mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Mnö de«, Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage/
45. Jahrg.
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und
ment Petrikau) wegen starken Windes
Regens landen. Es wurde stark beschädigt und
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die Ballonhülle von Bäumen zerrissen.
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Die „Oberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- iährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2Ö0 X (Siir unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Beförderungen verfügt. Die Kaiserin reiste tm Sonderzug um 4 Uhr 30 Min. nach Marienburg, der Kaiser um 5 Uhr 34 Min.
— Verhaftung deutscher Luftschiffe, in Rußland. Warschau, 29. Aug. Ein deutsches Luftschiff mußte am Sonntag nachmittag, im Walde beim Dorfe Dlutow im Kreise Last (Gouverne-
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 70.
Die Kaiserrede.
Eine Erklärung der Regierung.
Berlin, 29. Aug. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt/ Die Königsberger Rede des Kaisers rief in einem Teil der Presse starken Protest hervor. In der Rede soll die Verkündigung des Absolutismus, der Geringschätzung des Volkes und der Volksvertretung enthalten sein. Demgegenüber stellen wir zunächst fest, daß die Rede kein Regierungsakt, sondern ein persönliches Bekenntnis des Monarchen war. Als solches atmet es den Geist des auf religiösem Grunde ruhenden Pflichtgefühls, den der Kaiser wiederholt betmüwte und bei der Ausübung des Herrscherberufs stets betätigte. Als Unterlage für jene Behauptungen dient hauptsächlich die Stelle, welche besagt, daß der Kaiser ohne Rücksicht auf Tagesmeinungen seinen Weg gehen werde. Der wäre ein schlechter König, der Ansichten des Tages zur Richtschnur seines Handelns nähme. Der kaiserliche Redner soll sich aber mit jenem Wort in Gegensatz zu der Verfasiung gestellt haben. Diese Folgerung läßt sich nur aus der Fiktion einer von schwankenden Stimmungen abhängigen Parlamentsherrschaft oder gar eines Absolutismus der Masie erklären, wovon die Verfasiung nichts weiß. Ebensowenig liegt in der Erwähnung der historischen Tatsache, daß die Könige von Preußen die Krone nicht aus der Hand von Parlamenten empfingen, eine Mißachtung von Volksrechten und Volksbeschlüsien. Damit wäre auch nicht in Einklang zu bringen, daß die Königsberger Rede jeden im Lande zur Mitarbeit an der Wohlfahrt und der friedlichen Entwicklung des Vaterlandes auffordert. Der Herrscher, der so viel Beweise davon gegeben hat, daß er, fest auf dem Boden der Verfasiung stehend, die schaffenden Kräfte des Volkes zu fördern
Marburg
Mittwoch, 31. August 1910
man bei ihnen Aufnahmen von verschiedenen polnischen Städten der Gouvernements Kalisch und Petrikau sowie chiffrierte Notizen fand, wurde das ganze Material beschlagnahmt. Die drei Herren wurden verhaftet, mit dem verpackten Ballon nach dem Kreisamt in Lask gebracht und dort interniert. Alle Dokumente wurden zur Prüfung an den Generalstab in Warschau geschickt. Wie der Berliner Verein für Lustschiffahrt mtt- teilt, handelt es sich hier um den Ballon „Herold", der am Sonnabend in Schmargendorf mit Ingenieur Gericke und Rechtsanwalt Cords aufgestiegen ist.
Deutsches Reich.
