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GßechM Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain unb den Beilagen: .Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd Landwirtschaftliche Beilage."

JVi 190

Die .Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), Lei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 «M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Dimstag, 16. August 1910.

Die Znsertionegebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gek"altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Televb->n 55.

45. Jahrg.

Auf den Schlachtfeldern um Metz nach 40 Jahren.

(Bon unserem Berichterstatter.)

Die Gedenkfeiern bei Colombey und Roifleoill«.

F. Metz, 14. Aug.

Mit dem heutigen Tage haben die Gedenkfeier^ der ruhmvollen Schlachten um Metz ihren Anfang genommen, die mit der Trilogie Eolombey-Noutlly (14. Aug.), Vionville-Mars-la-Tour (16. Aug.) und Eravelotte-St. Privat (18. Aug.) schließlich zur Ka-, pitulation der Festung Metz führten.

Ueber 12 000 Veteranen haben zu diesen Gedenk­feiern ihr Erscheinen zugesagt und würde nicht die Mehrzahl derselben in Kasernenquartieren unterge­bracht, so wäre Metz wohl in Verlegenheit, die vie­len Gaue unterzubringen, deren Zahl sich noch etwa durch 8000 Nichtkombattanten auf ca. 20 000 erhöhen dürfte. So steht denn Metz heute im Zeichen der Beteranen, die durch ihre Orden uAb Ehrenzeichen sogleich erkenntlich sind. In den Hauptstraßen der Stadt wehen Fahnen aller deutschen Bundesstaaten. Die militärischen Gebäude tragen gleichfalls Flag­genschmuck und eine festliche Stimmung beherrscht Metz. Der heutige Tag gilt Lolombey-Noiffeville, jenen Stätten, wo zuerst das Ringen um Metz seinen Anfang nahm.

In dem überaus heißen Kampfe standen franzö- stscherseits rund 50 000 Gewehre, 690 Säbel und 206 Geschütze im Feuer, deutscherseits 30 500 Gewehre, 130 Säbel und 150 Geschütze. Die Ueberzahl der Franzosen betrug somit 19 500 Gewehre und 66 Ge­schütze. Die Verlustliste läßt deutlirb '<:iinen, wie heiß das Ringen auf beiden Seiten gewesen ist. Von den Franzosen fielen: 205 Offiziere, 3409 Mann (3,1 vCt.), von den preußischen Truppen kielen 222 Offiziere, 4643 Mann (8 pCt.). Hiervon entfallen auf das 7. Korps 104 Offiziere, 1940 Mann, auf das 1. Korps 118 Offiziere und 2703 Mann.

An dem Kampfe waren auf deutscher Seite be­teiligt: die Znf.-Regtr. 1, 41, 3, 43, 4, 44, 5, 45, 13, 73, 15, 55, 39, 74, 53, 77, 36, 84, 11, 85; die Jäger-Bataillone 1, 7, 9; die Kür.-Regtr. 2, 3, 6, 8; die Drag.-Regtr. 1, 6, 10; die Hus.-Regtr. 8, 15; die Ulan.-Regtr. 4, 5, 7. 14, 15; die Feldart.-R gtr. 1, 7; die Pionier-Bataillon« 1, 7. und 9.

4000 Kränze.

bereits am gestrigen Tage spielte sich in der Metzer Turnhalle ein eigenartiges Vorspiel zu der bevorstehenden großen Totenehrung ab, indem die rührigeVereinigung zur Schmückung und fort- daueriiden Erhaltung der Kriegergräber und Denk­mäler um Metz" hier die Kranzverteklung in be- stimiate Routen vornahm. Gegen 6 Uhr erschien un­erwartet Generalfeldmarschall Graf Haeseler in der Turnhalle, um die Herren der Bereinigung bei ihrer mühevollen Arbeit zu besuchen und seine Anerken­nung hierfür auszusprechen.

Am Denkmal der 13«».

