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And den Beilagen: »Flach Feierabend

ng und Kirchhain

«nd.Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg.

>2 IfiQ jährlich durch

lOö unseren Zeit«!

Marburg .

Sonntag, 7. August 1910.

Die Znsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes kür die Tge^altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 i , für Reklamen 40 L- Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Aniversttäts-Buchdruckerei. Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Atarburg, Markt 21. Telephon 55.

DieOberhesfifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2L0 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak- tion keinerlei Verantwortung.)

Erstes Blatt.

Umschau im Auslande.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind mit ihrer Annektionspolitik in der Negerrepublik Liberia auf den unerwarteten Widerstand Englands "und vor allem Frankreichs gestoßen. England hat nach alter Tradition für sich immer das Recht in An­spruch genommen, fremde Länder in seine Interessen- sphäre zu ziehen und auszunutzen; bei Liberia glaubt es sowieso die Vorderhand zu haben, da ihm die ge­genüberliegende afrikanische Sierra Leoneküste ge­hört. Aber auch Frankreich als Besitzer der Elfen­beinküste macht Anspruch auf Liberia, so daß in die­sem Falle für die Vereinigten Staaten die Trauben zu hoch hängen dürften. Schließlich werden alle drei Mächte es übernehmen, die Finanzen der Negerrepu­blik durch eine größere Anleihe in Ordnung zu brin­gen, und sich durch Zolleinnahmen sichern.

Die Abrüstungsfrage zwischen England und Deutschland, zu denen sich angeblich Italien mit Vor­schlägen gesellt haben sollte, will immer noch nicht zur Ruhe kommen. Der Gewährsmann für die ita­lienischen Abrüsrungsvorschläge, der französische Se­nator Gervais, führt es auf dasbarbarische Schwei­gen" Deurschlands zurück, daß die Friedensschalmeien in der ereignislosen Hundstagszeit nicht lauter und lieblicher klingen. Die Friedensschwärmer übersehen vollständig, daß irgendwelche Uebereinkommen in dieser Richtung zugleich den Keim der Zwietracht und des Krieges in sich tragen müßten und deshalb gerade den entgegengesetzten Zweck erfüllten. Bis fetzt hat sich auch die englische Bereitwilligkeit zur Abrüstung, von den anderen Nationen ganz zu schwei­gen, nur auf Unbestimmtheiten beschränkt, die kei­nerlei praktischen Wert haben.

Die Lage in Spanien ist mehr als ernst. Der spanische Botschafter ist vom päpstlichen Hof abberu­fen, und mit diesem Schritt ist der Kulturkampf ein­geleitet. Der spanische Ministerpräsident Canalejas beharrt auf seinem Vorhaben, allen Religions- gemeinschafien die staatliche Anerkennung und Glich- berechtigung zu gewähren und verspricht sich von dieser Maßnahme die geistige Hebung Spaniens. Für den nächsten Sonntag sind große katholische Masienkundgebungen in San Sebastian und Bilbao geplant, die zwar vom Ministerpräsidenten verboten find, aber allem Anscheine nach doch stattfinden wer­den. Sonderzüge sollen zahlreiche Manifestanten von Bilbao nach San Sebastian befördern, von den Häfen werden Dampfer die Katholiken an den Demonstra­tionsort bringen. Die Zahl der Teilnehmer, die für den Vatikan gegen die Maßnahmen der spanischen Regierung auftreten werden, wird auf Hundert­

tausend geschätzt. Daneben fehlt es allerdings auch nicht an Unterstützung der Regierung. Die regie­rungsfreundlichen Vereinigungen Andalusiens mit ihren 80 000 Mitgliedern haben dem Ministerpräsi­denten Canalejas eine Adresie übersandt, in der fi« ihre Zustimmung zu feiner antiklerikalen Politik aussprechen. Die republikanische Partei plant für den Sonntag ebenfalls Kundgebungen in San Se­bastian, so daß die Möglichkeit eines Zusammenstoßes naheliegt. Die Regierung hat deshalb dem Zivil- gouoerneur und dem Eeneralkapitän Anweisung er­teilt, Manifestationszüge nach San Sebastian mit Gewalt zu verhindern und überall dorthin, wo es erforderlich sein sollte, Truppen zu entsenden. König Alfons aber wird am Sonntag in London weilen, nachdem er mehrere Tage die Gastfreundschaft des Präsidenten der französischen Republik genosien hat. Wie man sagt, ist die Einladung, beim Präsidenten Frankreichs abzusteigen, erfolgt, um Frankreichs Sympathien für Spaniens Vorgehen gegen den Va­tikan zu bekunden.

