45. Jahr-.
JK. 218
(Nachdruck verboten.)
23
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 75.
hatte. Sie können sich denken, meine Herren, wie einem Manne zumute sein mutz, der sich noch vollkommen rüstig fühlt, seinem Kaiser und Vaterland« ersprießlich zu dienen, und dem seine fernere Tätigkeit mit einemmal abgeschnitten wird! Mein Interesse am Wohlergehen der hiesigen Kolonie wird nach wie vor lebendig bleiben. Glauben Sie nicht etwa, daß ich meinem Nachfolger mit Gefühlen des Grolls oder des Neides gegenüber erfüllt wäre; aber ich wünsche ihm, daß er bet der Regierung und den Be- Hörden dieses Landes das gleiche Entgegenkommen finde, dessen ich mich über ein Jahrzehnt lang erfreuen durfte..."
Die bei der Feier anwesenden Journalisten hiel- ten diese Worte für eine rednerische Entgleisung, die man bester nicht der Oeffentlichkeit bekannt mache. Fürst Radolin hat denn auch auf Befragen erklärt, daß ihm eine Kritik an den näheren Umständen, unter denen ein Rücktritt erfolge, ferngelegen hätte. — Das Ganze ist also tatsächlich weiter nichts, als eine bedauerliche Entgleisung eines von seinen Gefühlen beeinflußten Redners.
Diese rednerische Entgleisung des Fürsten Radolin läßt daran zurückdenken„ wie Fürst Bismarck über den Diplomaten urteilte, der das Deutsche Reich während der letzten 9 Jahre in Paris vertreten hat. Der erste Reichskanzler schätzte die Fähigkeiten Ra- dolins, des „rallierten Polen", keineswegs gering ein, deshalb setzte er durch, daß dieser seiner Zeit in die nächste Umgebung des ersten deutschen Kronprinzen berufen wurde. Bismarck war auch der Meinung, Radolin verrate viel zu leicht in seinen Mienen und seinen Worten, was er in seinem Herzen fühle, um auf erstem Posten im Auslande, zumal in kritischen Zeiten, wertvolle Dienste leisten zu können. Fürst Radolin glaubte lange daran, er werde früher oder später Reichskanzler werden.
wendet. Als im Winter 1908/09 die brasilianische Regierung in Deutschland Schiffe bestellt hatte, fiel das offiziöse Organ der französischen Regierung, der „Temps", in heftigen Ausdrücken über das „undankbare" Brasilien her und drohte nachdrücklich mit der Geldsperre. Aehnlich ging es damals auch Argentinien, das ebenfalls in Deutschland Geschütze und außerdem noch viele Tausende von Gewehren bestellt hatte. Schon bevor diese Bestellung an Deutschland perfekt wurde, lief der französische Gesandte in Buenos Aires dem argentinischen Minister des Aeußeren das Haus ein, um ihn zu veranlassen, den Auftrag der französischen Firma Schneider-Creuzot zu übertragen. Diesen: Wunsch scheiterte an der Festig- kelt des argentinischen Ministers, der erklärte, daß die Bestellung nicht nach Protettionsrücksich- ten erfolgen könnte, sondern lediglich nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit der konkurrierenden Firmen. Nachdem eine deutsche Firma den Auftrag erhalten hatte, wurde in Paris erklärt, daß Frankreich nunmehr die argentinischen Anleihe»! boykottieren, d. h. die bereits zugelassenen Anleihen von der Pariser Börse verdrängen und ein: geplante neue Anleihe überhaupt nicht zulassen würde. Allerdings wurde diese Suppe späterhin nicht so heiß gegesien, wie sie gekocht wurde.
Um gerecht zu sein, wollen wir zugeben, daß Frankreich diese bedenklichen Manöver, die man bei Privatleuten als wucherische Erpressung bezeichnen würde, nicht lediglich aus rein materiellen Motiven unternimmt. Es hat sich in den Gedanken der Mutterrolle bei allen romanischen Nationen hineingespielt und cs ist deshalb eifeo- süchtig, wenn ein anderer Staat — und nun gar noch Deutschland— in engere Beziehungen wirtschaftlicher oder sonstiger Art zu diesen Ländern tritt; das schadet nach gallischer Auftastung dem französischen „Preftigen". Das ist eine gewisse Entschuldigung für daS französische Vorgeh -n, absr schön ist es darum noch immer nicht.
Genia blickte schalkhaft lächelnd zu Amberg auf. Sein Auge ruhte mitleidig auf der schönen jungen Frau.
