unb den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
aus dem
Marburg
Sonnabend, 30. Juli 1910.
Die Znfertiousgebübr beträgt für Inserenten engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gelnaltene Zeile oder deren Raum 18 4, füi auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C Sitzerath, Marburg.
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- ' 'M» jährlich durch die Post bezogen 2,26 M (ohne Bestellgeld), bei
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45. Jahrg.
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■*" für die Monate August und September auf die „Oberhefsische Zeitung" nebst ^khren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt, Wetter, Ebsdorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Leidenhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Riederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Postanstallen und LandbrieftrSgern entgegengenommen.
„Herzliä e Beziehungen".
Selten standen wohl Ursache und Wirkung in schrofferem Gegensatz zu einander als die R de des englischen Premiers zur diesjährigen Flottenvorlage und ihr Echo in der deutschen Presse. Ihre Aufnahme bei dieser war seltsamerweise fast durchgängig die einer dmtschfreund- lichen Kundgebung einzig aus dem Grund, well Mr. Asquith es für gut befunden hatte, von einem herzlichen Verhältnis der beiden Regierungen zueinander zu sprechen. Freilich hat keine der deutschen Zeitungen den ganzen Wortlaut der denkwürdigen Unterhausverhandlungen vom 14. Juli gebracht, aus dem allein schon ihre wenig deutschsreundliche Tendenz hervorging; aber schon die Tatsache, daß derselbe Minister, der die guten Beziehungen der Länder zueinander betonte.und das Recht Deutschlands zum Bmi einer ihm angemessen dünkenden Seemacht zugab, im weiteren ■ Verlaus seiner Ausführungen die deutsche Flotte als die zwingende Ursache der übertriebenen englischen Rüsümgcn hinstellte und, um deren Notwendigkeit zu beweisen, die wahrheitsgemäßen Angaben der deutschen Behörden in Zweifel Zog, sollte jedem Einsichtigen die Augen darüber öffnen, was von den in der Einleitung überschwänglich betonten Frcundschastsbeteuerungen zu Hal- teil ist.
Im weiteren Verlauf der Debatte erklärte der englische Preniier. die deuffche Regierung hätte eine Flottenversiändigung abgelehnt, weil sie in diesem Vorgehen die Unterstützung der öffentlichen Meinung nicht hinter sich zu haben glaubte. , Er konnte sicher sein, daß die mit unserer, auf dem Flottengesetz aufgebanten Flottenpolitik nicht einverstandene Parteipresse mif diesen Köder an- cheißen würde. Und als nun gerade die „Daily ^Mail" bei einer großen Anzahl deutscher Blätter telegraphisch ansragt«, wie sie sich die öffentliche Meimtng über eventuelle Abriistungsverhand- lungen dachten, so konnte es nicht ansbletben, dass die Verständigung auf gleicher Basis erfolge. Ja sogar das „Berliner Tageblatt", das am freudig-
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Kantate.
Von Anny Mothe.
(Fortsetzung.)
' „Ich tvollte es Ihren: Kinde leicht machen, Herr Günther. Rickle sollte mich verachten, um mich leichter vergessen zu können und nun —* er preßte beide Hände aufftöhnend in die Augen, „bin ich selbst, der nicht vergessen kann Tag ; und Nacht verfolgt mich ihr leidvolles Gesicht, ' sehe ich ihre Hellen Augen von Tränen dunkel. Oft meine ich wahnsinnig zu werden, wenn ich alles überdenke und nirgends ein Ausweg, nirgends ein Licht!"
Unschlüssig sah Günther auf HanS Jürgens ganz in sich zusammen gesunkene Gestalt, zögernd zupfte er an seinen alten Bindeschlips verschiedene Male auf und zu. Endlich trat er dicht zu Hans Jürgen heran, der seinen Kopf auf die Schreibtischplatte gelegt hatte, und sagte ihn leise am Rockärmel berührend:
„Herr Bermann, Herr Bermann, hören Sie mich?"
„Ja. was?" fragte HanS Jürgen, sich verstört . aufrichtend.