Heute vormittag um 9 Uhr setzten sich vom Mar-

61 sRachdruck oerbt'.m)

Kantate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

.Was waren das für graue, dunkle Wochen für das Bermannsche Haus, ob draußen auch die Welt in Blüten stand. In dumpfer Trauer ging:» die Tage dahin. Die Kommerzienrätin, die bisher niemals Not, Kummer und Sorge in ihrem Leben kennen gelernt, brach fast zu­sammen unter diesem ersten barten Schicksals­schlag. Anfangs hatte sie geglaubt, sterben zu müssen, daß Karleen solche Schande über sie ge­bracht, denn Peter Pankwitz hatte den wahren Grund hier und da vorsichtig einflteßen lassen, und es wahr beinahe öffentliches Geheimnis, daß der Bräutigam die schöne stolze Karleen bei einer heimlichen Zusammenstmst mit einem anderen Ziel Haber überrascht batte. Man be­dauerte Peter und bemühte sich, ihn zu trösten Karleon hatte man ohne weiteres abgetan. Be­sonders die tugendsame Weiblichkeit ließ kein Mitleid gelten und konnte sich nicht genug tun im erbarmungslosen Verdammen. Nun aber erkannte die Kommerzienrätin, daß es dochncch Schwereres gab als ein bißchen Klatsch und die sehr zweifelhafte Wertschätzung de«c Mitmenschen, die fast immer nur von äußeren Dingen be­stimmt wird. Seitdem sie ihr sanftes, geduldiges Kind hatte hergeben müssen, sah sie zum ersten Mai Karleens Vergeben mit mildere« Augen an. Etta war wie zerschmettert. Zum ersten Mal trat ihr der Tod so nahe und sie erschrak Hi ins innerste Herz hinein vor seiner heilig- großen, geheimnisvollen Macht.

Vater und Sohn gingen bedrückt und wort­

schall Ney-Denkmal auf der Esplanade mehrere Wa­gen, dicht beladen mit einem Teil dieser 4000 Kränze in Bewegung, um das Schlachtfeld de» 14. August zu schmücken. Mitglieder aller patriotischen Metzer Veretne hatten sich zu diesem Liebeswerk zur Verfüg­ung gestellt. Teils zu Fuß, teil» zu Wagen wurde im Laufe der nächsten Stunden von vielen Veteranen, Militär- und Zivilpersonen der Weg nach Eo- lombey angetreten. Kurz hinter Borny tauchen be­reit» die ersten mit frischen Kränzen geschmückten Einzelgräber auf. Dann kommt die berühmte Toten­allee in Sicht und in dieser, am Denkmal des west­fälischen Iägerbataillon» Nr. 7 hält Eeneralfeld- marschall Graf v. Haeseler zu Pferd in der Uniform seine» Ulanen-Regiment» Nr. 11. In seiner Beglei­tung befinden sich mehrere Offiziere, und Graf von Haeseler zieht verschiedene Veteranen ins Gespräch, die sich am nahegelegenen Denkmal de» Infanterie- Regiments Herwarth v. Bittenfeld (1. Wests.) Nr. 18 versammeln. Graf v. Haeseler war vom Pferd« gestiegen und hatte da» Innere der Denkmalsein­friedigung betreten. Ferner waren erschienen der kommandierend« General des 16. Korps, General der Inf. Exz. v. Prittwttz und Eraffron, der Gouver­neur von Metz, Generalleutnant Mudra, der Fest- ungskomandant Generalleutnant v. Puttkamer, Kreisdirektor v. Loeper, Regierungsrat Rebender, als Vertreter des Bezirkspräsidenten, sowie der Vor­stand der Vereinigung zur Schmückung und fort­dauernden Erhaltung der Kriegergräber, deren Vor­sitzender, Herr Obersekretär Eomprix, die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Zugleich verlas der Red­ner Huldigungstelegramme an den Kaiser.

Graf v. Haeseler ergriff nun das Wort und führte aus:Se. Majestät der Kaiser, der Anteil nimmt an den Feiern, die um Metz jetzt stattfinden werden in der Erinnerung an eine große Zeit, haben mich be­auftragt, den versammelten Kriegsveteranen und Krtegsgefährten den Kaiserlichen Gruß zu überbrin­gen. Ich entledige mich dieses Auftrages und habe den Wunsch und die Erwartung, daß unsere Feiern, die heute beginnen, ganz in dem Sinne ausfallen, wie Se. Majestät der Kaiser es wünscht."

Sodann bat er die Versammelten, sich auf die An­höhe beim Denkmal der 15er zu begeben, woselbst der Hauptmann vom Eeneralstab Schniewindt, kom­mandiert zum Gouvernement Metz, einen eingehen­den Vortrag über die Eefechtsbildung am 14. August hielt, den et später beim Denkmal der 55er unter besonderer Berücksichtigung des 1. Korps fortsetzte. Der formvollendete Vortrag rief stürmischen Beifall hervor und die Menge intonierte ganz spontanHeil dir im Siegerkranz". Nachdem noch ein Veteran ein begeistertes, patriotisches Gedicht zum Vortrag ge­bracht hatte und als nach einem stürmisch aufgenom­menen Hoch auf Graf Haeseler dasDeutschland, Deutschland über alles" über das Schlachtfeld gebraust war, hatte diese Feier ihr Ende erreicht.

