mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
unb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogeid 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugekandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 11. September 1910.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 -3, für Reklamen 4ü L. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, llntverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzerot!), Marburg, Markt 21. — Televbon 55.
45» Jahrg«
M 213*
" Zweites Blatt.
Zum befferen Verständnis.
*' Man schreibt uns:
Zu den innerpolitischen Kämpfen der Gegenwart sind nicht selten von liberaler und sozialdemokratischer Seite abfällige Urteile über die Bedeutung der deutschen Landwirtschaft zu hören. Mit besonderer Vorliebe weist man namentlich darauf hin, daß die Zahl der berufstätigen deutschen Landwirte mehr und mehr zurückgegangen sei und daß der Landwirtschaft treibende Teil der Bevölkerung nur noch 28,6 v. H. gegenüber 42,8 v. H industrieller Bevölkerung zähle. Diese Zahl ist richtig. Man unterläßt aber dabei, anzugeben, daß die direkt von der Landwirtschaft lebenden Kreise viel größer sind. Namentlich hat nachher letzten Berufszählung wieder die Zahl der Selbständigen in der Landwirtschaft, besonders der mittleren und kleinen Landwirte, um 18,19 v. H. zugenommen und in bezug auf die selbständige Ausübung des Berufes steht die Landwirtschaft überhaupt mit 2% Millionen Köps.n an der Spitze aller Berufsstände. Der Rückgang der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen rührt zweifellos daher, daß die Landwirtschaft unter dem Druck der Leutenot, der Abwanderung der Arbeitermassen in die Industriestädte mehr und mehr gelernt hat, unter Zuhilfenahme von Maschinen und anderen Geräten mit weniger Leuten auszukommen. Im übrigen kommt es nicht darauf an, wie viele in irgend einem Gewerbe Beschäftigung finden, sondern darauf, wie hoch der Wert des von de« betreffenden ■ Teile der Bevölkerung für die Gesamcheit --geschaffenen ist. Der Wert der industriellen *tmb gewerblichen Produktionen in unserem Vaterlande beträgt alljährlich durchschnittlich 10,4 Milliarden, der der landwirtschaftlichen Produktion 10,2 Milliarden, davon allein an Getreide 3,8 Milliarden, an Fleisch 2,5 Milliarden und an Milch und Molkereiprodutten 1-y. Milliarden. Die Landwirtschaft hat sich auch befleißigt, ihre Aufgabe, der wachsenden Bevölkerung in Deutschland Nahmngs- und Lebensmittel in reichlichem Umfange zuzufübren, in vollstem Maße gerecht zu werden. Die Produktion an Brotgetreide ist im 19. Jahrhundert in Deutschland um 140 v. H. gestiegen, die Produkte der Viehzucht sogar um 595 v. H. Während ferner z. B. Ende der 70er Jahre die Roggen- ernic in Deutschland nur 5% Millionen Tonnen und die Weizenernte nur 2% Millionen Tonnen betrug, sind diese jetzt auf 11,3 Millionen Tonnen gestiegen. Während ferner im Jahre 1897 nur IQi-a Millionen Rinder und 9% Millionen Schweine gezählt wurden, ist diese Zahl jetzt auf 12 bezw. 15 Millionen angewachsen, und selbst der „Vorwärts", das Hauptorgan der Sozialdemokratie, mußte vor einiger Zeit zugeben, daß Deutschland im Ernstfälle die
18 (Nachdruck verboten.)
Seelenkämpfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
'(Fortsetzung.)
Er war mit dem Frühzuge eingetroffen und Wollte nachmittags hinausfahren nach GM Waldbühl zu der Familie der Freiherrn von Osten. Er ha'ttr den Wunsch seines im letzten Jahre verstorbenen Vaters geehrt und den für seinen Besuch festgesetzten Tag gewissenhaft eingehakten, trotzdem es ihm unbequem war; er war gespannt auf den Erfolg dieser etwas abenteuerlichen Brautfahrt.
