mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
45. Jahrg.
In IQ 1 jährlich durch die Post bezogen 2,25 <M. (ohne Bestellgeld), bei
™=- JOt unseren Zeitungsstellen und der Ervedition 'Markt 21), 2.00 M.
Die „Oberhessische Zeitung" erscqeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel-
(Für unverlangt zugesandte ^Manuskripte übernimmt die Redaktion keiner!.-' ^kerentwortung.)
Marburg
Dienstag, 9. August 1910.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 für auswärtige Inserate 20 L, für Reklamen 40 i. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Aniverfitäts-Buchdenckerei, Inhaber Dr. L. ''.'.per rrburg, Markt 21. — Telenbon 55.
Tie Unruhen in Spanien.
In Spanien ist die Lage aus Anlaß der antiklerikalen Politik der Regierung ziemlich besorgnis
erregend. Sßir haben über diese Bewegung schon verschiedentlich berichtet. Heute liegen darüber weitere Meldungen vor, die beweisen, daß diese Unruhen noch
zu allerhand Ueberraschungen führen können.
Madrid, 6. August, deut Eanalejas erklärte in
über die klerikale Agitation,
Ministerpräsi- einer Rede 6000 Mann
ständen angeblich bereit, um nach Bilbao und San Sebastian zu marschieren. Aber wenn die ©eener der Regierung eine Erhebung versuchen sollten, so habe diese 50 000 Mann zur Verfügung. welche man überall hinsenden könnte, wo sie nötig seien. — Barcelona, 6. August. Gestern Al end kam es zu einem neuen Zusammenstoß zwischen Karlisten und Radikalen. Die Kämpsen- den wurden durch die Polizei auseinander ge
trieben.
San 8 e b a st i a n , 7. Aug. In vergegangener Nacht trafen zwei Srbrvadronen Gendarmen ein. Die Bahnhöfe sind von Truppen besetzt. 2000 Katholiken tnb in der Stadt; ihre Haltung ist friedlich. Der ieneralkapitän hatte eine Konferenz mit Eanalejas, ifm er versicherte, daß eine Störung der Ruhe nicht
sl>. befürchten sei.
San Sebastian, 7. Aug. Die Organisations- ausschüsfe ließen an die Bevölkerung von Viscaya und Navarra die Mitteilung gelangen, daß sie von der geplanten Kundgebung der Katholiken Abstand genommen haben, weil die Regierung die Transportmittel mit Beschlag belegt habe. Sie protestieren gegen die Akte der Willkür und beklagen es, daß die Armee dazu bestimmt fei. die Ordnung gegen die Katholiken aufrecht zu erhalte», die das Heer liebten und schließen mit der Aufforderung, die Katholiken sollten den Mut »ich: "nken lassen. — Als gestern Abend eine Gruppe Manifestanten von einem Balkon herab: „Nieder mit Spanien! Es lebe der Papst!" riefen, versuchten etwa tausend Personen das Haus zu stürmen. Der Gouverneur eilte an der Spitze von Polizei- und Gendarmeriemannschaften herbei und stellte die Ruhe wieder her; mehrere Personen wurden verletzt, 44 verhaftet. Im Zesitrum der Stadt herrscht Ruhe. Bei Haussuchungen wurden eine Anzahl Feuerwaffen gefunden und 132 Verhaftungen vorgenommen; gegen drei Uhr morgens wurde die Gendarmerie zurückgezogen.
Paris, 7. Aug. Aus Madrid wird gemeldet: Die Regierung widmet ihre ganze Aufmerksamkeit jetzt dem Streik in Bilbao. Wenn die dortigen Arbeitgeber ihre unnachgiebige Haltung beibehalten, dann wird der Minister des Innern, der noch in Bilbao weilt, nach Madrid zurückkehren und der Ministerrat wird am Montag außerordentliche Beschlüsse fassen, um den Streik abzuwenden, denn er kann eine Verlängerung der gegenwärtigen Lage nicht dulden, welche die Existenz der Arbeiter in ganz Spanien bedroht. Die öffentliche Meinung mißbilligt die Haltung der Arbeitgeber und da die Regierung die
65 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wolhe.
(Fortsetzung.)
„Peter, Peter," rief der Kommerzienrat verzweifelt. „Petor!"
Aber Peter hatte das Zimmer schon verlassen. Alexander Bermann brach fast ohnmächtig zusammen.