Am Denkmal de« 1. Armeekorps.

Drunten im Tal, in der Wirtschaft Bauer in Lau- oallieres, sammelten sich die Teilnehmer und zogen

karg umher. Bis in die Nacht hinein arbeiteten sie im Geschäft, dennKantate", der große Buch- bändlertag für Leipzig, war nahe.

Milla Landbeim schmollte, daß sie nun um die glanzvolle Hochzeit kam, und daß sie wenig­stens für sechs Wochen schwarze Kleider tragen mußte. Und schwarz stand ihr so schlecht. Sie hatte sich schon so unbändig auf den Hochzeits­tag in der Thomaskircbe gefreut, wo Pastor Pank die Traurede hielt und die Thomaner sangen, und die ganze Kirche von Blumen und Kerzenglanz strahlte. Und wie alle ihre Freun­dinnen sie beneiden würden. Nun gab es eine ganz stille Hochzeit im engsten Familienkreise und Trauung im Hause. Papa hatte von Auf­schub, für den sie schon halb und halb ent­schlossen wat. nichts wissen wollen. Und daß sie nun um Peter als Schwager kam, war ja mehr als dumm. Wer hätte auch gedacht, daß erden Brief, mit dem sie ihn damals nur necken wollte, gleich so krumm nehmen würde? Sie batte garnicht gewußt, daß Peter ein solcher Tugendbold" war. Ob sie es wagte, doch in Peters Auto eine Fahri nach Grimma zu machen? Peter hatte sie so dringend aufgefor­dert und Hans Jürgen ließ sich Tage lang nicht bei ihr sehen. Das Leben war ja mehr als langweilig und schließlich eine kleine Abwechs­lung mußte doch der Mensch sich gönnen und Peter war so amüsant und er lachte so gern. Sie wollte eS sich mal überlegen, und indem sie noch überlegte, hatte st« sich schon für di« Auto­mobilfahrt mit Peter entschieden.

Rach der Hochzeit hörte daS Herumflirten überhaupt auf. Der Papa hatte es ihr erst gestern noch so eindringlich und ummtwunde« auseinandergesetzt.

Bankier Landheim hatte sich bereit ertUki,

von hier gegen 2 Uhr zum Denkmal de» 1. Armee­korps bei Roissevtlle. Zunächst führte der Weg am französischen Denkmal vorüber. Diese» war von der Bereinigung zur Schmückung der Kriegergräber" mit einem dauerhaften Metallkranz mit Widmung geschmückt worden, zur Seite de» Geländer» waren 4 Zypreffenkränze mit Schleifen angebracht worden. Dann ging e» zum Denkmal de« 1. Korps. Hier ver­anstaltet« um 8 Uhr der Ost- und Westpreußenverein Metz seine alljährlich wiederkehrende Gedenkfeier. Mit klingendem Spiel zog der mit der Bahn in Rouilly angekommen« Verein zum Denkmal, woselbst Graf v. Haeseler bereit» seit 2 Uhr anwesend war und sich fortgesetzt mit den alten Kriegern unterhielt. Mit dem ThoralDie Himmel rühmen de» Ewigen Ehre" nahm die Feier ihren Anfang, dem sich ein stimmungsvoller und gedanknereicher Prolog, verfaßt und gesprochen von Herrn Abramowski-Metz, an­schloß. Herr Prof. Lückstäde-Metz ergriff nun da» Wort, um turnten» be» Ost- und Weßpreußenvereins Metz die Landsleute au» ber fernen Heimat zu be­grüßen. Die Waisenkinber vom nahen Johannisstift trugen einige schlichte Lieber vor, bie aber um so er­greifender wirkten. Herr Ober-Postkaffenbuchhalter Friedrich Hopp-Frankfurt a. Oder sprach als Mit­kämpfer des 1. Armeekorps und dankte in bewegten und begeisterten Worten für die schöne Aufnahme, die nicht nur den lebenden Kameraden, sondern auch den hier ruhenden Landsleuten von Metz aus zuteil wird. Besonderen Dank sprach er St. Exz. Gras v. Haeseler für sein Erscheinen au». Dann folgte die Riederlegung einer Anzahl Kränze, unter diesen vom Straßburger Verein ber Ost- unb WestpreußenBo­russia", Herr Gudath namens des Ost- unb West- preußenvereins Metz, Hauptmann a. D. Hoffmann für das 1. Armeekotp» unb Bahnmeister Lemke vom Kriegerverein Kurzel-Urville.

