Einzelbild herunterladen
 

wnb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«

mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirckkain

177

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M föhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 <M.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonntag, 31. Juli 1910.

Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7getoattene Zeile oder deren Raum 15 i, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. 5->itzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45» Jahrg.

Erstes Blatt.

Ein neuer Bankzusammenbruch.

Am Mittwoch dieser Woche ist der Konkurs über das Vermögen der Niederrheinischen Bank in Dortmund eröffnet und der Direktor dieser Bank verhaftet worden. Nach den bisherigen Mit­teilungen ist nicht nur das Aktienkapital dieser Bank in Höhe von 12 Millionen Mark verloren, sondern e» ist auch eine Unterbilanz in Höhe von über 50 Mill. Mark vorhanden.

Damit hat sich wieder ein neues Glied an jene un­absehbare Kette von schweren wirtschaftlichen Schä­digungen geknüpft, die derartige Zahlungseinstel­lungen immer im Gefolge haben. Darin sind die letzten Monate besonders reich gewesen. Wir nennen nur den Zusammenbruch.der Solinger Bank, der Bank für Handel und Gewerbe in Bonn, der Bankgeschäfte Rosenbaum in Lippstadt, Luckmannck u. Soltau in Lübeck, Friedberg in Berlin, Hagemann in Hildes­heim, Marienburger Privatbank in Marienburg (Weßpr.), u. v. a.

Der Zusammenbruch der Niederrheinischen Bank wirft ein besonders grelles Schlaglicht auf die Zu­stände im Bankwesen. Die Bank besteht erst seit 12 Jahren. Mit 1,1 Million Aktienkapital gegründet, ist dieses allmählich in sechsmaliger Erhöhung auf 12 Millionen Mark gebracht worden. Ursprünglich ein kleines Bankgeschäft in Münster, später nach Dort­mund verlegt, ging die Bank in den letzten Jahren dazu über, in immer größerem Umfange in einer größeren Anzahl Städte ziel- und planlos sich mit be­stehenden Bankgeschäften zu vereinigen und Fi­lialen zu errichten. So entstanden Filialen in Godesberg a. Rh., Cloppenburg, Bramsche, Esten, Hannover, Lüdinghausen, Lünen, Bremerhaven, Bent­heim. Burgsteinfurt, Bedburg, Paderborn, Harren, Hörde, Emden, Warendorf, Ochtrup, Coesfelde, Em- stetten, Melle, Oelde, Hamburg, Brandenburg a. H., Göttingen. Osnabrück, Münster i. W. und Bergheim. Aeberall wurden Spargelder und Depositen entgegen­genommen, ja sogar durch sogen. Haussparkas­sen wurde mit Erfolg versucht, möglichst viel Geld aus dem Volke herauszuholen. Erst im Jahre 1908 wurden die Aktien auf Empfehlung der Ber­liner Handelsgesellschaft an der Berliner Börse eingeführt zum Kurse von 107,50 v. H. Die letzte offizielle Notiz am 2. Juli d. I. lautete auf 118,90, am 28. Juli, am Tage nach Eröffnung des Konkurses, wurden die Aktien im freien Verkehr an der Berliner Börse mit 6% v. H. umgesetzt. In den letzten 4 Jahren wurden je 7 v. H. Dividende ver­teilt. und noch vor 2 Monaten auf das 12 Millionen Mark betragende Aktienkapital 840000 M Dividend« ausgezahlt und 2 Monate später steht man vor der völligen Zahlungsunfähigkeit!

Dor 40 Javren.

Kriegserlebnisse geschildert vom ehemaligen Füsilier der 10. Komp, des 88. Hess. Infanterie- Regiments Chr. Schneider ans Dainrode, jetzt Gerichtsbeamter in Dortmund.

.' Motto: Mit Gott für König

**"' *r ' und Vaterland.

1. Mobilmachung

Im Bereiche des elften Armeekorps, nicht weit von Casiel und Arolsen, liegt dicht an der Grenze der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck die alte westfälische Stadt Warburg an der Diemel. Hier in diesem fried­lichen Landstädtchen waren zwei Kompagnien des dritten Heffischen Infanterie-Regiments Nr. 83, die 9. und 10., bei Bürgern in Quartier, während die 11. und 12. in Arolsen Quartier bezogen hatten. Am Abend des 18. Juli 1870 waren die Füsiliere Kühler und Schreiber diese- Werkchens, beide der 10. Kompagnie angehörend, in dem alten Kloster der Stadt, in dem unsere Kompagniekammer mttergebracht war, mit Re­paratur der Scheiben beschäftigt, um diese für den Gebrauch am anderen Tage vorzubereiten. Rach geschehener Arbeit waren wir abends früh zur Ruhe gegangen, nichts ahnend von den Nach­richten, die bald eintreffen sollten.

