45. Jahrg.
Zweites Blatt
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noch Brief
fragte Lisch
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Sari Hitzeroth in Marburg.
„Willst Du Dich nicht vor allen Dingen mäßigen. Peter, und einen Ton anschlagen, wie es unter gebildeten Menschen Brauch ist. Ich bin nicht gewöhnt, in so lärmender Weise zu verhandeln." m ,
„Gebildete Menschen," griff Peter das Wort auf. „Ich pfeife auf Eure ganze Bildung. Alte Zimperliesen seid Ihr, die kein ordentliches Wort vertragen könn n, immer mit dem Tugendmantel angetan und wenn man die Geschichte genau besieht, so ist alles faul, urfaul."
„Ich bitte mir aber jetzt sine Erklärung aus, Peter, oder ich werde sofort das Zimmer verlassen. Was willst Du von mir?"
Peter drehte ihr den Rücken und sah aus dem Fenster, während er leise durch die Zähne pfiff.
„Peter hat ganz recht," nahm der Kommerzienrat jetzt heftig das Wort, „Dein Benehmen ist ebenso unverantwortlich wie schamlos. Da, nimm und lies. Peter hat diesen Brief heute morgen als Gegengruß erhalten."
„Anonym," konstatierte Karleen, einen fluch tigen Blick auf das hingehaltene Briefblatt werfend, „wie gemein!"
„Hier lies," gebot der alte Bermann streng.
Karleen las mit stimmenden Augen:
„Mein Herr!
fesselnde Anregung geboten wird, insbesondere da man unwillkürlich die einzelne Zustände der Reger, Inder, Chinesen nicht nur unter einander, sondern auch mit den unsrigen vergleichen wird. „ ., . _
„Wer vieles bringt, wird manch-m «was bringen": das gilt auch von unserer Ausstellung. Richt jeder Besucher braucht den ganzen Kulturwert, der in den einzelnen ausgestellten Gegenständen liegt, zu erschöpfen. Es wird hier so sein tote überhaupt bei Betrachtung von Natur und Menschenleben: jeder sieht das, wofür et Ange Sinn und Verständnis mitbringt; was d t!t einen gleichgültig ist, das fesselt den anderen aufs höchste; wo der eine achtlos vorbeigeht, da bleibt der andere staunend stehen: Genug, daß nur jeder, nach feiner Anlage, nach seinem Aber, nach seiner Bildungsswse, nach seienm Gesichtskreise zu sehen und zu staunen findet! Und das ist überreichlich der Fall. Die völkerkundliche Ausstellung ist ein buntes Bilderbuch sür jedermann! , „ __Ä .
Ein buntes und lehrreiches Bilderbuch vor allem auch für die Jugend! Jeder Schüler, jede Schülerin; das kleine Schulkind wie der geistig schon gereiste Primaner erhalten hier die wirksamsten Anknüpfungen an Gegenstände des Unterrichts und vielfache Anregung zum Nachdenken Wie fesselnd und nützlich ist für jeden Knaben die Beobachtung des Handwerkbetriebs; wie werden die Mädchen insbesondere durch den Anblick der Kocheinrichtungen, der Handfertigkeit, des Schmucks und der Kleidung angeregt werden ! Sekundaner und Primaner höherer Lehranstalten werden aber zu manchem Gedanken fort» schreiten können, der sich auf Kulturentwickelung und Völkerpsychologie bezieht. Namentlich Wird die Einrichtung der Dauerkarte gereiften Primanern die Möglichkeit gewähren, nicht nur hindurchzugehen, sondern Einzelheiten wiederholt eingehend zu fhibiercn. Liegt doch auch vielleicht für manchen die künftige eigene Berufstätigkeit dort draußen auf dem Felde der Mission, auf dem Gebiete unterer Kolonien!
P. Goldscheider.
Charatter. Man muß bekanntlich bei völkerkundlichen Schaustellungen, wie sie vielfach zu Erwerbszwecken dargeboten werden, nicht selten manche unechte Ware (gleichsam gesärbte Reger) mit in den Kauf nehmen.
