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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
*nb den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage." '
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di« Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsftellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 <«. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonnabend, 13. August 1910.
Die Znsertiousgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blatte« für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 für auswärtige Inserate 20 für Reklamen 40 L. — Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, llniverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 65.
Die Entwicklung des NationalwohlstandeS in Frankreich.
Der Beginn der Beratungen der französischen Budgetkommisston wird von Jules Roche, dem finanziellen Mitarbeiter des Pariser „Figaro", benutzt, um eine Untersuchung über die Entwicklung des NationalwohlstandeS in Frankreich im Vergleich zu der gleichzeitigen Entwicklung in anderen Ländern, in erster Linie in Preußen, Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika anzustellen. Der Verfasser beginnt mit der Erinnerung an Aussprüche des früheren Ministerpräsidenten Combes und des früheren Finanzministers Poincar«, die beide noch vor wenigen Jahren den Reichtum Frankreichs, der letztere namentlich unter Hinweis auf die Mobiliarwerte, aus die hinterlegten Kapitalien und die Sparkasicneinlagen, nicht genug zu rühmen vermochten. Jules Roche meint, solche Hinweise seien mehr oder weniger gegenstandslos, ein richtiges Bild von der Entwicklung des Nationalwohlstandes könne man erst durch den Vergleich mit anderen Ländern gewinnen, am besten mit denjenigen, mit denen Frankreich in einein gewissen Wettbewerb stehe. Er stellt mm in seinem Artikel ein vielseitiges und umfangreiches Zahlenmaterial zusammen und gelangt bei jeder einzelnen Gruppe seiner Untersuchungen zu bcm Ergebnis, daß der Nationalwohlstand in Frankreich zwar auch fortgeschritten sei, aber nicht annähernd in dem Tempo und Maßstab wie in den Vergleichsländern. Von Interesse in diesem Zahlenmaterial sind folgende Gegenüberstellungen, die die Jahre 1901 bis 1908 umfassen. In dieser Vergleichspcriode ist in Frankreich das Einkommen' aus Mobiliarwerten von 2054 Millionen auf 2475 Millionen Francs, in Preußen dagegen, wie Jules Roche unter Bezugnahme auf Veröffentlichungen des „Preußischen Staatsanzeigers" angibt, von 1426 Millionen auf 2127 Millionen Francs gestiegen. In Frankreich also eine Zunahme dieses Faktors des Rationalreich- tums um 421 Millionen Francs, in Preußen eine solche um 701 Millionen Francs. Dieser Vergleich hat wenigstens das eine Gemeinsame für sich, daß die Bevölkerungszahl in beiden Ländern ungefähr die gleiche ist. Jedenfalls ist eS sehr viel Weniger berechtigt, wenn Jules Roche in feinen weiteren Untersuchungen mehrfach mit den im Deutschen Reiche herrschenden Woblstandverbält- nifsen operiert. Der Unterschied in der Bevöl- kerungszahl ist zu groß, als daß unter diesem Gesichtspunkte eine annehmbare Bergleichsbasts geboten wäre. Eher ist der Vergleich möglich, den Jules Roche zwischen England und Frankreich anstellt. Nach den von 3hm gegebenen Ziffern ist in England das Totaleinkommen aus Mobt- liarwerten in der Zeit von 1900/01 bis 1907/08 von 3782 auf 4846 Millionen Francs, also um 1064 Millionen Francs gestiegen. Um nicht Gleiches mit Ungleichem zu vergleichen, muß
59 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Annh Wothe.
(Fortsetzung.)
Als ich halb wahnsinnig vor Schmerz und Aufregung zu Ihrer Schwester eilte, um sie Auge in Auge zu fragen, was der seltsame Brief bedeute, da erfuhr ich in Ihrem Hause, daß Ute erkrankt, und daß Ihr Herr Vater für niemand zu sprechen sei."
„Ja, meine Eltern leiden ohnedies schwer genug durch die Auslösung der Verlobung meiner ältesten Schwester, sie empfangen niemand."
„Könnte ich Ute doch nur ein einziges Mal sehen, nur einen Augenblick," flehte Lundgreen und sah wie hilfesuchend in Hans Jürgens em- stes Gesicht. „Mein Gott, wenn sie stirbt, ich ertrüge es nicht."
