45. Jahrg,
Marburg
DonnerStaz, 11. August 1910.
Die JnsertionsgebÜbr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttSts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. G. Sitzerath. Marburg, Markt 21. — Televhon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«
Die „Oderhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- 1r* jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. lohne Bestellgeld), bei
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Zur Auslandsreise des Kronprinzen.
• Die Absicht unseres Kronprinzen, im November dieses Jahres eine Studien- und Informationsreise nach Ostasien zu unternehmen, wird überall mit großem Interesse erörtert. Außer der Orientfahrt im Jahre 1903, die ihn durch Aegypten, Griechenland und' die Türkei führte, hat der Kronprinz, im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Prinzen Adalbert, den der SecmannSberuf ja oft in fertte Länder geführt Hai, überseeische bisher noch nicht unternommen. Das darf eigentlich beinahe Wundernehmen, Wenn man vergleichsweise an den allerdings damals schon bedeutend älteren Prinzen von Wales jetzigen König Georg V. und seine Weltreisen denkt, auch in anbetrachtder Tatsache, daß es heute unter vielen unserer Großfinanziers Brauch geworden ist, ihre Söhne für ein oder ein paar Jahre in die weite Welt zu schicken. Und ein nützlicher Brauch, wie man hinzufügen darf. Daß Reisen bildet, ist nicht erst eine Erkenntnis von heute. In unserer Zeit des Weltverkehrs beginnt man darüber hinaus sogar einzusehen, daß es unter allen Bildungsmitteln in erster Reihe stehen müßte. Der gesunde Wirkljchkeitssinn unseres Kronprinzen, der auch insofern ein echtes Kind unserer Zeit ist, neigt ganz besonders diesem Mittel zu; die eigene Anschauung geht ihm, wie sich ost genug gezeigt hat, über alles. — In Indien, das er auf seiner Reise berührt, wird er Gelegenheit erhalten, die englische Kolonialpolitik aus erster Quelle zu studieren China wird er bereits stark „europäisch« vorsinden, und Japan, das Reich der Morgenröte, wird sicher seinen Ehrgeiz darein setzen, vor dem Kronprinzen des Deutschen Reiches im hellsten Lichte zu sttahlen. Da unser Kronprinz nicht romanttsch veranlagt ist, wird er bei aller Bewunderung und Höflichkeit doch auch die „Konkurrenten« genauer ins Auge fassen und ungefähr die Maststäbe abschätzen können, in denen wit von den Völkern de? „fernen Osten« Distanz zu nehmen haben.
Aber nicht nur für den Thronfolger selbst, mich für das AuSland-Deutschtum kann die Reise von hervorragender Bedeutung werden. Der Kronprinz wird in Tsingtau und an anderen Puntten. wo Deutsche wohnen, sicher mit großem Jubel begrüßt werden. In der Entwicklungsgeschichte des englischen NationalbewußtseinS haben die Weltreisen des englischen Thronfolgers feine geringe Rolle gespielt. Unter diesen! Gesichtspunkt wäre cs fast zu wünschen, daß der Kronprinz aucki unsere aftikanischen Kolonien einmal besuchte.
Die Vergrößerung der türkischen Flotte.
Die beiden Linienschiffe „Kurfürst Friedrich Wiltelm« und „Brandenburg« wurden von der Mariueverwaltung für 1? Millionen Mark an die Türkei abgetreten. Die vier Schiffe der
56 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Woihe.
lFortsetzung.)
Einige schnelle Ruderschläge führten sein Boot der Stelle zu. Ta sah er dann tief im Schilf ein Boot fest gefahren und eine Dame mühte sich, das Ruder, das soeben ihrer Hand entglitten und von der Strömung bereits lustig eine Strecke weit entführt war, zu ergreifen, wodurch das kleine Boot in so bedenkliche Schwankungen geriet, daß Borrts laut über das Master kommandierte:
„Still gesessen! Ich bring Ihnen den Ausreißer zurück und mache Ihr Boot wieder flott.«
Jetzt hatte er das Ruder mühelos erwischt und zog es in sein Boot. Pfeilschnell flog der kleine Kahn dem schilfigen Ufer zu, wo die Dame jetzt aufrecht im Boot stand und ihm mit blitzenden Augen entgegen sah.
