mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd Landwirtschaftliche Beilage."
Sonn- und Feiertage. — 3
- H'o jährlich durch die Post be;
«VV unseren Zeitungsstellen uni
45. Jahr-
Marburg
Sonnabend, 3. September 1910
Die Jnsertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7getr>altene Zette oder bereit Raum 15 i, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. hiherotl;, Marburg, Markt 21. — Teleobon 55.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- rzogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei ____________n_,_______.ib der Ervedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Kreta.
Kreta und kein Ende. Nun kommen wieder alarmierende Nachrichten aus Konstantinopel. Die Türkei soll eine geharnischte Note an die Scbutzmächte gesandt und darin betont haben, daß, wenn nun nicht Ordnung geschaffen werde, der Krieg unvermeidlich sei. Dann hieß es gar, die Türkei mache bereits mobil. Wir können die türkische Ungeduld ganz gut verstehen, aber müssen diese Alarmnachrichten in dieser Form doch als unbegründet „ober zum mindesten al- stark verfrüht bezeichnen.
Es sind einige Kreter als Abgeordnete in die griechische Nationalversammlung gewählt worden. Von diesen Abgeordneten sind einige nur Kreter der Herkunft, aber griechische Staatsangehörige, Zu diesen gehört der Führer Veniselos Sie bekleiden allerdings zum Teil kretische Acmter. Da sie griechische Staatsangehörige sind, wird die Pforte gegen ihre Wahl nicht protestieren können, und nach älteren Meldungen aus Konstantinopel scheint die Pforte dies auch einzusehen. Natürlich müssen die betreffenden ihre kretischen Aemter niederlegen. Es ist noch nichts darüber bekannt, daß sie dies nicht tun wollen. Wir möchten sogar als sicher annehmen, daß sie es tun werden. So wett dürfte der Ein- flus, der Schutzmächte doch wohl gehen. Es ist auch natürlich kein Zweifel darüber ntöglich, daß, falls sie es nicht tun, der Konflikt da ist.
Andere von den gewählten Kretern sind nicht griechische Untertanen. Die Türkei hat keine Zweifel darüber gelassen, daß diese zu der Nationalversamlung nicht zugelassen werden dürfen. Vorläufig sind sie erst gewählt. Nehmen sie ihr Mandat an, so ist zweifellos der Konflikt da. Vorläufig. möchten wir es indes als überaus wahrscheinlich bezeichnen, daß sie die Annahme des Mandats ablehnen.
Danach sind die Dinge noch nicht so wett, wie die Alarmmcldungen behaupten. Möglich, sehr möglich, daß es zum Kriege kommt. Wahrscheinlicher bleibt aber immer noch, daß der Krieg vermieden wird. Natürlich rüstet sich die Türkei, und die Truppenbewegungen in Mazedonien mögen gleichzeitig Manöver und gleichzeittg Kricgsvorbereitung sein.
Die Schutzmächte werden natürlich noch alles mögliche tun, um die Sache beizulegen. Man muß sich aber gestehen, daß dieses Quartett von Mächten etwas schwerfällig ist und auch wohl nicht immer über die anzuwendenden Mittel übereinstimmt. Die Schuhmächte befnden sich ja auch in einer schwierigen Luge. Sie haben zur Zeit des alten Regimes in der Türkei die Dinge in Kreta gehen lassen und eirter allmählichen Verschmelzung der Insel mit Griechenland keine Hindernisse in den Weg gelegt. Nachdem das Regime in der Türkei sich geändert hatte und klar geworden war, daß man der jungen Türkei gegenüber nicht auf gleiche Weise vorgehen konnte, waren die Schutzmächte gezwungen, das Gewebe, das sie gesponnen, wieder aufzutrennen; das ist natürlich schwer und nicht möglich ohne
11 (Nachdruck verboten.)
Serle«kampfr.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.
(Fortsetzung.)
„O nicht! Nicht den — das ist ja Percys Ring! Wie kann ich Ihnen den geben?"
„Wer ist Percy?"
