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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Fandwirtschastliche Beilage."

45. Jahrg.

Marburg

Sonntag, 14. August 1910.'

Die Jnser ttonsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7aetnaltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4. für Reklamen 40 4- Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, Unioerfitäts-Buchdruckeret, Inhaber Dr. L. Hitzercth, Alarburg, Markt 21. Televlwn 55.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- MZ jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei

v=- lOv unseren Zeitungsstellen und oer Expedition (Markt 21), 2.00 <M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak» tion keinerlei Verantwortung.)

Erstes Blatt

y Umschau im Auslande.

'"S*' Gerade in Ungarn, wo di« Lage noch vor ^wenigen Monaten recht kritisch aussah, ist Ord­nung geschaffen worden. Der Reichstag hat nach Erledigung der dringensten Aufgaben seine Ferien angeireten und niemand fürchtet mehr, das; diese von der Opposition gestört werden könnten, denn die Arbeitspartei, wie sie aus den Neuwahlen hervorgegangen ist, und aus die sich die Regierung nun stützt, ist stark genug, umden Gegnern, den Vertretern der von der Bildfläche fast verschwundenen ehemaligen Koalition die Fruchtlosigkeit des Ankämpfens gegen die neue Ordnung zum Bewußtsein zu bringen. In Oesterreich ist man zwar noch nicht soweit, aber alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß auch Baron Bienertb diesem Beispiele folgen'werde. Daß sich mit dem alten Parlament nicht länger regieren läßt, muß dem Kabinett und weiten Bevölkerungskreisen längst klar geworden sein. Beide konnten in dieser Ueberzeugung nur be­stärkt werden durch den Zersehungsprozeß, in dem sich die polnisch.' Partei, die als leidlich ge­schlossene, von der Regierung als Stütze ange­sehen werden konnte, ebenso Wie dieSlavischc Union* befindet.

Gan; Amerika ist über die Schreckenstat des Trunkenboldes Gallagher entrüstet. Die Presie hebt Gaynors Verdienste um die Reorganisation der R?wvorker Stadtverwaltung hervor, betont feinen langjährigen Kampf gegen die Korruption ' »nd ist sich einig in dem Wunsche, daß dem ver- ' dienten Manne das Leben erhalten bleiben möge, damit er die Krönung seines Werkes nock seben kann. Gaynor war im ganzen Lande als derjenige bekannt, der zuerst gewagt hat, die verworrenen Rechtsverhältnisie der ameri­kanischen Großstädte zu bessern. Gerade als die Rominicrunq zum Präsidentschaftskandidaten die Augen vieler auf Gaynor zog, mußte dieser durch das Attentat eines Sinnlosen aus stner Tätig­keit gerissen werden.

In der öffentlichen Meinung Bulgariens, die anfänglich durch die Nachricht "über die Ent­waffnung in Mazedonien von starker Erregung ergriffen wurde, ist eine wesenstiche Beruhigung eingetreten. Das ist in erster Linie auf die durchaus besonnene Haltung der bulgarischen Reaiernng zurückzuführen, die jedem Schritt ver­mieden hat, der als Einmischung in die Ange­legenheiten der Türkei hätte gedeutet werden : können. Ferner dürste dazu die Befestigung der Ueberzeugung beigetragen haben, daß es sich bei den vorgekommenen Mißhandlungen fast ausschließlich um Verfehlungen untergeordneter

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Vor 40 Jahren.

Kriegserlebnisse geschildert vom ehemaligen . Füsilier der 10. Komp, des 83. Hess. Infanterie- Regiments Ehr. Schneider aus Dainrode, jetzt Gerichtsbeamter in Dortmund.

' .-«V (Fortsetzung.)

2. Dem Feind entgegeu. Weißenburg und Wörth.

Der Marsch wurde nun fortgesetzt und zwar zunächst nach dem Orte Bellheim. Unterwegs wurden wir von einem heftige« Gewitter und strömendem Regen überrascht. In Bellheim be­zogen wir Maffenquarstere. Et« ganzer Zug wurde in eine Scheune gelegt, deren Stätte be­reits von Kavallerie in Besitz genommen war. Wir richteten uns ein, so gut rs die Umstände et* la ibten. Rach einer Stunde waren alle Vor­räte an Brot im Orte verz^rt, obwohl fort­während frisch gebacken wurde; auch Bier und Fleisch, unsere Hauptnahrung, wurde reichlich verzehrt. In Bellheim haben wie auch die Schießübung, die in Warburg infolge der Mobil­machung unterbieten mutzte, nachgeholt. Eines Tages wurden wir hinaus auf das freie Feld be­fohlen, um das heilige Abendmahl zu empfangen, während dieser Zett lieft sich Hauptmann von Schilgen, dessen Braut herbeigeeilt war, in der sKirche zu Bellheim trauen. Die hetttge Fei«, 'welche bei allen Beteiligten einen «heb nben Eindruck zurückließ, war noch nicht beendet, als Alarm geblasen wurde. Mr eilten zu den Waf­fen und waren in wenigen Minuten marschfertig. Der Marsch ging flott von statten. Erst als die Rächt längst bereingebrochen, wurde Hast ge­macht. Nachdem die Gewehre zusammengesetzt Waren, wurde Wasser geholt und abg^ocht.

