Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhair?

»nd den Beilagen: .Jach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage.

M193

DieOberhessische Zeitung- 'erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und oer Expedition (Markt 21), 2LV <M.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Freitag, 19. August 1910.

Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7getnalten« Zeile oder deren Raum 15 4. für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llniversttäts-Buchbruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telepbon 55.

45. Jahrg.

Vor den Posener Kaisertageu.

Nur noch wenige Tage sind es hin, dann wird das Kaiserpaar, wird unser jetziger Kanzler in die Pasener Kaiserpfalz einziehen, die ein Wahrzeichen sein soll für die deutsche Wacht im Osten. Wird sie es unbedingt bleiben? Ganz unbedingt bleiben? Das ist die bange Frage, die weite vaterländische Kreise beunruhigt. Ist trotz aller offiziellen Versiche­rungen die Lage so, datz wir der Welt, dieda drau­ßen wo" ist, entschiedenden Einfluß auf unsere inne­ren Verhältnisse einräumen müssen? Daß wir unse­rem treuen Verbündeten Oesterreich-Ungarn zuliebe Unsere Polenpolitik andersorientieren" sollen? Mit schweren Kämpfen haben wir das Enteignungsgesetz errungen. Das Schwert funkelt nicht, es steckt in der Scheide. Es ist ein nationales Flugzeug, das im Schuppen steht, eine Kriegsmontur, die zu Friedens­zeitenauf Kammer" liegt. Es ist nochwie neu. Roch fürchten wir nicht, aber wir zweifeln.

Kaiser Wilhelms Thorner Polenrede von damals ist noch bekannt, und nicht minder sind es die An­sprachen, die Fürst Bismarck im September 1894 an die ihm huldigenden Posener und Westpreußen hielt. Damals hieß es:In der Ansprache des Herrn Vor­redners war auch von Schwankungen die Rede. Ja, diese Schwankungen bezeichnen unsere ganze Polen­politik seit 1815 bis heute, sie treten ein, je nach­dem polnische hochstehende Familien am Hofe Ein­fluß gewannen. Sie kennen alle die Familie Radzi- will und ihren Einfluß am Hofe Friedrich Wil­helms IV. Und dann sagte der Fürst mit Bezug auf die kaiserlichen Reden in Königsberg, Marien­burg und Thorn:

Also, wenn wir nicht in der Uneinigkeit des Deutschen Ordens vom 15. Jahrhundert, sondern in der Geschlossenheit, die die deutsche Nation mit ihren Fürsten und ihrem Kaiser bildet, dem Polonismus gegenübertreten, so kann eine ernste Gefahr für uns nicht mehr vorliegen. Sie ist überwunden, sobald dieser Einklang der amtlichen und der nationalen Ueberzeugung den Polen gegenüber festgestellt ist. Dann wird die ganze Polengefahr auf ihr natür­liches Verhältnis zurückgeführt, einer bedauerlichen, aber doch gegenüber dem gesamten deutschen Reichs- körper schwachen Opposiition, und einet Opposition, welche nicht die Aussicht hat, in welcher Seine Maje­stät in Königsberg ihr Berechtigung zusprach, näm­lich, - sie vielleicht durch den Kaiser genehmigt und rehabilitiert werden könnte. So verstehe ich die- nv»b>>ger Aeußerung des Kaisers, in der er sagt: Eine Opposition ist nur ^berechtigt, in der der Kaiser an der Spitze steht.

Ja, dieserEinklang der amtlichen und der na­tionalen Ueberzeugung" ist die conditio sine qua non einer erfolgreichen Polenpolitik. Daß er in den kommenden Tagen geschmälert werden könnte, ist die geheime Sorge weiter deutschnatioaler Kreise. Im übrigen sind die Verhältnisse für uns ungünstiger ge­worden. Der Bismarcksche Optimismus ist heute nicht mehr voll berechtigt. Bismarck sah die Gefahr nur

kl (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Ich kann nicht, ich kann nicht,* stöhnte plötz­lich der Kommerzienrat auf.Sie haben Recht, cs gibt viele Verbrechen im Leben, die nicht be­straft werden, und ich selbst habe Sünde auf Sünde gehäuft und maße mir doch an, andere zu richten. Gehen Sie, wohin Sie wollen. Friederike Mchnerts einziger Sohn soll nicht durch meine- Schuld elend sein. Mein Kind aber, meine Karleen, kann ich Ihnen nicht geben, auch dann nicht, wenn Sie frei sind, denn steift den heute an, wie wir alle, eine Bettlerin.'