— Flottenmanöver vor den. Kaiser in Danzig. Danzig, 29. Aug. An Bord der „Hohenzollern« bei den Majestäten versammelten sich heute Mot- gen außer der Prinzessin Vistoria Luise, die an Bord Wohnung genommen hat, der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Ettel Friedrich mit' Gemahlin, die Prinzen August Wilhelm und Oskar, Herzog Albrecht von Württemberg, der Fürst zu Fürstenberg und die Damen und Herren der Umgebungen. Prinz Adalbert tat Dienst als Torpedochootskommandant. Auf dem Flaggschiff „Deutschland" des Chefs der Hochseeflotte Admirals von Holtzendorff hatten sich gleichzettig ein- geschifst: Staatssekretär v. Tirpitz, der Chef des Mnniralstabes Admiral v. Fischet und Marschall Hermes da Fonseca mit Gefotge. Ferner ist der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, der aus dem Schiff „Mecklenburg" Wohnung genommen hatte, auf die „Deutschland" übergegangen. Aus der „Preußen" hatten sich eingeschifft General Izzet Zascha mit Gefolge. Ueber 300 Offiziere des 17. KorpS hatten sich auf Linienschiffen und Torpedobooten eingeschifft. Um 7% Uhr machte die „Hohenzollern" los und ging in See, an Neu- fahrwaffer und dem freundlich in grün liegenden Zoppot vorüber. Der „Sleipner" folgte. Zahlreiche Vergnügungsdampser gingen gleichzeitig hinaus. In der Danziger Bucht lag die Hochseeflotte. drei Geschwader, und eine Gruppe Ausklä- rungSschiffe, zusammen über 30 Kriegsschiffe in einer dreigliedrigen Formation, dazu 55 Torpedoboote und drei Unterseeboote, zusammen mit einer Besatzung von etwa 2 300 Mann und über 1100 Offiziere. Um 9 Uhr traf die Kaiserfacht 6*1 der Flotte, welche Salut schoß, ein. Die Torpedoboote defilierten bei der „Hohenzollern", dann dampfte diese durch die beiden von drei Reihen Panzerschiffe gebildeten Gaffen hindurch. Die Schiffe hatten die Torpedoflaggen gesetzt, die Mannschaften paradierten und brachten drei Hurras aus. Um 9% Uhr ging der Kaiser, der Admiralsunfform trug, an Bord der „Deutschland"; die anderen Fürstlichkeiten verblieben auf der „Hohenzollern". Es folgte die Vorführung von Ererziften der Flotte nach einem besonderen Programm. Die „Hohenzollern" folgte der Flotte. Die Hebungen führten weit hinaus in die See, bei herrlichem Wetter entwickelten sich ebenso interessante als malerische Gefechtsbilder. Der Donner der Geschütze hallte über die Bucht, Tor- pcdobootsflottillen sausten durch die Fronten der Linienschiffe. In Angriff und Gegenangriff zeigte sich die Manöversähigkett und Schnelligkeit der ae- vanzerten Koloffe. Um 121/. Uhr nahm der Kaiser das Frühstück bei dem Ches der Hochseeflotte ein und kehrte um 2(4 Uhr an Bord der „Hohcn- zollern" zurück, die unter abermaligem Salut gegen 31/t Uhr in Neufahrwasser einlief und am Kai in der Nähe des Bahnhofs festmachte. Der Kaiser hat den Herzog Albrecht von Württemberg a la suite d-s 2. Seebataillons aestellt. Der Kaiser bof- eine Reibe Ordensauszeichnungen verstehen und
Ausland.
** Königreich Montenegro. Cetinje, 29. Aug. Der Fürst hat den einstimmigen Antrag der Skup- schtina auf Erhebung Montenegros zmn Königreiche genehmigt und den Titel Nikolaus I., König von Montenegro, angenommen. Hiervon sind die Vertreter der fremden Staaten durch eine Note der montenegrinischen Regierung in Kenntnis fct* setzt worden.
** Die verkauften deutschen Panzerschiffe. Konstantinopel, 29. Aug. Die an die Türkei verkauften deutschen Panzerschiffe sind in den Dardanellen eingetroffen und den türkischen Behörden übergeben worden. Nach einer Meldung der „Sahah" begrüßte der Kommandant des türkischen Schiffes „Hamidie" den deutschen Kontre- Admiral Koch, der sich an Bord des StationZ- schiffes „Loreley" nach Konstantinopel begab. Der Sultan gibt übermorgen zu Ehren Kochs ein Galadiner.
