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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage.«

Marburg

45. Jahr-.

Riederweimar,

Niederwalgern,

Damm und Lohra sowie von allen Post- nnstaltcn und LandbriestrSgern entgegengenom­men.

DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der B e z u g s p r e i s beträgt viettel-

Ausland.

* Die Kaiserinwitwe von Rußland in Kopen­hagen. Kopenhagen, 30. Aug. Die Kaiserin- Witwe von Rußland ist heute vormittag an Bord der KaiserjachtPolarstem« hier eingetroffen.

*» Die goldene Hochzeit de. montmegrintsche« Königspaares. Cetinje, 30. Aug. Anläßlich der goldenen Hochzeit des Königspaares fand gestem in Anwesenheit des Königs und der Königin ei« Festgottesdienst statt. Das Herrscherpaar wurde von den Mitgliedern der königlichen Familie dem diplomattschen Korps, der Regiemng, der Geist­lichkeit und der Skupschttna beglückwünscht und nahm die Huldiguüg der Depuationen der monte-

Bestellungen

für den Monat September

auf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedk- liou (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Welter, Ebs­dorf, Hachborn, HeSlem-Mölln, Lei- denhofen, Dreihaufen, Wittelsberg,

denen Absolutismus wieder aufleben lassen wol­len. Seinen Worten kann man nur Gerechttgkeit widerfahren lasten, wenn man sie als Ausdmck seines tiefen Gemütes und seines edlen Idealis­mus betrachtet«

In Wirklichkeit kommt nun freilich auch in der deutschen Presse eine mhigere Beurteilung zur Geltung. Wir wollen uns die einzelnenPreß stimmen« ersparen.

Die Interpretation der Rede durch den Reichskanzler wird in der Preste vielfach als nicht bemhigend ausgenommen spez. bellen diegetrof­fenen Hunde.« DieFreis. Ztg." meint:Gegen die Ausdrückewillkürliche Auslegungen« und böswillige Verdrehungen« müssen wir, wenig­stens soweit es unsere Zeitung angeht, entschieden protestieren." Aehnlich die ..Frkf.« Ztg.«. Die Post« aber schreibt:Wir möchten jetzt wünschen und bitten, diesen Gegenstand ruhen zu lasten. Er ist reichlich und genug behandelt worden. Im Reichstage und Abgeordnetenhaus« dürfte er ja so wie so wieder aufs Tapet gebracht werden und schließlich eben nur von amtlicher Seite zu einer ähnlichen, ja gleichbedeutenden Erklärung Anlaß bieten, wie sie die Norddeutsche Allgemeine Ztg. gegeben hat, eine Erklämng, mit der sich alle Volksfreunde rückhaltlos einverstanden erklären können.«

Inzwischen hat aber der Kaiser in Marienburg eine neue Rede gehalten, die als Ergänzung zu der ersten gelten kann und allen denen, die dem Kaiser nicht übel wollen, auch eine richtige Bmn tcilung der Königsberger Rede an die Hand gibt. Wir haben sie bereits gestern mitgeteilt. Der Kaiser greift auf seine erste Rede zurück und be­kennt, daß er unter demJnstmment des Him­mels" nicht etwas besonderes gemeint haben will. Er ist nur wie jeb<:r gläubige Christ überzeugt, einWerkzeug des Herrn" zu sein. Es war nicht schwer, schon aus den ersten Worten, diese Auf- fasiuug, die dem ernst religiösen Sinne unseres Kaisers entspricht, auch obne diesen Kommentar zu entnehmen. Dies persönliche Bekenntnis hat mit Verfassung und Staatsrecht nichts zu tun, und dürste auch die revoluttonärste Feder, feiern der Schreiber Ehrlichkeit genug besitzt, zur Ruhe bringen. Ob die Herren auch den Mut finden, ihr Unrecht, das sie dem Kaiser getan, wieder gut zu machen, ist fraglich.

Politische Umschau.

Einigung vor dem Magdeburger Parteitage?