Karleen stieß einen leichten Schrei aus und flüchtete in Rolfs ausgebroitete Arme. Dieser streichelte zärtlich ihr blondes Haar und flüsterte ihr Trostesworte zu. Und er küßte fie auf den roten Mund, und als er sah, daß dem alte» Bilchhalter die dicken Tränen in den Auge« stan­den, da nickte er ihm beruhigend zu, indem er einen großen Brief aus seiner Tasche zog. Feier­lich sagte er:

Meine Mutter, Herr Kommerzienrat, möchte in dieser Stunde zu Ihnen reden."

Verwirrt nahm der Kommerzienrat das Weiße Kuvert. Zitternd erbrach er das Siegel. Friederike Mchnert, die sprach zu ihm an dem schwersten, dem schrecklichsten Tage seines Lebens? Was mochte fie wollen? Für ihren Sobn bitten?

Mühsam schleppte sich Alexander Bermann zum Fenster. Die vielen Augen dort brauchten

int polnischen Adel und in der Geistlichkeit, während der polnische Arbeiter und Kleinbürger Gott dankte, daß er nichts mehr mit der Schreckensherrschaft der polnischen Schlachta zu tun habe, daß es ihm unter der preußischen Ordnung besser gehe. Bismarck konnte noch Oberschlesien als Beweis für seine Theorie an- führen, weil dort bet polnische Adel fehle. Heute geht das nicht mehr. Eine polnische Radikaldemo- kratie ist längst dort herangewachsen, und der pol­nische Kleinbürger ist eine nationalbewußte Macht geworden. Um so dringender wird die Forderung, denEinklang der amtlichen und der nationalen Ueberzeugung" zu wahren. Daß Herr von Beth- mann Hollweg dies tun werde, darf die Ration von ihm fordern.

Auf den Schlachtfeldern um Metz nach 40 Jahren.

ii.

Am Denkmal der 42er und in der Schlucht von Gravelotte.

Metz, 15. August.

Der zweite Tag des umfangreichen Programms der Gedenkfeiern konzentrierte sich aus St. Hubert, woselbst am Denkmal der 42er eine Feier statt- faud, der sich in der Schlucht von Gravelotte daS alljährlich daselbst stattfindende patriotische Kon­zert als

Metzer Gedenkfeier anschloß. Diese beiden Veranstaltungen, die sich nicht an das geschichtliche Datum der Schlacht von Gravelotte (18. August) klammerten, trug denn auch äußerlich merkbar einen spezifisch Metzer Charakter, wenn auch wohl alle die in Metz an­wesenden Veteranen daran teilnahmen und so be­reits dieser Tage auf dem westlichen Schlachtfelde einen imposanten Verlauf nahm. Der Metzer Bürgermeister hielt die Festrede, der Metzer Männerg-sangverein trug einige stimmungsvolle Lieder vor und die Kapelle des Metzer Infanterie- Regiments Nr. 98 konzertierte.

Im Lause des Vormittags hatte dieVer­einigung zur Schmückung und fortdauernden Er­haltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz' sich der ehrenvollen Aufgabe der Grab­schmückung unterzogen und auch die Gräber der Schlachtfelder der Westseite von Metz mit Kränzen geschmückt. Um y24 Uhr begann am Denkmal der 42er, das unmittelbar auf der Höhe der Mauceschlucht seinen Platz hat, die Gedenk­feier. Die Festrede hielt Herr Bürgermeister Dr. Böhmer. Mit dem allgemeinen GesangGroßer Kott, wir loben dich', schloß diese erhebende Feier.

Nun ging es hinunter zur Schlucht, voran die Kapelle des Metzer Jenfanterie-Regiments Nr. 88, dann die Fahnen mit den Veteranen. General­feldmarschall von Haeseler, der fortgesetzt der Mittelpunkt begeisterter Ovationen war, nahm nun den Vorbeimarsch der Veteranen ab.

In der Schlucht begann nun das patriotische Konzert, das mit dem Zapfenstreich und Gebet schloß. Der Himmel, der verschiedene Male ein

nicht zu sehen, wie er zitterte, als et nachstehende Worte las:

Alexander!

