45, Iahrg«
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 72.
Auch ich habe Sorge und Kummer und ich habe st« niedergelegt vor dem Altäre der heiligen Kapelle. Wir alle sind ja Zeuge, was hier im Laufe der Jahrhunderte durch die Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau, der Mutter Gottes, erreicht worden ist und wie sie die Wünsche vieler schwerbeladener Seelen erfüllt."
Die „Post" erinnert daran, „daß die Großmutter des Prinzen eine Protestantin war. Auch König Maximilian II., der Vorgänger und Vater des verstorbenen Königs Ludwig II., hatte die protestantische Prinzessin Marie von Preußen geheiratet, die freilich Katholikin wurde. Ueberhaupt sind einstmals die Vorfahren der heute in Bayern regierenden Mittelsbacher Vorkämpfer des Protestantismus in Deutschland gewesen: tempora mutantur . .“
Der „Bayr. Kurier" schreibt: „Wie das Bekenntnis des Kaisers Wilhelm zur christlichen Weltan- schaung, so wird auch das katholische Glaubensbekenntnis des Prinzen Ludwig die freudige Zustimmung aller treuen Katholiken finden."
Die „Münchener Reuest. Rachr." meinen: „Dem religiösen Empfinden des Prinzen Ludwig wird niemand die Achtung versagen; auch das freundliche Bekenntnis znr katholischen Kirche, wie er es neuerdings in Altötting abgelegt hat, entspricht seinen früheren Kundgebungen und ist mit dem Respekt hinzunehmen, den jede ehrliche Ueberzeugung verdient. Anders verhält es sich freilich mit Aeußerungen, die gerade aus dem Munde des Prinzen verletzend wirken können und di« zeigen, wie schlecht unterrichtet man auch am bayerischen Hofe über die kirchliche Lage der Gegenwart ist. Bei den Protestanten Bayerns, die immerhin ein Drittel der gesamten Bevölkerung umfassen, und nicht die schlechtesten unter den Anhängern des Hauses Wittelsbach stnd, wird dieses Wort des zukünftigen „summus episcopus" der protestantischen Landeskirche keinen freundlich«« Widerhall finden."
selben hohen Zollsätzen unterliegen wie in Japan. Aehnltche Verhältnisse wird Japan betreffs der Schiffahrt schaffen. Unser Handel mit Korea ist zurzeit zwar noch gering, recht beben tend ist aber unser Handelsverkehr mit Japan. Nun werden aber die Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag mit Japan sivc'ueiloS erheblichen Schwierigkeiten begegnen. Abgesehen von umfassenden Zollerhöhungen plant Japan auch Änderungen auf dem Gebiete der Ku.ten- schiffahrt, des Meistbegünstigungsrechts usw. Wie schon vor zwei Jahren verlautete, will es die Meistbegünstigung denjenigen Staaten gegenüber ausschalten, die ihrerseits die Einfuhr japanischer Produtte durch Zölle erschweren, oder deren Export nach Japan erheblich gröfiet ist als ihr Import von dort. Dies würde natürlich eine Begünsttgung Englands auf dem japanischen Martte, dagegen eine Erschütterung der dortige» Stellung Deutschlands bedeuten. Unsere Warenausfuhr nach Japan ist ohnMe» in den letzten Jahren zurückgegangen. sie betrug 1907: 103 Millionen Mark, 1908 : 96 Million^ Mark und 1909 ? 78 Millionen Mark an Wert. Umsomehr wird die deutsche Regierung darauf bedacht sein müflen, daß unserer Industrie intb unserem Handel die volle Meistbegünstigung im fernen Osten erhalten bleibt.
