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MchM JÄNg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Mnö Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahr-.

Zukunft. Die Wahlrechtsreform aber muh komme» Wenn die Monarchie mit einem gebildeten, gemäßig» ten, über den Parteien und Klassen stehenden B» amtenministerium sie nicht durchführt, so wird bk demokratischeFlutfie in die Hand bekomme«. Rur diese beiden Möglichkeiten stehen zur Wahl; tertium non datur.

Weiter beschäftigt sich dieKonservative Mo» imtsschrift" mit der Frage. Sie meint, die Kron« müsse die Einlösung des bekannten Versprechen» te der Thronrede solange versuchen bis sich ein Staat» Ministerium finde, das die Verantwortung über­nehme. In dem Artikel heißt es:Es ist kein Postu­lat des Konservatismus, daß der Bürger das ihm zustehende Maß politischen Rechts auf indirekte«, Wege zur Geltung bringe. Es hat die Oeffentlichkekt der politischen Meinungsäußerung in unseren Tage« nicht mehr das absolute moralische Gewicht und kan« unter Wahrung aller konservativen Ueberzeugunge« sehr wohl diskutiert werden. Die indirekte Wahl ist sogar zur Zeit ihrer Einführung, als noch ganz an» dereVoraussetzungen im politischen ßfbtn bestand« als heute, von konservativer Seite al» unnatürlich bezeichnet worden, und es wird wenige Unbefangene geben, die diese Ansicht nicht in gewisiem Sinne tei­len, auch dann, wenn sie im Wahlreformversprech« einen Mißgriff sehen und das bestehende Wahlrecht für durchaus brauchbar halten. Es ist die indirekte Wahl weder ein konservatives noch liberales Prtn» zip. Wohl aber ist das der indirekten Wahkl anhaf­tende Odium der politischen Bevormundung eine erste Quelle der Unzufriedenheit und dasjenige Mo­ment, das den Unterschied zwischen Reichs- und preu­ßischem Wahlrecht am stärksten fühlbar macht. Aehn» lich wie die indirekte Wahl findet sich auch die Oef- fentlichkeit der Stimmabgabe heute vor anderen See» hältniffen als vor zwei Menschenaltern. Die Forde­rung nach allgemeinem, offenem Bekenntnis der po­litischen Ueberzeugung hat ihre Schranke <m bet Fülle der menschlichen Abhängigkeit, an der gewiß nicht erfreulichen Tatsache, daß die Abhängigkeit« so vielfach zum Druck auf die Stimmungen, Mei­nungen und Ueberzeugungen genutzt werden."

Der heutiaen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 64.

Marburg

Mittwoch, 10. August 1910

großzügig- militärische Vorlage einbringen. Macht der Reichstag Schwierigkeiten, so hat we­nigstens die Regiemng ihre Schuldigkeit getan, sie trägt dann neicht weiterhin die Verantwor­tung für eine unzureichende militärische Rüstung und deren unabsehbaren Folgen für die Zukunft Deutschlands.

