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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen: »Jach Feierabend« twöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.«

45. Jahrg.

M 179

Niederwalgern,

Riedcrweimar,

Damm «nd Lohra sowie von allen Post­anstalten und LandbrieftrSgern entgegengenom­men.

DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 J*. (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21). 2,00 JC (Für unverlangt zugekandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 61.

Politische Umschau.

Die deutsche« Hermgsfischereie«.

In den Jahresberichten der Handelskammer für das Großherzogtum Oldenburg gibt ein Fach­mann, I. I. van der Laan, alljährlich eine Sta­tistik der deutschen Heringsfischereien. Aus dieser geht hervor, daß in den letzten zehn Jahren der deutsche Heringsfang ganz wesentlich zugenom­men hat. Während im Jahre 1900 zusammen llß Fahrzeuge, und zwar 110 Logger und 8 Dampfer dem Heringsfange sich widmeten und einen Totalfang von 120 876 Kantjes (17 Kani- jes Seepackung 13 Tonnen Landpackung) 92 430 Faß erzielten, hob sich, namentlich nach Einführung der Dampflogger, schon in den näch­sten fünf Jahren das Ergebnis ganz .rheblich. Im Jahre 1904 bestand die deutsche Heringsflotte aus 157 Fahrzeugen, darunter 138 Logger, 8 Dampflogger, 10 Dampfer und 1 Motorlogger, die ein Jahresfangergebnis von 261651 Kantjes

200 083 Faß erzielten. Während also inner­halb dieses fünfjährigen Zeitraumes die Zahl der Fahrzeuge nur von 118 am 157 oder un 33 Prozent sich vermehrte, erhöhte sich der Fang­ertrag von 92 430 auf 200 083 Faß oder um 117 Prozent. In den weiteren fünf Jahren war die Fangzunahme gleichfalls andauernd steigend. Im J^hre 1909 bestand die deutsche Heringsflotte auS 270 Fahrzeugen, und zwar aus 190 Loggern, 62 Dampfloggern und 18 Dampfern, die zusammen einen Totalfang von 442 538 Kantjes 338 250 Faß lieferten. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist also das Fangergebnis der deutschen Herings- fischerei von 92 430 Faß auf 338 250 Faß, d i fast um das Vierfache gesttegen. Es wurden diese Ergebnisse im Jahre 1909 auf 1133 Reisen er­zielt, und zwar waren hieran beteiligt die Emdre Heringsfischerei mit 135, die FischereiNeptun«« Emden mit 111, die HeringsfischereiDollart«« Emden mit 73, die HeringsfischeriGroßer Kur- fürst^-Emden md 72, die Bremen-Vegesackrr Fischerei-Gesellschaft mit 183, die Geestemünder Herings- und Hochseefischerei mit 53, dir Els­flether Heringsfischerei-Gesellschast mit 98, die FischereiWeser«-Elsfleth mit 51, die Glück« städter Fischerei mit 77, die Braker Herings« fischerei mit 99, dl- Leerer Heringsfischerei mit 68, die HeringsfischereiVisurgis«-Nordenham mit 96, die Hochke ftscheri Bremerhaven mH 12 und die Norddeutsche Hochseefischerei Geeste­münde mit 7 Reisen.

So erfreulich nun der aus dem FangzuwachS hervorgehende Verbrauch von Heringen ist, f» wäre doch zweifeMos eine weitere Steigerung desselben und damit mich eine Vermehrung der für den Fang bestehenden Einrichtungen zu er- zilen, wenn die Hauswirtschaft der deutschen Binnenbewohner den Genuß von frisch gebrate­nen Heringen mehr zu würdigen verstände, und wenn die Hausfrau auf selbstbereitete konserviert« Heringe noch mehr Gewicht legen würde. An­dererseits ist der deutsche Verbrauch von Herin­gen auch zurzeit bereits so groß, daß eine AuS- dehnung der Heringsfischerei wohl lohnend sei« dürste. So weist der Handelskammerbericht i« seinem allgemeinen Teil, in dem die Lage bet H ringsfischerei besprochen wird, darauf hin, daß beispielsweise Stettin im Jahre 1809 673 400 Tonnen Salzheringe einführte, wovon mit 37 150 Tonnen deutsche waren.

