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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition sMartt 21), 2,00 JL (Für unverlangt zugekandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion- keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonnlag, 11. September 1910.

45. Jahrg«

Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiek des Blattes für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 '4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Zoh Aug. -och, llniversitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzerokh, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

ErftesBlatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Der deutsch-tschechische Ausgleich.

Einer Seeschlange vergleichbar durchläuft Der deutsch-tschechische Ausgleich von Zeit zu Zeit die Spalten der Tagespresse. Man widmet ihm bei uns in Deutschland kaum noch beson- dsre Aufmerksamkeit, und doch lvird dieser Aus­gleich er ist eine staats- und praktisch-politische Notwendigkeit darüber entscheiden,' ob Oesterreich ein siawischer Staat wird oder ob die Deutschen dort das eigentliche Staatsvolk bleiben soll»«. Daher haben wir allen Anlaß, die Verhandlungen aufmerksam zu verfolgen. -Der Ausgleich soll in die Formel gekleidet wer­den: Zweiteilung Böhmens. Es ist soweit end­lich gekommen, daß kein deutsch böhmischer Ab­geordneter sich dieser Forderung der gesamten deutschen Wählerschaft des Landes mehr ent­ziehen kann, und wenn die jetzt in Wien aber­mals stattfindendm Verhandlungen zu einem brauchbaren Ergebnisie führen sollen, müssen die Tschechen dieser deutschen Grundforderung zu­stimmen. Viele überrascht es, daß die Deutschen Böhmens auf der nationalen Teilung des Kron­landes bestehen. Weniger um dasböhmische Staatsrecht", d. h. den tschechischen Größenwahn ad absurdum zu führen geschieht das; vielmehr will und muß das böhmische Deutschtum endlich dem jetzigen Zustande ein Ende bereiten, daß dte Tschechen auf Kosten der Deutschen ihre Expansionspolitik betreiben. Unzähligemale ist ziffernmäßig nachgewiesen worden, daß der allergrößte Teil der deutschen Steuern Böhmens zu Tfchechisierungszwecken verwendet wird. Da­raus erklärt sich auch der hartnäckige Widerstand der tschechischen Politiker; sie befürchten nämlich, daß ohne die deutschenZuschüsse" ihre Herrlich­keit eine nicht unwesentliche Minderung erfahren wird. Die Deutschen Prags haben zwar auch heut.' ihre Abneigung gegen den Teilungsplan nicht aufgegeben, aber sie wissen, daß sie sich fügen müssen. Ein deutsch böhmischer Parlamen­tarier hatte nicht so unrecht, als er erklärte, lie­ber würde man die Prager Deutschenent­eignen", d. h. sie für die Aufgabe ihrer dortigen Tätigkeit und ihres Prager Grundbesitzes ent­schädigen, als daran die nationale Zweiteilung Böhmens scheitern zu lassen. Jetzt sind die Landeskassen leer. Da die Tschechen unter die­sem Zustande viel schwerer leiden als di- Deut­schen, werden sie auch ihren Mderstand auf» geben, sobald sie erkennen, daß die D-arischen fest bleiben ünd die Regierung nicht die tschechi­schen Wünsche durch scharfen Druck auf die Deutschen unterstützt. Selbst wenn die Tschechen mit Obstruktion, im Reichsrate drohen sollten oder mit starrer Opposition, wird die Re­gierung, falls sie klug ist, sich von Dr. Kramarsch und Genossen nicht breitschlagen lassen; denn andernfalls würden eben die Deutschen opponieren müssen.

Der Luftkreuzer8 6" in Straßburg.