Die preußische Wahlreform

ist z. Zt. wieder Gegenstand theoretischer Erörterung. Im Volkswirtschaft!. Jahrbuch erörtert der bekannte Nationalökonom Prof. Schmoller-Berlin die Not­wendigkeit einer neuen Vorlage und zwar fordert er geheimes und direktes Verfahren. Er ist der Ansicht, daß der Ministerpräsident den Versuch der Wahl­rechtsvorlage wiederholen werde. Warum?Weil Preußen als Staat mit dem reaktionärsten Wahlrecht Europas auf die Dauer die größte politische Erfahr läuft, mit seinem Wahlrecht, wobei nur 32,8 vom Hundert der Wähler zur Wahlurne zu bringen sind. Jede Berfasiung braucht die Zusttmmung, die innere Teilnahme der großen Majorität des Volkes. Kein Recht der Krone, der Regierung ist auf die Dauer haltbar, wenn nicht der größte Teil der Bürger innerlich mit Herz und Geist auf ihrer Seite ist. Ueber Augenblicksbewegungen kann jede kluge und starke Regierung Herr werden. Keine kann dauernd der Zustimmung, des Beifalls der großen Majorität der Regierten entbehren. Die demokratische Strö­mung unserer Zeit mag zu einem erheblichen Teil über das Ziel hinausschießen. Sie ist eine Macht, der man gewisse Konzessionen machen muß, weil sie einen sehr berechtigten Kern hat. Das preußische Klassenwahlrecht steht nicht so sehr weit auch von dem französischen Wahlrecht ab, das 1830 und 1848 zur Revolution führte, ebenso wenig vom englischen, das 1832, 1867 erst zu den großen Wahlreformen führte. Wer diese großen, historisch-politischen Tatsachen ver­kennt, ist blind. Wer an verantwortlicher Stelle ver­kündet, das heutige preußische Wahlrecht sei vollendet gut, macht sich mitverantwortlich für künftige große Katastrophen. Wer sagt, es habe 1849 bis 1900 gut gewirkt, es habe ebnso gut fortschrittliche, als kon­servative oder inittelparteiliche Majoritäten gelie­fert, behauptet nur einen Teil der Wahrheit, aber nicht die ganze. Er behauptet einen Vorzug, der wohl in der Vergangenheit besteht, heute aber, unter ganz veränderten Verhältnissen, nicht mehr besteht. Auch wer die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen bekämpft, wie ich, muß, wenn er über historische Bildung verfügt, eine maßvolle Reform des Dreiklassensystems wünschen.

Das Ausbleiben einer neuen Wahlrechtsvorlage würde nach der Ansicht Schmollers den politischen Selbstmord des Ministerpräsidenten bedeuten. Er muß, fährt er fort, mit einer neuen Vorlage kommen, und sie wird wahrscheinlich weitergehen als die jetzige. Nicht ohne Sorge sieht der Patriot in die

Deutsches Reich.

Der Bruder des G«erals v. Spitz -J-. Han­nover, 8. Aug. Generalleutnant Wilhelm Spitz, der Bruder des in der vorigen Woche verstör» benenVorsitzenden des Deuffchen KriegerlmndeS, ist gestern Nachmittag auf einem Spaziergang« an einem Schlaganfall im Alter von 74 Jahren gestorben.

Der frühere Zentra s .bgeordnete FuS- angel Hagen (Westfalen), 8. Aug. Gestern starb hier der frühere Reichstagsabgeordnete und Herausgeber derWestdeutschen Volkszeitung', Fusangel. F. gehörte der Zentrumspattei a«, mit der er aber später in bitterer Fehde lebte.

Heeresfraqen unb Parteipolitik.

Von Generalmajor Keim.

Es ist von vielen Blättern kürzlich auf den Aufsatz eines Zentrumsabgeordneten hingewies n worden, der dafür eintritt, das Quinquennat aus sogenannten taktischen Erwägungen bis zum nächsten Reichstage zu verschieben. Die Gründe, welche hierfür angegeben worden sind, waren jedoch von so durchsichtigem patteipolitischen Ge­präge, daß selbst derVorwärts" sie ettannt hatte. Es muß bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daß es von jeher eine be­dauerliche Schwäche des deutschen Parlamenta­rismus war, Heeresfragen mit Parteipolitik zu vermischen. Eine der Hauptursachen des Nieder­gangs des Links-Liberalismus in Deutschland war die verbobtte Haltung der früheren Fott- schttttspattei in Heeresangelegenheiten. Bis­marck hatte mit dieser törichten Polittk nicht allein schon im preußischen Abgeordnetenhaus zu kämpfen, sondern auch im späteren Reichstag. Im Jahre 1887 gelang es, durch Neuwahlen das Konzert Windhorst-Richter-Grillenberger zu sprengen. Dasselbe war der Fall im Jahre 1893 unter dem Grafen Caprivi, in verändetter Form im Jahre 1907 unter dem Fürsten Bülow. Es handelte sich hierbei jedesmal um militärische Fragen und glücklicherweise hat das deuffche Volk bis jetzt sich auf die Sette der Regierung gestellt, sowie letztere den Mut besaß, militärische Vorlagen einzubringen, welche die nationale Sicherheit des Reiches sicherstellen sollten.

