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45. Jahrg«

Marburg

Donnerstag, 4. August 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet bes Blatte» für die 7gewattene Zeile oder deren Raum 15 A, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Sitzerath, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- Iftß jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei

: Vf=. lOv unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 Jt.

(Für unverlangt zugejandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Das ländliche Bauwesen in Kurhessen.

I Man schreibt uns:

Die Nummer 165 derOberhessischen Zeitung" brachte einen sehr bemerkenswerten Artikel, der den Freund hessischer Landschaften hoffen läßt, daß auf dem Gebiet des stark vernachlässigten ländlichen Bauwesens doch noch eine Wendung zum besseren zu erwarten steht.

Der Herr Verfasser des betreftenden Artikels, offenbar ein verständiger und kunstsinniger Ver- waltungsbeamler, strebt mit allen Kräften dahin, unserer Landbevölkerung Sinn für Aesthesttk und Architektur beizubringen, wahrlich keine leichte und dankenswerte Aufgabe.

Zunächst dürfte jedoch nur vorübergehende Er­folge zu erwarten sein, denn die Wurzeln des Nebels, denen der Rückgang der Baukunst auf dem Lande zu schulden kommt, sitzen zu tief, als daß sie mit den empfohlenen Mitteln oder auf dem Wege der Belehrung rc. beseitigt werden könnten.

Forschen wir einmal den Ursachen nach, wie es kommt, daß in alter Zeit ästhetisch beftiedi- gende und heute Bauten aufgeführt werden, die das Gegenteil davon und bleibende Zeugen eines Kultur-Rückschrittes sind, so liegt es doch am nächsten, sich zu fragen, in wessen Händen lag in früher Zeit die Bautätigkeit aus dem Lande und in welchen Händen liegt sie heute? Früher war es ein Stamm zünftig gelernter, praktisch «n5 theoretisch vorzüglich geschulter Handwerks­meister, die Material und Konstruktion be­herrschten und genau wußten, wie die Forde­rungen von Praxis und Aesthetik zu verbinden waren. Alle Achtung vor diesen Vertretern des Handwerkerstandes, die leider im Anssterben be- grikfen und nur noch in wenige« Spezies vor­handen sind.

Wer sind nun ost die heutigen Berater der Baulustigen aus dem Lande? Meister ist ein häß­licher Titel, Bauunternehmer hört sich schöner an für den auf der Bauschule verbildeten Herrn, und dann ein ganzer Schwarm vonKunstjüngern", die sich einen Nebenverdienst durch Anfertigung billig r Baupläne zu erjagen suchen. Gar viel könnte ich noch aus der Schule sprechen, will je­doch lieber stillschweigend über all dieKunst­leistungen" hinweg gehen, die heute in tausenden von Exemplaren auf den Kreisbauärntern zur Virlage kommen, zwecks Nachsuchung der bau­polizeilichen Genehmigung.

Tie technischen Berater des Bauherrn, falsch und ungenügend geschulte Kräfte sind es, denen allein der Niedergang der Baukunst auf dem Lande zu danken ist, dem einfachen Landmann selbst ist keinerlei Vorwurf zu machen, dieser be­sitzt heute nicht weniger Kunstsinn als stüher. Unsere Nachbarstaaten haben dies auch erkannt, dorten ist es ein Stamm erstklassiger Baukünst­ler, welche die Fäden der Bautätigkeit in der Hand haben und die Baulustigen vorzüglich be­raten: Pläne, wie solche hier zur Vorlage kom­men, würden dort unbedingt zurückgewiesen.

Man möchte mir wohl einwenden, der Land-

50 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wvlhe.

(Fortsetzung.)

Das sind ja viele Wünsche auf einmal," lächelte Rickle.Guten Morgen, mein Liebling. Hast Du schön geschlafen?"

Ja, serr schön," schnarrte die Kleine dasR" und steckte übermütig ein nacktes Beinchen her­aus.Jela har geträumt von Mama. Mama war ein Engel, der hatte goldene Flügel, damit flog er schnell, ganz schnell in den Himmel, kannst Du auch fliegen?"

Nein, Jela, leider kann ich es nicht," be­dauerte Rickle und strich dem Kinde die wirren Locken von der Stirn, dann nahm sie mütterlich di« Kleine aus dem Bettchen und begann ihre Morgentoilette.