„Ich wollte Sie um die große Gunst bitten, miet) in meiner Stellung zu lassen. Ich ziehe die Kündigung zurück. Ich möchte doch mit dem Hause Bermann u. Ko. stehen oder fallen. Vielleicht kann ich Ihnen auch raten und nützen, wenn es nicht zu unbescheiden ist, und e§ Jonn Ihnen vielleicht auch ein Trost sein in den Stunden der Not eine vertraute Seele zu haben." Er brack erschrocken ab. War cs denn nicht eine Zu- stringlichkeit von ihm, er mit seiner schwachen Kraft, was konnte er einem Manne wie Hans Jürgen Bermann sein?
' Da aber war der junge Mann schon euipor Gesprungen. Seine Augen leuchteten im feuchten
sten der englischen Anregung entgegen kam, I schreibt am 21. Juli: „Wenn England sich über- I Haupt mit uns verständigen will, dann kann es nur auf dem Fuße vollster Gleichberechtigung geschehen, lieber eine andere Grundlage des Abkommens wäre überhaupt nicht zu diskutteren."
Es ist schon ost und schlagend bewiesen wor- den, daß es eine prattische Grundlage für eine solche Verständigung überhaupt nicht gibt. Run meinen aber manche, und zu denen gehött Wohl auch das „Berliner Tageblatt", daß schon allein Verhandlungen eine günstige Wirkung auf das Verhältnis beider Länder zueinander ausüben würden. Wir glauben das nicht, befürchten vielmehr, daß fruchtlose Verhandlungen — und das werden sie zweifellos sein — die Gefahr eines ernsten Konflikts heraufbeschwören könnten. Für die öffentliche Meinung aber könnte diese Frage leicht dadurch geklärt werden, wenn das „Berliner Tageblatt" oder eine andere Zeitung dem Beispiel der „Daily Mail„ folgte und an die englische Presse die Rundfrage richtete: Auf welcher Basis sollen die Verhandlungen geführt werden? Es ist Tausend gegen Eins zu wetten, daß die fast einstimmige Antwort lauten wird: Aus der Grundlage „Britannia, rule the waves!“
Es könnte England freilich passen, wenn gleich- zeittg mit der ungeheuren Vermehrung seiner Flotte der deuffche Schiffbau vertragsmäßig zum Toffo verstümmelt würde. Unter den Antworten, welche die „Daily Mail" erhiett, war manche? vefftändigeWoff. Keine aber Iras den Nagel so auf den Kopf, wie der der „Münchener Neuesten Nachrichten". Sie lautete: „Die öffentliche Meinung in Süddeuffchland ist über die Kraftquellen des Reiches hinreichend unterrichtet, um zu wissen, daß das Deuffche Reich weder kriegerische Absichten gegen England hegt, noch die Torheit eines kriegerischen Angriffes auf Deutschland von irgend einer Seite besorgt. Aus den Zahlreichen offiziellen Aeutzerungen der deutschen Reichsleitung und den damit konformen privaten In- formattonen über die Absschten der amtlichen Marine- und Auslandspolittk wissen die deuffchen Publizisten seit Jahren, daß zu keiner Zeit bei der Schaffung der deuffchen Flotte eine gegen Englands wirffchastliche oder politische Stellung gerichtete Absicht bestanden hat oder irgendwie besteht. Deuffchland als die für alle Zeiten naturgemäß England gegenüber zur See schwächeren Macht kann schon, soweit Großbritannien in Betracht, die Frage der Beschränkung der Seewehr von sich aus nicht aufwersen. Soweit sich das nächste Jahrzehnt Übeffehen läßt, ist die Frage eii ,t Beschränkung der Seerüstung angesichts der Flottenpolitik der Übffgen und namentlich der überseeischen Weltmächte auch nicht mehr von englischen, geschweige denn von deuffchen Wünschen allffn abhängig. Prastisch ist die Behandlung dieser Frage so delikat geworden, baß die öffentliche Meinung in Deutschland, zumal nach den bisheffqen Beobachtungen, es vorzieht, diese Angelegenheit dem Tatt und der Einsicht der deut-
Glanz, als er beide Hände deS Alten mit warmem Druck umschloß.
