MchsW Jeilung
mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg uud Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.»
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Die „Oberhessische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 «M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Donnerstag, 28. Juli 1910.
Die Jnsertionrgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gel"alten« Zeile oder deren Raum 15 A, für auswärtige Inserate 20 A. für Reklamen 40 A. — Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahr».
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für die Monate August und September stuf die „Ob er hessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi» jlion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Welter, EbS- stors, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei- Genhofen, Dreihansen, Wittelsberg, Niederweimar, '.'.'iederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- stnstallen und Landbriefträgern entgegengenommen.
Aus der nationalliberalen Partei.
Keine Partei steht jetzt so sehr im Mittelpunkt ves politischen Interesses wie die nationalliberale, (Die Meldung, ihr Führer ® aff ermann werde sich dorn polttisch-n Leben zurückziehen, wird noch eifrig kommentiert, von anderer Seite freilich bestritten. Die Mannheimer „Volksstinune" weist zu berichten, daß Bassermann bei der nächsten Reichstagswahl in dem badischen Wahlkreise Freiburg - Waldkirch kandidieren werde. Der Kreis wird jetzt von dem Zentrumsabgeordneten Hauser vertreten. Bei der letzten Wahl wurden in Freiburg-Waldkirch abgegeben pLO 519 nationalliberale, 6282 sozialdemokratische stnd 13 495 Zentrumsstimmen; in der Stichwahl siegte dann das Zentrum mit 15 592 über die .Nationalliberalen, die 12 587 Stimmen ansbrach- ken. Bassermann könnte also den Wahlkreis nur fitit Hilfe der Sozialdemokratie gewinnen. Ob hn das reizen wird, ist doch wohl noch fraglich, jedenfalls wäre damit ein Beweis gegeben, dast Bassermann die Parteirichtung im wesentlichen Im Sinne des Großblocks orientieren wollte
Wie verschiedene Blätter melden, hat Herr Bassermann mit dem Reichskanzler eine Konferenz gehabt, nach der er den Wunsch, sich von .der Politik zurückzuziehen, aufgab. Er will an der Spitze der Partei bleiben.
So hat die Debatte über Bassermann eine weittragende . . . Bedeutung. Es ist ganz zweifellos, daß die nationalliberale Partei z. Zt. vor schwierigen Entscheidungen steht. Wird sie weiter nach links schwenken — oder zur Stellung der alten bewährten nationalen Mittelpariei in ihrer Gesamtheit zurückkehren? Im Mittelpunkt dieser Frage steht eben — ob mit Recht oder Unrecht sei dahin gestellt — Baflerrnann. Daher am; das Interesse an dieser Frage seitens der Parteien, namentlich von rechts. Es erscheint uns 'jedenfalls schon im vaterländischen Sinne groß »genug, um die z. Zt. gepflogenen Erörterungen zu rechtfertigen, selbst wenn die Blätter der Linken nicht damit einverstanden sind und von An-
44 . (Nachdruck verboten.)
Kantate.
........^ Bim Anny Wothe. ■■■'ITr’" (Fortsetzung.)
„Legen Sie die Akten nur dahin, Herr Günther," sagte er, auf den Schreibtisch zeigend, „Haben Sie die Börseneingänge?"
„Gewiß, Herr ©ermann, hier sind sie. Die Äontinuationen auf den „Anker" sind schon wieder bedeutend zurückgegangen. Wenn ich mir einen allerdings unmaßgeblichen Rat erlauben dürste, so müßte 'mal energisch etwas für die Zeitung geschehen, sonst sitzen wir eines Tages damit fest."
Hans Jürgen biß die Zähne zusammen. „Geschehen, Günther," sagte er fast verächtlich. „WaS ist nicht schon alles geschehen? Hunderttausende hat die Zeitung schon verschlungen. Es ist ein Itotes Kind, sage ich Ihnen. Mein Vater hat immer noch gehofft, durch die letzten großen Anstrengungen, durch das prachwolle Jllustrations- material und die erungenen tüchtigen Mitarbeiterkräfte einen Umschwung zu erzielen; es war alles vergeblich. Sie hatten damals ganz recht, als Sie «ach dem ersten Mißerfolge rieten: „Abschneiden."
