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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahr»

HA 1Qß jährlich durch die

*'=- unseren Zeitungssi

Seien Sie mir Willkommen, mein« Herren, prr «eihe meiner Pfalz in Pose«. Zunächst liegt es mir ob, di» Schuld de» Dankes abzutragen und alle die­jenigen, di« an Viesern Bau mitgewirkt haben und deren Munisizen, der Bau zu danken ist. Ich danke der Vertretung de» preußische« Volkes fär die Be­willigung der Summ« für di« Psalz und hoffe, daß die hier anwesende« Mitglieder derselben sich persön­lich davon überzeugen wollen, ob das Veld richtig ««gewendet sei. Ich danke dem früheren Herrn Finanzminister Freiherr von Rheinbabe« für seine vortreffliche Vertretung dieser Sache im Landtage. Bon Herze« bedantt sei der geniale Architekt Ge­heimer Rat Schmechten, dessen Meisterhand die Pläne und das Modell zu diesem Bau entwarf und der mit seinen vielen Mit- und llnterarbeitern dieses stolze Bauwerk geschaffen. Ich danke allen Künstlern, Meistern, Gessllen und Arbeitern, die mit rastlose« Eifer an dem Bau dieser Pfalz mitgewirkt und ihr bestes Können hinemgelegt haben, um zu zeigen, was deutsches Kunstgewerbe zu leisten imstande sei. Und Sie, meine Herren, von der Provinz und von der Garnison, seien Eie herzlich willkommen. Möge« Sie bei dem Anblick dieser Psalz sich vor Augen hal­ten, daß sie ein Wahrzeichen sein soll für mein landes­väterliches Interesse für diese schöne deutsche Pro­vinz, die unter dem Szepter meines Hauses zu hoher Blüte emporgewachsen ist und auf deren Mitarbeit zur Hebung und weiteren Förderung der Provinz ich auch fernerhin rechne. Sie soll zu gleicher Zeit eine Ermunterung sein für Jede« in dieser Provinz, der Lust hat, mit Leib und Seel« und allen Sinnen mit- znarbeiten an der Entwickelung und Förderung die­ses schöne« Landes. Möge Gott seinen Segen zu die­sem Werke geben und möge die Provinz Pose« grü­nen, blühe« und sich entwickel«, ei« Edelstein in meiner Krone. Darauf wollen wir unsere Gläser erheben. Die Provinz Posen hurra! hurra! hurra!"

Posen, 20. Aug. Die Tafelmusik war gestellt vom 2. Riederschlefischen Infanterieregiment Nr. 47. Der Einzug des Hofes war unter den Klängen des altpreußischen Parademarsches Nr. 3 erfolgt, dem sich Beethovens OuvertüreZur Weihe des Hauses" an­geschlossen hatte. Nach der Tafel hielten die -Maje­stäten in den weiten Hallen, die sich an den Festsaal anschließen, Cercle. Um 9 Uhr begann der Zapfen­streich der Mufikkorps der Garnison. Hierzu waren auch Damen und die Spitzen der Militär- und Zivil­behörden geladen. Das Abrücken der Mufikkorps er­folgte unter Begleitung fackeltragender Mann­schaften nach den Klängen des Preußen-Marsches. Die Mufikkorps rückten auf den Ehrenhof des Schlosses. Eine gewaltige Menschenmenge begrüßte die Majestäten und die kaiserliche Familie, die an den Fenstern des Schlosses sichtbar waren. Die Stadt ist glänzend illuminiert.

Berlin, 20. Aug. Laut demReichsanz." ver­lieh der König der Stadt Posen aus Anlaß der Ein­weihung des Schlosses den Titel Residenzstadt.. Fer­ner wnrden an die Regierungsbeamten und den Ar­

chitekten sowie an die übrigen an dem Bau Betei­ligten Ordensauszeichnungen verliehen.