Es ist lange her, daß wir zueinander ge­sprochen haben. Fast vierzig Jahre? An Kantate war es, und der Flieder blühte, und ich mußte Dir Weh tun, so bitter weh, weil ich den anderen liebte. Viel Bitteres ist inzwischen durch mein Leben gegangen, und auch durch das Deine. Du hast ein holdes geliebtes Kind her geben müssen und ich habe daran zu tragen, meinen einzigen Sohn wie einen Verbrecher verfolgt zu scheu, weil er leichtsinnig ein-m Weibe vertraute, das seiner nicht wert war. Rolf wird seine Tat sühnen. Da alle Beweise vorhanden sind, daß seine Tat in der Aufreg­ung, seine beleidigte Ehre retten zu wollen, be­gangen ist, wird seine Strafe nur gering aus­fallen. Er wird sich den Gerichte« selbst stellen. Dich aber, Alexander, bitte ich. wenn Rolf wle- derkehrt, ihn in Deinem Geschäft als Teilhaber aufzunehmen. Du hast Gelegenheit gehabt, seine Arbeitskraft und seine Kenntnisse kennen zu lernen, und er und ich wissen durch unseren alten getreuen Güncher, wie willkommen gerade fetzt feine Geschäftseinlage Eurem Hause sein würde. Ich bin b-r-it, zwei Millionen für Rolf einzu­zahlen. Vielleicht bist Du im Zweifel. Alexander ob Du mein Angebot annehmen darfst. Du kannst es. Ich könnte Dir ja sagen, ich zahle da­mit eine große Schuld an Dich ab, es ist aber nicht so. Ich bin egoistisch genug, etwas von Dir zu erbitten. Dein Kind liebt meinen Sohn. Sie hat es mir selbst hier in diesem alten Hause zu meinen Füßen sitzend, gestanden. Karleen will Rolf eine treue Gattin, seinem armen keinen Kinde eine sorgende Mutter fein. Ist es nicht

weinerliches Glicht zeigte, war so einsichtig, die Feier nicht zu stören. Bon 6 Uhr ab strömte die riesige Menschenmenge Metz wieder zu.

Der heutige Tag setzte frühzeitig ein. Schon rite Morgenzüge nach Noveant und Aman- wctler um 6 Uhr waren von Veteranen dicht besetzt. Am Denkmal angelangt, erschien kurze Zeit später gegen 9 Uhr Generalfeld­marschall Graf v. Haeseler in Ulanenuniform DcrVorsitzende des Iler Vereins, Herr Etsen- bohnobersekretär Baum-Berftn, meldete den Verein und dantte zugleich für die hohe Ehre, die Graf v. Haeseler den Elfern durch seinen Besuch zuteil werden lasse. Gras v. Haeseler begrüßte die Veteranen und zog einzelne von ihnen ins Gespräch. Als Gras Haeseler sich ver­abschiedete, brach die Menge in ein begeistert aufgeommnenes Hoch auf den unermüdlichen und allseits beliebten General aus. Gegen 5 Uhr ritt Graf Haeseler über gravelotte nach Hause. Ein strapiziöser Tag lag hinter ihm. Von 7 Uhr früh hatte man ihn im Sattel gesehen, nach soft 12 Stunden zumeist zu Pferd oder Vor­trag haltend kehrte er in sein Heim zurück. Wo hat Gras Haeseler gegessen? wo getrunken? wo getastet? Niemand hat hiervon etwas wahrgenommen.

Während nicht nur die Veteranen, sondern auch biae jüngeren Besucher des Schlachtfeldes müde und matt der Stadt zustrebten, sprengte Graf Haeseler gefolgt von zahlreichen Offizieren, euer über die Felder.

Metz, 17. Aug. Heute Vormittag begann um 8Uhr am Kaiser Wilhelms-Denkmal auf der st splanade in Anwesenheit sämtlicher Militär- und Zivilbehörden, einer sehr große« Zahl von Stfteranen und Abordnungen von patriotischen Vereinen von Metz und Umgebung, sowie einer gewaltigen Menschenmenge ein Feldgottesdienst der vom protestantischen Mifltär-Oberpfarrer Krnststorialrat Neudörffer und dem katholischen Militär-Obrpsarrer Neumann abgehalten. Rach Schluß deS Gottesdienstes marschierten die Fahnendeputattonen und Veteranen mit Musik an der Spitze an dem Grafen Haeseler vorbei. Für den morgigen Schlußtag der Feierlichkeiten ist ein Besuch der Schlachtfelder von Gravelotte Amanweiler, und St. Privat, aus denen Gedenk- seierlichkeiten stattfinden sollen, vorgesehen.

