiszeit und ihr Mensch von Prof Dr A. Schmitt, 36 Seiten, mit 15 Bildern. Jedes Heftchen 20 s, 100 Hefte (auch gemischt) 10 X. Schon die Namen der drei Verfasser bürgen für die Gediegenheit des Gebotenen.

** Dr. H. Dekker, Auf Dorposten im Le­benskampf: Biologie der Sinnesorgane. Mit

farbigem Umfchlagbild und zahlreichen Textbildern.', Hercmsgegeben vom Kosmos, Gesellschaft der Natur».! freunde (Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlung). Broschiert 1 X, geschmackvoll geb. 1,80 X. Lebenskämpfe sim> die menschlichen Sinnesorgane von der allergrößten Bedeutung; sie eingehend z» kennen, von ihrer Leistungsfährgkeit unterrichtet M sein, ist deshalb eine Forderung an jeden Menschen, Gerade das, was der Mensch mit seinen Sinnes­organen z« lekste« vermag, wo ihre natürlichen Eren- B liegen, und warum sie notwendigerweise ihre

tige Form haben müssen, ist für die Kenntnrs unb enntnis des eigenen Jchs von erheblichem Wer«. :

Dr. Dekker ist als hervorragender Fachmann be­kannt, und seinen Ruf, die trockene Wissenschaft durch eine anregende, flüssige Form der Schilderung für die weitesten Kreise schmackhaft zu machen, bestätigt das vorliegende Werk aufs neue.

Auszug aus den Standesbüchern des Königliche« Preußischen Standesamtsbezirks Marburg, vom 10.17. September 1910.

Standesamt werktäglich geöffnet von 1012 Uhr. Standesamt befindet sich jetzt Zimmer Rr. 5.

verehelichte:

1. Assistenzarzt Dr. med. Arthur Böhme, wohnh. in Kiel, mit Luise Elsaß von hier. 2. Arftmtforster Mar Mrosko, wohnh. in Marbach, mit Köchin- Anna Hampel von Mer. 3. Landwirt Franz Heuser, wohnh. in Ockershausen, mit Dtenstmagd Anna Katharina Weber von hier.

Geborene:

1 Ludwig, 6. d. Studentendieners Eottfr. Brau«. 2. Hellmut, S. d. Bergmanns Heinr. Klotz in Runz- hausen. 3. Katharine Elisabeth, T. d. Tagelöhner« Konr. Wenz in Ockershausen. l. Karl Arnold S. K Bäckers Karl Birkelbach in Erndtebrück. 5. Maria Rosa, T. d. Maurers Wilh. Divpel in Momberg. 6. Johannes Hermann, S. d. Steinhauers Johanne« Ludwig in Marbach.

Verstorbene:

1. Metzgermeister Ludwig Sälzer, 54 Jahre. 2. Maria, T. d. Schreiners Konrad Barer, 2 Jahre. 3 Landwirtschaftl. Arbeiterin Elisabeth Hahn aus Ansbach, 16 Jahre. 4. Witwe Luise Hernzerlmg geb. Hörle aus Biedenkopf. 63 Jahre. 5. Jakob, S. d. Landwirts Jost Gimpel in Nrederwetter, 8 3^«. 6. Emmi Tute geb. Bachmann, 71 Jahre. 7. Else, T d verst. Schachtmeisters Albert Werx rn Allendork, 9 Jahre. 8. Katharine Elisab. Böhnert geb. Schnei­der au« Lengerich, 32 Jahre. 9. Gemeindevorsteher Wilh. Schäfer aus Niederlaasphe, 59 Jahre. 10. Anna Marie Hatzfeld geb. Piazzi aus .Hanau, 68 Jahre. 11. Totgeburt, T. d. Gartners Hernrrch Klein in Ockershausen.

Marktberichte.

Butter V.Pfd 1.25-1.30 M. Hühnereier 2 St. 16-00 Pf. Handläfe p. Sick. 13 Pfg Käscken p. Etck. 5 Psg. Kochkäse p. Pfd. 40 Psg.

Käsematte p. Stck. 5 Psg. Kartoffeln p. Pfd. 5 Psg. Kart.l00Psd. 3.00-8.50M Porree p. Eick. 58 Pfo Sellerie, p Etck. 5-30 Ps. Rüben rote, p St. 5-0 Ps. Weißkraut Kops 10-80 Ps. Rotkrautp.Kopf 1540Pf. Wirsing p. Kopf 10- 35Ps.

Blumenkohl 6t 10-40Pf. Oberkohlrabi St 3-10 Ps. Salat p. Kopf 58 Psg.

