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mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain
*nb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
Reformen im Gerichtswesen.
Man schreibt uns:
Wir leben im Lärche und in einer Zeit der Reformen. Die alles registrierende Weltgeschichte jtoirb einst nicht wieder Veranlassung haben, das 20. Jahrhundert als Reformationszeitalter anzu- ,sprechen, wie die Zeiten des großen Reformators Luther, sofern auch die Reformen unserer Tage .einen gewaltigen Umschwung auf allen Gebieten des kulturellen Lebens bedeuten. In Schule und Kirche, im Verkehrswesen und in der Wohlfahrtspflege, bei den Behörden und Verwaltungen, überall findet man die Reformation an der Arbeit. Ein gesunder Fortschritt ist aber nur im Ausbau bewährter Einrichtungen und nicht im sprunghaften Haschen nach Neuerungen zu erblicken.
Tie Reformition ist seit Jahr und Tag auch tn unserer Rechtspflege heimisch geworden und es haben tatsächlich Verhältnisse platzgegriffen, die einen weiteren Ausbau unseres Gerichtswesens und eine zeitgemäße Aendemng in der Ausbildung unserer Rechtsbeflissenen gebieterisch fordern. Die enorme Entwicklung, die Handel und Gewerbe, und ganz besonders die Industrie, genommen haben, mehrt die wirtschaftlichen und technischen Rechtsfragen tagtäglich und stellt an Urteils- und Beurteilungsfähigkeit der Richter Anforderungen, denen fte ost nicht gewachsen find. Es gibt heute fast keinen größeren Zivil- Prozeß. der sich um technische oder gewerbliche Rechtsfragen dreht, zu dem nicht Sachverständige aus den betreffenden Benrfsklafsen htnzugezogen werden müssen. Die Konsequenz dieser Zustände war die Errichtung der verschiedenen Laien- gerichte, über deren Daseinsberechtigung aber die Meinungen immer noch sehr geteilte sind. Wir kennen heute Handelsgerichte, Kauftnannsgerichte, Gewerbegerichte und eine große Anzahl sonstiger spezieller Gerichte, die zum großen Teil mit Richtern aus den betreffenden Berufskreisen besetzt sind. Die Errichtung solcher Laiengerichte erschien um so notwendiger, als die Richter der ordentlichen Gerichte den sich häufig widersprechenden Guatachten der technischen Sachverständigen ost ratlos gegenüberstanden. . Wenn man auf dem Wege der Laiengerichte weiter fortschrei- ten will, wird man sehr bald auch dazu kommen, einen „Technischen Gerichtshofs zu schaffen. In diesem Falle würde es aber wohl zweckentsprechender sein, nicht ein Laiengericht, sondern einen gemischten Gerichtshof zu errichten, der zu gleichen Teilen aus technischen und juristischen Bei- fitzern und einem Juristen als Vorsitzenden besteht . Die fortschreitende Entwicklung unserer Technik wird die Rechtssprechung immer komplizierter gestalten, die ihre möglichst sichere Erledigung nur durch Zusammenwirken juristischer und technischer Richter finden kann. Wie sänge wird es dauern und wir müssen an die Schaffung eines besonderen Lustrechts gehen? Das Auffangeft drahtloser Depeschen durch Unbefugte hat schon heute zu Mißständen geführt, die dringend eine gesetzliche Regelung erheischen, wo-
llö (Nachdruck verboten.)
Kantate.
' Von Anny Wothe.
(Fortsetzung.)'
Dorris lächelte dabei so eigen, zog dke Ruder ein und ließ das Schifflein treiben. So zogen sie dahin im Sonnenglanz. Jetzt ging es zwischen Wiesengrund dahin. Malerffch wölbte sich die Connewitzer Brücke über dem blinkenden Fluß und der blaue Frühlings Himmel lachte darüber. Borris trieb den Kahn ans Land. Jetzt stand er am Ufer, um Magita beim Aussteigen behilflich zu sein. Seine stattliche Gestalt dehnte sich förmlich im Sonnenlicht, und ein warmer Glanz lag auf seinem jungen, frischen Gesicht und in den strahlenden Augen. Unb plötzlich, ehe sie es hindern konnte, hatte er die zarte Gestalt Magitas empor gehoben über den Rand des Bootes hinaus. Einen Augenblick schwebte sie in der Lust, dann lag sie sftrmm die Augen schließend, an Borris Brust.