„Günther, ich danke Ihnen, darcke Ihnen aus tiefstem Herzensgrund. Ihre Güte, Ihr Mitleid will meine Schuld sühnen, die mich fast zu Boden drückt. Wie viel besser sind Sie als wir, die wir im ftevelndem Hochmut oft glauben über dem einfachen Manne zu stehen, der daS Herz auf dem rechten Flecke hat und der so grob und still die Liebe im Herzen trägt, die nimmer aufhöff, die duldet und trägt und glaubt und hofft. „Vater," schluchzte er dann auf, „Vater, so hoffte ich Sie einst nennen zu können."
„Mein Sohn", gitterte es von den Lippen des alten, ganz verwirffen Mannes, „ich danke Ihnen für dieses Woff." Und sich toie befreit und fast heiter aufffchtend sagte er voll ungewöhnlicher Ffftigkeit, indem er beruhigend seine Hand auf Hans Jürgens Arm legte:
„Lassen Sie uns die Vergangenheit begraben. Nun ich weiß, daß Rickle ihr Glück keinem Ehrlosen, wie ich vermeinte, zum Opfer gebracht, ist mir leichter zu Sinne. Ich hoffe, daß die Zeit kommt, wo ich auch Rickle damit trösten kann. Jetzt ist es alles noch so wund in ihrer Seele und ich wage nicht daran zu rühren. Sie müssen veffuchen, mit allen Mitteln veffuchen, das Schlimmste abzuwenden. Wann ist Ihre Hochzfft?"
„In der „Kantate-Woche." Ich habe sie bis zum letzten Moment hinausgeschoben."
„Wann erhalten Sie die Mitgift?"
Me sicher der kleine Buchhalter jetzt war und wie fest seine Stimme klang.
„Am „Kantate-Sonnabend". Mffn Schwiegervater ist natürlich über die Haupffache orientiert. Er verlangt, wie es nicht anders zu erwaffen war, Sichefftellung des Kapitales."
„Das ließe sich leicht durch Eintragung von Hypotheken auf das Grundstück machen. Eine andere Frage ist, ob die Summe genügt.
scheu Reichsleitung anzuvertrauen, die in ffner vierzigjähffgen Fffedensarbett Bewffse ihres guten Willens zur Erhaltung des VölkeffffedenS genug gegeben hat und auch die hinrffchende Sachvefftändigkeit besitzt, um eine an sie heran- tretende Frage von solcher Bedeutung für die gesamte Kultm in der geeigneten Weise zu behandeln.
Die öffentliche Mffnung wird in ihrer überwiegenden Mehrheit diffe von hoher Einsicht ge- schffebenen Sätze unterschreiben können.
Politische Umschau.
Die Wahlrfform.
Zu den Eröfferungen der Presse über die Wahlresorm schreiben die gut unterrichteten „Beff. Pol. Nachr.', daß, wie dies auch ja nach den Erklärungen des Ministerpräsidenten bei Einbringung der Wahlrechtsvorlage im Abgeordnetenhause nicht zweifelhaft sein konnte, die Staatsregierung die Durchführung der Königlichen Willensmeinung in der Thronrede von 1908 nicht mit dem ersten vergeblichen Veffuche als erledigt an- steht. Man hat mit unbedingter Sicherheit vielmehr darauf zu rechnen, daß der Landtag noch in der laufenden Legislaturpeffode abermals mit der Frage der Wahlreform befaßt werden wird. Was aber die Frage anlangt, welche der drei Tagungen dieses Gesetzabschnittes zur Erledigung der gesetzgeberischen Aufgaben gewähtt werden soll, so ist dies eine Frage reiner Zweckmäßigkeit. Daß dabei auch die bevorstehenden Neuwahlen zum Reichstage eine beträchtliche Rolle spielen w rden, liegt aus der Hand. Man wird auch ohne wffteres anerkennen müssen, daß die Gründe, die in der Presse für die Veffchiebung der Erneuerung bei Versuches zur Lösung des Wahlrechtsproblems bis nach den Reichstags- Wahlen angegeben werden, von erheblichem Ge- wicht sind. Denn für die Wahl des Zeitpunttes, zu welchem der Landtag tviederum mit der Wahlreform zu befassen ist, kommt eS doch wesentlich auch darcmf an, daß die Aussichten aus ein positives Ergebnis sich möglichst günstig gestalten. In dieser Beziehung aber ist es sicher von erheblichem Einfluß, wie durch das Ergebnis der nächsten Reichstagswahlen sich die allgemeine politische Lage gestaltet. Man wird daher sicher in der Annahme nicht fehlgehen, daß zurzeit die Gründe für die Verabschiedung der Wahlreform auf eine spätere Zelt noch überwiegen.
