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45. Jahrg.

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Die Reise 6m Königs der Belgier. München. 19. Aug. Der König der Belgier ist heute Vormittag aus Brüssel hier eingetroffen und nach Possenhofen, wo die Königin weilt, weitergereist.

Französisch« Rivalität. Bet einer Gedenkfeier auf dem Schlachtfelde von Mars-la-Tour betonte der französische General Couturier in seiner Gedächtnis­rede die bekanntenHoffnungen". Gr überreicht« dem Gründer des dortigen Museums, dem Pfarrer Faller, der von Elsässerinnen und Lothringerinnen in Nationaltracht umgeben war, das Ritterkreuz der Ehrenlegion und begrüßte ihn im Namen der Ehrenlegion von 20000 Schlachtopfern die im Him­mel mttfeiern", und von Millionen Franzosen al« denApostel der Erinnerung und Hoffnung". (So« deutscher Seite ist bei den jetzt stattgefundenen Ge­denkfeiern alles vermieden worden, was die franzö­sische Nation irgendwie hätte verletzen könne«. Einem französischen General aber blieb es vorbehal­ten die Erinnerung an di« Zeit vor 40 Jahren zu einer politischen, gegen Deutschland gerichteten De- monsttation zu mißbrauchen. Diese Tatsachen mögen sich alle diejenigen vor Augen halten die auch jetzt wieder die deutschen Gedächtnisfeiern aus Rücksicht auf die französische Empfindlichkeit eingeschränkt oder ganz abgeschafft wissen wollen.)

Sozialdemokratische Schmerzen.

Die Sozialdemokratie, der es anscheinend so glänzend geht, befindet sich trotzdem in einer üblen Situation. Sie sieht mit einem heiteren und einem nassen Auge ihren eigenen Erfolgen zu. Die Berechnung einiger bürgerlichen Blätter, die, statt zu energischer Arbeit gegen die Sozial- deniokratie aufzurufen und selbst solche Arbeit zu leisten, ausrechnen, daß die Sozialdemo­kratie es bei den nächsten Wahlen auf 120 »der gar auf 150 Mandate bringen werde, hat, tote cs scheint, den großen Politikern der Sozial­demokratie arges Kopfzerbrechen verursacht. Sie wissen nicht recht, was sie mit ihren Mandaten

i auf »vbr.

1908 war der Wert der ausgeführten Erzeugnisse an- gewachsen auf 87,7 Millionen Mark aus den afrikani­schen Kolonien, 8,7 Millionen aus den Südsee-Kolo­nien und 47,3 Millionen aus Kiautschou, zusammen also 93,7 Millionen Mark. Die Ausfuhr der ein­zelnen Kolonien stellt sich folgendermaßen: Ostafrika lieferte für 2,9 Millionen Mark Sisalhanf, für ein« Million Mark Jnsektenwachs, für eine Million Mark Kaffee, für eine Million Mark Rohgummt, für 0,8 Millionen Mark Rohhäute, für 0,8 Millionen Mark Kopra, für 0,6 Millionen Mark Elfenbein. Aus Süd­westafrika wurden ausgeführt für 6,3 Millionen Mark Kupfererze, für eine Million Mark Rohblei; aus Kamerun für 4,8 Millionen Mark Rohgummi, für 2,7 Millionen Mark Kakao, für 2,2 Millionen Mark Palmenkerne, für eine Million Mark Palmöl, für 0,9 Millionen Mark Elfenbein; aus Togo für zwei Millionen Mark Reis, für eine Million Mark Palmenkerne, für 0,6 Millionen Mark Rohgummi, für 0,5 Millionen Mark Palmöl, für 0,4 Millionen Mark Baumwolle. Samoa lieferte für 2,4 Millionen Mark Kopra und die Marfchall-Jnfeln für 3,3 Mil­lionen Mark Phosphat. Kiautschou entsandte nur zum kleinsten Teile Produkte des Schutzgebietes; den größten Teil der Ausfuhr trägt das chinesische Küstenland. Im Jahre 1908/09 wurden aus Tsingtau ausgeführt u. a. für 18 Millionen Mark Strohborde, für 5,5 Millionen Mark Erdnußäpfel, für 4,4 Mil­lionen Mark geschält« Erdnüsse, für etwa 4 Millionen Mark Seide und Seidenabfälle, für 1,9 Millionen Mark Bohnenöl und für eine Million Mark schwarze Datteln. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß unsere Kolonien eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung be­reits erlangt haben, und daß ihr Wert für den hei­mischen Martt von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Einfuhr Deutschlands aus den Kolonien ist im Jahre 1909 um 6,5 Millionen Mark gestiegen, nämlich von 23 Millionen auf 29,5 Millionen Mark. Die deutsch« Ausfuhr nach den Schutzgebieten ist von 36,5 Mil­lionen Mark des Jahre 1908 auf 41,8 Millionen Mark im Jahre 1909 angeschwollen.