„Der liebste Spielkamerad, den ich je gehabt, der Sohn des Jugendfreundes von meinem Vater. Wie schade, daß Sie Percy nicht kennen!"
„Und er gab dir den Ring?"
„Ja, zum Andenken — vor vielen Jahren! Rein, den bekommen Sie nicht, Herr Rorring: nehmen Sie diesen hier," sie zog einen einfachen Goldreif vom Finger. „Es ist Papas Trauring von meiner eigenen, armen Mutter her. Wollen Sie den?" •
„Welchen du willst — falls er mir nur im Frühjahr dich gewiß ins HauS führt!"
Rosige Pläne für die Zukunst, kindliche, unausführbare Pläne, flössen leicht über Kenias Lippen. Er hätte ihnen ewig lauschen mögen.
Sie ahnten nicht, welch' schwerer Kampf in- dffen ganz in ihrer Nähe durchgerungen ward.
Leise hatte Blanche die Tür des Bibliothekzimmers hinter dem Eingetretenen zugedrückt — sie wollte nichts hören, nichts sehen von dem Vunde, der da abgeschlossen ward.
Sinnlose Angst in den großen, starren Augen war sie aus dem Zimmer geeilt in das anstoßende, ihr Boudoir, und mit versagenden Knien auf den Betschemel niedergesunken unter dem ruhig ernsten Bilde der Madonna. Ihren Mckenden Lippen entströmten angstvoll hervorgestreßte Worte: „Heilige Mutter! Müsse« sie
Härten gegen Griechenland, zu denen man sich au «manchen Höfen schwer enffchließt. Außerdem ist eine dauernde Regelung der Frage wirklich schwierig. Die türkischen Souveränitätsrechte lassen sich ohne Krieg nicht eliminieren. Bleiben sie bestehen, so sind die von den Schutzmächten früher begünstigten, später geduldeten Wünsche der Hellenen nicht zu befriedigen.
Bei dieser Lage der Dinge ist es allerdings sehr leicht möglich, daß es srüher oder später über Kreta zum Kriege kommt. Auch ivenn die Frage der Wahl kretischer Abgeordneter jetzt in irgend einer Weise gelöst wird, bleibt die Haupt- ftage doch bestehen. Es bleibt ein Zustand, bei dem jederzeit irgend etwas Vorfällen und den Krieg nach sich ziehen kann. Die Griechen lassen sich durch Vernunft nicht leiten. Das haben sic genugsam gezeigt. Die Pforte ist am Ende der Geduld. Bei einer solchen Lage einen. Krieg für unwahrscheinlich erflären, wäre zuviel Optimismus,
Politischs Amschau.
Die Konstrenz der Interparlamentarischen Union.
Brüssel, 1. Sept. Die Konferenz der Interparlamentarischen Union beendete heute Nachmittag ihre Arbeiten und besümmte, daß sie im Jahre 1911 in Rom tagen wird. Die Konferenz nahm einen Antrag des belgischen Deputietten Franck an, der verlangt, daß man dahin wirke, daß die Staaten die Beschlüsse der Londoner Seekriegskonferenz von 1908 annehmen. Vorher wird die Aufhebung des Seebeuterechts und die Begrenzung des Blockaderechts auf Kriegshäfen und befestigte Plätze gewünscht. Die Konferenz wünscht die Einsetzung nationaler Komitees, die jeweils Vorschläge machen sollen für die Tagesordnung der Haager Friedenkonferenzen. Einstimmig sind die Delegierten der Ansicht, daß das Briefporto allgemein auf 10 H pro 20 Gramm zu reduzieren fei. Ein diesbezüglicher Anttag soll der nächsten Konferenz unterbreitet werden. Der König der Belgier dantte für das Begrüßungstelegramm und wünschte den Verhandlungen guten Erfolg. — Der deutsche Geschäfts- Kläger Kräcker von Schwartzenfeldt veranstaltete gestern abend zu Ehren der hier zur interparlamentarischen Konferenz anwesenden Reichslags- abgeordneten ein Diner, an dem auch die Vertreter der deutschen Presse teilnahmen.