Er neigte sich über ihr durchsichtiges zartes Antlitz und küßte sie leise und sacht auf die geschlossenen Augen. Da lächelte sie zu ihm auf, heiß leidenschaftlich und doch von hinreißender Kindlichkeit.
„Kleines, süßes Schaf/ sagte Borris leise und küßte sie frisch auf den Weichen, roten Mund. „Weißt Du nun, daß Du mich immer geliebt, hast, und daß der ganze dumme Studienkram mir Unsinn war?"
Magita nickte. „Darum wars ja eben. Weil tch Dich liebte und es doch nicht eingestehen wollte, darum redete ich mich in diesen Männer- Haß hinein, mit dem ich nun so kläglich Schiff- brnch leide."
,Wie alle Frauen, wenn Re Sied« kommt,"
bei die Rechtsprechung am besten in die Hände eines solchen gemischten Gerichtshofes gelegt werden müßte. Man wird nicht umhin können, an einen weiteren Ausbau der Laiengerichte zu gehen, oder gemischte Gerichtshöfe zu schaffen oder unseren jungen Juristen eine ganz andere Ausbildung als bisher zu geben. Das würde aber mit der Zeit notwendig machen, schon auf der Universität den Studierenden eine ganz anderen und umfassendere Vorbildung zu geben, als bisher. Ein solche Reformation des Universitäts- studiums ist aber vorläufig undenkbar, also wird es wohl bei einer Reform der Gerichtshöfe selbst fein Bewenden haben müssen.
Wenn man aber auch von einer größeren Reform der theorettschen Ausbildung unserer jungen Juristen auf der Universität absehen muß, so könnte doch an eine zeitgemätzere praktische Vorbildung sehr wohl gedacht werden. Die Ausbildung der angehenden Richter müßte eine systematischeren fein. Für die spätere Berufstätigkeit A als Richter ist es für die Assessoren viel wichfiger und nützlicher, wenn sie ihre Assessorenzeit nicht dauernd bei den Gerichten verbringen, sondern wenn sie auch Gelegenheit erhalten, sich im praktischen Leben, namentlich in der praktischen Volkswirtschaft, in großen technischen Betrieben und anderen Verwaltungen umzusehen. Die Objektivität und Unparteilichkeit der preußischen Richter steht wohl heute noch überall und für jedermann über allem Zweifel erhaben, aber die Erziehung, das Lebensmilieu, die Weltanschauung des Richters bringt ihn ost zu Urteilen, die dem Rechtsempfinden des Volkes widersprechen. Auch die unmittelbare Fühlung mit dem Erwerbsleben, die dem Richter fehlt und dem Lai-n eigen ist, wird immer wieder auf die Mitwirkung der Laien in der Rechtsprechung zurückgreifen lassen. Man sollte deshalb mit großer Sorgfalt und großem Bedacht eine fach- und zeitgemäße Reform unserer Gerichtshöfe und eine zweckentprechende, praktische Ausbildung nuferer jungen, zukünftigen Richter in Betracht ziehen. Unsere Rechtsprechung darf nicht Formen annehmen und Urteile zutage fördern, durch die sich das Volk in seinen RÄtbegriffen verletzt fühlt und die ihm das Vertrauen zu der unbedingten Zuverlässigkeit unseres Richterstandes rauben. Eine zuverlässige RechtSpffege ist der festeste Untergrund, auf dem das Erwerbsleben eines Volkes ruht und der sicherste Gnmdpfeiler für jedes Staatengebilde.
Am 1. April dieses Jahres ist die neue Zivilprozeßordnung in Kraft getreten. Sie gilt für das ganze Deuffche Reich und wird fast allgemein als eine Verbesserung des Gerichtswesens gepriesen. Es wird ja hoffentlich recht bald die Zeit kommen, in der man allgemein ihre Vorzüge erkennen wird. In Berlin und feinen Vororten hat sie allerdings vorläufig heillose Zustände gezeitigt. Die Zuständigkeit der Amtsgerichte ist von 300 auf 600 .Ä erhöht worden. Dadurch ist allerdings eine erhebliche Entlastung der Landgerichte herbeigeführt worden, hat aber dafür die Amtsgerichte ganz enorm überlastet. Die Zahl
lachte Borris, ihren Arm in den seinen legend. „Nun aber nicht gemuckst, mein geliebtes, kleines männerfeindliches Scheusal, uftd wenn die Trauerzeit um ist für die gute Tante Regina, die wir beide segnen werden, dann wird geheiratet und „Frauenrecht und Frauenehre," die verfechten wir In Wolfshagen. Nicht wahr, mein Schatz?"
