mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
45, Jahrg,
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Karte ruMr dgyteGheo Kgisermanövero 1910,
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mit allem einbet«
Elefant von Borneo" — mein Schatz
,bet
Zügel losgelasse»
Sache ganz egal.
Der Briefbote kommt.
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machen sie dem politisch weniger geschulten einfachen Mann unkenntlich und führen den Revisionisten als dem Heineren Uebel seine Stimme zu. Wirken hier nicht ganz außergewöhnliche politische Ereignisse in kurzer Zeit ausrüttelnd und Erkenntnis bringend, sondern vollziehen sich
dann vom Schloß- wie gestern. Ist
Gena befragt, sich stellt, indem er fei- einstweilen an fei» das Kind wolle et
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rung der Truppen der beiden Armeekorps großes Interesse erwecken, da die Hülste der Mannschaften eines jeden Korps in der neuen FeldbeHei- dung erscheint. Bei den vielen Biwaks, zu welchen die Truppen infolge des Kampfes um die Feldstellungen wohl gezwungen sind, werden die neuen, in ausgedehntem Maßstabe den Truppen zugeteiltes, fahrbaren Feldküchen eine große Rolle spielen.
In größerem Maßstabe als beim vorjährigen Kaisermanöver wird bei den diesjährigen Ueb- unxen auch die Aeronautik eine Rolle zu spielen berufen fein; ein jedes der beiden Korps erhält einen lenkbaren Ballon zu Erkundungszwecken.
Die Hauptkämpfe des Manövers werden sich in den Tagen vom 8. bis 10. September abspielen.
Kaiser Wilhelm, welcher wieder das Amt des Oberschiedsrichters übernommen hat, wird, sofern er nicht biwakiert, in seinem Schloß in Cadinen wohnen; das Quartier des Großen Generalstabes wird sich i Pr. Holland befinden.
wehret sich von vomeok" — soll ich dir zeigen. Wie er es macht?"
Auch die Angegriffene hat beide Hände voll Munition. Jeder aber zaudert. Jede fürchtet den ersten Wurf aus so unmittelbarer Nähe. Plötzlich wirst Genia hellanfjubelnd all' ihren Schießvorrat auf das Eis und fliegt dem Ufer zu.
„Dem Elefant vom Senegal — dem ist die
nur durchzulesen. Wir laffen berg Lawinen herunterrollen dir das recht?"
„Du bist ein Engel, Gen«! wiß nie wieder etwas gegen sagen!
selbst Herbert, deswegen von scherzend auf Blanches Seite ner Braut versichert, er hab- nem Heinen Frauchen genug, schon später nachholen.
Im übrigen aber war er
Ich will auch ge- beinen Bräutigam
die parlamentarischen Kämpfe längere Zeit hindurch in ruhigeren Bahnen und um ihn weniger interessierende Dinge, so wird er sich, da die von der radikalen Sozialdemokratie mit größter Schärfe und Gehässigkeit geführte Agitation vom Revisionismus vermieden wird, im Lause der
*nb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Die großen Manöver dieses Jahres werden sich zwischen dem 1. Ostpreußischen und dem 17. Westpreußischen-Armeekorps an den Ufern der Passarge abspielen. Die in der vorigen Woche stattgefundenen Paraden in Königsberg und Danzig haben die umfangreichen Uebungen bereits eingeleitet.
Die diesjährigen Manöver werd'« im Gegensatz zu den fast ausschließlich auf größeren strategischen Grundlagen aufgebauten früheren Kaiser- manövem ein mehr taktisches Gepräge tragen; so wird der Haupt- und Entscheidungskampf um eine riesige befestigte Feldstellung toben, welche vom 17. Korps in dr Gegend von Braunsberg an der Passarge angelegt und verteidigt werden wird. Dem 1. Korps fällt die Aufgabe zu, den Angriff gegen die befestigte Stellung des Gegners mit allen Mitteln im Tag- und Nachtkampf durchzuführen. Besonders interesiant werden fid) die Manöver durch die Teilnahme von Marine truppenteilen gestalten; auch wird die Uniformie-
warts; diese aber ist schon mit all' ihren Ge danken bei d r erhosften Botschaft, die allwöchditt- lich von dem blauen Meere über die Alpen zu ihr geflogen kommt und sie, je weiter der Winter vorschreitet, in immer hellere Auflegung versetzt.
