mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
Marburg
Freitag, 5. August 1910.
Die Znfert ionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blatte» für die 7ge^alten« Zeile oder deren Raum 15 "4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch,
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- "W2 iQI jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei *)'=« unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2K0 Jl.
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45. Jahrg.
Was soll werden?
So wird man von neuem und mit größerer Sorge fragen, wenn man den Ausgang der Ersatzwahlen für den Nationalliberalen Dr. Hieber in Württsmberg betrachtet, sowohl bei der Landtagswahl in Welzheim als auch der Cannstatter Reichstagswahl.
Bei der Welzheimer Landtagswahl schien der Sieg der Sozialdemokratie ausgeschloffen, da die Nationalliberalen und die Fortschrittler im ersten Wahlgange nahezu 1400 Stimmen aufgebracht hatten, der Sozialdemokrat aber nur 1000. Die nationalliberale Wählerschaft aber zersplittert, sich bei der zweiten Wahl vollkommen. Ein Teil wählte der getroffenen Vereinbarung gemäß den fortschrittlichen Kandidaten, ein Teil stimmte für den Bauernbündler und ein nicht unerheblicher Teil imerhörterweise für den Sozialdemokraten. In einem Dorfe waren im ersten Wahlgange für die Nationalliberalen 330, für alle anderen Parteien nur 50 Stimmen abgegeben worden. Im zweiten Wahlgange fielen von den nattonallibe- ralen Stimmen den bürgerlichen Karteien kaum 50, der Sozialdemokratie aber 200 zu, sodaß der sozialistische Kandidat, der im ersten Wahlgange tn diesem Orte nur 40 Stimmen erhalten hatte, im zweiten auf 250 Stimmen kam. Früchte des Großblocks und Zeichen polittscher Unreife!!
Der Wahlkreis Cannstatt-Ludwigsburg ist ein alter nationalliberaler Besitz gewesen. Von 1834 bis 1890 wurde er ununterbrochen von der nationalliberal n Partei behauptet, von 1898 an hatte ihn der bisherige Abgeordnete Dr. Hieber in Besitz, und zwar war er im Jahre 1907 im ersten Wahlgange gewonnen worden. Dr. Hieber hatte damals 18 787 Stimmen erhalten, während sein sozialdemokratischer Gegenkandidat nur 15 488 erhielt. Der Nachfolger für Dr. tzieb'er, her gemeinsam von den Nationalliberalen und Fortschrittlern aufgestellt war, der fortschrittliche Ziegeleibesitzer Oettinger, erhielt nur 9528, der Kandidat des Bauernbundes, der Redakteur Wolff 4930, dagegen der Sozialdemokrat 18 705 Stimmen. Der liberale Kandidat hat also eine Einbuße von fast 50 Prozent zu verzeichn n, während der Sozialdemokrat trotz der g-ringen Wahlbeteiligung einen Zuwachs von über 3000 Stimmen zu gewinnen vermochte. In Cannstatt- Ludwigsburg ist neben der Unreife auch die Trägheit der bürgerlichen Wählerschaft zu beklagen. Der Wahlkreis, der im Juni 1903 etwa 86 000 Wähler gezählt hatte, hatte im Winter 1907, also 3V2 Jahre später, 40000 Wcchlberech. tigfe, er würde, gleichmäßig« Bevölkerungszunahme vorausgesetzt, jetzt nach abermals 8^ Kahren, mindestens 44 000 Wahlberechtigte zählen. Da nur 33 000 Wähler ihrer bürgerlichen Ehrenpflicht genügt haben, so haben sich mindestens 11 000 der Wahlurne ferngehalten. Die Sozialdemokratie, der alles darauf ankommt, im ersten Wahlgange zu siegen, hat sicherlich all ihre Mannschaften an die Urne herangebracht, die
Bi (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Annh Wothe.
(Sottfefcung.)'
„Meine Mutter," entgegnete Rarteen bitter. „Sie kennen Sie schlecht. Aus den Knien habe ich vor ihr gelegen und sie gebeten, mit zu helfen, daß ich nicht Peter Pankwitz' Frau zu werden brauche, sie hat mir nur geantwortet, „das wären Albernh riten und Zierereien. Sie hätte nicht Lust, der ganzen Stadt als Skandal zu dienen. Was man versprochen, das müffe man halten. Peter Pankwitz wäre gerade der rechte Mann für mich, der würde mir schon di« über- spönigen Ideen austreiben."