P o s e n, 21. Aug. Der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie die andere« anwesenden Prinzen uitb Prinzessinnen des könig­lichen Hauses nahmen heute vormittag 11% Uhr an einem Feldgottesdienst teil, der auf der Esplanade de» FortsWiniary" abgehalten wurde. Neben dem Feldaltar waren die Fahnen der Garnison auf­gestellt; zur Seite des Altars erhob sich das Kalser- zelt. Die Truppen waren in feldmarschmäßiger Ausrüstung im offenen Viereck aufmarschiert. Nach dem Gesänge des LiedesGroßer Gott wir loben dich" hielt der evangelische Militärpfarrer des 5. Korps, Konsistorialrat Schaumann, eine Ansprache. Da» Niederländische Dankgebet schloß die Feier. Der Kaiser nahm eine Reihe militärischer Meldun­gen entgegen und nahm den Vorbeimarsch in Zug­kolonnen ad. In der Nähe der Kaiserpfalz bildeten Kriegervereine des Provinzial-Kriegerbundes mit ihren Fahnen Spalier. Das Publikum begrüßte die Majestäten und die anderen Fürstlichkeiten auf der Hin- und Rückfahrt herzlich. An der Frühstücks- tafel bei den Majestäten nahmen die in der Residenz wohnenden Herrschaften teil. Der Reichskanzler ist abgereist.

Die Einweihungsfeierlichkeiten in Posen.

Posen, 20. Aug. Das Kaiserpaar ist im- Son­derzuge im hiesigen Hauptbahnhof um 3 Uhr 58 Min. eingetroffen. Zum Empfang der Majestäten waren ' auf dem Bahnhof anwesend: das Kronprinzenpaar, die hier eingetroffenen Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, der kommandierende Ge­neral des 5. Arme^orps, Graf Ktrbach, der Kom­mandant von Posen, Generalleutnant Freiherr vo« Steinäcker, Oberpräsident von Waldow und der Polizenpräfident v? Heyking. Das Kaiserpaar fuhr im Autmobil bis zur großen Tribüne am könig­lichen Restdenzschloß. Die Truppen des Standortes bildeten Spalier, hinter ihnen die Schulen, Krie­gervereine und sonstigen Vereine. Eine gewalttge Menschenmenge begrüßte das Kaiserpaar und die kaiserliche Familie mit stürmischen Zurufen.

Posen, 20. Aug. Am Residenzschlaß hatten fich aufgestellt die städtischen Körperschaften, die Geistlich­keit und eine Gruppe weißgekleideter Ehrendamen. Das Wetter hat sich aufgeklärt. Als das Automobil die kaiserlichen Majestäten vor den Stadtvertretern hielt, trat Oberbürgermeister Dr. Wilms vor und hielt eine Rede, in der er an das Kaiserwort im Jahre 1892 erinnerte, das den engen Gürtel der Festungsstadt sprengte, sowie an ähnliche bedeutsame Ereignisse der älteren Geschichte Posens, an die Gründung der deutschen Kolonialstadt links der Warthe vor mehr als sechseinhalb Jahrhunderten und an den Wiederaufbau des abgebrannten Teils der Stadt int Anfang des vorigen Jahrhunderts. Im »eiteren erinnerte der Oberbürgermeister an den Be­such König Friedrich Wilhelms III. und der Kö­nigin Luise im Jahre vor diesem Brande, an die Aeberschwemmung des Jahres 1888, welche die Kai­serin Friedrich trotz der Krankheit ihres hohen Ge­mahls nach Posen zu eilen veranlaßte, um den Be­drängten Trost und Hilfe zu bringen und schließlich an die vielfachen Beweise landesväterlichen Inter­esses von feiten des Kaisers, die keine schönere Krö­nung finden konnten als in dem Entschluß, eine mächtige Kaiserpfalz an den Toren de» alten Posen» entstehen zu lassen. Der Oberbürgermeister schloß: Mit schnellerem Herzschlag und leuchtendem Blick be­grüßen wir daher den denkwürdigen Jubeltag, an dem Eure Majestäten in bas herrliche Kaiserschloß ihren festlichen Einzug halten. Gewaltig wie Sturmesbrausen erschalle von den granitenen Qua­dern der Kaiserpfalz zurllckhallend der Ruf hinaus in die Lande: Der Kaiser und König, die Kaiserin und Königin, Sie leben hoch! In das Hoch stimmten die Anwesenden begeistert und die Glocken begannen zu läuten. Der Oberbürgermeister bot dem Kaiser, der die Uniform der 1. Posener Königsjäger zu Pferde trug, den Ehrentrunk, den der Kaiser ent­gegennahm und mit folgender Rede begleitete:

Mein lieber Oberbürgermeister! Im Marne« Ihrer Majestät der Kaiseri« und Königin wie in »einem Marne« da«ke ich ih«e« vo« Herren für die

Deutsches Reich.

