45. Jahrs
besondere mit den Eigentümern oder Leitern von Betrieben zu dem Zwecke in Verbindung zu treten, bog die Besichtigungen gestattet und die Betriebseinrich- hingen und -Vorgänge durch sachkundige Angestellte erläutert werden. Die nähere Ausgestaltung der Besichtigungen, wie namentlich die Bestimmung ''-trübet, in wieweit es nach den örtlichen Verhältnissen angezeigt ist, die aufsichtführenden Richter bet größeren Amtsgerichten mit der Veranstaltung zu b auftragen, ferner die Regelung der Frage, in welchem Umfang« Referendaren die Teilnahme gestattet werden kann, welche nicht dem die Besichtigung veranstaltenden Gerichte überwiesen find, bleibt dem (EAneffen der Landgerichtspräsidenten überlassen. Ein Zwang zur Teilnahme an den Besichtigungen wird von mir nicht beabsichtigt. Bis zum Schluffe des Jahres 1911 will ich Berichten der Oberlandesgerichtspräsidenten über die getroffenen Einrichtungen und die inzw. ,en gesammelten Erfahrungen entgegensetzen."
— Sozialdemokratischer Wahlsieg. Stuttgart, Ai Juli. Bei der heutigen Ersatzwahl im 2. württem« bergischen Reichstagswahlkreis Ludwigsburg—Cannstatt—Marbach und Waiblingen erhielten der Fabri- kant Oettinger (natlib.) 9528, Redakteur und Land- tagsabgeordneter Dr. Wolff (Bauernbund) 4930 und Redakteur und Landtagsabgeordneker Keil (Soz.) - 18 705 Stimmen. Keil ist somit mit einer Majorität ■ von 4227 Stimmen gewählt. Der Wahlkreis war ; früher durch den Nationalliberalen Dr. Hieber ver- ' treten.
Hagelschlag getroffen als Getreidefelder. Das Wenige und Geringe, was dem Landwirte noch geblieben, ist durch das schlechte Erntewetter fast gänzlich Vernichtei. Heu ist im allgemeinen schlecht eingebracht; in manchen Gegenden hat man zuguterletzt das verdorbene Heu von den Wiesen auf die Dungstättcn schaffen milff en, um nicht durch zu langes Liegenlaffen auf den Wiesen das Aufkommen des zweiten Graswuchses zu verhindern bezw. in Frage zu stellen. Ein großer Teil des niedergeschlagenen Getreides muß mit der Hand geschnitten werden. Arbeitsparende Mähmaschinen bleiben unbenutzt im Schuppen stehen. Dazu kommt noch vielfacher Mangel an geübten Arbeitskräften. Die -Hackfrüchte versprechen bei andan-rndem Regen wenig befriedigende Ernte. Frühkartoffeln haben jetzt schon gelitten. Das Ausroden aus dem vom Wasser durchtränkten Boden ist sehr erschwert, ost sogar unmöglich.
Alles in allem dürften befriedigende Entte- ergebniffe in vielen deutschen Gebieten kaum zu erwarten sein. Der Landwirt wird natürlich am schwersten davon betroffen. Die ganze Arbeit eines vollen Jahres ist säst zwecklos geblieben. Eine saure, unangenehme Arbeit wird kaum ihren entsprechenden Lohn finden.
Was an vergeblicher harter Arbeit unter solchen ungünstigen Verhältnissen aus dem Lande geleistet werden muß. vermag der der Landwirtschaft Fernstehende kaum zn beurteilen. Rur bei gutem Wetter durchschreitet er die Fluren, sieht allenthalben ftöhlicke Gefickter, muntere und fleißige Arbeiter. Er beneidet gar vielfach den ländlichen Wirt, der wie rn „König" auf seinen Fluren lebt, der nach seiner Auffassung nur das einzuheimsen l ra.'.cht, was die gütige Mutter „Natur" wachsen ließ.