Am anderen Morgen erstaunte ich, als ich sah, daß das ganze Armeekorps, ttoßdem wir in bet Macht aufmarschiert waren, noch wie am Schnür­chen stand. Ziemstch früh am folgend n Morgen S es war der 4. August 1870 marschierte das Gau-e Korps aus di-Hem BtiätiL. ahne zu ahnen.

Organe handelte und daß hierfür die Zentral- I regierung in Konstantinopel nicht verantwortlich I gemacht werden könne. Daher ist man in Sofia der Türkei gegenüber trotz der Vorgänge in Mazedonien von bei gleichen Friedensliebe wie bisher burchbrungen. Desgleichen liegen posttive Anhaltspunkte vor, batz bie Pforte ihre Gesinn­ung gegenüber Bulgarien in keiner Weise ge- äubert hat. In Anbetracht aller dieser Tat­sachen und der durchaus friedfertigen Sttmmung der beiden Regierungen erscheint bie Besorgnis weiterer Verwicklungen als unbegrünbet.

In beit politischen Kreisen Aegyptens geht man daran, eine neue Partei ins Leben zu rufen, die einenationale* im vollen Sinne des Wortes toetben soll. Ein ehemaliges Mitglied der Nationalisten-Partei steht an bet Spitze bieser Bewegung, unb ein Mohammedaner wird wahr­scheinlich ihr Führer werben. Ihm zur Seite soll eine Kommission treten, bie sich aus Mohammedanern, Kopien, Syriern, Armeniern unb ottomcmischen Untertanen griechisch-katholi­schen Glaubens zusammensetzen wird. Es wird also eine Einigungspartei angesttebt, die aus nationalgesinnten Elementen ohne Unterschied der Konfession gebildet werden wird. Mit der Schaffung einer solchen Partei wäre ein großer Schritt vorwärts zur inneren Verständigung in Aegypten getan.

Der Optimismus der britischen Regierung über die Sage in Indien, der erst jüngst im Unter­haus zum Ausdruck kam, wird von den Eng­ländern Indiens und vielen Kreisen des Mutter­landes nicht geteilt. Die Aufdeckung der Ver­schwörung in Decea zeigt blitzartig das Vor­handensein der große« antienglischen Unterströ­mung, mit der die Behörden Indiens seit Jah­ren zu kämpfen haben. Bezeichnend ist, daß die Verschwörer nicht etwa junge Hitzköpfe, sondern zum Teil alte erfahrene Leute von Rang und Ste,ung sind. Viele werden wegen Empörung, Aufreizung gegen die Staatsgewalt und Ver­breitung aufrührerischer Schriften ihr Seben lassen müssen, zahlreiche Waffen und Munitions- borräte sind beschlagnahmt worden. Aber das alles ist nur ein Kampf gegen bie Symptome ein« tiefliegenden nationalen Strömung, die ihr Fundament in jener asiatische« Bewegung hat, die im Zusammenhang mit dem englisch-japani­schen Bündnis infolge der furchtbaren Nieder­lagen Rußlands entstand. Der Glaube an die Ueberlegenheit der weißen Rasse ging damals verloren unb das mandschurische Bündnis zwi­schen Rußland und Japan wird im Orient erst recht als ein Triumph Asiens empfunden.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar in Wilhelmshöhe. Wilhelms- Höhe, 12. Aug. Der Kaiser hörte heute vormittag