Als ich am anderen Morgen früh um 4 Uhr aufsteben wollte, um nach dem Schießstand aus- zurücken, kam der Unteroffizier Glänzer mtt dem Ruf an mein Bett: Schneider, aufstehen, sofott auf die Kammer, es ist mobil! Wie eine solche Nachricht auf einen noch schlaftrunkenen Soldaten wirkte, dessen ganzes Sinnen auf ein friedliches Scheibenschießen gerichtet war und der alle Ein­zelheiten erwog, um TüchttgeS in diesem Zweige des Wassmhandwerks zu leisten, vermag nur

Wie ist so etwas nur möglich, wird der Fern­stehende und Laie gewiß mit Recht fragen? Wie kann es länger geduldet werden, daß alljährlich durch der­artige Vorkommnisse dem deutschen Volk Millionen und abermals Millionen entzogen und weiteste Kreise, die derartigen Banken ihre Gelder anver­trauen, betrogen und oft selbst zum wirtschaftlichen Ruin geführt werden? Und in der Tat, dürfte es nun bald an der Zeit sein, daß der Staat die Klinke der Gesetzgebung in die Hand nimmt und durch drako­nische Maßnahmen derartigen schwindelhaften Ge­schäften die Existenz in unserem Vaterlande unmög­lich macht.

Die Bankenquete von 1908 ist ausgelau­fen wie das Hornberger Schießen. Die von den Ban­ken zugestandenen Zweimonatsbilanzen sind tatsäch­lich für die Katze und Bilanzverschleierungen, Depot­unterschlagungen und Gründungen von schwindel­haften Attiengesellschaften und neuerdings Gesell­schaften mit beschränkter Haftung blühen wie nie zuvor. Schwindelhafte Banken und Baniiers sind jederzeit in der Lage, sich die fehlenden Betriebsmit­tel durch die Heranziehung von Depositen und Spar­geldern zu verschaffen. In den Bilanzen werden zweifelhafte Forderungen als Debitoren oder Bank­guthaben, faule Papiere als Effekten, Prolongations­wechsel als einfache Wechsel verzeichnet und damit jede Bilanz oder Zwischenbilanz feinfrisier!". Vor jeder näheren Prüfung sind die Herren ja sicher, denn manche Aufsichtsrät« sind froh, wenn sie ihre Tan­tiemen nur ungestört und ungeschmälert einstteichen können, und eine staatliche Behörde kümmert sich nicht erst darum, wenn es zu spät ist.

Ein« gründliche Aenderung dieser Bankmtßwirt- schaft ist mit möglichster Beschleunigung erforderlich. Der deutsche Reichstag hat in dieser Beziehung schon, seit Jahren Aenderuvgen gefordert. Schon bei d-r Verabschiedung des Börsengesetzes int Jahre 1896 wurde vom Reichstage der Beschluß gefaßt, di« Re­gierung zur Vorlegung eines Gesetzentwurfs zum Schuhe für die Depositen- und Spargelder aufzufor­dern. Der Leipziger Bankkrach int Jahre 1901 ließ diese Regelung wiederum als dringlich erscheinen und noch bei der Verabschiedung der Bankgesehnovelle im Jahre 1909 hat der Reichstag eine Resolution an­genommen, durch die wiederum Schutzmaßregeln zu­gunsten der Depositen- und Spargelder verlangt wurden. Die Regierung hat die Hände bisher in den Schoß gelegt, gestützt auf die Gutachten, die bei der Bankenquete im Jahre 1908 von interessierten Kreisen abgegeben wurden. Dasfreie Spiel der Kräfte" hat eben noch nicht genug Opfer gefordert und ein Eingreifen könnte ja vielleichtreaktionär" er­scheinen!