Man versentt sich gern in die Urgeschichte der Menschheit. Man stellt den Urmenschen dar, wie er sich in seiner Höhle den Stein zur Waffe spitzt und mit dem Bären um die Höhle kämpft, wie er sich Pfahlbauten errichtet und, mit Hilfe des Feuers, Kupfer, Bronze, Eisen seinen Zwecken dienstbar macht. So kann unsere Phantasie, im Anschluß an Funde aus uralten Zeiten, sich in stufenmäßiger Folge die Entwickelung des Menschen und der menschlichen Kultur ausmalen. Aber die Wirklichkeit bietet uns niemals und nirgends den Menschen, sondern immer nur irgend einen Menschen, der einer bestimmten Rasse, einem bestimmten Volke angehört. Indem wir die Kulturstufe und Erscheinungsformen eines Volkes studieren und erforschen, studieren und erforschen wir die Entwickelung und Kulturgeschichte der Menschheit. Völker der Gegenwart, die noch auf niedriger Kulturstufe stehen, spiegeln uns gewissermaßen den Werdegang der heutigen Kulturvölker wider; natürlich nicht so, als ob die Kultur der Deutschen oder Franzosen der Jetztzeit einmal genau der Kultur der Chinesen, der Inder, d'r afrikanischen Reger entsprochen hätte. Die ungefähr gleichartige Entwickelungsstufe findet vielmehr in Wirklichkeit ein.* unendliche Mannigfaltigkeit der Ausgestaltung. In der Hauptsache jedoch können wir in d-r Tat aus den jeweiligen Kulturzuständen halbzivilisierter oder roher Völker gleichsam erstarrte Stufen der eigenen kulturgeschichtlichen Entwickelung ablesen, wie der Geologe aus dem Durchschnitt der Erdrinde die Geschichte der Erdrinde erschließt.
Von diesem kufturgeschichtlichen Standpuntk aus betrachtet, erhalten die scheinbar unbedeutenden Gegenstände, die wir in der Ausstellung neben einader finden, eine außerordentliche Bedeutung: es sind sämtlich Bausteine sür die Kulturentwickelung der Menschheit.
®ie wohnen die Wilden der Goldküste und von Kamerun? wie wohnen Inder und Chinesen? Wie ist das Handwerk bei den einen und bei den anderen ausgebildet? Finden sich bei den Wilden schon Spuren der Kunst, und welche Eigenart zeigt die Kunstfertigkeit beiden fortgeschrittenen Völkern? Gibt es bei den Negern schon ein geistiges Leben, Kenntnisse, Bildung, und welches ist der Zustand von Bildung und Wissenschaft bei Indern und Chinesen? Was für religiöse Vorstellungen haben die Heiden an der Goldküste und in Kamerun, und welche hinwiederum die Inder und Chinesen?
Ich hebe da nur c’nige und wesentliche Kulturbeziehungen heraus; man sieht aber schon daraus, wie aus der Volkskunde von selbst die vergleichende Völkerkunde entsteht und wie gerade in solchen Vergleichungen eine ungemein
Hessen-Nassau und Nachbargebrete.
Mannheim, 6. Ang. Wie der „Mannh. General- Anzeiger" meldet, wurde der Ehrenbürger der Stabt, Geheimer Kommerzienrat und Generalkonsul Reiß von der Heidelberger Universität zum Doktor der Philosophie honoris causa promoviert.
Darmstadt, 5. Aug. Die „Darmst. Ztg." dementiert die Meldung der „Frankfurter Ztg." und andrer Blätter, daß Geheimer Oberschulrat Nodnagel, Dezernent für das höhere Schulwesen in Hessen, in den Ruhestand treten will.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugsprei- betragt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 -K (ohne Bestellgeld), bei " „ab der Expedition (Markt 21), 200.«.
-rlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonntag, 7. August 1910.
„Wie gemein," wiederholte Karleen einmal, bann reichte sie ihrem Vater ben zurück.
„Was hast Du darauf zu erwidern?"
Marburg und Umgegend.
(Rachdeiuk aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 6. August.