was an diesem Tage noch bevorstand. Frisch sangen wir drauf los:Die Wacht am Rhein*, Morgenrot* daß es so schallte. Als wir nech fröhlich sangen unb eben ein stilles Dorf passierten, hörten wir in weiter Entfernung Kanonenbonner. Unter Haupmann, v. b. Malz- burg, ritt um bie Sekttonen unb kommandierte: Bataillon soll chargieren, geladen!* Ein völliger Umschwung in unser« Stimmung trat ein; hier empfanden wir zum ersten Male einen bedeuten­den Wendepunkt der Dinge. Alles, was hinter uns lag an Entbehrungen und Strapazen, er­schien uns klein gegenüber dem uns zittern machenden Bewußtsein, daß bie Kugel im Ge wehrlauf vielleicht, sogar sehr wahrscheinlich ein Menschenleben vernichten werde Aber uns blieb nicht Zeit, diesen Gedanken wett« nachzuhängen. Wie stets bei allen Kompagnien ein Spaß- oder Ulkmacher existiert, so hatten auch wir einen sol­chen; er war als Reservist eingezogen unb von Beruf Schäfer. Dieser konnte bie Stimmen aller Haustiere täuschend nachahmen, am vorzüglichsten das Krähen des Hahnes. Sobald er sich hören ließ, schwand alle Müdigkeit und Mißstimmung. Unter seinen Späßen zogen wir durch weite Waldungen und erreichten bald bie Grenze. Ein kräftigesHurra! Huna!* erscholl unter Entfal­tung ber Fahne Eine Begeisterung sonder­gleichen bemächtigte sich uns« all«, baß wir festen Fuß auf Frankreichs Boden setzen konnten.

Im Geschwindschritt marschierten wir neben unserer Artillerie dem Ziele Weißenburg zu. Be­vor wir den Wald v«tteßen, wurden die Tor­nister abgelegt. 9htn ging es im Lauffchritt über eine Ebene unb Weißenburg lag vor uns. Ein harter Kampf entbrannte, an hem bie Bayern, sowie das 5. und 11. Armeekorps beteiligt waren. V-t standen im zweiten Treffen und nahmen nur noch an demSturm auf das hochgelegene Weißen­burg teil. Als wir oben ankamen, blieb nur noch bie Verfolgung des Feindes übrig, die un­sere Kavallerie aufnahm. Mr machten wieder Kehrt. Während bie halbe Kompagnie bie Tor nffter holte, besorgte die andere Hälfte das Ab«

nach dem gewohnten Ausritt den Bortrag des Chef« des Militärkabinetts. Zur Frühstückstafel beim Kaiserpaar waren geladen Geheimer Regierungerat Direktor Friedrich Heußner, erster Staatsanwatt Ean,,land, Ober-Landgerichtsrat Dr. Sommer, Ober- Regierungsrat Dr. Blanckenhorn und Professor Dr. Knackfutz.

Rrisebispositione« de» Kaisers. Nach den letz­ten Dispositionen wird der Kais« zunächst am 14. August in Cassel etntreffen und die Weihe von Regi­mentsfahnen vornehmen. Am 16. ist die Parade auf demGroßen Sande" in Mainz vorgesehen. Dann folgen die Posener Katsertage vom 20.23. August, deren Programm bereits bekannt ist. Am 24. ist in Königsberg die Parade über da« 1. Korps angesetzt, und vom 26. bis 29. August nimmt der Monarch in Danzig Aufenthalt, wo am 26. die Uebergabe von Fahnen an das 128., 129., 141. und 142. Infanterie­regiment erfolgt. Am 27. soll die Parade über das 17. Korps abgehalten werden, und am 29., an wel­chem Tage die Hochseeflotte in der Danziger Bucht liegen wird, findet gegen Abend Zivildiner auf dem Remter der Marienburg statt. Abends erfolgt die Abreise nach Berlin, wo der Kaiser am 1. September die große Herbstparade abhalten wird. In Aussicht genommen ist dann ein Besuch Cadinens, dessen Dauer noch nicht besttmmt ist. Am 5. September hat der Herrscher sein Eintreffen in Stolp zur Jubi­läumsfeier und Enthüllung des Kaiser Wilhelm- Denkmals zugesagt. Anschließend hieran ist ein Jagdaufenthalt in Echlobitten und Prökelwttz in Aussicht genommen, und es folgt dann die Abhaltung d« Kaisermanöver, die vom 8. bi» 10. in ber Gegend von Elbing stattfinden sollen. Festgesetzt ist ferner ein Jagdbefuch beim Erzherzog Friedrich Wilhelm in Bellye vom 17. bis 19. September. Am 20. Sep­tember soll dann der Besuch beim Kaiser Franz Josef in Wien stattfinden.