** Die Wahlen in Portugal Lissabon, 29. Aug. Die Mehrzahl der Stimmen in der Stadt Lissabon ist bisher auf die zehn republikanischen Kandidaten entfallen. Die Monarchisten sind in ministerielle und oppositionelle gespalten und bekämpfen einander. Die Wahlen wurden heute in Lissabon und der Provinz fortgesetzt. Von 155 Abgeordneten, welche zu wählen sind, sind ge- wählt: 47 Ministerielle und 26 von den Oppositionsparteien. — Bis 2 Uhr nachts waren 135 Wahlergebnisse bekannt und zwar sind 90 Ministerielle, 33 oppositionelle Monarchisten und 12 Republikaner gewählt.
** Der Bürgermeister von Rewyork. Rew- vork, 28. Aug. Bürgermeister Gaynor hat sich von den Folgen des Anschlags soweit erholt, daß er beute das Hospital verkästen konnte.
russische Kreisbehörde aus Lask erschien an Ott und Stelle und nahm ein Protokoll auf. C„
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für den Monat September
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und zu achten weiß, sollte vor solcher Mißdeutung geschützt sein. Hiernach ist endlich die Frage, was der Reichskanzler tun werde, leicht zu beantworten. Der Reichskanzler weiß, wie fern es dem Kaiser gelegen hat, sich in den aktuellen Streit der Parteien zu stellen, und kann nicht der Rede einen absolutistischen Sinn geben, der zu Agitationszwecken künstlich hin- eingelegt und herausgelesen wird. Er wird daher den Kaiser gegen willkürliche Auslegungen und bösartige Verdrehungen verteidigen und die Geschäfte wie bisher in voller Uebereinstimmung mit der Krone unter Wahrung aller vettaflungsmäßigen Rechte führen.
Diese Erklärung gibt der Rede eine Auslegung, wie wir sie vermutet hatten, und die sowohl dem Geiste des Redners gerecht wird als auch auf diejenigen Kreise, denen nicht an einer Verdrehung gelegen ist, beruhigend wirken wird.
Es ist gefordert und erwartet worden, daß der Reichskanzler zu der Kaiserrede und den Kritiken, die diese Rede in einem großen Teile der Presse gefunden hat, Stellung nehmen wird. Diese Stellungnahme ist nunmehr erfolgt. Er stellt fest, daß der Wortlaut der Rede alles das, was in ihn hineingelegt worden ist, nicht enthält. Es war nicht zu erwarten, daß die Regierung in diesem Falle anders Stellung nehmen würde. Selbst wenn man behauptet haß' die Rede, zwar nicht in ihrem Wortlaut, aber hinter den Zeilen, eine dem Parlament und dem konstitutionellen Gedanken überhaupt nicht günstig gesinnte Eeistesrichtung erraten läßt, so berührt sie doch mit keinem einzigen Worte die verfassungsmäßigen Rechte des Volkes. Die Wirkung, die die Rede getan hat und die der Reichskanzler selbst gewiß am tiefften beklagt, lag, wie auch die Erklärung der „Nordd. Allg. Ztg." erraten läßt, nicht in der Absicht des Kaisers. Sie bietet also der Regierung keine brauchbare Handhabe, um in Gegensatz zu dem Monarchen zu treten. Es ist gefordert worden, daß der Reichskanzler seinen Abschied einreichen solle. Dies ist auf Grund dieser Rede undenkbar. Er würde sich damit auf den Boden der offenkundigen Entstellung dieser Rede durch die sozialistische und ihr verwandte Presse stellen und der Agitation nur Vorschub leisten. Diese Möglichkeit kann ernsthaft nicht diskutiert werden. Infolgedessen mutzte die Regierung, wie sie es auch getan hat, den Kaiser verteidigen und gegen das Unrecht, das ihm offenbar geschieht, Stellung nehmen. Diese Haltung ist der Regierung leicht gemacht durch die unsinnigen Uebertreibungen der Kritik und die Blöhen, die sich die antimonarchische Opposition durch diese Entstellungen gegeben hat. Die Erklärung der Regierung bringt insofern eine Klärung, als sie jeden Zweifel an ihrer Haltung ausschließt und die Möglichkeit, daß man sich bei dieser Rede auf die Novemberereigniffe berufen könne, ablehnt.
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8 (Nachdruck verboten.)
Keelenkiirnpfe.