„Kommen Sie mit," flüsterte Hans Jürgen. „Ick, wage es, Sie zu Ute zu führen", und bei sich setzte er hinzu: „Vielleicht ist eS der letzte Liebesdienst, den ich ibr erweisen kann."
Erik preßte ungestüm die Hand des jungen ' Bermann. „Wie soll ich Ihnen danken," sprach er mit zuckenden Lippen.
Schweigend schritten sie weiter. Als sie über die steinerne Brücke gingen in die Karl Tauch- nitzstraße hinein, kam im scharfen Trabe et« elegantes Gefährt daher.
Hans Jürgen grüßte flüchtig. Er war der Wagen seiner Braut, die wohl in die, neue Wohnung fuhr, die Fortschritte der Einrichtung zu kontrollieren.
Schaudernd dachte Hans Jürgen, wie «ahe schon die Hochzeit drohte.
Jules Roche dem Einkommen aus Mobilar- wetten noch die rentenmäßigen Bezüge hinzurechnen. Er kommt dann für Frankreich aus eine Steigerung in der gleichen achtjährigen Periode von 296 Millionen Francs. Die Steigerung ist also um 125 Millionen Francs niedriger als bei dem Einkommen ans Mobiliarwerten allein. Unter dieser Voraussetzung ergibt sich für England eine sehr viel schnellere Zunahme auf dem Gebiete des Nationalreichtums und weiter die wirksame Gegenüberstellung, die die Ueberlegen- heit Englands auf diesem Gebi.te im Jahre 1901 nur 940 Millionen Francs, iem Jahre 1908 aber 1708 Millionen Francs betrug. Jules Roche begibt sich dann ferner auf das Gebiet der inter nationalen Sparkasseustatistik. Seine Aufgaben, kurz zusammengesaßt, besagen, daß in den Jahren 1886 bis 1905 die Sparkassenbestände gestiegen sind in Frankreich von 2365 auf 4375 Millionen Francs, in Preußen von 2500 Millionen auf 9701 Millionen, in Deutschland von 4306 Millionen auf 13701 Millionen Francs. Aber auch die letzten Jahre werden hinsichtlich der Enttvicklung der Sparkassenbestärrde der Betrach tung unterivorfen. Für Frankreich wird angeführt 1901: 4429 Millionen, 1909 : 5566 Millionen Francs; in Preußen 1901: 7803 Millionen, 1907: 10 986 Millionen Francs; für das Deutsche Reich 1901: 11950 Millionen, 1907: 17 400 Millionen Francs; endlich für die Bereiniaten Staaten von Amerika 1901: 13 504 Millionen. 1906: 18 280 Millionen Francs. Auf den Kopf der Bevölke rung berechnet, ergibt das für Frankreich 3,64 Francs, für Preußen 13,94 Francs, für das Deutsche Reich 14,41 Francs, für die Vereinigten Staaten 11,93 Francs. Auf Grund dieser Ziffern lautet das Urteil des Verfassers natürlich, daß es keines weiteren Wortes bckürfe, um zu erkennen, wie sehr Frankreich in den Hintergrund geraten sei.
Anderswo wird man nicht ohne weiteres geneigt sein, diesem Urteil beizupflichten. Vergleiche zwischen Frankreich und dem Deutschen Reiche oder gar zwischen Frankreich und den Vcreineigten Staaten von Amerika sind von vornherein nicht unbedenflich. Die Vereinigten Staaten besitzen gegenwärtig eine über doppeft so starke Bcvölkerungi als Frankreich. Dazu kommt, um nur zwei der wichtigeren Momente hervorzuheben, daß die überseeische Einwanderung Jahr für Jahr Hunderttansende von Arbeitskräften und viele Millionen an Kapitalbesttz ins Land führt. Das bedingt dann weiter einen starken Bevölkerungszuwachs, wie er auch dem Deutschen Reiche eigen ist. Frankreich besitzt von alledem nichts: Die Einwanderung fehlt, die Bevölke- mngszahl stagniert, ausländnisch? Kapitalien kommen im Wege der Einwanderung sicherlich nur in ganz geringem Umfange ins Land. Aber mich der Vergleich der Sparkassenbestände kann keineswegs überzeugend b irken. Die Methode der Kapitalanlagen und die Betätigung des Spar- sinns der Bevölkerung ist in den verschiedenen Ländern verschieden. In Frankreich beispielsweise haben Millionen von Sparern ihren Kapitalbesitz in ausländischen Werten, speziell in russischen Papieren, angelegt; dadurch werden
Jeder in seine eigenen Gedanken versunken, gingen die Männer die Straße entlang. Links die herrlichen Villen, in blühenden Gärten versteckt, rechts der Johannapark mit seinen blinkenden Teichen, in denen der Himmel blaute.