„Denken Sie immerhin, es sei so! Versprechen Sie mir. diesen Gegenstand Ihrem Herrn Gemahl gegenüber niemals berühren zu wollen?"
Sie legte ernstgeworden ihre Hand in die seine. „Ich verspreche es. Sie sehen so feierlich aus, daß Sie wohl einen Grund haben muffen zu Ihrer seltsamen Forderung, Aber den anderen nacheilen wollen wir trotzdem. Mein Mann nimmt Percy gänzlich in Beschlag und ich habe doch kaum noch ein paar Worte mit ihm gesprochen. Sie waren stets mit ihm zusammen seit Ihren Kadettenjahren?"
„Leider nicht, wir kamen auseinander. Erst seit wenig Tagen bat mich der Zufall zu demselben Rrgimente verseht; wir sind Freunde, obgleich er mir in der Karriere voraus ist!"
Genia blickte mit warmer Herzlichkeit zu ihm auf. Percys Freund, war er nicht auch der ihre?
Sie eilten hastig den anderen nach, die ©tuten der Terrasse hinauf, auf deren Höhe Norring fo- eben angelangt war. Dieser glitt, sich rasch nach ihnen umwendend, aus. Er suchte tastend nach einem Stützpunkt; der ungelenke rechte Fuß versagte, er rutschte stolpernd mehrere Stufen hinab, mit der Schulter bart anftchlagend auf das gußeiserne Geländer des Aufganges. Ehe er aber tiefer stürzen konnte, fühlte er sich umfaßt und aufgericktet, er blickte in das besorgte Auge des jungen Warren. Ein: dunkle Röte schoß ihm ins Gesicht, während er, sich mühsam aufrecht haltend, argwöhnisch von ihm zu Genia blickte, die heftig erschrocken neben ihm stand, seinen Arm in den ihrigen legend, um ihn zu stützen.
„Warum lachst du nicht, Eugenie? Warum tun Sie es nicht, Herr von Warren? Der Komiker wider Willen bietet Ihnen Gelegenheit
Frankreich als politisierender Bankier.
Es ist gemeldet worden, daß der Plan J der Begebung einer ungarischen Anleihe von 560 -^ Millionen Kronen in Frankreich gescheitert sei. Die „Vossischc Zeitung" weiß dazu zu mel- den, daß diese rein finanzielle Angelegenheit einen politischen Hintergrund hat. Zur Zeit des früheren ungarischen Ministeriums Weckerle sollen französische Diplomatenkreise die Unterbringung der schon damals geplanten ungarische An- leihe in Frankreich begünstigt haben, um damit Ungarn und weiterhin auch Oesterreich von d-m Bündnisse mit Deutschland abzuziehen. Da derartige Machenschaften b i dem gegenwärtlgen ungarischen Ministerium Khuen keine Aussicht auf Erfolg haben, soll das Jntereste der französischen Regierung an der Angelegenheit erfüllet sein. Nunmehr follm die französischen Bankiers schärfere Bedingungen gestellt und dadurch den Verzicht der ungarischen Regierung auf das ganze Projekt veranlaßt haben.
Also entweder politische Vorteile, oder finan- zielle, am liebsten aber natürlich beides: das scheint Frankreichs Grundsatz, wenn es seinen notorischen Reichtum zu Darlehen an fremde Staaten verwendet. Ob die Darstellung der „Vossischen Zeitung" in diesem Falle zutrifft oder ob den französischen Bankiers zur Zttt vielleuht das Geld knapp ist, wisien wir nicht. Wohl aber ist uns bekannt, daß Frankreich schon mehrmals seine finanzielle Kraft dritten Staaten gegenüber politisch in einer Weise ausgebeutet hat, die man fast schon als erpresserisch bezeichnen kann. Man -- weiß, wie die französische Presse jetzt systematisch Brasilien bedroht, weil dieses Land die Absicht hat, deutsch 'Offiziere als Instrukteure für die brasilianische Armee zu gewinnen. Bei dresen Drohungen spielt regelmäßig die Geldfrage eine große Rolle, in dem man nämffch mehr oder weniger verblümt andeutet, daß die französische Börse ihre Pforten schließen werde, wenn Bim- silieu früher oder später wieder Geld brauche Es würde unserer Würde widersprechen, d»e Brasilianer durch ähnliche Drohungen ober durch Versprechungen irgend welcher Art bei ihrem ursprünglichen Entschlufle festzuhalten. Mr haben nickt die mindeste Veranlassung, ihnen unsere Offiziere aufzudrängen. Gott sei Dank findet ein tüchtiger deutscher Offizier auch in der Heimat noch genügend Beschäftigung. Wenn wir affo die französische Methode verdammenswert finden, so geschieht dies nicht etwa aus Mißbehagen über einen uns dadurch erwachsenden Nachteil — von einem solchen Nachteil kann, wie schon gesagt, schlechterdings nicht die Rede sein —, sonden» vom Standpunkte des politischen Anstandes ans.