„Schade um die herrlicke Frucht" hört man vielleicht den Städter klagen, wenn er nach verzogenem Unwetter die einst so stolzen, jetzt ge- knickten Saatfelder auf seinem Spaziergange betrachtet. An den Landwirt denft er kaum. Die Eigenart und Vielseitigkeit des Betriebes ist ihm zu fremb, zu unbekannt. Unter glühender Sommerhitze, bei Regen und Sturm hat der Landwirt seine Arbeiten zu verrichten. Anordnungen im Betriebe, bereits begonnene Arbeiten werden durch Witterungsumschläge umgestoßen. Rach di sen muß er sich richten. Je mehr sie wechseln, um so vergeblicher sind vielfach die Arbeiten. Und, was das bedauerlichste ist, die Arbeiten ft 5en keinen entsprechenden Lohn.
Angesichts einer solchen Lage sollten die d-r Landwirtschaft Fernstehenden diese ungünsttgen Momente nicht übersehen, die den Erfolg des landwirffchastlichen Betriebes in Frage stellen. Leider geschieht dies nur wenig oder gar nicht. Man berechnet vielfach die „hohen Gewinne", die der Landwirffchaft durch die Zollgesetzgebung von Staatswegen in den Schoß geworfen Werden. Gerade die Jetztzeit bietet diesen Rechen- kunstlern gute Gelegenheit, beachten und ein- sehen zu lernen, daß das landwirtschaftliche Ge- w rbe anders zu beurteilen ist wie gewerbliche Betriebe.
Marburg
Dienstag, 2. August 1910
Politische Umschau.
Polnische« Geld und französische Blätter.
Zu der Meldung, daß der Vertrieb des Pariser „Gil Blas" in Elsaß-Lothringen kürzlich verboten worden ist, bemertt der „Dziennik" Byd- gosft" (vom 24. Juli), daß der „Gtt Blas" in letzter Zeit eine Reihe polensteundlicher Arttkel veröffentlicht und sein Redatteur sich an den Grunwaldfeierlichkeiten in Krakau betelligt habe. Ferner sagt das Blatt, daß Gerüchten zufolge (die wohl wahr sein dürsten, ein Teil der Aktien des „Gil Blas' sich in den Händen der polnischen Aristokratie befinde.
Des Landmanns Sorgen!
Aus allen Gegenden Deuffchlands wird berichtet über Unwetter, Regen, Hagel, Wolkenbrüche. Seit mehreren Wochen bringen die Zeitungen unter besonderer Bezeichnung „Unwetter" Nachrichten über Unwetterschäden. Nichts als Regen, Tag für Tag! Den Menschen verstimmt ein solches Wetter. Den Städter behindert es in freier Stunde seine gewohnten Spaziergänge durch Wald und Fluren zu machen. Gar manchem wird die Ausübung seiner bemf- lichen Arbeiten erschwert. Denken wir nur an Bauarbeiten.
Ganz besonders schwer betroffen wird von anhaltendem schlechtem Wetter die Landbevölkerung. Ihr wirtschastliches Fortkommen ist in erster Linie bedingt durch gute Wittemngsver- hältnisse, die zum Gedeihen der Saaten und Feldfrüchte notwendig sind. Allenthalben ist jetzt auf dem Felde mit der Ernte begonnen. Die Aussichten einer mittelguten Ernte haben sich in den letzten Wochen immer mehr verschlechtert. Verbäkttrismäßig günstig war die Saat durch den Winter gekommen. Das Frühjahrswetter war im Anfänge nicht weniger günstig, so daß Hoffnungen auf eine gute Ernte wohl gehegt werden dursten. Des Landsmanns Hoffnungen können leider nur zu leicht zu Schande werden. Ein einziger Hagelschlag kann die schönsten Aussichten mit einem Male vernichten. Das gleiche besorgt ständiges Regenwetter. Hieran hat's zu diesem Jahre nicht gefehlt! Allzu ausgiebige Regenfälle in Verbindung mit schweren Gewittern fetzten frühzeitig ein. Für das Aufkommen und €st''b"t6c'i der Unkräuter war das Wetter wie geschaffen. An eine Vertilgung desselben konnte nur in geringem Maße gedacht werden, da einmal die Unbeständigkeit des Wetters diese Arbeit nicht zufteß, zugleich aber auch andere Arbeiten notwendiger machte. Die Ungunst des Wetters mußte natürlich den Stand des Getreides der Futterpflanzen, der Hackfrüchte schädlich beeinflussen. Das Getteide ist durch die Regengüsse an den Boden gedrückt. Die Nässe treibt das reife Korn zum Austreiben. Futterpflanzen und Hackfrüchte sind nicht minder durch
Ausland.