Magita bot ihm lächelnd die Lippen und er trank sich satt an diesen roten, Weichen und doch so keuschen Frauenlippen.
„Meinen Prozeß habe ich auch noch verloren," sagte Magita ffeinlaut.
„Gott sei Dank," lachte Bo-ris, „das habe ich lange gewußt und gewünscht."
Und sie schritten die stillen Waldwege entlang am Waldcafc- vorüber, wo die Blumen int Grase blühten und ringsum ein Meer von Schönheit und Maiensonne rauschte.
Ueber dem Wasser webte jetzt mit goldenem Glanz der Mittagszauber, unb wie ein Golddust lag es in der Lust, in dem grünen Geäst und auf den blumigen Matten. Zwttfchernd flog hier und da ein Vogel mit sanftem Flügelschlag auf. Sonst war es still auf dem schmalen Wasserweg, aus dem jetzt das Glück einher schritt, zwei blühende Menschenfinder zur Seite, die sich endlich gefunden hatten an einem Maientag.
Am Eckfenster des Caf6 Felfche, an der Ecke der Grimmaifchenstraße, faß Erik Lundgreen und blickte über den weiten Augustusplatz und das Auf- und Niederwogen der Menschen, die gerade zur Mttagszeit hier in dichten Massen drängen. Erik Lundgreen merfte nichts von dem lebhaften Treiben da draußen. Sein Auge hing drüben an den gkoßen Sandsteinfiguren des neuen Theaters, über welche hell« Sonnenlichter huschten.
der Amtsrichter scheint zwar zu gerchgen, aber die Gerichtsschreibereien und Kanzleien können die Massen der Schreibarbeit kaum bewälfigen und geraten damit ost in Rückstand. Die schrift- lichm Arbeiten haben sich bei den Amtsgerichten verdoppelt und verdreifacht, die Zahl der Beamten, die diese Arbeiten zu erledigen haben, aber ist dieselbe geblieben. Nicht nur im Interesse der Beamten, auch im Interesse des Publikums ist zu wünschen, daß diesen Zuständen bald ein Ende gemacht wird, damit auch Groß-Berlin zu der Ueberzeugung gelangt, daß die neue Zivilprozeßordnung zu den segensreichen Reformen des Gerichtswesens zu zählen ist.
Politische Umschau.
©in Freisinniger zu den Schutzzöllen.
Die „Reue Bayerische Laudeszeitung" in Würzburg veröffentlicht in Nr. 175 vom 1. Aug. 1910 die Zuschrift eines „hervorragenden" Mitgliedes der Fortschrittlichen Volkspartei, Inder sich folaende interessante Auslassung über die Schutzzölle befindet: „Die von der Gruppe Müller-Meiningen gewünschte „schrittweise H r- absehting der Zölle" (— eine Forderung in dem neuen Programm des genialen Freisinns! Die Red. —) tst einfach ein Unsinn, weil die Herren die Verhältnisse eben nicht aus der Praxis kennen. Einmal müßten nicht nur die landwirtschaftlichen. sondern auch alle industriellen Zölle aus Forderungen der Gerechtigkeit und Konsequenz herobaesetzt resp. aufgehoben werden. und dann ist noch die Frage, wie das Ausland darauf antwortet und zum zweiten sind es ja dock» aitrfi ^inanzzölle. und kein Gelehrter weiß zu sagen, wie und wer dann den s gewaltigen Ausfall der Staatskasse decken soll. Mit diesem Proarammpl.nfi aebt es, wie mit fo vielen, z. B. dem Befähigungsnachweis. Gegen diefen bat man sich, lediglich aus „Pro- arammtreue* so lange gewehrt, bis man sich die letzten Handwerker entfremdet hat; wie es dann zu spät war, kam man mit dem „kleinen Befähigungsnachweis" nachgehinfi. So macht man es jetzt mit der Zollkrage. Weil die poli- ttfche Gelebrtensü benaufiicht für Zollfreiheit ist (in der Theorie aanz schön), deshalb wird sie prottamiert. Weil man nun doch allmählich mertt. daß man sich damit den letzten Sauern entfremdet, gibt man ein klein bißl nach und sagt: Allmähliche Herabminderung usw. Vor allem bedenken die Herren nicht, daß derarttge Dinge, wie unter Zollfchutz, sich überhaupt nicht zu politischen Erperimenten eignen. Kaum ist die Landwirttchaft unter L ern ihr mit Recht gebührenden Schutz ein wenig aus den trübsten Zcitm heraus (sie sind auf anderer Seite noch trübe genug: Dienstbotennot. Versicherungslast usw.), fo möchten diese Gelehrten schon wieder ans experimentellen Gründen die Schranken niederreiß-n." — Ja, ivenn bei den Freisinnigen das „Prinzip" und das „Programm" nicht wäre!
