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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «ndLandwirtfchastlich« Beilage.

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Marburg

45. Jahr«.

J2198

a. rtr nr a 4niA für ReNamen 40 Druck und Verlag: Kh. Aug. Koch,

Donnerstag, 25. August 1910. Universitäts-Buchdruckerei^Inha^er^Dr. C^tzitz roth, Acarburg,

DieOberheffifche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- cch die Post bezogen 2,25 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen «nd der Expedition (Markt 21), 2,00 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Die Jnsertionrgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebier des Blattes für die 7g»'"alt«ne Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4,

Zum Streik auf den Werften.

Die deutschen Werften haben den von den Hamburger Schiffbauern inszenierten Streik durch eine allgemeine Aussperrung beantwortet. Das Ende ist einstweilen nicht abzusehen, und es ist an der Zeit, sich ein Bild zu mache« von dem hierdurch geschaffenen Tatbestand und seinen voraussichtlichen Folgen.

Für die Marine ist dieser Streik nach allen Richtungen hin unerwünscht. Das Programm des Flottengesetzes rechnet mit festen und ziem­lich knappen Fristen. Wenn daher nunmehr die Schiffe nicht fertig werden, so treten nicht nur militärisch schwerwiegende Folgen ein, es wird vielmehr auch die Vergebungspolitik der Marine­verwaltung durchkreuzt, für die es sehr wesent­lich ist, daß ausreichend viele Helling« auf den in Betracht kommenden großen Wersten zu ihrer Verfügung stehen.

In einer eigentümlichen Lage befinden sich die Wersten bezüglich der Bauaufträge von Handelsschiffen. Nachdem dem Auffchwung in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts bei allen Kulturnationen ein Stillstand in Verkehr und Handel gefolgt war, hatte das englische Kapital gleichwohl nicht aufgehört, in der Beleihung der zahlreichen Werften Beschäftigung zu suchen. So waren diese in der Lage, und um die Arbeiter zu beschäftigen auch genötigt, zahlreiche Schiffe ohne Auftrag in die Spanten zu stellen, imb während es auf der einen Seite, namentlich für die Trampschiffahrt, an Fahrten fehlte, boten immer neue Schiffsräumte sich an, die Verwendung suchten.

Wenn nunmehr jetzt die deutschen Werften für eine Weile stillgelegt werden, wird die Folge sein, daß unsere Reederei auf die Heranziehung dieser überzähligen englischen Schiffe Bedacht nehmen muß, so daß den deuffchen Wersten auch nach Wiederaufnahme des Betriebes die Auf­träge fehlen werden und der Streik der Werften einen weit über seine gegenwärtige Ausdehnung hinausgehenden Schaden bringt.

Besonders schwerwiegend und möglicherweise verhängnisvoll gestaltet sich der Streik hinstcht- lick des Reparaturbetriebes. Die Schiffe, die in deutschen Häfen nicht reparieren können, werden englische Werften auffuchen und tun dies, wie man hört, bereits jetzt, und es ist keineswegs un­wahrscheinlich, daß sie zu diesem Behuf bereits in England löschen und dort auch neue Ladung suo en. Das könnte also bet längerer Dauer zu einer wirffchastlichen Verschiebung führen, die angesichts des scharfen Wettbewerbes zwischen der deutschen und englischen Reederei in ihren Folgen gar nicht abzusehen ist.

Höchst eigenartig gestalten sich bei diesem Streik die Interessen der Arbeiterschaft. Zur Zeit des Holzschiffbaues bildeten die Schiffs- zimmerleute eine besondere und in sich geschloffene Zunft, die Werkleute an den Eisenschtffen können aber mit wenigen Ausnahmen auch in anderen Branchen der Metallindustrie Beschäftigung fin- den. Dies gilt in erster Linie für die Maschinen-

8 (Nachdruck verboten.)

Keelerrkampfe.

: Preisgekrönte Novelle von Elise Otto.

(Fortsetzung.)