. Militärische». Berlin, 12. Aug. DasMili­tärwochenblatt" meldet: v. fiinbequift, Oberstlt. bei dem Stabe des Infanterie-Regiments Nr. 116, ist unter Beförderung zum Obersten zum Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 74 in Hannover er­nannt worden. Oberstleutnant Heuer ist jum Regi- menisstabe übergetreten. Frhr. v. Bibra wurde zum Bataillonskommandeur ernannt.

Der deutsche Buchgewerbeverein auf der Welt­ausstellung. Brüssel, 12. Aug. Aus Anlaß des Be­suchs des deutschen Buchgewerbeverein» auf der Weltausstellung fand gestern abend im Deutschen Hause ein Festmahl unter dem Vorsitz des Dr. Volk- mann statt. Der deutsche Geschäftsträger Baron Kräcker von Schwartzenfeldt begrüßte die Vertreter der großen deutschen Buchindustrie. Geheimrat Al­bert benutzte die Gelegenheit, um unter Bezugnahme

kochen. Später wurde bann noch ein kurz« Marsch ausgeführt unb dann Biwak bezogen.

Am nächsten Tage waren tvir dem Feinde immer auf den Fersen. Als abgekocht wurde und bas Essen eben fertig Wat, kam bie Meldung, daß feindliche Kavallerie versuche, uns zu attackie- rea. Das gute Essen Ivar umsonst zuberettet. Sofort würbe aufgebrochen und wir blieben im Marsche bis zum Abend, wo wir auf einer Höhe Biwak bezogen. Die Nachricht von dem Anrücken des Feindes war nur blinder Lärm gewesen.

Am 6. August 1870 brachen wir morgens früh auf und marschierten bergab. Dabei hörten wir starkes Geschützfeuer, anscheinend noch in weiter Ferne. Als wir das Tal erreicht hatten, kamen wir auf eine Chaussee unb trafen bort Würt­temberger Steiler in grauen Mänteln, einer Uni­form, welche uns bisher unbekannt war. Kaum waren bie Meldungen ausgetauscht, ba bogen wir links ab in ein Wiesental, bas Bataillon in Frontmarsch. Das Kommando erschallte:Fahne entfalten! Im Lauffchritt marsch! marsch!* Vor dem Dorfe Gunstäbt machten wir Halt unb leg­ten uns nieber. Diesen Augenblick benutzten wir eifrig, um auf allen Vieren das schmutzige Lehm­wasser aus ben Flößgräben zu schlürfen. So fragwürdig dies Getränk war, so war es uns doch ein Labsal. Der Donner der Kanonen, das Knattern der Mitrailleusen, das wir zum ersten Male hörten, hielten wir anfangs für Jnfanterie- falben. Hier verloren wir schon einen Offizier und einen Füsilier, ohne daß von uns ein Schuß abgefeuert worden war. Jedenfalls war aus den Häusern von Gunstädt geschossen worden. Bald wurde kommandi«t:Schützen schwärmen!* und tot Ru war Gunstädt hinter uns. Den ersten schmerzlichen Anblick gaben uns die 11. Jäger. Sie hatten hart gekämpst und schwere Verluste erlitten. Bisher war das Terrain mit Walnuß- u.tb anderen Bäumen bestanden, hinter denen die Jäger Deckung gesucht hatten; sonst würden die Verluste noch größ« gewesen sein. Roch immer sah man weder verwundete noch tote Franzosen, bis wir an eine steinerne Brücke kamen, die üb«

auf eine frühere ironische Anspielung des Vertret«» einer anderen Großmacht auf die pünktliche Fertig» stellung der deutschen Abteilung zu erklären, für Devffchland sei die Periodebillig und schlecht" längst vorüber. Die deutsche Industrie sei jetzt in der ganzen Welt anerkannt unter der Devisepreiswert, gut und pünttlich". Gerade die Pünktlichkeit in der Lieferung und die Disziplin habe ihr Vertrauen und Aufträge gesichert; das beweise die Ausstellung. D« frühere Minister Rancotte hob alsdann in trefflicher deutscher Rede Deutschlands Literatur und Buch­gewerbe hervor.

Besuch der Teilnehmer de» Weltkongresse» für freie» Christentum. Eisenach, 12. Aug. lieber 500 Teilnehmer des Weltkongresses für freies Christen­tum und religiösen Fortschfitt trafen heute mittag mittel» zweier Sonderzüge, vom Hauptausschuß am Bahnhof beorüßt, hier ein. Nach kurzem Aufenthalt in der Stadt begaben sich die Teilnehmer nach d« Wartburg, wo ein Frühstück stattfand. Daran schloß sich eine Schlußfeier im Wartburger Hofe.