„Und Ihr Vater?"
„Ich wage Papa nicht damit zu kommen Eine kleine Andeutung brachte ihn in eine namenlose Erregung, wie ich sie gar nicht bei ihm kenne, und er redete ganz wirres Zeug, daß wir noch a 'e betteln gehen könnten, wenn ich Peter Pankwitz nicht nähme."
„Und ich nehme ihn doch nicht," schloß Karleen tief aufatmend, „lieber gehe ich in die Pleiße oder wenn es fein muß, wirklich betteln. Ich kann ni-, nie Peters Frau werden. Verzechen Sie," fuhr Sie dann fort, mit zitternder Hand die Tränen trocknend, „daß ich mtt meinem Kummer so rücksichtslos in den Frieden Ihres stillen Hauses falle, aber ich wußte nicht ein, nicht aus, und da siel'mir Ihre Liebe, Ihre Nachsicht, Ihre Güte ein. Raten Sie mir, Fräulein Rickle, wie entgehe ich dem schrecklichen Verhängnis, das immer näher und näher rückt?"
Rickle zögerte mit der Antwort, dann aber sagt« sie fest:
„St« müffen für Ihr Glück streiten, Fräulein •atken. Sie dürfen den Kampf nicht scheuen.
11000 Faulpelze entfallen also fast durchweg auf die bürgerlichen Parteien.
Dies Wahlergebnis enthält aber vor allem Mahnungen an die liberalen Mittelparteien. Sehr richtig schreiben die „Berl. Pol. Nachr.":
„Nachdem Usedom-Wollin für den Norden, Halle und Eisenach für die Mitte und Büdingen- Friedberg für den Westen Deutschlands den Beweis geliefert hatten, daß die liberale Agitationsweise ben Sozialdemokraten keinen Abbruch tut, ihnen vielmehr nur nützt, zeigt sich nunmehr auch für Süddeutschland das gleiche Resultat. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß durchweg und überall durch die einseitige und übertriebene Agitation gegen die Reichsfinanzreform nur das Heer der Mitläufer der Sozialdemokratie verstärkt wird, und.zwar erfolgt offenbar diese Verstärkung vornehmlich auf Kosten der liberalen Parteien. Darauf weist sehr nachdrücklich die Tatsache hin, daß in den bisher liberal vertretenen Wahlkreisen Usedom-Wollin und Friedberg- Büdingen nicht der liberale, sondern der konservative bezw. agrarische Kandidat in die Stichwahl mit den Sozialdemokraten gekommen ist. Ein weiterer Beweis hierfür ist auch die Tatfache, daß in dem Wahlkreise Lands- berg-Soldin das konservative Mandat in der , Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Mitbewerber behauptet worden ist. Indem die Liberalen bisher ihre Agitation ausschließlich auf den Kampf mit den Konservativen und dem Zentrum zugeschnitten hatten, boten sie den Sozialdemokraten die denkbar wirffamsten Angriffswaffen gege.t die eigene Stellung und erkauften so den Gewinn eines einzigen ostpreußischen Mandats von den Konservattven mit dem Verluste einer ganzen Reihe großenteils bisher ben bürgerlichen Parteien sicherer Mandate, an die Sozialdemokraten. Diese Bilanz der seit der Reichs- finanzresonn von den liberalen Parteien durch- geführten Wabltaktik bedarf der näheren Erläuterung nicht. Solche Wahltakti? erweist sich als geradezu selbstmörderisch."
Es ist wirklich hohe Zeit, daß sich die Parteien neben dem Trennenden doch auch wieder einmal auf das besinnen, was ihnen gemeinsam ist, was doch wirklich noch in Fülle vorhanden ist. Nicht nur sie selbst leiden dabei, das könnte man ihnen, den rechten wie ben linken, sobald ste Fehler machen, nur gönnen; Wohl aber wirb ber Vaterlandsfreund unter bies-n Zeitläuften von emften Besorgnissen erfaßt. Die Sozialdemokratie hat mit Cannstatt-Ludwigsburg ihr siebentes Mandat in den Nachwahlen errungen. Sie zählt im Reichstag jetzt 50 Vertreter, und ber „Vorwärts, hat leider guten Grün» zu ber Hoffnung, daß die sozialdemokratische Frattion auch diese Zahl noch vor dem Zusammentritt des Reichstages Überschreiten wird. Schätzungen von 120 und 150 Mandaten für die nächste Wahl hört man Wohl öfter und die Rosakouleur hat auf manche schon derart abgesärbt, daß sie garnicht an die kealpoliiischen Folgen denken, die ein solches Ergebnis haben muß. Diejenigen
Vielleicht — vielleicht hilft Ihnen auch Ihr Btu- ber!"