Straßburg, 9. Sept. Rach einer Periode wochenlanger Enttäuschung ist endlich das längst er­wartete Ereignis geworden! Der Luftkreuzer .,Z. 6 hat von Baden-Baden aus feine Passagierfahrten unternommen und ist über Straßburg erschienen. Wie jetzt zugegeben wird haben die Hindernisse bei der Militärverwaltung gelegen, die sich von Erwä­gungen der militärischen Sicherheit des Erenzlandes leiten lassen. Man braucht nicht von Spionenfieber befallen zu sein, um zuzugeben, daß eine Erkundung militärisch wichtiger Stellen von einem Verhältnis mäßig langsam fahrenden Luftschiff aus ziemlich leicht ist. Es kommt hinzu, daß erfahrungsgemäß an den Lustschiffahrten überwiegend Ausländer teil­nehmen, die man in Bezug auf ihren Beruf oder Nebenberuf nicht so leicht und nicht so genau kontrol­lieren kann. Ein militärisch geschultes Auge bedarf schließlich auch nicht der photographischen Kamera oder photographischer Skizzen, um die gegenseitige Lage von Festungswerken, befestigten Stellungen, vorgeschobenen Forts usw. einzuprägen. Wie vor­sichtig man in dieser Beziehung auf französischer Seite ist, geht aus den Sptonagegeschichten der letz­ten Zeit von jenseits der Grenze hervor. Daß man aber auch auf deutscher Seite diesem Umstande Rech­nung getragen hat, beweist u. a. die Tatsache, daß man die ausgedehnten Festungsanlagen von Metz »nter hohem Kostenaufwande mit einem langhin sich erstreckenden Zaun umgeben hat. Unter diesen Ver­hältnissen ist es nicht weiter verwunderlich, daß die Militärverwaltung von Straßburg es ablehnte, der Delag-Eesellschaft einen Exerzierplatz oder überhaupt ein militärisches Gelände für Landungszwecke des Luftschiffes zur Verfügung zu stellen. Darauf verhan­delte die Delag-Gesellschast mit der Stadtverwal- twng. Diese Verhandlungen erlitten eine Verzöge- twn» aus einer ziemlich beliebten Ursache: Der be­treffende Dezernent war nämlich auf Urlaub und

fein Stellvertreter wollte sich an der Lösung der hei­ßen Frage nicht die Finger verbrennen. Inzwischen warteten die Straßburger von Tag zu Tag auf die Medung, daß das Lustschiff nach hier aufgesttegen sei. Es kam aber nicht. Aus geschäftlichen Gründen konnte die Delag-Gesellschast ihren Plan aber nicht aufgeben. Angesichts der nahen Beziehungen zwi­schen Baden-Baden und Straßburg haben die Fern­fahrten in beiden Städten das größte Interesse er­regt und die Delag-Kesellschaft konnte auf die finan­zielle Ausnutzung dieses Interesses als geschäftliche Unternehmerin nicht verzichten. In letzter Stunde ist denn ja auch eine alle Teile befriedigende Lösung der Frage gefunden worden. Die Militärverwal­tung hat ihren prinzipiellen Standpunkt dahin prä­zisiert, daß das regelmäßige Ueberfliegen von Fe­stungswerken, und ein solches kommt bei den Passa­gierfahrten der Delag-Gefellschaft in Frage, nicht gestattet werden könne. Dagegen find die militäri­schen Behörden, wie sie das auch schon in der Praxis baigetan haben, nicht so rigoros in dem gelegent­lichen, nicht programmäßigen Auftauchen eines Passagierluftschiffes über einer Festung eine Gefähr­dung militärifcher Geheimnisse, zu erblicken. Im übrigen werden natürlich immer die Verhältnisse im einzelnen zu prüfen sein. Daß man gerade an der Westgrenze mit besonderer Vorsicht zu Werke geht, ist nicht weiter verwunderlich. Abgesehen von den all- gcmeienen Gesichtspunkten ist den Gouverneuren der Festungen für Sonderbestimmungen ein gewisser Spielraum gelassen. Aehnliche Beschränkungen wie gegenwärtig hier in Straßburg sind seinerzeit auch in Köln vorgeschrieben worden, als dort die große Flugwoche stattfand. Auch in Köln war das Ueber­fliegen von Festungsterrain streng verboten. Der Umstand, daß die Pafsagierfahrten nun doch zustande gekommen sind, beweist, daß die militärischen Inier- effen der Sicherheit des Landes sich sehr wohl mit den Interessen der Delag-Eesellschaft, die im letzten Grunde doch auch an der Vervollkommnung der neuen Kriegswaffe, der Luftkreuzer, arbeitet, vereinbaren lassen.