Man fordert mit Recht jetzt wieder ein Aufsichis- gesetz für das gesamte Bankwesen, einen Befähigungs­nachweis, ein Verbot für Angestellte und Bankdirek­toren, Bankgeschäfte zu machen, eine Unterbindung von schwindelhaften Gründungen von Aktiengesell­schaften und Gesellschaften mit beschräntter Haftung,

derjenige nachzuempftnden, der selbst für die hohen Zwecke, um die es sich damals handelte, einzutreten hatte, von hoher Vaterlandsliebe be­geistert. So durchfluteten auch mich Gefühld, tote sie bei großen gewaltigen Ereignissen über die Menschen zu kommen Pflegen. Ich hätte dem alten Erbfeind am liebsten allein den Garaus gemacht, wenn eine Einzelkraft es nur vermocht hätte. In fünf Minuten war ich auf der Kam­mer; die Begeisterung beflügelte jeden Schritt, der Moment war zu übertoälttgend. In meinen Kinderjahren las ich gern die Kriegsgeschichten von 1813 usto. und dabei schwebte mir der Wunsch vor, wie ihn das alte Körnerlieb so schön wiedergibt:Verachte nicht mein junges Blut, gib Vater mir ein Schwert!" Dieser Wunsch sollte nun erfüllt werden. In der Kammer mußten wir die alten Sachen abgeben und em- pfingen die neue Kriegsgarnitur. Anfangs ging die Ausgabe genau nach der Gewehrmnnmer von statten. Mit einem anderen Füsilier erhielt ich den Befehl, Patronen aus dem Patronen­häuschen abzuholen. Kaum hatten wir diese Arbeit begonnen, als von Arolsen der Befehl kam, daß die Kompagnien um 2 Uhr nachmittag? ausmarschieren sollten. Jetzt tat Eile not. Es konnte mm nicht mehr so peinlich auf die genaue Ordnung bei der Bekleidungsausgabe geachtet werden. Ob die Gewebrnummer paßte ober nicht, war jetzt einerlei; es kam nur noch darauf an, daß jeder seine Sachen bekam, und zwar so schnell wie möglich.

Bei dem Militär wie bei den Bürgern herrschte eine begreifliche Auflegung, galt e- doch gegen den Erbfeind, die Franzosen, dl« Waffen zu ergreifen. Die Bürger verpflegten und flMerten unS. Ihrer hatte sich die hin­gehende Liebe zu ihren strammen Soldaten so sehr bemächtigt, daß ste uns nicht ohne Liebes«

die genaue Prüfung des Eründungsherganges jeder einzelnen Gesellschaft. Opfer sind in der Tat genug gefallen. Aber man darf doch nicht vergessen, daß alle Gesetze von Leuten, die Uebles wollen, umgangen werden können, vor allem muß das Publikum selbst immer wieder prüfen, wem es fein sauer erspartes Geld anvertraut. Diese Pflicht kann ihm niemand abnehmen. Der Staat kann nur die ärgsten Schäden verhindern, und dafür wird es allmählich hohe Zeit!

Die Vorgeschichte des deutsch- französtschen Krieges.

Der französischen Presse kommt in der sommerlichen Stille eine sehr interessante Akten­veröffentlichung zu Hilfe. Die französische Re­gierung, d. h. das Ministerium des Aeußeren, veröffentlicht nämlich alle auf die Vorgeschichte des deuffch-stanzösischen Krieges bezüglichen Atten. Der ehemalige Minister Napoleons III. Emile Ollivier hat vor einigen Jahren in einer umfangreichen Verteidigung des liberalen Kaifer- reiches den Versuch unternommen, seinen Kaiser und sich von der Schuld an dem Zusammen­bruche Frankreichs 4. I. 1870 zu reinigen. Aus seiner Ministerzeit her verfügte er über Doku­mente und Aufzeichnungen, mit denen er feine Verteidigung stützen konnte. Diese Veröffent­lichung kam der republikanischen Regierung nicht sehr gelegen. Sie war aber nicht imstande, etwas dagegen zu machen, da eine Verordnung den Archiven verbietet, Dokumente aus der Zeit nach 1848 der Oefsentlichkeit zu übergeben. Des­halb beschloß der Minister Pichon, um die Olli- vier'sche Darstellung nicht ohne Entgegnungins Land gehen zu lassen, von dem Präsidenten ein Dekret zu erwirken, durch das eine aus Histori­kern und Beamten des Minffteriums bestehende Kommission einzusetzen, mit dem Auftrag,die auf die politische und diplomatische Geschichte der Ereignisse von 1870 und 1871 'bezüglichen Aktenstücke zu sammeln und zu veröffentlichen." Das Dekret wurde am 9. März 1907 vollzogen; in den Motiven hatte Pichon geltend gemacht, daß die französische Demokratie das Recht besitze, die ganze Wahrheit über den Krieg zu erfahren, aus dem die französische Republik hervorge- gangen sei. Die zwei ersten Bände dieser sehr umfangreichen Publikation sind soeben erschienen. Die weiteren 6 sollen in kurzen Zeiträumen fol­gen. Die Kommission war der Ansicht, daß die Vorgeschichte des deuffch-stanzösischen Krieges in dem Augenblick beginnt, wo die Politik Bis­marcks und Napoleons sich berühren, also be­reits mit der Vorgeschichte des dänischen Krieges und dem Jahre 1862. Es ist für uns Deutsche sehr interessant, daß die Kommission In ihrem Gutachten davon spricht, daß man damit rechnen müsse, daß die französische Publikaffon die Re­gierungen anderer Staaten veranlassen werde, ihrerseits mit Veröffentlichungen zu beginnen. Damit hatte man zweifellos Deutschland im Auge. Es ist auch mehr als wahrscheinlich, daß