Nach den Ankündigungen der sozialdemokra­tischen Presse soll auf dem bevorstehenden Magde­burger Parteitage ein großes Ketzergericht über bie' badischen Genosten abgehalten werden. Nord und Süd stehen sich bis an die Zähne bewaffnet gegenüber, um den alten Streit zwischen Revisio­nismus und Radikalismus auszutragen. Daß sich, nachdem die schmutzige Wäsche gründlich ge­waschen worden, zum Schluß die feindlichen Brüder wieder vertragen werden, versteht sich von selbst, und an die Möglichkeit eines Ausschlusses der Badenser aus der Partei dentt im Ernste niemand. Wahrscheinlich wird es aber gar nicht

zu einer ausführlichen Erörterung der badischen Budyetbewilligung kommen. Es sind nämlich Verhandlungen zwischen der Parteileitung und führenden süddeutschen Persönlichkeiten im Gange, um ein Kompromiß zustande zu bringen, das den Streit noch vor Beginn des Parteitages friedlich schlichtet. Der Eindruck der Mägde- burger Tagung, die der Oeffentlichkeit die rauschende Spmphonie einer mächtig fortschrei- tenden Partei vorführen soll, würde auf diese Weise nicht durch die Mißklänge des Zanks int eignen Lager gestört werden. Die Geschäfte der Sozialdemokratie gehen zwar ausgezeichnet, im­merhin wäre aber eine Neuauflage des Dresdner Jungbrunnens ein Luxus, der nur den Gegnern zugut käme. Deshalb wird dieser Teil des Pro­gramms gestrichen werden.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar in Berlin. Berlin, 30. Aug. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Bittoria Luise find heute früh 7 Uhr 10 Minuten auf dem Bahnhof Friedrichstraße eingetroficn.

Das Kronprinzenpaar. Potsdam, 30. Aug. Das Kronprinzenpaar ist wieder in Potsdam ein- getrofsen und nabm im Marmorpalais Wohnung.

Vom Reickskanzler. Berlin, 30. Aug. Der Reichskanzler ist biet eingetroffen und nahm heute Vormittag eine Reihe von Vorträgen entgegen.

Neue Mitglieder des Herrenhauses. Berlin, 29 Aug. DerReichsanzeiger" meldet: Der Kö­nig berief den Majoratsbesitzer Rittmeister a. D. Adalbert Freiherrn v. Rosenberg auf Klötzen im Kreise Marienwerder, den Fideikommißbesitzer Döring von Wtckerau und den Grafen v. Krockow im Kreise Putzig zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit.

Kommerzienrat Eckhardt *h Mannheim. 30. Aug. Heute Nachmittag starb im Mer von 88 Jahren der frühere Reichs- und Lundtagsabge­ordnete Geheime Kommerzienrat Carl Maria Jo­seph Eckhardt.

Dr. Deitz Gouverneur von Deutsch-Südwest­afrika. Berlin, 30. Aug. Wie dieNorddeutsche Allgemeine Ztg.« meldet, ist anstelle des Gouver­neurs v. Schuckmann, der den erbetenen Abschied erhielt, der Gouverneur von Kamerun Dr. Seitz zum Gouverneur des Schutzgebietes Deutsch-Süd- westaftika ernannt worden. Zum Gouverneur von Kamerun wurde der bisherige Vortragende Rat im Reichskolonialamt Geheimer Oberregierungs- rai Dr. Gleim ernannt.

Nationalliberale und Konservative. Stutt­gart, 26. Aug. Der Stuttgarter nafionalliberale Professor Theobald Ziegler rät den Rational­liberalen, eine Verständigung mit den Konser­vativen für den nächsten Wahlkamvf zu suchen. Es könne sich nicht um einen Block handeln, wohl aber um eine Vereinbarung über das Vor­gehen bei den nächsten Wahlen.

Englische Sensationssucht. London, 29. Aug. Der Berliner Vertreter derDailv Mail" hat sich an zwei Persönlichkeiten gewendet, deren Stellungnahme zur Kaiserrede in Königsberg von Wichtigkeit ist, nämlich an den Reichskanzler und

an Bebel Auf die Frage, was Bethmann-Holl- weg auf die gegen ihn gerichteten Angriffe zu er­widern habe, telegraphierte er aus Hohenfinow: In der fraglichen Angelegenheit habe ich keinerlei Erklärungen abzug ben. Bethmann Hollweg.« Der Führer der deutschen Sozialdemokratie Bebfil telegraphierte:Ich habe soeben die Rede deS Kaisers gelesen. Ich kann nur sagen, die Hohen« zollrn ändern sich nie. Bebel.«