. Deutscher Pfarrettag.

Königsberg, 8. Sept. Nachdem gestern die Abgeordneten der preußischen Pfarrervererne getagt hatten, trat heute im Landeshause der diesjährige Deuffche Pfarrertag unter zahlreicher Beteiligung aus ganz Deutschland zusammen. Eeneralsuperinten- dent Braun (Königsberg) eröffnete die Versamm­lung mit einer Andacht. Er wies dann darauf hin, wie gering früher die Pfarrer besoldet wurden. Mit 3 bis 400 Talern hätten sie sich müde gearbeitet und hungrig gedarbt, um dann im späten Alter mit dem dritten Teil dieser Summe den Lebensunterhalt zu fristen. Jetzt seien ja die Verhältnisse besser gewor­den. Der Redner schließt mit der Mahnung an die Pfarrervereine dafür zu sorgen, daß jeder einzelne Geistliche ein Haushalter Christi werde. Der Vor­sitzende Dekan Deißmann brachte hierauf folgen­des Huldigungstelegramm an den Kaiser zur Ver­lesung:Eurer Majestät bringt der auf dem ge­schichtlich ehrwürdigen Boden der alten Krönungs­stadt Königsberg versammelte Deutsche Pfarrertag untertänigste und ehrerbietigste Huldigung bar und gelobt, in dieser ernsten Zeit von neuem, dem Rufe Eurer Kaiserlichen Majmät an alle Volksgenossen zu treuer Mitarbeit am Wohle des Vaterlandes an seinem Teile, seiner Veranwortung vor Gott gewiß, getreulich und aus allen Kräften Folge zu teiften?' Rach verschiedenen Begrüßungsansprachen wies bet Vorsitzende auf die Bewegung hin, die infolge der Borromäus-Enzyklika im deutschen Volke entftanben sei und nicht so balb zur Ruhe kommen werde. Es wurde hierzu einstimmig folgende Resolution ange­nommen:Der deutsch-evangelische Pfarrettag zu Königsberg bebauen es tief, baß bie Borromäus- Enzyklika den katholischen Teil unseres Volkes im­mer tiefer in die römischen Eeschichtsirrtiimer ver­stricken und -u einer immer feindseligeren Haltung gegen den evangelischen Volksteil treiben will. Er macht es daher seinen Mitgliedern zur heiligen Pflicht, an der Erhaltung und Förderung evangeli­schen Gemeindelebens um fo treuer zu arbeiten. So­dann nahm die Versammlung den Jahresbericht ent­gegen, der erwähnt, daß der Bestand des Verbandes Im letzten Jahr um ein geringes gewachsen ist, sodaß die Zahl der Mitglieder gegen 11600 betrage. Ein großer Teil des Jahresberichts ist der Idee gewid­met, die bereits von verschiedenen evangelischen Or­ganen geübte Preßtäligkeit zu organisieren. Zu die­sem Zwecke sollen die Geistlichen mehr Anschluß an die Tagespresse suchen, um unberechtigte Angriffe ge­gen evangelische Geistliche besser abwehren zu kön­nen. Zu dem ThemaFestlegung des Osterfestes wurde im Anschluß an den Jahresbericht eine Reso­lutton angenommen, die sich für eine solche Festleg­ung ausspricht, und zwar auf den ersten Sonntag nach dem 4. April. Ferner spricht sich die Resolution für eine Kalenderreform aus, in dem Sinne, daß je­der Monatstag auf einen bestimmten Wochentag fällt. Pfarrer v. L L p k e sprach überPfarrer und ländliche Wohlfahrtspflege. Im Anschluß an den Vortrag wurde eine Resolution angenommen, die die Pflege des religiösen Lebens in heimatlicher und volkstümlicher Gestalt für eine Aufgabe jedes Pfar­rers und die Aufnahme des Stoffes in die Universi­täten, Predigerseminare und theologischen Kurse für dringend wünschenswert erklärt. Weiter gelangte nach einem Referat von Pfarrer Fritsch (Berlin) eine Resolution zur Anahme, die sich gegen den Alko- holmjßbrauch wendet. In welcher Weise die evange- lsichen Geistlichen den Kampf gegen den Alkohol auf­nehmen wollen, hätten sie mit ihrem Gewissen zu entscheiden, die evangelische Kirche dürfe sich aber in der erfreulich zunehmenden Antialkoholbewegung nicht von anderen Volksfreunden überflügeln lassen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf Stellung­nahme zu der Konferenz für evangelische Eemeinde- arbeit. Der Referent P. Droh (Berlin) befürwor­