* Post-Nachnahme- und Post Scheckverkehr. Seit dem 1. April d. I. ist für Nachnahmesendungen die Ueberweisung der Nachnahmebeträge mittels Zahlkarte aus das Postscheckkonto des Absenders zugelasicn, der zu diesem Zioecke der OexL.ng eine ausgefüllte Nachnahme-Zahlkarte beizufügen und mit der Klebeleiste auf die Rückseite des Briefes, der Postkarte, der Pakettadresse, der Drucksache usw. zu kleben hat. Damit die Zählkarten während der Beför-
Die wissenschaftliche Bedeutung der Völkerkundlichen Missfons - Ausstellung. ■ Die völkerkundliche Ausstellung, die im August |i I. von der Baseler Missionsgesellschaft im Casseler Orangerieschlosse dargeboten wird hat hohen Wert nicht bloß für die Zwecke der Mission und für die Aufgaben der christlichen Religion, sondern auch für die Wissenschaft. Gehen doch Mission und Wissenschaft von jeher Hand in Hand! Es kann nicht wohl anders sein. Denn die Mission ist zu ihrer Wirkung auf Wissen und Wissenschaft angewiesen. Der Missionar muß Sprache und Eigenart der Völker und Volksstämme seines Wirkungsgebietes studieren und erforschen. Beides natürlich zu prakttschen Zwecken, im Dienste seiner christlichen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums. Aber was der Missionar an Sprachmaterial und Sprachkunde festgestellt, hat, das wird durch ihn Besitztum des Sprachforschers, der es wissenschaftlich verwertet. Das Gleiche gilt für die Völkerkunde, Linguistik und Ethnographie erstatten aber auch der Mission reichlich zurück, was sie von ihr empfangen haben, indem sie zur Vorbildung des Missionars und zur Ausrüswng für seinen schweren Beruf beitragen.
Die sprachwissenschaftliche Bedeutung der Mission kann in nu'r Ausstellung nicht so un- snittelbar vor Augen treten, weil sie überwiegend geistiger Natur ist. Aber man vermag aus den ausgelegten Bibelübersetzungen, aus Gesangbüchern und anderen religiösen Schriften zu et= sehen, welche Riesenarbeit dir Mission auch nach di-ser Richtung hin geleistet hat. In vielen Füllen, wie bei den Wilden der Goldküste, mußten sich die Missionare erst eine Schriftsprache schassen, indem sie den Bewohnern die Laute ablauschten. Erst dann konnte man daran denken, Schriftzeichen zu erfinden, Wörterbücher zu entwerfen und grammatische Gesetze zu ergründen.
Leichter ist die sprachwissenschaftliche Vorarbeit des Missionars in Kulturländern wie in Indien und China, da er bereits Schriftsprachen antrifft. Desto größere Schwierigkeit macht die Aneignung der eigenartigen und äußerst verwickelten Schriftzeichen. Wir finden in unserer Ausstellung eine Probe bet umfangreichen und großartigen Missirnsliteratur, die sich auf Indien und China bezieht: Bibelübersetzungen, Erbauungsbücher, Wörterbücher, Schulbücher.
In weit schärferem Maße als die Sprache können in der Ausstellung alle übrigen Merkmale des Volkscharatters veranschaulicht werden. Hier ist vor allem zu betonen, daß nur durchaus echtes, nur der Wirttichkeit genau entsprechendes Material vorliegt. Die Missionsausstellung wahrt darin ihren streng wissenschaftlichen
frei, Peter, ganz frei und kannst nun Deine Geliebte, die Du jetzt nur heimlich besuchst, frei und offen jeden Tag in Deinem Auto spazieren fahren, damit Deine Tugend gegen die meine besteht. Du siehst, daß ich Dich kenne, Peter, sehr genau kenne. Das einzige, was ich mit vorzu- wersin habe, ist, daß ich mich gegen meinen Wunsch und Willen einem Manne verlobe, ließ, dessen galante Liebesabenteuer in der ganzen Stadt bekannt sind. Diese Schwäche kann ich mir nie, nie verzeihen. Ein Mann, der es wagt, sich zum Sittenrichter über andere aufzuwerfen, ba er selbst webet Sitte noch Ehre hat, kann niemals mein Gatte werben."
Langsam zog Karleen dm blitzenden Bet lobungsring von ihrem Fing«. Weithin rollte er übet die Tischplatte.