Eine Verschmelzung der anttsemittsche« Gruppen des Reichstags hatte kürzlich dieRat.- Lib Korr." als wahrscheinlich bevorstehend be- zeichnet. Dazu schreibt jetzt Abg. Liebermann von Sonnenberg derStaatsb. Ztg.«, daß seitens der wirtschaftlichen Vereinigung während der letzten Wägung dem inzwischen verstorbenen Ab­geordneten Zimmermann das Anerbieten ge­macht worden sei, sich mit den Abgeordneten Graefe und Werner für die Kommissionsbesetz- unq der Wirtschaftlichen Vereinigung zuzählenz« lassen Herr Zimmermann habe aber dieses An« erbieten in letzter Stunde ohne Angabe sfichhal- tiger Gründe abgelehnt, und die Herren Re­former seien nach wie vor bezüglich der Kom- miffionsbesetzung der sreikonservattven Partei zu­gezählt worden. Aus den sonstigen Bemerkungen des Herrn Liebermann von Sonnenberg scheint hervorzugehen, daß die Wirtschaftliche Ber­einigung an der Verschmelzung kein besonderes Interesse hat.

60 Soldaten an Hitzscklag erkrantt. Mün­chen. 30. Aug. Von den Mannschaften des 15. Infanterie Regiments, das z. ZI. in München un­tergebracht -st. erkranfte gestern auf dem Rück- marsch von einer längeren Uebuno inkolae der Hitze eine größer» Zahl Soldaten. Ein Einjährig i Freiwilliger der anscheinend noch gesund in die Kaserne zurückkehrte, ist heute Nacht gestorben, zwei Reservisten sind ernstlich erkrankt. Zu den gestrigen Erkrankungen im 15. Infanterieregiment wird amtlich mitgeteilt, daß etwa 60 Monn, meist Reservisten, auf dem Rückmarsch vom Exerzier­plätze erkrankt sind. Bei einem großen Teil han­delt es sich um Wundlaufen der Füßen, bei den übrigen um Erschöpfung. An Hitzschlag ähnlichen Erscheinungen ist ein Mann erkrantt. Die Obduk­tion des gn Herzschwäche verstorbenen Einjähch- gen, der bin Marsch ohne Anzeichen besonderer Anstrengung mitgemacht hat, ergab eine ausge­dehnte beginnende Lungenentzündung.

Nachlese.

Allmählich ebbt die plötzliche Flut der Entrüst­ung ab, nur auf der äußersten Linken staut sie sich noch. Und neben dem entrüstetenVorwärts" und Leipziger Volkszeitung" steht Herr v. Gerlach auf hoher Zinne und trompetet:Und Wilhelm sprach." Um es kurz zu machen, das war das schlimmste, was Herr v. G. erlebt hat. Der Kaiser kann ja da sein, Herr v. G. ist kein Republikaner, aber er darf nur wollen was die echte Demokratie, d. i. Herr v. G., will. Absetzen will er ihn gerade nickt.Demokratie und Kaisertum!" Naumann redivivus. Bekanntlich hat die demokrafische Vereinigung die Verhandlung, ob für Deutschland eine Republik besser wäre, von dem Programm des letztenParteitages" abgesetzt. Da loben wir uns die klare Konsequenz derLeipziger Volkszeitung", sie schreibt klipp und klar:Nichts führt die Unhaktbarkeit der Monarchie, ihre Un­vereinbarkeit mit der Würde und Freiheit eines modernen Volkes drastischer und eindringlicher vor Augen, als diese Kaiserede. Für die Arbetterttaffe ergibt sich hieraus die neue Bestätigung der alten Lehre, daß sie den Kampf gegen die Monarchie allein zu führen hat, daß sie nicht nur mit aller Energie die roten Spätzlepolitiker von sich ab- schütcln. die vor deutschen Monarchen katzbuckeln und Glückwünsche stammeln, sondern daß sie jetzt, und zivar mit allem Nachdruck, den Ruf zu- er­heben hat:Es lebe die deutsche Republik? Es lebe das freie Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes!« DieL. Volksztg.« hat unrecht, es gibt sogar unterbürgerlichen" Politikern noch Män­ner, die nichtkatzbuckeln", siehe Herrn v. Gerlach^ der allerdings erklärlicherweise alles unter dem

»Gesichtspunkte der nächsten Wahl sieht.

