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mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

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DreOberhessische Zeit«««" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 <M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Zweites Blatt.

Marburg

Sonntag, 24. Juli 1910.

Die Jnserttonsgebiibr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebiei des Blattes für die 7ge^altene Zeile oder deren Raum 15 für auswärtige Inserate 20 H, fui Reklamen 40 4, Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, llniversitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. T Liitzeroth, Niarburg, Markt 21. Telephon 55.

45» Jahrg.

Bestellungen

für die Monate August und September uns dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei­denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, D a m m und Lohra sowie von allen Post- «nfiatten und Landbriefträgern entgegengenom- men.

Die Bedeutung des Kaiser-Wilhelm- Kanals.

Die Zweifel an der verkehrswirtschaftlichen Be­deutung und Rentabilität des Kaiser-Wilhelms- Kanals, die während des Baus geäußert wurden, sind bald nach seiner Inbetriebnahme im Jahre 1895 widerlegt worden. Bei der Ausstellung des Gesetzes vom Jahre 1886 rechnete man mit einem Verkehr von etwa 18 000 Schiffen mit 5,5 Mil­lionen Retto-Registertonnen Raumgehalt. Die Zahl der Schiffe wurde mit 19 660 schon 1896 überschritten; diese enthielten aber nur 1,85 Mil­lionen Netto-Registertonnen waren also im Durch­schnitt viel kleiner, als man angenommen hatte. Zahl' und Größe der Schiffe sttegen allmählich. Im zehnten Jahre nach der Eröffnung (d. h. 1905) durchfuhren den Kanal 33147 Schiffe von 5% Millionen Netto Registertonnen; in diesem Jahre wurde also auch der Raumgehalt der Vorschätzung überschritten. Die Durchschnittsgröße der Schiffe hatte ebenfalls zugenommen, und zwar von 94 auf 175 Netto-Registertonnen. Im Rechnungs­jahre 1907 wurde der Kaiser-Milhelm-Kanal von rund 35 000 abgabepflichtigen Schiffen mit einem Raumgehalt von rund 6,4 Millionen Netto- Registertonnen befahren; hiemnter waren nmd 15 000 Dampfer mit rund 5,1 Millionen Netto- Registerionnen Raumgehalt, rund 16 200 Segel­schiffe mit rund 640 000 Retto-Registertonnen Raumgehalt, der Rest Leichter und Schuten. Der Verkehr int Kanal ist, wie ein Vergleich mit dem des Suezkanals zeigt, ein außerordentlich reger. Letzteren durchfuhren im zehnten Jahre nach der Eröffnung (1880) nur 2026 Schiffe mit 3 Milli­onen Netto Registertonnen; in den folgenden 25 Jahren ist dann der Verkehr dort auf 4116 Schiffe mit 13,1 Millionen Netto Registertonnen, der durchchnittliche Gehalt also von 1500 auf 3000 Netto Registertonnen, gestiegen. D'e größeren Dampfer sind in der ersten Zett dem Kaiser-

Wilhelm-Kanal ferngeblieben. Nur allmählich hat man sich dazu verstanden, auch mit großen Schiffen hindurchzufahren. Mit dem Verkehr sind auch die Betriebseinnahmen gewachsen; sie über­steigen jetzt schon die jährlichen Betriebsausgaben abgesehen von einer Verzinsung des Baukapi­tals und von einmaligen großen Aufwendungen.

In den letzten Tagen sind aus dem Süden des deutschen Schutzgebietes Kamerun mehrere beun­ruhigende Meldungen über die dortige Lage zu uns gelangt. Nach denselben soll der größte der dort lebenden Stämme, der der menschenfresienden Makas, zu einem allgemeinen Aufstande bereit sein. Man wird sich erinnern, daß in letzter Zeit im Süden Kameruns verschiedene Vorfälle sich ereigneten, die besonderer Aufmerksamkeit wert sind. Am 17. Mai wurde an der Straße JaundeDume der Kaufmann Bretschneider von den Makas ermordet, die bereits vor Wochen mehrfach die mit 30 Soldaten belegte Station Dume angriffen. Zwar ist einer der tüch-