Ueberall blühten die Mandeln. Rosenrot flimmerten sie, ein einziges großes Blütenmeer. Der Flieder duftete würzig imt> betäubend und der Goldregen hing schwer in großen Dolden hernieder.
„Meinen Sie", ftagte Erik Lundgreen schüchtern, „daß ich doch 'mal mit Ihrem Herrn Vater rede? Ich habe jetzt so gute Aussichten. Verschiedene Verleger haben mich schon aufgefordert, ihnen meine neuesten Dichtungen einzureichen, und die Tantieme, die ich von den alten Büchern erhalte, fließen immer reichlicher. Ich bin ja so bescheiden in meinen Ansprüchen und Ute ist es ja auch, vielleicht, wenn man sich in lebet TJeife einschränkte, ginge es doch. Helfen Sie uns doch, Herr Bermann!"
Hans Jürgen biß die Zähne zusammen. Er kannte den Jammer der hier zu ihm aus den blauen, ehrlichen Augen sprach, ja selbst zur Genüge. Er hätte so gern etwas Tröstliches gesagt, aber er dachte an das stille blasse Gesicht seiner Schwester und er fand nicht den Mut zu dem Wort, das Enk ersehnte.
„Sehen Sie", fuhr Erik Lundgreen fort, „mein neuester Werk — ich trage es bei mir — habe ich für Uw geschrieben. Ich erwarte das Höchste von ihm, und ich glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn sth annehme, daß nach Erscheinen dieses Buches ich mich nicht zu scheuen habe, Alexander BermannS schönste Tochter zu begehren. DaS Größte, das Schönste, das Heftigste, was ich neben Ute- Liebe »ein
naturgemäß den Sparkassen seht bedeutende Sum- men entzogen. Alle diese im Wege der Vergleichung gewonnenen Ergebnisse können als» ebenso wenig als unbedingt zuverlässig für die Beurteilung der Frage bewertet werden, wie etwa die Tatsache, daß im vorigen Jahre in Frankreich die im Wege von Schenkungen, (Stiftungen und Legaten vermachte Summe 101 Millionen Francs betragen hat. In anderen Jahren haben diese Bermachungen kaum die Hälfte dieses Betrages erreicht. Immerhin aber wird Herrn Jules Roche darin Recht zu geben sein, daß sich im letzten Menschenalter der Rationalreichtum Frankreichs nicht mehr so schnell entwickelt hat wie in früheren Epochen und nicht so stark wie in anderen Ländern, wo fiir diese Entwicklung günstigere Bedingungen herrschen. Solche günstigeren Bedingungen haben von jeher in England und in den Vereinigten Staaten von Amerika bestanden, sie bestehen seit 1870/71 auch im Deutschen Reiche; es ist also nur eine ganz natürliche und regelmäßige Erscheinung, daß Frankreich in den Fortschritten des Nationalwohlstandes, was Tempo und Maß angeht, hinter diesen Ländern zurückgeblieben ist.
Politische Umschau.
Sine Rechftertiguug bt« Aba. Freiherrn »en Richt, hofen-Mertschütz.