Die Zentenarfeiern der Unabhängigkeit verschiedener latin »-amerikanischer Republiken haben weiteren Kreisen Gelegenheit gegeben, sich mit diesen Ländern zu beschäftigen und sich von dem staunenswerten Aufschwung, den sie in den letzten Jahren genommen haben, unterrichten zu lasten. Welche Bedeutung ein Land wie Argenttnien gewonnen hat, erkennt man ja schon aus der Tatsache, daß das Deutsche Reich jetzt einen Gesandten dorthin geschickt hat, der allgemein für einen erklärten Botschafterkandidaten gilt. Auch nach Chile ist ein altgedienter Diplomat gekommen. Und in Mexiko, das am 15. September sein Nationalfest begehen wird, haben wir einen Gesandten, der in Rewhork lange Jahre als geradezu uner setzlich gegolten hatte. Wenn man bedentt, daß noch vor wenigen Jahren diese Posten zu den wenigst begehtten der diplomaüschen Karriere gehörten und damals höchst stiefmütterlich behandelt wurden, ist der Unterschied aegen jetzt in die Augen springend. Zugleich können wir die interessante Tatsache beobachten, daß hier die Regierung die Sachlage richtig erkannt »md demgemäß bei der letzten Stellenbesetzung gehandelt hat, daß dagegen die deutsche Presse, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die latino- amerikanische Welt vernachlässigt. Chilenen, Brasilianer und Mexikaner haben von Natur eine große Vorliebe für uns Deutsche, aber die Nordamerikaner, Engländer und Franzosen tun alles, um uns bei ihnen zu schaden.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Iach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und,,Landwirtschaftliche Beilage.
Deutsche Handelsintereffen im fernen Osten.
Die Handelsverträge Deutschlands und der übrigen Großmächte mit Korea sind durch die Annexion erloschen. Für die Handelsbeziehungen -mit Korea gelten in Zukunft die mit Japan bestehenden Handelsverträge. Diese laufen aber im Sommer nächsten Jahres ab, nachdem sie vor einigen Wochen von Japan, das einen neuen Zolltarif einführen will, gekündigt worden sind. Es steht somit eine Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zum japanischen Reiche, einschließlich Koreas, bevor: denn aus Korea wird Japan seinen neuen Zolltarif, wenigstens soweit et Jndustrieerzeugnifle betrifft, ausdehnen wollen. Als Bestandteil des japanischen Reichs wird Korea natürlich auch dem japanischen Zollgebiet angegliedert werden, sodaß künftig japanische Erzeugnisse völlig zollfrei in Korea eingehen, während europäische Waren dort den-
Marburg
Eine religiöse Rede des Prinzen Ludwig von Bayern.
Der bayrische Thronfolger hat in dem Walfahrtsort Alt-Oetting bei Gelegenheit bet Grundsteinlegung einer Kirche eine Red« gehalten, die wie die letzten Reden des Kaisers, viel Staub aufwirbeln wird. Er sagte: „Ich danke dem lieben Gott, daß ich von katholischen Eltern abstamme und in der katholischen Religion erzogen worden bin. Ich bin stets für unsere katholische Religion eingetreten, weil ich überzeugt bin, daß sie die einzig wahre und echte Religion ist. Diese meine innerste Ueberzeugung habe ich jederzeit kundgetan, nicht um äußerliche Ehre und Anerkennung zu finden, sondern weil es meine tiefste religiöse Ueberzeugung ist. Die katholische Religion gestattet jedem Katholiken Toleranz gegen Andersgläubige zu üben. Es ist falsch anzunehmen, daß die Ueberzeugung Andersgläubiger von uns Katholiken nicht- hochgehalten werden dürfte. Desgleichen verlangen aber auch wir, daß gegen unsere Ueberzeugung Toleranz geübt werde. Wir wissen wohl, daß nicht die Mutter Gottes, sondern Gott im Himmel allein es ist, der unsere Bitten erfüllt oder abschlägt, weil er am besten weiß, ob die Erfüllung unserer Wünsche von Vorteil ist oder nicht. Trotzdem eilen wir. zur seligsten Jungfrau Maria hin und wenden uns an sie im Vertrauen auf ihre Macht bei Gott.
Umschau im Auslände.