Jela plauderte unausgesetzt, während sie ver­gnügt im Wasser herum plätscherte.

Du, Tante Rickle, wann kommt die schöne Dame wieder, Tante Karleen, die mir neulich so schöne Sachen brachte."

Rickle errötete tief.Ich weiß es nicht, Jela, vielleicht nie mehr."

Dann wein! Jela," dann schreit sie, dann ist Papa böse mit Jela, aber sie schreit doch. Tante Karleen toll wieder kommen."

Mit Mübc nur zog Rickle die Strümpfe über bl: heftig widerstrebendem rosigen Füßchen der Kleinen.

Welches Ungestüm," dachte sie,wieviel W.h nnd Schnier; wirst Du armes Ding ertrazcn müssen, ehe Du gelernt hast, die Zügel anzulegen, die auch Deine Mutter nie gekannt hat."

Papa soll Tante Karleen mitbringen," be-

brwohner habe nicht die Mittel zur Anserttgung besserer Pläne, ebensowenig wie für architek­tonische Ausgestaltung seiner Bauten. Der Fach­mann jedoch kann konstatteren, daß durchaus nicht billig auf dem Lande gebaut wird, ja sogar in vielen Fällen ein gewisser Aufwand getrieben wird mit Verblendsteinen, Sandsteinen, Zink­spitzen, Balkon mit Eisengitter, Stuckornamenten uHv. (vergleiche die Neubauten an der Landstraße nach Cappel, die viel besser unterblieben wären, weder in den Rahmen des Ganzen, noch auf das Land überhaupt passen und einfach von dem be­treffenden Planfertiger von städtischen Bauten kopiett sind). Das Baupstrschertum, das, im Gegensatz zum Kurpfuschertum, ungehindert seine Blüten treibt, ist es, dem die Auffichtsbehörden in erster Linie ihre volle Aufmerksamkeit widmen und Mittel und Wege finden müssen, die Bau­tätigkeit dieser Leute zu unterbinden, was sich wohl durch die Forderung sachgemäßer, die ge­naue Ausführung des geplanten Neubaues in Form und auch in Farbe zeigender Pläne er­reichen lieb; die letztere Forderung ist besonders bei den Bauten auf dem Lande unerläßlich. Da­neben müßte freilich eine gut organisiette Ueber- wachung der Bauausführung jiattfinden. Wird der Bauherr von vornherein richtig beraten, dann fallen auch die Schwierigkeiten, welche jetzt, wie der Arttkel in Nr. 165 der .Oberhessischen Zei­tung" beweist, den Verwaltungsbehörden vielfach entstehen, ganz von selbst fort und eine Gesun­dung der Bautätigkeit wird die natürliche und sichere Folge sein.

Es ist weiter zu bedenken, daß die Baukunst in erster Linie von dem Material abhängig ist. und die Holzbauweise bald der Vergangenheit angehören wird. In früheren Jahren war Holz im Ueberfluß vorhanden, und kostete den Bauen­den wenig oder gar kein Geld. Heute ist der Holzbau sehr teuer, und dies ist auch der Grund, weshalb die Baulustigen zum Ziegelbau greifen. Den ersteren wieder zu kultivieren, wäre ein Unding, da die Landleute sich die Kosten eines sachgemäßen Holzbaues nur in den wenigsten Fällen leisten können. Die Schönheit der alten Holzbauweise liegt nicht zum wenigsten int wert­vollen, jetzt fast uni zahlbaren Eichenholz, als auch in den Dimensionen der Hölzer selbst. Die heutigen Fachwerksbauten mit ihren dünnen, aus Tannenholz und mit Oelfarbe gestrichenen Stie­len sehen geradezu trostlos ans im Vergleich zu bei: alten, die natürliche Farbe des Eichenholzes zeigenden massigen Holzbauten.

Folglich ergibt sich, daß nach anderen Aus dmcksmitteln gesucht werden muß, die sich würdig mit den alten Fachwerksbauten messen können und das läßt sich sowohl mit dem Putzbau, als auch mit dem Ziegelrohbau sehr gut erreichen. Es kommt ganz allein aus Material und Be­handlung, und wie der Werkmann sagt, auf den Schnitt des Hauses an. Wie das zu machen ist, kann aber einzig allein nur Sache eines gereisten Geschmacks itnb eines auf Grund langjähriger Tätigkeit und Erfahrung fußenden, prattisch und künstlerisch geschulten Fachmannes sein. 8p.