Die englische Thronfolge.
London, 27. Juli. (Unterhaus). Premier- Minister ASquith erklärte bei bet zweiten Lesung der Gesetzesvorlage, betreffend die Erklärung bet der Thronbesteigung, die Vorlage sei nicht zu Paffeizwecken eingebracht, sondern nur zu dem Zwecke, den König von der Notwendigkeit zu emlasten, beim Beginn seiner Regierung in der Oeffentlichkeit eine Erklärung abzugeben, welche
„Ich fürchte nein. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, um eine umfassende Uebersicht zu gewinnen, ober ich bin mit selber noch nicht über alles klar."
„Wenn lch Ihnen behilflich fein kann, Herr Bermann."
„Gern, gern, Günther, ich danke Ihnen. Sie wissen, daß auch die Hochzfft meiner Schwester Karleen vor der Tür steht. Die Pankwitz sind sehr vermögend. In der Stunde der Not müßte und würde mein Schwager wohl einspringen."
Der alte Mann schüttelte mißbilltgend den kleinen weißhaarigen Kopf.
„Ihr Vater, der Herr Kommerzienrat", kam es aus seinem Munde, „hat kein Herz, wenn er es über sich gewinnt, das Glück seiner Kinder zu opfern, um sich zu retten."
„Sie vergessen, daß er meint, uns allen dadurch zu helfen."
„Das ist die Kurzsichtigkeit, an bet so viele kranken und zu Gmnde gehen, doch es kommt mir nicht zu, darüber zu ffchten, das muß der Herr Kommerzienrat mit seinem eigenen Gewissen ausmachen. Und nun Gott befohlen, Herr Bermann, und den Mut nicht verloren. Geld ist ein Gut, das sich wieder erwerben läßt, aber was da brinnen in der Brust entzwff geht, das flickt nichts mehr zusammen."
Der alte Günther war gegangen.
Hans Jürgen saß noch eine Weile und sah füll vor sich hin.
RlckleS Vater wenigstens glaubte wieder an ihn. Er würde ihn nicht mehr für einen ge- meinen Verräter ansehen, und wer weiß, vielleicht würde auch die Zeit kommen, wo es Rickle erfuhr, wo sie bffend die Hände aufheben würde für ihn, dessen Glück für immer zertrümmert am Boden lag.
Rein, sie würde nicht für ihn beten. Me hatte er nur einen Augenblick vergessen können, daß Rickle anfgehöff hatte, ihn zu lieben? Mit
für Millionen feiner loyalen Untertanen kränkend fein würde. Die Regierung habe sich gesagt, daß jeder Voffchlag zu einer Aenderung der Erklärung unvermelillich Anlaß zu erheblichen Mißverständnissen und zur Opposition geben würde. Asquith besprach alsdann die Einwlliffe, die davon ausgehen, daß die vorgeschlagene Et- flärung die protestantische Thronfolge nicht ausreichend zu sichern vermöge und ebenso die gegen den von der Regierung vorgffchlagenen Wofflauk erhobenen Bedenken. Die protestanttsche Thronfolge fff durch die Gesetzgebung von 1689 vollkommen sichergestellt. Die Erklärung bet bet Thronbesteigung bedeute an sich laffächlich kffne Sicherung und der Voffchlag, sie abzuschaff.