Jetzt aber wollte er noch einmal das Städtchen durchstreifen, in dessen engen Straßen er als luftiger Kadett mit seinen Freunden umher- spaziert, wo jeder Stein der alten, stellenweise noch erhaltenen Stadtmauer und jede in derselben steckengeblieb sne Kanon enkngtt ihm 6t- kannt und lieb war. —
Vor allem aber trieb er ihn, das Steinfejld wiederzusehen, auf dessen mH Keinem Geröll und dürr gebranntem Grase bedeckter Walter Fläche er einst zur ersten Attacke kommandiert worden, während sein Zimmergenoss», der langbeinige Eugen Amberg, einen solchen Löwenmut entwickelt, daß die Augen der neben ihm Reitenden fast ebenso schwer gefährdet gewesen, als die Mütze des Höchstkommandierendm, die demselben vom Kopfe zu spießen er glücklich zustande gebracht.
Da lag die baumlose Ebene vor ihm, auf der man so viel junge Bravour großzog, um sie dann an die Grenzen des Reiches zu versenden: «nd dort s-itwärts erhob sich die altdeuffche Denksäule, die „Spinnerin am Kreuz", über | deren noch unaufgeklärte Bedeutung er sich eines I Abends so nachdrücklichen Betrachtungen hin- I
Ernährung ssiner Bewohner" allein besorgen und bei rationeller Ausnutzung und Bearbeitung seines Bodens noch auf viele Jahre hinaus seinen Bedarf an Lebensmitteln allein decken könne". In den letzten Jahrzehnten sind ferner allein 2 Millionen Hettar früher unbebautes Land der Bebauung erschlossen worden, 3% Millionen Hettar ödes Land und Moore sind in unserem Vaterlande noch vorhanden und bei der fortschreitenden landwirtschaftlichen Kenntnis und Erfahrung wird es möglich sein, auch von diesem noch einen großen Teil der landwirtschaftlichen Bebauung zu erschließen.
Diese Entwicklung der Landwirtschaft ist auch von großer Bedeutung für die Industrie. Das Land ist der ständige Jungbrunnen für die industrielle Arbeiterreserve in den großen Städten und das Land muß alljährlich Tausende und Abertausende von Arbeitskräften aufziehen, die nachher in der Blüte ihrer Jahre der Industrie zur Verfügung stehen. 200 000 junge, arbeitskräftige Leute wandern alljährlich vom Lande in die Städte und 400 Millionen Mark muß allein alljährlich das Platte Land an Schullasten tragen für die Erziehung der Kinder, die nach dem 14. und 15. Lebensjahre, oder mit der Aushebung zum Militär ihre Heimat verlassen und in den großen Städten im Handel, Gewerbe und Industrie untertauchen.
Dazu kommt ferner die gestiegene Kaufkraft der Landwirtschaft. Die Verfeinerung des Lebens, die auf dem Platten Lande mehr und mehr sich ausbrcitet, die verschiedenen menschlichen Bedürfnisse und die Benutzung von industriellen Maschinen sind in den letzten Jahrzehnten auf dnn Platten Lande in eminenter Weise gestiegen. Bei der letzten Bettiebszählung im Jahre 1907 wurden in Preußen 1413 834 landwirtschaftliche Betriebe, statt 686141 im Jahre 1895 gezählt, in denen Maschinen benutzt wurden, davon in 206 000 Dampfdreschmaschinen, in 570 000 Betrieben andere Dreschmaschinen, in 230 000 Betrieben Milchzentrifugen, in 181000 Betrieben Mähmaschinen, in 134 000 Betrieben Säemaschinen, in 60 000 Betrieben Drill- und Dippelmaschinen u-w. Der Kaliverbrauch ist von 42 000 Doppelzentnern in 1880 auf 598 000 Doppelzentner in 1895, auf 1180 000 Doppelzentner in 1900 und auf 2 730 000 Doppelzentner im Jahre 1908 gestiegen. Richt mit Unrecht hat daher Staatssekretär Delbrück am 4. Dezember 1909 im Reichstage gesagt: „Das Gedeihen unserer Industrie basiert mit in erster Linie auf einem stabilen und festen inländischen Martt", und auch Dr. v. Siemens dürfte nicht Unrecht haben, wenn er einmal schrieb: „Die deutsche Industrie wird für sich selbst ein viel Größeres leisten, wenn sie es fertig bringt, in jedes Bauernhaus einen Teppich und an jedes Bauernfenster eine Gardine zu bringen, als wenn sie durch Poussieren des Ausfuhrgeschäfts sich allzu sehr vom Wohlwollen des Auslandes abhängig macht." Es steht überdies fest, daß wir die letzte industtielle Krisis der Jahre
gegeben, während er, die verbotene Zigarre im Mu«ü>e, die Beine aus den Verzierungen dieses Keinen Turmes herausbaumeln ließ.