•* Frankreich und Liberia. Paris, 30. Juli. Bezüglich der Frage der Protektion der Vereinigten Staaten über die Republik Liberia erklärt das „Journal", daß die französische Regierung für eine solche Kombination nicht zu haben fein könne. Eine internationale Entente zu dem Zwecke, die Zukunft Liberias wenn möglich sicher zu stellen, das ginge an, aber ein amerikanisches Protektorat sei unbedingt unzulässig.
** König Alfons bei der internationalen Jachtwettfahrt. Biarritz, 30. Juli. König Alfons hat auf der heutigen internationalen Jach wettfahrt mit feiner Jacht „Hafpania", die et selber steuerte, den Preis des Präsidenten der französischen Republik gewonnen.
** Die antiklerikale Bewegung in Spanien. Paris, 30. Juli. Aus San Sebastian wird gemeldet: Bei einem Bankett, das zu Ehren von Minister- Präsident Canalejas vom hiesigen liberalen Komitee gegeben wurde, führte der Ministerpräsident aus: Niemals hatte ich eine ähnliche Verantwortlichkeit und niemals war ich mehr bereit, den Schwierigkeiten die Stirn zu bieten. Die liberale Partei Spaniens lieferte heute ihren letzten Kampf. Wir rechnen auf die Armee, auf die Majorität der Kammern und auf die Vernunft. Der von uns unternommene Kampf ist nicht antireligiös, er ist nur antiklerikal; er schließt
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und Marschall Hermes da Fonseca. Berlin, 30. Juli. Der Kaiser hat der „Frff. Ztg." zufolge den Marschall Hermes da Fonseca eingeladen, den deutschen Flottenmanö-ern in Kiel al« fein Gast beizuwohnen. Der Marschall hat die Einladung angenommen, er wird Ende August nach Berlin zurück- kehren und bann an ben Kieler Flottenmanövern teilnehmen.
— Vom Kaiser. Swinemünde, 30. Juli. Der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" kurz nach 5 Uhr hier eingetroffen. — Swinemünde, 31. Juli. Der Kaiser hielt heute vormittag Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab. Die Nordlandgäste des Kaisers gehen heute an Bord der Kaiserjacht.
— Das Kronprinzenpaar in Hopfreben. Hopf- reben (Bregenzer Wald), 31. Juli. Der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reiches sind heute zu dreiwöchigem Aufenthalt hier eingetroffen.
— Die Dreihundertjahrseier bet Stadt Elberfeld. Elberfeld, 30. Juli. Heute vormittag wurde im Rathaus über zweihundert bedürftigen Veteranen vom Offiziersverein Elberfeld eine gesammelte Ehrengabe überreicht. Alsdann erfolgte die Enthüllung des von dem Pariser Künstler Bernhard Hötger geschaffenen Gerechtigkeitsbrunnens, eines Geschenks des Geh. Kommerzienrates Freiherrn von bet Heydt. Nachmittags wurde der ebenfalls van dem Genannten überlassene, van der Bürgerfchast hergerichiete Spielplatz der Stadt übergeben.