Politische Umschau.

Hansabuud und Bund der Landwirte.

Der Vorstand des Bundes der Landwirte erläßt folgende Erklärung und Aufforderung:

Der Hanfabund veröffentlichte kürzlich in längeren Ausführungen, daß er mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die angeblich vom Bunde der Land­wirte oder von einzelnen Mitgliedern desselben be­gangenen oder versuchten Boykotte vorzugehen ge­willt fei, und daß er feine Freunde und Mitglieder bitte, ihm Material zur Verfügung zu stellen, auf Grund dessen er dann die in Aussicht gestellten Maß­nahmen einzuleiten und durchzuführen gedenke.

Dieses Vorgehen des Hansabundes enthält eine bis dahin im politischen Leben völlig ungewöhnliche

ein großes Glück, Alexander, daß sich unsere Kinder in Liebe gefunden haben? Wollen wir den alten Groll nicht fahren lassen, wo uns nach vierzig Jahren die Sonne so golden lachen möchte? Singt und klingt es nicht auch laut in Deinem Hetzen?Kantate' für mich, Alexander, ein gesegneter Tag, für Dich einst ein Tag der Scknnerzen, der soll auch für Dich nun ein geseg­neter sein. Und dann, Alexander: ich habe ein liebes kleines Patenkind. Du kennst es wohl auch: Rickle Günther. Dein Sohn Hans Jürgen hat es lieb. Er mußte Rickle lassen und ihr bitter weh tun, indem er die reiche Braut nahm, um Dich zu retten. Ich möchte Dich frei machen, Alexander, von der Schuld, Haus Jürgens Glück wenn auch durch die Verhältnisse bedingt ver­nichtet zu haben.

Du siehst, ich habe viele Wünsche, mein lieber alter Freund. Wirst Du sie erfüllen? Nicht wahr, ich bin eine egoisttsche, viel begehrende alte Fran geworden? Ich bitte ja aber für das Glück unserer Kinder. Und nun, Gott befohlen, Alexander! Lang war der Weg? Wer weiß, welch' kurze Spanne Zeit uns nur noch zuge­messen ist. Laß sie uns nutzen zum Helle unse­rer Kinder, die wir lieben.

Deine alte Freundin Friederike Mehneri.

Dem Kommerzienrat rollten die dicken Tränen über di« Wangen. Wortlos stteckte er Rllls feine zitternden Hände entgegen.

Friederikens Sohn', sagte er weich,und Karleen ein Paar.' Und dann reichte er Hans Jürgen den Bries hin und jubelt», Karleen stürmisch an sein Herz ziehend: Gerettet, durch Dich, Karleen, gerettet. Nein, bleiben Sie, Günther', rief er lartt, als der Wit diskret ver-

Drohung, die den Anschein erwecken soll, als ob durch den Bund bet Landwirte gesetzwidrige Handlungen begangen worden seien. Zn bet Erklärung bei Hansabunbes tritt die Absicht der einseitigen politt- schen Bekämpfung des Bunde« der Landwirte scharf hervor. Unter Entstellung von angeblichen Vor-, kommnissen wird dem Bund der Landwirte etwas an- gedichtet, wozu von den leitenden Organen des Bun­des niemals in irgendeiner Kundgebung aufgefordert worden ist. Die Gehässigkeit gegen den Bund der Landwirte ist um so sinnfälliger, als der Hanfabund es unterläßt, Legen den Boykott da aufzutreten, wo er in einer tatsächlichen gefahrvollen Weise in Wirk­lichkeit geübt wird: nämlich seitens bet Sozialdemo­kratie.

Wir bitten nun unsere Mitglieder, uns ihrerseit« mitzuteilen, wenn der Hansabund sie in irgendeiner Weise seinen Androhungen entsprechend zu belangen sucht. Wir werden unsere Mitglieder, in der sicheren Ueberzeugung, daß ungesetzliche Handlungen nicht be­gangen worden sind, selbstverstänblich vertreten.