Die Arbeitsaussperrengen in Preußen 1909.

Nach derStatistik des Deutschen Reiches" wur­den in Preußen im Berichtsjahre 72 Aussperrungen gezählt, gegen 91 im Vorjahre, 152 im Jahre 1907, 148 im Jahre 1906 und 157 im Jahre 1905; ihre Häu­figkeit ist also in den letzten Jahren stark zurück, gegangen. An den Aussperrungen waren 1909 712 Betriebe mit 9209, 1908 872 mit 28 397 und 1907 4102 mit 56181 ausgesperrten Arbeitern das waren von je 100 der in den betroffenen Betrieben berhaupt beschäftigten Arbeitern 1909 53, 1908 60 und 1907 65 beteiligt. Von den Ausgesperrten waren int Berichtsjahr 52 (1908 227, 1907 290) mit Verletzung des Arbeitsvertrages von der Arbeit aus-

stens nach einer Reihe von Jahren fertig sein können, einer Werst in Aussicht gestellt waren, semer an die englischen Preßsttmmen über ge­heimnisvolle auhereiatsmäßige deutsche Dread­noughts, über in den Flußmündungen versteckte Torpedoboote, und man erhält einen Vorge­schmack davon, was wir zu erwarten hätten, wenn erst einmal bindende Abmachungen getrof­fen worden sind. Ob dabei die Höhe der jährlichen Murineetats, die Größe, Zahl und die Kosten der Schiffe oder die Stärke dK Personals die Grund­lage bilden soll, eine wirksame Kontrolle würde immer fehlen; es würden sich so viele Reibungen Herausstellen, daß die Verbitterung unter den Völkern größer werden würde denn je und daß wir aller Voraussicht nach in kurzer Zeit das hätten, was wir vermeiden wollen, den Krieg.

Weshalb bringt man uns nicht jetzt schon das Vertrauen entgegen, das man doch jemand m schenken muß, mit dem man ein Abkommen schrieben will? Deutschland wird niemand an­greifen, sondern sich und sein Eigentum ver­teidigen. Das Deutsche Reich ist eine unbesiegte Großmacht, deren Friedensliebe außer Frage steht, es nimmt über See nichts für sich in An­spruch. als wirtschaftliche Ausnutzung der Märkte, wie alle anderen handeltreibenden Staaten. Erregt das bei irgend einer Macht An­stoß, so können wir es nur bedauern, aber natio­nale Selbstverstümmelung neben unglaublicher Torheit und Schwäche wäre es, Ansinnen Folge zu geben, die auf eine Herabsetzung unserer Wehr­kraft zur See abzielen. Man muß sich doch fra­gen, wie denn eine Macht wie das Deutsche Reich ohne Not und ohne Grund, trotz seiner unge­heuren Kraft, eine solche Einbuße an nationalem Ansehen und nationaler Ehre auf sich nehmen könnte. Schon die hieraus entspringenden praktisch-politischen Folgen würden sich in schlimmster, gar nicht auszudenkender Weise äußern, in Europa und in der ganzen Welt, wo Deutsche leben und wo deutscher Handel sich Ein­gang zu schaffen versucht.