Die Leiche des Präsidenten Montt. Ber­lin, 20. Aug. Die Leiche des Präsidenten der Republik Chile Pedro Montt, ist heute abend im Sonderzuge hier eingetroffen. Am Bahnhofe hatten sich u. a. der chilenische Gesandte Matte, bet Reorganisator der chilenischen Armee Gene­ral Römer, Leibarzt Dr. Münnich und der Adjutant des Präsidenten Oberst Bari einge- sunden. Die Leiche ruhte auf einem silberne« Sarg, der mit dem mit Trauerflor gehüllten chilenischen Banner und mit einem prachtvollen Kranz des Bremer Senats bedeckt war. Durch das mit Blattpflanzen reich geschmückte Fürsttn- zimmer wurde der Sarg, dem die Leidtragenden folgten, nach dem Vorplatz des Bahnhofs ge­tragen, von wo ihn ein vierspänniger Leichen­wagen nach der katholischen tzedwigskirche über­führte. Hier verbleibt der Sarg, der in der Kirchengruft beigesetzt wurde, bis zur lieber« führung in die Heimat.

Der Katholikentag ht Augsburg. Augs­burg, 21. Aug. Die stebenuudfünszigste General­versammlung der Katholiken Deutschlands nahm heute Vormittag mit einem im Dom zelebrier­ten Hock amt ihren Anfang. Seit den frühesten Morgenstunden brachte die Eisenbahn groß« Menschenmassen in die Stadt, welche reiche« Schmuck angelegt hat. Vom Bahnhof bis zm Festhalle war eine via tirumphalis errichtet, uni mtt Fahnen in bayerischen Reichsfarben ge schmückt, durch welche die ankommenden Vereine in ihre Quartiere marschierten. Auf dem Dom- Platz war eine Tribüne errichtet, von der aus di« anwesenden geistlichen Würdenträger uni die

Marburg

Dienstag, 23. August 1910.

Di« Insertion»gebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die Tge^altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Üniverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Mar« 21. Televbon 55.

freundlichen und tief empfundenen Worte, mit bene« Sie uns begrüßt und die treue Anhänglichkeit der Posener Bürgerschaft zum Ausdruck gebracht hab««. Wir freue« uns, daß es durch Gottes Gnade uns vergönnt ist, heut« unfern Einzug in die Manern Ihrer Stadt und die von Meisterhand errichtete Pfalz zu halten. Wir freuen uns in unserer jüngsten Residenzstadt, zu der ich die Stadt Posen hiermit er­hebe, Aufenthalt zu nehmen und fortan zu ihren Be­wohnern in nähere Beziehung zu treten. Möge die Bürgerschaft Posen» fich beim Anblick dieser macht­vollen Pfalz stets des Ianbesöäterlit-;en Schutzes be­wußt sein, mit dem ich und meine Nachfolger in der Krone jede ehrliche Arbeit und Hantierung geleiten werden. Möge die Residenz mit ihren Schwestern im Lande in Treue zu Kaiser und Reich, in Liebe zu König und Vaterland alle Zeiten wetteifern und sein und bleiben ein Hort und eine Pflanzstätte deutscher Kultur und Sitte. Ich trinke auf das Wohl der Residenzstadt Posen und ihrer treue« Bürgerschaft."

Das kleine Töchterchen des Oberbürgermeisters überreichte der Kaiserin einen Blumensttauß, den die hohe Frau mit huldvollen Worten entgegen­nahm. Unter erneuten Mrmischen Hochrufen fuhren die Majestäten zum Schloß, die in den nachfblgenden Automobilen fitzenden Prinzen und Prinzessinnen wurden gleichfalls allenthalben herzlichst begrüßt. Am Schloßportal überreichte der Erbauer Geheimer Baurat Schmechten dem Kaiser den goldenen Schlüs­sel, womit dieser öffnete. Die Majestäten unter­nahmen dann einen Rundgang durch das Schloß und nahmen daselbst Wohnung.

