und Kirchhain
mit dem
»nd den Beilagen: „Nach Feierabend« (wö
Jti. 199
Die „Oberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2L0 M. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Freitag, 26. August 1910.
Di« Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blatte« für die 7gehalten« Zeile oder deren Rmnn 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. — Druck und Berlag: Joh. Äug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Acarburg, Markt 21. — Televhon 55.
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45. Jahrg.
Eine Rede des Kronprinzen.
Bei den Feierlichkeiten der Investitur als Königsberger Rector magnificus hielt der Kronprinz folgend« Rede:
„Eurer Magnificenz danke ich verbindlich für die gütigen Worte, die Sie namens ter Albertus Universität an mich gerichtet haben. Wie ich es als besondere Ehrung angesehen habe, als mir Rektor und Konzile vor zwei Jahre»! die Würde eines immerwählenden Rectors Magnificcntifftmus an der ältesten, von den Hohenzollern in preußischen Landen gegründeten Hochschule antrugen, so erfüllt es mich heute mit Stolz und Freude, nunmehr auch persönlich in Ihrem Kreis eintreten und meine Zugehörigkeit zu dieser altehrwürdigen Pflegestätte deutscher Wissenschaft und Kultur in ihren Räumen bekunden zu dürfen. Dabei schwnfen meine Gedanken mit Ihnen zurück zu meinen Vorfahren, die an ihrem Teil bemüht gewesen sind, der treuen Arbeit der Albertina ein Förderer zu sein. Sie sollen auch mir als Rector Magnificentissinms zum Vorbilde dienen. Diese festliche Stunde führt mir wieder die schönen beiden Jahre vor Augen, die ich als Student im lieben alten Bonn verleben inrrste, eine Zeit, a.r die ich mit Freuden denke, und d-r ich die Erkenntnis verdanke, welche Summe von Geist und Schaffensfreudigkeit an der deutschen Hochschule zum Heile für die deutsche Jugend geleistet wird. In diesen Jahren glaube ich durchgcfühlt zu haben, was wir, die Jugend, aus gelehrtem Munde vor allem hören möchten. Meine neue Würde gibt mir die willkomn»ene Gelegenheit, der Dolmetsch dieser Gedanken zu sein. Weisen Sie uns Stellung unter den Völkern einnehmen zu können, die ihm, seinen geistigen vd physischen Kräst.n entsprechend, zu Recht zukommt. Dabei ist uns nicht damit •Kein gedient, die Schwächen und Mängel unseres Landes zu kennen, denn diese Erkenntnis ftrhrt leicht zu Verdrossenheit und unfruchtbarer Kritik, vielmehr sehnen wir uns nach der Betonung unseres deutsch nationalen Volkstums in. Gegensatz zu internationalisierenden Bestrebungen, w.lche unsere gesunde völkische Eigenart zn verwischen drohen. Seien Sie versichert, daß icb jederzeit die Entwicklung der Universität mit größtem Interesse verfolgen und gern Anteil nehmen werde an ihrem Gedeihen, dessen sie sich, so hoffe und wünsche ich in Zuversicht, zum Segen des Vaterlandes insbesondere seiner Ostmark bis in ferne Zeiten erfreuen mSge. Diesem Wunsche, bitte ich Sie, mit mir Ausdruck zu geben, indem Sic sich mit mir in dem dreifachen Rufe vereinigen: Alma mater 'Albertina, diese Zierde ,im Kranze deutscher Universitäten fit lebe Hoch, hoch, hoch!
Diese Red? des zukünftigen Herrschers in deutschen Landen hat überall ein kräftiges Echo geweckt, man kann sagen freudiger Natur; die
4 (Nachdruck verboten.)
Seelenkämpfe.
Preisgekrönte Novelle von Elise Otte.
(Fortsetzung.)'
Seit Beginn des Frühjahr im Gasthaus von Dorf Waldbühl einquartiert, um sich die Nerven zu stärken und dem müden Körper in der Waldeinsamkeit Ruhe zu gönnen, bevor er sich der neuen Aufgabe unterzog, zu der man ihn für den Herbst beim Bau des neuen Triester Hafens berufen, kannte Ingenieur Norrtng Waldweg und Bergbang aus täglicher Erfahrung; und wenn auch feine Brust in tiefen Zügen den Harzduft des Waldes einatmete, so blieb doch sein Inneres unberührt von der Morgenschöne der Natur. Den schmalen, über eine kurzgrasige Matte führenden Fußweg verfolgend, erreichte er den vorspringenden Bergstock, von dem aus sich ein köstlicher Blick in die Ebene und auf die gegenüberliegenden Alpen eröffnet.