Nun war es boch gesagt.
„Mein Bruber?" Jetzt lachte Karleen. heiser auf. „Mein Bruder, der selbst «in« Braut gewählt hat, die er nicht liebt, ber alle Tage, ich sehe es ihm an, ben gleichen Kampf zu kämpfen hat wie ich selber? Nein, Rickle, mein Bruder kann sich selber nicht helfen, mir Hilst er sicher nicht."
Und jetzt lachte Rickle unter Tränen auf.
„Er liebt sie nicht “ schluchzte sie wieder und immer wieder und dann beugte sie sich über Kar- leens Hände und küßte sie in überwallender Dankbarkeit.
„Wie danke ich Ihnen für diese Worte," sagte sie unter strömenden Tränen, „wie danke ich ihnen!"
Karleen sah verständnislos in das glühende Antlitz des jungen Mädchens.
„Was fehlt Ihnen, Rickle?" fragte sie erschreckt Und besorgt, den eigenen Kummer vergessend. „Ostern naht," rief Rickle wie in Ekstase, „aus dunkler Hast löst sich meine in Fesseln liegende Seele. Gr liebt sie nicht, er ist nicht treulos etwas anderes ist es, das mir ihn nahm."
Und an Karleen herniedergleitend und ihre Knie« umsaffend, schluchzte sie auf: „Sie geben mir das Leben wieder, Karleen."
Und dann begann sie zu erzählen, leife und zart, vor ihrer jungen Liebe, ihrem Hoffen, ihrem Glück und ihrem grenzenlosen Leid, als Hans Jürgen sie verlassen, und sie geglaubt, daß er treulos sei.
Und Karleen hatte die Hände um ben blonden Kops des Mädchens gefaltet, das sich gegen ihre Rnie« schmiegte und lauschte ben Worten I Rickles wie einer heiligen Offenbarung, bie begeistert und doch so keusch, das einzig große, ewig und machtvolle hohe Lied bet Liebe bet*
I irren, bie glauben, baß Parteien wie bie Agrarier auf bie Dauer große Verluste erleiben werben, sie kennen bie Natur biefer Wähler nicht, bie meistens treu zur Fahne halten. Die Zeche wird stets von den Mittelparteien bezahlt. Also bleibt nichts übrig, als sich beizeiten auf eine gemeinsame Phalanx gegen bie äußerste Linke zu besinnen, der die Rosaroten ja so wie so rettungslos verfallen sind.
In diesem Sinne zieht bie freikonservative „Post" folgendes Fazit aus der Wahl:
„Zu gleicher Zeit aber ist diese Nachwahl wie alle vorhergehenden — die Wahl von Oletzko- Lh. bildet eine Ausnahme — ein« Warnung für die nationalliberale Pattei, sich noch weiter nach link; zu entwickeln. Der mit soviel Pathos und Eifer bertretene Gedanke, daß nur der Anschluß nach links bie Partei retten könne, hat sich auch hier wieder als Wahn erwiesen. Das Bündnis mit der Linken führt nicht zum Sieg, sondern In das Nichts. Der Linksliberalismus hat auf feiltet Seite bie lautesten Schreier, einig« dreist unverschämte Blätter, aber nicht — bie Wähler. Die Wahlen aber werben durch bie Wähler entschieden und nicht durch die Hetzereien des Berliner Weltblattes und Zeittlngen von ähnlichem Schlage. Nicht nur ber Industrielle, sondern auch der kleine Gewerbetteibende, der Handwerksmeister, der Labenbesitzer, ber kleine Bauer, sie alle leiden unter bet überschnellen sozialen Geseß- macherei. Sie alle wollen auf btefem Gebiete wenigstens einen Stillstand haben. Die Links- Liberalen aber versuchen womöglich bie Sozialdemokraten in ihren Forderungen