tete eine sympathische Stellungnahme zu der Kon­ferenz. von bereit Arbeiten er eine Entlastung bet Geistlichen erwartet. Nach Erlebigung einiger wei­terer kleiner Vorlagen war bie Tagesordnung er­schöpft; zum Ort der nächsten Tagung wurde Eise­nach gewählt. Darauf schloß der Vorsitzende die Verhandlungen mit den üblichen Dankesworten.

Vom Kaisermanöver.

Preußisch-Holland, 6. Sept.

Bei dem roten ersten Korps baute die erste Infanteriedivision im Laufe des gestrigen Tages ihre Stellung auf, die von Süden nach Norden sich von Grünhagen, nach Rogehnen zog und mit nach Norden zurückgebogene« rechten Flügel östlich von Preußisch-Holland fortsetzte. Nach Westen waren noch bei Macken und Tal- pitten starke Feldbefestigungen vorgeschoben. Die Stellung ist sehr fest. Ueberall sind tiefe Lauf­gräben angelegt, Geschütze eingegraben und das Gelände überall wieder geebnet worden. Noch weiter westlich zwischen Krossen und Schönfeld sind umfangreiche Scheinanlagen errichtet, die, obwohl sie leer sind, von Weitem den Eindruck besetzter Verschanzungen machen. Die rote zweite Division erreichte, von Osten kommend, gestern Groß-Thierbach, Reichertswalde und Salberbach. General v. Kluck beschloß, mit der ersten Division die ausgebaute Stellung zu halten und die 73. Brigade, die zweite Division und die Masse der Kavallerie hinter dem rechten Flügel bereit zu stelleu. Das 17. Korps, blau, hatte hauptsächlich auf Grund von Meldungen seines lenkbaren Lusti- schisfes den Eindruck gewonnen, die Hauptstellung der roten Kräfte befänd sich hinter dem Ober­länder Kanal, wo sich die Scheinanlagen befan­den. Die 41. und 35. blaue Division sollte diese Stellung in Front angreifen. Die 36. Division sollte von Elbing auf Pr.-Holland Vorgehen und die Kavalleriediviston E mit Tagesanbruch gegen den rechten Flügel von Rot. Dementsprechend erschien die 35. Division um 9 Uhr 30 Minuten morgens bei Hirschfeld und die 41. Division gleichzeitig weiter südlich bei Nahmgeist. Das Vorgehen dieser blauen Truppen erfolgte lang« san:, vorsichtig und beinahe unsichtbar mit Aus­nutzung aller Deckungen des Geländes. Die Di­visionen wurden von roter Artillerie aus deren Hauptstellung beschossen. Das Wetter ist schön. Die Wege sind etwas getrocknet. Der Kaiser stieg um 8 Uhr 30 Min. bei Roghenen zu Pferde und beobachtete die Bewegungen von einer Höhe zwischen Talpitten und Grünhagen, wo auch Graf Häseler und die fremden Offiziere, sowie die Manöverleitung unter dem Generaloberst v. d. Goltz sich befanden. Arn Nachmittag 4 Uhr war die blaue 35. Division durch ein sehr ab wechslungsreiches Gelände, nachdem es mittags den Oberländer Kanal überschritten und süh mehrfach entwickelt hatte, bis an die Chaussee von Preußisch-Holland-Grünhagen gegenübsr Mücken vorgedrungen. Rot hatte die Befestigungen ge­räumt. Ebenso war die blaue 41. Division bet Grünhagen angelangt und überschritt die ge­nannte Chaussee. Rot hatte die vorgeschobenen Befesttgungen bei Talpitten verlassen und sich auch hier auf die Hauptstellung zurückgezogen. Die 36. blaue Division war bis Rogehnen ge­kommen. Ueberall und noch nachmittags um 6 Uhr war das Feuergefecht aller Waffen im Gange. Vielfach sah man außer Gefecht gesetzte Mannschaften und Offiziere. Der Kaiser hatte in der Nähe von Talpitten das Frühstück eingenom­men, war dann nach dem nördlichen Kampfplatz bei Rogehnen geritten und gedachte noch weiter im Gelände zu verbleiben. Das blaue 17. Korps erhielt erst nach dem Ueberschreiien des Uebcrlänber Kanals sichere Meldungen über die wirkliche Hauptstellung von Rot. Demgemäß machten die 41. und die 35. Division Achtelschwen­kungen nach rechts. Die 36. Division entwickelte sich in der Linie Preußisch Holland, längs mit der Front nach Süden. uf ihrem linken Flügel grub sich die Kavalleriediviston E ein. Abends 10 Uhr hörte man noch den Donner der Kanonen der schweren Attillerie, die sich bei Tage einge­schossen hatte. Rot ist in seiner starken Stellung verblieben; bei Rot sind Scheinwerfer eingebaut, die des Nachts in Tätigkeit treten werden.