China auf der HygvMeausstellung. Dresden, 12. Aug. Die deutsche Gesandtschaft in Peking machte dem Direktorium der Internationalen Hygieneau»-- stellung in Dresden 1911 die Mitteilung, daß China sich offiziell an der Ausstellung beteiligen wird und beabsichtigt einen eigenen Pavillon zu errichten. ;

Die deutsch« antarktische Expedition. Berkin, 12. Aug. Die deutsche antarktische Expedition, die zur Zeit auf einer Vor- und Probe-Expedition nach, dem Norden begriffen ist, hat nach soeben vorn HauptschiffAeolus" aus hier eingegangenen direk­ten Nachrichten, den Hafen von Tromfö erreicht. Acht Tage vorher hatten bereit» zwei Teilnehmer der Ex­pedition, der Geograph Dr. Seelheim aus Berlin und d« Geologe Dr. Philipp aus Greifswald, auf dem DampferBlücher" der Hamburg-Amerika-Linie versucht, von Tromsö aus nach Norden weiter vor-" zugehen, um in der Advent-Vai das Gros der Expe­dition zu erwarten. Eine Landung auf Spitzbergen erwies sich für sie indes als undurchführbar, da die Eisverhältnisse in diesem Jahr dort außerordentlich ungünsttg sind, während zu anderer Zeit sogar die großen Touristendampfer ohne jede Schwierigkeit in die Fjorde Spitzbergens einlaufen konnten. Schon unter 75% Grad begegnete derBlücher" den ersten losen Schollen, während sich in der Regel das Eis noch nördlich von Spitzbergen, etwa bei 80% Grad, hält. Diese ungewöhnlichen Eisverhältnisse dürften ihren Grund darin haben, daß sich zwischen dem Franz Josef-Land und Spitzbergen im letzten Winter viel Jungeis gebildet hat, das nun durch anhaltend widrige Winde nach Südwesten um die Südspitze Spitzbergens berumgetrieben wurde unb sich als ein fteßenroetfe bis 150 Kilometer breiter Gürtel um

die Sauer führte. An d« anderen Seite ber Brücke lagen bte ersten toten und verwundeten Franzosen. D« Kamps nm di Brücke muß ein seh.- heißer gewesen sein. Selbst die Brücke hatte unter dem Jene» gelitten, war jedoch noch stark genug, um unseren Marsch darüber auszuhalten. Sobald ' jr sie passiert hatten, zeigte das Tcrrain ein veii' u er-es Bild. Vorne ein Wiesengrund, bann eh _ « ussee, an bte ein großer Wald grenzte. D' et Wald war noch vom Feinde be­setzt und : uibc von unseren 32ern angegriffen. Wir machten eine Rechisschwenkunng und mar­schierten in Bataillonsfront den Wiesengrunb entlang, währ-nd unsere Artillerie auf der Chaussee blieb, um den rechten Flügel von Wörth zu erreichen. Auch hier hatten wir Verluste, ohne daß wir zum Schießen kamen. Plötzlich rief b« Herr Hauptmann von Schilgen:Herr Major, französische Kürassiere versuchen unsere Artillerie zu attackieren! Soll ich Kehrt kommandieren?* In demselben Augenblick aber tarnen schon bte feindlichen Kürassiere durch eine Waldesschlucht und gerade unseren 32ern vor bie Gewehrläufe. Das stolze Regiment würbe völlig ausgettcben. Ein großartiger Erfolg unserer Waffen! Das Kehrt, welches ber Herr Hauptmann von Schilpe« so gerne ausgeführt hätte, konnte jetzt unter» bleiben. Dagegen marschierten wir um so eilig« i.nfrrem Angriffspunkte zu. Dort wurden ab«» mals bte Tornister abgelegt. Unsere Aufgabe be­stand darin, daß wir gemeinschafiflich mit ber Ar­tillerie einen Weinberg hinaufstürmten, bie Ar­tillerie mit Vorspann. Wir waren als Schütze« ausgeschwärmt. Bei biefem Borg hen verlor ber Herr Hauptmann von ber 9. Kompagnie, v. Trim­bach, fein Pferd; babei kam aus feinem Munde ei.t solch gepfefferter, hi« nicht wieberzugebenb« Ausdruck, daß trotz des Ernstes ber Sage unsere gffantten Sachmuskeln sich in Bewegung setzte«. Etwas Rauheit gehört eben zum Wesen eines kernigen Soldaten. Die Wahrheit dieser Worte erkennen bie Solbaten am besten, wenn sie uni« sich stnb, manche Freude ist dadurch schon bereitet' worden. (Fortsetzung folgt)