- ZEL gibt immer noch Leute, die weder die ' Lehren der Geschichte beherzigen, noch die Konsequenzen aus der zentralen geographischen Lage unseres Vaterlandes ziehen wollen und daher nicht begreifen können, daß die Jntatterhaltung unseres Heeres und unserer Marine die erste Vorbedingung für ein gedeihliches politisches . Leben des Deutschen Reiches bildet. Dissen Leuten sei ins Gedächtnis .zurückgerufen, daß schon einmal von England aus der Ab- tüstungsgedanke lanziert und sogar von einem deutschen Parlament ausgenommen worden ist. Im Jahre 1869 wurde im Norddeutschen Reichstage der Antrag einer allgemeinen Abrüstung gestellt. So wenig wußte die sogenannte öffentlich? Meinung von der seit langet Zett drohenden Kriegsgefahr, die doch schon ein Jahr daraus sich vertvitklichen sollte. Wenn aber heute unsere Lage giinftiger und di« Kriegsgefahr nicht so groß ist, wie damals, so liegt das lediglich an der bei den Großmächten herrschenden Uebet- zeugung, daß die Wahrscheinlichkeit unserer Be- siegbarkeit von Iaht zu Iaht eine geringere geworden ist. Frankreich wird es uns auf absehbare Zeit stets unmöglich machen, mehr zu erreichen, als diesen durch unsere Bewaffnung gebotenen Frieden. Die Franzosen sind ungezogene Kinder, die man mit Güte nicht gewinnen kann und die immer in Schrecken gehalten werden müssen. Diese Ansicht des alten Hekdenkaisets sollte als goldene Regel bei allen Erörterungen der deutsch-französischen Beziehungen beherzigt werden. Wer sie übersieht, besitzt nicht das richtige Augenmaß für die tatsächlich gegebenen Größen der auswärtigen Politik.
Man kann nicht gerade behaupten, daß den Engläudern die Annexion Koreas durch Japan überraschend gekommen ist, denn feit Monaten ist davon die Rede gewesen, ganz abgesehen davon, daß die japanisch» Politik fett dem Kriege mit China auf dieses Ziel gerichtei gewesen ist. Um so bezeichnender ist es, wenn man jetzt in den verschiedenartigsten Kreisen ziemlich scharfen Protesten begegnet. Es ist iiy- sosern interessant, als es von neuem zeigt, wie kühl die englisch-japanische Freundschaft heute gworden ist, und wie die freundschaftlichen Rücksichten aufhören, sobald die Interessen des Geldbeutels in Frage kommen. Denn das ist das einzige, was Großbritannien bei dieser Verände- runi" der Landkarte berührt. Man fürchtet, daß es mit der offenen Tür nicht nur in Korea, sondern auch in der Mandschurei zu Ende fei, daß der japanische Tarif auch aus die neue Besitzung ausgedehnt werden, und daß Japan sogar versuchen wird, den Handel in der Süd- mandschurei ganz zu monopoftsteren.
Deutsches Reich.
__ Das Kaiserpaar i« Stolp. Berlin, 8. Sept Der Kaiser und die Kaiserin sind heute früh 7 Uhr 25 Minuten nach Stolp abgefahren. — Stolp, 5. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Nachmittag %1 Uhr hier eingetroffen und begaben sich unter stürmischem Jubel der Bevölkerung zum Stephansplatz, wo das Kaiser Wilhelmsdenkmal feierlichft enthüllt wurde. Die Stadt Stolp ist zur Feier ihres övvjäh. rigen Bestehens und zum Besuch des Kaiserpaare« glänzend geschmückt. Um 11 Uhr war Festsitzung der städtischen Körperschaften im Rathause: hierbei wurde u. a. beschlossen, die Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta Viktoria-Stiftung auf 30 000 <M zu erhöhen, die in der Stadt lebenden Veteranen von 1848 Lis 1870/71 von der Einkommensteuer zu befreien usw. Auf dem Stephansplatz hatten in einem weiten Viereck um das Denkmal die Kriegsveteranen Aufftellung genommen, ferner die Vertreter der Stadt mit dem neuernannten Bürgermeister Sielte an der Spitze, die Geistlichkeit, Oberprästdent Freiherr von Maltzahn u. a. Der Kaiser, der die Uniform seine» Stettiner Grenadier-Regiments trug, schritt bi« Front ber Ehreneskadron ab. Die Kaiserin nahm einen Bumensttauß aus den Händen eines der kleinen Mädchen entgegen. Dann traten die Majestäten unter das Kaiserzelt. Hieraus hielt Oberbürgermeister Zielke die Festrede. Der Kaiser dankte dem Oberbürgermeister durch Händedruck und besichtigte mit der Kaiserin das Denkmal: er zog dann zahlreich« Anwesende ins Gespräch, während die Kaiserin eine
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14 (Rackdruck verboten.)