„Run ist alles aus," stöhnte er auf. „Nun gibt es keine Rettung mehr für uns."
Äarleen war ihm zu Füß-n gesunken. „Vater, verzeihe mir," schluchzte sie laut auf. „Ich konnte ja nicht anders. Siehe, ich weiß ja nicht, warum ich durchaus Peters Frau werden sollte, aber das weiß ich, daß ich lieber Hunger und Elend, Armut und Niedrigkeit tragen will, als dieses Joch vini Ehe, in der man den Mann verachten muß, den man lieben soll."
„Du kennst Hunger und Elend nicht," murmelte der Kommerzienrat. „Wenn Du wüßtest, baß von dieser Heirat viel, fast alles für uns abhing, würdest Du Deinen Leichtsinn begreifen und einsehen, was Du Furchtbares für uns alle ungerichtet hast."
Karleen stand hastig auf. Ihre Tränen ver- fiegten und ein.- seltsame Ruhe kam über sie.
„I d« Tal schließt ihr.« Strafe in sich, Vater,, sagte sic. „Habe ich Unrecht getan, so werde ich dafür büßen müssen. Dich aber frage ich, mit. welchem Recht opferst Du das Glück Deiner Kin- Vf Deinen eigenen Interessent"
Alexander Bermann sprang, wir von einem Schlage getroffen, auf.
„Du wagst es," schri« er ganz braunrot vor But
öffentliche Meinung auf ihrer Seite hat, wird sie wissen, ihre Entscheidungen durchzusehen.
P a r i s, 7. Aug. Der auf der Rückreise in Paris eingetroffene spanische Gesandte beim Vatikan, Ojeda, erklärte einem Berichterstatter des „Matin" gegenüber bezüglich des Konfliktes mit dem Vatikan: Von einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen oder von einem Abbruch der Verhandlungen ist keine Rede. Unser Geschäftsträger in Rom hat die Weisung, den Empfängen des diplomatischen Korps auch am kommenden Dienstag beizuwohnen. — Ich fahre morgen nach San Sebastian, um mit dem Minister des Aeußern zu to.Jetteten und seine Instruktionen zu empfangen.
Volksaufklä?r.
Unter dieser Überschrift veräffentli 5t die „Korresp. f. nat. Politik" folg.nden höchst treffenden Artikel, der sich mit. den Auswüchse:, einet gewissen Sensations- und' Radaupresse bes.häftigt. In dem Artikel heißt es:
„Die Sensationslust einer gewissen ages- prcsse, die allmählich auch auf die ernsthaftesten Blätter ab;uf"rben b ginnt, ist schon oft beklagt worden. Wenn auch hier viel gesündigt wird, einmal ebben die trüben Fluten des größten Skandalprozesses doch ab. Anders ist es um jene andere Presse bestellt, die unter dem Deckmantel der „Aufklärung des Volkes" ständig in Sensation arbeitet. Früher befaßten sich in Berlin nur die Montagsblätter damit, jetzt erscheint fast an jedem Wochentage solch ein Organ für Aufklärung, Belehrung und Unterhaltung. Man lese nur die Ueberschrist der einzelnen Artikel: „Intimitäten eines Berliner Bankprokuristen", „Perversitäten in Animierkneipen", „Homosexuelle Skandalszene" usw., um zu wissen, worauf es diesen braven Volksaufklärern ankommt. Ein Montagsblatt, das sich gern einen politischen Anstrich gibt, veröffentlichte in seiner letzten Nummer ein unsagbar gemeines Gedicht, „Apachentanz", und bringt als Hauptanreiz für seine Leser jedesmal zwei oder drei schlüpfrige Novelleten. Kein Wunder, daß sich im Inseratenteil spaltenlang die Fabrikanten von Gummiartikeln, die Spezialisten für Geschlechtsleiden, weise Frauen usw. ein Stelldichein geben. Der politische Teil dieses Blattes ivie das seiner Konkurrenz ist von Anfang bis zu Ende eine einzige Schimpferei, wobei die Ausdrücke an Grobkörnigkeit den „Vorwärts" weit hinter sich lassen. Seine Riesenauflage, die ins zweite Hunderttausend reicht, verdankt das allerdings weniger seinen demokratischen Idealen als den übrigen Vorzügen. Denn der Kaufmannslehrling oder die kleine Näherin, die am Montagmorgen in der Straßenbahn das Blatt studieren, interessieren sich in erster Linie für die Pikanterien, weniger für die politischen Weisheiten eines ehemaligen Reichstagsabgeordneten. Und bas ist das traurige dabei, daß unsere Heranwachsende Großstadtjugend, auch aus gebildeteren Kreisen, ihre Auffassung von Staat und Gesellschaft aus solcher Lektüre erwirbt.
