............1 .......................................... .......................... -...................111..................................... ....................
l
I
r
t
«
45. Jahrg.
IM 101 jährlich durch
*'■=- *«■» unseren Aettui
1
(Nachdruck verboten.)
64
WaS ist
Tür gehen wol
fie auf. Verzeihe
18. Aug. Der „Reichs- dis Ernennung des
den auch deutsche Flugmaschinen bauen, die sich mit den französischen messen können. Die Flieger, die sie regieren, müssen allerdings Wohl Flieger von Natur sein, aber wenn das deutsch» Volk staatsmännische, künstlerische und wissenschaftliche Genies in Fülle hervorgebracht hat, warum sollte ihm kein Fluggenie bescheert sein besonders da Wir schon einen Zeppelin haben?
Kna- voll Ein Wenn ein-r
im Leben, und dennoch jauchzte seine Seele wie einst in den Tagen der Jugend zur Kantatezeit: „Singet dem fierrn ein neues Lied.'
Das Haus Alexander Bermann u. Co. stand wieder festgefügt, und daß es in Zukunft so bleiben würde-, das fühlte er mit Zuversicht.
gez. Wilhelm I R.
— Ernennung Berlin, anzeiget' veröffentlicht
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 67.
müht, oder meinen Sie, ich wüßte nicht, welche Gefahr mir durch Ihren Verrat droht. Ich fürchte diese Gefahr nicht, den« ich werde mich selbst de» Behörden stelle«; jetzt kann ich es tun, jetzt, wo ich alle Fäden in Hände« habe zu dem Retz, in das ich Sie verstricken werde. Reinen Schritt/ gebot er streng, als sie ihm auswttchrtck zu»
Staatssekretärs von Kiderlen-Wächter zum Bevollmächtigten zum Bundesrat.
— Abg. Jorns ch. Osterode, am Harz, 18. Aug. Heute morgen ist der ehemalige Reichstags- und Landtagsabgeorbnete Jorns (national- liberal) gestorben.
— Die Landtagsersatzwahl in Allenstei«. Allenstein, 18. Aug. (Amtlich). Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im zweiten Wahlbezirk des Regierungsbezirkes Allenstein wurden insgesamt 377 Stimmen abgegeben. Davon entfielen aus den Erzpriester Romahn Roeflel (Zentrum) 375, auf denPttvatdozenlen Dr. Gigalskt-Braunsberg zZentr.) 4 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.
— Bo« der Flotte. Saßnitz, 18. Aug. Die Hochseeflotte ist bei der Insel Rügen angekom- meo. Sonnabend und Sonntag werde« das erste Geschwader und die großen Kreuzer vor Saßnitz das zweite Geschwader vor Binz, das dr.tte vor Misdroy und die kleine Kreuzer in Swinemünde liegen.
Kantate.
. - Von Anny Wothe. (Fortsetzung.)
„Barmherzigkeit! Rolf!* schluchzte
.Ich hübe Dein Kind schlecht gehütet, mit!*
.Was ist?' ries Rolf erbleichend.
Politische Umschau.
In der Angelegenheit
des Freiherrn von Richthofen Mertschütz hat die „Deutsche Journalpost' die Meldung verbreitet, daß gegsn den dem Landrat a. D. Frei lerm Ernst von Richthofen-Merlschütz unterm 8. August 1910 zugcgangenen Bescheid des Vorsitzenden der Einkommensteuer-Ver^nlagungs- kommission des Landkreises Liegnitz von dem D> teftiv Gräger in Wilmersdorf Beschwerde bei der Oberstaatsanwalt Breslau eingelegt worden sei. Hnb zwar gründe sich diese Beschwerde vor allem darauf, „daß sich die Anzeig? gegen Freiherr« von Richthofen nicht auf das Jahr 1910, sondern auf die Jahre 1907, 1908 und 1909 beziehe.' Dem gegenüber wird die „Kons. Korr.' von Herrn von Richthofen-Mcrtschütz zu der Erklärung ermächtigt, daß er selbstverständlich der Veranlagung? kommissionzu Liegnitz auch das Material zur Beurteilung der vorangegangenen Jahre genau unterbreitet Hai. Es sind gerade die Ergebnisse der letzten drei Wirfichastsjqahre 1906/07, 1907/08 und 1908/09, in denen der Wirtschafts- inspektor Kasten unausgesetzt auf dem Rittergutr Mertschütz tätig war, von dem Vorsitzenden der Verairlagungskommisston in Gemeinschaft mit einem veteidetm Protokollführer einer detaillierten Prüsitng unterzogen worden.