Er sah bleich und überwacht aus, und seine Augen lagen tief in den Höhlen.
Jetzt lief plötzlich eine helle Röte über sein junges Gesicht. Hans Jürgen Bermann war grüßend vorüber gegangen.
Einen Augenblick kämpfte Erik Lundgreen noch mit sich, dann aber sprang er auf und stürzte Hans Jürgen nach.
„Herr Bermann, auf ein Wort", rief er, Hans Jürgen in der Räbe der Nniversttät einholend.
Hans Jürgen wandte sich mit tiefernster Mene um, fodaß Erik vor diesem Anttitz fast erfchrak.
„Ach, Sie sind's, Herr Lundgreen", fprach Hans Jürgen schleppend, „kann ich Ihnen irgendwie dienen?"
„Ja, Herr Bermann, ich habe gehört, daß Ihr Fräulein Schwester erkranfi ist, da wollte ich mir erlauben, mich nach Fräulein Utes Befinden zu erkundigen."
Einen Augenblick stutzte Hans Jürgen und sah dem jungen Dichter aufmerffam ins Gesicht.
„Ich danke für Ihre Teilnahme, Herr Lundgreen, leider kann ich nichts günstiges berichten. Wir haben heute noch einen anderen Arzt htti- zugezogen, aber er hat wenig Hoffnung. Ute ist zu zart organifiert. Irgendwelche seelische« Erschütterungen müssen mttgewirfi haben. Sie verglimmt, wie ein Licht verlöscht. Aber, was haben Sie denn, Lundgreen, find Sie krank?"
Er sah mtt Befremden tn daS erdfahle, tief erschrockene Gesicht des Dichters.
„Rein", gab dieser mühsam zurück, „ich liebe nur Ihre Schwestr mehr als mein Leben und ich leide unsagbar, daß ich nicht bei ihr sein kann. 68 ist zum Verzweifeln", stöhnte er auf. „Helfen Sie doch mir und ihrf"
Mit Hans Jürgen drehte sich alle» wie tm
Polnische Offenherzigkeit.
Der „Lech", eines der radikalsten polnischen Blätter, hat kürzlich die von dem Bureau bei Verbandes bet polnischen Bauernvereine versandten Berichte über die Bestchttgung von bäuerlichen Wirffchaften einer herben Kritik unterzogen. Das Blatt meint, die polnischen Landwirte wirtschafteten miserabel, unb eS hat damit nicht unrecht. Fortschritte gegen früher sind zweifellos vorhanden, aber bei wette« reicht die Wirtschaftsführung der Polen nicht an die der Deutschen heran. Einzelne Ausnahmen ändern daran nichts. Wie auf dem Gebiet der Landwirtfchaft ist es auch auf demde» Handwerks und Gewerbes. Immer nur sind ei einzelne, die in ihren Leistungen an die Deutschen heranreichen, und eS könnte besser um die Lage der deutschen Kaufleute und Gewerbetreibenden im Osten stehen, wenn sich nicht fo viele Deutsche durch die polnische Servilität bewegen ließen, bei Polen zu kaufen. Auch die polnischen Genossenschaften sind keine Mnsterinstitute. Niemand weiß das besser als die Polen selber. Da aber in deutschen Büchern und Zettungsarttkeln immer wieder überfchwänalich die „ungeheuren Fortschritte" der Polen festgestellt werden, hüte! man sich, mit der eigenen Kritik an die Oeffenl- lichkeit zu treten. Es mutz doch einmal gefagl werden, daß die, welche bei uns Über polnische Dinge schreiben, die Zustände nicht genau genug kennen, um ein zutreffendes Urteil zu finden. Dadurch geschieht es, daß die polnischen Erfolge vergrößert werden und in den Kreisen der ost- märfischen Deutschen geradezu eine kleinmütige Stimmung erzeugt wird. Vieles wird unter* lassen, weil man es für aussichtslos hält, und doch bedürfte es nur herzhaften Zugreffen», prafiisch-geschickter Leitung, um Überrafchende Erfolge zu erzielen. Meist ist der Optimismus auf polnischer Seite zu finden, und doch sollte und müßte er bei den Deutschen fein.