Posen, 20. Aug. Die romanischen Formen des grafte« Festsaales des neuen Residenzschlosses geben in der schimmernden Beleuchtung der schweren elek­trischen Kronleuchter ein Bild wahrhaft königlcher Pracht und vornehmster Würde. Die Wände be­kleidet ein grauet Marmor, von dem fich tief rote Säulen aus Waliburger (Thüringer) Marmor ab­hebt. Ernst wirtt die dunkelgraue Decke von schwerer Holztäfelung, streng stilisierte Fresken in matten Farben zieren den oberen Teil der Wände. Die breiten Rundbogen und die obern Nischen find mit Goldmosaik bekleidet. An der einen Längsseite des Saales erhebt fich bet doppelsitzige Thron aus weißem Mamor, mit Purpurdecken belegt. Vor die­sem Thron war der Platz der Majestäten an der Tafel, die hakenförmig fich um den ganzen Saal zog. Nebentische waten in den Nischen gedeckt, andere im Wisbysaale. Die Tafel schmückten Schätze der könig­lichen Silberkammer. Der gärtnettsche Schmuck war aufs wirkungsvollste mit Tannenteisern, Ebereschen­beeren, Schneebeeren und Schilfkolben hergestellt. Der Kaiser trug abends wiederum dis Uniform des Regiments bet Königsjäger zu Pferde Rt. 1, bie Kaiserin eine schwarze Robe. Beide Majestäten hat­ten bas Band des Schwatzen Adlerotdens angelegt. Während des Mahles erhob fich der Kaiser zu fol­gendem Trinkspruch:

DieOberhrssische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 6onn= und Feiertage. Der Bezugspreis bettägt viettel- . - -, Pgst bezogen 2,25 <M. (ohne Bestellgeld), bet

Jeren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2Ü0 <K. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte Übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

(Nachdruck verboten.)

Seelenkämpfe.

Preisgekrönte Novelle von Elis« Otto.

: 1,

Die duftige Frische eines SommermorgenS liegt über dem Westabhange des Leithagebirges in Oesterreich, da, wo sich dasselbe hinuntersentt zum Leithaflusse und weiterhin zu der Neustädter Ebene, die, nur nach Norden sich öffnend, als ein weiter flacher Talkessel von Bergketten umschlossen daliegt.

Noch steht die Sonne nicht hoch genng, um den Dust aufzuschlürfen, der bläulich über den Wäl­dern hängt, die auf vorgeschobenem Felskegel ins Land hinaüsragende Burg Waldbühl umzieht und das in enger Schlucht fich emporwindende Dors zu ihren Füßen schattenhast verhüllt. Laut- kreischend fliegen die Krähen in den zerbröckeln­den Schießscharten ein und aus, lautkreischend antworten ihnen bie Stimmen ihrer Genossen vom Walbe brübeit. Es stnb erbgesessene Ge­schlechter, biese Dohlen- unb Krähenfamilien! Bon benselbsn Walbbergen aus sahen ihre Ur- flfmsn bie wilden Gestalten der Avalen ins Land stürmen, Karl den Großen siebenmal wider sie ziehen und endlich hier die Grenzen der Ostmark gründen: von denselben Höhen schauten sie den raubluftigen Magyaren zu, die wieder unb wieber die Ebene überschwärmten. Ihre Vorfahren waren es, die um die Köpfe der am Ufer der Hischa Zrnammenberufenen kreisten, ivährend diese über die Gründung der Burg und Stadt Reustadt berieten, deren altersgraue Türme weiterhin aus der Ebene aufragen und an deren Mauern sich fortan her Anprall der feindlichen Horden brechen follre.

Wuchtiger, als es die leicht berittenen Magyaren getan, fielen die Türken ein unb wieber war es Reustabt, bas in siegreichen Kämpfen unb zahl­losen, meist zäh überbauerten Belagerungen durch (nbertbatb Jahrhunderte den Horst bildete, auf ten Oesterreichs Adler vertraute.

So ruht bie kleine Stabt vor uns im Morgen- sonnenschein, ein greiser Veteran mit narben« vollem Leib, stolz bie Reihe ber Schlachten über« blickenb, bie er mttgemacht.

Die Sonne ist höher gesttegen. Das Gemäuer von Schloß Walbbühl hebt sich scharf ab von dem dunklen Hintergmnbe. Es ist keine Ruine, bas Gebäube ist wieder hergerichtet, bie Fensterschei­ben hinter den Eisengittern werfen funkelnde Re- .slexe zu den hochstämmigen Föhren des Waldes hinüber.