— Refetendare und praktische« Leben. Der Justiz- mintfter Dr. Befeler hat folgende Verfügung erlassen: „Um den Referendaren eine lebendige Anschauung bet Vorgänge im wirtschaftlichen Leben zu vermitteln und ihr Verständnis für dessen Bedürfnisse zu fördern, ist es von Wert, daß ihnen näherer Einblick in die Organisation gewerblicher Betriebe und den Hergang bei der Erzeugung der wirtschaftlichen Güter verschafft wird. Zu diesem Zwecke empfiehlt sich die Vornahme gemeinschaftlicher Vefichttgungen, tunlichst unter Führung richterlicher Beamter. Geeignet sind sowohl kaufmännische und industtielle Unternehmungen, als auch größere Betriebe der Landwirtschaft und des Handwerks. Die Landgerichtspräfidenten ersuche ich, die etforderlichen Vorkehrungen zu treffen, ins-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage
Bestellungen
für die Monate August und September »uf die „Oberhefsische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedl- tion (Martt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Eb«- dorf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei- denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Riederweimat, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- 1*70 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. lohne Bestellgeld), bei
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48 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Woihe.
(Fortsetzung.)
„Nicht?" gab die Schriftstellerin betreten zurück. „Na, ich will Sie wirflich nicht aufhalten aber wissen Sie, hier das entzückende Märchen für die „Großen" natürlich, würde gewiß etwa- für Sie fein, oder eine kleine Novelle?
Für Ostern. Haben Sie schon etwas für Ostern? Kochrezepte habe ich auch. Rur ganz ausgefallene Gerichte für Leckermäuler. Ich sage Ihnen, delikat wie ein Gedicht, bitte hören Äe nur:"
Und ehe es der sich zur Wehr setzende Kommerzienrat hindern konnte, las sie mit Triumphatormine:
„Krebspastete. Man nehme dreißig lebende Sbrebfe —*
„Halt-" rief jetzt der Kommerzienrat entsetzt. „Wir bringen ja in dem „Anker" gar keine Kochrezepte. Bitte, mein Fräulein, nehmen Sie hier den ganzen Krempel sofort mit, über den Roman erhalten Sie noch Nachricht, Adieu!"
Er flüchtete zur Tür des Nebenzimmers, ihr so klar machend, daß die Unterredung beendet fei.
Aurora Pfeilschnell sah ihm empört nach. Ein solcher Barbar. „Krempel" hatte et ihre wertvollen Manuskripte genannt. Na, das wollte sie ihm schon eintränken. Dreihundert Mark mußte er mindestens mehr Honorar für den Roman bezahlen, so ein Esel von Verleger.
Und Aurora Pseilschnell raffte die Kinder I der Muse in sichtlicher Entrüstung zusammen I »nd drückte sie an ihre volle Brust. Dann ent- »
schwand sie trippelnd und wippend wie sie gekommen um draußen mit Hilft des Bureau - dieners ihde kostbaren Manuskripte wieder zu einem ansehnlichen Paket zu verschnüren.
„Verrücktes, unausstehliches Weibergezücht," murmelte Alexander Bermann, ganz erschöpft in seinen Stuhl sinkend. „Na, von Schriftstellerinnen habe ich heute gerade genug."
„Baronesse Diesterweg," meldete der Diener.
„Auch die noch," seufzte der Kommerzienrat. Ein Zeichen bedeutete dem Diener, die Samt eintreten zu lassen.
Magita trat mit allen Zeichen heftiger Erregung ins Gemach.
„Da haben wir den Salat," rief sie, wütend ein paar Bücher auf die Tischplatte werfend, „haben Sie denn den empörenden Artikel in der gestrigen Abendzeitung gelesen?"
Der Kommerzienrat nickte. Seine kleinen, Rügen, schwarzen Augen blickten interessiert in das erregte Gesicht der jungen Dame.
„Ich habe es Ihnen ja gleich gesagt, Baronesse, Leipzig ist kein Feld für derartige Ergüsse. Der Referent der Abendzeitung macht sich lustig über Ihre himmelstürmenden Ideen, sonst ist er recht sachlich und geistvoll, allerdings von beißendem Sarkasmus, und in den „Neuesten Nachrichten" nennt man den Inhalt Ihrer Broschüre für „Frauenrecht und Frauenehre * einfach „Ausgeburt einer überreizten Phantasie." Das Tageblatt äußert sich sehr diplomattsch, trotzdem jeder zwischen den Zeilen die Verurteilung lesen kann."
Magita nagte bei den schonunOlose« Worten des alten BerlagsbnchhSndlerS grollend an der Unterlippe.