Es handelt sich jetzt darum, ob die verbünde­ten Regierungen auch bei Ablaufs des Quin- quennats ohne Rücksicht auf die Patteiverhältniffe km Reichstag die Festigkeit besitzen, diejenigen Forderungen zu erheben zur Verstärkung unseres Landheeres, die angesichts der stets wachsenden militärischen Rüstungen Frankreichs und der im Zuge befindlichen Reorganisation des russischen Heeres unter gleichzeitiger namhafter Verstärkung desselben (um mindestens 4 Armeekorps) unbe­dingt nötig erscheinen. Es liegt allerdings die Gefahr vor, daß unter der Formel:Sparsamkeit um jeden Preis" das Maß der Forderungen ein unzureichendes werden könnte und es liegt ferner die Gefahr vor, daß auch aus Rücksicht auf bat neuen Block, d. fj. mit Rücksicht auf das Zentrum, auf welches wiederum die Konservativen Rück­sicht nehmen müssen, schließlich zu bedenklichen Halbheiten gegriffen werden könnte. Demgegen­über muß mit aller Entschiedenheit betont wer­den. daß die politische, nationale und auch witt- schaftliche Zukunft Deutschlands aufs schwerst- gefärhrdet erscheint wenn Erwägungen folche- Art bei dem Ausmaß der Militärvorlage Platz greifen sollten. In anderen Ländern, wie Eng­land, Frankreich, Vereinigte Staaten von Rord-

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amerika, selbst Italien, gilt es als selbstverständ­licher Grundsatz, daß Fragen der Landesvettei- digung aus dem Gttttebe der Patteipofitik aus­zuscheiden sind. Es sind auch diesen Ländern parlamentarische Schwierigketien in Wehrftagen nur in verschwindendem Matze entstanden. So wäre z. B. ohne Befolgung dieses Grundsatzes es unmöglich gewesen, daß Frankreich, welches 25 Millionen Einwohner weniger zählt, als Deuffchland, und dessen Nationalvermögen ge- ttnger ist als das deuffche, int Besitz eines Heeres ist, das mehr ausgebildete Soldaten auf« weist, als das deuffche. Geradezu beschämend ist es u. a. für Deutschland, daß, entgegen den Be­stimmungen der Reichsverfassung nur 0,85 Pro­zent der B völkerung unter den Waffen steht, während Frankreich 1,35 Prozent int Frieden ins Heer eingereiht bat. Es kann deshalb auch schon von einer wirklichenallgemeinen Wehrpflicht" in Deutschland nicht mehr die Rede sein, wenn man berücksichtigt, daß im laufenden Jahre nur 50 Prozent der für tauglich befundenen Mannschaf­ten in das Heer eingestellt werden konnten. Es muß ferner an die Tatsache erinnert werden daß in Deutschland jahrein, jahraus Hundetttausende von durchaus krieastauglichen Ersatzref-rvist« ohne jede militärische Ausbildung bleiben, trotzdem solches gesetzlich vorgeschrieben ist. Es fehlt, wie die Regierung behaupt't, an dem nöti­gen Geld. Auch die Uebungen des Beurlaubten­standes finden bei uns nur in geringerem Um­fange als in Frankreich statt. In Deutschland werden durchschnittlich im Jahre ungefähr 350 000 Mann des Beurlaubtenstandes etnge- zogen, in Frankreich beträgt diese Zahl in diesem Jahre über 600 000 Mann.

Ich bschränke mich vorläufig auf diese An­gaben, ohne auf bedenkliche Lücken in unserer Friedensorganisatton näher einzugehen, um an­zudeuten, datz es für Deutschland die höchste Zeit ist, bedeutende Anstrengungen zu machen, um mit seiner Wehrkraft nicht in das Hinter­treffen zu gelangen. Haben Franzosen, Russen usw. einmal die Ueberzeugung gewonnen, datz die deutsche Armee nicht mehr auf ihrer alten Höhe steht, d. h. nicht mehr unbedingt die feither allgemein anerkannte militärische Ueberlegenheit anderen Staaten gegenüber besitzt, so wird das die Führung einer kräftigen auswättigen Politik unsererseis nahezu unmöglich machen und den Frieden aufs ärgste gefährden. Es kommt hinzu, daß durch das Quinquennat in Deuffchland mili­tärische Aufwendungen immer auf 5 Jahre be­schränkt bleiben, während in Frankreich, Ruß­land, Italien, England in jedem Jahre dieStteit- kräste des Landes vermehrt werden könnnen. Aus allen diesen Gründen muß erwattet werben, daß die verbündtten Regierungen ohne jede Rücksicht auf patteipolitffche Konstellationen und unter Fernhalten von dem höchst bedenklichen Grundsatz, daß Sparsamkeit in Heeresangelegen- heiten bei der Finanzlage des Reiches gleichsam obeffter Leitstern Jein müsse, hinter dem selbst zwingende Forderungen zurückzustellen seien, eine

