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MchM Iälung mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain And den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage."

.HL 200

Die »Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Poft bezogen 2,25 «M. sahne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition sMaikt 21), 2,00 JUL. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt di« Redak- tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonnabend, 27. August 1910.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 69.

Ein Nachspiel der Posener Kaisertage.

Die Posener Kaisertage haben ein Heines politisches Nachspiel. An die Reden des Kaisers, die, wie es schien, anfangs allgemlnen Beifall gefunden hatten, knüpft sich nun eine Diskussion. Die Nationalliberqle Korrespondenz hat, wie titttn annehmen kann Wohl nicht im Auftrage der Nationalliberalen Partei, die Kaiserreden zum Anlaß genommen, dem Reichskanzler von Bethmann-Hollweg vorzuwersen, er habe eine Gelegenheit versäumt. Sie meinte, der 20. August wäre wie kaum ein anderer Lag geeig­net gewesen, durch ein frisches energisches Wort aus kaiserlichem Munde den trüben Horizont zu erhellen: die Unklarheit über das, was Herr von Bethmann-Hollweg wolle, könne dadurch nur vermehrt werden, nicht nur die Unklarheit Über das Schicksal der Ostmark, sondern auch der Zweifel an ihm und seiner Gesamtpolitik. Wir können diese Angriffe, die an sich ja gut gemeint sind und gewiß dem kräftigen de»ltschnationalen Empfinden entspringen, nicht ganz verstehen. Die Nationalliberale Korrespondenz" sagt selber am Eingang ihrer Auslassungen, der K.iiser sei seit Jahr und Tag zur Genugtuung aller wahren Baterlandsfreunde bemüht, in seinen öffentlichen Ansprachen das politische Gebiet soweit an­gängig zu vermeiden. Wir glauben, man wird im allgemeinen zufrieden sein können, daß er diese Zurückhaltung auch bei den Posener Fast­tagen gewahrt hat. Der König von Preußen hat als Landesvater zu den Bewohner« der Ost­mark gesprochen. Es ist nicht nötig, daß der kendesvater sich vor die Front der deutsch­nationalen Kämpfer stellt und eine agitatorische Rede hält. Die Uebung. den Kaiser als politische Fwur in das Vordertreffen zu führen, hat sich als nicht glücklich erwiesen. Das hat daS deutsche Volk tief genug empfinden müssen, und niemanden verlangt nach einer Rückkehr zu den Praktiken, denen das Kaisertelegramm und die Tangerreise entsprungen sind. Es war umso­weniger Anlaß dazu, als ein ernsthafter Zweifel über die Richtung der Oftmarkenpolitik wohl »sicht aufkommen kann. Der Reichskanzler hat wiederholt Anlaß genommen, energisch zu be­tonen, daß er die Ostmarkenpofitik deS Fürsten Bülow, die er als eins der größten Berdienste des gewesenen Kanzlers bezeichnete, ohne zu schwanken, fortführen werde. Zu dem sind in Posen den Leitern des Ostmarkenvereins, in erster Linie seinem Vorsitzenden, Herrn von Thiedcmann, außergewöhnlich hohe OrdensauS- zeichnungen verliehen worden. Wie man sich er­innert, ist bald nach dem Rücktritt deS Fürsten Bülow von derFrankfurter Zeitung" be­hauptet worden, Bülow habe, um ben Wider­stand gegen das Enieignungsgesetz zu brechen, bett Gegnern dieses Gesetzes unter bet Hanb

5 (Nachdruck verboten.)

Keelerrkiimpfe.

»' Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.

(Fortsetzung.)

Run was ist Ihnen begegnet? Sie soll­ten nicht so allein auf diesen Bergen umher­klettern Dort oben über den Scheitel derselben führt die ungarischr Grenze, es streifen ost Gäste aller Art hier umher!"

Wollen Sie mich vielleicht furchtsam machen? Wahrhaftig, das wäre vergebliche Mühe! Also hören Sie! Als ich vorhin ganz andächttg neben meinem Wachholderbusch sitze und dte Gänse in der Leitha zeichne, raschelt es plötz­lich neben mir und legt sich nieder auf der an­dern Seite des Strauches. Im erste« Augen­blick war ich wirklich dumm genug, an einen Ihrer ungarischen Räuber zu denken; als ich aber vorsichtig durch die Zweige luge, sehe ich, daß es ein Reh ist, ein leibhaftiges, wirkliches Reh!"