„Und der Erfolg?" fragte sie kurz.
„Gleich Null! Zahlreiche auf die A-ckündlg-
ungen im Börsenblatt gemachten Bestellungen der hiesigen Sortimenter wurden heute zurück- gezogen. Wenn die Kosten heraus kommen, können wir lachen."
„Könnte ich doch den Kerl gleich umbringen,' rief Magita wütend. „Haben Sie eine Ahnung, wer den Arttkel geschrieben hat?"
Der Kommerzienrat zuckte die Achseln.
„Ich war natürlich schon auf der Redaktton. Denken Sie, es ist da ein einziges Wort zu erfahren? Der Chef-Redakteur war wie von Eisen und die anderen Redatteure feixten höh- nffch dazu. Ra, ich habe ja aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht und bin ordentlich aufgetaut."
Alexander Bermann lächelte. „Was wollen Sie, Baronesse," entgegnete er müde, „die Leute sind doch im Recht. Sie haben einmal zu der großen Menge reden wollen und Sie haben es in Ihrer Broschüre getan, nun müssen Sie natürlich auch jede Kritik ertragen."
„Aber ich bitte Sie, dieses hirnverbrannte Zeng."
„Da sind Sie im Jrttum. Der Artikel in der Abendzeiwng hat Hand und Fuß und beweist sehr logisch, daß die Frauen im Allgemeinen noch nicht reif für die Rechte sind, die Sie, Baronesse fordern. Die anderen harmlosen Ausfälle gegen Ihre, wie der Verfasser meint, gewiß reizende Persönlichkeit, die Sie dazu prädestiniert, Gattin und Mutter zu sein, das mit dem Kochlöffel und Strümpfe stopfen."
„Scherz? Man scherzt nicht mit Dingen, woran andere ihr ganzes Leben hängen," empörte sich Magita. „Wenn ich den Kerl heraus finde, bann kann er sich aus etwas gefaßt machen."
«elxander Bermann lächle wieder, „WaS
meinen Sie, Baronesse, wenn ich daran denke, Gras v. d. Gröben fei der Verfasser?"
Magita wurde totenbleich. Mit großen, er- schrockenen Augen sah sie auf den Buchhändler. Fassungslos starrte sie ihm eine Weile inS Ge, sicht. Dann lief ihr eine glühende Röte Übei Stirn und Wangen und der dünne Spazierstick, den sie in der Hand hielt, fuhr sausend durch di« Lust.
„Das soll er mit büßen," kam es fast keuchend von ihren Lippen und dann stürmte sie ohne Gruß wie gejagt aus dem Zimmer.
Kopffchüttelnd sah ihr der Kommerzienrat nach. „Es ist schade um das reizende Geschöpf," dachte er und ein tiefes Bedauern, daß er sein» Hand zu der Herausgabe der Broschüre über „Frauenrechi und Frauenehre" geboten, kam über ihn. Er hatte das Fiasko vorausgesehen, ab-r er hatte das Anerbieten der Baronesse Diesterweg, die Broschüre zu verlegen, nicht abschlag:n mögen und zudem hätte er sich auch irren können. Vielleicht hätte sich noch etwas retten lassen, ab-- der Artikel in der Abendzeitung riß alles in Grund und Boden, wenn er auch zugeb »n mußte, daß das Urteil gerecht war, sehr gerecht. Alexander Bermann hatte die eisenfeste Ueberzeugung, daß Graf v. d. Groben den Arttkel geschrieben.
Seufzend nahm er die Bücher, die Magita vergessen, von der Tischplatte.
Wohin führte der Kampf ums Dai-in die arbeitende, die erwerbende Frau?
Erst dieses Schreibeweib mit dem läch rlichen Getue und dem Sack riesenhafter Ansprüche bei wenig Können untrijier in der Baroness» ein Wesen, reich begabt, kapriziös, fesch, amüsant, (ganz dazu geschaffen zu beglücken und ö xbel einzig von der fixen Idee beherrscht, eS den Männern gleich zu iun. Der Lebenskampf »ei-