Die 18. Internationale Friedenskonferenz ist am 1. August in Stockholm feierlich eröffnet worden. Die 600 Teilnehmer beschäftigten sich gleich am An­fang ihrer Beratungen mit dem Verhältnis Fin- lands zu Rußland und sprachen die Erwartung aus, daß Rußland die Selbständigkeit Finlands respek­tieren würde. Die russischen Abgeordneten enthielten sich der Abstimmung.

In Frankreich sind die Generalratswahlen be­endet. Eine Machtverschiebung hat nicht stattgefun­den. Die Radikalen und Sozialistisch-Radikalen bil­den mit 658 Sitzen die größte Gruppe. Ihnen folgen die Linksrepublikaner mit 351 Abgeordneten, die Konservativen und Nationalisten verfügen über 210, die Progressisten über 139, die geeinigten Sozialisten über 56, die sozialistischen Republikaner über 28 Mandate. Ferner ist gewählt ein Revolutionär. 3 Resultate stehen noch aus.

Die Türkei und die Mächte.

Man schreibt uns:

Aus Konstantinopel kommt eine Nachricht, dir auf die jetzigen Beziehungen zu den europäischen Mächten und Mächtengruppierungen ein inter­essantes Licht wirft. Der türkische Finanzminister Djavid Bey, der sich zur Zeit in London auf­hält, soll von dort aus an seine Regierung tele­graphiert haben, die englischen Bedingungen für die Aufnahme einer Anleihe seien unannehmbar, daß er für den Augenblick alle Hoffnung aufgeben müßte, mit dem (Geldmärkte Englands zu arbei­ten. Es scheine, daß die Annäherung der Türkei an den Dreibund dem türkischen Geldbedürfnis bei der Tripel-Entente alle Pforten verschlossen habe. Bevor Djavid Bey nach London reiste, war er in Paris; aber auch dort haben seine Bemüh­

Studenten-Elinerungen

Die ersten

wenn Jahre derMarburger Burschenschaft", von einem alten Burschenschafter, wahrscheinlich Fr. Münscher, mitgetcilt von L. Müller.

' Bis zum Sommer des Jahres 1816 herrschten in der Studentenschaft der Universität Marburg drei Landsmannschaften, die Hessen mit den Far­ben schwarz-grün-rot, die Westfalen mit den Landesfarben schwarz-grün-weiß und die Rhein­länder mit den Farben blau-rot-weiß. Sie hatten in naiver Weise den ganzen Erdkreis in ihre Ge­walt gebracht. Denn alle Jünglinge, welche aus Niederhessen oder aus östlicher gelegenen Ländern kamen, waren durch ihre Geburt der Hassia ver­fallen, dagegen machte auf alle, welche aus Ober­hessen und aus den westlichen Gegenden kamen, die Rhenania Anspruch; diejenigen endlich, welche aus Westfalens roter Erde und überhaupt im Itorden zu Hause waren, gehörten ohne Weiteres zur Westphalia. Aus dem ©übet; hatte man offenbar gar keine Studenten erwartet. Ihm scheint der damalige Marburger Studio keinen Bildungs- und Wissensdurst zugetraut zu haben. Mindestens hat er ihn für neutral gehalten. Daß solche Landsmannsckasten, obgleich in den akademischen Gesetzen streng verboten, auf der Universität bestanden, und wer zu ihnen gehörte, oder sich zu ihnen halte, war zwar in Marburg özusagen aller Welt bekannt, jedoch die akade- nische Behörde batte es bisher gefließentlich über» ehe». Aber im Sommer 1816 wurde der Univer- itäts-Depulation bei irgend einer Gelegenhett >as Vorhandensein der verbotenen Verbindungen n so handgreiflicher Weise bekannt, daß ein Ein­greifen nicht mehr zu umgeben war. Die bestehen den Landsmannschaften wurden also aufgelöst. Und jedes Mitglied mußte sich schriftlich verp^ Dm, keiner geheimen Verbindung wieder bc.zu

treten. Dageg-.c gab der Senat, um dem Ver- langen nach geselliger Vereinigung zu entsprechen, die Erlaubnis zur Gründung einer Teutonia. Allein diese, welche wahrscheinlich keinen anderen Zweck hatte, als den vorher genannten, Ivar nicht lebensfähig, sondern schlief allmählich ein.