fach wird die Bedingung gestellt, daß die deutfchen Seemannsintereflen nicht darunter leiden sollen, daß die Ausführung des deutfchen Flottennge- s tzes nicht in Frage gestellt werden dürfte, daß eine politische Entennte mit England vorher­gehen und daß England was es niemals tun wird das freie Eigentumsrecht zur See aner­kennen muffe. Auch die Befürchtung wird ge­äußert, daß das Scheitern der Verhandlungen über diesen heiflen Gegenstand die Beziehungen zwischen beiden Länden- verschlechtern würde. Und damit ist durchaus das Richtige getroffen, denn die Verhandlungen müssen scheitern, weil man in England den Zweck unserer Flotte nicht gelten lassen will. Dieser Zweck ist unverändert derselbe geblieben, wie er in den Einfühmngs- worten zum Flottengesetz 1900 zum Ausdruck kam; er ist auf die Sicherung gegen Angriffe von jeder Seite her und aus die Erhaltung eines ehrenvollen Friedens, nicht nur auf Duldung, wie Mr. R. Balfour sich ausdrückte, gerichtet. An ein Wettrüsten mit England denkt bei uns kein Mensch, noch weniger an einen frevelhaften Angriff gegen das Jnselreich. Auch daß die eng­lische Flotte überlegen sein und bleiben Muß, wird allgemein anerkannt. Aber ist die englische Flotte nicht schon überlegen genug? Ist sie nicht in allen Puntten, ganz abgesehen von der vor­züglichen strategischen Lage Englands, genau dreimal so stark wie die deutsche? Das genügt jedoch für England noch nicht. DieMorning Post« sagte erst vor einigen Wochen, daß die Be­deutung der Flotten für beide Länder nicht durch das Verhältnis von 2 zu 1, sondern eher von 20 zu 1 oder von 100 zu 1 ausgedrückt werde. Da England nun sein« Flotte nicht in diesem Maß­stabe vergrößern will oder kann, so müßte utürlich Deutschland die feinige entsprechend ver­kleinern.

Welchen Nutzen hätten wir aber von einer so kleinen Flotte? Und würde die Sttmmung in England für uns günstiger fein und bleiben, wenn wir zur See schwach wären. Wir glauben es nicht. Nur der Starke und Wehrkräftige wird geachtet und kann sich des Friedens erfreuen, das lehrt die Geschichte aller Völker und Zeiten. Außerdem hätte aber auch die Verständigung zwischen Deutschland und England allein keinen Zweck. Auch andere Staaten besitzen schon eine starke Flotte oder sind int Begriff, sich solche zu schaffen. Gegen diese müßte doch England auch gerüstet sein und wir schließlich ebenfalls. Wie könnten wir das aber, wenn wir uns England gegenüber die Hände gebunden haben.

Es müßt« also wenigstens ein allgemeines Abkommen zwischen allen seemächtigen Rationen gefordert werden. Aber ein solches ist prakttsch undurchfiihrbar, weil es an einer Grundlage für die Bemessung der Stärk: der einzelnen und vor allem an einer Kontrolle darüber, daß die ge­troffenen Abmachungen auch innegehalten wer­den, fehlen würde. Man denke nur an die zahl­reichen Aeußerungen verantwortlicher englischer Saatsmänner über deutsche Baubeschleunigungen, aller amtlichen deutschen Versicherungen zum Trotz, nur wett ein paar Schiffe, die doch frühe-

Ein deutsch - englisches Flotten- Abkommen.

Durch die englischen Parlamentsverhand­lungen über den Marine-Etat und die bei dieser Gelegenheit abgegebene Erklärung des Premier­ministers Asquith ist die Frage eines deutsch- englischen Flottenabkommens, die schon seit dem Jahre 1906 auf der Tagesordnung steht, von neuem in das Gebiet der polittschen Erörterun­gen hineingezogen worden. Bor der zweiten Haager Konferenz versuchte England, eine allge­meine Einschränkung der Rüstungen auf das Be- ratungsprogramm zu setzen, und da dies nicht gelang, bemüht es sich, seitdem -in Sonderabkom- men mit Deutschland vorzubereiten. Mr. As­quith behauptet nun, die deutsche Regierung habe erklärt, sie sei durch das Flottengesetz gebunden und könne von diesem mit Rücksicht auf die deutsche öffentliche Meinung nicht abgehen. Aus diesem Anlaß hat die englische ZeitungDaily Mail" den Versuch gemacht, die Ansicht der öffentlichen Meinung, die ja in erster Linie durch die Presse zum Attsdruck gebracht wird, durch eine Umfrage bei ollen namhaften deutschen Blättern sestzustellen.