„Augenblicklich machen Sie kehrt, Graf, oder ich springe ins Wasser,« rief Magita von Diesterweg ihm mit zorngeröteten Wang n entgegen. „Ich will Ihre Hilfe nicht.«
„Ei, Sie sind es, Baroneffe? Also glücklich feftgefahren?« lachte der Graf. „Ja, das ist so Weiberart. Dir Geduld, gleich bin ich bet Ihnen.«
Magita stand, das zweite Ruder in der hoh- »rhobenen Rechten, als wollte sie zum Schlage ausbolen in dem schwanken Kahn. Ihre 28ruft hob und senkte sich unter der leichten weißen Sommerbluse in heftigen Atemzügen, und ihre feinen Nasenflügel bebten. In ihrem Rothaar, das unter dem Keinen weißen Sporthut keck her- pur auoll. spielte leuchtender Sonnenglanz.
Brandrnburg-Klafle sehen aus ein Jndienst- haltungsalter von 16 und 17 Jahren zurück. Bei einem Deplacement von 10 060 t sind sie mit vier 28 Zentimeter L/40 (Kaliberlänge) und zwei 28 Zentimeter L/35, acht 10,5 Zentimeter und acht 8,8 Zentimeter Geschützen bestückt. Zwei Unterwasterlanzierrobre bilden die Torpedoar- mieruttfl. Die beiden stehenden dreifachen Expansionsmaschinen indizieren 9700 Pf rdestärken und verleihen den Schiffen Geschwindigkeiten von 16,3 bis 17 Seemeilen. Der Besatzungsetat beläuft sich aus insgesamt 579 Kopse. Wenn auch die Artillerie, die 28-Zentimeter-Kanonen keine Schnelladegeschütze sind, so ist dennoch die Armierung ausgezeichnet. Die Geschwindigkeit genügt heutigen Anforderungen natürlich nicht mehr, Die Schiffe würden für uns in einem Kampf mit unfern voraussichtlichen Gegnern von geringem Nutzen fein. Aber für die Türkei erfüllen sie voll ihren Zweck und die ottomanischc Regierung kann sich gratulieren, für einen verhältnismäßig billigen Preis in den Besitz von für sie äußerst wertvollen Schlachtschiffen gekommen zu sein.
Die türkische Seemacht hat in erster Linie mit der griechischen, in zweiter mit den im Schwarzen Meer versammelten rustischen Seestreitkräften zu rechnen. Bisher verfügt die Flotte unter dem Halbmond über geringes und meist recht ehrwürdiges Schiffsmätertal. „Mestudije«, ein Panzerfchifs von 9200 t, stammt aus dem Jahre 1874, „Assan i-Tewfik« mit 4790 t Wasserverdrängung, gar aus dem Jahr 1867. Ferner sind vorhanden zwei kleine geschützte Kreuzer von 13 bis 1400 t, einige Kanonenboote, 8 Zerstörer, 12 Torpedoboote und einige Schulschiffe von ganz niedrigem Deplacement. Die griechisch-' Flotte zählt drei Küstenpanzerschiffe von le 4890 t, „Hydra« von Stapel 1889, ebenso „Spetsai«. „Psara* von Stapel 1890, einen modernen Panzerkreuzer von 10100 t, 1910 bei Orlando-Livorno von Stapel, acht neuere größere und sechs alte kleine Torpedoboote. Rußland hat im Schwarzen Meer versammelt: sechs Linienschiffe, deren Stapelläufe zwischen 1892 und 1906 liegen, mit einem Deplacement von 9020 bis 13 530 t, zwei geschützte große Kreuzer von 6810 t, von Stapel 1903, 17 Torpedoboote und 4 Unterseeboote.
Mit Hinsicht der zwei nun angekausten deutschen Linienschiffe ist die türkische Flotte der griechischen unbedingt Überlegen. Es heißt, daß die Absicht herrscht, auch noch die beiden andern Vertreter der Brandenburg-Klasse zu erwerben. Hiermit würde ein homoaenes Geschwader vorhanden sein, daß bei geschickter Führung selbst gegen Ma russischen Schiffe nicht aussichtslos in einen Kampf ziehen würde. Die Flottenbegeisterung in Konstantinopel ist augenblicklich groß. Der ins Leben gerufene Flottenverein hat bereits einige Torpedoboote, erfreulicherweise von deutschen Firmen, angekaust.