Unter all' diesen Erinneningen blieb ihm kaum Zeit, an den eigentlichen Zweck seiner Reise zu denken, bis er nachmittags, in leichtem Wagen den Bergen zurollend, seinem Ziels schon ziemlich nahe war.
Er freute sich im inncrstn Herzen darauf, den Wildfang von damals als erwachsenes Mädchen wtederzusehen, das sich wobl heute kaum wie in den allerersten Tagen ihrer Bekanntschaft bei ihm erkundigen würde, ob denn der liebe Gott die Weltkugel aus der Hand legen dürfe, wenn er sich wasche und ob sie selbst, wenn sie erst ein Engel sein werde, Aussicht habe, alljährsich gerupft zu werden, wie die Gänse der Bauern? Was würde der liebe, fragelusttge Mund, den er so ost gettißt, heute mit ihm reden? Würden die großen, braunen Augen ihn so vertrauensvoll anlachen wie damals?
Der Wagen fuhr knarrend zwischen den massiven Torflügeln hindurch in den Hofraum. Der Hausmeister eilte herbei.
„Ist Freifrau von Osten zu sprechen?"
„Jawohl, Sie sitzt mit dem gnädigen Fräulein dort drüben am Waldrands. Ich soll Sie hinübergeleiten, Herr Hauptmann."
„Ich danke, ich sehe die Kleider der Damen durch das Grün schimmern!" Also erwartete man ihn, das war immerhin angenehm.
Er schritt eilig über die kurzgrasige Rasenfläche hinweg dem nördlichen Waldrande zu. Auf dem Stumpfe eines abgehauenen Baumes saß eine reizende, üppig schöne Gestickt. Ein Kranz von Kornblumen schaukelte hingehaucht in den lichten, seidigglänzenden Locken, ein durchsichtiges, zartweißes Kleid umfloß ihren Leib, Kares Spitzengewebe verhüllte nur unvollständig die vollen, weißen Arme und den herzförmigen
1 1907 und 1908 nur deshalb so leicht und schnell überwunden haben, weil die Landwittschaft damals gut florierte und der Industrie und dem Gewerbe Geld und Aufträge zukommen ließ. Das mußten nicht nur die Berichte der Handelskammern, sondern auch die der * sozialdemokratischen Gewerkschaften offen anerkennen. 87 v. H. der Erzeugnisse der inländischen Interessen bliebe» überhaupt im Inland«. Das Wohl und Wehe von Industrie, Handel und Gewerbe, und das Glück der Landwirtschaft ist auch das Glück von Handel, Jndusttie und Gewerbe. So schrieb noch in einem Rückblick auf das Wirtschaftsjahr 1909 die „Kölnische Zeitung" am 24. 12. 09: „Dem deutschen Markte kam dabei neben der Bwölkerungsvermehrung die Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft zugute» die unter dem Einfluß der guten Ernten der beiden letzten Jahre stark gewachsen ist." • Der Landwirt will zudem nur einen gerechten Lohn seiner Arbeit. Keine allzu hohen Preise sind sein Ziel, sondern nur feste, stabile Preise, bei denen er leben, für feine Kinder etwas zurücklegen und gute Löhne zahlen kann. Solch: Maßnahmen, wie sie in der Industrie vielfach Vorkommen, um die Preise zu hatten, sind in der Landwittschaft undenkbar. In der Landwittschaft gibt es keine Stillegungen von Betrieben, keine Betri'bsein- stellungen, keine Aussperrungen, keine Syndikate und Kartelle, die d»n einzelnen Arbeitgeber überhaupt von der Preisregulierung ausschalten und einheitlich die Preise für die Produkte festsetzen.