Seelerrkiiwpfe.
^Preisgekrönte Novelle von Elis« Otto.
.' (Fortsetzung.)
Durch endlose Tunnels vorüber an riesigen Felsgebilden, die trotzig ihren Fuß wetthinein strecken in das Strombett, sausten sie dahin. Wei- fer oben in den Bergen mußte das Wetter schon niedergegangen fein. Di« Save schäumte wild unb trüb, Baumstämme und zerknickte- Geäst In toterem Strudel mit sich führend, um alles an den Felsen des Ufers zu zermalmen.
„Wie die Bahn nur Platz findst für ihre Schienen I Wenn jetzt eine dieser Felsmassen hinabrutschte und uns mtt hinunter risse in die Tiefe!'
„Es ist mwahrscheinlich, daß e- gerade jetzt geschieht; aber nur wer selbst hier mit der Natur gerungen, ahnt, welch' fast unüberwindliche Schwierigkeiten sich dem Bahnbau entgegenstemmten. Das gelblich angestrrhlte Felsgebilde dort oben, die „weiß« Katze', hat sich trotzig und bissig genug gewehrt gegen jede Neuerung. Aber laß uns das Fenster schließen, steh, tote es weht und hagelt!'
Mächtige Körner schlugen gegen di« Scheiben und auf das Dach des Waggons. Es war fast dunkel im Innern, Genia schmiegte stch, leise erschauernd, gegen die Polster. — Eine Steinwand hinter ber c-nbem, ein Kegel über dem anbem! Da plötzlich wichen die Berge zurück, ein weites Tal öffnete sich, die Sonne versank tief aufglühend hinter den Alpenketten, die das zur ersten Rasi- ftation bestimmte Laibach umttäuzen.
Eine Stunde später stand das junge Paar «uf ber Höhe des dortigen Schloßberges.
„Nun, Genia, ist mein altes Laibach nicht fchön?'
„Es ist wunderschön. Und steh' nur, welche Menge von Kirchtürmen es zum Himmel empor sendet!'
„Und zwar zum Teil genau da, wo vordem aus heidnischen Tempeln der Opferrauch empor- stieg. Die Kapellen und Wallfahrtsotte, die du rings von den Bergen herableuchten siehst, sind alle Nachfolger der heidnifchen Altäre, in denen man vor mehr als anderthalb Jahrtausenden;u den Göttern flehte.'
Rorring lagt« feine Hand leicht auf die Schul ter der jungen Frau.
„Ja. es ist echt flassifcher Boden, auf dem wir flehen,' fuhr er fort, „hier in dem alten Aemona der Römer. Ich denke noch jetzt gern zurück an das Entzücken, das ich empfand, da ich, als blutjunger Menfch michelfend, das berüchtigte Laibacher Moor zu überbrücken, — mit eigenen Augen die Spuren von Pfahlbauten sah!'
„Ist jene weite Ebene dort drüben das Moor? Aber sie ist ja zum großen Teil bebaut, es ist ja Ackerboden?'
„Den man in jahrhundsrtelangem Ringen dem «Älmpfe abgewann. Der Dammbau, der vor etwa zwanzig Jahren hier in dieser Gegend ausgeführt wurde, war eine schwere Aufgabe, die den Ingenieuren gestellt war. Wie jetzt in den Schlammgrund des Triester Hafens, fo mußten wir auch hier erst Massen von Schotter Hinabfenken, Lage aus Lage, und bann gednlbig warten, ob der Grund sich genügend festigen wgrde, um den Quaderbau ertragen zu können. — Wer jetzt blitzschnell über diese Strecke hin- wegsährt, ahnt wenig, wie viel Schweiß sie den Arbeitern, tot? viel schlaflos« Nächte sie den Ingenieuren bereitet. Aber es toitb kühl und dunkel, »vollen wir nickt nach Hause gehen, Herz?'