Und Borns v. d. Groben dachte plötzlich, „wie schön sie ist in ihrer rassigen Herbheit, mein: wilde Freundin Magita.«
„Bleiben Sie zurück,« ries sie, drohend das Buder hebend, „ober —
Ein leiser Schrei, das Boot schwantte und schlug, durch ihre heftigen Bewegungen aus dem Gleichgewicht gebracht, blitzschnell um. aber im Augenblick hatte auch schon Borris v. d. Groben ihre leichte Gestalt ersaßt und ohne Umstände in sein Boot herüber gehoben.
Jetzt faß Magita mit fliegendem Atem auf der fleinen Bank und sah dem Grafen feindselig in das lachende Gesicht.
„Run zwingen Sie mich, noch Lebensretter zu spielen, Baroneste, ich kann Sie doch unmöglich elendlich hier in der Pleiße ersaufen lasten.«
Magita antwortete nicht. Sie faß jetzt mit abgewandtem Gesicht und rang augenscheinlich nach Worten.
„Na, naste Füße?«, fragte Borris gutmütig, auf ihre hellen gelben Lederstiefel hernieder- fehend, die bei der „Kippelei« etwas Master gezogen hatten. „Sehen Sie, das kommt von Ihren Extravaganzen. Hätten Sie ihren guten Freund Borris aufgefordert, an diesem schonen Maienmorgen mit Ihnen gemeinsam eine Fahrt nach Connewitz zu unternehmen, so wäre das Unglück nickt pafliert. Statt besten aber grollen Sie mir noch immer bet albernen Schreiberei wegen, bie mir längst leib tut unb fallen ins Wasser. Na, Ihr Boot kriegen wir beibe doch nicht wieder in Gang. Ich mache den Vorschlag wir schicken einen Schiffer hinterher, damit er es einfängt, und Sie vertrauen sich mir an, Baronesse.«
Und trotzdem er noch bittend und fragend in ihren Augen forschte, trieb et doch schon mit
Deutsches Reich.
— Da» Programm der Kaifettage ht Pofen. Nach dem nun amtlich festgestellten Programm wird da» Kaiserpaar mit großem Gefolge am Sonnabend, den 20. d. M., nachmittags 4 Uhr, auf dem Posener Hauptbahnhofe eintreffen. Vor dem Königlichen Schloß, wo Tribünen errichtet sind, wird da» Kaiser- paar durch den Oberbürgermeister Dr. Wilms und die Spitzen der städtischen Behörden begrüßt. Dann wird der Erbauer des Schlosses, der Geheime Vaurat Dr. Schmechten, dem Kaiser einen goldenen Schlüssel überreichen, woraus der Kaiser die feierliche Eröffnung, an die sich ein Rundgang schließt, vollzieht. Abends um 7 Uhr findet im Schlosse große Festtafel statt, zu der sämtliche Spitzen der Behörden, einige Mitglieder des Provinztallandtages usw. geladen sind. Eine umfangreiche Illumination der staatlichen Gebäude ist geplant. Abends 9 Uhr findet großer Zapfenstreich sämtlicher Musikkorps der Posener Garnison statt. Am Sonntag, den 21. b. M., ist Feldgottesdienst auf der Esplanade des Kernberges. Am Montag vormittag nimmt der Kaiser an einer Felddienstübung auf dem Truppenübungsplatz teil; während dieser Zeit wird die Kaiserin mehrere Krankenanstalten und Wohltätigkeitslnstttute besuchen. Am Dienstag, den 23. d. M., erfolgt bie Abfahrt des Kaiserpaares nach Königsberg. Während feiner Anwesenheit in Posen wird das Kaiserpaar im Schloß und Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin Im Dienstgebäude des Generalkommandos wohnen.
— Der Dank des Kniserpaare«. Hannover, 8. Aug. Der Oberpräsident der Provinz Hannover, Wirk!. Geh. Rat Dr. e. Wentzel, veröffentlicht nachstehende Danksagung: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Gnade gehabt, mich zu beauftragen, der Haupt- unb Residenzstadt Hannover, ihren Bewohnern und allen, die zur Begrüßung Ihrer Majestäten herbeigeeilt waren, Allerhöchst seinen Dank und den Dank Ihrer Majestät der Kaiserin unb Königin für den begeisterten Empfang unb bie herzliche Aufnahme auszusprechen, bie Ihren Majestäten überall bereitet worben sinb."