Gewiß ist cs richtig, die großen Städte sind gewachsen, und während früher nur jeder 20. Mann in den Städten wohnte, wohnt jetzt in unserem Vaterlande schon der 5. Mann in einer Großstadt. Aber was würde mst den großen Städten werden ohne den ständigen Zuzug vom platten Lande? Dazu kouunt dis große Bedeutung der ländlichen Bevölkerung für den Heeres- ersatz. Beim Militär sind geboren in Gemeinden bis zu 200 Einwohnern 64 v. H. aller Soldaten, in den Gemeinden von über 20- bis 100 000 Einwohnern nur 7 v. H., während es 20 v. H. sein müßten. Das platte Land liefert statt 100 Soldaten 114, die Städte statt 100 nut 65, ja in Berlin sind von zehn zur Aushebung kommenden jungen Leute nur noch drei militär- tauglich.
Daher ist die jetzige Verärgerung und Ver- stimmunq gegen die deutsche Landwirtschaft ganz unerklärlich und vollkommen unbegründet. Das öffentliche Wohl gleicht einem Baume. Der Ackerbau ist die Wurzel, Industrie und Handel sind zwei gesunde Blätter: fängt die Wurzel an zu leiden, fo fallen die Blätter, die Zweige brechen ab und der Baum stirbt. Darum sollten alle, die jetzt so verbittett auf di: deutsche Landwirte sind, an die Wotte Professor Waaners denken, der einmal gesagt hat: „Die Erhaltung einer leistungsfähigen deutschen Landwirtschaft bedeutet die Erhaltung des deutschen Vrlkes in Gegenwart und Zukunft."
Busenausschnitt des Gewandes, kleine Füßchen in hellen Atlasschuhen lugten unter dem Saume der Robe hervor.
Die Dame schien den jungen Mann noch immer nicht zu sehen trotzdem derselbe dicht vor ihr stand: ihr Gesicht blieb gesenkt, wäbrend die stark zitternden Hände emsig weiter arbeiteten an dem blauen Gewinde, das ihr malerisch über den Schoß hing. Sein Blick hastete prüfend auf ihr; wo hatte er diefe Gestatt, diese hellen Locken schon gesehen?
Er knickte leicht an dem Baumast. der neben ihm hing. Sie blickte auf, ein elettrischer Funke fuhr aus ihrem Auge in das snne; sie sprang aus, leichtfüßig wie ein junges Mädchen, mit den Händen heftig nach dem Hetzen greifend.
„Warten!"
Die Girlande wat ihr vom Schoße geglitten, Percy bückte sich höflich danach.
„Verzeihen Sie, wenn ich Sie erschreckte, mein Fräulein," sagte er kühl, ihr dieselbe dar- reichend, den Blick forschend auf sie gerichtet, „oder sollte ich in Fräulein Blanche von Almers Frau von Osten zu begrüßen haben?"
„Wußten Sie das nicht? Benachrichtigte der Freiherr Ihren Vater nicht davon?"
„Wohl möglich. Da ich aber fett Iahten nicht mehr bei meinem Valet lebe so erfuhr ich nur die Tatsache der Wiederverheiratung — nicht den Namen der Braut! Ich habe Ihnen mein Beileid auszudrücken, gnädig« Frau, wegen des Verlustes, den Sie erlitten."
„Sprechen wir nickt davon!" Blanche fuhr «sich flüchtig mit dem Batisttuch über die gesenkten Augen. „Wenn ich geahnt hätte, daß Sie heute kommen würden — ich muß in der Tat um Entschuldigung bitten, daß Sie mich so treffen, fo kindisch ausgeputzt" — sie sah vet- | schämt an ihrem idyllischen Anzug« nieder, ihre I Hand berührte leicht den in den Locken sich |
Stolypins Reise nach dem fernen Osten.