Auch hier begrüßt« Graf Haeseler in kurzen Wor­ten die Beteranen und Übermittelte ihnen den kaiser­lichen Gruß. Nach dem Ambrostanischen Lobgesang Großer Gott, wir loben dich" hielt Hauptmann Steinkopf vom Jnf.-Regt. Nr. 67 einen Vortrag über die Schlacht bei Roisseville. Die Feier hatte hier­mit ihr Ende erreicht.

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Veteranentage und Fahnennagelung in Cassel.

C a s s e l, 13. Aug. Die Stadt hat Flaggenschmuck angelegt. <k» finbet eine Reihe von Festlichkeiten statt. Auf allerhöchsten Befehl würbe heute Nachmit­tag im Kgl. Theater als Sondervorstellung für bie alten Krieger, Paul HeysesTolberg" gegeben. Pat- kettränge unb Logen waren mit Veteranen dicht be­setzt. Alle schmückte die Kriegerdenkmünze, viele da» Eiserne Kreuz. Vielfach bemerkte man althessische und Schwälmer Bauerntracht. In der Hofloge er­schien. vom Indentanten Grafen Byland geleitet, der Kaiser, in der Uniform de» zweiten Leibhusaren- regiments, die Prinzessin Vtttoria Luise unb Prinz

für den Kantate-Sonnabend ein großes Kapttal flüssig zu machen und «8 auf Millas Mitgift zu verrechnen. Die Aussicht, daß Peter Pankwitz irgendwie die rettende Hand bieten konnte, hatte Karleens Leichtsinn zerstört. Es blieb also nur Landheim, wenn man nicht noch andere Banken für den Betrieb interessieren konnte. Han- Jürgen aber wagte sich nicht daran. Die Riefen- Verluste seines Vaters bei den letzten Spekula­tionen konnten in Leipzigs Finanzwelt nicht unbeachtet geblieben fein. Jeder Versuch, Geld aufzunchmen, konnte dem Hause Bermann n Co. mir Schaden bringen.

Hans Jürgen täuschte sich darin. Rach außn stand das Haus Bermann u. Co. noch festgefügt, der Geschäftswelt ahnte man nichts von ernstlichen Kalamitäten der Firma, und das Vertrauen in die Kreditfähigkeit de- Hauses Bermann u. Co. war unerschüttert. Aber Hans Jürgen hatte so etwas wie das Ge­fühl eines Verbrechens in der Stuft. Er wagte garnicht in dieser Richtung hin etwas zu unter­nehmen, aus Furcht, den Zusammenbruch rott noch zu beschleunigen.

Wenn Landheim sein Versprechen nicht hicktk Haus Jürgen schwindelte es, wenn et sich diese Möglichkeit vorstellte. An feine Heirat mit Milla dachte er kaum. Die drückte dann doch nur noch das Todesstegel auf sein gestorbene- Glück.

Der Kantate-Sonnabend war da. Wolken­verhangen brach er an. Wie eine dumpfe, drückende Schüft lag es in der Lust, und ei« feiner Stegen sprühte hernieder.

In dem Privattontor bei alte« »ermann standen sich Batet und Sohn stumm wartend gegenüber. Jetzt wate« sie endlich mal dem

(Oskar mit dem gesamten Gefolge; auch bet Kriegs­minister von Herringen wat anwesenb. Den Kaiser empfing ein dreifaches donnerndes Hurra der alten Soldaten. Auch bei bet Abfahrt von Milhelmshöh« wurden dem Kaiser herzliche Kundgebungen von den Veteranen unb bem Publikum dargebracht.