Wie sebr sie den liebt, der ihr diese kräftigen, markigen Schriftzüge sendet! Sie ist sich nicht bewußt, daß es eigentlich gar nicht Ingenieur Norring ist, an den sie ihre sehnsuchtsvollen Briefe schreibt, daß sie überhaupt kaum mehr recht weiß, wie der ausgesehen, der ihr so ftemb gewesen, so lange er in ihrer Nähe gelebt. — Alles Große und Gute, was ihr je in männ-
Ja, je näher das Frühjahr herankommt, desto lebhafter wird die Korrespondenz, desto enffchie- benet besteht bie Frieda darauf, daß Herr Ror- ring auch sie heiraten müsse, sie wolle gleich mit. Und weder sie noch Genia können begreifen, warum die Mama es für unpassend erflärt, daß Frieda gleich nach der Trauung miffährt, und daß
kicher Gestalt aus Dichterwerken entgegengetreten, überträgt sich unm rklich auf das Ideal, das sie sich gebildet, während dasselbe auch äußerlich nach und nach zu dem geworden, was ihr als höchste Männerschönheit bisher vorgeschwebt.
Es war eine reiche Mädchenphantasie und ein warmes, leicht erregbares Gefühlsleben, die die Gestalt des fernen Bräutigams mit dem Schleier der Schönheit und der Güte umwob n.
Und seine Briefe hatten sie noch nie entäuscht! Sie Ivar en voll Jubel über ihre Liebe, voll Sehnsucht. Er fühlte sich nicht mehr vom feindseligen Zufall umhergeworfen, stemmte sich ihm nicht mehr trotzend entgegen, brütete nicht mehr in finsterem Menschenhasse über seine Ausnahme^ stellung in der Welt. Innige Versöhnung mit dem Leben, das ja nun auch ihm den Becher der Freude an die Lippen gestzt, Vertrauen auf die Zukunft sprachen aus seinen Briefen.
Und ihre Antworten? — Sie waren durchdrungen von hingehender Liebe und von zärtlichem Stolze über die Wandlung, die sie an ihm vollbracht. An die Stelle des kalten „Herr Ror- ring" war gleich im allerersten Briefe das „lieber Herbert" und das zutrauliche „Du" getreten. Brieflich wurd ihr das so leicht, so natürlich — sie begriff nicht, wie sie es ihm je verweigern hatte können. Wie viel sie zu stagen und er zu berichten und zu crHären hatte! Sie kannte aus seinen Briesen jetzt Triest und das Meer, als habe sie es mit eigenen Augen gesehen; sie wusste, wo die weinlaubumrantte Villa stand, die er für sie ausgesucht, mit ihrem Garten voll Oleander- und Lorbeergebüsch hoch oben auf dem Hange eines der Berge, an denen die Vorstädte hinaus- Hettern. Sie verstand schon prächtig Üalicnisch — wenigstens glaubte sie es, hatte sie doch die Redensarten uni> Ausdrücke, die sich in feine Briefe eingeschlichen, treulich auswendig gelernt.
- Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
„Bist du angefroren, Frieder! — oder kapitulierst du?" — Keine Antwort. Die Gestalt der hinter der Brustwehr Knienden erhebt sich vorsichtig, um das feindliche Lager zu besichtigen. Da fühlt sie sich im Rücken von wohlgezielten Schüssen getroffen.
„Der Elefant von Indien — der wehret sich von hintten!" — Der Feind hat dich umgangen, Geni!"
Frieda steht jauchzend vor der sich überrascht Umwendenden. Ihre Augen leuchten vor Kampflust, sie fchwingt übermütig zwei Geschosse in den Händen. “
„Wart', du hinterlistiger Knirps! — „Der
Zeit vollkommen seinen Ideen anpassen und ffll die staats.^haltenden Parteien verloren sein, dagegen aber sehr leicht, wenn die revolutionär! Sozialdmokratie stärker als der Revisionismus sich erweisen sollte, elfterer gänzlich verfallen. Daß der Revisionismus auf diese politische Gleichgültigkeit des deutschen Michel sein« Agitationsmethod: einstellt, beweisen die Watte Kolbs „Wer Augen hat zu sehen, der sieht, daß wir schon mitten in der Revolution seit viele» Jahren brin stehen." Unb daß die norddeutsche Sozialdemokratie, mag der „Vorwätts" auch noch so sehr über den Disziplinbruch der Budgeibe- williger sattmpftn swon vom Revisionismus Vitt gelernt hat, beweist der Streit zwischen ihm unb Rosa Luxemburg über den Generalstreik, er beweist ebenso wie die sozialdemokratischen Wahlreden im Land; in letzter Zeit, in denen alles vermieden wurde, was schwankende, aber doch nach königstreue und religiöse Wähler gewaltsam abstoßen konnte, daß man sich hütet, durch grobes Geschütz das nationale Bewußtsein . uszurütteln, dafür um so leichter auf Umwegen die Wählet allmählich in die sozialistische Gedankenwelt ein- fühtt. Und darum ist die revisionistische Sozialdemokratie gefährlicher als bie revolutionäre.