Wir führten bereits aus, kein Vernünftiger glaubt im Ernst daran, daß der Kaiser der Ver­fassung hätte zu nahe treten wollen, also könnte man sich beruhigen, könnte, könnte, wennman" nicht politisch aus der Angelegenheit Kapital schla­gen wollte, um gegen die Monarchie überhaupt zu hetzen. Sogar die englischen Blätter sind gerech­ter. Der bekannteDailh Telegraph" faßt das Ur­teil der Engländer dahin zusammen:Der Kaiser wird nie einen toten und längst dahingesckwun-

Die Insertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tg^mtene Zeile ober deren Raum 15 4, für auswärttge Inserate 20 A.

. - z-~ t für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. «och,

Donnerstag 1. SCptCUlvCr 1910. llniversitäts-Büchdriickerei. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg,

Qß/1 jährlich durch die Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 290 JC (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

(Nachdruck verboten.)

Seelenkampfe.

--Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.

(Fortsetzung.)

Und und" Blanche blickte sch« in sein verstörtes Gesicht,ist kein Rückfall zu be­fürchten?«

Die Aerzte meinten, ein solcher sei unwahr scheinlich, wenn ich mich vor neuen Ent­täuschungen in der Siebe bewahre." Er hatte sich erhoben und stand fest aufgerichtet vor ihr.Der­selbe Stolz aber würde die Liebe zu Genia in mir ersticken, als wäre sie nie dagewesen, wenn ick, je einen ihrer Blicke in geringschätzendem Mitleid auf meiner unschönen Gestalt ruhen sähe. Und ich bin mißtrauisch wie Sie eben selbst erfahren haben ebenso mißtrauisch als stolz, ick würde diesen Blick ahnen, auch wenn ich ihn sähe ibn fühlen, noch ehe man ihn für mich hätte."

Ich weiß, daß Sie in Eugenies Augen nicht häßlich sind. Sie dürfen mir glauben, wenn ich das sage.« Es ttang wie innere Befriedigung aus ihrer Stimme; freute sie sich, auch einmal etwas Wahres versichern zu können?

Ich will nicht schön gefunden, aber auch Nicht verachtet werden, weil ich es nicht bin. Sie wissen wohl nicht, Frau von Osten, was es heißt, Don denen verachtet werden, die man liebt?"

Er neigte sich nahe zu ihr hinab, sie bebte zu- fammen unter der plötzlich an sie gestellten Frage. Es dauerte eine Weile, ehe sie hastig, halb un­verständlich erwiderte:

Natürlich weiß ich das nicht? Welche Frage! Aber es ist spät, Herr Norring, begleiten Sie «ich nach Hause. ES blitzt. Ich fürchte mich.«

Es war finster, als sie oben im Schlotzhos standen. Pfeifend heulte der Wind um die Zinnen der alten Teufelsburg, krachend flog das Tor hinter der Gingetretenen in die Angeln. Die Tannen des Forstes ächzten und stöhnten. Die losgeriffene Wetterstange schlug klirrend gegen das Dach, daß die Krähen sich scheu in die morschen Schießscharten duckten.

5.

Es war noch ziemlich früh nm nächsten Morgen, als der Diener der Freiftau dem In­genieur ein Mllet überbrachte. Dieser durchflog e£ mit überwachten Augen. Er las es Wied r ustd wieder; es war, als könne er ben Inhalt dieser zitternden wie in fliegender Hast hinge- worfenen Schriftzüge nicht fassen:

Genia weiß alles. Meine Mitteilung hat sie zwar heftig erregt, aber nicht zurückgeschreckt. Kommen Sie zur Visiteustunde. Sie werden er­wartet. Um eine nochmalige Aufregung zu ver­meiden, ist es jedenfalls besser, Sie erwähnen nichts mehr von Ihren früheren Erlebnissen.

Blanche von Osten.«

War das der Erfolg seines gestrigen Be­kenntnisses? Und wenn Genia ihn denn wirttich liebte, dann sollte sie gesegnet sein, die Weiße Hand, die seit gestern abend so mächtig in sein Schicksal eingegriffen, gesegnet aber vor allem das holde Wesen, das sich ihm zu eigen geben wollte, gesegnet die Stunde, die Genia zu der Seinen machen würde.

Es litt ihn nicht mehr im Zinnner, er ergriff Hut und Stock und eilte hinaus.