Die Einnahmen, die einschließlich der Miet- und Pachtverträge und der sonstigen Erträgnisse mit 3,2 Millionen Mark in den Etat für das laufende Rechnungsjahr eingestellt sind, bleiben natürlich weit hinter denen des Suszkanals zurück; denn im Kaiser Wilhelm-Kanal sind di« Abgaben für große Schiffe wegen der Konkurrenz der Wassr

tigsten Offiziere der Kameruner Schutztruppe, Major Dombnik, mit 120 Mann nach dem bedrohten Teil des Schutzgebietes abmarschiert, doch dürfte er mit seiner kleinen Streitmacht gegen die nach Tausenden zählen­den Makas nicht viel ausrichten. Da die von dem Aufstand am meisten bedrohten Gegenden keine tele­graphische Verbindung mit der Küste haben, dauert die Nachrichtenübermittlung von dort eine geraume Zeit. Hoffentlich ist es inzwischen gelungen, die auf­standslustigen Kannibalen zur Ruhe zu bringen.

Unsere heutige Karte gibt eine Uebersicht des ge­samten Schutzaebietes mit seinen Bahnprojekten, Telegraphen, Militär- und Poststationen usw.

straße um ©tagen nur niedrig bemessen, während die kleineren Fahrzeuge noch viel mehr geschont werden. Alle Fahrzeuge, die sich fiskalischer Schleppdampfer bedienen, zahlen eine Schlepp­gebühr, die so gering bemessen ist, daß sie nur etwa y4 der reichsfiskalischen Selbstkosten deckt. Dabei sind es gerade die kleinen Fahrzeuge, die den Kanal mehr als andere Kategorien belaste«. Namentlich ist die Havariegefahr bei ihnen beson­ders groß. Bei der gegenwärtigen Stellung­nahme der Gerichte müssen daher die Havarie­schäden für die Kanalverwaltunp einen Gegen­stand ernstester Sorge bilden. Die Ersatzforde­rungen drohen sich in einer Weise auszuwachsen, die das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben völlig verschiebt. Es ist zu hoffen, daß die Begradigung und Verbreiterung der Fahr­straße auch nach dieser Richtung Besserung schafft. Auf der anderen Seite dürfte der Ausbau des Kanals den Verkehr der Fahrzeuge größerer Ab­messungen weiter beleben und somit auch trotz der neuen Aufwendungen die Erhaltung der Rentabi­lität zur Folge haben.

Diedeutsche Gefahr" in Südamerika.

In einem Teil der amerikanischen Press« nimmt das Gerede von einer deutschen Gefahr für Süd- und Zentralamerika, wie ja auch der Lärm um den harmlosenKaiserbrief" an ben Präsidenten von Nicaragua wieder lehrte, eher zu als ab und man bringt mit ihr neuerdings auch eine italienische in Zusammenhang. Italien ist mit Deutschland verbündet, was liegt also für amerikanische Phantasien näher, als an­zunehmen, daß die massenhafte Einwandemng aus Italien für die Unabhängigkeit südameri- kaniscüer ebenso bedrohlich sei als die Stärke ihrer deutschen Bevölkerung. 400 000 Italiener be­herrschen den brasilianischen Staat Sao Paulo, und viele Tausende von Italienern wohnen i« anderen Teilen der Republik. Sao Paulo ist die europäischste Stadt Brasiliens, eine wirklich moderne italienische Stadt. iy2 Millionen Ita­liener mit ihren Kindern leben in Argenttnien und üben dort einen sehr starken Einfluß auS, der italienische Arbeiter ist nüchtern, ehrlich, fleißig und sehr intelligent. Hunderttausende deut­scher Einwanderer beherrschen die Südstaaten Brasiliens in der Nähe der atlanttschen Küste, und der Norddeutsche Lloyd allein hat dort eine« Grundbesitz von nahezu 1 Million Hektar. I» Argentinien gibt es zahlreiche tüchtige und wohl­habende deutsche Kaufleute. Sie beherrschen dort wie anderwärts in Südamerika den größten Tell des Außenhandels. Bemerkenswert ist nun, daß ein bedeutender Südamerikaner, der ehemalige argentinische Minister des Auswärtitgen, Dr. E. S. Zeballos, in derTimes", die doch sonst gern deutschfeindlichen Betrachtungen eine Freistatt ge­währt, entschieden gegen die wider Deutschland und Italien erhobenen Verdächtigungen Stel­lung nimmt. Es sei lächerlich, meint er, sich vor

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Zur Aufstandsgefahr in Süd-Kamerun

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41. (Nachdruck verboten.)