„Ja, Vater, ich wage es, so unkindlich es Dir vielleicht auch erscheinen mag. Hans Jürgen muß Milla Landheim heiraten, die er nicht mag, während er heiß und innig ein Mädchen liebt, das Du auch kennst und schätzen wirst, Rickle Günther; ich soll mit Gewalt Peter Pankwitz' Frau werden, der mir in tiefster Seele zuwider ist, und Ute muß alle Wünsche ihres Herzens begraben und daran zu Grunde gehen, nur weil Du ihr den Mann nicht geben willst, den ihr Her; erwählt. Wir alle sollen das Opfer fein, das vielleicht, vielleicht nur Dich errettet."
„Es ist doch für Euch alle," jammerte der Kommerzienrat. „Ihr geht zu Grunde, rettungslos zu Grunde, wenn alle diese Pläne scheitern. Erbanne Dich doch, Karleen."
„Lieber arm, bettelarm, Vater, als sich in eine so schändliche Zwangslage begeben. Ich will arbeiten für Dich, für Euch alle alle, ich will mir selber mein Brot verdienen, nur zwinge mich nicht, die Frau dieses Elenden zu werden."
„Du kennst das Leben und die Rot noch nicht," murmelte Alexander Bermann. „Du weiß nicht, was Du mir heute getan hast."
Karleen führte demütig feine Hand an ihre Lippen.
„Verzeihe mir, lieber, geliebter Vater, ich kann nicht anders," flüsterte sie unter Tränen.
Er nickte nur stumm und winkte ihr, ihn allein zu lassen.
Ganz gebrochen sank er in seinen Stuhl zusammen.
Nun war sein Schicksal wohl fest besiegelt.
Er sah nicht, daß die Ostersonne da draußen durch die Wolken brach. Er saß, wie von tiefer GrabeSnacht befangen, lange, lange. Und immer tiefer sank sein Haupt auf die Brust. Er
Jeder höhere Beamter ist entweder ein Dumm- köpf oder ein Schuft, jeder Priester ein Heuchler, der Staatsanwalt bet Scherge der Klassenjustiz und der Offizier ein adeliger Nichtstuer, jeder Schutzmann ein Bluthund. So sieht es in den unreifen Köpfen aus und viele können von diesem Vorstellungskreise nicht mehr loskommen.
Einige dieser Winkelblätter, die nicht in das demokratische Horn stoßen, machen in „nationaler" Gesinnung. Sie sind aber nun nichts besser als ihre geschäftstüchtigere Konkurrenz. Dasselbe Wühlen im Schmutz, dieselbe Roheit des Tones, dieselben schlüpfrigen Erzählungen. Die rechtsstehende Presse will nun von dieser fragwürdigen Bundesgenossenschaft l ichts wissen. An dieser Wahrheit kann auch der Ausgang des bevir- stehenden Preßprozesses (Bruhn) nichts ändern, der vor Zusammentritt des Reichstages dir Berliner Gerichte beschäftigen wird.