--*--

harrte Jela eigensinnig. .Jela will eine Puppe haben mit blonden Haaren wie Du und Tarne Karleen, nicht schwarze wie Mama. Jela kann schwarze Locke nicht leiden, Jela will--

Jetzt hör aber einmal auf," verwies Rickle das Kind streng,und laß Dir unten von der Marie schnell Dein Süpchen geben, sonst rennt es davon, lauf schnell, Jela!"

Jela will es fangen," jauchzte die Kleine und bald hörte man draußen auf dem Gang die trip- pelnden Füßchen und das eigentümlich girrende, süpe Lachen des Kindes.

Rickle seufzte erleichtert auf. Das lebhafte Kind trieb es doch zuweilen zu bunt und heute hätte sie so gern einige Augenblicke für sich ge­habt zur stillen Einkehr.

Wie alltäglich ging Rickle ihren Geschäften nach, aber was sie auch tat, der Morgenglanz schien,wch immer wie ein Licht der Verheißung in ihrer Seele. Wie konnte ihr grauen?

Der Vater wanderte mit dem großen alten Gesangbuch in der Hand und dem noch älteren Zylinderhut auf dem Kopfe hinein in die Stadt, in die Thomaskirche.

Rickle war nicht Wiede : dorthin in die Motette gekommen, die sie früher nie versäumte. Zu viele Erinnerungen wurden dort wach, all die glück- verllärten Tage, in denen sie mit dem Geliebten g-meinsam den Himmelsklängen der alten, un­vergänglichen Kantaten gelauscht, wo ihr zu Mute war, als schreite auf goldenen Sohlen der ewige Frühling ihr zur Seite. Und dann war es ihr auch einmal gewesen, als sehe sie, hinter einem Pfeiler verborgen, Hans Jürgens blasses Gesicht und seine dunklen Augen, die wie beschwörend auf ihrem Antlitz hasteten. Da war sie aus der Tyomasürche geflohen und hatte sie nie wieder betreten.

Parlikularistell in der Universität.

Der Straßburger Professor der romanischen Spra­chen Dr. Cloetta ist kürzlich durch Pfeifen und Johlen an bei Abhaltung seiner Vorlesung verhinbert wor­den. Es ist in der beuffchen Universttätsgeschichte schon vorgekommen, daß mißliebigen Lehrern von ihren Hörern Demonstrationen bereitet wurden. Dieser Fall steht aber doch einzig da. beim hier wird eine französische Sitte zum ersten Mal nach Deutsch­land übertragen. Während die deutschen Studenten ihr Mißfallen durch Scharren mit den Füßen zum Ausdruck zu bringen suchen, wurde hier gepfiffen und gejohlt und die Veranstalter beriefen sich auch direkt auf Paris, wo man noch ganz anders solche Dinge in Szene zu setzen wüßte. Es ist zudem zu bemerken, daß sich hier ein ganz ausgesprochen elsaß-lothrin­gischer Parttkularismu», der seinen Gegensatz zum Deutschtum hier allerdings völlig unangebracht zum Ausdruck brachte, durchsetzte. In den Presse­äußerungen wurde nämlich betont, daß der angegrif­fene Professor da- Elsaß-Lothringertum beleidigt, weil er es wegen seiner schlechten franzöfischen Aus­sprache getadelt hatte mit dem Bemerken, daß die Herren nicht einmal zum Unterricht der untersten Klasse im Französischen geeignet wären. Das Elsässer- tum kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Demon- stratton in erster Linie von den Pharmazeuten aus­ging, also nicht von den eigentlichen Schülern de» Professors Cloetta. Diese Pharmazeuten haben sich mehrfach durch ihren Deutschenhaß bemerkbar ge­macht, so z. B. in einer Fastnacht, al» sie in der Ta­verne es für einen Scherz hielten, die altdeutschen Studenten, die dort Einlaß begehrten, zu verhauen. Es ist dann auch typisch, daß der Vorfall tags darauf mit allen Einzelheiten und mit dem Vorwurf, der Professor Cloetta habe das Elsaß-Lothringertum an­gegriffen, nicht nur in der Lokalpresse, sondern in der ganzen deutschfeindlichen Presse des Reichslandes zu lesen war. Der wahre Sachverhalt ist schwer fest­stellbar. Die Universität hat eine Untersuchung dar­über angestellt, deren Ergebnisse veröffentlicht werden sollen. Völlige Klarheit wird auch sie wohl nicht bringen. Festgestellt kann aber jetzt schon werden, daß Professor Cloetta nicht in allen Punkten mit seinen Hörern harmoniert und gegenüber seinem Vorgänger, dem beliebten Professor Gröber, soll er ein schärferer Examinator sein. Der ihm gemachte Vorwurf, er habe einen Doktoranden ungerechterweise durchfallen lassen, worauf die Demonstration erfolgte, sttmmt nicht. Dieser Herr hat bei einem anderen Exami­nator nicht bestanden. Das abfällige Urteil über die mangelhafte Kenntnis des Französischen der Elsaß- Lothringer stellt der Professor entschieden in Abrede. Es kann aber kein Zweifel sein, daß sich dieses Ge­rücht festsetzte, daß es geglaubt wurde, wie auch die deutsch-feindlichen Blätter es weiterhin als richtig hinstellen, und daß dieser Umstand in Verbindung mit den übrigen Klagen bann bie Szene herauf­beschwor. Die Gegensätze zwischen Altdeutschen und Einheimischen treten bei Studenten sonst an der Uni-