-r** Kantate,

Von Anny Wothe.

y (Fortsetzung.)

Sie hatte nachtschwarzes Haar und große famtne Augen. Sie trug die rumänische National­tracht, und ihre süße Stimme tönte zu einer alten Fiedel in einer rußigen Kneipe. Aber Wie sie sang! Ich war berauscht, bezaubert. Sie lachte mich an und ich fragte sie ohne Besinnen, ob sie mein sein wollte. Da lachte sie wieder und sagte: Frei will ich sein und ohne Fessel. Da lachte ich mit ihr und fragte Sorte, ob sie nicht eine Künst­lerin werden möchte.

Da sah sie mich strahlend an und gab mir die Hand.Ich gehe mit Dir," sagte sie einfach. Ich sorgte für Sorkas Ausbildung. Sie lernte Über­raschend schnell, und bald glänzte ihr Name am Kunsthimmel als einer der ersten.

Wenn ich Sorka anflehte, meine Frau zu wer­den, lehnte sie es immer lächelnd ab.Frei müsse der Künstler sein." Meine Leidenschaft für Sorka aber war Lawinen gleich gewachsen.

Was fragte ich noch nach dem stillen Hans in der alten Heimat, was nach Vater und Mutter? Nttr Sorka wollte ich besitzen.

Meinen Eltern schien die Bereinigung mit der Abenteuerin, wie sie Sorka nannten, ganz un­denkbar. Es gab heftige Kämpfe, die dann zu einem Zerwürfnis führten, das mich zwang, dem Elternhause fern zu bleiben. Ich hatte mich in der Schweiz als Rechtsanwalt nidergelassen und Sorka unternahm von Basel aus, unserem Wohn­sitz, ihre Kunstreisen.

Nie habe ick an Sorkas Liebe für mich und en ihrer Aufrichtigkeit gezweifelt, obgleich mich oft die glühendste Eifersucht verzehrte, wenn ich p» fern wußte. Da starb mein Vater. Unv<r

föhnt war er geschieden. Die Hälfte seines großen Vermögens wurde mein und was all mein Bit­ten bisher nicht vermocht hatte, das geschah plötz- fich ohne mein Zutun. Sorka erklärte sich bereit, meine Gattin zu werden.

Heute weiß ich, daß nur der Reichtum sie lockte.

Ich war wie in einem Rausch. Einige glück­liche Jahre zogen herauf. Als Sorka mir ein Töchterlein schenkte, da versuchte ich eine Aus­söhnung mit meiner Mutter anzubahnen. Es ge­lang. Wie in ein fremdes Märchenreich, so durfte ich nun wieder in die Heimat schauen. Eines aber schmerzte mich. Meine Frau hielt sich abseits von meiner Mutter und von meinem Vaterhaus. Nie, so hatte sie erklärt, wollte sie die alte Frau sehen, die sich gegen eine Verbin­dung ihres Sohnes mit ihr gesträubt. Meine Mutter dachte nur an mich und das Kind in ihren zärtlichen Briefen, als hätte sie vergessen, daß es eine Sorka Petöfi gäbe."

Sorka Petöfi", rief Karleen mit angstvoll er­hobenen Händen,die schöne Frau, die uns Ban­kier Landheim zuführte?"

Rolf nickte düster.Sie ist es ober, sie darf nicht ahnen, daß ich ihr so nahe bin."

Sie wird Sie ertennen."

Nein, der Bart schützt mich, und die Keckheit, mich ihr hier in Gesellschaft zu nahen, traut sie mir nicht zu."

Karleen bebte an allen Gliedern. Die Frau mit den dunklen Feuerattgen, die sie so ungern in ihrem Vaterhause sah, von der die Mutter be­hauptete, sie wüßte nicht, ob sie wirflich gesell­schaftsfähig fei, von der halb Leipzig schon sich allerlei geheimnisvolle Geschichten zuflüsterten, die war die Gattin des dunklen Mannes dort, der ihr plötzlich so nahe gerückt war, als sei et ihr ein Freund aus Kindertagen.