Der engere Borstand bei Bundes der Landwirte.

Deutsches Reich.

Born Kaiser. Cronberg, 17. Aug. Der Kaiser ging heute früh mtt Herrn v. Plessen und seinen Schwestern im Park zu Friedrichshof spazieren, besuchte bann das Offiziersheim Taunus in Falkenstein und den Bantter Karl v Grunelis auf feiner hiesigen Villa. Zur Frühstückstafel sind geladen: die Professoren Dr. Spieß und Rehn aus Franksutt a. M., Frau Baronin v. Reischach, Bürgermeister Pitsch und die Osfizisre der Wache.

Homburg v. d. H., 17. Ang. Der Kaiser t>chr kurz vor 3 Uhr von Schloß Friedrichshof mit der Kronprinzessin von Griechenland und ba Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nebft Gefolge zur Saalburg und besichtigte dort unter der Führung von Landesbau-Jnfpettor Jacobi di< neuen Funde von den Kastells Saalburg, Zltgmantel und- von Herzberg. Er fuhr dann noch dem Bahnhof Homburg, wo er unter Führung von Oberbürgermeister Lübke die Modelle zu dem Kaiserin Auguste Viktoria- Brunnen und zu der LustschiffersSule, welch» beide für Homburg bestimmt sind, in Augenschein «ahm; dann besah sich der Kaiser noch die Superporte über der Eingangstür des Fürsten­pavillons. Um 4 Uhr 10 Min. reifte bet Kaiser im Sonderzug nach Wilhelmshöhe ab.

Kommandierung des Prinzen OSkar. Ber­lin, 17. Aug. Das Mllitärwochenblatt meldet: Prinz Oskar wurde ab 1. Oktober 1910 auf etn Jahr zur Dienstleistung beim Kürassier- Regiment Königin (pommersches) Rr. 2 kom­mandiert.

Born Reichskanzler. Berlin, 17. Aug. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg und Staats­sekretär v. Kiderlen-Wächter sind heute mittag nach Wilhemöhöhe abgereist.

Der Kriegsminifter in Metz. Metz, 17. Aug. Der preußische Kriegsminister von Hccringen hat an den gestrigen Gedeuffeierlich-

schwinden wollte.Ich weiß Wohl, was ich Ihnen dabei zu danken habe, das geht auch Sie an. Roch vor wenigen Minuten hatte ich mein Leben abgetan, denn ich war am Ende meines Könnens, jede Hoffnung begraben. Meine alte, glänzende Firma sah ich fallen, das Glück meiner Kinder vernichtet, mich selbst, wenn auch durch eigene Schuld an den Bettelstab gebracht. Und trotzdem wagte ich, einen anderen Menschen zu richten und zur Verantwortung zu ziehen, ob­wohl seine Sünde llein gegen dis meine war. Da kam lind aus Jugendtagen eine liebe welke Frauenhand und scheuchte in mitleidsvollem Er­barmen alle Sorgen aus meinem dunklen Leben und machte es wieder licht und hoffnungsreich durch ihre große, selbstlose Güte. Der Sohn einer solchen Mutter wird Karleen ein schirmen­der Gefährte sein, und mir ein treuer Sohn und Mitarbeiter. Sie Rolf Mehnett, sind von heute ab der an erster Stelle stehende Teilhaber unserer gemeinsamen Firma und unser alter, lieber Betreuer Günther soll in Anerkennung fei­ner Verdienste zum Prokuristen aufrücken. Ich selbst aber lege mein Amt als Chef der Firma, in die Hände meines Schwiegersohnes Rolf Mehnert und meines Sohnes Hans Jürgen, der sein Amt besser und treuer verwalten tottb, als sein Vater es gekonnt.'

Karleen hing wottlos an ihres Vater Hals, Er schob sie sanft zu Rolf herüber.

Der alte Günther aber wischte sich die Tränen mit den fadenscheinigen Schreibärmeln aus de» Augen und sagte, immer von einem Bein aufs andere hüpfend:Was wird bloß Rickle sagen?*

Und da stand sie schon in der Tür. MU ganz verstörtem Gesicht und in Tränen schwimmende» Augen. (Fortsetzung folgt.) j