Die parlamentarische Stellung der Polen in Oesterreich.
Kaiser Franz Josef soll b«i dem letzten Empfange polnischer Parlamentarier diesen kühl erklärt haben, daß der polnische Klub von jetzt ab aus seinen Berechnungen ausscheide. Diese Aeußerung des Monarchen, dessen 80. Geburtstag jetzt die Völker des DoppelreicheS mit seltener Emmüttgkeit feiern, habe, fo heißt es, großes Anffehen erregt und werde zu dringenden Vorstellungen des polnischen Klubs bei der Regierung Anlaß fleben. Wenn der österreichische Kaiser jene Aeußenmg tat, erwies er sich nur als fing rechnender Realpolittker. Denn seit es im polnischen Lager soweit gekommen ist, daß die Mehrheit eine oppositionelle Haltung für wünschenswert hält, kann die Wiener Zentralregierung ebenso wenig wie die Krone mit den Polen in der bis- heiigen Weise rechnen. Ms dem ersten Blick mag es scheinen, daß dadurch die Lage in Oestwrttch geradezu hofftmngslos, daß eine Mehrheit, 'm der sich die Deutschem befinden können, nicht mehr möglich sein wird. So liegen inbeffett die Dinge nicht. Die Regierung mag nur die bisherige Verhätschelung der Tschechen aufgeben, sie mag dafür sorgen, daß in Galizien die Deutschen und
genießen wieder, wie so oft, das Bild eines bett, der auf dem Schaukelpferd sitzt und Tatendurstes in die Kindertrompete bläst, unendlich lächerliches Schauspiel. Aber man ivill, kann man es auch als Anzeichen
Deutsches Reich.
— Frühstückstafel aus Anlaß be8 Geburtstages Kaiser Franz Josefs. Wilhelmshöhe, 18 Aug. Der Kaiser empfing heute Vormittag den Reichskanzler zum Vottrage und dm Botschafter Freiherrn von Marschall. Um 1 Uhr fand beim Kaiserpaar aus Anlaß des Geburtstages von Kaiser Franz Josef Frühstückstafel statt. Der Kaiser brachte einen Toast aus. — Nachdem der Kaiser dm Trinffpruch auf Kaiser Franz Josef benbet hatte, spielte bie Musik die östereichischc Hymne. Die Tafelmusik wurde von der Kapelle der Jnfanterie-Regimmts v. Wittich (3. kurhessisches). Nr. 83 ausgeführt
— Beileidstelegramm des Kaiser« an bie »Sitwe des Präsidenten Montt. Bremen, 18. Aug. Der Kaiser hat an die Witwe des Präsidenten Montt heute ein Telegramm in französischer Sprache gerichtet, dessen dmffche Uebersetzung lautet: „Tief bewegt durch die Nachricht von bim plötzlich« Tode Ihres Gemahls, des Präsidenten der Republik, beehre ich mich, Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme an Ihrem grausamen Verluste zum Ausdruck zu bringen.
Rolf Mehnert hatte einen Wagm genommen rnd war eiligst der Weststraße zugefahrm, in der Sorka Petöfi toohnte. Unterwegs hatte er an seiner Wohnung Halt gemacht, um sich mit einigen Papieren zu versehen, dann blickte er gelassen, mtt ruhigem Antlitz auf die vom Regen feuchtm Sttaßen, ln deren blanken Pfützen sich schon wieder der blaue Himmel spiegelte.
Noch regennaß lachte die alte Stadt mit ihrm Giebeldächern am Töpferplatz schon wieder im Sonnenglanz, als b« Wagen jetzt um die Ptorne- robe fuhr unb bald gemächlich an der katholischm Kirche in bie Weststraße einbog.
Hier ließ Rolf ben Wagen halten. Fest auf- tretenb, wie ein Sieger, ging er bie Straße ent» lang unb verschwand in einem eleganten Hause. Ohne Hast stieg er die mit Teppiche« belegten Treppen hinan.
„Ich wünsche Frau Sorka Petöfi zu spreche«,' sagte er dem bie Tür öffnenden Mädchen.
„Bedaure sehr, gnädige Frau empfängt heute nicht.'
Ohne Umstände schob er dar Mädchen beiseite, t as laut auffchrie.
„Halten Sie gefälligst ben Mund,' gebot er bestimmt. „Ich habe es ja gleich gesagt, daß das nicht gttt abläuft.'