zeichen dem Getümmel der Schlachten entgegen­ziehen lassen wollten. Obwohl noch Menage ge­kocht war, kam Niemand zum Empfang der­selben. Aufsehen erregte der Hauptmann der 9. Kompagnie von Trimbach. Kampseslustig hatte er seinen langen Schnurrbart bis hinter die Ohren gedreht, die Sckmpvenkette umschloß fest das Kinn. So kam er durch die Langestratze bis zum Martt galoppiert, daß die Funken stoben. Ich sehe in diesem Vorgesetzten immer noch den Typus des deuffchen Soldaten, wie er sich der Welt in dem ganzen Feldzuge gegen Frankreich zeigte. Eingereiht in die Kompagnien wurden auch die Schuster und Schneider, die weniger als wir an stramme Märsche gewöhnt waren.

Gegen 2 Uhr rückten wir mit Trommlern unb Pfeifern an der Spitze zum Tore hinaus nach Aroffen, um zu dem Stamme des Batail­lons zu stoßen. Die Enffernung beträgt 4 Weg­stunden. Die Sonne schien heiß und der Durst plagte sehr. Die Chausse war staubig. Dennoch mußten die Seftionen geschlossen bleiben. Unter solchen Verhältnissen war der Marsch recht be­schwerlich und erforderte auch die erften Opfer, denn mehrere der eingestellten Handwerker warm den Strapazen nicht gewachsen und fan­den den Tod. Wir erkannten var, daß zum Waffeuhandwerk nur gestählte Leute sich eignen. Wir aber dursten auf unsere Kraft vertrauen. Die Musik des Bataillons das Bataillon Hai eigene Musik hätte unS den Marsch sehr er­leichtern können, wenn sie uns auf halbem Wege entgegengekommen wäre; sie traf aber erst an ben Toren Arolsens zu uns unb spielte uns dann in die Allee von Arolsen hinein.

Während unseres Einmarsches entlud sich ein schweres Gewitter. Wir standen dabei unter Gewehr, um QuartierbilletS zu empfangen. Der