Das Ergebnis ist sehr interessant und durch­aus bezeichnend dafür, wie tief der Flottengedanke bei uns Wurzel geschlagen hat und wie klar die Notwendigkeit und Bedeutung einer starken See­macht für unser gesamtes Volks- und Wirtschafts­leben erkannt wird. In politischer Beziehung li-fert die Umfrage den Beweis, daß die öffent- licyc Meinung in Deutschland durchaus nicht eng­landfeindlich ist, daß sie im Gegenteil fast ein­mütig für ein Zusammengehen mit England stimmt. Auch dem Gedanken eines Flottenabkom- mens steht eine nicht unbedeutende Zahl der Blätter im Prinzip sympathisch gegenüber, es werden aber doch von den meisten allerlei For­derungen und Bedenken geltend gemacht, die praktisch einer Ablehnung gleichkommen. Viel-

Marburg

Mittwoch, 8. Augost 1910

Die Jnseriionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7ge^altene Zerle oder deren Raum 15 '&, für auswärtige Inserate 20 L, für Reklamen 40 i. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Bestellungen

für die Monate August und September

*uf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tton (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter. Eb8- darf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei­denhofen, Dreihausen, Wittelsberg,

49 (Nachdruck verboten.)

Kautale. '

Von Anny Wothe. '

(Fortsetzung.)

Fehlt Dir etwas, Papa?« fragte «r besorgt. Alexander Bermann verneinte.

Verzeih», daß ich Dich warten ließ, Papa. Ich wurde aber abgebalten. Ich habe schon telephoniert, daß wir später zu Tisch kommen« Der Kommerzienrat deutete stumm auf einen Stuhl, der feinem Schreibtischseffel schräg gegen­über stand.

Hast Du die Börsenberichte gelesen, Hans Jürgen?«

Ter junge Mann bejahte.

Und Du weißt?«

Daß alles verloren ist, Papa, jawohl. Ich habe gesehen, daß die Kurse der Goldminen feit vorgestern so rapid gefallen sind, daß jed? tröste liche Aussicht so gut wie ausgeschlossen erscheint. Ter große Krach in Ungarn macht die ungarischen Jadustricpapiere vollständig wertlos.«

Der alte Brrmann nickte trübe. Ich habe sofort der Bank Weisung gegeben, Me Gold minen-Aktien zu verkaufen, morgen würde viel­leicht auch noch der letzte Pfennig verloren fein. Wir sind am End., Hans Jürgen?«

Hans Jürgen starrte stumpfsinnig vor sich hin.

Alles, was mein Vater und Großvater durch lange Jahre rastloser Arbeit erworben und zu- zufammengespart haben,« nahm Alexander Ber- Wtann wieder das Wort,ist durch meinen unver­antwortlichen Leichtsinn dahingegangen wie

Spreu im Winde. Mr sind Bettler, elende Bettler!«

Er barg fein Gesicht in den Händen und stöhnte schwer.

Laß doch das, Vater, es führt zu nichts. Noch steht unsere Firma glänzend und unantastbar da, und wenn es uns gelingt, nur einigermaßen unseren Verpflichtungen nachzukommen, so ist es doch immerhin möglich, daß wir uns bei der größten Sparsamkeit wieder erheben. Das Ge­schäft ist so gut fundiert und wirst jedes Jahr einen so erheblichen Reingewinn ab, daß zeit­weilige Verluste uns doch nicht gänzlich ruinie­ren können. Millas Mitgift wird reichen, das Notwendigste zu decken und zur Rot muß Peter für kurze Zeit einspringen, er wird es auch gern tun.«

Ja, nur unter dieser Voraussetzung habe ich ihm ja Karleens Hand zustesagt, aber wenn Landheim nun am Kantate-Sonnabend« nicht Millas Mitgift auszahlt, wie er versprochen, trotz des Vertrages, was bann?«

Dann bin ich frei,« kam es jauchzend von Hans Jürgens Lippen,dann brauche ich nicht diese Zierpuppe zur Frau zu nehmen, deren gan­zes Wesen mir im Grunde meines Herzens zu­wider ist, bann kann ich mir c".u Weib nach m.inem Herzen wählen, unb ich kann selbst als Bettler glücklich fein.«

Fassungslos blickte bet alte Buchhänbler in bas heißerregte Gesicht feines Sohnes.