Um so unverständlicher bleibt es daher, wie der gesamte Liberalismus in dieser Entwicklung einer Umschwung ober einen Zersetzunasprozeß innerhalb der Sozialdemokratie erblicken kann. Er bat ja selbst zu ungezählten Malen seinen Wählern gepredigt, dem revisionistischen Genossen unb bünbnisfähigen Freunde im Kampfe gegen rechts sein.- Stimm; zu geben. Eine seinen Wählern riicht genehme Politik wird in Rorddeutschland daher mit ihren Stimmen die Mitläufer bet Sottalbemokratte verstärken, und agitiert diese Iveiter nach revisionistischem Must -r, sie ihnen gänzlich überliefern, in Südbeuttckland dagegen, wo bie revisionistische Großblockpolitik bie Gegensätze liberal und sozialistisch fast verwischt hat, sie dem anberen Extrem, dem Konservativismus zuführen. Sollte der Liberalismus auS früheren Jahren, wo er übet die Partei spöttelte, die in einer Droschke Platz habe, nicht schon ähnliches erlebt haben?
Revisionismus und Mitläufer.
Die Vorgänge auf dem Patteitage der badischen Sozialdemokraten in Offenburg haben die alte Streitfrage von dem Mauserungsprozeß der revolutionären Sozialdemokratie zum bündnisfähigen, Hof- und regienlngsfähigen Revisionismus wieder einmal zur Diskussion gestellt. Gewiß soll jeder vernünftige Politiker berechtigt;« Eigentümlichkeiten einzelner Bevclkerungsteile nnd den im Volksleben durch die historische Entwicklung gegebenen Unterschieden gebührend Rechnung tragen, diese Grmze scheint aber jetzt erreicht ober überschritten zu sein, betreffs der Behandlung und Stellung der Sozialdemokratie in den süddeutschen Staaten. Während die konservative Presse ohne Schwanken in dem Revisionismus lediglich eine durch bestimmte patti- fttlaristische Verhältnisse gegebene Abart der sozialdemokratischen Gesamtorganisation sieht, die mit denselben staats- und religiösfeinblichen Zielen daher a-.ch mit denselben Waffen und derselben Energie zu bekämpfen ist, wie die norddeutsche radikale Sozialdemokratie, jubelt der Liberalismus, an der Spitze sei, großstädtisches Organ „für die Vertretung auswärtiger Jn- teresien in Deutschland", über die vermeintliche offene Absage des süddeutschen Sozialismus an die Revolution, begibt sich hoffnungsfroh unter feine Führung und gräbt sich so fein eigen Grab. Aber selbst wenn die vor einigen Tagen durch die Presse gehenden Wahlstatistiken über die letzten Ersatzwahlen zum Reichstage ihm nicht die -Augen öffnen wollen über den gefährlichen Weg, -chen er zu gehen sich anschicH, so sollten es doch Gründe rein menschlicher Natur hin. Der ein« smhe staatstreu und religiös gesinnte Arbeiter, Handwerker, wie überhaupt die mittelständischen Kreise werden sich ohne Zweifel und zum sehr großen Teil bei einer momentanen Verstimmung und Verärgerung über politische Vorgänge und taktische Maßnahmen der bürgerlichen Patteien ir. den allermeisten Fällen doch scheuen, ihre Stimme der Soziald - olratie, also einer Parin zu geben, deren Zio! ui ihren eigenen ethischen Grundanschauung?it miss schärfste kontrastieren. Tun si es doch, so geschieht das eben nur vorübergehend, sie verstärken nur mtf eine bestimmte Zeit die in ihrer politischen Ueberzeugung und ihrem innerlichen Empfinden der Soziald-mo- ‘ Hatte fernstehenden Kreise der Mitläufer unb lassen sich bei einem Apell an ihre nationale Ge finnung, wie die sogenannten „Hottentottenwah- len" erwiesen haben, sehr leicht wieder zur alten Fahne zurückbringen. Anders liegt die Sache aber beim Revisionismus. Seine äußerst geschickte Agilattoilsmethode, die Huge Verschleierung seiner republikanischen unb antireligiös-« Forderungen verwischen die Gegensätze zwischen bürgerlicher und sozialistischer Weltanschauung,
Sie hat die improvisierte^ _ und trippelt vergnügt neben der Schwester auf«
(Nachdruck verboten.)