Deutsches Reich.
— vom Kaiser. Berlin, Sept. Heute vormittag hielt der Kaiser auf dem Tempelhofer Felde Parade über das gesamte Eardekorps ab; die Parade kommandierte General v. Loewenfeld. Das Wetter war bedeckt. — Heute abend um 7 Uhr war bei den Majestäten im Weißen Saale, des königl. Schlosses Paradetafel, an der die hier anwesenden ausländischen Generale teilnahmen.
— Generalstabschef v. Moltke erkrankt. Berlin, 1. Sept. Eeneralstabschef v. Moltke ist erkrankt; er
wird eventuell bei den Kaisermanövern vom 6. bis 10. September von dem Generaloberst v. d. Goltz vertreten.
— Reichstagabgeordneter Dr. v. Starzynski f. Posen, 1. Sept. Der polnische Reichstagsabgeordnete Dr. v. Skarzynstt ist heute vormittag gestorben.
— Ein gemeinsamer bürgerlicher Reichstagskan« didat. Gera, 31. Aug. Bon sämtlichen bürgerlichen Parteie^und Gruppen wird für die bevorstehende Reichstagswahl im Fürstentume Reuß j. L. der bisherige nationalliberale Reichstagsabgeordnete Geh. Regierungsrat Landrat Horn in Schleiz wiederum als gemeinsamer Kandidat ausgestellt werden.
— Die Schöneberger Bürgerschaft und die Kriegsveteranen. Berlin, 1. Sept. Der Verein der Kriegsveteranen von 1864, 1866, und 1870/71 in Schöneberg hatte vor einigen Wochen einen Appell an die Bürger Schönebergs tun Unterstützung gerichtet, in dem er die bedrängte Lage der Mehrzahl der alten Krieger schilderte. Es wurde daraufhin eine öffentliche Sammlung veranstaltet, von der man hoffte, daß sie bei der notorischen Wohlhabenheit der Bewohner Schönebergs ein ansehnliches Erträgnis haben würde. Diese Hoffnung hat sich aber nicht erfüllt; bis zum gestrigen Abend waren — sage und schreibe — ganze 188 M gezeichnet. Deshalb haben mehrere Stadtverordnete einen Antrag eingebracht, den Magistrat zu ersuchen, auf schleunigstem Wege eine Vorlage einzubringen, um eine angemessene Unterstützung der hilfsbedürftigen Veteranen zu veranlassen.
— Freist«» und Volksschullehrer. Rach der Vorlage für die neue Strafprozessordnung sollten auch Körperverletzungen, die jemand begangen hat unter Ausserachtlassung der Aufmerksamkeit, zu der ihn sein Beruf verpflichtet, im Wege des Privatklageverfahrens verfolgt werden. Die Lehrer hatten sich deshalb an den Reichstag gewendet und ersucht, diese Bestimmung zu streichen, da sie sonst der Gefahr ausgesetzt wären, auch ohne Grund von Eltern wegen angeblicher Misshandlung ihrer Kinder mit Privatklagen, verfolgt zu werden. In der Kommtssionssttzung wurde ein dahingehender Antrag der Konservativen auch mit grosser Mehrheit angenommen, gegen den Antrag stimmten mit den Sozialdemokraten und Polen auch die Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei.
— Volkszählung im Kiautfchou-Gebiet. Nach einer im Mai d. I. erfolgten Volkszählung beträgt die Gesamtzahl der Europäer einschließlich der Amerikaner 1621 gegen 1484 im Jahre 1907. Hierunter befinden sich 1531 Deutsche gegen 1412 im Jahre 1907. Dem Geschlecht nach sind männlich 979, weiblich 642. Bezüglich des Religionsbekenntnisses gliedern sich diese in 1348 evangelisch, 241 römisch-katholisch, 1 griechisch-orthodox, 22 israelitisch, 7 baptistisch, 2 freireligiös. Vorübergehend hielten sich im Schutzgebiet 24 Personen auf. An Personen des Soldatenstandes befanden sich im Schutzgebiet 2275. Es wurden ferner gezählt 167 Japaner, 5 Koreaner, 11 Inder und 5 Südsee-Jnsulaner. Die Gesamtzahl der
I chinesischen Bevölkerung des Schutzgebietes bettägf 161140 Personen, wovon 80 989 männlichen Go schlechte, die übrigen weibliche Personen und Kinder unter 10 Jahren sind.