„Bist Du wahnsinnig, Mädchen," herrschte sie ibr Vater an. „Sofort bittest Du Peter um Verzeihung. Peter weiß ja, daß Du nichts Schlechtes getan hast, daß Du nur unüberlegt gehandelt hast. Wenn Du ihm ben Namen des Betreffenden nennst, will er ja alles vergeben und vergessen.' m ,
„Aber ich nicht, Vater! Ich brauche Pete« Vergebung nicht. Ich gebe gern zu, daß eS vielleicht unvorsichttg von mir war, einem anderen Manne heimlich eine Zusammenkunft zu gewahren weil eS die Verhältnisse so bedingten, ich spreche aber Peter Pankwitz, der mich vom ersten Tage unserer Verlobung an betrogen hat «nd mich auch als mein Mann weiter betrügen würde, das Recht ab, mich zu richten. Das, wo* ich getan, das habe ich ganz allein vor mir selber zu verantworten." ___'
Peter lachte höhnisch ans. „Na, viel Muff, schöne Karleen, beim Bettelsack. Ich war närrisch, daß ich mich um Euch alle hier den Kopf verdrehte"
(Fortsetzung folgt.)
er hart. „Ist es wahr, was in diesem steht, dessen Handschrift trotz der Verstellung mit seltsam bekannt erscheint, ober ist es, wie ich schon
Sts haben eine Braut, eine sehr schöne Braut unb sehr tugenbhast, aber sie betrügt Sie bennoch, bie fromme Karleen. Ans dem alten Johannisftiedhof sieht sie den anderen, den sie liebt. Die Kosten dieser amüsanten Zusammenkunft sollen Sie zahlen. Eine Freundin."
Kantate-
Von Anny Wothe.
1 ' (Fortsetzung.)
* Karleen richtet ihre Augen ans Peter, der sich in seiner lichtgrauen Damastweste besonders festlich ausnabm.
„Willst Du nit das Glas aus den Augen nehmen," sagte sie unduldsam, „Du weißt, daß Du mich mit dem Ding nervös machst."
Gehorsam ließ Peter das Glas fallen. Merk- ' würdig, er hatte doch erst so viel Courage ge- ■ habt und dem alten Bermann ja schon genügend ' seine Meinung gesagt, aber Karleen gegenüber tarn er sich doch immer vor, als könnte et nicht „drei" zählen.
Wie kalt sie übet ihn hinwegsah. Heiß fheg das Blut in Peters verlebtes Gesicht.
„Ja. das ist nun so", sagte er, „ich bin wahrhaftig kein Spielverderber und ich lasse meiner Braut und künftigen Frau wirklich jede Freiheit, aber hier hört mir doch jede Gemütlichkeit auf. Trau' einer ben Weibern, falsch sind sie alle, alle!"
„Willst Du mir wenigstens mitteilen, Peter, was Du eigentlich hast, ich verstehe kein Wort von alledem."
„So," lachte Peter höhnisch, beide Händeln die Hosentaschen versenkend, „Du möchtest wohl noch die Tugendhafte spielen, und ich soll mich wohl noch freuen, daß Du die große Gnade haben willst, mich zum Manne mit Deiner Gunst Beglücken zu können? Ick sage Dir aber, daß ich diesen Krempel nicht mitmache. Ich lasse mich nicht betrügen. Verstanden."
Karleen stand bei den brutalen Ausfällen Ihres Verlobten fast das Herz still. Mit Schrecken sah sie auch die Augen ihres Vaters in eisiger ... 6tttnge auf sich gerichtet.