Diese Methode wird von Frankreich gegw- Üb r Brasilien nicht etwa zum ersten Male ange-
Politische Umschau.
Der Abschied des Fürsten Radolin von Paris.
Unter dieser Ueberschrifi hatten rote kürzlich von der Abschiedsfeier der Pariser deutschen Kolonie für den Fürsten Radolin berichtet und betont, daß der Botschafter eine tiefgerührte Abschiedsrede gehalten habe. Wir brachten diese Meldung in einer Fassung, rote sie fast in der gesamten deutschen Presse verbreitet wurde. Einige Blätter haben nun aber den vollständigen Wortlaut dieser Rede gebracht, wobei sich herausstellte, daß die Rede Stellen enthält, die Befremden erregen müssen und die natürlich besonders von der ausländischen Presse eifrig kommentiert werden. Wir bringen nachstehend diesen Teil der Rede. Fürst Radolin führte aus:
„Ich scheide ungern aus Ihrer Mitte, aus einem Wirkungskreise, wo ich noch so viel zu leisten gehofft
dazu, wie Sie sehen? Er löste ungeduldig seinen Arm aus dem seiner Frau. „Ich glaube gar, du willst mich führen, wahrhaftig, nicht Übel!"
Norring richtete sich hoch auf, daß die Lippen ihn: weiß wurden vor unterdrücktem Schmerz unb tat einige Schritte vorwärts. Er schwankte leicht. Genia eilte ihm nach. „Herbert!" bat sie flehend mit bebender Stimme, indem sie den Arm um ihn schlang. Derselbe wurde heftig zurück- g-stoßen.
„Spare dir dein Mitleid, Eugenie! Du hast es stets sehr schnell bei der Hand, wenn es sich um mich handelt!"
„Mir aber werden Sie wohl gPatten, Sie zu stützen." Warren legte seinen Arm sest um ihn und führte ihn langsam zur nächsten Bank.
„Die Herren würden mich unendlich verpflichten, wenn Sie mir glauben wollten, daß ich Ihrer Hilfe nicht bedarf; es wäre mir angenehm, allein zu fein."
„Ich bebaute, daß wir uns Ihnen aufgedrängt!" Warren zog kalt grüßend den Hut.
„Sie sind beleidigt, verzeihen Sio!" kam es in gepreßtem, noch halb grollendem Tone über Ror- rings Lippen. „Es war das nicht meine Absicht, ich bin immer nicht Herr meine* Nerven."
„Wir sind es, die um Verzeihung zu bitten haben, denken Sie nicht mehr daran!"
Der junge Mann streckte dem Ingenieur gutmütig die Hand entgegen; dieser legte seine nervös zuckende Rechte in dieselbe und suhr sich dann mit beiden Händen heftig durch das schwarze, an den Schläfen feit kurzem ergraute Haar.
„Ich hoffe, Sie entziehen meiner Frausticht die Freude Ihres baldigen Besuches, S,e haben einander ja noch kaum gesprochen —"
Ich werde mir erlauben, mich morgen nach Ihrem Befinden zu erkundigen. Auf Wiedersehen, Genia__leben Sie wohl, Herr Norrmg!"
Er verneigte sich leicht und schritt mit Amberg den aufwärts führenden Weg hinan. Eugenies
mit dem Kreisblatt für bie Kreise Marbmg und Kirchhain *
unb den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.«
Seelenkampfe.
-Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
' . (Fortsetzung.)
„Sie stammen wirklich au8 Brünn, Herr Amberg? Das wird meinen Mann interessieren. Er ist ebenfalls dort geboren und hat auch später mehrere Jahre in Brünn gelebt. Haben Sie sich damals nicht gekannt?"
„Ich hatte nicht das Vergnügen, gnädige Frau." Die Antwort flang zögernd, ja unsicher.
„Und doch meinte ich, vorhin beobachtet zu haben, daß Sie ihn forschend ansahen, als ernt* nerten Sie sich seiner!" .