Der alte Buchhalter nickte grämlich vor sich hin.
„Könnte man nicht jetzt noch, Herr Bermann?" fragte er schüchtern.
. „Das wird wohl schon von selbst geschehen," kachle Hans Jürgen bitter auf, die f»äns.? in die Taschen schiebeitd. „Der neue Che?red?k-'-?r bat auch gekündigt."
Der kleine Kopf des alten Mannes bewegte sich bekümmert hin und her. Man sah es ihm an, daß er etwas sagen wollte, aber er hielt sich zurück, und es war etwas wie Wehmut in dem alten, runzelvollen Gesicht, als er jetzt seufzend
griffen auf Bassermann reden. Wie sehr diese I Fragen im Kreise der Partei selbst Erregung her- I vorrusen, dafür seien folgende Erörterungen angeführt.
In der „Korrespondenz der nationalliberalen Partei in der Provinz Brandenburg" schreibt Dr. Eugen Leidig: Man studiere doch einmal die Herkunst unserer Abgeordneten; von 50 Reichstagsabgeordneten sind 30 von überwiegend ländlichen Wahlkreisen entsandt, von 64 Abgeordneten der preußischen Landtagsftattion sind mindestens 36. wenn nicht mehr, Vertreter ländlicher Wählerschaften und außerdem entstammt eine stattliche Anzahl der übrigen aus Kreisen, in denen die Klein- und Mittelstadt Überwiegt. Sind das die Wählerschaften, die dem Radikalismus zuneigen? .... Wer da glaubt, diese Schichten der Bevölkemng zu einer Gemeinsamkeit mit der Sozialdemokratie führen zu können, wird sich gar elend täuschen; glücklicherweise, denn die radikale Art der Agitation, die wir uns dann angewöhnen müßten, paßt gar wenig zu uns, andere können es bester und wir würden schließlich immer mir der Sozialdemokratie die Wege zu unseren Wäh- krn ebnen. . . . Demnach also scharfe Front auch nach links und Über dem Kampf gegen die Agrar- konservation des Bundes der Landwirte nicht ver- geffen, daß in der konservativen Partei zahlreiche Männer sind, die Schmerz darüber empftiwen, daß die Fäden zu den Mittelparteien dünner und dünner, geworden, ja zum großen Teile geristen sind. Nichts anderes ist doch das Wesen der Aktion, die von Rheinland-Westfalen ausgegangen ist, das Verlangen, die alten zu bleiben, die wir gewesen sind, als Bennigsen unser Führer war. Wenn dabei auch Angriffe gegen unseren jetzigen Führer, gegen ©affermann, laut geworden sind, so geschieht ihm hier nach meiner Kenntnis der Dinge und Personen schweres Unrecht. Gerade in dieser grundsätzlichen Auffassung ist ©affet« mann unserer, wenn ich sagen darf, bet altnationalliberalen Anschauung."
In der „Rational-Zeiwng" verlangt der Oberbürgermeister Beseler, daß der linke Flügel der nationalliberalen Partei aus chr scheide. Er schreibt folgendes:
Die sozialdemokratische Partei ist die einzige, die nicht nur nie ein Bedenken gehabt hat, es offen auszusptechen, daß Ihr politisches Ideal dir Vernichwng des mobemen Staates und die Aufrichtung eines von Proletariem regierten Staatswesens ist, sondern die. auch bei jeder Gelegenheit die Kraftprobe macht, wie weit sie auf dem Wege zur Verwirklichung ihres politischen Ideals schon vorgeschritten ist. Die Wahlrechtsdemonsttationen sind nach dieser Richwng hin sehr lehrreich gewesen. Nun sollte man meinen, es sei deshalb eigentlich selbstverständlich, daß alle staatserhaltenden Parteien gegen die sozialdemokratische Partei bei den Wahlen zusammenhielten, um den Einfluß dieser Umsturzpartei auf die Gesetzgebung und Verwalwng des Deuffchen Reiches in der nächsten Legislawrperiode auf ein möglichst ge
feiltem Jungen Chef eine große Anzahl Rechnungen überreichte.
