mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain^
unb ben Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) unb .Lanbwirtschastliche Beilage.«
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Die „Oberhessifchc Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2,00 -K. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- tion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Donnerstag, 8. September 1910.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebier des Blattes für die 7gehaltene Zerle oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4. für Reklamen 40 4. - Druck und Verlag: Joh. Aug. 5toch, Univerfitäts-Buchdruckeret. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Televbon 55.
45. Jahrg
Die Nordmark
tst ein durch dänische Umtriebe gefährdetes Gebiet. Auch hier hat die Regierung es einmal verbucht, wie bei den Polen im Osten und den Franzosen im Westen durch Nachgiebigkeit die Protestler gegen das Deutschtl'.m versöhnlich zu stimmen. Wie jedermann bekannt, mit dem Erfolge, daß dies Verhalten von den Agitatoren des Auslandes als Schwäche altsgelegt wurde, und die hochverräterischen Tendenzen auf Abtrennung an das Ausland sich nun ganz offen gebärdeten zum Schaden des Deutschtums, denn an assimilieren war gerade zu dieser Zeit kein Gedanke. Allmählich hat sich unter deut Drucke der öffentlichen Meinung in den bedrohten Gebieten der Kurs geändert, in der Nordmark im wesentlichen durch den „Deutschen Verein«. In diesem übt jetzt einen maßgebenden Einfluß Graf Rantzau aus. Der Mann hat neben seine.' deutschen Gesinnung noch den Fehler, als Graf auf die Welt gekommen zu sein. Grund genug von den „Friedens«- freunden demokratischer Observanz aufs beste gehaßt zu werden. Dieser Haß hat sich kürzlich zu zwei Artikeln eines Herrn Tiedje aus Marburg a. L. verdichtet, die von persönlichen Aw würfen derart strotzten, daß Graf Rantzau es für unter seiner Würde erklärte, sich auf eine Diskussion einzulassen.
Dagegen erstand m dem Grafen und dem „Deutschen Verein« in den nationalliberalen Organen der Provinz Schleswig-Holstein namhafte Verteidiger, die die „sachlichen« BehaupMngen Herrn Tiedjes als „Unsinn« erwiesen. Es verlohnt sich nicht der Mühe, näher auf die Angelegenheit einzugehen. Bezeichnend ist es aber, daß die „Frankfurter Zeitung« die Artikel Herrn Tiedjes veröffentlichte, eine Entgegnung des Landtagsabgeordneten Johannsen — ablehnte, weil sie die Darlegungen nicht für richtig hielt und sich an der Schärfe des Tones stieß. Tableau!
Jetzt hat nun die Ausweisung eines dänischen Agitators Clausen dem hiesigen Prof. Rade zu folgendem Vorschlag Veranlassung gegeben:
„Es wird nachgerade Zeit, daß die weiter blickenden und feiner empfindenden Deutschen aller Richtungen und Parteien fick aus Patriotismus wider diese selbstmörderische Praxis zusammen tun. Ich befürworte die Gründung eines Vereins zum Schutze der deutschen Ehre in d e rN o rdm ark. Unbegreifliche Verblendung hält dort eine Politik aufrecht, die weder vor den Geboten der Klugheit, noch vor den Forderungen der Moral bestehen kann, und die auf die Dauer das Deuffchtum mit schwerem Schaden bedroht.
Oder welche politische Klugheit könnte dazu nötigen, daß das große und mächtig« Deuffche Reich das bluts- und kulturverwandte kleine dänische Nachbarvolk fortwährend kränft und ärgert. Welche Moral könnte gestatten, den freien Verkehr reifer Menschen unter einander ohne offensichtliche Gründe von schwerstem Ernste zu hindern oder aufzuheben?
Wir bedauern alle Deutschen, die sich mit Willen oder Widerwillen zu Werkzeugen einer
15 (Nachdruck verboten.)
Seelenkämpfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
Sie bezwang sich und schlich leffe an seine, Seite: „Herbert!«
Er zuckte auf. Das freundlich mitleidige Auge seiner jungen Frau ruhte auf ihm, ihre Stimme flüsterte zärtlich: „Komm, Herbert, laß uns hinabgehen!«
Er fuhr sich mit der Hand über die Ssirne. War es nicht sein Weib, das da bittend vor ihm stand, sein geliebtes Weck? Er letzte ihren Arm in den seinen und drückte ihn fest an sich. Als sie wieder zu dem alte« Harrn zurückkehrten, waren seine Züge ruhig, wenn auch noch bleich und etwas starr im Ausdruck.