„Mein Vater ist Direktor der dorttgeu Irrenanstalt —"
„Ach so! Und deshalb kamen Sie während Ihrer kurzen Besuche zu Hause nicht viÄ n Berührung mit den Bewohnern der Stadt!" Sie bemerkte nicht den verwundert fragenden Ausdruck in seinem Gesichte. „Aber wek Weiß, vielleicht hat mein Mann ein besseres Gedächtnis. Kommen Sie, lassen Sie uns ihm sagen, daß auch Sie in Brünn daheim sind!"
Genia wollte lebhaft mit ihm den anderen Nacheilen, sie fühlte sich feit lange nicht so leicht und frei wie heute. Die während des letzten Wahres schmal und blaß gewordenen Wangen waren leicht gerötet, die Augen glänzten freudig erregt.
Amberg hielt sie ängstlich zurück. „Vermeiden Sie es, das zu erwähnen, ich bitte Sie darum?«
„Wie fonberbar! Aber ich kann es mir wohl denken, Sie beibc waren gewiß keine besonders fluten Freunbe damals und nun sollen keine unangenehmen Erinnerungen geweckt werden! Habe Ich recht? Jst's nicht so?"
Die JniertionsgebÜhr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^“^ene Zeile oder beten Raum Ui,#* <m®roarti8e Snferate 20 ----- “ ■ Druck und «erlag: Joh. Aug. Koch,
Tagung des Verbandes mittlerer Post- und Telegraphenbeamten.
In der Plenarsitzung wurde dem Verbandsvor- stand für das Geschäftsjahr 1909 einstimmig Entlastung erteilt. Die Cchriftleitung der „Deutschen Postzeituna", das Organ des Verbandes, übernimmt der O.-P.-Ass. Winters (Kevelaer). Eingehend sind in den Kommissionen die Standes- und Personal- Sagen der mittleren Postbeamten erörtert worden, ie Hauptfragen, die den Verbandstag beschäftigten, die Oberassistenten- und die Militäranwärterfrage, verdichteten sich zu folgenden Entschließungen: „Der 20. Verbandstag erklärt, daß die Personalreform von 1900 die Hoffnungen und Wünsche der mittleren Postbeamtenschaft nicht erfüllt hat und hält eine durchgreifende Aenderung der bestehenden Verhältnisse in Anlehnung an die Erundzüge der Vorschläge des Verbandes für erforderlich."
Ferner wird beantragt: „Der Verbandstag wolle beschließen, den Verbandsvorstand zu ersuchen, dafür einzutreten, daß die in den Eehaltsvorschriften für die Reichsveamten vom 15. Juni 1909 sestgelegten
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mtt Ausnahme der Sonn- und Feiertage. - Der Bezugspreis betragt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 lohne Bestellgeld) bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2M (ftüt unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- Hon keinerlei Verantwortung.)
Grundsätze für die Anrechnung von MiliRirdienstzeit aus das Besoldungsdienstalter der Militäranwarter geändert und daß auch die vor dem Eintritt in den Zivildienst und während der Vorbereitungszeit ab» geleistete Militärdienstzeit der Zivilanwärter auf das Besoldungsdienstalter angerechnet werde. Erneut ist durch den Verbandstag festgestellt worden, daß die durch das Besoldungsgesetz vom 15. Juli 1909 für die Ober-Post- und Ober-Telegraphen-Assrstenten, Post- und Telegraphen-Assistenten sowie Postverwal- ter bewilligten Gehaltssätze den vom Reichstag durch wiederholte Beschlüsse als berechtigt anerkannten Wünschen und der historischen Stellung der Ober- Post- und Ober-Telegraphen-Assistenten in der Beamtenhierarchie nicht entsprechen Unter dem Aus- drucke lebhaften Bedauerns, daß durch die getroffene Belegung der Charakter der Stellung der Ober-Post« Assistenten und Ober-Telegraphen-Assistenten al, Beförderungsstelle beseitigt worden ist, gibt der Der- bandstag der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß die gesetzgebenden Körperschaften bis zu einer gründ- sätzlichen Neuregelung der Personalverhältnisse der mittleren Reichs-Post- und Telegraphenbeamten die Beseitigung der eingetretenen materiellen Schadi- E durch Stellen- ober Funktionszulagen baldigst .(führen werden. Der Verbandsvorstand wurde (tragt, dafür einzutreten, daß
1. bei der Annahme von Zivilanwärtern als Mindestforderung das Befähigungszeugnis für ben einjährig-freiwilligen Militärdienst zu erlangen ist,
2. die nichtangestellten Post- u»ü) Telegraphen- Assistenten sowohl aus dem Zivil- wie aus dem Militäranwärterstande in ihren Dienstbezügen mtt den gleichwertigen preußischen Diätaren gleich- gestellt werden, .... <
3. die Dauer des vier Jahre übersteigenden Diä- tariats inanbetracht der vierjährigen Ausbildungs- zeit als Post- und Telegraphen-Gehilfe auf das Be- foldungsdienstalter anzurechnen tft,
4. den nichtangestellten Post- und Telegraphen- Assistenten ein siebentägiger Uebertragungs-Zusatz- urlaub zu gewähren ist,
5. den in teueren Orten beschäftigten mchtange- ftellten Post- und Telegraphen-Assistenten ein Tage- geldzuschuß zu gewähren ist., Im weiteten soll bet Verbandsvorstand erneut eine Petition bett Gewährung der den Eisenbahnbeamten in Elfaß-Loth- ringen zugebilligten außerordentlichen Zulage an die im Reichslande beschäftigten Postbeamten dem Reichstage und der Reichsregietung unterbreiten.