noch zu überbieten. Deshalb wenden sich alle produktiven Kreise von ihnen immer mehr ab. Ebensowenig finden Links-Liberale mit ihrer Schlaffheit in nationalen Fragen, ihrer Kttecherei vor dem Auslände, ihrer Berhimmlung alles Fremden, ihrer Verspottung alles dessen, was dem Deutschen heilig ist, Änflang in enffchieden national gesinnten Gruppen. Der ganze Links-Liberalismus wird heute dargestellt durch einige vorlallte Berliner Blätter und eine Anzahl Stammtisch« in der Provinz. Wählermassen folgen ihnen nicht mehr. Etwas Gutes wird die Niederlage haben. Sie dürfte den rechten Flügel in bet national- liberalen Pattei so statt machen, baß er demnächst in Cassel einen glänzenden Sieg • davontragen wird. Denn die Taffachen sprechen so überwältigend gegen Bassetmann und seine Freunde, daß auch die schönsten Phrasen und bie begeisterndsten Reden nicht dagegen aufkommen können. "
Der nationalliberale „Schwäbische Merkur" schreibt:
„Es ist alles so gekommen, wie man befürchtet hatte. Der Sozialdemokratie flössen bi« Massen ber Wählet zu. Die Schlagworte, bie bie Sozial- bemofratie mit ungeheurer Dreistigkeit ausgab, mit Dieben und Einbrechern mußten sich di« Freunde der Kandidatur Oettinger vergleichen lassen, wirtten noch mehr wie bisher. Auch die unglücklichen politischen Verhältnisse im Reich trugen vollauf dazu bet, und auf bürgerlicher
kündete. „Nun kann ich wieder beten", schloß Rickle mit feuchtschimmernden Augen, „nun kann ich wieder für Hans Jürgen und sein Glück bitten, nun kann ich wieder wie einst mit ihm jubeln:
„Singet dem Herrn ein neues £ieb; denn er tut Wunder.
Er sieget mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Atm."
Strahlend, als leuchte aus ihren Augen die Sonne, schaute Rickle um sich.
Karlen war tief erfdjüttert. Wie nichtig kam sie sich vor mit ihrer Angst, ihrer Sorge, mit ihrem kleinlichen Wägen und ihrer Mnttosigkeit. Hier das schlicht« Mädchen lehrte sie, daß echt« und wahr« Sie« nichts für sich begehrt, daß sie alles freudig opfert und nichts will als nur das Glück des einen, dem dies« Liebe gehött.
Und sie beugte sich zu Rickle hernieder und küßt fast andächtig die reine Stirn.
„Du sollst von jetzt ab meine Schwester fein," sagte sie leise. „Mllst Du?"
Da lächelte Rickle und sprach leise erschauernd vor sich hin: „Seine und Deine Schwester," bann aber sprang sie auf, und ein festet Entschluß sprach aus ihren noch tränenfeuchten Augen.
„Du mußt zu erfahren suchen, Starken," mahnte sie sanft, „warum Dein Vater auf Deiner Heirat mit Pankwitz besteht. Ich fürchte, es ist berfelbe Grund, der Deinen Bruder zur Berlob- ung mit Milla Landheim zwang."
Starken blickte bestürzt dem jungen Mädchen ins Gesicht, dann ging plötzlich ein erschreckendes Verstehen über ihre Züge, und beide Hände vor das ganz berftörte Gesicht schlagend, weinte sie auf:
„Nein, nein, es kann ja nicht sein, ber Gedanke ist ja fürchterlich. Es wäre aber das einzig Mögliche, das ich mir denken kann." Und dem
Seite verbluteten sich die Parteien im Zwist, und. ganze Scharen bürgerlicher WäPet Ikibeten ihren Unmut in Wahlenthaltung.'