Alle Furcht war von ihr genommen. ES dun­

kelte fast und doch war Karleen der Friedhof mit allen seinen Schrecknissen, die sie vorhin in der Phantasie geschaut, jetzt nur ein stiller, traum­haft schöner Garten, durch dessen verschneite Wege schon leise der Frühling schritt.

Run aber kommt das Schwerste," sprach Rolf mehr zu sich selber als zu Karleen, beide Fäuste gegen die Schläfen pressend.

Ich glaubte an Sorka trotz ihrer zweifelhaf­ten Herkunft und Vergangenheit. Ich erfüllte ihr jeden Wunsch, ich überscküttete sie mit Schmuck und kostbarem Tand und war stoh, daß meine Mittel es mir gestatteten, all ihren oft extra Vaganten Wünschen gerecht tverden zu können.

Meine sehr einträgliche Praxis gestattete mir nicht, Sorka zu begleiten auf all ihren größeren und kleineren Reisen, die sie oft unternahm, teils zu ihrem Vergnügen, teils um hier und da in einem Konzert zu fingen. So war Sorka jedes Jahr in Ostende, wo sie fabelhaft spielte. Die Hälfte meines Vermögens hat sie dort geopfert, und ich war schwach genug, um alles zu ge­statten.

Auch im vorigen Jahre war sie wieder in Ostende. Unsere kleine Jela hatte sie mitge­nommen.

Plötzlich erfuhr ich durch einen Zufall, daß ein Herr von Keßler, ein früherer Offizier, den Sorka schon in Basel vor allen anderen ausge­zeichnet, sich ebenfalls in Ostende befinde. Eine heftige Unruhe, die ich naturgemäß gamicht mo­tivieren konnte, packte mich plötzlich. Ich sprach erst zögernd, bann eingehender mit einem Freund darüber derselbe, der mir die Emp­fehlung an ihren Vater und Bruder gab, und es möglich machte, daß ich unter dem Namen des Dr. Eisele in Ihr Geschäft trat, und ich erfuhr zu meinem Entsetzen, daß alle toufcten, was nur mir selbst verborgen war. In ganz Basel mun­kelte mau von galante« Abenteuern meinet Frau.

Einer wollte sie hier, der ander, dort gesehen haben. Als ich all den Gerüchte,, auf den Grund ging, fehlten allerdings überall die Beweise, aber die Gerüchte allein brachten mich schon demWahn- sinn nahe.

Unheimlich, mit immer wachsender Gewalt bohrte es sich in mein Hirn. Ich war wie im Fieber, ich schrie, tobte und verfluchte Sorka und mein geliebtes schuldloses Kind. Endlich gab ich ben Vorschlägen meines Freundes nach, doch selbst nach Ostende zu fahren und mich von der Grundlosigkeit der Gerüchte zu überzeugen.

Ganz stumpfsinnig vor Schmerz nnd Qual willigte ich ein.

Ich reifte Tag und Nacht. Es war merk­würdig, daß ich in aller Angst und Wut gar nicht so ausschließlich an Sorka dachte, sondern viel-, mehr an unser Kind. Hilfesuchend sah ich es seine kleinen Häiwcheu mir entgegenstrecken.Schütze mich vor meiner Mutter," las ich in den großen erschreckten Kinderaugen.

Ich kam in Ostende an. Heimlich ftierf ich in demselben Hotel ab, in dem Sorka wohnte. Ich hörte, st- sei im Speiscsaal.

Eine unheimliche Ruhe kam über mich, als ich vernahm, daß das Zimmer Sorkas mit dem deS Herrn von Keßler zusammenstieß.

Ich wartete Stunde auf Stunde. Mein Zim­mer befand sich dem SorkaS gegenüber. Zu­weilen war es mir, als horte ich der Keinen Jela. Lachen, aber ich sah Jela nicht. I

Und dann, es war schon dunkel, kam Sorka: mit Herrn von Keßler nach Hause. Ich hörte auf. dem Flor eine wortreiche Verabschiedung und dann wurde es still. Und wieder wartete ich eine Weile. Da hörte ich, wie SorkaS Zimmer leise ver- schlossen wurde.

(Fortsetzung folgt)