In dieser Zeit allgemeiner Auflösung des stu­dentischen Zusammenlebens entstand in Wetter, einem bei Marburg gelegenen Städtchen, und zwar in dem dortigen Stift, der ehemaligen Bene­diktiner-Abtei, um die Jahreswende von 1816 auf 1817 die erste Idee zur Gründung einer Mar- kmrger Burschenschaft. Dort trafen nämlich wäh­rend der Weihnachtsfe.ien der Studiosus Karl Follenius') aus Gießen und der Marburger Studiosus Karl Bernhardts aus Zierenberg zu mehrtägigem Aufenthalt bei Verwandten zu­sammen. Ter feurige Follenius, der zu einer Burschenschaft, den sogenannten Gießener Schwarzen", gehörte, entzündete in Bernhardt schnell Begeisterung für eine ähnliche Verbindung. So schied denn letzterer aus Wetter mit dem Vor­satz, auch in Marburg eine Burschenschaft zu grün­den. Der gefaßte Entschluß trat mit Unterstützung einiger Freunde bald ins Leben. Schin in den ersten Monaten des Jahres 1817 wurde in Mar­burg eineGermania" mit burschenschaftlichen Grundsätzen gestiftet. Die Farben derselben waren schwarz-rot-weiß. Von den Stiftern der­selben ist außer Bernhardt leider nur noch einer bekannt. Dies ist Hermann Hupfeld.') Er er­warb sich um die Verbindung das Verdienst,Das Gesetz für die Germania" zu verfassen. Durch dieses sollte, wie er sich in der Selbstbiographie

') Follenius war später Professor der deutschen Sprache in Amerika und verunglückte 1839 bei einem Schiffsbrand auf dem Erisee.

*) Starb am 1. August 1824 als Oberbiblio­thekar in Cassel.

) War später Professor in Marburg, dann zu Halle, wo er am 24. Avril 1874 starb.

ungen, eine Anleihe zustande zu bringen, zu kei­nem Ergebnis geKhrt. Während seines Aufent­haltes in Paris hat der Leitartikler des Echo de Paris, der aus der Zeit DelcasM bekannte AndrS M6vil, der eng befreundet mit dem Letter des offiziösen Preßdienstes am Quai d'Orsay ist, in seinem Blatte geschrieben, daß die Bmtalitäten der türftschen Regierung gegen die Bulgaren in Mazedonim die öffenlliche Meinung Frankreichs der Türkei gegenüber nicht günstig stimmen könn­ten und daß, wenn die Türken fortführen, eine offenkundig agressive Politik zu treiben, sie in Frankreich zweifellos kein Geld finden würden. Wenige Tage nach dieser Notiz sind die Pariser Verhandlungen des türftschen Finanzministers tatsächlich gescheitert.

Nun ist es ja aus der Praxis sowohl der eng­lischen als der französischen Polittk seit langem bekannt, wie sehr beide Mächte ihre finanzielle Macht zu politischen Zwecken ausnutzen. Keine sranzösische Bank wird jemals ohne die Zu- ftlmmung des Quai d'Orsay irgend eine auslän­dische Anleihe vermitteln ober übernehmen. Die Engländer haben ihrerseits in den Jahren, in denen ihre Politik eine antitürkische Richtung nahm, Sorge getragen, ihre ganzen in der euro­päischen Türkei veranlagten Kapitalien allmäh­lich an andere Mächte abzustoßen, sodaß heute in der europäischen Türkei England keinerlei finan­zielle Interessen hat und durch dortige Verwick­lungen wirtschaftlich in keiner Weise mehr ge­troffen wird. Die Meldung des türftschen Finanz ministers an seine Behörde ist ein neuer inter­essanter Beleg für diese Taktik. Nur erscheint es doch fraglich, oh man dismal mit der Drohung der finanziellen Boykottierung au' die Haltung der Türkei zu den europäischen Mächten wirklich besttmmend wird einwirken können. Die sommer­lichen Meldungen über einen Anschluß der Türkei an den Dreibund sind sowohl von türftscher als von deutsch-österreichischer Se'..e bereits als le-re Kombinationen bezeichnet worden. Trotzden glauben wir den Engländern und Franzosen gern, daß die freundschaftlichen, zwischen Wien, Berftn und Konstantinopel bestehenden Beziehungen, ihnen keine große Freude bereiten. Andererseits kann es bei der Haltung der Tripel-Entente so­wohl in der mazedonischen als in der kretischen Frage niemand den Türken übel nehmen, wenn sie freundschaftliche Beziehungen zu den Mächten suchen, die in diesen beiden Fragen der türki­schen Politik keine Schwierigkeiten bereite* *.. Man glaubt z. B. in Konstantinopel, daß das bulga­rische Mftreten gegen die Entwaffnung der maze­donischen Bevölkerung durch die türkischen Be­hörde» veranlaßt sei durch die Haltung Ruß­lands und die Hoffnung auf russische Unter­stützung. Der Dumapräsident Guffchkow soll int Verlaufe des slavischen Kongresses in Sofia dem General Paprikow erklärt haben, daß es die Aufgabe Bulgariens wäre, die Slaven im Bal­kan energisch zu stutzen; in' Falle von Schwierig-