„Gute Nacht, Herr Dottorl Ich muß mich künftig vor dem Bergsteigen hüten, ein plötzlicher Schwindel überfiel mich.«
„Auf Wiedersehen daheim in Triest!'—
„Auf Wiedersehen!« Genta nickte D-^wr Helmroth freundlich zu. Sie war so innig froh, daß ihr Gatte ruhig geworden in dem Augenblicke, wo er ihre Stimme gehört. Sie wollte nicht von seiner Seite weichen, der finstere Geist sollte nicht wieder über ihn kommen!
Langsam stiegen sie den Schloßberg hinab zu ben vom Mondlicht traumhaft beleuchteten Straßen der Stadt. Norring suchte Hefter zu .scheinen, er trällerte halblaut ein Liedchen vor strh hin; aber Gema fühlte, daß er sich dazu zwang, seine Stimme klang gepreßt. Ne schritten über den weiten, lichten Hauptplatz dahin und gleich darauf hatten sie die breite Stekntreppc,
Politik hergeben, deren Fiasko schon heute zutage liegt und die bald zu den dunkelsten Episoden der neudeutschen Reichsgeschichte ad acta gelegt werden wird. Wenn sie aber selber aus ihren Fehlem nichts lemen, so wird nichts anderes übrig bleiben, als die bessere deuffche Gesellschaft zu endlicher systematischer Abwehr dieser Verirrungen nachdrücklich aufzumfen.«
Demgegenüber bemerkt die „D. Tagesztg«:
„Entweder kennt er die Verhältnisse in der Rord- mark durchaus nicht, oder er leidet an einem überaus bedenklichen Mangel an deutschem Staatsbewußtsein. Wie in der Rordmark die dänische Agitation getrieben wird, das ist doch allgemein und hinlänglich bekannt. Die Deutschen baden sich bisher lediglich in der Abwehr befunden; und diese Abwehr war nach der Meinung fast aller deutschen Kreise bis in denFreisinn hin- e i n notwendig. Es fällt dem großen Deutsche'! Reiche nicht im geringsten ein, das kleine dänische Nachbarvolk zu kränken und zu ärgern. Nicht gegen das Nachbarvolk richten sich die selbstverständlichen und notwendigen Maßnahmen, sondern gegen eine unverfrorene und auf die Dauer bedrohliche Agitation innerhalb des Deutschen Reiches für das Dänentum.
Daß der Herr Professor mit seinen, Aufmfe viel Erfolg haben werde, glauben wir nicht. Die Presse lehnt ihn, selbstvcfftändlich mit Ausnahme der demokratischen, rundweg kühl oder scharf ab. Aber daß ein derartiger Äufmf überhaupt im Teuffchen Reiche erifftlich erlassen werden konnte, das ist tief beschämend. Wenn sich Professor Radr mit seinen unglaublichen, »»deutschen Sätzen an die „bessere deuffche Gesellschaft« wendet, so muß das in hohem Maße lächerlich wirken. Wir danken für eine derartige „bessere deutsche« Gesellschaft. Sie mag wähnen, besser zu sein, deutsch ist sie nicht.' . . .. .
Femer stellt das Blatt fest, daß die dänischen Blätter, besonders bla gewerbsmäßig gegen Deutschland hetzenden, diesen neuen Versuch, die deutsche Abwehrpolittk gegen fremde Agitatoren im Auslands zu diskreditieren, mit lautem Jubel begrüßten, der selbstverständlich auch vom „Berliner Tageblatt« ausgenommen wird Die na- tionafliberale „Rhein.-Westf. Ztg.« aber schreibt:
„Affo die alte Geschichte? lieber die dicksten Balken im Auge des nattonalen Gegners sehen diese politisierenden Theologen in christlicher Nächstenliebe großmüttg hinweg, die Splitter im Auge der Volksgenossen aber Übertreiben sie zu M ammut s grö ß e. Müßte man nicht annehmen, daß sie „nicht wissen, was sie tun«, so wäre keine Verurteilung solchen Gebarens scharf genug. Wie wäre es mit der Gründung eines „Vereins zum Schutze der deukschen Ehre vor verrannten Ideologen'?'