Die „Kreuzzeitung' aber schreibt:
„Die Parole: „Der Feind steht rechts!' HÄ den Nattonalliberalen 4 Mandate gekostet und eines eingebracht. In Frankfutt a. b O. werden sie wahrscheinlich auch dem Sozialdemokraten Platz machen müffen. Und da sagt der „Vorwärts" heute noch: „Wollen die Liberalen nicht zerrieben werden zwischen der Sozialdemokratte und der Reattion, so müssen sie sich in den Dienst des demokratischen Willens stellen.' Vermutlich wollen dann die Sozialdemokraten mit dem „Zer- reiben" eine kleine Pause machen. Oder sollte der Satz'ironisch gemeint fein? Wenn man steht, Joie eifrig sich in Süddeuffchland liberale Parteiführer, Minister und Pttnzen regierender Häuser tn den „Dienst des demokratischen Willens stellen", und wie trotzdem oder gerade deshalb — Schlag teuf Schlag die Reichstagsmandate Landau-Ren- stadt, Stoburg, Friedberg-Büdingen, Cannstatt- Ludwigsburg und ein Landtagsmandat nach dem anderen der Umsturzpattei zugefallen sind, dann kann man verstehen, daß die Sozialdemokratte den dringenden Wunsch hegt: „Nur weiter so in der Unterwerfung unter den demokratischen Willen!" Im württembergischen Landtage waren die Nattonalliberalen früher die herrschende Partei, jetzt sind sie mit nur 12 Mandaten bie schwächste; im Reichstage haben bie toürttemb/r« gischen Nationalliberalen noch einen einzigen Sitz; ste brauchen nur ben Rat des „Vorwärts" zu befolgen unb es ist ::m ihre Existenz geschehen."
Die linksliberalen Organe verfallen in bie alten Tiraden vom „schwarzblauen" Block dem erfreulichen Sieg ber Linken, ber zwar nur dem roten Bruder zugefallen sei et tutti quantif
ES ist überflüssig auf sie einzugehen.
Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Stettin, 8. Aug. Der Kaiser traf um 10 Uhr auf dem „Sleipner" vor der Hakentetraffe «in. Am Landungssteg erwartete Prinz Eitel Friedrich, ber hier angekommen war, seinen kaiserlichen Vater; ferner waren Oberpräsident Frhr. v. Maltzahn und ber Polizeipräsident v. Wuthenau zugegen. Der Kaiser bestieg am Bollwerk mtt dem Prinzen Eitel Friedrich ein Automobil, um sich nach dem Exerzier- platz in Krekow zu begeben. Bei der Vorbeifahrt der Kaisers brach das zahlreiche Publikum in lebhafte Hochrufe aus. — Kreckow bei Stettin, 3. Aug. Da» Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm IV, 1. pommersches Nr. 2, hatte unter Führung des Kommandeurs Obersten Dickhuth auf dem großen Exerzierplatz zur Besichtigung in Linie Ausstellung genommen.
jungen Mädchen fest in bie Augen sehend, fragt« sie fast hart: ।
„Rickle, glaubst Du, baß mein Vater arm geworden ist, ganz arm??"
Rickle senkte scheu die dunklen Wimpern auf bie heißen Wangen.
„Ich weiß es nicht — aber — ich fürchte eS."
„Da kann mich nichts, nichts mehr retten," schrie Starken auf, „dann muß ich Peters Frau werden. Nun verstehe ich auch erst Papas Reden von Opfern unb ewiger Dankbarkeit. Ach, Rickle, könnte ich boch sterben."
„Sie müssen leben," tönte ba plötzlich eine tiefe Stimme in Karleens Weinen hinein, unb Rolf Mehnett staub mitten im Zimmer, sein Kind an ber Hanb, das mit seinen schwarzen Augen zu ihm auflächelte.
Starken und Rickle schreckten auf, als Rolf f» plötzlich vor ihnen stand. ,
Er aber streckt« beiden die Hände entgegen und fügte, die dunflen Augen fest und fast befehlend auf Starken gerichtet:
„Sie müssen leben, Starken ©ermann," unb leise wie ein Hauch traf es bann noch ihr Ohr: „Für mich.'
Hatte er bas wirklich gesagt?
Verwirrt unb geängstigt sah Starken zu ihn aus. Bie biefer Mann boch ihr ganzes Denke« unb Sinnen gefangen nahm? Trotzbem st« feit der Unterredung auf dem alten Friedhof nut hier unb ba einige gleichgilttge Worte mit ihm gewechselt hatte, wie eS ber gesellschaftliche Set' kehr mtt sich brachte, fühlte st« boch bas unsichtbar« Band, bas sie unauflöslich an ihn fesselt«, Unb niemals fanb ste dieses ©ebunbenfein starkes als hier tn bem kleinen Hause, wo fein Stint lebte, bas Kind, das seine ganze stürmische Zätt- lichkett über Starken auSschüttet«. Auch jetzt drängte sich die kleine Jela wieder zättlich tw Starken« Ärme. : (Fortsetzung folgt.)