Deutsches Reich.
— Der 80. Geburtstag des Grafen Henckel Fürst von Donnersmarck. De« 80. Geburtstag feiert heute der bekannte schlesische Großindustrielle Guido Graf Henckel Fürst zu Donnersmarck. Gras Henckel hat es verstanden, feinen Gmnd- und feinen Grubenbesitz sorgfältig zu verwalten und zu vermehren. Er hat fehle Tätigkeit auf die verschiedenartigsten Gebiete der Industrie ausgedehnt, wett über die Grenzen Schlesiens hinaus. Er ist Mitglied des StaalS- rates und des Herrenhauses. Im Jahre 1899 wurde ihm der Titel eines Wirffichen Geheimen Rates verliehen, am 18. Januar 1901 wurde Gras Henckel Fürst. Trotz seiner 80 Jahre erfreut' er sich noch voller Rüstigkeit, so daß er ttn-s stände ist, seine reichen und mannigfachen Pflichten zu erfüllen. j
— Der Gesandte in Brüssel beim Reichskanzler. Hohenfinow, 1.0. Aug. Der Kaiserliche Gesandte in Brüssel von Flottow ist zur Dienst-^ leisftmg beim Reichskanzler hier eingetroffen. < _______________-______________— — _, i
Wirbel. Hier also lag das Geheimnis, da» über der Ursache von Utes ffr anff ein schwebte. „Unb Ute?", fragte er leife, „Liebt Sie meine Schwester?" Einen Augenblick zögerte der junge Mann. „Ja", sagte er Men, frei und offen in Hans Jürgens Antlitz sehend. „Mr haben eS beide lange gewußt, ehe wic es uns gestanden. Ute war fo hoffnungsfteedig, fo zuversichtlich. Als meine Gedichte etnfchlugen und Ihr Herr Vater selber mir das allergünstigste Zeugnis ausstellte, daß ich alle Aussicht hätte, etwas zu werden, als sich Erfolg an Erfolg reihte, da war ich fo kühn, meine Augen zu Ihrer Schwester zu erheben und sie zu fragen, ob sie mein Weib werden wollte. Und —•
Er stockte.
„Ute gab Ihnen ihr Wort?"
„Ja, sie bat mich aber, noch zu Ihrem Vater zu fchweigen. Er wäre fo anders als fönst, und als sie ihm neulich schüchtern eine Andeutung gemacht, daß jie eine große Gunst von ihm erbitten möchte, M hat er sie auf „Kantate" vertröstet. Jetzt wäre er mtt fo wichtigen anderen Dingen befchästigt."
„Und dann?" Hans Jürgen fragte eS mtt leiser Ungeduld in der Stimme.
„Dann hat mir Ute einen Brief geschrieben", murmelte Erik düster, „einen Bries, bett ich nicht begreife."
„Was steht in dem Brief?"
„Daß ich sie vergessen falle. Nie, nie, daS wüßte sie jetzt, könne sie mein Weib werden. Die Voraussetzungen, unter denen sie mir ihr Wort gegeben, wären nicht mehr vorhanden. Ihr Platz wäre jetzt an ihres Vaters Seite, b n. die Verhältnisse zwängen, feine Einwilligung zu! toertoeigem.
(Fortsetzung folgt.) '
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Marburg
Freitag, 12. August 1910.
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45. Jahrg.