Wahrscheinlich ein versprengtes aus den Gloggnitzer Wäldern dort drüben?"

Mir stand das Herz still vor Freude. Aber das Tier mochte mißtrauisch geworden sein plötzlich sprang es auf und lief in den Wald hinein, ich ihm nach durch dtk und dünn, bis ich nicht mehr weiter konnte. Und wissen Sie, was ich dort fand?"

Nein das Reh?"

Meinen Name« fand ich zierlich in de« Stamm einer Buche geschnitten, von einem klei­ne« Efeukranz umgeben, beides tote einge­meißelt in die dunkle Rinde! Ich habe mir schon | den Kopf darüber zerbrochen, wer das getan | haben kann. Soll ich es Ihnen zeige«? Der I

Dte Znse r t lonsgebüb r beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für dte 7get"altene Zeile oder deren Rcmm 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 i. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, tlniverfitSts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

zugesagt, daß eS nicht zur Anwendung kommen solle. Dieser Meldung ist unter dem neuen Kanzler energisch entgegengetreten worden. Er hat alS Vizepräsident des Preußischen Staats­ministeriums beim Enteignungsgesetz selber mit- gewirkt und jeder ,ber sich bet damaligen Vor­gänge erinnert, weiß, daß et dies aus lieber» zeugung und mit Energie getan hat. Bei Ge- legenhett des Besuchs des Grafen Aehrenthaliu Berlin tauchte dann die auch heute noch von den Polen geglaubte Meldung auf, Graf Aehrenthal habe aus Gründen innerösterreichischet Politik das Enteignungsgesetz in Berlin zur Sprache gebracht unb von der preußischen Regierung die Nichtanwendung des Gesetzes zu verlangen ge­sucht. Auch dieser Nachricht ist damals sofort entgegengetreten worden. Auch die Ernennung des Herrn von Schorlemer zum Landwirischasts- minister weist darauf hin, daß der Kanzler in der Anstedlungspolitik nicht rückwärts, sondern energisch vorwärts gehen werde. Es kann also billigerweise nickt daran gezweifelt werde«, daß der Kurs der Ostmarkenpolitik der alte bleibt. Wir teilen die Befürchtungen der National- liberalen Korrespondenz nicht. Man braucht in seiner Ansicht nicht dadurch irre zu werden, daß die Polen, die die Anwendung des Ent- eignungSgesehes sehr fürchten und in letzterZeit eine weniger intransigente Haltung eingenom­men haben, hoffen ober zu hoffen vorgeben, es siche eine Wendung in dieser Politik bevor. Das ist Tattik, durch die man sich nicht vorführen lassen soll. Wir haben keinen Grund, der Polen- polittk des jetzigen Kanzlers zu mißtrauen und solange nicht andere Anzeichen zu einer Schwenkung vorfiegen, brauchen wir nicht ner­vös zu, werden.

Zschopau-Marienberg.

Der Ausfall der Wahl in Zschopau-Marien berg ist bekannt. Die Sozialdemokraten haben, wie zu erwarten war, einen weiteren Sitz erhal­ten und gegen 1907 einen Stimmenzuwachs von über 3000 vereinigten Liberalen, die allerdings in diesem Wahlkreise seit 1881 nicht mehr selb­ständig ausgetreten sind, brachten es auf insge­samt 4600 Stimme».

Die Wahl bestätigt die Aufschlüsse, die die bisherigen Nachwahlen über die allgemeine Volksstimmung gegeben haben. Das ist gewiß eine ernste Tatsache, mit der gerechnet' werden muß. Indessen können wir darin noch keinen Anlaß sehen, die Bedeutung dieses sozialdemo­kratischen Sieges zu übertreiben. Der Wahlkreis war bereits im Jahre 1878, dann 1898 und 1903 in sozialdemokratischen Händen. Er ivar nie fester Besitz einer bürgerlichen Partei. Er ist nach­einander in den Händen fast aller Parteien ge­wesen. 1867 entsandte bet Wahlkreis zwei Ab­geordnete in ben Norbbeutschen Reichstag, einen freisinnigen unb einen konservativen; 1871 bis 1677 war er nationalliberal vertreten, 1881 ein Vertreter der Liberalen Bereinigung. 1884 bis 1893 besaß die Reichspartei das Mandat, 1893

Schnitt scheint noch ganz frisch! Wollen Sie mit­gehen?" -

Danke, ich kenne den Baum. Ich habe das gestern wohl halb in Gedanken hineinge­schnitzelt."