Er blieb stehen, die Falte auf seiner Stirne verschwand, ein sonniges Lächeln legte sich um die eben noch herb zusammengepreßten Lippen. Bor ihm auf einem der hie und da die Rasenfläche durchbrechenden Felsblöcke, im Schatten eines kurzknorrigen Wachholderstrauches srß emsig zeichnend eine liebliche Mädchengestalt. Dann unb wann hob sich der feingeformte Kopf mit den schweren, braunen Flechten, die über den Rücken hinabfloffen; der Blick tguchte bald in die Landschaft tief unten, bald in Die Bergwelt gegenüber, um die Schönheit ringsumher «uf dem Papier festzuhalten. Das weiße, lose Kleid ließ Hals und Schulter fri, lange Gartenhandschuhe schützten bie zartgerundeten Arme, ein breiter Strohhut das halbabgewendete, von zar- ßestet Frische überhauchte Gesichtchen mit den
Betonung des Wertes unserer völkischen Eigenart in feder Beziehung, das Abweisen der fortgesetzten Verfleinerung unseres Vaterlandes, tote sie von unseren Radikalen bis zur Verekelung getrieben wird, ist in allen Kreisen des deutschen Volkes des Beifalls sicher. Und dies kommt auch in der gesamte« Presse zum Ausdruck. Freilich wird di« internationale Sozialdemokratie, die der Kronprinz bekanntlich schon einmal schwer gereizt hat, nicht damit einverstanden sein. Und um die feste Solidarität der rofaroten und roten Interessen zu bekunden, hat bereits das „Berliner Tageblatt«, das Berliner „Weltblatt zur Vertretung fremder Interessen im Deutschen Reiche« seinem erstaunten Mißfallen Ausdruck gegeben. Es schreibt:
„Man braucht bei dem Worte (völkisch), das in der R-dc des Kronprinzen steht, nicht so lange zu verweilen, wenn nicht auch der Inhalt dieser Sätze ein wenig an das gemahnte, was der alldeutsche Journalismus verkündet und lehrt. Der Kronprinz erklärt, man sehne sich „nach Betonung unseres deutsch-nationalen Volkstums im Gegensatz zu den internatinalifierenben Bestrebungen«, und fügt hinzu, daß diese Bestrebungen „unsere gesunde völkische Eigenart zu verwischen drohen." Es kann sein, daß der Kronprinz nur das meint, was jeder gute und verständigeDeutsche will, aber er hat feinenGcdanken bann nicht mit voller Klarheit ansgedrückt. Wo aber sieht der Kronprinz jene „tntemationalifierenben Bestrebungen«, von denen eine Zerstörung bet „gesunden völkischen Eigenart« droht?«
SBarum in die Ferne schweifen, sieh', das Gesuchte liegt so nah, meint die Post dazu sehr richtig.
In Frankreich hat die Rede gleichfalls Beachtung gefunden, befonders die Stelle, in der der Kronprinz die Lehrer der Universität aufforbert, dem deutfchen Volke bie Wege zu zeigen, die eS wandeln soll, um eine seiner würdige Stellung unter Europas Rationen einznnehmen. Die Aufforderung zur Betonung des deutschnationalen Volkstums im G?genfatze zu allen internationalisierenden Bestrebungen wird als ausgesprochen „pangermanistifcher« Art bezeichnet. Das „Echo de Paris« ist der Ansicht, der Kronprinz wünsche den Hezisischen Charakter des deutschen Volke» a»lch fernerhin aufrecht erhalten zu sehen. Er sei ein Gegner aller internationalen Tendenzen, die den Volkscharakter verwischen. Der Charatter des Deutschen ist ihm eine gewisse Gewähr dafür, daß trotz aller guten Beziehungen zum Auslands Deutschland eine scharf umtiffene Grenze nach außerhalb besitzen wird.
Politische Umschau.
Sozialdemokratischer Parteitag.