„Ist das Kind hier»'
„Ich weiß nicht!' ftotterte da- Mädchen leichenblaß, ihn verängstigt ansehend.
Rolf hatte schon die Tür zu einem Zimmer etfgnctA es war l-r. Ee durchschritt hastig das
ne« Armen und küßte ihre zitternden Lippen und flüsterte ihr süße Liebesworte ins Ohr.
Und der atte Bernrann kam, und ihr Vater, und alle redeten auf Rickle ein, und sie verstand kein Wort von alledem, nur baß sie Hans Jürgen am Herzen lag, mit seligem Schmiern, das wußte sie.
Unterbeffen war Rolf Mehnert nach kurzer Verständigung mit Karleen davongestünnt, sein Kind zu suche«.
Karleen fuhr zu der alten Professorin, um ihr Bericht zu erstatte:» und ihr im Namen ihres Vaters zu danken. Rickle sollte sie begleiten.
Der alte Bermann aber sagte mit einem Blick auf Hans Jürgen und Rickle, die sich noch immer wortlos in die Augen sahen und es nicht fassen konnten, daß das Glück doch noch zu ihnen gekommen :
„Was meinen Sie, lieber Günther, heute müssen wir wohl die Geschäfte noch einmal allein besorgen. Kommen Sie Günther, helfen Sie mir. Sie sind ja am besten eingeweiht. Ich hoffe, daß meine letzte Kantate-Arbeit meinem Hause und meinen Kindern Segen bringt.'
„Ich gehe mit Dir, Vater*, sagt« Hans Jürgen, Rickle zum Abschied küssend. „Ich will nur noch Mama telephoniere«, daß wir ihr heute einen Sohn und eine Tochter zuführen. Erlaubst Du?'
Der alte Kommerzienrat stimmte zu. I« seine« Augen lag ein feuchter Glanz. Er dachte an ein stilles Grab, wett da draußen auf dem Friedhof, über welches der Frühling feine Blüten streute. Und er dachte an einen Mmm, der ziellos in weite Ferne zog, oh« Heimat ttnb ohne Vaterland, ruhelos, weil mau ihm feine Liebe nahm. Und daß es so gekommen, war seine Schuld, und die Schuld drückte ihn schwer.
Alexanv« Bermann halte M gut zu machen
Krankhett nehmen, die langsam alle Kraft und Besonnenheit dieses Volkes aufzuzehren droht. Immer, wenn cs irgendwo einen Höhepunkt erreicht zu haben glaub!, melben sich die Anfälle mit neuer Stärke. Gallisches Wechselfieber.
Run ist sreilich — ein Seitenstück zu den Rauschphantasien des „Matin* — auch von einem deutschen Blatte verlangt worden, man müsse die französischen Flieger, wenn sie sich unsere Festungen von oben herab ansehen wollten, mtt einem wohlgcziGen Schüsse herunterholen, wie das in Rußland Wohl mit dem deutschen Freiballon geschehen ist. Das ist auch ein starker Tabak. Im vorigen Jahre, als der Militär- Zeppelin in Metz, seiner Stmwn,Fingeitoffen war und seine Uebungsfahrten machte, verabredete er eine Zusammenkunft mit dem franzöfifchen Lenkballon, der damals die ostfranzöstsche Ausstellung in Nancy mit seiner Anwesenheit heben sollte. Der Franzose erschien nicht; man kam» sagen, weil er sich nicht gut neben dem „^'-Luftschiff sehen lassen konnte. Vor kaum mehr att einem Jahrzehnt stand Frankreich «rfbeftAttee an der Spitze des Automobilbaues nnb Sportes — deutsche Tatkraft und deutscher Erfindungsgttst hat den Vorsprung längst eingeholt. Diese wer-
Gemach, in dem eine wüste Unordnung herrschte Geöffnete Reisekoffer, Kleider, Wäsche, alles lax bunt durcheinander.
Mit einem Ruck öffnete er die nächste Tür. Da saß Sorka Petöfi, sein Kind auf dem Schoße, aus einem niederen Stuhl und hatte ihren Kopf zärt Ich an des Kindes Wange geschmiegt. Sie sas ihn nicht, aber bie Kleine hatte ihn, trotzdem e» keinen Bart trug, sofort erkannt und slüstette, di« großen schwarzen Augen zu ihm ausschlagend:
„Ganz still, Papa, Mama toeint.*
Da sprang Sorka Pttöfi entsetzt auf und ließ das Kind aus ihren Armen gleiten. Kein Wort brachte sie über die Lippen. In ihren Augen lag eine irre, unsagbare Angst.