Hans Jürgen, komme boch zu Dir. Willst Du benn alles niederreißen Willst Du Deinen alten Vater ins Grab bringen, Deine Geschwister bem Elend preisgeben?«

Hans Jürgens schmale Gestatt sank zu« lammen. . , . .

Verzeihe, Vater, ich war wie von Sinnen. Du hast recht, bis zur letzten Minute müssen wir fest stehen unb kämpfen für unfer aller Ehre,« und bitter und voller Verachtung fuhr er fort:

Ein elender Handel ist es doch, Vater, den toi: da eingehen, mir graut vor meinem eigenen Wollen.«

Der Kommerzienrat gab keine Antwort. Stumpf griff er nach seinem Stock und Hut.

Wie in stillschweigendem Uebereinkommen verschmähten beide den eleganten Wagen, der mtt den ungeduldig scharrenden Pferden schon lange unten vor dem Haupteingang wartete.

Sie steigen in die elektrische Bahn, die sie bald bis in die Nähe ihrer Villa führte. Sie sahen beide nichts von dem lachenden Frühling, nichts von dem buntbewegten Leben, das gerade zur Mittagszeit Leipzig durchflutete, sie dachten beide immer nur das eine:Kantate! Kantate!«

Karfreitag kam

Königin Sonne entstieg ihrem Purpurbett und weckte das noch schlafende Sechzig.

Im grauen Dämmerlicht lag die Stadt. Feucht« Morgennebel wogten wie zarte Schleier darüber hin.

Rickle Günther stand oben am Fenster ihres Giebelstübchens und blickte hinaus in den wer­denden Frühlingstag.

Richt weit vom Fenster in einem schneeweißen Beffchen lag ein junges Menschenkind noch im tiefsten Schlaf. Kurze schwarze Locken ringelten st) um ein zartes Gesichtchen und lagen glänzend au, den weißen Kiffen und ein paar dicke Händ­chen drückten sich, zu Heinen Fäustchen geballt, gegen die rosigen Ohren.

Die tiefen Atemzüge der kleinen Jela, RickleS Schützling, bekundeten einen gesunden Schlaf.

Jetzt nahm Rickle ihre blonde Haarmasse, die ihr wie ein schimmernder Mantel übet die Schul­tern hing und wand sie leicht am Hinterkopf zu einem Knoten. Dann faltete sie die leidvollen, schmal geworbenen Hände und sah wieder hin­aus in den leuchtenden Frühlingstag.

Weithin dehnten sich die Felder und golden lag das Licht aus der jungen Saat. Hinter Zuckel­hausen drehten sich die Flügel einer Windmühle langsam im Morgenwinde.

Glutrote Pfeile zuckten am Morgenhimmel hin.

Die Tageskönigin lächelte und warf weithin iyre Strahlen.

Eine Silberwolke breitete sich wie ein golbum« faumter Teppich der Fürstin zu Füßen.

Jubelnd stieg die erste Lerche empor und unten in dem kleinen Gärtchen, der das still« Haus auf der Marienhöhe umhegte, knospete der Flieder.

Von fern her aus der dämmerigen Stadt wehte Glockenklang.

* .Karfreitagszauber," murmelte Rickle vor sich hin.Alles Trauern und Grauen sintt in Todes­nacht. Alle dunkl n Schatten verscheucht das Licht. Und ich sollte kleinmütig zagen, wo doch so verheißungsvoll schon heute das Öftere winkt: Christ ist erstanden?«

Der rosige Morgenschein flammte jetzt auch he - über das weiße Beffchen.

Die dunklen Wimper hoben sich blinzelnd von den heißgeschlafenen Wangen des Kindes. Einen Augenblick schloffen sie sich wieder, dann fuhren die kleinen Fäuste energisch reibend hinein und ein feines Sümmchen tief:

Du, Tante Rickle, Jela will aufstehen, Jela will Milch haben, Jela will mtt Tante Rickle spielen.«

(Rortfefcung folgt.)