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- 4QK jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

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(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

ö6 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Bon Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Das erste Frühlingsgewitter war über Leip- ißg heraufgezvgen. Tropfen, warm und lind wie Ifang erstickte Tränen fielen auf die Erde. Mit ßheuem Bangen standen die Blüten, die der Lenz wach geküßt und schauten das jagende Wolkenge­triebe am Himmelszelt. In schweren Stößen ging die Lust und dumpf grollte der Donner.

Jetzt verhallte er ganz, und wie ein trösten­des Friedenszeichen flatterte eine weiße Wolke durch die Lust.

Borris v. d. Gröben schritt langsam den Schleußiger Weg am Wasser entiang. Sein Blick ging über die Wiesen der weiten Rennbahn hin­weg und haftete drüben am Waldesrand. Dori jagte noch ein dunkler Wolkenflor und der Früh­lingssturm brach Blätter und Blüten: aber Tau­fende hoben auch schon wieder perlenübeffät ihr Blumenhaupt lächelnd der Sonne entgegen. In der Lust strömte es wie von rauschendem Segen

Borris batte die Lippen fest geschlossen, und ein düsteres Feuer brannte in seinen leicht zu- sammengekniffenen blauen Augen. Durch seine Adern pulste das Blut rasch und warm. Weit dehnte sich seine breite Brust in einem Sturm, bet dem Frühlingsgewitter glich, das soeben vorüber- gezogen.

Bor acht Tagen hatte er sich bei Alexander Hermann einen regelrechten Korb geholt, als er um Utes Hand angehalten. Er hätte sich prügeln können für seine Unbefonnenhett. Aber Tante Regina hatte gebtibtgt. Sein Referen­dar-Examen batte er glücklich bestanden, und irgendEine' foftte es doch fein von »«reichen

Leipziger Mädels, und ihm gefiel Ute garnicht tinmal fo schlecht.

Nie würde er vergessen, wie verächtlich ihn dieseKrämerseele", wie er den alten Bennann nannte, angeblickt hatte, als et seinen Antrag an­brachte.

Dars ich fragen, Herr Gras," hatte der Kom­merzienrat mit seiner Ironie gefragt,woraus Sie Ihren Haushalt begründen wollen? Meine Tochter ist ein verwöhntes Geschöpf, und da Sie nun ohne Vermögen sind und ich annehme, daß Sie nicht die Absicht haben, von Ihrem Re serendar-Einkommen zu leben, so muß ich wohl glauben, daß Sie durch eine günstige Heirat Ihre Finanzen auszubeffern trachten. Meine Töchter, Herr Gras, erhalten keine Mitgift. Ich glaube, Ihr Antrag erledigt sich dadurch von selbst."

Borris knirschte noch jetzt mit den Zähn«, wenn er an die klägliche, ja erbärmliche Rolle dachte, die er dabei gespielt. Die Grafenkrone die er in die Wagschale zu werfen glaubte, war so jämmerlich nichtig beftmden worden, daß et sich ihrer fast schämte.

Wie erhaben hatte er sich diesen Bütget- mädchen gegenüber gefühlt. Et hatte gemeint, nur die Hand ausstrecken zu brauchen, und das Begehrte würde sein, und nun nahm man ihn noch garnicht einmal ernst. Daß die Mädels keine Mitgift erhielten, war ja Unsinn. Damit hatte der Alte ihn nur abwimmeln wollen. Wenn et aber an das ernste, feine Gesicht Utes dachte, bann er wußte selbst nicht wie eS kam bann schämte er sich. Anbeten Aetger hatte er auch in Fülle gehabt. Benno von Lassow hatte ihm quasi bie Freundschaft gc kündigt, all er ihm vertraut, daß er um Ute geworben. Et hatte allerlei von Liebe und Ehre geredet, und daß eS schandbar sei, eine Frau deS Geldes wegen zu begehr«. Er für sich wolltze wart«.

bis er im Stande fei, eine Frau zu ernähren, und dann würde er Etta Bennann heiraten, notabene, toew sie ihn dann noch wollte, ganz egal, ob sie Geld haben ober keins.