I ■
Der neue Gouverneur von Deutsch-Südwestafrik«.
Anstelle des bereits vor einiger Zeit von feinem Posten zurückgetretenen Gouverneurs von Deutsch- Südwestafrika, v. Schuckmann, ist der bisherige Gouverneur von Kamerun, Dr. Seitz, auf diesen Posten berufen worden. Dr. Theodor Seitz, dessen Bild wir heute bringen, ist geborener Badenser und steht g» genwärttg int 48. Lebensjahre. Er wurde 1863 in Seckenheim bei Mannheim geboren und war nach vollendetem Studium im badischen Staatsdienst tätig. 1895 trat et zum Reichsdienst über, in welchem er zuerst bis 1899 als Beamter (Referent) In Kamerun tätig war. Nach längerer Tätigkeit im Reichskolonialamt in Berlin kam Dr. Seitz im Jahre 1907 als Eouverneuer nach Kamerun.
Ausland.
*♦ Das Communiquö zu der Minister- Entrevue. Ischl, 1. Sept. Das Wiener Rott.- Bureau verbreitet folgendes Communiqu6: Di« Reise, die der Marchese di San ®tuliano nach Ischl unternommen hat, um sich dem Kaiser Franz Josef vorzustellen, sowie die Begegnung des italienischen Ministers des Auswärtigen mit dem Grafen Aehrenthal, die vorher in Salzburg stattgefunden hat, sind ein neuer Beweis für die freundschaftlichen und verttauensvollen Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungar«. Die Entrevue der beiden Staatsmänner gab ihnen die Möglichkeit, einen den Allianceverhält nissen entsprechenden intimen Gedankenaustausch über die allgemeine Lage in Europa wie auch speziell über die Verhältnisse im nahen Osten -« pflegen. In der Beurteilung dieser Fragen er
den« unglücklich werden? Sie müssen es nicht — es gibt ungleichere Ehen!" — Ihr Körper bebte konvulsivisch.
Sie sprang auf. Beide Hände fest gegen die Stirn gedrückt, schritt sie leise murmelnd im Zimmer auf und nieder. „Du wirst frei fein, Percy, wirst kommen, wenn sie längst fori ist, wirst nur mich finden . . . Der Witwenschleier ist bann zerrissen — auch ich bin wieder frei —." Eine finstere Erinnerung schier- übet ihre Stirn zu huschen, ihre Hände wühltet, sich tief ein in das lockige Haar. „Laß es nicht Verachtung gewesen sein — nicht Verachtung! Du bist ja der einzige, den ich je geliebt — warte auf mich!"
Lange schritt sie so auf und nieder in dem dämmrigen Raume, ihre Augen brannten unheimlich und ihre Lippen glühten fieberhaft. Allmählich beruhigten sich ihre Züge. Die Angst schien von ihr gewichen. Ein unscheinbares Medaillon aus dem Busen ziehend, blickte sie lange auf das verblaßte Bildchen, das dasselbe umschloß. Ein sanftes Antlitz mit schweren, weißblonden Flechten und tiestraurigen Augen sah ihr entgegen. Sie löste die schwere Goldkette, an der sie es getragen, vom Halse, schlang dieselbe um den Fuß des Kruzifixes und küßte inbrünstig Bild ung Rahmen, ja selbst die blauen Glassteinchen der Fassung.
Als sie sich erhob, war ihre Stirne geglättet; sie trat ruhigen Blickes vor den Spiegel, ordnete sorgfältig den zerftörten Lockenbau, nahm eint zartrosige Aster aus der Blumenvase und befestigte sie im Haar, betrachtete prüfend die Gestalt, die ihr aus dem Rahmen entgegenstrahlte und trat, ein anmutiges Lächeln um den etwas bleichen Mund, zurück in das Familienzimmer, gerade als Rorring das Bibliothetzimmer verließ.