«Regei eine zahlreiche Gesellschaft zusamt»««, kleine Vorträge wurden gehalten, oder die von dem Jenaer Prof. Luden verfaßte Politik zm» Mittelpunkt bet Unterhaltung gemacht. Auch an gemeinsamen Ausflügen fehlte s nicht. Beson­ders, wenn auch verboten, schön war die Feier, des 10 Jahre vorher erfochtenen Sieges über Napoleon am 18. Juni 1815. Gegen Abend zog die Allgemeinheit in großen Truppen aus den Toren nach den Ruinen des anderthalb Stunden entfernten Frauenbergs, des höchsten Berges der nächsten Umgebung. Dort wurde ein weithinleuchtendes Feuer angezündet, um ivelches sich die Gesellschaft auf dem Erdboden lagerte. An Gerstensaft und Fröhlichkeit sowie an Kurzweil mangelte e8 nicht. Doch gab c8 auch ernste Stunden. Denn um Mitternacht schlossen die Anwesenden einen Kreis. Es wurden vaterländische Lieder angestimmt und in Pausen traten Redner auf, so Friedrich Münscher aus Marburg, und Franz Flotencoutt aus Braunschweig welche die Bedeutung des Tages und die kn den F.'ci- heitskriegen erweckten Hoffnungen schilderten. Rach einem zur VerÄtüderuna cmfgesorderten Rundgesang trat wieder wechselvolle Fröhlich­keit ein, die bis »um Morgengrauen bauerte. Dann zog die ganze Schar zur Stadt zurück mit dem erhebenden Bewußtsein eine herrliche Nacht in begeisterter Stimmung verlebt zu haben. Es war ein schönes Leben, welches die Allgemeinheit im Sommct 1825 kübtte. Nut dauerte es leidet nicht länget fort. Im Herbst verließen nämlich einige einflußreiche Miigfle- det derselben die Nnwersttät. Durch ihren Ab­gang erlahmte di« treibende Kraft in der ohne­hin nur lose verbundenen Bereinigung, und so kam es daß im Winter 1825 auf 1826 die All­gemeinheit und damit die Burschenschaft, welche

Marburg

Sonntag, 21. August 1910.

zu überschütten. Mehr noch als für jeden frühe­ren Wahlkamps ergibt sich für die nächsten Reichs- tagswahlen die Notwendigkeit, in der Wahl­agitation die prinzipiellen Ziele der Sozial- dcmokratte mit rücksichtsloser Schärfe zu ver­treten/

Disse Auslassung zeigt die ganze innere Schwäche dieser stimmgewaltigen Partei. Aller- dings hat sich die Zahl derüberzeugten" Sozialdemokraten seit 1907 nicht verdoppelt. Sie machte auch 1897 nur einen Bruchteil der 3% Million Stimmen aus, die für die Sozialdemokratie abgegeben wurden. Es ist auch durchaus erklärlich, daß die überzeugten Sozial­demokraten Kautskhscher Observanz sich nicht be- frriders wohl fühlen, wenn sie sich die Gründe der sozialdemokratischen Erfolge überlegen. Es miterliegt natürlich nicht dem geringsten Zweifel, daß diese Erfolge keine Erfolge des sozialdemo- kratifchen Gedankens sind. Ganz ftn Gegenteil: sic rühren viel eher daher, daß man in bürger- i lichen Kreisen anfängt, über diesen ganzen sozial- demokratischen Gedanken recht geringschätzig zu denken, ihn für innerlich morsch zu halten und infolgedessen alles eher als Angst vor ihm zu empfinden. Man hält die Sozialdemokratie für ungefährlich und läßt sich infolgedessen ohne Widerstreben dazu hinreißen, irgend einer allge­meinen gefühlsmäßigen Unzufriedenheit durch den fozialdemokratischen Stimmzettel Ausdruck zu verleihen. Das ist natürlich ein rein gefühls­mäßiges und politisch ungemein törichtes ©er­fahren, das aufs strengste verurteilt werden muß. Aber es liegt nun einmal in der deutschen Natur, aegen irgend etwas, was man nicht billigt, so scharf als möglich zu protestieren; und da die Sozialdemokratie am weitesten links steht und die Partei des Protestes überhaupt ist, und ihre _ Erfolge die Regierung am meisten ärgern, hält man den sozialdemokratischen Sttmmzettel für den, der diesen Protest am schärfften zum Aus­druck bringt, und nimmt nicht wahr, daß dieser Protest absolut wirkungslos ist und dem , schwarzblauen' Block, den man doch treffen will, eher nützt als schadet. Das Zentrum wird sicher mit einem Anwachsen der Sozialdemokratie ganz zufrieden fein. Es hat dann wieder feine Gewalt. Wir verstehen es durchaus, daß die Sozialdemokratie schon heut« Angst vor ihrer eigenen Macht und vor den peinlichen