Srelerrkiimpfe.
„O, ein Bräutigam muß natürlich ganz anders aussehen!"
„Unb wie denn?"
„O, gerabe unb stark, unb schön . . . unb freundlich!"
„Und das alles ist mein Bräuttgam nicht?"
„I bewahre, er ist ja schwarz und finster wie ein Uhu! Ach, Geni, wenn ihr euch doch nicht so enffetzlich viel schreiben wolltet! Gewiß setzest du dich jetzt gleich wieder hin und antwortest ihm--"
Frieda wirst einen kläglichen Blick auf den verlassenen Kampfplatz zurück, faßt dann die unter der schwanbesetzten Kapuze hervorhängenden Flechten der Schtvester und läßt sich von der vorwätts Eilenden bequem nachziehen. — „Auf die Dauer werden das meine Zöpfe schwerlich aushalten! Wenn du aber vernünftig fein und mich loslassen willst, verspreche ich dir, den Brief
Friedel, heute bringt er mir gewiß einen Brief von meinem Bräutigam?"
Die beiden zierlichen Gestalten eilen über das ebene Ufer dem Dorfweg zu, wo der Bote eben verschwindet.
„Du, Geni, sage doch nicht immer „Bräuttgam!" Das klingt so dumm, wenn bu Herrn Rorring damit meinst!"
Ein strafender Blick trifft die Verwegene. .Weshalb?"
Die Znfertionsgebübr beträgt für Snferentcn aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tge^altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4. für Reklamen 40 4. — Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Vuchdruckerei. Inhaber Dr. E fii'A-rr./i, Marburg, • Markt 21. — Telephon 57>.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- l'o 907 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei
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standen, billigte vollständig den Geschmack feiner zukünftigen Schwiegermama. die eine ganz fülle Trauung in aller Morgenfrühe vorgeschlagen unb eine unmittelbare Abreise des jungen Paares nach derselben, so daß die Neuvermählten am Hochzeitstage noch bis Laibach kämen unb am nächsten bei guter Zeit nach Triest.
Er fügte sich allem unb sehnte nur Tag unb Sttmbe herbei, wo er bas lebensvolle Wes n, dessen reiche Kleiber-Ausstattung die von Blanche vorausgesendete Zofe in feiner Gegenwatt in Schränke und Fächer räumte, endlich wirklich in den Armen halten würbe.
Mit leisen Schtttten unb Worten glitt Blanche im Hause umher, als gälte es, Träumende nicht zu stören, Schlafende nicht zu wecken. — Und wie von Monat zu Monat ihr WitwenHeid lichter warb, fo wurde auch ihre im Beginn des Winters gedrückte Stimmung Heller und freier. Es schien sich alles ganz über Erwarten gut zu fügen, wahrhaftig, es wäre bet Mühe nicht wett ge- toefen, sich übet die Folgen ihrer Handlung» weffe Sorge zu machen!
(Fortsetzung folgt.) W
Marburg
Sonntag, 4. September 1910.
Internationaler Sozialistenkongreß.
Kopenhagen, 1. Sept.
Nachdem an drei vergangenen Tagen die verschiedenen Kommissionen getagt hatten, in denen die vorliegenden Anträge und Resolutionen zunächst durchberaten wurden, begannen heute die Plenarsitzungen des Kongresses. Bra n t i n g (Stockholm), der Führer int schwedischen Generalstreik, führte den Vorsitz und begrüßte die Erschienenen. Der Sekretär des Internationalen Sozialistischen Bureaus Huys- m a n s (Brüssel) brachte dann eine Unzahl von Begrüßungstelegrammen aus aller Welt zur Verlesung. Besonderen Beifall fanden die Telegramme der deutschen sozialistischen Jugendorganisation, des sozialdemokratischen Vereins in Zschopau-Marienburg, der Vereine von Newyork, Saloniki usw. Von den sozialistischen Esperantistenoereinen ---oen 70 Be grügungstelegramme vor. Diese Mitteilung erweckte
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