«, würde jedoch einen emsten Widerstand Hervorrufen. Er gebe zu, daß die in dem vorgeschlagenen Wofflauk erhobenen Einwände nicht ohne Gewicht seien, und beantrage daher folgende Ab- ändemng des Wofflants an Stelle desienigen der Gffetzesvoffage: Der Scuverän solle sich feierlich selbst als getreuen Protestanten 1 ^-nnen und versprechen, nach sffnen besten Krästeu die Gesetze zu halten und cmstecht zu erhalten, iveichc die protestantische Thronfolge als einzig mögliche stchefftellen. Asquith kündigte sodann an, daß er am Freitag eine Erklärung über die Veto- konferenz obfleben werde. Robeff ' (liberal) beantragte die Ablehnung des Gesetzentwuffes betreffend die Erklärung bet der Thronbesteigung. Balfour effläffe, er könne nicht elnsehEi, wie die protestanttsche Thronfolge dadurch gefährdet werden könne, daß der König sich als getreuen Protestanten erkläre, während er sich die Freiheit der Attion Vorbehalte; er würde dem Vorschlag Nicht entgegentreten, den Asquith heute gemacht habe. Der Cheffekretär für Irland gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß eine Form für die Erklärung gefunden sei, welche die protestantische Thronfolge vollauf sichere und dkabei eine religiöse Gemeinschaft verletze. Der Antrag auf Zurückweisung des Gesetz- entwuffs wurde sodann mit 410 gegen 84 Stimmen abgelehnt und die Bill zum zweiten Male gelesen.
Deutsches Reich.
— Vom Kronprinzenpaar. Schkopau bei Merseburg, 27. Juli. Der Kronprinz und die Kronprinzessin wwie die Prinzessin Viktoria Margarethe sind gestern abend hier eingetroffen und haben heute mittag in der Schkopauer Kirche der Trauung der früheren Hofdame der Kronprinzessin Elisabeth von Trotha, mit dem Oberleutnant Alfred von Mitzlasf beigewohnt. Die Fürstlichkeiten werden sich heute abend nach Potsdam zurückbegeben.
— Die Entwicklung des Allgemeinen Penfions- fonds int Reich. Zu den ständig wachsenden Ausgaben des Reichs, die auf die Gestaltung des Etat« von besonderem Einfluß find, gehört auch der Allgemeine
ihrem Vertrauen war auch ihre Liebe gestorben, das wußte er jetzt.
Hatte er es nicht felbst mit seinen eigenen Augen gesehen, wie sie an der Seife de? Marmer den sie »ffenbot früher garnicht gekannt, gonf vertraut Arm in Arm lustwandelte? War er ihnen nicht heimlich nachgeschlichen biS an daS stille kleine Haus, den früher sein ganzes Sehn n galt, und war nicht dieser Dr. Eisele ganz felst- vefftändlich wie er einst mit hinein in daS Keine Haus getreten daS sein Liebstes barg?
Er hätte diffen Menschen erwürgen mögen. Die ganze Nacht hatte et in wilder Verzweiflung gerast, daß Rickle Ihn beraten, und am Morgen hatte er dem Doktor wieder höflich gegentib-t gestanden, als hätte ihn nie diffe entsetzliche Eifersucht gepeitscht, die ihm geftem noch so toll durch die Adern jagte. Er schätzte Dr. Eisele wegen feiner unerschöpflichen Arbeitskraft und seinem juristischen Rat, der sich im Interesse der Firma schon wiederhott bewähff hatte. Dr. Eisele war ihm auch als Mensch warm empfohlen, seitdem Hans Jürgen ober wußte, daß et; Rickle kannte, war es um Hans Jürgens Selbst- beherffchnng geschehen. BaN> war er schroff und befehlshaderisch, bald übertrieben freundlich zu dem neuen Volontär, »et sich immer gleichmäßig gab und unentwegt feine Pflicht tat.
Wenn sie ihn liebte? Wenn Rickle sich diesem Dottor zu rigen gab? , j
Hans Jürgen hätte am liebsten laut protee! stieff. Er preßte die Hände Haff gegen feine Brust. „Nur das nicht," ächzte er, „ich gönne sie keinem anderen, niemand soll es wage«, fle| zu begehren, auch er nicht." Me erschöpft hielt er imte, aber die folternden Gedanken ließen nicht ab von ihm, immer tiefer geriet er te Ären Sann.
(Fortsetzung folgt.)