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar in Hannover Hannover, 6. August. Der Kaiser begab sich heute vormittag im Automobil nach der Vabrenhalder Heide, wo er um 834U(jr zu Pferde stieg, um das Königs- Ulanen Regiment zu besichtigen. Das Regiment hatte unter der Führung des Kommandeurs von Frankenberg und Lndwigsdorf in einer Linie Aufstellung genommen. Anwesend waren die direkten Vorgesetzten mit dem kommandierenden General Emmich und dem Generalobersten v Bock und Polach an der Spitze. Die Kriegsschule und die Offiziersreitschule waren gleichfalls zugegen. Am Rande des Exerzierplatzes hatten Knaben- schulen mit Fahnen Aufstellung genommen Der Kaiser nahm nach Abreiten derFront den Parademarsch in Zügen im Schritt entgegen. Es folgte ein Exerzieren, wobei auch markierte Kavallerie als Gegner verwendet wurde. Ein Parademarsch in Eskadronfronten im Trabe schloß die Uebung. Der Kaiser setzt sich an die Spitze des Regiments und führte sie durch die Stadt nach den neuen Kasernemeuts. Auf dem Wege hatten Mädchenschulen. Vereine und zahlreiches Publikum Spalier gebildet und begrüßten dev Kaiser mit s.ür- mfischen Zurufen. Der Kaiser traf mit dem Regiment um 11 Uhr vor der Kaserne ein, wo er dieses nochmals in Zugkolonnen defilieren ließ, dem sich zum Vorbeimarsch anschlossen das Feldartillerieregiment Nr. 10, beide Truppenteile zu Fuß. Vor dem Portal der reich geschmückten Kaserne nahm der Kaiser eine Reihe militärischer Meldungen entgegen und nahm dann das Frühstück im Offizierskasino ein. — Die Kaiserin mit Gefolge besuchte heute Vormittag das erste Vereinshaus der Säuglingsfürsorgestellen d r Vaterländischen Frauenzweigvereine in der Oster- mannstraße. — Die Kaiserin empfing heute Nachmittag im Königlichen Schloß Excellenz Frau General Emmich und Frau Oberpräsident von Wentzel. Späterhin besuchte die Kaiserin daS Henriettenstist, die evangelisch lutberische Diakonissenanstalt, wo sie von der Prinzessin von Sachsen Meiningen empfang.-n wurde und das Annastist, Pflege- und Heilanstalt für bildungs-
hatte keine Hoffnung mehr, llnd Ute? Was war mit Ute? Was hatte Karleen damit sagen wollen?
Mit schwer n schleppenden Schritten ging er die Treppe hinan, seine Lieblingstochter anfu- suchen.
Zur selben Zeit verlieb Karleen das Hans.
Als sie die Straße erreicht, hielt sie einen Augenblick inne. In vollen Zügen atmete sie die Frühlingsluft.
Abtun mußte sie all die Unrast ihrer Seele, jedes kleinliche Bedenken. Jetzt war sie frei von Peter Pankwitz, jetzt sollte auch all' das Faule, das Morsche von ihr abfallen, das die Verhältnisse ihr bisher aufgezwungen.
Der Kleinmut ihres Vaters, der immer so stolz und herrisch das Leben hatte meistern wollen, schreckte sie nicht, sie kannte einen Weg — einen lieben, heiligen Weg. —
Und Karleen schritt durch den sonntäglichen stillen Johannapark. Verbeißungsvoll klangen die Osterglocken zu ihr Hemieder. Sammetgrün lagen die Wesen. Jauchzend fliegen die Lerchen empor und überall wollten die Knospen springen.
Der Früyling zog über die Lande und überall sproßte und keimte es.
„Alles treibt, w»bt und schafft," • dachte Karleen, „es ist als höre ich alle Pulse des Lebens klopfen, und ich sollte kleinmütig sein und verzagen, wo über und über der Himmel feine goldene Sonnenfüllr ausströmt? Dftern ist dal Stein, Ich spüre das allmächfige „Werde", ich höre den Frühlingswind! Klingend geht es durch die Lust. Die letzte Hülle sprengt er in seiner jungen Kraft, damit er uni einen vollen ährenreichen Sommer bescheren kann.
Und weiter schritt sie die Promenade entlana
sähige Krüppel, welches aus Anlaß der silbernen Hochzeit der Majestäten erweitert worden ist. Konsistorialpräsident Heinichen empfing hier die hohe Frau. — Die Abreise der Majestäten nach Wilhelmshöhe erfolgte nachmittags um 6 Uhr 15 Minuten im Sonderzug unter den herzlichsten Kundgebungen des Publikums. Auf dem Bahnsteig waren zur Verabschiedung erschienen der kor.andierende G neral Emmich mit Gemahlin, Oberpräsident Dr. v. Wentzel mit Gemahlin und Polizeipräsident Beckerath. Dix Ankunft in Wil, Helmshöhe ist auf 9 Uhr 35 Min. abends festgesetzt. — Cassel, 6. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit Gefolge heute abend um 9 Uhr 35 Min. hier eingetroffen und haben sich nach d.m Schloß Wilhelmshöhe begeben
— Eine Reise des Kronprinzen nach Ostasien. Berlin, 6. Aug. Der „Nordd. 5 llgem. Ztg." zufolge tritt der Kronprinz voraussichtlich im No- vomber eine Studien- und Informationsreise nach Ostasien an, unter Berührung Indiers.