Herrn von Richthofen ist der „Bescheid des Vorsitzenden bei Einkommensteuerveranlagungskommission des Landkreises Liegnitz auf die Denunziation des Wirtschaftsinspektors Karl Kasten" wegen Steuerhinterziehung zugegangen: Danach ist dem Einsender der „eidesstattlichen Versicherung" des Wirtschaftsinspektors Karl Kasten, dem Detektiv Dräger in Wilmersdorf bei Berlin der Bescheid erteilt worden: „Daß die angestellten Ermittlungen ergeben haben, daß auch nicht der geringste Anlaß zur Einleitung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung gegen den Freiherrn von Richthofen auf Mertschütz vorliegt. Die von dem Wirtschaftsinspektor Kasten abgegebene eidesstattliche Versicherung vom 29. Mai 1910 ist. soweit sie die Höhe des vom Freiherrn von Richthofen-Mertschütz deklarierten und veranlagten Gesamteinkommens betrifft, völlig falsch und daß die vom Freiherrn von Richt- Hofen-Mertschütz angegebenen Zahlen, soweit sie von den Angaben des Kasten abweichen, völlig aufgeklärt sind." Die „Kons. Äon.“ schreibt: Aus diesem Vorgang ersieht man wieder einmal, wie leichtfertig man heutzutage in unserem öffentlichen Leben mit der Ehre seines Nächsten umzugeben pflegt und wie recht wir hatten, als wir die in der Presse auftauchenden Mitteilungen über angebliche Steuerhinterziehungen durch den Freihern von Richthofen-Mertschütz sofort als eine Verleumdung bezeichneten. Es kommt noch hinzu, daß man hier zur Verdächtigung einer bekannten Persönlichkeit von Umständen ausging, die mit der politischen Tätigkeit des Herrn Freiherrn von Richthofen-Dkertschütz nicht das geringste zu tun haben. Hen Freiherr von Richthofen-
nenne, ist dieses Werk. „Aus blauen Tagen" habe ich es genannt, und wenn es gelingt, wenn es meine großen und kühnen Hoffnungen er- fiftlt, so danke ich es Ute allein, zu deren Füßen ich allen Ruhm niederlegen will, denn allen Glanz, der in dem Buche lebt, alle Sehnsucht, alle:: Dust und Schimmer, den hat ihre Liebe mir gegeben."
Seltsam erschüttert ging Hans Jürgen an des jungen Mannes Seite, den er bisher innerlich kaum gekannt; Sollte er seiner stillen Schwester wünschen, daß cs anders wäre, als es gekommen? Sollte er sic an der Hand des Dichters hinausivandern sehen in das rauhe Leben, zwei weltfremde Kinder, die der grausame Alltag verschlang?
„Nein, nein," gestand er sich. Dann schloß et die Gartenpforte.
„Warten Sic einen Augenblick hier in der Halle", bat er hastig, „wenn Sie jemand sieht, sagen Sie, daß Sie mich zu sprechen wünschen."
Erik Lundgreen stand allein in bet weiten Halle mit den prächtigen Marmorsäulen. Eine Pshche mis weißem Marmor leuchtete weithin von der feuerroten Wand.
Wie still es im Hause war. Ein wahrhaft bellemmmendes Todesschweigen. Die Minuten dehnten sich für den jungen Dichter zu endlosen Zeiträumen. Und Hans Jürgen kam noch immer nicht zurück.
Eine tiefe Angst, eine dumpfe Mutlosigkeit kam über Erik.
Es lag so etwas Beängstigendes Inder Luft. Erft Lundgreen hielt förmlich den Atem an.
Da wurde plötzlich eine Tür geöffnet. Kommerzienrat Bermann stand auf der Schwelle.
Einen Augenblick sah et kalt forschend ta
Mertschütz ist bekanntlich vom Gericht als Pflege» bet Kinder des gräflich Pfeilschen Ehepaares bestellt worden, dessen Prozesse die Oeffentlichkeit neuer- dings vielfach beschäftigen. Es spricht Bände, daß es der durch seine Tätigkeit für die um ihre Kinder kämpfende Gräfin Pfeil, geborene Heim, aus den Prozessen bekannt gewordene Detektiv ©raget aus Wilmersdorf gewesen ist, der die falsche eidesstattliche Versicherung des entlassenen Wirtschastsbeamteu der Staatsanwaltschaft überreichte.
Deutsches Reich.
— Arhr. Mumm v. Schwarzenstein und Graf von Bernstorfs beim Kaiser. Wllhelmshöhe, 11. Aug. Der Botschafter Frhr. Mumm von Schwarzenstein und Botschafter Graf von Bern- storsf sind hier eingetroffen. Zur Frühstückstafel bei dem Kaiserpaar waren geladen die beiden genannten Botschafter und Regierungspräsident Graf von Bernstorff mit seiner Schwester.