Daß Stolypin selbst nach Sibirien reist, muß als starke Uebertaschung für alle jene Witten, die bet Ansicht sind, Rußland habe den Vertrag mit Japan mir geschloffen, um für den Balkan freie Hand zu bekommen. Gewiß trägt sich Iswolsky mit allerlei Plänen für eine „aktive" Balkanpolitik; nur batf man nicht ganz außer acht lassen, daß neben ihm noch andere Personen für die Richtung der russischen answätttgen Politik maßgebend sind. Stolypin denkt anders als manchs feiner Ministerkollegen, aber er ist nicht der Mann der schnellen Entschlüsse, und seine Sorgen sind wirklich nicht Hein. Er weiß, was für Rußland in Asien auf dem Spiele steht: Sibirien ist so groß, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika in feinen Grenzen bequem Platz haben,, es bereinigt alle Zonen von der ewigen Eiswüste bis zur subtropischen Landschaft und bietet für eine unendliche Zahl von Menschen Land und Nahmng. Sibiriens Besitz ist bedroht von der gelben Rasse. Stolypin will nun selbst zum rechten sehen, er wird wahrscheinlich Gelegenheit suchen, den chinesischen und japanifcken Nackbarn zu besuchen. Kommt es dazu, so wird eine Aussprache Über die ostasiccki- schen Probleme sicher von dem russischen Premierminister nicht vermieden werden. Die Reise ist also zweifellos von großer politischer Bedeutung.
Stolypin will sich Über die Zustände in dem Küsten- und Amuraebiet unterrichten. Man erkennt aus diesem Reiseziel, in welche Bahnen die Uebersiedelungsbeweaung gelentt kwerden soll. Das europäische Rußland kann olljährlick sehr gut 2 bis 300 000 Men^cken abgeben. Werden sie bis an die ckinestkcke Grenze vorgeschoben, erfolgt also die planmäßige Besiedelung Sibiriens, sozusagen, von der Küste des Atlan- tiscken Ozeans her. so werden zwar die Kosten erhöht — der Staat befördert meist die Ueber- siedler kostenlos — und die Schwierigkeiten wachsen, aber Rußland sickert sick dadurck seinen ost- osiatiscken Besitz, dessen Erstattung ober Verlust über seine Zukunft entscheidet. Im westlichen Sibirien wird trotzdem die Einwanderung noch statt genug sein. Stolvvin heat die Absicht, alles zu tun. was möglich ist, um dem Vordringen der oelb m Rasse einen aenüaenb festen und breiten Wall entaeaenzustellen Er erweisi sich auch hier wieder als ein wirklicher Staatsmann, der den Zusamemnhana der Dinge begreift und der zukünftigen Entwicklung Recknung trägt. Wenn nur die russische Bureaukrcttie nickt so langsam und verdorben wäre. Trotzdem wird b'e Reise des Premierministers u"ck dem fernen Osten eines der bedeutsamsten Ereignisse für das Rußland der Gegenwart bilden.
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wiegenden Kranz, ohne ibn jedoch zu entfernen. — „aber wenn man Wald und Blumen siebt wie ick. so wird man wieder zum Kinde?"
„Ick glaubte von Ihrem Diener zu hören, daß ich erwartet sei."
Sie bohrte mit dem Fuße ärgerlick in ben Waldboden. „O nickt heute, ich wußte nickt, baß Sie so vünktlick sein würben. Aber da Sie mich dock sckon einmal so gesehen, so bleiben wir gleich hier, nicht wahr?"
Sie batte einige der verstreute» Kornblumen aufgesammelt, ihren Sitz wieder eingenommen unb beute'e anmutig lächelnd auf ben Moos tevvich zu ihren Füßen. Der iunge Mann blieb jeboch rublg stehen, an den Stamm der Buch« gelehnt, die den Platz beschattete.
„Sie sind allein hier, gnädige Frau? Ich hoffte. Genia bei Ihnen zu finden!"
„Wirklich? Wie vergeßlich ich doch bin! Die Ueberraschung des Wiedettehens hat mir alles Denken benommen, Genia ist schon feit Monaten glückliche junge Frau!"
„Verheiratet??" Es war nicht gerade Enttäuschung. die aus seiner Stimme Kang, aber tiefe, ernste Verwunderung.
„Mein Gott ja, die jungen Leute siebten sich so zättlich, der Freiherr hatte das frühzeitige Verlöbnis nie zu einem Zwange für Eugenie werden lassen wollen, es wäre grausam gewesen, sie deshalb zu trennen."
Starren blickte mißtrauisch hinab auf die emsig Flechtende. „Genia wußte von diesem V r- löbnis?"
„Gewiß — ich glaube wenigstens — natürlich wußte sie davon!" Die Girlande war mitten entzwei gerissen unter den zuckenden Fingern, die bemüht waren, ihr eine andre Richtung z« gebe«.
(Fortsetzung folgt.)