Ich konnte meinem Freunde nicht ganz un­recht geben. Hältst du mich deshalb für eng­herzig?«

Wie sollte ich?« Die Hände zerrten unge- dnldig an der Perlenschnur.Und was war das Ende eurer Aussprache?«

Daß wir vor Percys Abreise di« Kinder stillschweigend verlobten und mit dem gegen­seitigen Versprechen voneinander schieden, Percy meine Senia an ihrem achtzehnten Geburtstage aufs neue kennen lernen $u lassen nnd falls sich die Herzen dann finden sollten, natürlich nur für diesen Fall ihnen unfern Segen zu geben. Der letzte Mai des kommenden Jah«s wird den jungen Mann hterherführen.«

Wie wie ist der volle Name dieses Perch?«

Percy von Waren erwähnte ich das nicht schon?«

Leise knisterte die Seide auf, die den Leib der schönen Frau umschloß, die Perlenschnur glitt zu Boden. Sie bückte sich danach. In den weit geöffneten Augen glühte es düster.

Kennst du ihn, Blanche?«

Flüchtig oberflächlich eine Badebe- kanntschast. Ich sah ihn in Ems, kurz bevor 14 dich kennen lernte!«

Nun, und was sagst du zu dem Plane? Ist »i nicht ein prächtiger Mensch, dieser Percy?«

Er ist ein sehr schöner Mann.«

Wie kühl! Er ist mehr als das, er ist edel­gesinnt und tüchtig in seinem Fache!«

Ich sagte dir ja, daß ich ihn nur flüchtig

bauer und Keffelschmiede, aber auch für die Ge­samtheit der Schmiede und Schlosser, der Nieter und der zahlreichen Hilsslndnsttien. Hier findet schon in regulären Zeiten ein fortgesetztes Hin- nnb Herströmen der Leute statt, dergestalt, daß bei gutem Geschäftsgang in den übrigen Zweigen in der Schiffsbauindustrie zuerst Arbeitermangel eintritt. Aus diesem Grunde ist anzunehmen, daß eine Anzahl der jetzt in den Ausstand getre tenen Werkleute längst wieder anderweite Be­schäftigung gefunden hat und dem Ausgang, der auf diese Weise die Hilfskaffen der Gewerkschaft nicht sonderlich belastet, mit Ruhe entgegensetzen können.

So stehen in einem hauptsächlich als Macht frage ausgespielteu Streik schwerwiegende Jn- tereffe« der gesamten deutschen Volkswirffchast ans dem Spiele.

Königsberger Kaiserlagk.

Posen, 23. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzeffin Viktoria Luise sind heute Vormittag 10 Uhr 35 Min. unter den stürmischen Zurufen des Publikums im Sonder- zug nach Königsberg abgefahren. Zur Verab­schiedung waren auf dem Bahnhof anwesend: Oberpräsident Waldow, Polizeipräsident Heyfing, der kommairdiercnde Generrl Graf Kirchbach mit Gemahlin, Oberbürgermeister Wilms und der Stadtkommandant Steinäcker.

Königsberg i. Pr., 23. Aug. Bei Ankunft der Majestäten fand auf dem Bahnhofe großer militärischer Empfang statt. Nach herzlicher Be­grüßung der Anwesenden und nachdem der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie abgeschritten und einen Vorbeimarsch entgegengenommen hatte, be­gaben sich die Majestäten durch das Fürstenzim­mer auf den Bahnhossplatz. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel Friedrich und Prinzessin Vittoria Luise besttegen hier einen ä la Daumont gefahrenen Wagen mit Spitzrei­tern. Der Kaiser und die Prinzen stiegen zu Pferde. Unter dem Geläute der Glocken setzt« sich der Zug in Bewegung. Der Einzug der Maje­stäten erfolgte bei prächttgem Sonnenschein.

Am Zugänge M Kaiserthrones unter den Säulenhallen der Ehrenpforte hatten die städti­schen Körperschaften Aufstellung genommen. Vor ihnen zu beiden Seiten der Einzugsstraße Ehren jungftauen, auf der Gallerie des Bauwerks blumenstreuende Kinder. Oberbürgermeister Dr. Koerte begrüßte die Majestäten mit einer Ansprache ,in der er Meldung abstattete, daß der Vertrag über die Entfestigung Königsberg am 20 August er. förmlich vollzogen und damit die Möglichkeit zu neuer glücklicher Entwicklung der alten ehrwürdigen Krönungsstadt eröffnet wor­den ist. Nicht leicht zwar sind die Lasten, die das gewaltige Unternehmen der Stadtgemeinde auf­erlegt, aber wir wußten doch mit wie lebhaftem gnädigen Jnterefle Eure Majestät diese schwerste Lebensfrage begleiteten. Zur Erinnerung an die am 23. August 1910 Seiner Majestät dem Kaiser und König bei seinem Einzug in die alte Haupt­

gesehen.« Ihre Stimm« war sanft und gleich- gülttg wie immer.Kannte Percy schon da­mals die Bedeutung des Verlöbnisses?'