Situationen hat, in die sie gerät. Andererseits hoffen wir, daß das deuffche Volk noch nicht ganz -in die Hände derberufsmäßigen" Ver- hetzer und Agitatoren gefallen ist, sondern auch noch vernünftigen Ueberlegungen zugänglich ist.

Ausland.

* Reise des Ministers San Giuliano. Wien, 19. Aug. DasFremdenblatt' veröffentlicht folgendes Communiquö: In Gemäßheit mit bet fett Jahren bestehenden Gewohnheit, daß jeder neuernannte Minister eines der drei ver­bündeten Staaten sich den Souveränen der bei­de« anderen Staaten vorstellt, wird Marches« di San Giuliano sich am 1. September d. I. nach Ischl begeben, wo er von dem Kaiser Franz Joseph in Audienz empfangen wird. Vor der Audienz wird Marches« di San Giuliano cm 30. September in Salzburg eine Begegnung mit dem Minister des Aeußeren Grafen Achrenthal haben.

** Attentat auf ungarische Offiziere. Buda­pest, 19. Aug. Während Felddienstübungen bet Infanterie-Regimenter Nr. 48 unb 99 bei Akine- witsch, würbe auf sieben beim Essen sttzrud« Offiziere des Regiments Nr. 48, sieben Kugeln durch ein Fenster abgegeben. Getroffen wurd« niemand. Die Offiziere setzten sofort dem Tätet «ach, und sanden in einer nahen Schlucht einen Mann des 99. Regiments tot. Er hatte sieben Schüsse auf eine Entfernung von 300 Schr itt abgefeuert, und sich dann selbst getötet. Die Ur­sache der Tat ist unbekannt.

** Die Kretafrage. Berlin, 19. Aug. Di« Rordd. Attgcrn. Zeitung' schreibt: Nack bet Meldung eines Korrespondenzbureaus soll in den Kreisen der Psotte das Gerücht berbrettet sein, daß die Idee einer Konferenz zur Bestimm­ung einer autonomen Regierung auf Kreta wie­der aufgetaucht und daß sogar die Kandidatur

Deutsches Reich.

Zur Einweihuugsfeier i« Pofe«. Potsdam, 19. Aug. Der Kronprinz und die Kronprinzessin tra­ten heute Nachmittag von Hopfreben (Vorarlberg) die Reise nach Posen an. Berlin, 19. Aug. Der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Kröcher und die Vizepräsidenten Geheimer Justizrat Dr. Porsch und Geheimer Justizrat Dr. Krause sind zur Teil­nahme an der Einweihung des königlichen Schlosses in Posen abgereist.