Dacht' ich'- doch, daß es nicht die Dorf­buben waren!" Genia lachte fröhlich auf.Kei­ner von ihnen hat ein so scharfes Messer. Wie schön Sie schnitzen können! Wollen Sie es mich auch lehren?"

Gerne."

Die Art und Weise, tote das junge Mädchen fein halb widerwilliges Geständnis ausgenom­men, hatte ihn sichtlich befriedigt und doch zuckte es bei ihren Worten fast schmerzlich um seinen Muito. Sie hatten ben Waldweg und ben zum Dorfe hinabführenden Hohlweg durchschritten. Der Fußpfad, der steil hinaufklimmt zum Burg­berg, zweigte sich hier ab.

Kommen Sie dW ja gewiß heute nachmit­tag wieder zu Papa, Herr Rorring! Er wird sicher eher gesund, wenn Sie recht ost mit ihm von seinem Lieblingsplane, der Restaurierung des Turmes, sprechen. Ja? Sie werden kommen? Das ist lieb von Ihnen?"

Sie verneigte sich leicht und sprang flüchttgen Fuße- den Weg aufwärts, wie eine Gemse kletternd, auf dem gerölligen, wenig für Menschenfüße berechneten Pfade.

Atem schöpfend, hlett sie in der Mitte des­selben time und wandte sich um; et stand noch immer unten auf bet Dorfstraße, bie Augen mit bet Hanb schirmenb, unbeweglich der leichten Gestatt nachblickenb.

Vergessen Sie ja auch Ihr scharfes Messer nicht!"

Er nickte, kaum merklich unb schritt burch ben hölzernen Torweg des Wirtshauses hinauf in sein einfaches Zimmer. !

(wurde wieder ein konservativer gewählt, bis 1898 bie Sozialdemokratie das Mandat für zwei Le- giSlaturperioden für sich zurückeroberte. 1907 wurde dann zur Abwechslung ein Anttsemit ge­wählt. Daß die Sozialdemokratte den Wahlkreis 1907 nicht behaupten konnte, war einzig und allein der nationalen Bewegung zuzuschreiben und der Antizentrumstimmung dieses rein protestantischen Wahlkreises, die die damaligen Bundesgenossen des Zentrums, die Sozialdemokratte, empfinden mußte. Der Wahlkreis kann von dem Bürgertum nur bei Anspannung aller Kräfte und wenn eine nationale Frage, die die Sozialdemokratie ihrer zahlreichen trotz allem national empfndenden Mit­läufer beraubt, auf dem Spiele steht, erobert wer­den. Unb bann nur mit vereinten Kräften.

Der Sozialdemokratie kommt außer der Tat- fache, daß Nachwahlen als Sommerwahlen immer günstig für sie sind, die feit einiger Zeit verfolgte geschickte Taktik zugute. Sie geht bewußt darauf aus, Mitläufer zu sammeln und gebährdet sich zu diesem Zwecke ungefährlicher und weniger tevo- luttonär wie fönst. Sie legt auch feit einiger Zeit In Broschüren unb Flugblättern besonderes Ge­wicht auf den Nachweis, daß es eine Verleum­dung fei, die Sozialdemokraten als vaterlands- s indlich unb die Sozialdemokratie als inter­national hinzustellen. Das Verhalten der badi- fchen Sozialdemokraten und die Recktferttgung, die der Abgeordnete Kolb blefem Verhalten ge­geben hat, sprechen Bänbe. Daß ber Parteivor­stand ben Babener Diszipttnbruch fo milde be­handelt und alles tut, um in Magdeburg eine große, dte bürgerliche Welt über ben wahren Charakter ber Sozialdemokratie ausklärende Dis­kussion zu vermeiden, entfbringt ebenfalls den gleichen Gründen takttscher Natur. In Zfckopau- Marienberg wurde diese Tattik durch die Persön­lichkeit des fozialdemottatischen Kandidaten Paul Göhre erleichtert. Göhre war früher protestan­tischer Pfarrer, christlich-sozial unb Anhänger Stöckers, bann national-sozial unb Sreunb Nau­manns, von Bebel gemaßregelt wegen feiner Mitarbeit an bürgerlichen Blättern, also gerabe keiner von ben wildesten Revolutionären.