Wer aber den regenverwaschenrn Hohlweg des Dorfes hinauffteigt, in den sich von oben blühende Hagebornbüsche hineinranken unb in dem Wirtshause des Ottes bei einem Glase Wein Nachfrage hält nach den Bewohnern des Schlos­ses, ber erfähtt möglicherweise mehr, als er ge­fragt. Der Großstädter freilich, ber sich hier als Herr gebärben unb nach bem Kellner rufen wollte, batte lange zu warten sowohl auf den Wein, als auf Auskunft. Der Patriarch des Hauses mtt dem flatternden Grauhaar und den weißbuschigen Brauen über den hellen Augen würbe wahr­scheinlich grollend etfiätcn, seineFrauensleut" feien nichtdccham", unb er selbst habeJa Zeit". Versteht ihr es aber, das Mißtrauen zu be­siegen, bas gegen alles Fremde in ihm lebt, bann wird er euch Wunderdinge erzählen von der allen Burg, bie ba in schwindelnder Höhe senkrecht Über euren Köpfen hängt. Er wird euch berichten von den drei Brübern von Trenck, die hier in der Gegend gehaust, der älteste und schlimmste hort

oben, von ber schönen Mnrattn (Karoline Murat .Königin von Neapel), bie hier gttvohut, und deren bestückend anmuttges Bild noch droben hängt in einem ber gewöbten Säle.

Er wirb euch aber auch sagen, daß das Schloß «in Kloster habe werden sollen, bevor der jetzige Besitzer, der Freiherr von Osten, es gekauft, ein Nonnenkloster, damit die Gebete ber frommen Schwestern all' die Sünden tilgen möchten, die feit Jahrhunderten dort oben begangen worden. Dabei blitzten seine Augen klug auf, als wisse er genau, daß die Weißen Schleier doch noch einmal wehen werden hinter schwereichenen Türen.

Fragt ihr aber nach bem Freiherru, dann wird (t euch achselzuckend versichern, mit dem könne cs aus feinauf Ja und nein". Der stattliche alte Herr sei unlängst vom Pferde gestürzt, habe sich. Rückgrat unb Augen beschädigt, und ließe seitdem schwer krank darnieder; schade fei es nur um die bildschöne junge Frau, die er im Herbst in fein schloß geführt, ein adeliges Fräulein, das er tot Bad? irgendwo draußen kennen gelernt. Und der Vinzenz, der Sohn des Wittes, wird euch sagen, ihr Haar glänze wie gesponnenes Gold.

Und das alle Mütterchen mit dem welken Runzelgeficht, das euch bie altbackenen Semmel la der blauleinenen Schürze herzuträgt, fügt dann wohl redselig hinzu, daß die gnädige Fretherttn vor allem eine echte, rechte Chttsttn sei, die täglich zweimal in der Staatskarosse zur Kirche fahre und bei den Vätern in dem Redemptottstenklostrr dicht neben derselben hoch in Ansehen stehe. Der Freiherr fei zwar auch ein rechtbraver" Herr, der viel für das Dorf getan, aber man sei doch nie sicher, ob das allein auch Segen bringen werd«. _ . ....

In dem nach der Ebene hinausgelegenen gr-- wölbten Schlafzimmer des Freiherrn von Oste» herrscht mattes Dämmerlicht.

Das kleine Spitzbogenfenster, durch oas die Sonnenstrahlen hereinhuschen möchten zwischen die dicken, kühlen Mauern, ist grün verhängt. Grüne Lichter zucken hin über bie verblichene« Oelgemälden an ben Wänden unb über bie ge­schnitzten Eichenseffel, von benen jeber das Wappen eines der Geschlechter trägt, die fett Menschengedenken hier gewohnt, sie flimmer» auf dem edlen Gesichte dos auf dem Lager Ruhenden, das, von einem tiefgehenden Augen- schirm beschattet, nut undeutlich erkennbar ist, und spielen mit den hellblonden Locken der jugendlichen Gestalt, die am Kopfende des Bettes im Lehnstuhl sitzt, die feinen Hände lässig im Schoße, bie Augenkeder schläfrig gesenkt. Jf dem lichten Haar schaukelt eine glühende Rost, wie hingehaucht in die leichten Ringel die so lustig sind, daß sie bet der leisesten Bewegung auf und nieder schwanken unb so hell, als wolle die Matur zeigen, wie reizvoll sich ein solches kaum von der Weiße der Haut zu unterscheiden­des Haar um ein jugendliches Antlitz schmiege« könne.

Willst du dich nicht so setzen, Blanche, das ich dich sch«? Meine Augen möchten ausruhe« auf dem Lichte deines Goldhaars!'

Gewiß, wenn du es wünschest."

Die starren Fallen des Seidenkleides knister» ien und rauschten auf, die Stöckelschuhe knarr­ten leicht, ein zättliches Lächeln lag um die vollen Lippen, als sie dem Gatten gegenüber faß vnb er ihr ritterlich die Hand küßte.

(Fortsetzung folgt.)

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