Eafsel, 14. Aug. Zur feierlichen Nagelung unb Weihung einet Anzahl Fahnen versammelten sich heute Vormittag im Thronsaal des Residenzpalaif Cassel ber Kaiser in ber Uniform eines Generalfeld, marschalls, bie Kaiserin, bie über einem schwarzen Kostüm bas Band bes Schwarzen Adlerordens trug, bie Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Oskar, die Her­ten bes Hauptquartiers, ferner der Kriegsministet, bie tommanbietenben® enerale des 1., 17. u. 2. Armee­korps. Bei bet Ankunft bet Majestäten erwies vot dem Palais eine Ehrenkompagnie des Inf.-Regts. Nr. 83 die militärischen Ehrenbezeugungen. Am rechten Flügel hatten sich die direkten Vorgesetzten bis zum tommanbietenben General Fteiherrn von Scheffet-Boyadel aufgestellt. In dem grünen und blauen Saal des Palais wurde um 11 Uhr die Fah­nennagelung folgender.Truppenteile ncrgenomm-n: vom ersten Armeekorps des Pionierbataillons 1, vom zweiten Armeekorps des ersten und dritten Batail­lons bes Inf.-Regts. Nr. 49. des ersten, zweiten und dritten Bataillons des Inf.,Regts. Nr. 140, vom 17 Korps des ersten, zweiten und dritten Bataillons bes Inf.-Regts. Nr. 129, des ersten, zweiten und dritten Bataillons des Inf.-Regts. Nr. 141, ferner ber ehe­maligen Lanbwehrbataillone Mühlhausen i. Th. und Erfurt unb der Unteroffizierschule Jülich. Es folgt« der Weiheakt auf dem Friedrichsvlatz. Den Fried- richsplatz umgaben in einem großen Viereck die hier anwesenden Truppen der Garnison und daran an­schließend die Veteranen, von denen sich über 500$ einfanben. Während bie Fahnen auf den Platz ge­bracht wurden, deren Träger sich im offenen Halb­kreis an die Seiten des Altars aufftellten, erschien der Kaiser mit dem Prinzen Oskar zu Fuß; di« Kaiserin wohnte dem Weiheakt mit Gefolge vom Balkon des Palais aus bet. Der evangelische Feld- probst der Armee Wölfing hielt eine Ansprache und vollzog dann in Gegenwart des katholischen Feld- probstes Dr. Vovmar die Weihe. Eine Batterie bei Feldartillerieregiments Nr. 11 gab einen Salut von 101 Schüssen ab. Das niederländische Dankgebet schloß die Feier. Hiernach stteg der Kaiser auf dem Hofe des Refldenzpalais zu Pferde und erschien von neuem auf dem Platz. Der Kaiser ritt die Front der Truppen und Veteranen ab. Die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise folgten im offenen Wagen. Die Veteranen grüßten die Majestäten durch stllr- mtfdje Hurrarufe. Der Kaiser zeichnete eine große Anzahl Krieger durch Ansprachen aus. Es folgte bet Vorbeimarsch ber Ehrenkompagnie mit den neuen Feldzeichen unb bie Übrigen Truppen in Kompagnie­front, sowie der Vorbeimarsch der Veteranen. E» war ein erhebender Anblick, wie die alten Leute vor ihren obersten Kriegsherrn' defilierten. Manchem wurde es wohl recht sauer, aber man sah auch viele

Augenblick allein, den ganzen Morgen hatten st« schon Besuche auswärtiger Geschäftsfreund«, di« zur Ostermefle nach Leipzig gekommen, empfangen. Sie hatte«, geduldig die vielen Fragen der Provinzialen nach den Vergnüg­ungen der Großstadt beantwortet und hatten sich nur mit Mühe durch Hinweis auf ihr« Trauer von dem Herrenabend heute los gemacht, morgen aber ihr Erscheinen im Buchhändlerhaus zum Kantate-Festmahl zugesagt.

Jetzt endlich war etwas Ruhe eingetreten, und die noch ausstehenden Besuche einzelner Kommittenten konnten durch di« Prokuriste« empfangen werden.

Alexander Bermann atmete schwer. Set« Blick wagte kaum, be« Sohn zu streifen, der wattend ihm gegenüber stand. Hatten sie dem» nicht schon Stunden lang gewattei?

Rett», erst eine Viertelstunde war feit de« Verschwinden des letzten Besuchers vergangen.

Schwerfällig ging der Kommerzienrat zu sei­nem Schreibttsch, langsam schlug er den Decket eines Pistolenkastens auf. Sorgfältig prüft« er di« Waffen. .Das bleibt uns noch immer,' sprach er dumpfen ToneS vor sich hin.

Jäh wandte HanS Jürgen sein vergrämtes Gesicht seinem Baier zu.

.Vater!" schrie er auf. .Willst Du da- Elend noch größer machen? Es wäre eine Feig­heit, eine unverantwortliche Feighett. Büße« müssen wir unsere Schuld, aber uns nicht fei-« der Sttaf« entziehen." 1

Ohne Umstände nahm er dem alten Ma««« den Pistolenkaste« au- der Hand, um ihn tat Schreibtisch zu verschließen. De« Schlüssel steckt« er gelassen ta die Tasche.

lSorqrtzmttz folgt)