Gurken 1 St 10-30 Psg. Spinat p. Pfd 2000 Pf. Bohnen p. Psd.1015 Pfg^ Suppengrün p. PackOO Psg. Möhren p. Pack. 10-00 Pf. Zwiebeln p. Pfd. 10 Pf. Knoblauch p. Pack 5 Pfg Meerettig p.PacklOOOPff. Aepfel p. Pid. 12-30 Pfg. Birnen p. Pfd. 00- 00 PfL Zwetschen p. Pfd.15 00 Pf. Häbne p. St. 7090 Pfg. Hühner St. 1.00-1.50 Mk. Tauben p. Et 4050 Pf. Hasen St. 0,00-0,00 Mk. Reh p. Pfd. 70 Psg.

Marburg. 17. September.

' KurckenlOOStl.502.50M

Briefkasten der Redaktion.

Nach N. Wir hoben Ihnen doch bereits gesagt, daß wir die Nachricht von der Lohnaufbesserung der Eifenbahnarbeiter einer Berliner Korrespondenz ent­nommen haben, die für gewöhnlich vorzüglich unter­richtet ist. Wir hätten ihnen gern die Aufbesserung gegönnt; die alberne Verdächtigung, als ob wir einen Berufsstand mit einer derartigen Nachricht zum besten hoben wollten, ist ja lächerlich. Daß wir in unserer Zeitung selbst keinenAmtlichen Teil" haben, weiß jedes Kind. Eine derartige Behauptung ist nichts als ein plumpes Manöver politischer Gegner, was man ja überhaupt von dem ganzen Artikel sage« kann. Uns mit solchen Angriffen auseinanderzusetzen, liegt kein Grund vor. Jeder Urteilsfähige merkt die Absicht und «reiß, was er davon zu halten hat.

Streit Man sagt richtig Mietpreis, Mietvertrag. Mietentschädigung, nicht Mietspreis. Den Einwurf Ihres Gegners, daß man auch bei vielen anderen Zusammensetzungen ein an ein weibliches Haupt­wort fügt und Geburtstag (nicht Eeburttag, wie es richtig heißen müßte) sagt, müssen wir gelten lassen; bei zahlreichen derartigen Zusammensetzungen hat sich dass" leider Bürgerrecht erworben.

9L hier. Der böse Druckfehlerteufel hat aus de« Abgebrannten lautet Abgeordnete gemacht.

Geschäftliche ^N"::lung.

Eine Geschichte von der Hand mit der Gerste. Der König lag auf dem Krankenbette um ihn versammelt waten die Großen seines Reiches und die berühm­testen Aerzte des Landes, aber niemand konnte ihm helfen in seinen Schmerzen, denn alt und morsch war sein Körper, und das Blut hatte all seine lebenspen­dende Kraft schon verloren! Da wurde ein Ausruf an das Boll erlassen: Euer König ist krank! Seine Kräfte schwinden! Helft ihm, ihr treuen Untertanen, und reicher Lohn soll euch werden! Und aus allen Teilen des Landes eilten sie herbei, die treuen Bür­get des Landes, Männer und Frauen, Jünglinge und» Greise, Gelehrte und einfache Leute aus dem Volke, und jeder wollte das Seine tun, um den geliebten Herrscher am Leben zu erhalten. Pillen und Tropfen und Mixturen häuften sich im Schlosse, und geduldig und ergeben probierte der Fürst jedes Mit­tel. Doch ohne Erfolg; immer mehr schwanden bi« Kräfte, und schon begann man die Hoffnung auf Er­haltung des teuren Lebens auftugeben, als ein ein­facher alter Mann Einlaß ins Schloß begehrte: Hin­weg mit den Medizinen und Wunderkuren! Ich bringe dem Könige Genesung. Seine Nahrung soll fürder flüssiges Brot fein. Und er streckte ferne Hand aus, die gefüllt war mit Gerstenmalz, und ein Trank wurde bereitet, der die geschwundenen Lebens» geifter des Fürsten von neuem belebte. Und noch heute wirkt der Wundertrank, der aus einer Hand voll Gerstenmalz gebraut wird, aber nicht nur die Kranken trinken ihn, um Heilung zu finden, nein, auch die Gesunden trinken, um ihr kostbares Gut, die Gesundheit, z« erhalten, das flüssige Brot, das Köstritzer Schwarzhiet.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Lavdwirtsckn-ftsschule).

Wetterausfichten für Sonntag, den 18. September 1910: Trocken, doch zeitweise wolkig bei kühlen Nord­winden.

Verantwortlich für die Redaktion: Mi

Dr. phil. Carl Hitzerotb in Marbura.M