Ja. Er kannte die Bedeutung bet Ringe, die er mit Senia tauschte.« .

Ein Lächeln der Befriedigung glitt über ihre Züge. Also war es das Sefühl d r Gebunden­heit gewesen, was ihn von ihr ferngehallen nicht Verachtung, wie sie gefürchtetUnd er fand sich willig in dies sonderbare Ver­hältnis?«

Wenigstens nicht widerwillig besonders da ihm volle Wahlfreiheit gewahrt bleibt.«

Senia trägt den Ring? Vermutlich ist es der Goldreif mit dem einzelnen, hochgefaßt n Brillanten? Auch sie weiß, daß sie Braut ist?«

Rein, das wär« durchaus g«g«n meine An sichten gewesen. Den jungen Mann konnte die Vorausbesttrnrnung möglicherweise von leicht­sinnigen Streichen zurückhalten, Genia aber würde sie die kindliche Unbefangenheit geraubt haben. Sie betrachtet den Ring nur als Ab­schiedsgeschenk Percys. Ich hab« sie hier in diesem stillen Winkel so ganz weltentfremdet er­zogen, um ihr die Reinheit des Gemüts zu er­halten, daß mir jetzt ost bangt, wenn ich sie so gänzlich unbekannt sehe mit den wirklichen B«r- hältniffen des Lebens!«

Ja, sie ist denn doch in mancher Beziehung noch feyr sehr kindlich, trotz ihrer siebzehn Jahre!«

Ich wollte sie bewahren vor der Lebensksttg- heit so mancher jungen Dam« das wenig­stens habe ich erreicht. Es ist kein Gedanke in ihr, von dem ich nicht wüßte, sie weiß nichts, als was ich sie lehrte, ich habe sie stets selbst unter­richtet; sie ist noch Kind durch und durch, aber ein dem Idealen zugeneigtes, warmfÜhlendeS, edelherziges Kind ich erzog sic für Percy!«

Iunb Residenzstadt feierlich erstattete Meldung von der am 20. August dieses Jahres erfolgten Voll­ziehung deS Vertrages betreffend die Riederleg- «ng der inneren Festungsumwallung und ihrer Uebereignung an die Stadtgemeinde Königsberg und zum dankbaren Gedächtnis an die ganz be­sondere Förderung, die Se. Majestät der Kaiser und König Wilhelm II. persönlich dem für die fernere Entwicklung der alten Krönungsstadt be­deutungsvollen EntfestigungSwerk mft warmer landesväterlicher Huld und Anteilnahme fottge- feßt hat, zu Teil werden lassen, soll auf einem Se. Majestät des Kaisers und Königs seinerzeit in Vorschlag zu bringenden Platz dcs zu erschließen­den Enteignungsgeländes ein Denkstein errichtet werden. Der Oberbürgermeister schloß seine Rede mit folgenden Worten:Indem ich die Ausfertig­ung diefes Beschlusses Euer Kaiserlichen und Königlichen Maiestät ehrerbiettgst überreiche, rufe ich Euer Majestät nochmals namens der Bürger- schast aus Herzensgründe zu: Willkommen! Hoch! Willkommen in Königsberg!«

Der Kaiser erwiderte:

Ich spreche Ihnen in meinem Namen und im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin Meinen herz­lichsten Dank aus für die Worte, mit denen Sie feeben den Gesinnungen der Bürgerschaft von Königsberg Ausdruck verliehen haben. Ich be­glückwünsche meine Haupt- und Residenzstadt Königsberg zu dem Berttage, den sie nunmehr ab­geschossen hat. Es ist mir eine große Freude, da­zu hilfreiche Hand haben leisten zu körnen, gegen­über den Schwierigkeiten, die in einigen Städi n .bet Verhcoückungen auftauchten, denn eS ist nicht leicht, alles unter einen Hut zu vereinigen. Ich glaube aber, daß der Vertrag, wie er nunmehr geschlossen ist, für die Stadt von großem Nutzen sein wird. Eingeengt durch den Ring der Be­festigungen strebt sie nach Freiheit und Entwick­lung. Gebe Sott, daß der Stadt Königsberg das Werk zum reichsten Segen gereichen möge, Ich und die Äaiferin werden diesem Werk und feinem Fortschreiten stets mit Interesse folgen und es zu fördern beftrebt fein. Ihnen allen, meine Herren, spreche ich meinen tiefempfundenen Dank aus für den schönen Empfang, den die Stadt uns be­reitet hat, und bitte Sie, der Dolmeffch btefer Gefühle an bie Bürgerschaft zu sein. Nochmals herzlichsten Dank.«