Den Höhepunkt ereichte der Verbandstag mit bet Rede des Telegraphensekretärs Franz über die Beziehungen des Verbandes zur Behörde. Seit 20 Jahren beschäftigt den Verband alljährlich die Frage, wie et sich in ein besseres Verhältnis zur Verwaltung fetzen könne. Mir waten uns klar, daß es auf unserer Seite war, Opfer zu bringen; an der Bereitwilligkeit zu solchen hat es bei uns nicht gefehlt. Freimut muß bei Erörterung der Fragen obwalten, der aber nicht als Disziplinwidrigkeit ausgelegt werden möge. Ein dauernder Friede muß es fein, bet nicht auf Abmachungen beruhen darf, die durch den Wechsel von Personen oder insbesondere durch radikale Strömungen im Verbände verändert werden könnten. Sind nie Versuche gemacht worden? Zu den Zeiten des Staatssekretärs v. Podbrelski war das Bedürfnis hierzu stark geltend und auch betätigt. Das Opfer, das von uns gewünscht wurde, waten die Bedingungen, daß nur die Verwaltung als berufene Vertreterin unserer Interessen anzusehen ser und daß nur Beamte im Dienst Vorstandsmitglieder des Verbandes sein sollten; die Bedingungen haben wir erfüllt. An Vertrauen hat es auf unserer Seite nte
Blick folgte ihm, bis er hinter dem Laube ver« schwunden war. *
Finstere Wolkenschatten flogen Über die See, als Warten eine halbe Stunde später auf der hügelarfig sich erhebenden Südspitze der flehten Halbinsel Ausschau hielt nach dem Dampfer, der jeden Augenblick auf feiner Rückfahrt nach Trieft hier vorbei kommen mußte. \
Der junge Mann hatte den Kopf nachdenkltch in die Hand gestützt; jetzt erhob er denselb n lebhaft und blickte auf das dicht an ihm vorbei« dampfende Schiff.
Vorn am Kiel, entfernt von den anderen Passagieren, lehnte die fchlanke Gestalt Genias. Sie hatte ben Hut abgenommen, der Seewind spielte in ben braunen Haarwellen, bie bas feine, durchsichtige Antlitz umrahmten. Ein Zug brennender, ungeftittter Sehnsucht lag um bie großen, in die fliehenden Wolken emporschauenoe: Augen, herbes Weh um dis sestgeschlossenen Lippen. Wie eine Fata Morgana zog es an ihm vorüber, — Schiff und Gestalt — und tauchte unter in den Nebelschleiern des Abends.
„Nun. Ritter Poggenburg, die Schone tst verschwunden, auf was wartest du noch?
Der Angeredete fuhr aus seinen Träumereten auf Amberg stand vor ihm, den Blick fest auf ihn gerichtet; und doch lag in demselben nichts von dem Spotte seiner Worte.
„Sahst du sie, Engen?"
„Ja. Ich bedauere sie. Donato hat wohl recht, sie scheint sehr unglücklich zu sein!" :
„Scheint? Sie ist es, muß es sein an der Seite diffes Mannes, den ich m bem emei Augenblick erwürgen möchte, um ihn im nächsten seiner Gebrechlichkeit wegen zu betnitieibcn. Ich darf nicht daran denken, Eugen, daß sie mein»
1 Braut war, ohne es zu ahnen, daß sie hätte «et weiden können, wenn st« es gewußt."
(Fortsetzung folgt.)
Marburg
~ für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. «ug. nocy,
Sonnabend, 17. September 1910. 3torfmt9’