ausdrückt, ein wahrhaft freies, von allem Pöna- lismus entfleidetes Studentenleben herbeigeführt werden. Von den Schicksalen dieser Verbindung ist aus den letzten Monaten des Jahres 1817 ein Streit zu erwähnen, welcher zwischen den akade­mischen Behörden und den Studenten, Glieder der Burschenschaft, ausbrach.. Zur Feier des Re­formationsfestes am 31. Oktober 1817 hatte näm­lich der Senat über die Art und Weise, wie die Studenten an derselben teilnehmen sollten, ohne mit denselben vorher zu verhandeln, Bestimmun­gen getroffen. Dieses schien den Musensöhnen unerträglich. Sie fanden darin eine Behandlung, die sich nur für Schulknaben eigne, und erwider­ten, als Gegenvorstellungen nichts halsen, die Auf­forderung des Prorektors Wurzer zur Tellnahme mit einer deutlichen Antwort. Sie beteiligten sich bei dem feierlichen Zuge gar nicht, sondern zogen abgesondert in die lutherische Pfarrkirche und bann in die Aula der Universität. Dort nahmen sie eigenmächtig Plätze ein und behaupteten diese trotz Abmahnung des Prorektors. Di s schien nun bet Universitätsdeputation unerträglich und im Unwillen über den Unfug, wie sie es nannte, sprach sie die strengsten Strafen aus. Sechs Stu­denten, Gras Bucholtz, Daubenspeck, Gloß, Hofmann, Sellmann, Weber sie gehörten der Germania an, welche ihr als Rädelsführer galten, tourben mit bet Rele­gation bestraft und ausgewiesen, vor Sonnen­untergang die Stadt zu verlassen. Die meisten derselben enffprachen der Weisung dadurch, daß mit feierlichem Komilat ihrer Studiengenoffen aus der Stadt geleitet, in einem Wagen nach Cassel fuhren. Dort wandten sie sich mit einer Beschwerde an den Rektor, den Kurfürsten, über das Verfahren der akademischen Behörde. Sie seien ja doch durch die akademischen Gesetze zur Teilnahme an religiösen Feierlichkeiten nicht ver­pflichtet, und könnten also wegen Fernkleibus vom Zug nicht beftraft werden. Auch treffe sie vor bett übrigen Studenten keine andere Schuld,

keilen müßte die russische 91 jicrung Bulgarien zu Hilfe kommen. Es ist ohne weiteres Rar, daß Bemerkungen dieser Art nicht dazu biet en, die Beziehungen der Türkei zu Rußland und zu den Rußland befreunbeten unb alliierten Mächten zu bessern.

Politische Umschatt.

Vom Friedenskongreß.