— Der Besuch des Kaisers in Stolp in Pommern ist der „Post« zufolge nun festgelegt. Nach einer dort vom Hofmarschallamt eingegangenen telegraphischen Mitteilung trifft der Kaiser in Begleitung der Kaiserin am Montag, 5. September, mittags 1% Uhr, mittels Sonderzuges in Stolp ein zur Teilnahme an der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I., bie aus Anlaß der Feier des 600jäh- rigen Stadtjubiläums erfolgt.
— Zur Orientreise des Kronprinzen. Der deutsche Kronprinz wird der „Post,, zufolge auf seiner Ost- asienreise 14 Tage als East des Kaisers von Japan in Tokio weilen. Eine Einladung des Mikado liegt bereits feit Wochen in Berlin vor.
— Der Kronprinz als Rector magnifizentiffimus. Berlin, 8. Aug. Nach Blättermeldungen soll der Kronprinz am 23. August in feierlichem Aktus als
leichten Ruderfchlägen fein Boot pfeilschnell von bannen.
Magita war so bestürzt, baß sie kein Wort brr Erwiderung fand. Nun faß sie am Steuer, unb unwillkürlich gab sie bem kleinen Bot bie Richtung.
„Sehen Sie, Baronesse,« lächelte Borris nach einer Weile, „wie gut es geht, mit unferer gemeinsamen Fahrt?«
„Das ist Gewalt,« grollte sie. „Ich finbe es gerabezu abscheulich von Ihnen, meine mißliche Lage so auszunützen.«
„Wären Sie ein Weib, wie alle anderen, Magita,« gab ber Graf ungewöhnlich ernst zurück, „so würbe ich Sie allerbings zarter behandeln, so aber meine ich, wir kämpfen wie ein Mann gegen Mann, mit gleichen Waffen. Wollen Sie aussteigen, bitte!« Er zeigte einladend auf bie Wellen, in benen sich klarblau ber Himmel fpiegelte.
Jetzt irrte auch ein verstohlenes Lächeln um Magitas fchmale rote Lippen. Wie reizenb ihr dieses holde, fast kindliche Lächeln stand. Dem Graf düntte es eine süße, hellge Offenbarung.
„Lasten Sie uns doch Frieden fchließen, Magita,« bat tr weich. „Sehen Sie nur hinein in all die Frühlingspracht. Wollen Sie mir noch immer zürnen?«
Magita schwieg, aber zitternd lagen die dunklen Wimpern auf den zarten Wangen. Etwas unsagbares keusches, mädchenhastes umwob die ganze schlanke Gestalt.
„Sehen Sie,« fuhr Borris fort, „anstatt mich zu tröften, daß ich mir bei dem Manne, den ich weit unter mir stehend wähnte, einen regelrechten Korb allergrötzterSorte geholt zu haben, iveil ich ihm als Mitgifisjäger trotz der Grafcnkrone nicht mal gut genug war, grollen Sie noch mit
Rector magnificenttsfimu» der Albertus-llniverfität in Königsberg investiert und proklamiert werden. Bekanntlich hatte sein Großvater, der nachmalige Kaiser Friedrich, dieselbe Würde als Kronprinz time.
— Der nationalliberale Vertretertag k« Tassll. Berlin, 8. Aug. Der diesjährige Allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei findet am L und 2. Oktober in Cassel statt. Der erste Berhand- lungstag am 1. Oktober dürste der „Rationalltberal. Correspondenz" zufolge durch eine Aussprache über bie allgemeine politische Lage, an der Hand eine» Referates des Abgeordneten Bassermann, Gelegenheit zu einer gründlichen Aussprache bieten. Der Tagung geht am 30. September eine Sitzung be» Zentralvorstandes in Cassel voraus.