„Sie fürchten wohl, ich könne wieder schießen?« lächelte er verächttich. „Nein, Madame, ich bi« nur gekommen, um mit Ihnen abzurechnen.*
„Rolf,* bat sie ihn flehend mit furchtverzertte« Zügen, „schone mich doch.'
„Hierher, Jela,' gebot er dem Kinde. „Rühren Sie Jela nicht an?* herrschte er Sorka an. „Sie haben keinen Tttl mehr an meinem Kinde.*
„Das wird sich zeigen,' flammte es stolz von SottaS Lippen, die sich langsam wieder faßte, .Ich werde dafür Sorge tragen, daß Du bahn, kommst, wohin Du gehörst.'
Sie wollte auf den Knopf der elektrische» Klingel drücke«, aber Rolf vertrat ihr ben Weg
„Damm haben Sie sich ja fchon ausgiebig be-
Ruthene« nicht mehr an die Wand gebtfidt werden — dann wird der Reichsrat eine wesentlich andere Zusammensetzung erhalten, und die Polen mögen dann mhig in bie Oposttton gehen. ES heißt denn auch, daß die polnischen Reichratsabgeordneten zur Einsicht gekommen sind; sie wollen auch wetterhin bei der jetzigen Mehrheit bftiben. Tmer genug vettausen sie ja ihre Unterstützung der Regiemng. Wo bliebe das galizische Polentum, wenn eS nicht mehr von Wien aus alimentiert würde? Deshalb glauben wir noch nicht an die polnische Opposition und sparen uns ein abschließendes Urteil für die Zeit ans, in der ans bm jetzigen Drohungen der galizisch-polnischen Demokratie Taten geworden sind.
— Bon der Zeppelinvotexpebition. Tromsoe, 18. Aug. Die aus dem Dampfer „Mainz* hier .•.«getroffene Zeppelinexpedition nahm außer den wissenschaftlichen Untersuchungen übet bie Tech ttif bet Luftschiffahrt umfassende ozeanographisch Untersuchungen bot und stellte durch zahlreich gelungen das Vorhandensein einer größere». Bank, südlich vom König Karls-Land, sest. Zn der näheren Bestimmung des Golfstroms wurden ferner viele Messungen der Waffettemperatur vorgenommen. Man konstatiette die SpalMng des Golfstroms durch einen zwischen beiden Zweigen liegenden kälteren Strom, der vom Eismeer nach Süden fließt. Die Dampfer „Mainz* und „Carmen* gehen heMe von Tromsoe aus in See. Die „Carmen* mit dem Prinzen Heinttch an Bord wird das nahe gelegene Salangwerk onlaufen, das der Prinz zu besichtigen wünscht.
— Die Betriebseinnahmen bet preußisch hessischen Staatseisenbahn. Berlin, 18. Aug. Di« . Norddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt: Die Betriebseinnahmen der preußisch - hessische« Staatseisenbahnen betrugen im Juli 1910 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres: im Personeiwerkehr 5,2 Millionen Matt (8,40 Proz.), Güterverkehr 4,1 Millionen (3,87 Proz.), insgesamt einschließlich der Mehreinnahmen ans sonstigen Quellen 9,8 Millionen (5,55 Proz.) mehr. Der Juli 1910 hatte einen Sonntag mehr unb einen Wetttag weniger als der gleiche Monat des Vorjahres.
— Zur Bekämpfung der Schwindsucht im Königreich Preußen ist vom Minstettnm des Surin: ein neue Verfügung erlassen worden. DaS Ministettum erachtet es für bringend notwendig, daß bie B kämpfung der Schwindsucht nicht nm stellenweise, sondern überall im Lande energisch ausgenommen und von den Land täten planmäßig geleitet wird. Um hierzu eine feste Grundlage zu gewinnen, ist es erforderlich, die zur Zeit noch vereinzelt bestehenden Fürsorgestellen betartig zu vi »mehren, daß eine jede Land- und Stadtgemeinde dem Arbeitsgebiet einer Fürsotgestelle zu teilt wird, die ohne größere Schwierigkeiten erreicht werden kann. Das Ministettum will die EinttchMng und Organisation dem Ermessen jedes Landrates ganz überlassen, erwattet aber, daß die Angelegenheit gefördert und in jedem Be- zirk die Organisation bis Ende des Jahres vollendet wird. Die nächstliegende Ausgabe bei Fürsorgestellen wird darin bestehen, daß den Leuten, welche die Fürsorgestellen auffuchen, nicht nut Auskunft und Rat zu erteilen ist, sondern daß ihnen auch nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel geholfen wird. Die Löf-.ng dieser Ausgabe wird erhebliche finanzielle Mittel er. fordern, doch sollen diese, wie man hofft, zum größten Teil aus WohltätigkeitsveranstalMngev aufgebracht werden.