„Nun, Herr Ingenieur, sind Sie mtt mir zufrieden?"
Er verneigte sich ehrerbietig und küßte, noch vor Erregung bebend, die Weiße, ihm dargereichte Hand. „Ihr eigenes Bewußtsein wird Ihnen sagen, daß Sie einen Glücklichen gemacht — ich danke Ihnen, gnädige Frau!"
„Und was meinen Sie, was ich mir indessen für heute nachmittag ausgedacht?'
Blanche sah den vor ihr Stehenden schalkhaft fragend an. „Ich denke, wir pilgern heute alle per Wagen nach der Kapelle der Rosalia hinaus, dem schönsten Aussichtspunkte weit und breit. Man sagt, daß die Heilige jungen Liebenden günstig sei ..."
6.
Tiefer Winter deckt die Ebene und liegt fröstelnd auf den Waldbergen. Bon dem Gebirgszuge gegenüber ist fast nichts zu sehen, er hebt sich nur matt ab von dem weißlichgrauen Abendhimmel; nur die rötlichen Mormorbriiche der „Wand" und hie und da eine dunkle Stelle des Waldes, wo der Wind den Bäumen die Schneehaube von den schläftigen Köpfen gerissen, treten scharf hervor aus dem eintönigen Weiß.
Aber die Sonne sinkt tiefer und färbt den Hintergrund hochrot, auf dem die Alpenkette in unsicheren Linien wie von Kinderhand gezeichnet, zu hängen scheint. Ihre eisigen Spitzen glühen auf, in immer matterem Violett erblassend. Von der Leitha herauf ertönen frische Stimmen. Da wo die Stromschnellen des Flusses eilig dahingleiten, hat sich dieser nicht fesseln lassen. All' die Nebenarme und seichten Wasserbecken aber, die sich zwischen den Inseln hinziehen, sind erstarrt bis zum Grunde. Von einem derselben tönt das lustige Lachen.
Etwa dreißig Schritte voneinander entfernt
ist eine Brustwehr von Schnee erbaut — reichliche Munition von riesigen Schneebällen hinter sich bergend. Ein frisch geröteter Mädchrnkopf taucht hervor.
„Aufgepaßt, da drüben! Der Tiik' kommt!"
Die Geschosse prasseln an die seindlicheSchauze, aber der Angriff bleibt unerwidert.
(Fortsetzung folgt.)
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Erinnern«- 1870.
War es denn wirklich schon vor 40 Jahren? Mir ist's, als fei es eben ersten gescheh n. Ich sehe mich an heißem Iulttage Mit Tausenden Unter den Linden steh n. Das Auge zu dem Fenster hingezwungen, An dem des edlen Königs Haupt sich zeigt, Das sich in Wehmut und mit mildem Ernste Vor feinem kampfbereiten Volke neigt.
Und als der hohe Herr mit bitteren Zähren Zum Himmel reckt die starke, treue Hand, Da hallt es wie ein rollend Donner brausen: Mit Gott für König und Vaterland! Und abends bann, bei Kroll, in dem Theater, Man gab den Tell vor ausverkaustem Haus, Wie brannten der Begeisterung helle Flammen Den Klassenhaß und jeden Dünkel aus! Es halten fest und brüderlich umschlungen Der Bürger sich, der Mann mit Ordensband, Der Offizier zieht kühn den blanken Degen Und drückt dem Bruder Studio fest die Hand. Und nimmer stieg zum hehren Gott der Schlachte« Wohl je ein Schwur so heilig und so wahr: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüder«, In keiner Rot uns trennen und Gefahr!
Der Schwur, der einst zum Himmel aufgeftiegt«. Zerschellt er beut' am Hadem der Partei«? j Das Heldenblut, das Frankreichs Erde tränkte, ‘ Soll es umsonst, umsonst geflossen sein?