Preisgekrönte Novelle btut Elise Otto.
(Fortsetzung.)
„Sie sah, wie es in seinem Auge aufblitzte, fühlte dasselbe aber gleich darauf mißtrauisch auf sich ruhen. „Sie glauben mir nicht? Ich sage Ihnen, daß, wenn Sie in dieser Stunde hinaufgehen und Eugenie fragen, ob sie die Ihre werden will, Sie keinen vergeblichen Gang tun!"
„Und wenn Sie recht hätten, gnädige Frau — was mir jedoch, Sie verzeihen wohl, trotz Ihrer Versicherung unwahrscheinlich vorkommt, ich bemerke nie auch nur das kleinst» Zeichen von Gegenliebe bei Eugenie und suchte und wünschte auch keine solche bei ihr — so würde ich doch alt und verständig genug für uns beide sein, um diesen Gang nicht zu tun!«
„Verständig, wo es sich um Liebe handelt?"
„Sie irren, wenn Sie meinen, daß ich sinnlos verliebt sei in bas Mädchen. Es ist jetzt noch keine alle Hindernisse für nichts achtende Leidenschaft, was mich an Genia fesselt — dazu bin ich zu alt und ist sie zu jung und rein. Jetzt kann ich mein Gefühl für sie noch beherrschen, weil ich demselben keinen Raum zur Entfaltung gegönnt. Es würde eine holde Erinnerung bleiben auf meinem Lebenswege, nichts weiter. Hüten Sie sich aber, gnädige Frau, daß Sie es nicht in das verwandeln, wofür Sie es hielten! Bin ich einmal mit dem Gedanken vertraut geworden, daß Genia nicht unerreichbar, dann tonnte Leidenschaft an die Stelle ruhiger Neigung treten, Leidenschaft, die Ihnen unbequem werden und mich vielleicht geistig zugrunde richten würde, wenn sie unerwidert bliebe!"
„Warum sollte sie unerwidett bleiben? Frei- ttzch, Leidenschaft, wie der Mann sie fühlt, dürfen
Sie von einem siebzehnjährigen Mädchen nicht crwatten, das wäre unnatürlich, unweiblich! Sanfte, treue Neigung aber werden Sie sich r bei Genia finden und zattfüblendes Eingehen auf Ihre Vestrebungen."
„Und unsere Verschiedenheit im Alter, im Stande?"
„Was den Unterschied des Atters betrifft, so werden Sie zugeben, Herr Rorring, daß derselbe zwischen dem Freiherrn und mir selbst ein noch bedeutenderer war. Der des Standes — ich glaube nickt, daß" Genius Vater ihrer Neigung Zwang angetan haben würde aus Standesrück- sichten; das sind ja Wohl veraltete Ansichten! Uebngens besitzt Genia so viel eigenes Vermögen, daß ihr Leben nie ein armseliges sein kann!"
„Einen Augenblick! Sie erwähnen wiederholt Ihrer Ehe mit dem Frttherrn als ausschlaggebend und mustergültig Wissen Sie, daß ich dieselbe stets weder für eine glückliche, noch auch für eine nur einigermaßen passende gehalten?"
„Ich b»baute es lebhaft, mich Überhaupt mit Ihnen in eine Unterhaltung ' eingelassen zu haben, mein Herr?"
Blanche zog stolz die Achseln empor, raffte das Kleid höher auf und schien allein zurück- kehren zu wollen, während doch in ihr verzehrende Angst brannte, ob er sie würde gehen lassen.
. Verzeihung, gnädige Frau, e8 war nicht meine Absicht. Sie zu beleidigen — ober ich habe ein solches Mißtrauen gegen Ihre Ratschläge, daß ich selbst davor erschrecke. Seien Sie wahr, Frau von Osten, ich bitte Sie darum! Ist es allein die Sorge um Genias Glück, die Sie zu mir sprechen läßt? Es ist unwahrscheinlich, daß Sie das Mädchen nach so kurzer Zeit so seht lieben! Ist es Interesse an meinem Schicksal, Wohlwollen für mich? Ich habe eben immer
das Gefühl noch nicht zu überwinden vermocht, daß ich Ihnen während der ersten Zeit unsrer Bekanntschaft gleichgültig, ja, durch meine Mißgestalt lächerlich gewesen. Wenn ich einen andern Grund für Ihre Handlungsweise ahnen könnte, ich würde der Siebe und dem Wohlwollen mißtrauen, so aber — ich sehe keinen — finde keinen, ich muß Ihnen glauben. Verzeihen Sie mir!"