Der Morgenwind fuhr ihm frisch um die Stirne und jagte ihm das Haar von den Schläsen. Wie kühl es heute war, wie duftig der Hauch, der vom Walde herüberwehtes Leicht und elastisch wie feit lange nicht eilte er Ntt Dors-

Weg aufwärts. Ihm war es zumute wie da­mals, als er zuerst geliebt, wo das Bewußtsein, wieder geliebt zu werden, seinen Bewegungen das Eckige benommen seinen Gang leicht gemacht, sein Gesicht verschönt hatte. Von der Höhe herab kam ihm der Dorfbach entgegengestürzt, wildan­geschwollen, übermüttg. Keck sprang derselbe zur Rechten des Weges dahin, in der Eile sich überschlagend und überhastend, dem staunenden Geflügel des Dorfes, das gewohnt war, aus chm zu nippen, in ausgelassener Schadenfreude den Weißen Schaum um die Köpfe sprühend.

Oben im Hockwalde warf sich Norring nieder auf das schon wieder trockene Moos, tteuzte die Arme über der Brust und lächelte glücklich hinauf zum Himmel, der in Keinen Lichtungen durch die Wipfel der Bäume blaute.

Lockende Bilder umgaukelten die bleiche Stirn des Emporschauenden. Wenn Genia ihn liebte, teer dann nicht der Bann von ihm genommen, von dem er meinte, daß er ihn ausschlösse von dem allgemeinen Rechte, zu Neben und geliebt zu werden? Er durste wieder glauben, hoffen und glücklich sein!

*

In dem Keinen, achteckigen Bibliothekzimmer des Schlosses saß Genia. Jede Spur von Kampf und Erregung war aus ihren Zügen gewichen. Heiter sinnend blickte fie hinauf zu den Über dem mächtigen Bücherschrank hängenden Aquarell­bildern von der Hand des Vaters und zu ihrem eigenen ersten, schüchternen Versuch, Burg Wakd- bühl zu zeichnen. Sie war damals sehr stolz darauf gewesen, sie entsann sich dessen lächelnd. Wohl standen die Mauern bedenttich windschief und wechselten die Fenster eigentümlich in der Größe, sahen die FÄsen aus wie graue Unge­tüme wb die Bäume wie Reisbesen; aber der

Vater hatte das Heine Kunstwerk eigenhändig mit Glas und Rahmen versehen und ihm den Platz der Söllertür gegenüber angewiesen, so daß die bunten Lichter der altertümlichen Glasmalerei darauf spielten.

Wenn er sie heute sehen könnte, et würde zu­frieden mit ihr sein, würde sie sein großherziges Kind nennen. Wie hatte sie nur gestem abend so erschrecken können bei dem Worteheiraten«? Was war denn das auch Besonderes? Hen Norring hatte sie ja lieb, sie würde mit ihm leben toic mit ihrem Vater; wer weiß, ob sie nicht mit der Zeit würde fast ebenso vertraut mit ihm sein können, tote mit diesem? Hatte sie ihn doch jetzt schon recht von Herzm gern beson­ders seit sie wußte, daß er unglücklich war. Si« wollte ibn schon heiter machen u. d so fröhlich mit ihm fein, daß er gewiß all' das Unrecht bet. geffen feilte, das man ihm angetan. Was füt ein herzloses Mädchen mußte doch diese Bram gewesen fein, die ihn zu häßlich fand? Wat es denn nicht ganz qleichgülttg, ob et hübsch wat oder nicht? Würde sie ihren Vater weniger ge­liebt haben, wenn er zufällig verwachsen ge­wesen wäre?

O dies köstliche Gefühl, etwas Großherziges zu tun. Fast tat es ihr leid, daß sie dabei Triest sehen würde und das Meer, von »ent sie die ganze Nacht geträumt so herrlich hätte kfi, Sache eigentlich nicht werden dürfen? Heute abend reifte er ab; welch' entzückende Briefe ste sich schreiben würden!

In dem halbgeöffneten Nebenzimmer tönten Männerschritte gewiß, das war er! Schnell fiißig flog sie znm Sofa, von wo ste einen Tess des Zimmers übersehen konnte. An ihrem Arbeitsfischchen saß Blanche, erschreckt auffahrend^ als Norring vor ihr stand. (Frß. folgt.)