Stockholm, 5. Aug. Der internationale Friedens­kongreß hielt heute feine letzte Sitzung ab. Moham­med Farid Bey forderte den Kongreß auf, feine Sympathie für Aegypten auszusprechen und dafür zu sorgen, daß die ägyptische Frage auf das Programm des nächsten Kongresses gefetzt werde. Von polnischer Seite wurde dagegen protestiert, daß die polnische Frage nicht auf das Programm des Kongresses komme. Der Kongres beschloß, ohne Begründung die Entscheidung der Frage dem Bureau in Bern zu Überlassen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, die Vereinigten Staaten von Amerika zu ersuchen, die Initiative zu einer diplomatischen Konferenz zu er­greifen, mit dem Zwecke, die Unantastbarkeit de« Privateigentums zur See zu proklamieren. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der mit Freude die aufs neue erwachte Arbeit zur Her­beiführung eines besseren Verständnisses zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn konstatiert wirb. Der Kongreß beschloß, der Einladung Italiens, bew nächsten internationalen Friedenskongreß 1911 in Rom abzuhalten, Folge zu leisten.

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Deutsches Reich.

So« Kaiserpaar. Berlin, 5. Aug. Das Kai­serpaar ist um 2 Uhr 40 Min. nach Hannover ab- gereist. Hannover, 5. Ang. Der Kaiser unb bie Kaiserin sind um 6 Uhr 40 Min. auf dem hiesige» Bahnhofe eingetroffen. Der Kaiser trug die Uni­form des Königsulancn-Regiments, die Kaisern war in Trauer. Auf dem Bahnsteig war der Polizei­präsident anwesend. Die Majestäten begaben sich mit dem Gefolge durch die geschmückten Straßen unter lebhaften Kundgebungen des Publikums bei seh» schönem Wetter zu dem Prinzessinnen-Denkmal, wel- ches der Kaiser der Stadt Hannover zum Geschenk gemacht hat. Das Denkmal von Casal, nach dem be­kannten Schadowschen Original geschaffen, fand seinen Platz am Eingang zum Eilenrieder Park. Beim Denkmal waren Oberpräsident Dr. v. Wentzel, Stadtdirektor Tramm und der Vizebürgermeister an­wesend. Die beiden letzteren Herren sprachen dem Kaiser den Dank bet Stadt für das Geschenk be« Denkmals aus. Der Kaiser und die Kaiserin besich­tigten das Kunstwerk eingehend. Der Kaiser sprach

als daß sie am 30. Oktober dem Prorektor Vor­stellungen gegen bie getroffenen Anorbmmgen ge­macht hätten. Indes hatte C af Bucholtz die Keckheit, den gestrengen Richtern in Marburg et» Schnippchen zu schlagen. Er hatte unter her. preu­ßischen Kürassieren die Freiheitskriege mitgemacht und war hernach als Offizier mit der Erlaubnis, die Uniform zu tragen, aus dem Dienst entlassen worden, um sich dem akademischen Studium zu widmen. Jetzt warf er sich in die Weiße St irafPer- Uniform und machte dem Stadttommandanten General von Stein feine Aufwartung, wobei er um die Erlaubnis zum Aufenthalt in der Stadt bat. Diese wurde ohne weiteres erteilt unb nun ging der stattliche Westfale in feiner Weißen Uniform wie ein Sieger durch die Straßen der Stadt und trotzte jeder akademischen Einsprache mit Hinweisung auf das gegebene Wort des Ge­nerals. Die an den Landesherrn gerichtete Be­schwerde sand bei diesem wohlwollende Berück­sichtigung. Die willkürliche Strenge geg n sechs aus der Zahl der Studenten, während diese doch nicht schuldiger waren, denn die Anderen, schier so unbegreiflich, daß ter Landesherr schon cm 7. November die schriftliche Erlaubnis zur sofor­tigen Rückkehr der R legierten nach Marburg er­teilte und die Universitätsbehörde zur Recktfertitz ung ihres Verfahrens aufforderte. Als die gt maßregelten Studenten wieder in Marburg an« langten, wurden sie von der Studentenschaft mti großem Jubel empfangen, am herzlichste.! von dem Schicksalsgenossen, dem Grasen Bucholtz. Un, gesäumt meldete sich dieser bei dem Stadtkom­mandanten wi der ab und legte seinen Soldater- rock bei Selle, um ihn mit dem flotten Stubenten- rock zu vertauschen. Für die Relegierten hatte bie Sache keine weiteren Folgen. Denn obgleich die Universitätsdeputation durch einen weitläu­figen Bericht sich zu rechffertigen suchte, beharrt« der Rurfürft auf seinem Beschluß und untersagte durch Verfügung vom 23. Dez.nber 1817 i* weitere Bestrafung. (Fortsetzung folgt.)