Das alles mußte in Betracht gezogen werde«. Die bürgerlichen Parteien sollen aus der Wahl eine Mahnung entnehmen, ber geschickten Tattik bet Sozialbemokralen geschickt zu begegnen, aber nicht ben Mut sinken lassen.

Bemertt sei noch, was berVorwärts" zum Ausfall ber Wahl schreibt:Das Wahlresuttat be­deutet aber noch mehr, nämlich auch eine scharfe Absage an ben Liberalismus, ber sich einbildete, im Trüben fischen zu können. Vor allem ober ist bies- Wahl gewissermaßen eine Generalprobe für den Ausfall ber allgemeinen Wahlen gewesen, dte im nächsten Jahre ftottftnben. Die bürgerlichen Parteien werden die Hoffnungen, die sie hegten, wesentlich reduzieren müssen. Sachsen ist auf dem besten Wege, wieder bas rote Königreich zu wer­ben. Rascher, als man es vermuten konnte, haben bie bürgerlichen Parteien abgewirtschaftet. Das vorliegende Wahlresuttat ist der best. Beweis da­für, daß die Sozialdemokratie mit der Haltung,

Leichtfüßig hatte das junge Mädchen ben Berg vollmds erstiegen. Dieser Weg war Ihr ber liebste, weil ber kürzeste; ber bequeme, tief unten Im Dorfe ausmündende Fahrweg schien ihr entsetzlich langweilig. Den Schloßhof durch­schreitend, an den gurrenden Turteltauben vor­bei, die in der Nische Hausen, stieg Genia die wenigen steinernen Stufen hinauf, zu deren bei­den Seiten kolossale Löwen den Eingang hüten. Durch die fchwere etfenbeschlagene Etchenttir trat sie in bie Vorhalle, huschte eilig bie schmale Wendeltreppe hinauf unb kniete im nächsten Augenblicke vor dem Bette des VaterS, feine Hand mit Küssen bebedenb.

So selten ist es, baß bie Mensche« finde«, Was Ihnen boch bestimmt gewesen schien'--

Blanche hatte das Buch finken lassen und blickte mit brennendem Auge hinüber nach der hdeenben Mädchengestalt. In ihrem Gehirn hämmerte es. Plan auf Plan durchschoß das­selbe, um schon im nächsten Augenblicke wieder verworfen zu werden. Ruhelos irrten die Hände auf dM geschlossenen Bande.

Dar ich zu lange fort, Papa? Die Tannen auf meiner Zeichnung wollten durchaus nicht wachsen, wie ich eS wünschte, und dann eS kam fo viel, mich abzuhalten!'

Die Hand des Freiherrn fuhr liebkosend über den kastanienbraunen Scheitel des jugend- frischen Köpfchens. Er zog dasselbe zu sich nie­der, unb küßte leise die weiße, hohe Stirn.

Warst bu beim nicht allein, Kind?"

O boch! Das heißt nicht bis zuletzt, Papa! Herr Norring setzte sich zu mir, als ich beinahe ftrttg war. Denke nur, er ist fo geschickt, « kann wunderhübsche Schnitzereien in Baum­stämme machen!" ....

.Was hat er beim geschnitzt?"

bie sie im Reichstage eingenommen hat, auf bew richtigen Wege war. In immer steigendem Maße gewinnt sie bas Vertrauen ber Massen, die immer mehr erlernt*!, wie sie von ben bürgerlichen Par­teien am Narrenseil gegängelt worben flnb. Auf ben Höhen des Erzgebirges weht wieder die rote Fahne der Sozialdemokratie. Die Niedergeritte­nen reiten!" Leider!

..... '

Deutsches Reich.