Borris Freunbschaft mit bet Baronesse Diestetweg, bie für ihn immer etwas wie von einem erstischenben Quell gehabt, hatte auch einen gewaltigenKnacks" erlitten.

Sie batte ihn ausgezankt wie einen Schuh­putzer als er ihr auf ihre Interpellation hin, freiwillig vertraute, baß er bet Verfasser bet Kritik in betAbendzeitung" übetFrauenrecht und Frauenehre" sei. Nie mehr ansehen wollte sie ihn, der ihr- Freundschaft mit gemeinem Verrat lohne, und dergleichen schöne Dinge mehr hatte sie ihm zugeschleuderi. Er hatte jetzt Magita lange nicht gesehen.

Borris hatte Wohl ab und das Verlangen geftriiri, die Baronesse aufzusuchen, um eine Ver­söhnung anzubahnen, aber eine merkwürdige Scheu hielt ihn immer wieder davon zurück.

Unzufrieden mit sich und der zanzen Wett hatte er bie letzte Woche ganz einsieblerisch ge­lebt bis ihn geftem ein Ereignis, das er sich nie hätte träumen lassen, ganz aus b« Fugen brachte.

Tante Regina war Plötzlich in Cannes am Herzschlag ohne jede Krankheit gestorben und hatte ihn als Universalerben eingesetzt.

Wolfshagen, das alte Stammgut, das Schloß seiner Väter, von seiner Familie veffchleuderi und von Tante Regina damals, als das Gut subhastiert wurde, unter großen Opfern erstan­den, das sollte wieder ihm gehören? Er sollte dort wieder leb« wo et als Knabe gespielt un» geträumt, wo et mit Magita auf bet Rauer ge­sessen, und wo er sie geküßt hatte?

Da war er schon wieder bei Magita. Sie war wirklich Höchst unbequem, diese Erinnerung.

Jetzt staub der Griff an einer oft« Bretter­

bude am Schleußiger Weg, in bet eine alte Fran saß und sich von der Frühlingssonne bescheine» ließ.

Zu ihren Füßen, auf de« grünen Wellen der Pleiße schaukelten Boote und jedes Boot trug einen Birkenzweig.

Wollt Ihr mir ein Boot flott mache«, Mütterchen?"

Ei versteht sich, fon scheenet Hette schon am früh« Morsen, daS brächte ja Klick," sagte bie Alte unb klopfte Borris wohlwollend den Rücken.

Et ließ es ruhig geschehen. Et nickte sogar bet alten Frau freundlich zum Abschied zu, all er die Ruder in das blanke Wasser tauchte.

Langsam glitt das Boot durch die schmal« Wa'etbahn, d« herrlichen Wasserweg nach Connewitz hinaus, daS sich wie ein funkelnde- Band durch bie grüne Waldwildnis Windei. Still wat es auf dem Wasser. Nirgends ein Boot, nirgends ein Baut. Nur das leis« rauschende Gezweig, von dem hin und wieder blanke Regenttopf« niedersprühten, flüstert« durch d« lachenden Maienmotgen, wie ein heim­liches Lied.

Und in Borris Seele wurde es licht und still. Alle Unrast, die ihn gequält, fiel ab in der bräutlich« Frühlingsptacht hier drautzm indem feierlich« SBalbfrieb«.

Wie das glitzerte und leuchtete auf dem grünen Wasserfpiegff, wie die Weid« ihre grünen Zweige fies in die Flut taucht«, daß eS war, als wallt« Silberschleiet Hemieder. Und immer Wetter ging die Fahllf zwischen de« hängend« Gezweig, immer wettet hinein in das Mätchenteich deS Frühlings. Da plötzlich War eS Borris, gerade dort, wo die Pleiße sich in­mitten der grün« Wildnis fo wett ausbuchtet, als hörte er ein« leis« Angstschrei über das Wasser hall«. (Fortsetzung folgt.)