Der Reichskanzle« beim chilenischen Gesandte«. Berlin, 19. Aug. Der Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg und der Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen-Wächter fuhren bet dem chilenifchen Ge­sandten vor, um persönlich ihr Beileid an dem Ab­leben des Präsidenten Podre Montt zu bezeugen.

her zur Burschenschaft gehalten hatten es waren mindestens zwei Dritteile der Studenten- schaft ohne Leitung und Zusammengehörig­keit lassen, und so der Versuchung zu verderb­lichen Verbindungen pteisgeben? Das wider­sprach ganz und gar den Ansichten, welche bis­her in der Burschenschaft zur Richffchnur ge­dient hatten. Da kamen einige fluge Köpfe auf folgende Vorschläge: Man solle eine Ver­einigung bilden, die weder einen Vorstand noch Statuten sondern nur eine gemeinsame Kneipe habe, in welcher auf gemeinschaftliche Kosten Zeitungen Journale gelesen würden. So oft es nötig werde, einen gemeinsamen Beschluß zu fassen, sollte in der Kneipe die Einladung zu einer Versammlung angeschlagen werden. Die Versammlung werde dann einen Sprecher zur Leitung der Verhandlungen wählen, jedoch werde dessen Amt mit dem Ende der Versamm­lung wieder erlöschen. Gegen solche Vereinig­ung werde der akademische Senat nichts ein­wenden können. Sollte er aber doch einschreiten und gar strafen wollen, so werde er keine Häupter und Führer finden, sondern die große Menge bet Stubenten als Schuldige vor sich haben. Diese Vorschläge fanden allgemeine Zu­stimmung und wurden dem gemäß sofort zur Ausführung gebracht. Die Allgemeinheit so hieß die ungegründete Vereinigung besaß in dem Hinterhaus der Ratsvierers und Bäcker­meisters Estor in der Untergcffe einen ge­räumigen Saal und ebenso eine Halle und einen freien Platz vor derselben. In den Räume« lagen 11 Blätter, teils Zeitungen und Schriften zur Belehrung unb Unterhaltung auf. Zwar war bou anaekündigten Versammlungen abge- sebeu, zum Besuch der Kneipe keine Berpflich- tung vorhanden, aber an freiwilligen Besuchern fehlte ei nicht, und Abends fand sich in der

Mensch nach Cassel gereist und hatte dortaus welchen Umständen ist nicht bekannt geworden bei dem Kurfürstlichen Ministerium die An­zeige gemacht, daß in Marburg eine geheime Burschenschaftliche Verbindung bestehe, dabei hatte er nicht nur Flamen vieler Mitglieder ge­nannt, sondern auch die in der Verbindung h - stehenden Bestrebungen in ungeheuerlichsten An­gaben gemacht. Das Ministerium legte bet Sache solche Wichtigkeit bei. daß cs die Unter­suchung ausnahmsweise nicht dem akademischen, sondern dem Zivilgcrichi übertrug. Zuvor wurde durch Senatsbeschluß die Verbindung aufgelöst und den Mitgliedern Stadtarrest auf­erlegt. Landgerichtsrat Hille dem der Auftrag geworden war, die Verhöre anzustcllen, verfuhr dabei mit großer Einsicht und Wohlwollen. Er ließ die Einzelnen in feine Wohnung kommen und' legte ihnen die von Helfen vorgcbrachien Anschuldigungen unverblümt vor, als $. B. ob in den Versammlungen über Fürstenmord ver handelt und derselbe gebilligt wurde, ob man die Absicht gehabt habe eine Republick zu grün­den und dergleichen. Natürlich lächelten di; Vorgeladenen zu solchen Fragen und konnten mit voller Zuversicht beteuern, daß in d u Ver­sammlungen von solchen Dingen auch nicht mit einem Wort die Rede gewesen sei. Kurz,dafür die Angeschuldigten feine Beweise vorgebracht werden konnten, unb di« Antworten sämtlich verneinend ausfielen, fe lieferte die Untersuch­ung fein Ergebnis. Das Kurfürstliche Ministe­rium verfügte daher im Frühjahr 1825 daß man es bei der Auflösung bei der Verbindung be­wenden lasse« wolle, baß aber bk Mitglieder ernstlich vor Erneuerung berfelbfln verwarnt werden sollen.

Was war unter solchen Umständen zu tunt Sollte man die Wenge dckver, welche üch dis-

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Politische Umschau.

Di« wirtschaftlich« Entwicklung u«s«ree Kolonie«.

Unsere Kolonien versorgen das Mutterland be­reits jetzt in ziemlich starkem Maße mit industriellen Rohstoffen und anderen Produkten, die für den hei­mischen Konsum notwendig sind. Bis zum Jahre

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anfangen sollen. Das ist auch erklärlich. Wen« ' nichts zuwege bringt,

so ist das noch peinlicher, als wenn man mit 10 nichts erreicht.