Di« Königsberger Kaisertage. Königsberg. 25. Aug. Bei dem Empfang im Rathause sprach bet Oberbürgermeister dem Kaiser und ber kaiserlichen Familie für ben Besuch seinen Dank aus. In bet Erwiderung des Kaisers sprach dieser zunächst noch­mals seinen Dank für den herzlichen Empfang aus und sagte dann weiter:Es ist mir eine besondere Freude, daß es auch mir möglich gewesen ist, dem langgehegten Wunsch der Stadt auf Vergrößerung durch die Entfesttgung entsprechen zu können. Es ist gewiß, bas werden Sie begreifen, vom militärische« Standpunkt immer ein gewisser Entschluß, wenn eine Erenzfeste ihrer Wälle teilweise entkleidet werde« soll. Ich habe aber doch die feste Zuversicht, daß mit Gottes Hilfe und die Vortrefflichkeit meines Heeres, von der Sie eine Probe gestern gesehen haben, es auch fernerhin gelingt, den Frieden aufrecht zu er­halten und falls es uns doch einmal befchieden ist, uns für unsere Existenz schlagen zu müssen, daß die osipreußischen Regimenter genügen werden, um Wall und Graben zu ersetzen. (Bravo!) Es wird durch die Entfestigung Ihnen allen viel lohnende Arbeit er­stehen, und Sie werden interessante Aufgaben zu be- wälttgen haben. Möge die Bürgerschaft opferbereit und opferfreudig sein und dem bewährten Führer ihrer städtischen Arbeiten, dem Oberbürgermeister, folgen und mögen die Hoffnungen, di« Sie an die Erweiterung knüpfen, in vollstem Maße in Erfüllung gehen, sodaß um die alte Stadt der reiche blühende Kranz der Neustadt sich legen und Königsberg zu einer der schönsten Städte der Monarchie machen möge. In dieser Hoffnung trinke ich auf das Wohl der Stadt." Als das Kaiserpaar und die fünf Prinzen beim Landeshause vorfuhren, wurden sie von dem Vorsitzenden des Provinziallandtags, Für­sten zu Dohna-Schlobitten, dem Vorsitzenden des Pro­vinzialausschusses, Rittergutsbesitzer v. Röben-Laa- garben und dem Landeshauptmann v. Berg empfan­gen und nach dem großen Sitzungssaal geleitet, wo die Vertreter der Provinz sich aufgestellt hatten. Fürst Dohna-Schlobitten begrüßte den Kaiser und die Kaiserin mit der tiefempfundenen Huldigung der Ausschusses und des Landtages der Provinz, dantte den Majestäten für ihr Erscheinen und dafür, daß sie sich von den Prinzen hätten begleiten lassen. Darauf bot der Fürst dem Kaiser ben Ehrentrunk dar. Der Kaiser erwiderte in einer Rede und nahm den Ehrentrunk an. Der Kaiser hat außer dem Pio­nierbataillon Fürst Radziwill (oTtnrenhtT*es) Nr. 1 5

O, nur meinen Namen! Zufällig fand ich ihn tief drinnen im Walde an einet Buche."

Eine seltsame Ruhr war während GeniaS Erzählung über die am Fenster Sitzende ge­kommen. Die Heinen weißen Zähne tote in einem plötzliche« Entschlüsse fest aufeinander ge­preßt, das Auge blitzend von bet inneren Er­leuchtung, bie ihr soeben geworben, rnunnette sie eine leichte Entschuldigung unb verließ eilig bas Zimmer.

3.

Mit fengenbetn Hauche ist bet Sommer Über die Ebene dahingezogen. St hat die Wesen- gründe dürrgelb und daS Laub ber Bäume schmutzig-staubgrau gefärbt, ja das Wasser bet Leitha ist unter feinem Glutkuste fast versiegt und riefelt nur noch in mageren Streifen über btt Kiesel dahin.

ES ist spät am Nachmittag. Die Sonne neigt sich schon leicht dem Westen zu, um hinter dem Schneeberg unterzugehen, um dessen Kuppe eine dunkle Wolkenwand lagert. Der Ziegenbub' klettert zwischen dem Gestein des Hauges um­her, um die jungen Ziegen, bie sich knusperns zu wett gewagt, züsammenzusucheu; in dichten Scharen drängen die Rinder des Dorfes im Hohlweg aufwärts. Auf dem Söller, der in halber Höhe der Schlosses turmartig vorspringi, sitzen drei weibfiche Gestatten in tiefer Trauer­kleidung: Blanche unb bie beiben ihr anverita« ten Mädchen. Die etwa zwölfjährige Frieda, bie Genia auffallend ähnelt, nut baß ihre Aug«n fast schwatz und ihre Wangen voll Grübchen sind, fitzt auf einem niedrigen Schemel und naht Puppenwäsche, die Blanche, deren blonde Schön­heit sich schimmernd abhebt von der dunklen Spitzenkrause, für sie zuschneidet

^Fortsetzung folgt)