— Bayerisch Blau, ade! Aus München wird geschrieben: Die n ue feldgraue Uniform wird demnächst auch in Bayern eingeführt, so daß das heißgeliebte bayerische Blau für den Felddienst wenigstens verschwinden wird. Auch die Aende- rung des Sattels und Zaumzeuges nach — di«
mit Jela?*
„Fort!* stieß Rickle hervor. „Ich war in der Stabt, um Besorgungen zu machen. In der Zeit spielte Jela unter Mattes Aussicht im Gar Im. Einen Augenblick muß sie bas Kind wohl nnbeai-lsichtigt gelassen haben, berat, als sie sich wieder nach Jela umsah, wat das Kind verschwunden. Matte sah nur noch, baß eine Dame §ttla, die ganz luftig lachte, in ein Automobil hob ttnb in rasendem Tempo von bannen fuhr. Ach, hätte ich das Kiird doch nicht allein gelassen.*
„Beruhige Dich doch, Rickle', michnte Rolf. „Wit werden Jela schon toiebdrftnben. Ich Weiß, wo ich das Kind zu suchen habe.'
„Sie wird längst abgereist fein', schluchzte Rickle.
„9tein. Ich bin über alles genau informiert. Sorka Petöfi hat erst für do« 11 Uhr-Zug abends Schlafwagenplätze bestellt. Roch also ist et Zeit. Ich will sofort zu ihr.'
Rickle atmete wie erlöst auf. Dann strttste ihr Blick unsicher bie Anwesende«. Tödlich er- schrocken blieb ihr Auge an HanS Jürgens leuchtenden Blicke« hängen.
.Rickle', bat er leise, „Äkfle'.
Vor Angst bebend hob sie abwehrend gegen ihn die Hände.
„*ter, Vater, schütze mich dach', rief st« »ketüM». -ich kann Mcht mehr!'
.. Da «ibn hteft st, Han» Jürgen schon in sei-
ta, als sie ihm auswttchend zur
•ute, „oder ich rufe die Polizei und lasse Sie wegen Bigamie verhaften.' -
Deutsch-französische Rivalität.
Die Franzosen sind ein eigenartiges Volk. Ihre männlichen Tugenden kann niemand in Abrede stellen. Sie sind energisch; die führende Rolle, die sie bisher im Flugsport innehatte«, beiveist es neben vielem anderen. Sie sind tapfer; das darf ihnen von uns bei jeder Sedanfeier aufs neue bezeugt werden. Sie sind klug, und hier werden Wit von ihnen sogar in vieler Beziehung Übertroffen; siehe die Marokkopolitik. Auch von ihrem Rationalstolz können Wit lernen. Hier scheint aber auch der Punkt zu sein, wo sie sterblich sind ,wo alle guten Eigenschaften mit einem Schlage zu Karikaturen ihrer selbst werden können. Der Revanchedrang beherrscht sie eben mit der Kraft einer fixen Idee.
Wie mag nur der Entschluß zu der ostfranzö- stschen Rundfahrt gekommen fein? — Nach den traurigen Erfahrungen auf dem Gebiete der Luft schiffahrt Wersen sich die Franzosen mtt Kraft und achtungswertem Fleiß auf die Flugtechnik. Sie bauen Apparate, die an Leichtigkett, Grazie und Stabilität alle anderen Systeme hinter sich lassen. Ihre Flieger holen sich Lorbeeren auf allen Flugplätzen der Welt. Plötzlich erfaßt diese grundgescheiten Leute ein Koller. Der Geisi Monsieur Boulangers geht wieder um. Der gallische Hahn (Henri Rochefort) wirst sich tu die Brust und läßt ein mächtiges Krähen heraus. Und wir
Die „Oberhessische Zeitung* erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. — Der Bezugspreis beträgt viertel- j die Post bezogen 2,25 «K (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 JL (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonnabend, 20. August 1910.
Die Znsettionsgebüht beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gehaltene Zene ober deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4- — Druck und Verlag: Zoh. Aug. «och, Unioersitäts-Buchdruckerei, Fnhaber Dr. C. Siherotb. ?'b:rl>urg. Markt 21. — Teleohon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage