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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham i

»nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage."

Riederweimar,

Niederwalgern.

Zum Attentat auf Maura

In der heuttgen

fünf Tagen vernarbt sind.

Die allgemeine Unruhe, welche die arbeitenden Klaffen des spanischen Volkes seit Monaten durch­zieht, hat jetzt zu einem Attentat auf den Führer der spanischen Konservativen, den früheren bekannten Ministerpräsidenten Maura geführt. Maura wurde

Damm und Lohra sowie von allen Post­anstalten und Landbriesträgern entgegengenom­men.

erscheint täglich mit Ausnahme der t Bezugspreis beträgt viertel-

wird. Der russische Geist wird die Länder auf Jahrzehnte tn ihrer Entwicklung zurückwerfen, aber vielleicht trägt dieser Druck dazu bei, di« nationale Eigenart zu kräftigen und schließlich zum Durchbruch zu bringen. Zwischen den Ostseepro­vinzen und einem Uraldistrikt besteht doch am Ende ein so gewaltiger Unterschied, daß auch russischer Koscikengeist daran scheitern muß.

Die Polen haben in Krakau den Gedenktag der Schlacht bei Tannenberg, in der vor 500 Jahren der Deutschritterorden besiegt wurde, mit rauschen- ben Festen gefeiert. Die Deutschen haben nicht nötig, sich dieser Niederlage zu schämen, denn auf deutscher Seite ist mit dem größten Heldemnute gefochten worden, und nur einer furchtbaren Uebermacht sind die Ritter todesmutig erlegen. Die Zahl der polnischen Festteilnehmer aus dem deutschen Reichsgebiet wird auf 13 000 geschätzt; das Fest selbst war ein Ausfln^ der Deutschen­hetze. Von den polnischen Abgeordneten nahmen an der Feier Korfanty und Gr^ba teil.

Die Republik Mexiko lebt mit ihrem Präsiden­ten in seltener Eintracht. Seit 33 Jahren hat der geniale Porfirio Diaz das Staatsruber in Hän­den und hat es verstanden, das verwilderte Land zu einem blühenden Staat un.zuwandeln. Jetzt ist der Achtzigjährige von seinen Landsleuten wieder zum Präsidenten gewählt worden.

Sitzungen der Kammer und des Senats verur­teilten die Präsideiüen unter dem Beifall bet Mit­glieder, mit Ausnahme der Republikaner, aufs schärfste den Anschlag auf den früheren Minister- prästdeuten Maura. Minsterpräsideut Canalejas

schloß sich in beiden Häufen» de« Worte« des Prid» siebenten an. Darauf verlas Mintsterpräsidnch: Canalejas ein Dekret, durch welches dl« fcetiefc vertagt werden. I

Paris, 24. Juli. Zu dem Attentat auf den früheren Ministerprästdenten Maura meldet eine Privatdepesche desJournal" aus Barcelona» Während des Verhörs durch den Untersuchung»« richter machte der Attentäter Roca einen Selbst- Mordversuch; er ergriff eine auf dem Tisch des Untersuchungsrichters Ilegenb« Schere und brachte sich einen Stich in die Kehle bei. Als er cm der Wand des Zimmers ein Bild des Königs Alfons erblickte, rief er aus:An allen Ereigniffen sind die schlechten Ratgeber des Königs schuld; Alfons XIII. ist unschuldig." DemMotin" zufolge telegraphierte der Sekretär Mauras «ach Madrid, daß die Verwundungen Mauras so ge­ringfügig feien, daß er in drei bis vier Tage« vollständig wiederhergestellt sein werde.

Barcelona, 24. Juli. Der Angreifer des früheren Ministerpräsidenten Maura erklärt, et habe aüs eigenem Antriebe gehandelt, habe keine Mitschuldigen und gehöre keinr geheimen Gesell­schaft und Organisation an.

in der Nacht zum Sonnabend auf dem Bahnhof in Barcelona von einem jungen Barceloneser durch zwei Schüffe verwundet; seine Verletzungen fiod je- doch leichter Natur. Antonio Maura, beRen Bild wir beistehend bringen, wat bereit» mehrfach spani­scher Ministerpräsident; zuletzt in den Jahren 1907 bi» 1909. Unter fein Regime fielen die Kämpfe bei Manilla, die für Spanien so verlustreich und wenig rühmlich waren, sowie die Erschießung Ferrer».

Weitere Meldungen besagen:

Madrid, 23. Juli. Als der frühere Mini­sterpräsident Maura vergangene Nacht um W/2 Uhr mit dem Schnellzug in Barcelona eintraf und dem Wagen entstieg, feuerte ein auf dem Bahnsteig harrender jüngerer Mann drei Schüsse auf ihn ab. Sofort hinzneilende Polizisten ver­hafteten den Attentäter. Er gibt auf die Fragen nach dem Beweggrund der Tat keine Antwort. Maura reifte unmittelbar nach dem Attentat nach Palma (Mallorka) weiter. Die Persönlichk.it des Attentäters wurde als die des jugendlichen Manuel Roca aus Barcelona festgestellt.

Barcelona, 23. Juli. Der Angreifer Mauras, Roca, ist ein ISjähriger Bursche, dessen Vater und Bruder gleichfalls verhaftet wurden. Die Polizei nahm eine Haussuch-ng vor, die er­gebnislos verlief. Anläßlich der Ankunft Mauras hatte die Polizei strenge Maßregeln getroffen; be­sonders der Bahnhof wurde scharf überwacht; blt Polizei hatte auch den Zug besetzt. Der Angriff erfolgte in so überaschender Weise, daß ihn nie­mand verhindern konnte; eine junge Dame, die Cousine Mauras, warf sich nach dem zweiten Schuß auf den Angreifer und versuchte ihn festzu­hakten, konnte ihn jedoch nicht hindern, ein drittes Mal zu schießen. Die Polizisten und Gendarmen ergriffen Roca und machten ihn unschädlich. Maura, der mit seiner Frau und einigen andere.» Verwairdten angekommen war, und der ebenfalls verwundete Freund Mauras, Oliveira, wurden an Bord derMiramar" gebracht. Nur die Beamten und politischen Persönlichkeiten wur­den an Bord gelassen; nur bet Untersuchungs­richter erhielt Zutritt zu Maura. Der Arzt, bet bie Wunden am rechten Bein und am linken Atm untersuchte, stellte fest, daß sie nur leichte sind. Die Miramar" ging um 1% Uhr morgens nach Palama in See. In dem Revolver Rocas befan­den sich vier noch nicht verfeuerte Patronen; Roca erklärte, es sei nicht seine Absicht gewesen, Maura zu treffen.

Madrid, 23. Juli. Der ehemalige Minister­präsident Maura ist in Palma Mallorka ange- komen. Die GeringfÜgikeit der Verletzungen Mauras läßt erhoffen, daß die Wunden in vier bis

Politische Umschau.

Der wirtschaftliche Boykott

wegen politischer Anschauung, wird gerade von ben ! Linksliberalen bisher in sehr scharfer Weise und mit - Recht bekämpft. Jetzt zeigt es sich aber, daß die Linksliberalen, wenn es sich um ihre eigene Sache handelt, selbst dieses zweischneidige Schwert anwen­den. Bei der Ersatzwahl zum bayrischen Landtag im Kreise Aichach-Dachau haben die Liberalen bekannt­lich eine empfindliche Schlappe erlitten. Wahrschein­lich um sich an der Bevölkerung des Kreises zu rächen, fordert dieLiberale Landtagstagskorrespoi»- denz" die Parteigenoffen aufalle diejenigen Wirt­schaften den Parteifreunden bekannt zu geben, bereu Wirte die Kunst des Herrn Pfarrers höher schätzen, als den Gewinn vom sonntäglichen Ausflugsverkeht." Klassischer Liberalismus!

Die Jnserttonsgebübr beträgt für Inserenten au» dem engeren Verbreitungsgebiet de» Blatte» für die 7gewalte«e Zeile ober deren Staun 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Jäh. Aua. Koch, llniverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Umschau im Auslande.

r" Das englische Parlament hat mit allen Stim­men gegen 70 irische Nationalisten und Radikale den Bau von vier neuenDreadnoughts" be­schlossen. Der Premierminister Asquich wußte das Haus zur Bewilligung der Flottenverstärkung zu bestimmen, ohne daß er, wie es in früheren Jahren stets geschehen ist, die Gründe aus den deutschen Flottenbauten holte. Merdings hat er eine Schilderung unserer Rüstungen zur See ent­worfen, die zwar verständig klang, aber stark an Uebertreibung litt und vielleicht gerade deshalb das englische Unterhaus zur schnellen Bewilligung der neuen Forderungen bewog. Der Premier­minister gab folgende Uebersicht: 1911 verfügt England über 16, Deutschland über 13Dread­noughts"; 1913: England 25, Deutschland 17; 1914: England 25, Deutschland 21. Er schloß bei dieser Berechnung die beide« englischenNÄsons" aus, bie bemDreadnought" gleichstehen, ebenso­wenig erwähnte er bie beibenDreabnougbts", die auf Kosten der Kolonien in England gebaut und neuerlich in anderen Gewässern Verwendung finden werden. Er berücksichtigte dabei auch nicht die schon vorhandene starke englische Schiffsmacht mit ihrer riesigen Ueberlegenheit md die 60 Untir- feebote, denen Deutschland mir erst mit Versuchen gegenübersteht. Dagegen spielte er He Flotten Oesterreichs und Italiens gegen England aus, obgleich Hefe Mächte lediglich gegeneinander zur See rüsten.

Zar Nikolaus hat seine russischen Untertanen an der Ostsee besucht und bei Hefer Gelegenheit in Riga das Standbild Peters des Großen, des Eroberers der einst deutschen Länder, enthüllt, der nach monatelanger Belagerung in Riga, Hever­fluchte StaH", einzog. Während das früher schwe- Hsche Finnland sich wenigstens eine gewisse in­nere Selbständigkeit bewahrt hat, finb die Provin­zen des Deuffchritterordens, Estland, Livland und Kurland, reine russische Satrapien geworden, in denen das Deutschtum, das auch jetzt noch der eigentliche Kulturträger ist, systematisch unterdrückt

Deutsches Reich.

Bronzestatue des Kaisers tn Karlsbad. Karlsbad, 24. Juli. Das Komitee reichsdeuffcher Kurgäste in böhmischen Badeorten mit dem Prä­sidenten des preußischen Herrenhauses an der Spitze beschloß anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers Franz Josef und des mehr cd» 30jährigen Bestehens des Bündnisses zwischen Oesterreich uiib Deutschland in Karlsbad eine künstlerische überlebensgroße Bronzestatne des Kaisers zu errichten. Von den erforderlichen 100 000 JK sind bereits 20000 M gezeichnet.

Die Ausübung der Jagd durch Ausländer in Baden. In einer der letzten Sitzungen der

DieOberheffische Zeitung"

. Sonn- und Feiertage. ®ei T-----------------

4*7") jährlich durch bie Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

= II unseren Zeitungsstellen und bet Expedition (Markt 21), 2,00 «M..

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Dienstag, 26. Juli 1910.

Bestellungen

für die Monate August und September ruf dieOberheffische Zeitung" nebst 4hren Beilagen werden von unserer Expedi- flon (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Etrchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, Heskem-MSlln, Lei- denhofen, Dreihausen, Wittelsberg,

42 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Er atmete tief und schwer. Mit banger Span­nung versuchte er in Sarleens Zügen zu lesen, die ihn die herrschende Dämmcmng nur undeutlich erkennen ließ. Es war ihm, als schimmere es feucht in den blauen Augen des Mädchens, dessen Hand jetzt schlaff, wie beschämt, an ihrem Körper Hemieder sank.

Dann aber streckte er ihr mit einem heißen Aufleuchten feiner dunklen Augen beide Hände entgegen und sagte innig:

Ihre Tränen entsühnen mich, Karleen Ber- mann, ich danke Ihnen."

Und Ihre Hände langen lange in ben seinen. Keines sprach ein Wort. Durch He bürten Zweige raschelte ber Wind, aber es war, als spüre man schon in feinem Wehen tausend knospende Früh­lingsblüten. Von der Johanniskirche schwebte Glockenklang hernieder, feierlich hallte es durch He abendliche Sabbathstille .

Ist es sehr viel verlangt, mein gnädiges Fräulein," nahm Rolf bann fast schüchtern das Wort,wenn ich Sie bitte, eine kleine Weile noch Gebulb zu haben unb zu schweigen ? Ihr Herr Vater wirb mir sicher verzeihen, wenn ich ihm später meine Grüiebe zu meinet Hanblungsweise darlege, unb außer Ihnen ahnt ja niemanb, daß der neue Volontär in Ihres Vaters Haus Rolf ststehnert ist."

Unb wenn man Sie boch entdeckt?" fragte Karleen, unb es bebte Wie heiße Angst in ihrer Stimme.

Er lächelte beruhigenb.So erfüllt sich mein Schicksal, hoffentlich aber nicht eher, als bis ich meine Mission zu Enbe geführt habe. Unb nun lassen Sie uns scheiden unb lasse« Sie mich Ihne«

sagen, daß ich Ihnen für He geierftunbe, bie Sie mir hier am Grabe meines Vaters gewährt, banfen werde, so lange ich atme. Wenn wir uns wieder begegnen, dann soll zwischen uns beiden alles vergessen fein. Ich möchte nichts für Sie fein, als was ich fein muß, Dr. Eisele, der Fremde, der Unbekannte, und Sie" - er stockteSie werde ich nur als bie Braut eines anderen sehen dürfen, Starken!" schrie er plötzlich ganz laut auf. Warum haben Sie bas, das Entsetzliche getan?"

Karlem schloß erschauernb bie Augen. Stürzte beim bet Himmel über ihr zusammen? Welche Leidenschaft brach ans seinem Ton hervor.

Ich weiß nicht, Ivie ich dazu kam," sprach sie mit Tränen in bet Stimme,denn ich liebe ihn nicht."

Ich wußte es," rief Rolf mit glänzenden Augen,und ich segne Sie für dieses Wort." Lang­sam hatten sie den Ausgang des Friedhofs erreicht. Scho« zum zweitm Male ertönte die Glocke, zum Zeichen, daß der einsame Totengartm geschlossen werde. Der Glockmklang wat verhallt unb still war's, totenstill.

Noch einmal reichten sie sich He Hände.

Wenn Sie meine Mutter einmal aufsuchen wollen," bat er noch schüchtern.Sie hat mir einen innigen Gruß für Sie aufgetragen. Sie möchte gern in ihrem einsamen geben bas Mäb- chen keimen lernen, bas ihren Sohn geschützt unb zugleich das Kind des Mannes ist, der ihr einst nahe gestanden. Dars ich Sie anmeldm?"

Starken nickte. Ihr war so seltsam zu Sinne. Sprechen konnte sie nicht . Endlich aber fragte sie doch, zu ihm aufsehend:

Und Ihr Neines Töchterlein, werde ich das auch bei Ihrer Frau Mutter sehen?"

Ein warmer Glanz flog über Rolf s Antlitz. Rein," sagte er,es war mir doch zu gefährlich, das Sfinb im Hause zu behalten es lebt Ihnen brauche ich es ja nicht zu verschweigm im Hause Ihres alten Buchhalters Günther.

Rickle ist ein Patenkind meiner Mutter, sie hütet mir jetzt das Kind."

Rickle Günther," nickte Karlem.Ich kenne sie und ich wollte Sie schon lange besnchm. Da werde ich auch Ihren Liebling sehen, Herr Doktor."

Er zog ihre Hand an feine heißen Lippen.

Auf Wiedersehen," sprach er, Karlem lange und bewegt ansehend.Bis gestern noch hatte ich gedacht, daß Hefer Traum anders ausklingen würde, als Sie es gewollt. Leben Sie Wohl."

Ihre Hände lösten sich unb sie trat vor bas eiserne Tor. Rolf blieb einen Schritt zurück, um zwei Damen vorüber zu lassen, bie hart an bet Kirchhofs ür vorbeigingen. Blitzschnell toanHe er sich, bannt sie sein Gesicht nicht erkennen konnten, unb verschwand int Gesträuch. Karlem hatte bie beiden Tauten kaum bemerkt. Diese aber standen und sahen lachend ber hastig Davoneilenden nach.

War bas nicht bie schöne stolze Karlem Ber- manit?" fragte bie Stimme ber älteren, größeren.

Ich glaube fast," lachte bie aubere zurück. Ei, ei, bie tugmbsame Starken ein Renbezvous, unb noch bazu am Tage ihrer Verlobung mit einem Manne, ber bie Flucht ergreift, wmu er ertappt wirb. Da ist etwas faul im Staate Däne­mark. Ich will es mit doch freundlichst merken."

Unb bie beiben Tarnen lacht m und schritten weiter.

Rolf sah ihnen von ferne finster nach. Deo- hend hob er die geballte Faust, dann schritt er noch einmal zurück bis hin zur ®ruft, in der fein Vater schlief.

Das große eiserne Tor schloß sich hinter ihm und er tont allein bei dm Toten.

Als er wieder auf den Friedhof trat, ernst, Hüt tiefen Furchen in dem stillen Gesicht, war die Pforte geschlossen. Schnell schwang sich Rolf über He hohe Mauer, dann schritt er gefentten Hauptes in das Gewirr bet Großstadt hinein. In der Johannisfirche schimmerte noch ein mattes Licht

am Altar, die weiße MarmorstaMe des Christus mit dem hoch erhobenen Kelch der Gnade in der Rechten leuchtete durch das geöffnete Kirchm« portal weit hinaus in bas Dunk l.

Der Frühling kam. Brausenb zog er in He alte Sinbenftabt. In ben Anlagen unb in ben vielen Gärten knospete es schon, unb hier unb da ließ sich in bem noch kahlen Geäst ein wiederge-. kehrtet Singvogel vernehmen. j

Bald würden die Osterglocken Hingen.

Ein milder, weicher Frühlingstegen rieselte, hernieder. Wie Taupetlm tropfte es von den alten Giebelhäusern. In der Luft zitterte em warmer Hauch, und es duftete nach Veilchen.

Die ersten Schneeglöckchm hatten sich schon her­vorgewagt, und hier und da gelbe Leberblümchen unb weißschimmernbe Annemonm. Auch im alte« Johannistal war ein Knospm unb Blühm. Die Gartenhäuschen in ben einzelnen Gärten, wo fett altersher fo viele Leipziger Familien tot Sommer Lust schöpfen unb sich im Freien vergnügen nach bes Tages Last und Hetze, wurden frisch gestrichen, geputzt und gescheuert, und überall herrschte rege Betriebsamkeit. Ostem wat nahe. Das festliche Willkommen des Frühlings, da wollte niemand müßig fein, wenn die Sturmposaune des Früh­lings blies und He Taufluten schwellen.

Geborsten war des Eises Schollen. Golden schimmerte der Frühling tn weichet Tränen­flut.

In einem großen, palastähnlichen Hanse ans Sandstein, das sich vier Stockwerke hoch empor- hob, stand ein Mann am Fenster eines eleganten, ganz in Eiche gehaltenem Arbeitszimmer «nd blickte hinunter in das Johannistal, wo der Flie­der so schwellend in Knospen stand.

. (Fortsetzung folgt.)