1 die französische Publikation manche Kapitel an­der Geschichte dieser Jahre in einem Lichte et- scheinen lassen wird, das von deutscher Seite al- einseitig empfunden werden wird unb dem Bilbe Bismarcks, das den Deuffchen so teuer ist, aber dem gegenüber die Franzosen nur sehr schwer objektiv sein können, abträglich sein muß. Au- den bis jetzt vorliegenden Bänden läßt sich in­des ein Urteil darüber noch nicht fällen. In den Jahren 62 und 63 waren die Beziehungen zwischen Paris und Berlin noch ruhig. Erst tvenn die Veröffentlichung bei dem Jahre 1866, der Luxemburger 'Frage und der spanischen Erb­folgefrage angelangt ist, wird man beurteilen können, ob auch in diesen heikleren Fragen bi« Objektivität gewahrt ist. Unter Umständen wird bie deutsche Regierung antworten müssen. Sie wird gegenüber b*n Manen Bismarcks, bet Ration und der Geschichte die Pflicht haben, zu verhindern, daß die Ereignisse unb Mannet die- ser großen Zeit einseitig verzeichnet werden. Bis jetzt hat es den Anschein, als sei di-französt- sche Publikation eine wirklich vollständige Wie­dergabe der Atten. So findet sich z. B. darin ein Bericht des französischen Botschafters in Berlin, des Herrn von Tallevrand, worin - heißt:Die jämmerliche Kampagne der Klein­staaten Hai all diejenigen entmutigt, die aus ihre Energie rechneten, um Oesterreich und Preußen zu einer d-m deutschen Nationalgefühl mehr ent­sprechenden Politik in den Herzogtümern zu ver­pflichten. Der Bayerische Gesandte in Berlin, Graf Montgelas, der sich inmitten aller dieser Zwischenfälle sehr würdig hielt, versichert, daß seine Regierung ihre Auffassung gewahrt und p' in Frankfurt durchgeseht hätte, _ wenn st« nicht im Stich gelassen worden wäre.Wir werden schlecht behandelt". so sagte er,unb verdienen es!" Ew. Exzellenz werden nicht über­rascht sein, daß angesichts dieser Symptome von Schwäche die Sprache des Herrn von Bismarck immer hochmütiger wird. So sagte er mit: Hier sehen Sie, was die deutsche Verfassung ist! Da sagt Herr v. Beust, er könne nicht zurückge­hen, weil er sich gegenüber der sächsischen^ Kam­mer verflichtet habe. Also, um den Krämern, Advokaten, Bourgeois unb Buchhändlern von Leipzig und Dresden nicht zu mißfallen, gibt et vor, die Opposition gegen uns in Frankreich sott- setzen zu müssen! Die Stimme des sächsischen Kommissärs verbleibt der Mehrheit, Oesterreich und Preußen bleiben in der Minderheit und sehen sich nicht nut Im Innern, sondern auch al- europäische Großmächte behindert, nur ans Liebe zur sächsisch n Kammer. Wahrhaftig, das ist lächerlich und unhaltbar!" Diese Bemerkungen des Ministerpräsidenten haben mich veranlaßt, ihn zu wiederholen, daß meines Erachtens die Herstellung der Beziehungen ztoiscken den Bun­desfürsten auf einer neuen Grundlage von viel größerer Bedeutung für Preußen wäre als bet Krieg, ben es jetzt gegen Dännemark führe. Bismarck teilt meine Meinung über diesen Punkt so seht, daß er nach meiner Ueberzeugung ent­schlossen ist, sich die Gelegenheit nicht mehr ent- Dnrst hatte bei uns eine solche Höhe eneicht, daß wir begierig die wenigen Ttopsen Regen von unseren Bajonettspitzen ableckten, welche das beim Einfetten zurückgebliebene Fett daran hasten ließ. Die Quarfferbillets waren bald ansgegeben. Unsere Kompagnie bekam Quar­tier in dem etwa 20 Minuten Weges von Arolsen entfernten Mengerinhaufen. Mühselig zogen wix, Füsilier Mütze unb ich, zu unserem Quar­tier beim Sternenwirt. Vor dessen Hanse wat im Rondel ein Wasserbassin mit immer laufen- der Röhre. An diese Röhre trat Mütze heran unb ließ sich den Strahl des erqutdenben Raß mehrere Sekunden lang in ben Mund toufen. Ich machte ihm Vorwürfe wegen seines Leicht­sinnes, in dem erhitzten Zustande so reichlich das eiskalte Wasser zu genießen, aber er horte nicht daraus unb hat für fein unüberlegtes Handeln leider lange leiden müffen. Ich sah ihn erst später, als ich im Februar 1871 auf dem Rück­transport toar, wieder zum Bataillon zurück­kehren. Das Quartier war gut. Wir mußten hier das Eintreffen 5 er Reserven abwarten. Die Tage gingen dahin mit Appells und Besuch von Verwandten, die, soweit es möglich war, es sich nicht nehmen ließen, uns noch einmal die Hand zu reichen, bis wir mit den Reserven marschbereit waren.

Dann ging es wieder zurück nach Warburg, wo wir eine Nacht verblieben. Am Morgen wurden wir in einen besonderen Eisenbahnzug verladen, um nach Cassel gefahren zu werden, wo wir mit dem Regiment zusammentreffen sollten. Der enorme Verkehr gestattete uns aber nicht die sofortige Einfahrt in Cassel. Wir muß­ten vielmehr auf der Vorstation Hümme lange warten. Während dieses Aufenthaltes wurden alle Speisen und Getränke der Keinen Station' aufgezehrt, was ben Bahnhofswirt in die größte