Der Bericht des Parteioorstandes geht u. a. auf die wirtschaftlichen Kämpfe des letzten Jahres ein unb bespricht hierauf bie badische Budgetabstimmung, bie aber nach einer kurzen historischen Darstellung nur mit folgenden Worten erwähnt wirb:
lichtbraunen Rehaugen und dem im Eifer der Arbeit halb geöffneten Kindermunde.
Der Ingenieur fchritt näher, Genia blickte auf. — „Grüß' Gott, Herr Rorring! Sie kommen doch nicht wieder, mir die gute Laune zu verderben?« Sie war schon wieder ganz bei der Arbeit, der Bleistift fuhr eifrig wie vorher Über das Papier. „Heute zum Sonntagmorgen foll Ihnen das aber nicht gar fo leicht werden!«
„Sind Sie dessen sicher, Fräulein Eugenie? Ich liebe es fo fehr. Sie böse zu sehen!«
„Ganz sicher — Sie brauchen nicht so spöttisch zu lachen! Ich war lange nicht hier oben und meine nun, bie Welt noch nie so schön gesehen zu haben. Kommen Sie, setzen Sie sich neben mich und blicken Sie da hinaus.«
In der Tat war es ein schöner Anblick. Wie ein breites Silberband schlängelte sich bie Leitha dicht am Fuße des Gebirges entlang, sandige Inseln und weidenbewachsene Werder bildend, hier ihre WaffersSden zusammenknotend, dort dieselben toieber nach allen Seiten hin auseinander sprühen lassend. Sie klar unb nahe er emporragt jenseits, der Felsenkoloß des Schneeberges, in dessen Schründen und Riffen Gieß- bäche und Wildtoäfler zu Tal Mrzen! Und bort im Süden, wo der Sonnentoendsteiu mit mächtigem Dreizack in die Lüste starrt, dort scheint ein Gewirr von Alpenspitzen und Bergrücken ein- Mauer zu bilden gegen Steiermark hin.
Auch Nörtings Blick ruhte mit Interesse auf dem fesselnden Bilde. Dar junge Mädchen hatte den Stift ruhen lassen.
„Fühlen Sie den GotteSstieden, den die Natur rings umher atmet?«
„Fühlen denn Sie ihn — und zwar gerade beim Anblick dieser Landschaft, Fräulein Genia? Wie verschieden doch unsre Augen sind!« — Er lächelte leicht sarkastifth. — „Wo Sie Gottes-
wird Aufgabe des Parteitages sein, dies« grobe Mißachtung eines Parteitagsbeschlusses entschieden zurückzuweisen und bie Wiederholung eine« solchen Vorganges zu verhüten. Die Einheit und Eeschlos- senheit der Partei muß unter allen Umständen sicher- gestellt werden." Bezüglich der Organisation wirb mitgeteilt, baß bie Mitgliederzahl gegenwärtig 720 088 beträgt, das ist eine Zunahme um 86 729 ober 13,69 Prozent. Die Partei hat zu allen Reichstagswahlkreisen — abgesehen von 2 rheinischen — organisatorische Beziehungen. Die Zahl ber Bezirkssekretäre beträgt 49, bie ber Wahlkreissekretäre 62. Iugendausschüsse bestehen an 360, Bildungsausschüsse an 314 und Kinderschutzkommissianen an 109 Orten. Die Zahl ber weiblichen Parteimitglieder stieg van 62 259 auf 82 642. Die Abonnentenzahl bet „Gleichheit" beläuft sich auf 82000. Die Abonnenten der „Arbeiterjugend" wuchsen von 28000 auf 45000. Zu dem Punkte „Agitation" wird u. a. gesagt, daß die energische Agitation der sozialdemokratischen Partei gegen den Schnapsgenuß einen erfreulichen Erfolg hatte. Selbst die Gegner müßten dies anerkennen. Im letzten Jahre fanden in ganz Deutschland 29 826 Mitgliederversammlungen und 13814 öffentliche Versammlungen statt. Verbreitet wurden 23152 440 Flugblätter unb 2 545 811 Agitationskalender unb Broschüren. Die Flugblätter „An bie Arbeitereltern", „Väter und Mütter", „An bie schulentlassene Jugend" wurden allein in einer Gesamtauflage von 500000 Exemplaren herausgegeben. Die erste Auflage des Jugendliederbuches in Höhe von 30 000 Exemplaren war sehr bald vergriffen. — Der Bericht ersch-int in Fortsetzungen.
Deutsches Reich.