Er ahnte nicht, wie heiß Blanche auf bis einlenkende Wott gewartet, sah nicht, wie hastig sie es erfaßte, um nur nicht wirklich gehen zu müssen.
„Und Sie werden mein armes Kind nicht bet Enttäuschung überlassen? Wollen Sie das versprechen?"
Rorttng fuhr sich mit beiden Händen heftig durch das dichte Haar, wie er es stets tat, wenn er besonder? erregt war, seine Lippen bebten, ,*t antwortete nicht.
Sie schritten an der Parkmauer des Klosters dahin, über die die dunklen Kronen der Rüstern aufragten. Hie und da huschte eine Fledermaus unheimlich schwirrend durch die schwüle Luft, aus dem Dickicht rief der heisere Schrei d r Eule. Da, wo die Langseite des Parkes enbet, schmiegt sich die hochgelegene Kirche an mit ihrem überdachten in weiter Steigung empottühtenden Treppenauf
gänge.
Wie erschöpft ließ sich bet Ingenieur auf bet untersten Stufe desselben nieder, das heftig arbeitende Antlitz von dem Lichte des wettet« leuchtenden Himmels übergossen.
Er sing an, Blanche unverständlich zu werden. Sie blickte ungeduldig auf ihn nieder. Soviel Umstände, soviel Einwendungen, wo sie ettoartet hatte, der „Bürgerliche" werde mit beide» Händen zugreifen!
„Wenn man den ernsten Kampf scheut, gnädige Frau, so s-Ndtt man kleine Planklerab- ttilungen voraus, die möglicherweffe den Feind
zutückschtecken. Sie sind hattnäckig in Ihrem Angriffe — so sage ich Ihnen denn, daß dies alles nut Scheingefecht wat, daß der wahre Grund meiner Weigerung tiefer liegt. Warum ich Ihnen denselben nicht genannt? Ich schrak davor zurück, einen sehr dunklen Punkt meines Lebens fremden Augen bloßzulegen. Sie zwingen mich dazu."
Ein Angstgefühl flbertam Blanche. Sollte» wirklich ihre Pläne scheitern? ...
„Als ich jung wat, Frau von Osten, warb ich schon einmal um Liebe und wurde betrogen —"
„Ich weiß es . . . Genia weiß es —"
„Was Sie aber nicht wissen werden, ist, daß ick infolgedessen Iahte meines Lebens im . . . Jrtenhause zugebracht."
Et blickte finster lächelnd auf die jäh Zusammenzuckende. „Und wissen Sie, was mich damals geheilt? Es wat der ungebändigte Stolz, der in mir lebt, obgleich — vielleicht eben weil ich keinen Mlaß zu demselben habe." Er bedeckte die Augen mit der Hand und fuhr, wie sich selbst zur Mitteilung zwingend, fort: „Mit kurzge- fchnittenem Haar, in bet Kleidung bet Geisteskranken jener Anstatt in Brünn, ging ich ohne Bewußtsein meines Zustandes, leffe vor mich hinrnutmelnd, in den Anlagen auf und ab; da sah ich eine junge Dame, wahrscheinlich die Verwandte irgend eines der Kranken, sich seitwärts ins Gebüsch drücken, um Mitleid und Entsetzen in den Zügen, mich vorbeizulassen. Es war Mit leid gnädige Frau, wie man es für das häßlich Reptil zeigt, Mitleid voll Grauen und Absche». Von diesem Augenblicke an wußte ich, daß ich wahnsinnig wat und mein Stolz sagte mit, daß ich es nicht länger fein dürfe. Ich zwang meinen Kopf hell zu fein, und ich gesundtte, wenn auch langfam."
(Fortsetzung folgt.)