Wie sttll es heule im Haufe war. Rur zu­weilen Vang in die Sttlle des Kindes Lachen, das bei der Magd in der Küche saß und der Geschichte vom Osterhasen lauschte, die Marie im schönsten Sächsisch" zum Besten gab.

Rickle begann unten im Parterre die große Wohnstube mit den uralten, unmodernen Möbeln zu schmücken. Silberschimmernde Weidenkätzchen h:gten bald aus allen Vasen und guckten in dicken Büscheln hinter alten Bildern hervor und gelbe Leberblümchen lachten dazwischen und weit­hin spendeten tiefblaue Veilchen, die auf dem großen Tisch vor dem Sopha mit der altmodischen Decke standen, ihren Dust.

Wie zu einem Frühlingsreigen fügten sich die zarten Kinder des Lenzes in der niedrigen Stube und draußen stiegen jubelnd die Lerchen in den blauen Aether.

Rickle hatte heute das Gefühl von etwas ganz besonders Frohem. Einen Augenblick sah sie prüfend an ihrem einfachen dunkelblauen Haus­kleide hernieder. Dann aber schüttelte sie wie müde den blonden Kops, und in ihren grauen Augensternen glomm es wie Tränen. Und höher ftieg die Sonne und hüllte die Welt in Glanz und Glut.

Da war es Rickle plötzlich, als hörte sie Stim­men draußen auf dem Gang und Jelas frohes Lachen, und als sie die Tür öffnete, da sah sie Karleens Gestalt auf dem Steinboden knien und das schwarzlockige Köpfchen der Heinen Jela an ihre Brust drücken.

Du, Rickle, Tartte Karleen hat mir einen Osterhasen gebracht und viele, viele Eier, darf ich st aufessen?"

Ja, aber nicht alle auf einmal, " lächelte Rickle, und dann zog sie ihren »»erwarteten Gast

versttät sehr oft zu Tage, ein solcher Gegensatz hat sich zwischen Studenten und Professor aber noch nie ge­geigt und es ist auffällig, daß es nunmehr bei einem naturalisterten Deutschen geschieht Cloetta ist ge­borener Italiener, dem man pangermanistische Empfindungen kaum wird beimessen können.

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Deutsches Reich.

vorn Kaiser. Swtnemünde, 2. Aug. Der Kap ser empfing gestern am späten Abend noch den Besuch des Großherzogs von Oldenburg, der mit feiner Jacht Lensahn" hier eingetroffen war. Heute vormittag machte der Kaiser einen Spaziergang in Begleitung des Reichskanzlers. Gegen Mittag traf Geheimrat Strempel, der Stellvertreter des Chefs des Zivil­kabinett», zum Vortrag ein und nahm auf der Hohenzöllern" Wohnung. Zur Frühstückstafel au Bord derHohenzollern" war der Eroßherzog von Oldenburg mit seiner Familie geladen. Bei der Tu fei saß der Kaiser zwischen dem Erbgroßherzog von Oldenburg und dem Staatssekretär von Ätberlen- Wächter rechts und dem Reichskanzler links. Gegen- über saß der Eroßherzog von Oldenburg zwischen den Prinzessinnen Jngeborg und Altburg. Nachmittag» um 8 Uhr 17 Min. reiste bet Reichskanzler nach Hohenfinow unb Staatssekretär o. Kiderlen-Wächter nach Berlin zurück.