Die Jnserttonsgebühr betragt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für bie ZgeVnaltene Zette ober deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitSts-Buchdruckerel, Inhaber Dr. E. Hitzeroih, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
berung nicht beschädigt ober abgerissen werden, ist bie angeklebte Zcch.Varte bet Größe bet S n- düng entsprech'nd zu falten und die ander« Schmalseite mittels Siegelmarke ober dergleichen an der Sendung zu befeftigen. Bei Verwendung der mit dem 1. Juli neu eingeführten Formulare zu Nachnahmekarten und Nachnahmepaketadressen mit anhängendet Postanweisung ist die Zählkarte nach den bestehenden Vorschriften so auf bie Vorderseite bet Postanweisung zu kleben, baß sie sich zwischen bet Rachnahmekarte ober Nach nahmepaketadrejse und der Postanweisung befindet. Da die Befcsttgung der Zahlkarte bei Benutzung der bezeichneten Formulare für den Absender umständlich ist, schweben im RelchS-Post- amte z. Zt. Erwägungen, ob es sich empfiehll, nach dem Vorbilde der Nachnahmekarten mü, Rachnahmepaketadressen mit anhängendet Postanweisung auch solche mit anhängender Zählkarte herzustellen. Bis zur endgültige« Entscheidung hierüber ist gestattet worden, daß das Publikum bei Benutzung der besondere« Formulare zu Nachnahmekarten und Nachnahmen paketadressen die Zahlkarte nicht auf die Bordet- feite der Postanweisung klebt, diese Formulare vielmehr ohne die anhängende Postanweismtg verwendet und die Zählkarte also mittels bet Klebeleiste auf der Rückseite der Nachnahmekarte ober Pakettadresse fo befestigt, Wie es für* Anbringung von Zahlkarten auf der Rückseite von Briefen, Postkarten usw. vorgeschrteben ist.
Versammlungen, Konzerte, Tbeater, Vergnügung»« Rachrichten utw. t
* Sommertheater Marbach. Auf die am morgigen Sonntag ftattfinbenbe letzte Klndervorstelluna „Schneewittchen und die 7 Zwerge fei hierdurch nochmals aufmerksam gemacht. — Abends 8 Uhr geht eine äußerst amüsante Novität „Das ist der Gipfel', Schwank in 3 Akten von G. Okonkowski, in Szene.
* Bolksvorstellung in den Stadtsälen. Am Montag den 8. August, wirb als Volksvorltellung m kleinen Preisen Gerhart Hauptmanns Traumdichtung „Hanneles Himmelfahrt" «geben. Beginn der Vorstellung ist 8 Uhr, Ende 10 Uhr. Das verehrliche Publikum wird höflichst gebeten, wegen der Eigenart des Stückes jede Beifallsbezeugung zu unterlassen.
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(Naverboten.)
Peter hundertmal versichert habe, gemeine Verleumdung ? Verteidige Dich, Karleen!"
Das junge Mädchen hob den blonden Kopf und ihr Blick ftretfte fast verächtlich über Peter hin. „
„Ich habe darauf nichts zu sagen, Papa. Glaubt Peter an ben Inhalt bes Bkleses, so steht es ihm ja frei, zu hanbeln, Wie er es bemnach für gut hält."
„So entkommst Du mir nicht," grollte Peter, dessen hellblonde Haare sich schon zu sträuben begannen. „Klipp und klar will ich von Dir wissen, ob Du auf dem Kirchhof eine Zusammenkunft mit einem anderen Manne hattest."
„Ja!"
„Karl en!" schrie der Kornerzienrat entsetzt auf, „besinne Dich doch!"
„Ja," wiederholte Karleen mechanisch. „Am Tage unserer Verlobung."
'„Und sonst hast Du diesen Deinen Liebhaber nickt getroffen?"
„Et ist nicht mein Liebhaber und ich habe ihm nur diese eine Zusammenkunft gewährt."
„Und das sagst Du alles so gleichmütig, als handele es sich um einen Spaziergang," herrschte Alexander Bermann sein Kind an. „Hast Du denn gar keinen Begriff davon, was Du getan? Wer ist der Elende, gestehe! Seinen Namen Will ich wissen."
„Ja, wir, wir wollen den Namen wissen," unterbrach Peter feinen Schwiegervater. „Schlagen will ich mich mit dem Kerl, mit dem Du, Karleen, mich schlankweg betrogen hast. „Ich lasse mich aber nicht betrügen, Ordnung will ich haben. Verstanden?"
Um Karleens Lippen kräuselte em bitteres Lächeln. „Es fehlte nur noch, daß Du die Peitsche nimmst, Peter," entgegnete sie gelassen. Wie gut, daß Du Dich beute hier so ganz enthüllst unb mit so beutlich zeigst, wie nahe ich daran war, ins Bodenlose *u versinken. Du bist
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."