Es unterliegt keinem Zweifel, daß in einem von solchen Rationalitätskämpfen durchwogten Gebiete auch Uebergriffe von feiten des bedrohte« Deutschtums geschehe«. Wir halten es aber nicht nur für politisch unflug, sondern einfach für verwerflich, wenn man deshalb der Politik zur Erhaltung des Deuffchtums in be-
ihrs Hotels erstiegen und standen in den für sie reservierten Zimmern.
„Ei, ei, hier ist es ja ordentlich elegant!« Genia durcheilte das erste Gemach und blieb auf der Schwelle des nächsten stehen, nachdem sie es flüchtig im Halbdunkel gemustert.
„Gute Nacht, Herbert!« Sie streckte ihm mit herzlichem Lächeln beide Hände entgegen.
Er faßte dieselben und drückte sie sanft an sich. „Gut Nacht, Kind? Und wo soll denn ich bleiben?«
Glühende Röte überflog ihre Wangen bis hinauf zur Sttrne. Sie machte sich hastig frei, trat zurück und sah mit erschrockenen Augen zu ihm auf. „Du — du meinst doch nicht —'?« Sie senkte den Blick, ihrs Brust hob sich heftig, sie suchte nach Worten und konnte sie nicht finden. „O bitte nein! Ich war immer allein, o bitte, bitte, lieber Herr Norring . . *«
Sie hatte die Hände gefaltet und wartete mit sichtlicher Angst, daß er gehen werde. Er ftanb noch immer an den Türrahmen gelehnt, sie aber wich ffefer ins Zimmer zurück. Und plötzlich fühlte sie es wieder über sich kommen, jenes leise Grauen vor ihm, womtt sie soeben noch auf dem Schloßberge gerungen, jenes instinkttve Bewußffein, daß ihr Gatte anders war als alle, die sie bisher gekannt, daß ein Etwas über seinem Wese« lag, durch jede seiner Bewegungen bebend, aus seinem Auge glühend, in seiner Stimme Ningend, das, jedes Zutrauen lähmend, sie in ihr selbst unervärlicher Scheu von ihm wegdrängte. . .
Sie sah zu ihm hinüber, beinahe Enffetzen in tränenverschleiertem Blick, st? sah, wie auch seine Lippen zuckten, als wollten sie sprechen.
Was alles hatte er sich nicht vorgenommen
drohten Bezirken dadurch in den Rücken fällt, daß man ihr das Stigma „unmoralisch« oder „haka- tisffsch« beizubringen sucht, mit dem man nun draußen wird hausieren gehen. Alle Deuffchen, die die Politik einer starken Hand in den Grenzgebieten wünschen, werden das Bedauern Prof. Rades zu tragen wissen.
Der famose Verein des Dr. Rade wird, wenn er zustande kommt, vermuflich Polen, elsaß-lothringische Protestler und Sozialdemokraten brüderlich Vereinen. Ein Mann, der dem eigenen Volkstum in den Rücken fällt, spricht von der gefährdeten deutschen Ehre! Nur ein Deutsch r kann seine Vorurleilsfreiheit, seine „Objekttvität« so weit treiben, daß er gegen seine eigenen Volksgenossen ungerecht wird. Unsere guten Freunde und Gönner im Auslande werden ihrs Helle Freude haben.
Schnelle Entwicklung.
Die großartigen Leistungen bei den lieber landflügen in Ostfrankreich haben die Franzosen mit großem Stolze erfüllt. Der „Malin« sprach von einem „Austerlitz der Aiviatik« und berauschte sich mit tönenden Worten an der Feststellung, daß die Franzosen die Heren des Lust- meeres feien, daß keine andere Ration ähnliche Erfolge aufzuweisen habe. Das ist richffg, soweit es den Fliegersport betrifft. Im vergangene» Herbst haben Bldffot, Latham und Rougier auf dem Flugplätze Berlin-Johannisthal zum ersten Male in Deutschland ihre Fliegerkünste gezeigt. Fast alle großen Preise wanderten damals nach Frankreich, und der einzige Deutsche, der mit konkurrierte, kam mit seinem Apparat überhaupt nicht vom Boden los. Heute, nach dreiviertel Jahren, hat sich die für Deutschland anfänglich so ungünstige Sachlage verschoben, wie die Veranstaltung der erften nationalen Flugwoche in Johannisthal beweist. Wir beginnen den Vorspmng, den die Franzosen und Amerikaner gehabt haben, einzuholen.