— Die Königsberg« Kaisertage. Königsberg, 24. Aug. (Parade des ersten Armeekorps.) Um 9% Uhr vormittags nahm ber Kaiser, der die Uniform seines Grenadier-Regiments trug, den Frontrapport au» den Händen des kommandierenden Generals von Kluck entgegen und begann dann das Abreiten der Fronten der dritten Infanterie-Division vom rechten Flügel. Mit dem Kaiser ritt der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm, Prinz Adalbert, Prinz Oskar, die Kronprinzessin und die Prinzessin Eitel Friedrich. Beide Prinzessinnen trugen die Uniformen ihrer Dragoner-Regimenter. Es folgte im offenen sechsspännigen Wagen die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise, bann die Damen der Kaiserin, die Prinzessinnen und in weiteren Wagen die Herren des Hauptquartiers. Bon den Wällen der Festung donnerte der Ehrensalut von 83 Schuß. Hiernach nahm ber Kaiser ben Rapport ber Kriegervereine unb des Provinzial-Kriegerverbandes der Provinz Ostpreußen aus den Händen des Vorsitzenden, Generalmajors z. D. Brausewetter, entgegen und ritt die Front ber Vereine, die mit ihren Fahne« vor den Zuschauertribünen standen, ab. Hierbei wurden der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzen und die
frieden sehen, f?he ich das Blut jahrhundertelanger Kämpfe aus der Erde aufrauchen. Ja, wenn die Sonne wie eben jetzt blitzend auf dem Waffer der Leitha mht, fehe ich sogar rotbe- turbante Türkenköpfe darauf fchwimmen.«
„Mrklich? Ich danke dem Himmel, daß er mir nicht Ihre Augen gegeben! Uebrigens würden felbst Ihre Türkenköpfe mich nicht bet« ftimrnen. Das ist alles so altverjährt — jetzt ruht fchon lange Frieden auf biefem Tal, wirklicher Friede!
„Hm — kennen Sie jene Gebäude dort hinten auf dem Neustädter Steinfeld?«
„Nein — doch ja, das ist die große Kaserne bei Wöllersdors!«
„Richtig, und daneben find die Pulvermagazine und Kononen-Montierungen, in denen jahraus jahrein Oesterreichs Geschosse mit Sprengmaterial gefüllt werden. Aber ich zweifle keinen Augenblick daran, daß die entmenschten Leute dort unten dieselben mit Eiderdunen aus- stopsen würden, hätten sie nur ein einziges Mal Gelegenheit, den Gottesfrieden des Steinfeldes von hier oben aus zu bewundern!«
Genia war ärgerlich lachend aufgesprungen. „Kiffen Sie wohl, Herr Rorring, daß Sie abscheulich sind? Aber ich lasse mich nicht so leicht um meine SonntagBstimmung bringen. Wolle« Sie hören, was mir das Steinfeld erzählt?«
Rorring blickte dem jungen Mädchen bewundernd in die vor Erregung ftinkelndm Augen. „Run, Fräulein Genia?«
„Mir erzählt es von dem weite«, kühlen Waflerbecken, das man bort tief unter ihm vermutet, von bett unterirdisch?« Alpenwäffern, dies Men, von dem munteren Rixenvolk, das in seinen Flute« wohnt.«
„Und das vermutlich sein, Feste bei Gaslicht feiert,«.................
Prinzessinnen mit stürmischem Jubel begrüßt. ®et Kaiser nahm sodann militärische Meldungen entgegen, ebenso den Rapport ber Provinzialverein« vom Roten Kreuz für Ostpreußen aus ben Händen bes Stabsarztes a. D. Medizinalrat Wollermann. Die Majestäten mit der ganzen Suite passierten darauf die Fronten der Sanitätskolonnen. Die Kaiserin kehrte im Wagen, geleitet von eiltet Eskadron, zur Stadt zurück. Der Kaiser ritt an der Spitze der inzwischen bis zum Königswr vorgerückten Fahne«- Kompagnie vom Grenadier-Regiment Kronprinz und der Standarten-Eskadron vom lllanen-Regimeni Graf zu Dohna (ostpreußisches) Nr 9 zurück nach dem Schloß, mit ihm die Prinzen-Söhne. — Der Kaiser verblieb heute nachmittag im königlichen Schlosse. Die Kaiserin besuchte im Laufe des Nachmittag« da» Krankenhaus der Barmherzigkeit, wo sie von de« Vorstand empfangen wurde. Heute abend um 7 Uhi fand im Moskowitersaale des königliche« Schlosse» bei den Majestäten Paradetafel für das 1. Armeekorps statt. — Im Tiergarten wurde heute nachmittag um 5 Uhr in Anwesenheit des Kronprinzen und in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste ein großer Veteranenappell abgehalten, lieber 7000 alte Krieger aus der ganzen Provinz hatten, geschmückt mit Ehrenzeichen und der Kriegsdenkmünze, auf dem Sportplatz Aufstellung genommen.