Hans Jürgen machte schweigend seine Notizen Wenn der alte Günther hier und da einfließen ließ: „Bleibt wohl bis Kantate?", dann nickte er nur mechanisch und schien es garnicht zu bemerken. daß der Stoß der Rechnungen, deren Erledigung bis zur Ostermeffe aufgeschoben, immer mehr anschwoll, und der Stoß derjenigen, die gleich reguliert werden sollten, immer kleiner wurde.
Endlich war auch diese' ihn peinigende Angelegenheit erledigt.
„Me steht es sonst?" fragte er anscheinend gleichgültig. „Viel Krebse?"
Der Buchhalter nickte. „Es war eben ein unglückliches Jahr, Herr ©ermannn. An Remitten- den ist sonst auch kein Mangel, aber ich dächte, diese Osteomeffe ist besonders bunt. Nur mtt Landgreen schließen wir glänzend ab."
Hans Jürgen nickte. Er wollte noch etwas sagen, aber ein atemflemmenber Druck preßte ihm die Kehle zusammen.
„Haben Herr Bermann sonst noch Befehle?"
„Rein, baute! Doch, auf einem Augenblick, Herr Günther," rief er den Buchhalter, ber schon an ber Tür war, noch einmal zurück.
Aufmerffam, die Brille auf die Stirn schiebend kam der Alte näher.
Herr Bermann wünschen?"
Es war etwas wie Kampfbereitschaft in dem stillen, vergrämten Gesicht.
Herr Günther," nahm Hans.Jürgen stoßweise das Wort. „Ich bemerke feit einiger Zett mtt Befremden Ihre innige Freundschaft mit dem neu bei uns eingetretenen Volontär Dr. Eisele. Das sind natürlich Ihre Privatangelegenheiten. Ich meine, bemerkt zn haben, daß dieser Dr. Eisele auch in Ihrem Hause verkehrt."
Die Beine, gebückte, dürre Gestalt GüntherS richtete sich kerzengerade tu die Höhe.
ringes Maß zu beschränken. Dem widerstrebt aber nicht nur ber linke Flügel ber national- liberalen Partei, sondern auch die Jungliberalen. Wenn man sich hierin nicht täuscht, so bleibt für bett rechten Flügel ber Partei nichts anderes übrig, als eine reinliche Scheidung von beiden, well bann ble politischen Grundauffassungen zu verschieden sind, um ein gedeihliches politisches Zusammenwirken noch weiter zu ermöglichen."
Es heißt die Frage auf ein falsches Gleis schieben, wenn man ble Angriffe auf Bassermann in ben Vorbergrund ber politischen Diskussion stellt. Es sind prinzipielle Fragen von weittragender Bedeutung, die letzt innerhalb der Partei zur Verhandlung stehen. Das deutsche Reich hat unseres Erachtens das größte Interesse daran, daß die liberale Mtttelpartel wie bisher die Grenzlinie nach links mit einer deutlichen Schärfe zieht, die Partei selbst aber würde namentlich in Norddeutschland gewaltig verlieren, wollte sie mit den Fortschrittlern immer radikaler werden, bis auch sie nur eine Schattierung des extremen Radikalismus würde,
Zur Affäre Ungern-SLernberg.