Unsere Zeit ist schnelllebig. Was fie gestern noch als ein erstrebenswertes Ziel vor sich sah, nimmt sie als Erfüllung mit der größten Selbst- vefftändlichkeit hin. Im kommenden Ottober sind efft drei Jahre verflossen, seit in Berlin das erste lenkbare Luftschiff der Oeffenflichkeit gezeigt wurde. Damals hatte die Motorlufffchiff- studiengesellschaft die Presse und ein ausgewähltes Publikum zur Besichtigung des erfhn Parse- valballons nach Tegel eingeladen. Bon der Militärluftschifflotte war erst das zweite vergrößerte Modell im Bau, und am Bodensee baute Graf Zeppelin, der im Jahre vorher seine berühmte achtstündige Schweizerfahrt ausgeführt hatte, ein neues Luftschiff. Was haben toi. seither auf dem Gebiete der Lufffchiffahtt alles erlebt! Ueber dem Häusermeer der Welfftadt manöverierende Lustkreuzer sind dem Berliner längst vertraute und gewohnte Erscheinungen geworden, und zahlreiche deuffche Städte haben Vertreter eines bet brel deutschen Lustschifftvpen über sich hinwegfliegen sehen. Auch das System
ihr zu sagen — die langen Stunden hindurch, da sie auf brr Fahrt schlafenb an seiner Brust geruht; wie war ba sein Herz übergeflossen von zartschonenber Liebe! Unb jetzt? Lug unb Trug hatten sie zu bet Seinen gemacht — er hatte es soeben bitter genug erkannt: Blanche hatte ihn betrogen, Genia wußte nichts von seinem früheren Leben! Wenn aber Frau von Ost?« in bem einen ihn hintergangen, hatte sie dann wahr gesprochen, baß dieses Kinb, bas bk Schönheit liebte, die Mißgestalt seines Bewerbers nicht verachtete?
Flammte er nicht eben auf in ben großen Augen dieses bleichen Gesichtchens, jener Blick, von dem er Blanche gesagt hatte, daß er ihn ahnen würde, auch wen« er ihn nickt sähe, ihn fühlen, noch ehe man ihn für ihn hätte? War eS nicht Verachtung für seine Häßlichkeit, was aus den halbgeöffneten, blassen Lippen sprach?
Mißtrauisch richtete er sich auf, das Auge mit finsterem Stolze über die lichte Gestalt Genias hinschweifen lassend.
„Du brauchst nicht so entsetzt vor mir zurückzuprallen, Eugenie. Glaubst du, ich werde dich zwingen, deinen Abscheu vor mir zu überwinden? So bleibe denn allein!«
Er wandte sich zum Gehen. Da hörte er leicht? Schritte hinter sich, es sank vor ihm nieder, flehende Hände hoben sich zu ihm auf:
„O, Herr Norring, ich wollte Sie nicht beleidigen, Gott weiß, daß ich es absichtlich nicht tat! Ich wollte Sie ja glücklich machen — Wollte so gut und fromm sein!« Tränen er- sttckten ihre «Stimme. „Bleibe hin, Herbert —'
„Ich danke dir Eugenie! Ich totlt dein Mitleid nicht, wo ich Liebe verlangen kann. Die
„Schwerer als die Lust« wird sich mit großer Schnelligkeit bei uns einbürgern, und bis behördliche „^Regulierung“ bes Ueberlandfluges, wie ste für bie Mark Brandenburg erst vor kurzem versucht worben ist, wird die Fortschritte bet T ch- nik nicht zu hemmen vermögen. Polizeiliche Be vormunbung kann di? sich vollziehende Entwicklung nicht aufhalten, nicht einmal die leider unausbleiblichen Menschenopfer können die kühnen Pioniere des Luftverkehrs abfchrecken.
Ausland.