Deutsches Reich.

Zur Ostastenreise »es Kronprinr-n. Ber- iln, 9. Sept. DieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung schreibt: Im Gefolge des Kronpttnzen aus feiner Ostastenreise befinden sich der Generalad­jutant des Kaisers Generalleutnant v. Schenk, Major Graf zu Solms Wildenfels, persönlicher Adjutant des Kronprinzen, O-donnonzoffizier v. Zobeltitz, Leibarzt Merstabsarzt Dr. Wide- mann, Gesandter von Triutler, Oberleutnant der -Reserve, Graf Finck von Finckenstein, Bnreauvor- isteher des kronprinAtzen Hofmarschallamts 'Sommer.

Oberst v. Glasenapp, der Kommandeur bet kaiserlichen Schutztruppen, tritt, nach demTag*, seine Jnspizierungsreise nach Deutsch-Südw^t- afrtka bereits am 10. d. M. an. Sie dürste un­gefähr vier Monate in Anspruch nehmen.

Bischof v. Busch -f. Kaiserslautern (Pfalz), 9. Sept. Wie diePfälzische Presse" meldet, ist der Bischof von Speyer, Dr. v. Busch, heute früh 7 Uhr 20 Min. im Alter von 63 Jahren infolge eines wiederholten Schlaganfalls gestorben.

Der Brrband mittlerer Reichspost und Telegraphenbeamten hält vom 12. bis 14. Sept, imLehrervereinshaus" zu Berlin feinen 20. or­dentlichen Verbandstag ab. Der vorliegende.' Geschäftsbericht für das Kalenderjahr 1909 läßt, erkennen, daß dieser für die Organisationsbe­wegung der Beamtenschaft bahnbrechend gewesen und auf dem Gebiete der sozialen Selbsthilfe vor- bildlich tätige Verband sich auch im Berichtsjahre günstig weiterentwickelt h-t. Der Mitgliederbe-, stand ist um 2511 gestiegen und betrug Ende 1909 über 38 000. Dementsprechend haben sich auch blei Vermögensverhältnisse vorteilhaft entwickelt; baS Gesamtvermögen des Verbanbes betrug am Schluß des Berichtsjahres über 1,6 Millionen Mark. Hiervon entfielen u. a. auf den Ver­bands Reservefonds 72 047 Mark, auf den Für«, sorgefonds für Lungen- und. Nervenkranke; 59 000 Mark, auf die Fürsoegekasse 218 384 Mark, und auf die Sterbekasse 1204 461 Mark. Der Ver­bandstag wird sich mit einer großen Reihe von Anträgen ;u befassen haben, die Organisation und' Standesfragen betreffen. Neber die Verhandlun­gen werden wir eingehend berichten.