Dis Kautskhsche Nene Zeit meint in ihrem letzten Leitartikel, man suche nach einem Vor­wand zu gegen die Sozialdemokratie gerichteten Maßregeln, und schreibt:

Unter diesem Gesichtspunkt erklärt sz sich denn auch, daß die reaktionären Blätter, ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit, der Sozialdemo­kratie gar nicht genug Mandate für die nächsten , Wahlen prophezeien können; unter 120 tun sie es schon gar nicht. Sehr mit Recht erinnert unser Dortmunder Parteiblatt daran, baß man diese Danaer doppelt fürchten müsse, wenn sie Geschenke bringen. Es ist vielleicht noch daS Wenigste, daß sie die proletarischen Wähler mit der vorzeitigen Eskomptierung des künftigen sozialdemokratischen Wahlerfolges in trügerische Sicherheit wiegen wollen; viel gefährlicher wäre es, wenn es ihnen gelänge, in der Partei Jllu- sicnün darüber zu erwecken, wi« sich bet der Er­oberung möglichst zahlreicher Mandat« Mittel und Zweck zueinander verhalten.

Es trifft durchaus zu, wenn die Arbeiter­zeitung in Dortmund schreibt:Die Spekulation auf 120 Mandate steht und fällt mit der Hoff­nung auf die Mitläufer. Kein Zurechnungs­fähiger wird behaupten, daß die Zahl der über­zeugten Sozialdemokraten sich seit 1907 verdrei­facht habe. Und hieraus erwächst nun die schwere Gefahr, daß wir aus Sehnsucht nach den 120 Mandaten uns verleiten lassen könnten, Taktik und Agitation auf die Gewinnung der Mitläufer einznstellen.' Vor dieser Gefahr kann allerdings nicht dringend genug gewarnt werden. Je größer die Zahl der Mitläufer bei den näch­sten Wahlen fein wird, um so mehr wächst die Aussicht der Reaktion, den sozialdemokratischen Wahlcrfolg alsbald durch irgendwelche reak­tionäre Streiche wieder zu beseitigen; hiermts erklärt sich die Bereitwilligkeit der reakttonären Propheten, den roten Teufel, den sie an die Wand malen, mit parlamentarischen Mandaten

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen: »Mach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftlich« Beilage

Di« Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus bem engeren Berbreitungsgebier des Blattes für die 7gewalte«e Kerle oder bereu Raum 15 A, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 A. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. C §>itzerorh. Ä^rüurq, Markt 21. Televbon 55.

Studentm-El lnernngen

von einem alten Burschenschafter, wahrscheinlich Fr. Münscher, mitgeteilt von S. M ü l l e r.

(Schluß.)

Wenn auch die Burschenschaft im November 1819 öffentlich aufgelöst worden war so lebte sie doch in den nächsten Jahren im geheimen wieder auf, wahrscheinlich schon 1820. Denn 1821 hat dieselbe bereits beftanben; doch ist in den beiden folgenden Jahren nichts Bemerkens­wertes zu berichten.

Im Sommer 1824 wurde der Vorstand der Burschenschaft durch ein Schreiben überrascht, in welchem eine Anzahl von Mitgliedern ihre« Austritt erklärten. Sie gaben als Grund die­ses Schrittes an, daß sie durch längeres Ver­bleiben in einer von der Staatsregierung so hart verpönten Verbindung ihre Hoffnungen auf künftige Anstellung nicht gefährden oder gar vernichten wollten. Daß dies gedoch nicht der einzige Beweggrund zu ihrem Austritt war, zeigte sich bald denn sie gründeten sofort ein Korps Teutonia genannt. Die Väter die­ser neuen Verbindung mären Karl Friedrich Schantz*) aus Niederaula und Wilhelm Lotz aus Marburg.

Verhängnis-voll begann bas Jahr 1895. Zu tat Weihnachtsferien war nämlich ein Student flamens H r r s e?r aus Vache, der sich bisher Oe der Wtrschenschast gehalten batte, ohne Mit« tzlicd der ÄerbiKtamg zu fein, ein träumerischer vor; phantassHIcn Vorstellungen -Herrschtet

*) Earl Friedrich Schantz, gib. 3. Januar 1803, starb am 27. März 1885 als Obergerichts- WnhtoTt in Marburg. . . , ...

28.

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