** Zusammenstoß zwischen Gendarmen «ntz Bauer«. Budapest, 6. September. Ueber einen Zusammenstoß, der gestern zwischen Bauern und Gendarmen in Czerlna ftattfanb, wird folgenbs amtliche Dafftellung gegeben: Der Zusammenstoß erfolgte wegen Tragens von Kokarden in beit Landesfarben des Königreichs Rumänien, wozu der im Wahlkampf unterlegene und seither unablässig agitatorisch tätige Abgeordnete Vajda die rumänffche Landbevölkerung angestiftet hatte. Die Aufforderung der Gendarmen, die gesetzlich verbotenen Kokarden abznlegon, bant- worteten die Landleute, " dem sie eine drohend« Haltung einahmen und die Gendarmen angriff n, die zur Abwehr auf die gegen sie vorgehendi Menge feuerten und zwei Personen töteten. Ju der Gemeinde Stracsa kam es aus derselben Veranlassung ebenfalls zu einem Zusarnenstoß, bei bem ein Genbarm von bet Menge getötet würbe. Da in jener Gegend (der Wahlkreis des erwähnten Abgeordneten Vajda) Ausschreitungen und Brandstiftung an der Tagesordnung sind, ist in die bedrohlichen Gemeinden eine starke Truppen- abteUung entsandt und die Gendarmerie vefftärst worden.
* * Die Lage in Spanien. Barcelona, 6. Sept I« einer heute abgehaltenen Versammlung de> Arbeiter wurde mit Rücksicht auf den Mißeffoltz des Generalstreikes in Bilbao und Saragossa beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehme:., abel von neuem den Generalstreik zu verkünden, wem», die Forderungen der Metallarbeiter nicht befriedig! werden.
* * Das Gesetz über ba8 literarische ©gen tum. Buenos Aires, 6. September. Die Kammer genehmigte einstimmig das Gesetz betreffend das literarische und künstlerische Eigentum uad das Gesetz, durch welches die in Berlin 1906 unterzeichnete Konvention Über die Funkentelegraphie genehmigt wird.
* * Dir Kretafrage. Konstantinopel, 6. Sepi Bei der Mitteilung der Antwort der Kretaschutz Mächte hatten die Botschafter lange Besprech ungen mit dem Minister des Aeußern. Wie ver lautet, erneuerten sie ihre früheren Friedensrat sckläge. Wie in Pfortekreisen verlautet, wird bl Pforte in der griechischen Nationalversammlung die Gelegmheit ergreifen, eine endgiltlae Lösung der Kretasrage zu Verlangen;
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Lüge hat uns zusammeugesührt, laß uns w-vig- stens jetzt ehrlich gegeneinander sein! . . .«
Genia hatte die Hände vor das Gesicht gepreßt. Wie in weiter Ferne hörte sie noch di« Tür schließen, seinen schweren Schritt das nächst« Zimmer durchschlelfe-n und auch dieses verlassen, dann wurde es ihr dunkel vor den Augen, st« hörte das Meer toi? in ihren Träumen donnernd vor ihren Ohren brausen, ihr Kops sank Hari gegen die Kante d?s Türrahmens . . .
8.
Es war noch sehr früh am andern Morgen, der Tau lag noch in schtoeren Tropfen auf den Büschen und Gräsern, als Norring den Neine« Garten des Gasthauses betrat, der hinter bem- selbM in erhöhter Lage bie Aussicht auf bi« rnorgenfrische Gegend bot.
Er hatte Genia oben in ben Zimmern ge sucht unb nicht gefunben. Sie saß unter bem überbängenben Fliederstrauche; ein weißer Schlafrock umschloß ihre Glieder, das lange, üppige, braune Haar floß lose über Schultern und Rücken herab. , _ ,
Er blieb stehm und schaute auf sein junges Weib, das toie traumverloren ins Weite starrte. War dies das Kind, das er gestern gefreit? Et entsann sich, einmal irgendwo ein Bild gesehen zu haben, zwei Frauen darstellend, di? Zukunft und Bergangenhett. Gestern noch hatte Genia dem lieblichen Wesen geglichen, das voll Hoffnung in bie rosige Zukunft lachend, @rbe unb Himmel aufrufen möchte zu Zeugen feine» Glückes; heute schon lag ihr jener stille, bitter« Zug um den Mund und in ben traurigen Auge«, der ihn an dem wie auf zerstörtes Lebensglück zurückschauenden Weibe so mächtig ergriffen. « (Fortsetzung folgt.)