Regierung und Fleifchnot. DemTag' tst aus Erkundigungen nach den zu treffenden Maß­nahmen, giften die Fleischnot folgende Antwort zugegangen: Dte Regierung verfolgt nach wie vor die Vorgänge auf dem deutschen Flei schmorst auf das eingehendste. Sie fft zu der Ueberzeug- üng gelangt, daß man im gegenwärtigen Augen­blick von einem Viehmangel nicht sprechen könne. Auch die von vielen Sttten behauptete Fleisch­teuerung fei nur eine ganz minimale, wie aus den Statistiken im Vergleich mit den entsprechen­den Monaten des Vorjahres deutlich hervorgehe. Diese Steigerung erttärt f aber aus ber ganzen wirtschaftlich n Konjunktur, sie mache sich auf an­deren Märtten, z. B. dem Kohlen-, Eisen- und Zinkhandel, gleichfalls bemerkbar. Die ganze Wirtschaftshaltung und mit ihr ' die Löhne ber Arbeiter baden eine Steigerung erfahren, und so sei es erklärlich, daß bie allgemeine Teuerung sich auch auf den Fleischmarkt erstrecke.

Ein Torpedoboot ausgelaufen. Berlin, 9. Sept. Das Torpedoboot V." 162 M. ist in­folge Nichtbrennens der Hals'ow Leuchttonne ausgelaufen. Die Lage ist nicht gefährlich. Die Hochseeflotte traf alle Maßnahmen zur Ab- bringung.

Zur Flcischteuerung. Stuttgart, 9. Sept. Eine Verfügung des Ministeriums des Neustem ordnet an, daß alle ermäßigten Frachttarife für die Einsiihr von Fleisch, frisch geschlachtetem Vtch und von Pferden tm Inneren Verkehr und im Verkehr mit anderen deutschen Bahnen bis zum 31. Dezember 1910 verlängert wird. D:r Beirat der Verkehrsanstalten hatte bie Einfuhr von Fleisch nach Württemberg als dringend not­wendig bezeichnet.

Ausland.

* Englands und Oesterreich Ungarns Han- del. London, 7. Sept. Rach dem Handelsaus- weis für August zeigt die Einfuhr eine Zunahme gegen das Vorjahr um 3 619 413 Pfund Sterling, die Ausftihr eine folche um 6 524183 Pfund Ster­ling. Wien, 7. Sept. Nach dem statistischen Ausweis des Handelsministeriums für den Außenhandel des österreichisch ungarischen Zoll­gebietes betrug tm Juli bie Einfuhr 205,8 Mill., die Ausfuhr 193,1 Millionen Kronen. Dies be= beutet ein Weniger von 15 Millionen bezw. ein Mehr von 2 Millionen Kronen, gegenüber bem enbgiftigen Ergebnis im Juli vorigen Jahres. In den Monaten Januar bis Juli betrug bie; Einfuhr 1615,3 Millionen, bie Ausfuhr 1331,1. Millionen Kronen. Dies bebeutet ein Mehr von, 98,2 bezw. 54,6 Millionen Kronen gegenüber bem endgiltigen Ergebnis im gleichen Zeitraum bes Vorjahres. Die Handelsbilanz für bie Mo­nate Januar bis Juli weist demnach ein Pasfi- vurn von 284,2 gegen 240,6 Millionen Kronen im gleichen Zeittaurn bes Vorjahres auf.

** Der »etfreür des Papstes verläßt bie Trauerfeter für Albano. (Santiago be Chile, 9. Sept. Der Vertreter bes Papstes unb fein Sekretär verließen bie in ber Kathedrale für be» verstorbenen Vizepräsidenten Albano abgehaltene Tranerseier unb beschwerten sich barflber, daß dies zur Hunbertjahrfeier ber Unabhängigkeit ber' Republik hier weilenden fremben Gesandten de» Vortritt erhielten, x r ;