Der Kaiser kommt am 3. und 4. August nach Berlin bezw. Potsdam, um verschiedene Regierung», angelegenheiten zu erledigen, ll. a. wird er den frü­heren chinesischen Gesandten Pintschang in Abschieds­audienz empfangen und aus den Händen seines Nach­folgers Liongscheng dessen Beglaubigungsschreiben in feierlicher Antrittsaudienz entgegennrhmen. Der 5. und 6. August ist, wie schon gemeldet, für einen Be­such des Kaiserpaares in Hannover in Aussicht ge­nommen. An diesen wird sich dann ein längerer Auf­enthalt beider Majestäten in Schloß Wilhelmshöhe anschließen.

Das badische Erotzherzogspaar in Badenweiler. Karlsruhe, 2. Aug. Der Eroßherzog und die Groß- Herzogin haben sich heute nachmittag kurz nach 5 Uhr zu längerem Aufenthalte nach Badenweiler begeben.

Abgeordneter Lucius gestorben. Erfurt, 2. Aug. Der frühere freikonservative Reichstags- und Land- tagsabgeordneie Geheimer Kommerzienrat Lucius ist heute früh gestorben. Lucius war am 10. Mai 1830 geboren.

Deutschlands Entschädigung. Peking, 2. Aug. Die an Deutschland zu entrichtende Entschädigung für die durch den Ausstand in Tschangsha verursachten Verluste ist auf 50 000, die für Frankreich auf 40 000 Taels festgesetzt. Die Entschädigungen für die an­deren Motionen werden noch berechnet.

Die Beschießung des deutschen Ballon» Tshudi" durch russische Grenzsoldaten. Reuthen (Oberschlesien), 2. Aug. Gestern nachmittag fand ht Przelaika die kriegsgerichtliche Untersuchung über die int vorigen Jahre erfolgte Beschießung des deut­schen BallmtsTschudi" durch russische Grenzwerten --------.. . -

in die Stube unb sagte mit ineinandergelegten Händen:

Ich wußte, daß schon h-ute für mich ein Ostern leuchten würde. Vielen Dank, daß Sie gekommen, und daß Sie so freuribltd; an Jela gedacht haben."

Karleen sah sich stumm in dem Stübchen um. Jela war in die Küche gestürmt, ihre Herrlich­keiten zu zeigen, und durch das Gemach wehte es wie tiefer Frieden.

Wie glücklich sind Sie, Fräulein Rickle," nahm Karleen sinnend das Wort, ben Schleier weit zurückschlagend und dem jungen Mädchen warm in die Mgen sehend,in Ihrem Heinen Reich, fern von der Wett. Wir werden unaus­gesetzt in einem ewigen Hasten und Treiben herumgewirbelt, das die Kräfte verzehrt. Ich bin übrigens am Ende, ich kann nicht mehr!"

Rickle sah tief erschrocken in Karleens bleiche Zi g . Die großen blauen Augen hatten dunkle Schattet: und das Gesicht war schmal geworden,; saft wie ihr eigenes.

Sind Sie krank, gnädiges Fräulein? Haben Sie Kummer?" fragte Rickle teilnehmend unb schloß beide Hände ihres Gastes in die ihren.

Karleen lächelte bitter.Kummer? Ich finde gar keinen Ausdruck für das, was mir die Seele durchstürmt. Ach und dann niemand haben, zu dem man gehen kann und sagen, laß mich mein L.'.d ausweinen bei Dir, hilf mir, tröste mich!"

Rickle fah fassungslos auf die sonst so ruhige, so beherrschte Karleen.

Sie haben doch eine Mutter," sagte sie sanft,, und Schwestern und" :

Sie stockte. Rein, den Bruder konnte sie nichts nennen.

^Fortsetzung folgt.)