Königsberg, 23. Ang. Im Auditorium maximum, der würdig geschmückten Albertus-Uni- verfität, erfolgte heute vormittag die feierliche Jnvestur und Proklamation des Kronprinzen als Reftor Magnifizenttssimus. Zu dem feierlichen Atte war eine glänzende Versammlung vonEhren gästen erschienen, unter ihnen bet Kurator bet Universität, Oberpräsident von Windheim. Ehren- bottor bet Albertina, Generalinspekteur Dr. Frei­herr von ber Goltz und die Spitzen der Behörden. Rings um den Katheder und ebenso im Hinter­gründe hatte« Abordnungen der studenttschen Kor­porationen im Wichs nebst Fahnen und Sannern Aufstellung genommen.

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Du hattest jedenfalls recht, Egbert, ihr von eurem Plane nichts zu sagen. Du willst das doch auch jetzt nicht tun?

Ich weiß nicht recht. Ich meine fast, es müßte bald geschehen; ich werd« ja nächstes Jahr nicht mehr bet ihr fein.«

Ich würde dir entschieden davon abraten. Willst du das ohnehin überspannte Kind so lange mit dem Gedanken sich tragen taffen, daß es eine Braut ist?«

Der Freiherr hatte die eifrig Redend« forfchend angeblickt. Es sprach, wie et richtig zu beobachten glaubte, nichts aus ihren Zügen als mütterliche Sorgfalt, liebenswürdiges Ein­gehen auf feine Pläne.

Gut denn, ich werde es nicht tun. Ich hege so unbedingtes Vertrauen in das Zartgefühl der Frauen, daß ich dich, Blanche, bitten möchte, ihr kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstage, toeitn ich nicht mehr fein werde, die Sache fo beizn- bringen, wie dein Herz es dir eingibt. Willst du mir das versprechen? Willst du Percy fein« Braut rein und treu behüten?«

Gewiß natürlich ganz wie du es wünschest!«

Ihre Hand nestelt« zitteAtd an ber in ben Locke« schaukelnden Rose. Der feine Stengel brach ab, bie voll« Blüte fiel ihr in ben Schoß.

Unb ich verfprech« bir, dich nicht wieder mit so ernsten Dingen zu ermüden. Ueber Friedas Zu­kunft fchon jetzt Bestimmungen treffen zu wolle», wäre ohnehin verfrüht. Du wirft sie mit Hilfe bet in ben nächsten Tagen eintreffenden Er­zieherin besser leiten, als ich eS könnte. Unb nun, Blanche, würbe es dich fehl anstrengen, mir ein klein wenig vorzulesen, bis Genia zurückkommt? Sie muß benTaff»' hier irgendwohin (clegt haben hast bu ihn? Das Zeichen liegt an der Stelle, an bet wir cmfhörten.«

Deutsches Reich.

Ordensverleihung. Darmstadt, 23. August. Der Großherzog verlieh berDarmst. Zeitung« zufolge bem Infante« von Spanien das Groß­kreuz des LndwigsordeuS und dem spanische« Ge­sandten das Großkreuz des Philippordens. Di« Abreise bet spanischen Gäste erfolgt heute Abend i.t Uhr 24 Minuten.