Die Affäre des in Petersburg wohnenden Vertreters des dortigen östereichischen Korrespon- denzbureaus, der bekanntlich vor einiger Zeit unter dem Verdacht ber Spionage und bei Landesverrates verhaftet und erst nach geraume, Zeit in. folge Intervention seitens hochgestellter Freunde wieder frcigelaffen wurde, scheint doch noch immer größeren Umfang anzunehmen. Wie ble Peters- bürget Zeitung „Swot" niittetlt, hat Baton Ungern Sternberg jetzt zugegeben, den russischen Mobilmachungsplan in biesem Jahre ban Petersburger Militär Attache einer Großmacht verschafft zu haben. Außerdem soll die mffische Polizei die
Ich habe nicht geglaubt, Ihnen Rechenschaft über meine Privatangelegenheiten schuldig zu sein, Herr Bermann."
„Davon kann je garnicht die Rede f'tn, Günther, ich frage doch zir Ihrem eigenen ©fftm. Ich glaube — nein, ei ist sogar beftimmt so — na, kurz und gut, ich habe Fräulein Rickle neulich auch in Gesellschaft dieses Dr. Eisele gesehen und —"
„Hai meine Tochter Ihnen vielleicht Rechenschaft abzulegeu, mti wem sie verkehrt, Ihnen?"
Es zitterte nicht nur Schmerz, sondern etwas wie leise Verachwng in der schwankenden Stimme des Alten.
„Natürlich nicht, Günther, aber Sie toerb«n eS doch begreiflich finden, daß es mir nicht gleichgültig sein kann, wenn Rickle leichtfertiger Weise ihrm guten Ruf aufs Spiel setzt und mtt einem fremben Manne heimlich abends Spaziergänge macht. Ich selbst habe Ihre Tochter gesehen."
Ein bitteres Lächeln umspielte die dünnen Lippen des alten Mannes, und die Narbe auf der Stirn färbte sich noch dunkler.
Die Beinen, eingesunkenen Augen funkelten zornig auf, als er entgegnete:
„Und das wagen Sie mir zu fugen? Wer ist es, der den Ruf meiner Tochter ruiniert hat, wen» überhaupt davon die Rede sein kann, Sie, nur Sie allein! Sie tarnen in unser Haus, wie Sie mir unter heiligen Eiden versicherten, mit ben redlichsten Absichten. Und wie haben Sie diese verwirklicht? ©erraten und betrogen haben Sie mein armes Kind. Das hübsche Gesicht, das Sie zum erstenmal sahen, als Rickle Ihnen ihre Buch, schmuckentwürse brachte, hatte es Ihnen angetan, unb das Kind Ihres Untergebenen dünkte Ihnen gerade gut genug für ihre Liebesabenteuer. Und wir Toren glaubten, Sie meinten es redlich. Blindlings hat Jhnm mein Kind vertrant, und Wenn Ich sie toamte, dann lachte sie nur glockcnh.<
Spuren einer wetteren Sptonageaffäre entdeckt Halen, in welcher außer Ungem-Stemberg noch weitere bekannte Petersburger Persönlichkeiten belastet sein sollen. Der Baron dürfte übrigens bereits wieder verhaftet sein, und es ist kaum anzunehmen, daß seine Freilassung diesmal toieb-t so glatt von ftatten geht.
Politische Umschau.
Die angebliche« Steuerhlnterziehnngen bee Freiherr« von Richthofen-Mertschütz.
Die „(Confern. Correspondenz" schreibt:
Durch die Tagespresse geht eine auf Aussagen de» Wirtschastsinfpektors Karl Kasten gestützte Aufstellung der angeblichen Einnahmen und der Steuer» befia'ationen des Landrats a. D. Freiherrn von Richthofen-Mertschütz, Mitglied des Hauses bet Abgeordneten. Wit find hierzu zu folgender Erklärung ermächtigt:
Die durch viele Zeitungen gehenden Mitteilungen de» Wirtschaftsinspektors Karl Kasten über Me Steuerdeklaration und die Einkommensverhältnisfe de» Landrats a. D. Freiherrn on Richthofen-Mert- schütz. M. b. H. b. Abg., sinb falsch.