„Rach Hause? Du meinst wohl ins Hotel!' Genia lächelte fröhlich. „Recht gern, — aber
sich da, Herbert, der alte Herr grüßt dich!'
Sie waren um das Schloßgebäude herumgeschritten und eben im Begriffe, wieder hin- untenuftefgen. Rorring wandte sich hastig um.
„Ah, flirten Abend! Wi» kommen Sie nach Laibach? Genia, ich stelle dir hier in Dottor Helrnroth deinen neuen Nachbar vor, dessen Garten unmittelbar an den unfern grenzt. Herr Dottor, hier meine kleine Frau empfiehlt stch Ihrem freundnackbarlich.n Wohlwollen!'
Er reicht« vertraulich dem alten Herrn di« Hand, der mit seinem spärlichen Silberhaar, den geistig lettdftenben Zügen und dem wohlwollenden Zuge um dm Mund Genias Herz im Sturm gewann. Sie legte freundlich ihre Hand in die feine unb blickte forschend zu ihm auf. Er mußte viel durchlebt und gekämpft haben, dieser Greis mit dem wetterharten, gefurchten Anflitz, dessen Augen so weltfern strahlten.
„Und das ist Ihre sitnge Frau, Herr Rorring? Möge ihr Leben ein glückliches sein in dem schönen Heim, das Sie ihr bereitet!*
„Wie aber, Herr Doktor, kommen Sie hierher? Ich war so gewohnt, Sie tagaus, tagein in Ihrem Gärtchen auf und niederwandeln zu sehen, daß ich Sie fast nicht erkannt hätte hier in der veränderten Umgebung!*
„Ich hatte einen traurigen Gang zu tun unb tat ihn leider vergebens.'
„Einen Krankenbesuch? — Ich denke. Sie leben nut nock Ihren Büchern!'
„Ich praktiziere nickt mehr. Einen meiner ehemaligen Patienten haben widrige Schicksal« ins hiesige Irrenhaus gebracht. Ich wollte feine« Geist beruhigen und vielleicht dadurch erhellen, — et erkannte mich nicht, hörte mich nicht an!'
Der alte Herr hatte den Kopf nich>eraeschlagen sinken lassen, er fah nicht den Ausdruck hastiger Spanmmg, womit Rorring bee SJftt von ihm
ab nach Genia wandte. Diese hatte scheu nach der Stadt hinuntergesehen. o, . ,
„Hier in Laibach ist ein Irrenhaus?' frag« sie wie erschreckt.
„Dort unten, der dicke runde Turm, ist eS, in dem die Kranken wohnen! Sahen Sie noch nil eine Irrenanstalt, gnädige Frau? Sie blra.n fo entsetzt hinab!'
„Rein, niet O, wie ist es möglich, — Irr« in dieser Gegend und tu diesem gesängnisartigen Turme! Die Arment ES ist aber doch gut, daß sie fest verwahrt sind,* — sie schauerte l-ifi zusammen. „Wenn einer hier herauskäme, ich ftürbe vor Schrecken ... ich sah noch nie einen
Sie wollte sich, furchtsam um sich blickend, an Rorrings Arm hängen, aber sie schrak zurück vor der geisterhafte« Blässe feines AnllitzeS und dem konvulsivischen Beben der Hand, auf die sie sich stützen wollte.
„Herbert, waS ist dir?*
„Nichts laß mich!' _ .
Er wandte sich schroff von ihr und schritt der andern Seite zu. Heftig ging et in «in «er Entfernung mehrmals auf und nieder, die Hände über dem Rücken so ttampshast ineinander bey fchlungen, daß die Nägel tiefe Spuren im Fleische zurückließen. Sie fah, tote feine Zähne stch fest auseinander preßten und bn Schweiß ihm in schweren Tropfen von der Stirne floß, während die Augen glühten, als wollten ft» alles verfingen. Wie unheimfich wardiefi» Blick! Wie tonnte sie je wieder vertraulich mtt ihm reden, nachdem sie ihn fo gefihen! Abe? war sie denn nicht feine Fran geword«, eß« um ihn zu heilen von diesem Trübsinn?
(Fortsetzung folgt.)