— Rittmeister v Wedel f. Stargard, 11. Aug. Rittergutsbesitzer a. D. v. Wedel auf Rannenberg bei Frinwalde in Pommern, Mitglied des Herrenhauses, ist gestern Abend im Mer von 65 Jahren gestorben.
— Die Landtagsersatzwahl in Aurich Emden, 11. Aug. Bei der Landtagser^atzwahl im Streife Aurich erhielten der Oberbürgermeister Für- bringer (nat.) 147, Schmid (kons) 143 Stkfnmrn.
— Uebertritt des Vorsitzenden des jungliberalen Vereins zur fortschrittlichen Volkspartei. Schwelm, 11. Ang. Der Vorsitzende des Barmer jungliberalen Vereins, Stadtverordneter Vesper, hat der „Frankfurter Ztg." zufolge seinen Vorsitz niedergelegt und seinen Austritt aus bet nationalliberalen Partei erklärt, um sich bei fortschrittlichen Volksparte- anzuschließen.
— Die Alisfperrung der Werftarbeiter. Bremen, 11. Aug. Auf der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack wurden heute Mittag etwa 900 Arbeiter, in der Norddeutschen Maschinen- und Ar» matnrenfabrik Bremen etwa 700, auf der Werft von Tecklenburg Geestemünde etwa 800, aus bet Werft Seebeck-Bremerhaven etwa 400 und ans der Werft von Rickmers-Bremerhaven etwa 283 Mann ansgcspcrrl. Auf der ,'"tx -ng.sellschafl Weser Bremen erfolgt die Ausfp.i"'ng beim Abend; sie umfaßt 2400 Arbeiter. — r -Hin, 1L August. Die Gesamtzabl der bei den dre, Schiffswerften Vulkan, Oderwerk und Nüske u. Co. aufr gesperrten Arbeiter beträgt etwa 3765. In der Nüskeschen Schiffswerft erfiärte sich der Rest bei Arbeiter, etwa 175, mit den Ausgesperrten soll- darisch. — Rostock, 11. Ang. Die Neptunwerft sperrte heute abend um 6 Uhr ungesöv- 800 A»< beiter aus.
— Verurteilung eines Redakteurs in den Ko- lonieu. Dar-es-Salaam, 11. Ang. Der verantwortliche Redakteur der „Deutsch-Ostafrikanischen Zeittmg", v. Roh, wurde vom hiesigen Bezirks- gericht wegen Beleidigung durch die Presse zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt.
— Reue Uebersälle in Haifa. Köln, 11.
Der „Köln. Zig." wird aus Berlin telegrapd^Ur das tief erblaßte Gesicht des jungen Mannes. Dann wintte er ihm, näher zu treten. „Mein. Sohn machte mir soeben ganz seltsame Eröst- nungen, auf die ich nicht vorbereitet war. Wie, er mir sagte, hat Ihnen meine Tochter bereits selbst die Antwott gegeben, die auch ich Ihnen geben mutzte. Ich bedauere das aus tiesstem Herzen. Mein Sohn hat mir weiter mftgeteftt, daß Sie den Wunsch haben, Ute zu sehen. Ute hegt den gleichen Wunsch und da" — hier verlor die Stimme des alten Bermann ihre Festigkeit — „sie wohl bald aufgehört hat, überhaupt zu wünschen, so will ich Sie zu meinem Kinde führen. Kommen Sie."
Erik Lundgreen preßte beide Hände des alten Mannes im wahnsinnigen Schmerz in den seinen.
„Sie ist verloren. Sie haben keine Hoffnung mehr?"
Wie ein qualvolles Stöhnen kam es aus Eriks Brust.
„Ruhig, ruhig, junger Freund, wir müssen ja alle gefaßt sein. Nur wenn Sie mir versprechen können, sich zu beherrsche«, dürfen Sie Ute sehen."
„Ich verspreche es," gab Erik mit sestel Stimme zurück, „aber nicht wahr, Herr Korn- mcrzienrat, ft- wird ja nicht sterben? Solange noch ein Funken in einet Menschenseele ist, dürfen wir hoffen."
Alexander Bermann nickte. Sein Gefichi erschien klein und eingesunken, und die Auge« sprachen von schlummerlosen Rächten, in denen Frau Sorge graue Fäden spann.
(Fortsetzung folgt.)