— Prinz Heinrich von Reuß als Pflanzung«, besitzet in den Kolonien Köln, 6. Aug. Wie die „Köln. Ztg." erfährt, hat Prinz Heinrich XXII. von Reuß, der nach einer einjährigen Reise in Südwest-, Süd- und Ostasrlka nächsten Monat wieder in Europa cintrifft, bei Morogore, unweit der Mittelbahn, Ländereien im Umfange von etwa 100 Hektar angekmst, um eine Pflanzung mit vorwiegend Kautschuk anzul gen. Die Anstalten zur Instandsetzung sind schon getroffen.
— Ordensverleihungen aus Anlaß der Einweihung des Augusta Blttoria-tSifis in Jem- salem. Berlin, 6. Aug. Der „Reichsanzeiger" meldet: Verliehen wurde: der Rote Adlerorden erster Klasse dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem Monsignore Camassei, der Rote Adlerorden zweiter Klasse dem Abteilungsdirektor der Generaldirektion der indirekten Steuern tu Konstantinopel Mehmed Nazim Bey, der Stern zum Kronmorden zweiter Klasse dem türkischen Brigadegeneral Abdurrabim Bey, '■ er Kronenorden zweiter Klasse mit Stern dem Weihbischof von Jemsalem Monsignore Piccardo und dem Kustos des Heiligen Landes "'*drs Razzoli in Jemsalem.
— Die Beteranen in Weißenburg. Weißenburg, 6. Äug. Zur Feier der 40jährigen Wiederkehr des Tages von Weißenburg hatten sich heute vormittag gegen 10 Uhr auf dem Marktplatze von Weißenburg etwa 150 Veteranen und Angehörige von Kriegervereinen versammelt und begaben sich von dort aus unter Vorantritt der Musikkapelle des Infanterieregiments „Markgraf Karl" (7. Brandenburgisches) Str. 60 nach dem Bayern- Denkmal, wo sie die Ankunft des Feldmarschalls Grafen v. Häseler erwarteten Derselbe erschien in Uniform zu Pferde. Rach dem Vorträge des Niederländischen Dankgebetes eröffnete Major Saltzgeber die Feier und begrüßte im Namen des elsaß-lothringischen Kriegerlandesverbandes die Veteranen. In seiner Rede dankte er dem Kaiser, daß er den Grasen Häseler mit seiner Vertretung betraut und durch die Gewährung billigerer Fahrpreise den Veteranen die Teilnahme an der Feier ermöglicht habe. Ferner gedachte der Redner
Ueberaff sonntäglich geputzte Menschen. AuS der Thomas- und der alten Mathäikirche strömten die Andächtigen in Schären und noch immer hallte der Klang der Osterglocken über die alte Stadt mit ihren Linden, die schon kleine, winzig Heine Knospen zeigten. Jetzt schritt Karleen über den Fleischerplatz. Einen Augenblick zögerte sie noch, dann bog sie in eine Seitengasse ein. Und da stand sie vor dem alten Haus mit dem eiferten Tor, an dessen Gitter sie am Tage ihrer Konfirmation mit ihrem Vater verweilt, und sie blickte durch das Gitter hindurch in den verwilderten alten Garten, durch welchen jetzt auch jauchzend der Frühling strich.
Langsam zog Karleen an der Glocke. Weithin hallte d r Klang und wie unter feierlichem Geläut trat Karleen in den stillen, vergessenen Garten.
Schimmernd hoben sich die Marmorleiber der heidnischen Götter aus dem bunflen Efeu hervor. Wie ein smaragdenes Brautgemach erschien der alte Garten und darüber zog dunkel und welch der erste Schwalbenflug.
Und Karleen schritt den schmalen von dichtem Efeu umwucherten Weg hinab, der zu dem alten Hause führte, und über ihrem Haupte lachte die Sonne wie eine goldene „Wehr" im blauen Feld.
Die steinern n Sphin e am Tor träumten hinein in den Ostertag. So war es schon immer je* wesen, von Anbeginn der Welt bis auf den heutigen Tag: „Die Liebe ist die größte unter ihnen." , ___
Durch den alten Garten strich der Mnd.
Leis erstarb fein Säuseln wie Glockenklang. Da trat Karleen in Rolfs Vaterhaus.
(Fortsetzung folgt.)