— verkauf weiterer Kriegsschiffe. Kiel, 8. Ang. Von den im vorigen Sommer au« der Liste der Kriegsfahrzeuge gestrichenen Panzerkanonenboote „Wespe«, „Camaeleon", „Salamander« und „Sßipet* hat der „Post« zufolge die Wilhelmshavener Marinewerft die ersteren drei auf den 31. August zum meist- bettenden Verkauf ausgeschrieben. Schon seit Jahren waren die Panzerkanonenboote, breitgebaute Fahrzeuge von 1100 Tonnen Verdräng, die jetzt absolut keinen Eefechtswert mehr besitzen, nicht in Dienst gestellt und führten ein beschauliches Dasein auf ber Werft.
— Kein Eroßbksck. Stuttgart, 8. Aug. Der Sonderausschuß der Deutschen (nattonalliberalen) Partei Württembergs hat gestern zu den kommenden Reichstags- und Landtagswahlen Stellung genommen. E» herrschte Einmütigkeit in der Gesamtauffassung der Lage, die dahin geht, daß mit der Fortschrittlichen Volkspartei ein freundnachbarliches Verhältni» aufrecht erhalten werden solle, daß aber von einer Eroßblockpolitik in Württemberg keine Rede sein könne, schon deshalb nicht, weil der ganze Reichs- tagswahlkampf in erster Linie zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie werde ausgefochten werden müssen.
— Amtlicher Bericht über das Attentat auf den Militärpoften in Potsdam. Potsdam, 9. Aug liebet bas Attentat auf den Kanonier Szelag liegt folgende ausführliche Meldung vor: Am Montag zwischen 8 und 10 Uhr stand der Kanonier Szelag von bet 1. Batterie des 2. Eardefeldartillerie-Reginient» am Pulverhaus zwischen Fahrland und Satzkorn Posten. Gegen 9 Uhr 45 Min. bemerkte et plötzlich in der Ecke des Fahrländer Sees drei Männer, die sich ihm näherten und ihm Halt! zuriefen. Er lief darauf ebenfalls: Halt, wer da? Ich schieße! und öffnete be» Verschluß seines Karabiners. Jetzt warfen sich bW Männer schnell nieder, plötzlich pfiff d-m Posten ei:-tt Kugel dicht am rechten Ohr vorbei. Szelag erwiderte mit zwei Schüssen, hatte aber in der Dunkelheit kein sicheres Ziel. Während der Posten sich schnell nach der Klingel begab, um bie etwa 200 Meter entfernte Wache zu alarmieren, näherte sich wiederum einet der drei Männer, auf den Szelag nochmals schoß. Als zwei von der Wache entsandte Kanoniere ein«
mir, unb doch habe ich kein größeres Verlange«, als Ihnen, Magita, meine Sünden zu beichten. Wissen- Sie, Ivie einst als Junge, wo Sie mich bann gehörig bei ben Ohren nahmen? Ost ist es mir, als spüre ich noch immer ben Veilchen buft von damals, als ich Sie küßte. Wissen Sic noch?«
Purpurrot flammte bas Blut über Magitas weißes Gesicht.
„Lassen Sie doch die alberne Geschichte, Borris,« bat sie, aber ihre Stimme klang nidf so herrisch wie sonst, sondern weich, unb bk klommen.
„Rein, lassen Sie mich doch einmal reben, Magita.«
Unb er begann zu berichten von vergangenen Tagen unb begangenen Sünben. Auch von ber schonen Frau sprach er, bie ihn verführt, bet er Hab unb Gut in frevelndem Spill geopfert und vor ber er zuletzt aus Ekel unb Scham über sich selbst, geflohen war, um sie nie toieber zu sehen. Unb bann sprach et von Tante Regina und ihrem Tob, unb wie er jetzt endlich frei fei von ber quälenden Sorge ums Leben, und daß er nun ausziehen wollte, ein Weib zu suchen,, ein süßes Weib, ganz nach seinem Herzen, daS er schon immer geliebt, nur daß er es nicht wußt hätte.«
Magita sah ihn bang an unb nickte mit bem Kopfe.
Ja, er würde es nun gut haben, und er würbe baheim bufft bei ihrem Vaterhause, bas ihr verschlossen war, wohnen, unb er würbe vielleicht auch mal herüber zu ihrem alten Vater gehen unb mit ihm von -er fernen Toch- »ter reben, die er verstoßen, weil sie ungehorsam war.
(Fortsetzung folgt.)