Herr Frhr. v. Richthofen-Mertschütz hat am gestrigen Montag vor bet Veranlagungskommission ber Landkreise» Liegnitz auf Erunb genauester Buchführung den ®eroet< erbracht, baß er sein Einkommen mit peinlichster Gewissenhaftigkeit deklariert unb niemals einen Pfennig an Steuern zu wenig gezahlt hat.
Eeldfterstöndlich wird Herr Ftht. von Richthofen- Mertschütz gegen den Verbreiter bet Mitteilungen über seine Einkommensverhältnisse bie erforberlichen Schritte «nternehme».
Der Mirijchafwinspekwt Karl Kasten, Dominium Scharphos bri Weinberg. Kreis Liegnitz, fenbet uns unter Berufung auf § 11 des Preßgefetzes eine längere Darlegung, von bereu wörtlicher Veröfftntlich- ung wir aber absehen können, da fie ben Vorschriften des genannten Paragraphen durchaus nicht entspricht. Herr Kasten stellt fest, baß er Me Strafanzeige wegen bet angeblichen Steuerhinterziehung nicht gestellt habe.
Da» ist -eine Behauptung, ble mit ben Angaben bet „Deutschen Zournalpost", Herausgeber Schwebe» unb Hertzsch, in Widerspruch steht. Diele Zournalpost stützt ihre Angaben ausdrücklich auf vetstchetungen bee Mrischaftsinspett- . unb veröffentlicht
die eidesstattliche E- " Kasten, die ber An
zeige zu Grunde gelegen hoben soll.
Was bas von verschiedenen Zeitungen erwähnt» Zeugnis gnlangt, bas von» Freiherrn non Richthofen. Metts am 14. Dezember 1909 bem Wirtschaft» Inspektor "kaften ausgestellt worden ist, so steht fest, daß dem Kasten in ber Tat mehr als fieben Jahr» lang vom Freihetrn von Richthofen-Mertschütz volle»
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und es war dann warmer, al» wäre es Feiertag Und daun auf einmal war alle* aus. 6k tarne* nicht mehr in u -- kleines Haus wie sonst, w» Rickle schon .mmer stundenlang am Fenster staut und in die Ferne sah, dorthin, wo die Lichter bet. O.abt wie Weihnachtsbäume flammten. Sie schrieben euch nicht, unb Rickle Tag Tag und Nacht auf ben Knien «ch rang verzweifelt die Hände, Mir wichen Sie aus, und dann endlich eines Tage» sagten Sie mb:
„Sagen Die es Rickle. ich lanu mein Wort nicht halten, ich selbst kann es ihr nicht sagen. Fragen Sie nicht, warum, aber es mutz sein."
Das wat alles. Nicht ein Wort der Beschönigung für den ungeheueren Verrat an meine« armen Kinde fanden Sie Allein ließen Sie Rickle mit ihrem Jammer und ihrem Schmerz. Da faßte mich eine so große Wut, ein fo wilder Schmerz, daß ich vor Zorn, als ich Sie mit der reichen Braut daherkommen fah, Ihren Pferden in die Zügel siel, die mit dann einen ordentlichen Denkzettel gaben. Es war seht töricht von mit, denn ich mit meiner kleinen, gebrechlichen Gestatt mußte ja unterliegen, aber ber Schmerz meines Kindes machte mich rasend, und ich hätte triumphiert, wenn ich Sie, den Urheber all' des Leides und des endlosen Jammers, hätte töten können. Und Sie kommen nun und spielen sich noch als Tugendwächter über Rickle auf, wenn Sie an der Seite eines anderen Mannes gesehen wird? Ich aber verbiete Ihnen, sich überhaupt um Nickles Tun und Lassen zu kümmern. Sie haben kein Recht, fie zu vemrieflen, und wenn sie mit zehn Männern über ble Straße geht, denn Sie selbst haben meinem Kinde schonungslos je- den Glauben an Me Menschheit genommen. Sie. selbst haben ihr ben tiefen Abgrund gezeigt, Vor dem sie stand, als fie Ihnen vertraute."
(Fortsetzung folgt.) < :