Die Schloßeinweihung und bie Polen. Heber das Verhalten der Polen bei den Feierlichkeiten macht dasPosener Tageblatt« interessante Mi- teilungen, die beweisen, daß die Stimmung bei Polen keine versöhnliche ist. So haben die pol­nischen Stadtverordneten, 'trotzdem sie für bie Magistratsvorlage, zur Ausschmückung der Stadt 30 000 Jl zu bewilligen, gestimmt haben, bei der Begrüßung des Kaiserpaares durch die Stadt­verordneten sämtlich gefehlt. Andererseits haben sich an der Spalierbildung durch Innungen und Vereine vielfach Polen beteiligt; polnische Ge­schäftsleute haben mehrfach ihre Läden «ndSchcm^ fenster festlich gescbmückt, polnische Mitbürger haben ihre Fenster am Abend festlich erleuchtet. Der Aussichtsrat der polnischen Hotelgesellschaft Bazar« fotzte nach den Mitteilungen polnischer Blätter beschlossen haben, das große Gebäude z« illuminieren. Dagegen erhob die demokratisch« polnische Presse Widerspruch und erftärte, daß bi« Ausführung dieses Beschlusses einenationale Entwürdigung« sein würbe. Taffächlich hat bann auch bie angekündigte Illumination des polnischen Hotels nicht stattgesunden. Auch das frühere, von Polen besonders gut besuchteHotel du Nord« war nicht illuminiert. An der Festtafel haben die meisten eingeladenen Polen teilgenommen. Der Kaiser hat auch verschiedene der polnischen Gäste ins Gespräch gezogen. Den drei zu Kammerherren ernannten Polen rät ein polnisches Blatt, ber Rolle ber Führer des eigenen Volkes zu entsagen, wenn sie In den Kleidern der preußischen Kam- merherren unb Kammerjunker paradieren wollten.

Die Ergebnisse de« Reichshaushaltsetat«. Berlin, 22. Aug. DerReichsanzeiger« meld-t: Die Ergebnisse des Reichshaushalts fiir daS Rechnungsjahr 1909 gestalteten sich nach dem Endabschluß der Reichshauptkasse, abgesehen von den auf die außerordentlichen Deckungsmittel an­gewiesenen Ausgaben im Vergleiche mit dem Etat In runden Summen. In den Geschäftsbe- reich des Reichsamts deS Innern Ist eine lieber« schrettung von 1479 000 Jl zu verzeichnen. Für das Reichsheer unb bei ben Kontingentsverwal­tungen von Preußen, Sachsen unb Württemberg, einschließlich des diese Verwaltungen angehenden und mft einer Ersparnis von 3 685 000 Jl ab­schließenden Abschnitts les allgemeinen Pensions­fonds an fortdauernden Ausgaben 6 535 000 Jl weniger. An einmaligen Ausgaben sind dagegen 7 532 000 M mehr als angesetzt ersorde llch ge- wese«. Bel der Marineverwaltung schließen bi« dauernden Ausgaben einschließlich dieser Erspar­nisse mit 332 000 Jl, bei dem entsprechende« Abschnitte des allgemeinen Penstonssonds mit 1626 000 M und ben einmaligen Ausgaben mit 350 000 Jl weniger Aufwand ab. Bei bem

Gedankenlos schlug bie weiße H uid den See» bang zurück, daß bet Freiherr ben Schirm tiefer über die schmerzenden Augen zog. Gedankenlos, verständnislos Rangen die Verse des Dichter­fürsten zu ihm herüber, als sei bte Seele bet Lcsenben weit fort von ben Worten, bie ihr ein­tönig über bie Lippen strömten. Der Kranke gab es auf, Sinn in bie zerhackten Sätze zu bringen er kehrte sich auf seinem Krankenlager seufzend ber SBanb »u.

2.

Ungefähr eine Stunde früher schritt eine hohe, fast hagere Männergestalt den iauftischen Waldweg am Hang der Berge entlang. Schlich­tes, schwarzes Haar beschattete eine weiße, düster gefaltete Stirn. Die dichten Augenbrauen be­rührten einander fast, wenn sie wie jetzt finster zusammengezogen waren. Ein Zug seelischen Schmerzes lag in den dunflen A tgen und um den feingeschnittenen Mund d«S noch nicht ganz Vier­zigjährigen. Hätte ein weniger feindselig miß- trauischer Ausdruck dies Gesicht belebt, oder hätte dasselbe einem andern Körper angehört, es wäre vleflelcht nicht abstoßend, wenn man es betrachtete, zugleich mtt der zu hohen linken Schulter und dem schleppenden Gang des rechten Beines.

Die Hände auf dem Rücken verschränkt, augen­scheinlich in Gedanken versunken, schritt er da­hin, die Stirn noch mürrischer faltend, wenn der ungelenke Fuß, an eine Baumwurzel stoßend. Ihn an sein Gebrechen erinnerte.

Aus bem Dickicht zur Linke« tönte das Ruck- fen der Wildtaube, Schmetterlinge umschwirrten ihn, zwffchen den Stämmen der Rofföhren her­vor lugten die feingezeichneten Blätter der Alpen- v-llchen er cchtete nicht darauf, ebensowenig wie auf die amnuxtge, ihn zur Rechten sanft <* fallende Bergcehne, (Fortsetzung folgt.)