— Die Zeppelinjche Vorexpedition. Kiel, 24. Aug. Die Zeppelinsche Vorexpedition nach den arktischen Gebieten ist nachmittags um 5% Uhr an Bord bes Lloyddampfers „Mainz" durch den Kaiser,Wilhelm- Kanal kommend hierher zurückgekehrt. Nachdem das Schiff festgemacht war, begab sich das Prinzenpaal Heinrich von Bord in einer Pinasse zum königliche» Schloß. Graf Zeppelin und die übrigen Teilnehmer der Expedition verblieben zunächst noch an Bord.
— Keine neue Wahlrechtsvorlage. Dem „Tag" zufolge kann es nunmehr als sicher betrachtet werde«, daß dem preußischen Landtag in dessen nächster Tagung keine neue Wahlrechtsvorlage zugehen wird. Die maßgebenden Stellen halten es für richtig, mit einer solchen Vorlage, die unter keinen Umständen eine bloße Wiederholung des vorigen Regierungsentwurfes sein darf, erst nach den allgemeinen Neuwahlen zum Reichstage wieder an den preußischen aLndtag heranzutreten.
Bom deutschen Katholikentag.
Augsburg, 24. August.
Der Katholikentag geht seinem Schlüsse entgegen und doch ist auch der Besuch der heutigen vorletzten geschlossenen Versammlung sehr gut besucht. Zunächst steht im Mittelpunkt der Debatten bie Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Es wird für die Fort- btldungsschulen pflichtgemäßer Religionsunterricht und die Errichtung von Jugendheimen gefordert. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der katholische« Jugendvereintgungen Deutschlands Dr. Drarnmer macht Mitteilung, daß in Deutschland in 2000 Iugendvereinen 200 000 Jugendliche organisiert sind Die katholischen Arbeiter müßten sich viel mehr um die Jugend kümmern. Ein engerer Anschluß an die
„Ich weiß, Sie verspotten mich, Herr Rorring,« — das junge Mädchen war plötzlich enift geworden — „und ich gebe Ihnen gewiß Ursache dazu, aber fagen Sie — sagen Sie aufrichtig, meinen Sie nicht doch auch, daß im ganzen glückliche, friedliche Menschen in diesen Dörfern und Städtchen wohnen?«
„Rein, das glaube ich nicht. Herzen voll Trug unb Haß und kleinlichen Neides — nicht glückliche, friedliche Wefen!«
„So lieben Sie die Menschen nicht, da Sie so schlecht von ihnen denken?"
„Rein.«
„Niemand?"
„Und wenn ich jemand liebte, Genia,« — fein Blick hing wehmütig an der lichten Gestalt die ängstlich forfchend vor ihm stand, — wenn ich jemand liebte, was würde es mir nützen? Rein, ich liebe niemand."
Ihr Auge war feucht geworden. „Reden Sie nicht so, Herr Rorring; das kann ja nicht wahr fein — denken Sie nicht mehr daran! Kommen Sie, ich will Sie wieder lustig machen. Meine Zeichnung ist fertig, wir gehen miteinander durch den Wald zurück. Ich erzähle Jhner dabei, was mir begegnet ist gerade vorhin, alt Sie kamen.«
Er hatte ihr die Skizze, die sie in die Mappe stecken wollte, aus der Hand genommen und aufmerksam betrachtet. „Sie zeichnen sehr hübsch — Sie haben jedenfalls Ihres Vaters Künstler äuge geerbt"
Seine Hand streifte leicht die ihre, als et ihr das Blatt zurückgab. Sie strich mit dem Battsttuche säubernd über dieselbe hin. Er sah, daß es unbewußt geschah und doch vertiefte sich der scharfe Zug zwischen seinen vranm.
lSortsetzmlg folgt.)